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Tanz des Aufruhrs LXXI

Tanz des Aufruhrs LXXI,

und plötzlich entstand rund um die Erde ein Brausen, als hätte eine gewaltige Erkenntnis die Menschheit erfasst.

Und alle Menschen begannen miteinander zu reden und siehe, plötzlich verstanden sie einander, obgleich sie in ganz verschiedenen Zungen sprachen.

In allen Kontinenten, bis in die entlegensten Winkel der Erde, fühlten sie sich miteinander verbunden und riefen einander zu: hört ihr auch von den großen Taten – der Menschen?

Lange waren die Erdenbewohner in die Irre gegangen mit ihren großen Fähigkeiten, hatten ihre Erkenntnisse missbraucht, um die Welt zu ruinieren und ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Plötzlich aber, wie durch ein Wunder, erkannten sie den Ernst der Lage, schlugen sich an den Kopf und riefen einander zu: Was taten wir? Wie konnten wir so in die Irre gehen? Waren wir blind? Waren wir lebensmüde? Hassten wir uns derart, dass wir zerstören mussten, wovon wir lebten? Was ist los mit uns?

Wir müssen uns ändern. Sofort und auf der Stelle.

Jeder Tag, den wir ungenutzt verstreichen lassen, ist ein ungenutzter, ja, mörderischer Tag. Wir gefährden …

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Tanz des Aufruhrs LXX

Tanz des Aufruhrs LXX,

Wird Corona die Welt ändern?  

„Die Geschenke für die Gescheiterten schwächen die Erfolgreichen.“ (WELT.de)

Herr Professor dachte an Firmen, die vor Corona pleite waren und jetzt, im allgemeinen Trubel des Geldsegens, sich noch schnell ans Ufer retten wollen. Auf Kosten aller anderen.

Vermutlich hätte er nichts dagegen, wenn man seinen Satz verallgemeinerte: die Schwachen müssen weichen, die Starken zu Herrn der Erde werden. Sie sorgen für Arbeitsplätze und Wohlstand. Schwache sind Parasiten, die die Starken melken. In Krisenzeiten müssen sie schauen, wo sie bleiben. Hier beginnt das Hauen und Stechen von jedem gegen jeden.

Straubhaars Vordenker Hayek hatte weniger Hemmungen, das Notwendige zu sagen. Im Kampf des Überlebens hilft kein Mitleid, keine Fürsorge.

Es gibt sogenannte angeborene Moralvorstellungen unserer Instinkte (Solidarität, Altruismus, Gruppenentscheidungen), deren Niederschlag im praktischen Leben nicht ausreicht, um unsere erweiterte Ordnung und deren Bevölkerung zu erhalten.“ (Die verhängnisvolle Anmaßung)

Wir müssen uns den Gesetzen des Marktprozesses ergeben, wenn wir überleben wollen. Das wäre ein …

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Tanz des Aufruhrs LXIX

Tanz des Aufruhrs LXIX,

Owê, war sint verswunden alliu unsriu jâr!
Ist unser leben getroumet, oder ist es wahr?
Alles, wovon wir glaubten, es sei etwas, war da was?
Demnach haben wir geschlafen und wissen es nicht.
Jetzt bin ich erwacht und es ist mir unbekannt,
was mir zuvor bekannt war wie eine meiner Hände.
Land und Leute, bei denen ich von Kindheit an erzogen wurde,
die sind mir fremd geworden, so als sei es erlogen.
Die meine Spielkameraden waren, sind jetzt träge und alt.
Brach liegt das Feld, verhouwen ist der walt.
(Walther von der Vogelweide, 12. Jahrhundert, aktualisiert)

Der Wald – abgeholzt. Unser Leben – geträumt und erlogen? Schliefen wir und wissen es nicht mehr?

Das war vor 800 Jahren und wälzte sich wie eine rasende Vernichtungs-Lawine durch die Jahrhunderte – bis zum heutigen Tag. Acht Jahrhunderte lang vergrößerten sich Dummheit und Naturschändung der Europäer von Tag zu Tag.

800 Jahre?

Siegesgewiss blicken sie auf den Zusammenbruch der Natur. Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all den künftigen Jahrhunderten noch finden?“ (Plinius, 1. Jahrhundert ndZ)

„Wie lange noch, dann gibt es keinen See mehr, in den nicht die Giebel eurer Villen schauen! Keinen Fluss, dessen Ufer nicht …

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Tanz des Aufruhrs LXVIII

Tanz des Aufruhrs LXVIII,

weit und breit kein klarer Gegenbegriff zu Verschwörung. Wir müssen über die Felder gehen und stoppeln.

„Verschwörungstheorie muss im Gegensatz zu einer offiziellen Version der Wahrheit stehen.“ (planet-wissen.de)

Was ist eine offizielle Version der Wahrheit? Im Katholizismus sind päpstliche Verlautbarungen offizielle Versionen der Wahrheit. Für Luther ist der Urtext der Bibel die offizielle Version der Wahrheit – mit Ausnahme des Jakobus-Briefes und der Johannes-Apokalypse.

Jakobus widersprach der paulinischen Rechtfertigungslehre: allein durch Glauben ohne Werke des Gesetzes:

„Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben, und ich habe die Werke; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken.“ (2, 18)

„Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Röm. 3, 27 f)

Für Jakobus wäre Paulus, für Paulus Jakobus ein Verschwörer gewesen. Verschwörung und Gegen-Verschwörung haben ein gemeinsames und ein konträres Element in ihrer Wahrheitstheorie. Gemeinsam ist …

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Tanz des Aufruhrs LXVII

Tanz des Aufruhrs LXVII,

Schau an, die Edelschreiber werden rabiate Zuchtmeister. Sich mit nichts gemein machen, auch nicht mit dem Guten, ihr Motto werfen sie kurzfristig aus dem Fenster und verteilen Verhaltensnoten, dass es nur so kracht.

„Mit Demonstranten, die sich nicht daran stören, neben Rechten und Extremisten zu stehen, kann man nicht verhandeln. Wer gehört werden will, muss zu ihnen Abstand halten. Wer aber will, dass seine Position als ordentlicher demokratischer Protest gehört und gewogen wird, muss die erste demokratische Hygieneregel einhalten: niemals Hand in Hand mit Extremisten.“ (Sueddeutsche.de)

Fehlt nur: vorher die Hände waschen. Sonst kommt ihr Randalierer nicht in die Zeitung.

Um mal höflich anzufragen: wär‘s möglich, dass die Mascolo-Innung nur selten auf Demos zu besichtigen ist? Und wenn, nur mit Schreibblock und Kamera? Die meisten Demonstranten wollen ihr Anliegen in die Welt schreien. Wer neben ihnen läuft, ist ihnen herzlich gleichgültig.

Eben das ist ihr Fehler, zücken die Mascolos den roten Stift. Wehret dem bösen Schein durch anrüchige Kumpanei!!

Upps, schluck: sind es nicht eben diese Zensoren, die ständig davor gewarnt haben, die Welt in gut und böse einzuteilen? Nun spalten sie selbst? Jetzt soll man vorher beim Verfassungsschutz anrufen, um …

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Tanz des Aufruhrs LXVI

Tanz des Aufruhrs LXVI,

Alles, was keine Verschwörungstheorie ist = Vernunft?

Alles, was Gegner der Verschwörungstheorie für wahr halten, müsste also rational sein?

Was halten normale Deutsche für wahr?

Dass wir „unbesiegbar“ sind. Dass Wirtschaft ewig wächst. Dass Kapitalismus die beste Art der Wirtschaft ist: die effizienteste und gerechteste. Dass Fortschritt unendlich ist. Dass Zukunft paradiesische Verhältnisse bringen wird. Dass Technik und Wissenschaft unfassliche Erkenntnisse und Fähigkeiten liefern werden. Dass unsere Macht über die Natur erst am Anfang steht. Dass KI den Menschen um Welten übertreffen und überflüssig machen wird. Dass Umweltprobleme von genialen Robotern gelöst werden. Dass die Zukunft des Menschen im All liegt, wenn die Erde verbraucht ist. Dass es Sieger und Verlierer geben muss: wenige, auserwählte Sieger und Massen an Verlierern.

Das ist das Credo westlicher Eliten. (Vorsicht bei „Eliten“: sie könnten eine Erfindung der Verschwörungstheoretiker sein.)

Ein Historiker der Bismarckzeit, Mitglied der Eliten, formulierte es „nüchtern und sachlich“:

„Millionen müssen ackern, schmieden und hobeln, damit einige Tausend forschen, malen und regieren können.“ (Treitschke)

Heute müsste man von Milliarden sprechen, die schuften, malochen, innerlich ausbrennen, in …

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Tanz des Aufruhrs LXV

Wir kreisen um uns – die Welt haben wir vergessen:

„Meine europäischen Freunde haben mich gefragt, wie es mir geht. Mir geht es gut. Ich befinde mich im Wald bei meinem Volk, ganz im Norden Brasiliens, am Ufer des Flusses Oiapoque. Die Natur umgibt mich, sie beschützt und nährt mich. Ich lebe im Rhythmus des Gesangs der Vögel und des Regens, und ich führe die Rituale aus, die mich in Kontakt zu meinen Vorfahren bringen. Zum ersten Mal seit 500 Jahren sind Europa und Amerika wieder voneinander getrennt. Meine Mutter, eine Tucana, gab mir den Namen Kay Sara. Das bedeutet: „Die sich um andere sorgt“. Von väterlicher Seite bin ich also eine Tariana. Aber ich spreche in meiner Muttersprache zu ihnen, dem Tucano. Wie jeder bin ich eine Mischung aus vielem: ich bin Tucana und Tariana, eine Frau, eine Aktivistin, eine Künstlerin. Ich spreche als all das zu ihnen. Wir Tucano werden Indianer genannt. Aber ich bestehe darauf, dass wir Indigene genannt werden. Denn indigen heißt: einheimisch. Ich bin Schauspielerin geworden, damit ich von uns, den Indigenen, erzählen kann. Lange Zeit wurde unsere Geschichte mit den Worten von Nicht-Indigenen erzählt. Nun ist es an der Zeit, dass wir selbst unsere Geschichte erzählen. Unser Unglück begann, als die Spanier und Portugiesen in unser Land kamen. Zuerst kamen die Soldaten, dann kamen die Geistlichen. Mit den Europäern kamen die Krankheiten zu uns. Millionen starben. Weitere Millionen starben von der Hand der Soldaten und der Geistlichen, im Namen des einen Gottes und der einen Zivilisation, im Namen des Fortschritts und des Gewinns. Einige verließen die Wälder, um auf den Feldern zu arbeiten. Aber am Ende der Arbeit tötete man sie, um sie nicht zu bezahlen. Heute sind nur noch wenige von uns übrig. Ich bin eine der Letzten der…

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Tanz des Aufruhrs LXIV

Tanz  des Aufruhrs LXIV,

Zur Wahrheit!

„Die Wahrheit wird euch frei machen“.

„Es versteht sich von selbst, dass es sich bei Johannes nicht um die Erschlossenheit alles Seienden im Sinn des griechischen Fragens geht. Glaubenden wird nicht die eine rationale Erkenntnis verheißen, kraft deren er den Schein, die traditionellen Meinungen und Vorurteile, durchbrechen könnte und eine unverstellte, umfassende Sicht in das Seiende gewönne, um je nach Bedarf und Interesse das Einzelne richtig zu erkennen. Vielmehr ist die Frage nach der Wahrheit orientiert an der Frage nach dem Leben als dem eigentlichen Sein des um sein Sein besorgten Menschen, dem diese Frage aufgegeben ist, da er Geschöpf ist. Gottes Wahrheit ist Gottes Wirklichkeit, die allein Wirklichkeit ist, weil sie Leben ist und Leben gibt, während die Scheinwirklichkeit der Welt Lüge ist, weil sie angemaßte Wirklichkeit im Gegensatz zu Gott ist und als solche nichtig ist und den Tod bringt.“ (Bultmann, Das Evangelium des Johannes)

Welche Wahrheit? Die Wahrheit der Welt oder die Wahrheit Gottes?

Wahrheit der Welt ist für Gott eine nichtige Lüge, die er mit dem Tode bestrafen wird.

Wahrheit Gottes ist für die Welt eine wahnhafte Kreation, mit der sie sich selbst den Untergang bereiten wird.

Geprägt ist die christliche Welt von zwei Wahrheitsbegriffen, die sich gegenseitig als Pest und Cholera betrachten. Entweder …

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Tanz des Aufruhrs LXIII

Tanz des Aufruhrs LXIII,

Achtung, Verschwörungstheorie:

Alle Alten über 70 werden für den Rest ihres Lebens kaserniert.

Grund: sie sollen geschützt werden. Wovor? Vor ihrer Anmaßung, Leben und Tod selbst bestimmen zu wollen.

Selbstbestimmung, sagen die Erzähler der Fortschrittsgeschichte, sei ein Virus von gestern, der viel zu lange sein Unwesen treiben konnte.

Pardon, natürlich sollen sie vor Corona geschützt werden.

Ohne Pardon: sie sind überflüssig geworden, verursachen nur Kosten und hindern die Jüngeren, den fröhlichen Wettbewerb der Nationen bis zum bitteren Ende fortzusetzen. Warum sollen wir Demente, Pflegebedürftige künstlich am Leben erhalten, die ohnehin in fünf Jahren die Platte putzen werden?

Einspruch: sie sollen doch geschützt werden, damit sie noch lange ein munteres Leben hinter Plexiglas führen können!

Das ist die offizielle Version. Die wirkliche lautet: getrennt von der Menschheit sollen die Überflüssigen in suizidale Hoffnungslosigkeit verfallen – um selbst Hand an sich legen. Diesen Liebesdienst an ihren Nachkommen kann …

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Tanz des Aufruhrs LXII

Tanz des Aufruhrs LXII,

„Weil auch normale Bürger teilnehmen, werden die Extreme anschlussfähig, Hass und Wut sickern in die Mitte ein.“ (Sebastian Fischer, SPIEGEL)

Mitte ist ein Terminus der antiken Philosophie, der durch Aristoteles in die Ethik eingeführt wurde. Er bezeichnet laut Aristoteles die Stellung einer Tugend zwischen zwei einander entgegengesetzten Lastern, dem „Übermaß“ und dem „Mangel“. (Wiki)

„Daher ist die Tugend ihrem Wesen nach … eine Mitte; im Hinblick darauf aber, was das Beste und das gute Handeln  ist, ist sie ein Extrem.“ (Aristoteles)

„Dann aber muss wenigstens das Bewusstsein davon lebendig bleiben, dass in der verlorenen Mitte der leergelassene Thron für den vollkommenen Menschen, den Gottmenschen, steht.“ (Sedlmayer, Verlust der Mitte)

„Für die Ethik folgt die Forderung, die rechte Mitte (le juste milieu) zu halten zwischen zB Hochmut und Verzweiflung. Äußerste Tugenden werden zu Lastern, nur die Mittelmäßigkeit (mediocrite) ist gut,
verlässt die humanite und grandeur (Menschlichkeit und Größe). (Philosophisches Wörterbuch)

Wenn Gesellschaften in Gefahr kommen, rollen sie sich zusammen wie Igel und schützen ihre Mitte, indem sie ihre Stacheln …

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