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Tanz des Aufruhrs XLVII

Tanz des Aufruhrs XLVII,

die globale Seuche ist nicht nur gefährlich. Gehen wir in der Morgenfrühe über den Acker und schauen, was die Sonne an den Tag bringt. Was gäbe es nicht alles zu entdecken, das wir nie zur Kenntnis nehmen wollten? Krisen sind Lehrstunden. Und sind sie es nicht, werden sie uns vernichten.

Corona, eine altmodische Pädagogin, benutzt noch den Rohrstock. Sie kann uns krank machen und den Tod bringen, doch in vielen Dingen könnte sie uns die Augen öffnen. Erkennen aber müssen wir schon selber.

Gedenket des Todes. Nicht um zu sterben, sondern um die Freundlichkeiten des irdischen Lebens zu entdecken und nicht rüde von uns zu weisen.

Für Trump ist Corona eine Strafe Gottes, weshalb er seine Kohorten zum Beten auffordert. Beten und erkennen aber vertragen sich nicht.

Beter folgen dem Motto: memento mori. Nicht, um der Welt zu huldigen, sondern um die Erde zu ächten und ein Leben im Jenseits zu preisen: jenes Leben, auf das sie vergeblich warten und hoffen müssen. Prinzip Hoffnung, wenn es sich nicht auf Taten des Menschen bezieht, sondern auf …

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Tanz des Aufruhrs XLVI

Tanz des Aufruhrs XLVI,

Was, wenn Carl Schmitt Recht hätte?

„Die Ausnahme ist interessanter als der Normalfall. Das Normale beweist nichts, die Ausnahme beweist alles; sie bestätigt nicht nur die Regel, die Regel lebt überhaupt nur von der Ausnahme. In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in der Wiederholung erstarrten Mechanik.“

Der gegenwärtige Normalfall ist Demokratie. Wie oft kokettierten deutsche Edelschreiber in den letzten Jahren mit ihrem Abscheu vor anödender Normalität. Postdemokratie war die neue Losung der Ennuyierten. Sie schauten hinüber in die Tiefen Asiens, wo fremde Systeme auf dem Sprung waren, die westlichen Systeme zu überrunden.

Am Anfang der russische Bolschewismus, der als erster mit Sputniks den Weltraum eroberte. Der erste Mensch im Weltraum trug keinen amerikanischen Namen, sondern hieß Juri Gagarin.

Dann die japanische Gefahr, die den Westen mit billigen Produkten überschwemmte.

Jetzt die Chinesen, die am gesamten Westen vorbeipreschen, selbst Amerika hinter sich lassen und zum Vorbild aller …

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Tanz des Aufruhrs XLV

Tanz des Aufruhrs XLV,

„… wird harrrt bestraft.“ (CDU-Kanzlerkandidat Laschet)

Ab jetzt wird zurückbestraft. Noch härrrter. Kein Aprilscherz.

Hier die Strafliste, die überall in der verseuchten Republik verteilt wird:

1000 Euro oder 10 Tage Karzer für Armin Laschet – wegen fahrlässiger Dummheit: er wurde mit nasenfreiem Mundschutz erwischt.

10 000 Euro für FDP-Buschmann – wegen terroristischer Androhung der Revolution des Mittelstandes, der um seinen Reichtum fürchte. Ab sofort vom Verfassungsschutz zu überwachen.

„Wenn die deutsche Mittelschicht den Eindruck erlangen sollte, dass ihre Belange und Bedürfnisse angesichts der Bedrohung ihrer sozialen Lage nicht ins Zentrum der deutschen Politik rücken und dort zu einer klaren Änderung der Prioritäten führen, dann soll kein verantwortlicher Politiker behaupten, er habe nicht wissen können, was dann geschieht. Dann liegt irgendwann Revolution in der Luft.“

11 111 Euro für Bernhard Pörksen, Professor für Medienwirtschaft – wegen Verleumdung a) der Freiheit als …

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Tanz des Aufruhrs XLIV

Tanz des Aufruhrs XLIV,

„Alles Glück ist dahin,
die Welt ist ins Elend gestoßen,
Ich zeige dir das Land in schwerer Krankheit,
Ich zeige dir das Unterste zuoberst“.
(Die Prophezeiungen des Neferti, Altes Ägypten)

Norman Cohn kommentiert:

„Die Zerrüttung der Gesellschaft spiegelt sich in einer zerrütteten Natur wider. Nil und Sonne sind aus den Fugen.“ (Die Erwartung der Endzeit, Vom Ursprung der Apokalypse)

Der Mensch bedroht die Natur und erzeugt die Klimakatastrophe.
Corona  erzeugt die Seuche und bedroht den Menschen.

Hängen die Sätze zusammen?

Niemals. Das wäre eine kosmische Verschwörungstheorie. Natur ist eine seelenlose Maschine.

Doch. Alles Natürliche ist göttlich, alles Göttliche Natur. (Hippokrates) Götter, identisch mit Natur, sind Bilder für den Geist.

Wäre Natur geistlos, könnten beide Sätze nicht zusammenhängen. Krankheiten wären Folgen mechanischer Ursachen, die keinen …

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Tanz des Aufruhrs XLIII

Tanz des Aufruhrs XLIII,

Als das Geräusch der Spielplätze verschwand, setzte die Verzweiflung ein“, lautet ein Zitat aus Children of Men. In intensiven Bildern wird von einer Welt erzählt, in der seit 19 Jahren kein Kind mehr geboren wurde. Weil durch das nahende Ende alles sinnlos scheint, werden Selbstmordpillen legalisiert und an jeder Ecke Anschläge verübt. Die Regierung errichtet ein totalitäres Regime und verbannt Asylsuchende in Konzentrationslager.“ (Sueddeutsche.de)

Das Geräusch der Spielplätze ist schon verschwunden. Die Erwachsenen ertragen nicht mehr das unbeschwerte Spielen der Kinder, die keine Apokalypse kennen.

„Naturereignisse spielen in vielen weiteren Endzeitwerken den Zivilisationskiller. In Zeiten, in denen die Polkappen schmelzen wie ein Vanilleeis im Hochsommer, bekommt die Menschheit zumindest im Film den Raubbau an Mutter Erde bitter zu spüren. Im japanischen Trash-Movie The Last Days of Planet Earth lassen die ökologischen Unbedarftheiten Tiere und Pflanzen zu todbringenden Wesen mutieren. Die meisten Visionen besitzen einen realen Bezug. Das gilt auch für das Motiv einer tödlichen und rasch um sich greifenden Krankheit. Schließlich beschwörten bereits die jüngsten Schreckensmeldungen zur Schweinegrippe die Gefahr einer weltweiten Epidemie. In Terry Gilliams Parabel Twelve Monkeys hat ein Killervirus die Erdbevölkerung dramatisch reduziert. Nur eine kleine Gruppe übersteht die Pandemie und gräbt sich aus Angst vor der Seuche unter die Erdoberfläche. „Die Menschen verdienen es vielleicht sogar, von der Erde gefegt zu werden“, sagt Bruce Willis im Film.“

Hollywoods Apokalypse-Phantasien sind auf allen Kanälen präsent. Die messiasgeprägte Menschheit ist gebannt von …

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Tanz des Aufruhrs XLII

Tanz des Aufruhrs XLII,

Grenze.

John Maynard Keynes schrieb vor neunzig Jahren einen Essay mit dem Titel: „Wirtschaftliche Möglichkeiten für unsere Enkelkinder“.

Was – so meditierte er – soll aus der Menschheit werden, wenn sie ihre ökonomischen Probleme gelöst, ihre materiellen Bedürfnisse gestillt und so viel zur Verfügung hat, wie sie braucht?

Vermutlich im Jahre 2030 wird dieser Punkt gekommen sein: wir müssten nur 15 Stunden pro Woche arbeiten, um ein sicheres Leben zu führen. Die Wirtschaft hätte sich auf einem guten Niveau eingependelt.

Dann aber würde sich die große Frage stellen: Was machen wir mit unserer freien Zeit?

Erstaunliche Antwort eines Ökonomen: „Wir genießen das Leben. Wir kümmern uns um unser Wohlergehen und bringen unser Potential zur vollen Entfaltung. Verbringen Zeit mit FreundInnen und Familie, bilden uns weiter, widmen uns Kunst und Kultur.“ (zit. nach Maja Göpel, Unsere Welt neu denken)

Wir stehen kurz vor 2030. Wenn wir bis dahin nicht unsere Ökobilanz in Ordnung gebracht haben, werden wir uns nicht …

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Tanz des Aufruhrs XLI

Tanz des Aufruhrs XLI,

Die Stunde der Vernunft – wie lange dauert sie?

Zwei Wochen lang, bis die Infektionsrate sinken wird? Ein ganzes Jahr lang, bis Impfstoffe die Viren zur Vernunft bringen werden? Wer entscheidet, wann die Stunde wieder abtauchen muss im Fluss zeitloser Unvernunft?

In einer exponentiellen Wachstumskultur ist zeitlose Vernunft polizeilich verboten. Mit ihr die ewige Wahrheit. In einer Zeit wahrheitsloser Einzel-Augenblicke muss die Stunde der Vernunft eine absolute Ausnahme bleiben. Zu groß wäre die Gefahr einer infektiösen Ansteckung der Zeit, die von Vernunftlosen bezeichnet wurde als: Zeit-ist-Geld.

Warum tragen Menschen, die auf sich halten, immer mehr kostbare Uhren am Handgelenk? Damit sie rechtzeitig gewarnt werden vor bedrohlichen Stunden der Vernunft. Ein schriller Ton kündigt ihnen an: Vorsicht, Vernunft. Ein freudiger Ton der Entwarnung signalisiert: Edler des Augenblicks, die Gefahr ist gebannt. Ihr könnt wieder tun, was Eurer zeitlosen Freiheit entspricht. Hau drauf, Junge!

Eine Stunde der Vernunft ist in einer zeitlos-größenwahnsinnigen demokratischen Verfassung nicht vorgesehen. Dort liest man …

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Tanz des Aufruhrs XL

Tanz des Aufruhrs XL,

„Wie jede Pandemie ist auch diese ein vorübergehendes Phänomen. Aber für manche Länder mache ich mir Sorgen darum, dass die Notfallmaßnahmen, wie sie nun überall ergriffen werden, dauerhaft installiert bleiben. Gesetze gegen öffentliche Versammlungen, die für einen bestimmten Zeitraum erlassen werden, könnten weiter gelten, sodass die Versammlungsfreiheit langfristig beeinträchtigt wird. Wir müssen wachsam sein und jedem Versuch mit Misstrauen begegnen, der die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise nutzt, um Machtpositionen auszubauen und zu verfestigen. Darin sehe ich die größte politische Gefahr von Corona. Der Ausnahmezustand darf nicht zur neuen Normalität werden.“  (Richard Sennett) (TAGESSPIEGEL.de)

Noch sind es rationale Gründe, mit denen die Demokratie – von Deutschen nicht erfunden, nicht erstritten oder erkämpft – in ein künstliches Koma gelegt wird. Seltsam, wie erleichtert sie schienen, als ihre führende Pilgerfrau auf dem Sankt-Jakobs-Weg ihnen die Möglichkeit bot, durch Folgsamkeit in das Unvermeidliche das Geschenk ihrer Befreier auf dem Müll zu deponieren – vorübergehend natürlich.

Das Koma ist lästig, doch die Last überdeckt das Aufatmen: endlich keine Verantwortung mehr. Ein anderer Virus, tief im Innern der besiegten und gekränkten germanischen Seele, könnte erwachen und sagen: Demokratie, was ist das? Ist die Herrschaft der Massenseele geeignet für eine weltführende Nation? Ist nicht eine neue Zeit …

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Tanz des Aufruhrs XXXIX

Tanz des Aufruhrs XXXIX,

Corona ist der beste Heimsucher und Überprüfer der Welt. Unerbittlich entlarvt er die Pestflecken der Demokratien.

Vor dem Virus sind alle Menschen gleich?

Die Reichen haben privilegierten Zugang zu Ärzten, besitzen komfortable Rückzugsorte, in denen sie vor dem Pöbel sicher sind. Die Todesrate unter den Besitzern von Inseln, Yachten und Privatjets dürfte bei Null liegen. Nach der Heimsuchung sind sie die Helden der Nation, denn sie spenden Almosen und richten Stiftungen ein. Humanität muss man sich leisten können. Wer nichts hat, hat auch seinem Nächsten nichts zu bieten.

Vor skandalösen nationalen Gesundheitssystemen sind alle ungleich. Die Systeme auf der Höhe des Fortschritts sind auf nichts vorbereitet, beherrschen die Kunst des Überraschtwerdens und wissen, dass im Falle eines Falles namenlose Pflegerinnen, Schwestern und Ärzte sich zerreißen werden, um das vollständige Chaos zu verhindern.

Eine italienische Schwester ist am Ende ihrer Kraft. Wenn sie ausgebrannt für wenige Stunden nach Hause kommt, kann sie auf Mann und Kinder nicht eingehen. Alpträume verlassen sie nicht im Schlafen und nicht …

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Tanz des Aufruhrs XXXVIII

Retardierendes Moment. Ein Virus macht die Welt zum Kunstwerk – mit welchem Ausgang?

„Das retardierende Moment bezeichnet eine Szene im Handlungsverlauf eines Dramas, die nach dem Höhe- und Wendepunkt das Ende der dramatischen Handlung hinauszögert, indem sie kurzzeitig einen anderen Ausgang als erwartet möglich oder wahrscheinlich macht. Dadurch steigt die Spannung vor dem unweigerlichen Ende erneut an.In der Tragödie bezeichnet das retardierende Moment ein Ereignis, welches dazu führt, dass man die trügerische Hoffnung auf die (noch denkbare) Rettung des Helden erhält. In der Komödie bezeichnet das retardierende Moment ein Ereignis, welches das sich scheinbar in greifbarer Nähe befindliche glückliche Ende hinauszögert.“

In den Oberammergauer Festspielen steht der Held fest. Der Retter muss zuerst getötet werden und die Menschheit in Panik fallen, bevor sie befreit aufatmen darf.

Der Kairos des Corona-Virus ist phänomenal: erst Karfreitag, dann Osterjubel – oder doch nicht? Wir …

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