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Alles hat keine Zeit XIX

Alles hat keine Zeit XIX,

„Die Kunst muss frei sein. Wenn man sich moralisch einschränken lässt, wenn einem immerzu Böses unterstellt wird, dann werden wir über kurz oder lang verstummen. Und dann sind die Debatten so moralisch. Das wundert mich am meisten, wie viele bereit sind, sich moralisch über andere zu erheben. Schon weil das voraussetzt, dass es überhaupt Gut und Böse gibt. Nicht mal daran glaube ich.“ (Lars Eidinger) (Berliner-Zeitung.de)

Ist Kunst das Leben? Darf Leben alles? Darf es auch Verbrechen?

Dann wären die Deutschen die Freiesten aller gewesen. Völker, schaut auf dieses Volk, wie es sich befreit hat von moralischen Einschränkungen – um sich anderen Völkern nicht in eitel-moralischer Pose überlegen zu zeigen. Kumpanei im Bösen ist wahre Demut.

„“Viele unserer Nachbarn sagen mir: Warum sollen wir uns beteiligen, wenn die Deutschen immer wieder als Moral-Weltmeister auftreten und uns damit unter Druck setzen.“ Da könne man ihnen schwer widersprechen.“ sagt der katholische Innenminister Seehofer. (SPIEGEL.de)

In allen Dingen sollen sie Champions sein, nur nicht in Tugend, Sittlichkeit, Moral … oder wie diese Freiheitsfeinde sonst noch heißen mögen. Nun verstehen wir die Demut der Kanzlerin: mit heißer Nächstenliebe will sie niemanden beschämen. Lieber mit anderen brüderlich im Schlamm waten, als überheblich von der Kanzel auf sie herab predigen – oder sie auf der Agora mit philosophischer Moral anzupflaumen.

Kanzel und Agora werden in Deutschland nicht unterschieden. Aversionen gegen klerikale Bevormundung richten die …

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Alles hat keine Zeit XVIII

Alles hat keine Zeit XVIII,

Kein Wunder ist geschehen. Julian Reichelt kümmert sich nicht um palästinensische Kinder, die in seinem reinen Weltbild keine Existenzberechtigung haben. Sollte er sich um Phantasmagorien sorgen? Das war eine hinterlistige Fälschung.

Und nun zu den Fakten, die in der deutschen Medienlandschaft ganz ohne Gerüchlein auskommen – wie Bewertungen, Beurteilungen, moralische Benotungen. Wer 13 Jahre lange von garantiert moralfreien objektiven Noten drangsaliert wurde, will von solchen Plagen nichts mehr wissen. Freiheit den Fakten!

Willy Brandt muss ein knuddliger Chorknabe gewesen sein, denn er schloss Frieden mit dem bösen Osten – sprach Josef Joffe:

„Frieden wird bekanntlich nicht von knuddeligen Chorknaben geschlossen. Das Regime (der Iran) unterwirft und greift aus; es ist keine „Friedensmacht“, wie Willy Brandt die Bundesrepublik gefeiert hat.“ (ZEIT.de)

Joffe preist den neuen Friedensblock in der Weltpolitik, das Bündnis Amerika-Israel-Arabische Emirate. Friedensschwärmer sind diese dreieinigen Kumpane nicht. Zum Frieden wurden sie genötigt von …

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Alles hat keine Zeit XVII

Alles hat keine Zeit XVII,

nicht Donald Trump, sondern sein Schwiegersohn Jared Kushner sollte mit dem nächsten Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden.

Er war es, der den Friedensvertrag zwischen Israel und einigen arabischen Staaten zuwege brachte. Er zerschlug den gordischen Knoten mit den Palästinensern, die mit links aus dem Weg geräumt wurden und nun die besten Chancen haben, als Menschen zweiter Klasse in Israel zwangsintegriert zu werden. Die Theokratien in Nahost sind entschlossen, ein militantes Gottesurteil über die Frage zu erzwingen: wer unter ihnen besitzt den wahren Gott?

Unverhohlen darf Netanjahu über den Siegfrieden triumphieren, zu dem seine ultrafrommen Verbündeten die biblische Losung ausgaben:

„Und da sie wider euch stritten, gab ich sie in eure Hände, dass ihr das Land besaßt.“

Großes Aufatmen in Deutschland, dem Land der Täter, die ihre Reue und Buße über die Menschheitsverbrechen ihrer Väter nicht anders erweisen können, als erneut zu Tätern zu werden. Nicht so entsetzlich wie ihre väterlichen Welterlöser, doch schrecklich genug, dass ihr kritikloses Wegsehen als passive Zustimmung zur Verletzung von Menschen- und Völkerrechten definiert werden muss.

Kann man von Frieden sprechen, wenn die Rechte eines Volkes geopfert werden?

Kann man von Frieden sprechen, wenn das neue Bündnis vor allem dazu dient, die Spannungen gegen den gemeinsamen Feind zur Gefahr eines atomaren Krieges zu verschärfen?

Peter Münch ist eine Stimme, die verlässlich …

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Alles hat keine Zeit XVI

Alles hat keine Zeit XVI,

heute geht es nur um die Weltordnung – und niemand schaut hin. Außer Dirk Kurbjuweit:

„Es wird nichts Wesentliches entschieden, aber es wird von wichtigen Akteuren darüber geredet, wie Staaten mit Staaten und wie Staaten mit Menschen umgehen wollen und sollen. Im Prinzip geht es um das demokratische gegen das autoritäre Prinzip. Es gibt zwei Möglichkeiten: Erstens, die EU will vor allem Handelspartner sein und wirtschaftlich von China profitieren. Zweitens, die EU will in der künftigen Weltordnung politisch eine Rolle spielen, als Macht des Guten, die sich friedlich, aber nachdrücklich für Demokratisierung, Rechtsstaat und Menschenrechte einsetzt und damit gegen Willkür. Fall eins würde heute ein eher unterwürfiges, angepasstes Verhalten erfordern, Fall zwei ein selbstbewusstes, hier und dort auch freundlich forderndes. Fall zwei wäre besser. Will die EU eine Macht des Guten sein, muss sie auf dem eigenen Kontinent damit anfangen, sich für Demokratisierung, Rechtsstaat und Menschenrechte einzusetzen. Sie sollte das für die verfolgten und gedemütigten Menschen tun, aber auch für sich selbst. Die EU wird nie die Waffen haben, über die die USA verfügen und irgendwann auch China verfügen wird. Wenn sie in der Welt eine Rolle spielen kann, dann über die Kraft ihrer Wirtschaft und ihre moralische Klarheit. Mit Letzterer kann sie Verbündete in aller Welt finden.“ (SPIEGEL.de)

Eindeutige Worte. Tut sich was in der Presse? Plötzlich hört man Begriffe wie Humanität, Moral und Menschenrechte, bislang kontaminierter als Corona-Viren.

Gab es Berichte in ARD und ZDF? Hat Anne Will in bester Aufgeräumtheit debattieren lassen? Wo denkst du hin? Deutschlands Ordnung ist wichtiger als die Weltordnung, genauer: Deutschlands Unordnung, die sich mit heilsgeschichtlicher Notwendigkeit dem Zustand eines Tönnies‘schen Saustalls nähert.

Doch ohne Sorge, sei ohne Sorge: deutsche Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit wird alles richten – durch Abducken, Verstummen und Selbstregulierung des Marktes, der …

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Alles hat keine Zeit XV

Alles hat keine Zeit XV,

„Um jeder Verwechslung zuvorzukommen, erkläre ich, dass ich nie eine Zeile für dieses Blatt geschrieben habe, dessen bürgerlich-philanthropische, keineswegs kommunistische Tendenzen mir durchaus fremd sind.“ (Trier’sche Zeitung, Brüssel, den 18. Januar 1846. Karl Marx)

„Er wandte sich gegen die Auffassung von „Genossen“, die eine „abstrakte“, „über den Klassen stehende allgemeine Menschenliebe“ forderten. Dies sei unrealistisch, denn eine allumfassende Menschenliebe habe es seit der Spaltung der Menschheit in Klassen nicht mehr gegeben. Konfuzius habe sie gefordert, doch sei sie nie verwirklicht worden, da dies in einer klassenbedingten Gesellschaft unmöglich sei. Für die Zukunft war Mao jedoch optimistisch: «Die wahre Liebe zur Menschheit wird sicher einmal kommen, aber erst nach der Beseitigung der Klassen auf der Welt.»“ (Mao Zedong)

Mozi entwickelte unter der Bezeichnung „all-umfassende Liebe“ (jian ai) ein allgemein gültiges Prinzip für alle menschlichen Staaten der Welt.Statt der Familienbande ist die allgemeine Menschenliebe die Grundlage staatlicher Verfassung. Mozi betrachtet diese mit Pflichten ausgestattete Liebe als nützliche und durch nichts ersetzbare Basis für das Funktionieren von Staaten. Sie steht in seiner Theorie beispielhaft für ein Verhalten, das den Nutzen, den man voneinander hat, in den Mittelpunkt stellt.“

„Unter Philanthropie sei „das sympathetische Gefühl der Menschlichkeit“ zu verstehen, das man auch dem ins Unglück geratenen Bösewicht entgegenbringe. Dieses Gefühl stelle sich auch dann ein, wenn „das Unglück, welches den Bösewicht befällt, eine unmittelbare Folge seines Verbrechens ist“. Dabei handle es sich um eine Menschenliebe, «die wir …

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Alles hat keine Zeit XIV

Alles hat keine Zeit XIV,

seitdem Fritz Walter tot und Beckenbauer in der Tiefe des untugendhaften Raums verschwunden ist, sind alle männlichen Lichtfiguren aus Deutschland verschwunden. Nur eine schlichte, zwiefältige Frau steht allein auf der Bühne, nutzt die Gunst der heldenlosen Zeit, um alle Anbetung auf sich zu ziehen.

Dem nationalen Notstand muss abgeholfen werden. BILD importiert ein neues männliches Idol aus dem Ausland, nicht nur, um seiner fallenden Quote aufzuhelfen, sondern dem Land eine strahlende Leitfigur für die zukünftige, ach so schreckliche Zeit zu bescheren.

Der Name des Superhelden ist Programm. Elon, Baum, steht für Uresche Yggdrasil, Musk für musculus, das Mäuschen, dem Inbegriff der unscheinbar-unbändigen Kraft, die den Baum der Welt gegen alle Feinde schützt und schirmt.

„Nachdem die Götter den Ur-Riesen Ymir getötet haben, erschaffen sie dem Mythos nach aus seinem Leichnam alle existierenden Dinge. Die Weltenesche Yggdrasil ist der erste Baum, der wächst. Er ist der größte und prächtigste Baum der Welt. Seine Äste breiten sich über alle neun Welten aus und erstrecken sich über den Himmel. Unter den Zweigen des Baums halten die Götter Gericht. Am Fuße Yggdrasils liegt auch der Urdbrunnen, an dem die drei Nornen Urd (das Gewordene), Werdandi (das Werdende) und Skuld (was da kommen soll) ihren Sitz haben, die das Schicksal der Menschen bestimmen.Wenn Yggdrasil zu beben (oder zu welken) beginnt, naht …

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Alles hat keine Zeit XIII

Alles hat keine Zeit XIII,

Das heutige Problem „Die Mitte und die Ränder“ ist das Erbe des früheren Problems „Die Nation und das Volk“.

Als die Deutschen im 18. Jahrhundert ihre Zerrissenheit in Fürstentümer leid waren und zu einer einheitlichen Nation drängten, waren es die Eliten, die sich mit der Nation identifizierten. Das Volk war ausgeschlossen.

„Mit „Nation“ … hatte man einen Begriff, der zum Lichte, zur Höhe, zur Persönlichkeit drängte, mit „Volk“ mehr den Ausdruck für ein passives und vegetierendes, zu arbeitsamem Gehorsam verurteiltes Dasein.“ (Meinecke, Weltbürger und Nationalstaat)

Die Franzosen waren dieser Entwicklung vorausgeeilt. Dort entsprach der Begriff „nation“ der Aufwärtsbewegung des tiers état, des Dritten Standes – nach Adel und Klerus.

„Ein Wortführer des dritten Standes erklärte es 1758 für unwürdig, daß man Kaufleute, Gelehrte und Künstler zum peuble rechne (weshalb Pöbel heute noch Abschaum ist); sie gehörten vielmehr zu den höheren Schichten der „Nation“, die nach dieser Auffassung zwar auch den peuble mit umfasste, aber unwillkürlich zum Kern der Nation werden konnte. Die geistig oder politisch führende Schicht einer Nation hat ja immer die Neigung, sich selbst mit der Nation zu identifizieren.“ (ebenda)

Heute würde man den Kaufleuten, Gelehrten und Künstlern die Medien hinzufügen, die sich mit den Politeliten auf gleicher Höhe wahrnehmen. Hier oben werden die Gedanken geboren und …

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Alles hat keine Zeit XII

Alles hat keine Zeit XII,

Sündenbock-Verlust: die deutsche Presse trauert. Pegida und Populismus sind ihr abhanden gekommen.

Nein, sie trauert nicht. Schon hat sie neues Kanonenfutter an den goldenen Rändern der Gesellschaft gesichtet, zusammengerührt und ins Visier genommen, beglaubigt von Experten, die genauestens die Gazetten verinnerlichen, damit sie sagen können, was ihre Interviewer von ihnen hören wollen.

Das Empathie-Spiel heißt: wie du mir, so ich dir. Eine instinktsichere Presse fühlt, wähnt, vermutet – die Wissenschaft bestätigt mit neuesten Untersuchungen, die justament jene Ergebnisse erbringen, die die Medien schon immer ahnten.

„Diese „explosive Mischung aus Esoterikern, Verschwörungsgläubigen, Reichsbürgern und Rechtsextremen“ müsse genau beobachtet werden. Besonders gefährlich sei, dass ein Spektrum, das eher als alternativ und friedliebend gilt, sich nun mit Rechten und Reichsbürgern zusammentut.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Hach, welch ein Leckerbissen, dass nun auch die Alternativen und Friedliebenden dran glauben müssen. Hatten die Schreiber sie doch schon lange im Verdacht, dass sich hinter ihren Moral-Attrappen ruchlose Dinge verbergen.

Seitdem Sigmund Freud das Unbewusste zwar nicht erfunden, aber erforscht und beschrieben hat, gibt es verschiedene …

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Alles hat keine Zeit XI

Alles hat keine Zeit XI,

Vorsicht! Bitte abgrenzen, es folgen Geständnisse eines Esoterikers aus dem Kellerloch.

„Esoterisch: nur für Eingeweihte bestimmt.“ Da passt es doch, dass Esoteriker vor der Weltöffentlichkeit die Treppen zum „Reichstag“ empor stürmten, um sich von sage und schreibe drei Polizisten wieder in die Gosse zurückjagen zu lassen. Das Spektakel wird doch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sein?

„Exoterisch: für die Öffentlichkeit bestimmt.“ (Hoffmeister, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Wie? Waren die Esoteriker etwa in der Wolle gefärbte Exoteriker? Was wollten sie verheimlichen, wenn sie ihr Anliegen dem Weltpublikum darboten?

Wie hingegen nennen sich diejenigen, die Jagd machen auf Esoteriker? Sie nennen sich gar nicht, sie haben keine diffamierende, ausgrenzende Schubladenbezeichnung.

Sie sind – die Mitte des Weltgeistes, Anbeter eines deutschen Philosophen, der das Geheimnis der Versöhnung aller Konflikte und Widersprüche kennt, ohne politische Mitwirkung selbsternannter Demokraten, deren Parlamente der „Inbegriff politischer Verderbniß und Unvernunft“ sind. „Es ist der Lärm und Pomp der formellen Freiheit, welcher die reelle Freiheit und das Nachdenken darüber nicht aufkommen lässt. Hinter dem allen steckt der Unverstand der Menge und die Leidenschaften des Pöbels.“ (In Rudolf Haym, Hegel und seine Zeit)

Die Deutschen glauben an die Dialektik, jene jesuanische Wundermethode, welche verdorbene Natur und diabolische Geschichte miteinander …

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Alles hat keine Zeit X

Alles hat keine Zeit X,

Verabscheuenswürdig. Entsetzlich. Unerträglich.

Furchtbare Ereignisse sind über die Republik hereingebrochen. Corona? Nein. Klima? Ach was!

Früher waren es Verschwörungstheoretiker, Populisten, Extremisten, Impfgegner, Rechtsradikale, Reichsbürger, Neonazis. Heute sind Esoteriker, Demokratiefeinde, Anhänger eines geschlossenen Weltbilds, Querdenker dazugekommen.

Christen besitzen ein geschlossenes religiöses Weltbild. Im lutherischen Deutschland gelten Fromme als gefährliche Randgruppen? Dann müsste auch die Kanzlerin zu den geschlossenen Weltbild-Besitzern gehören. Wenn das kein Fortschritt in der politischen Selbsteinschätzung ist!

Man nehme eine Demo-Gruppe von 100 Menschen, 99 von ihnen seien Gute, Einer sei ein Böser: wie wird die deutsche Presse darüber berichten? „Wie sich harmlose Bürger vor den Karren eines Volksverführers spannen lassen.“

Das Böse ist dem Guten haushoch überlegen. Eine Mehrheit von Guten hat keine Chancen gegen den verhängnisvollen Einfluss einer ruchlosen Minderheit. Only bad news are good news, nur böse Zeitgenossen sind interessante Zeitgenossen – die unsere Auflage garantieren.

Ausgeschlossen, dass viele Gute den bösen Geist von Wenigen reduzieren oder unschädlich machen könnten.

Gute Demokraten sind leichte Beute ihrer schlitzohrigen, raffinierten oder ausgekochten Gegner. Wenig Teuflisches ist stets in der Lage, den …

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