Kategorien
Tagesmail

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LX

Tagesmail vom 20.07.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LX,

Jens Spahn fühlt sich bevollmächtigt, eine neue Phase der Berliner Republik einzuläuten:

Meine kleine Familie ist mir wichtiger als die Rechtslage der Republik, die ich deshalb verändern muss, um meiner persönlichen Not aufzuhelfen: zwar ist es bislang verboten, von einer fremden Frau ein Kind austragen zu lassen – da aber meine Partnerschaft gleichgeschlechtlich ist, bleibt mir keine andere Wahl, als das Verbot der fremden Kindesaustragung zu übertreten und habe diese Schwangerschaft in Amerika einer fremden Frau übertragen.

Aus persönlichen Gründen übertrete ich deshalb deutsches Recht.

Früher sprach man von Staatsraison, die wichtiger sein kann als die Treue zum moralischen Gesetz. Heute gibt es kein entsprechendes Gesetz in der modernen Demokratie.

Art. 3 GG: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Auch Goethe, Humanist der modernen Republik, war kein Feind der außerordentlichen Moral: in besonderen Notsituationen ist der Mensch befugt, die normale Gesetzeslage zu übertreten.

„Nur zu viele Dinge aber gibt es, in denen Gott und Teufel zusammengewachsen sind.” (Meinecke, die Idee der Staatsraison)

Goethes Mephisto war geradezu die Personifikation des Bösen, das unter Umständen eingesetzt werden muss, um das Gute zu erreichen. Das hatte der Weimarer aus Mandevilles Bienenfabel übernommen und das entsprach einer uralten christlichen Tradition, die zwar Gottes Gesetz über alles stellte, aber Ausnahmen zuließ.

In Safranskis Goethe-Buch wird über diese Problematik hinweggeschlabbert. „Was den Teufel betrifft, so war in Goethes Weltbild für ihn eigentlich kein Platz. Er statuiere keine selbständige Macht des Bösen, pflegte er zu sagen… Für Goethe gab es keinen Teufel.” (Safranski, Goethe)

Du sollst Gott mehr gehorchen als dem Menschen. Das war biblisch.

Ja, Gott konnte sich selbst widersprechen, denn im Bösen – oder dem Teufel – hatte er einen absoluten Widersacher in seiner Moral.

Es gab nicht nur die Einheit der christlichen Widerspruchsmoral, die das Abendland überzog, es gab vor allem zwei Moralen, die von ihrem Ursprung völlig verschieden waren: die biblische Religion – und die Moral der griechischen Vernunft.

Da Goethe sich politisch mit der Moral der Franz. Revolution auseinandersetzen musste, wurde er direkt konfrontiert mit der Logik der Aufklärung. Die aber ließ keine Widersprüche zu, sodass Goethe unvermeidlich sich selbst widersprechen musste:

„Goethes Einfluss auf politische Entwicklungen in Sachsen-Weimar war in mehreren Fällen gegen Menschenrechte gerichtet. Dass er Soldatenhandel mitwirken, Fichte und Herder einschüchtern, das Spitzelwesen unter Studenten mit verantwortete, die Universitätsautonomie beschnitt und protestierende Bauern bestrafen ließ – das alles vergrößert die in der Forschung schon konstatierte Kluft zwischen seinen humanen Idealen und seiner amtlichen Praxis.” (Wilson, Das Goethe-Tabu)

Das deutsche Obrigkeitsdenken war – im Sog der Franz. Revolution – nicht von heute auf morgen zu überwinden.

Noch heute sind die Deutschen gelegentlich preußischer als die Franzosen.

Die absolute Macht des späteren Führers konnte nur entstehen, weil die Kraft der Aufklärung in Deutschland nicht so vehement wurde, wie sie hätte werden müssen, um die überkommenen Religionsmächte schnell genug zu schwächen.

Um diese Kluft wirklich zu verstehen, müssen wir zurück zu den Urelementen Europas. Europa entstand aus zwei Urfaktoren, die – je länger sie nebeneinander aushielten – umso mehr miteinander in Konflikt gerieten.

Die eine Macht stammte aus Griechenland und war die Macht der Vernunft in der Demokratie.

Die andere Macht war die Kirche, die dabei war, ganz Europa unter die Knute Roms zu bringen.

Das war der große Kampf zwischen menschlich-revolutionärem Denken und gehorsamem Glauben an die Macht des Himmels.

Der ist bis heute noch nicht beendet, weshalb die technischen Götter der Welt noch immer dabei sind, ihre Fortschrittsziele im Weltall auszukundschaften, um die absolute Gewalt über die irdischen Verhältnisse an sich zu reißen.

Die technische Ausrüstung der Welt ist dabei, die menschlichen Verhältnisse so zu überwinden, dass der Mensch keine Chance mehr hat, die neue Technifizierung in seine Macht zu bringen.

Die neuen KI-Götter Musk und Thiel fühlen sich bereits als die zweiten Schöpfer der Welt.

Wobei die Entwicklung noch lange nicht so weit ist, um die biblischen Prophetien in den Schatten zu stellen. Die Musks und Thiels basteln noch kräftig an ihren apokalyptischen Visionen herum, um ihren Traum, die Überwindung der ersten Schöpfung, vollständig zu erreichen.

Die Silicon-Valley-Milliardäre glauben daran, die Zukunft der Erde so unter ihre Macht zu bringen, dass sie die apokalyptischen Visionen und Dämonen vollständig beherrschen.

So ergibt sich das Dilemma, dass technische und biblische Träume eines Tages zusammenkommen müssen. Auch die Visionäre von Silicon Valley können nichts anderes sein als die – technischen – Hersteller der johanneischen Seher der biblischen Zukunft.

Ein merkwürdiges Bild der Zukunft präsentiert sich uns: die Gläubigen der Offenbarung und die Gläubigen der technischen Zukunft streben zueinander und bieten sich als die Vollendung des Glaubens an wie die Vollendung der technischen Vollkommenheit.

Die erste Schöpfung Gottes und die zweite des Menschen wollen eine Einheit werden.

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden und das Meer ist nicht mehr … Und der auf dem Throne saß, sprach: „Siehe, ich mach alles neu … Und die Völker werden in ihrem Lichte wandeln, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit in ihr. Und ihre Tore werden nicht geschlossen werden am Tage – denn dort wird es keine Nacht mehr geben – und man wird die Herrlichkeit und die Pracht der Völker in sie bringen.”

Und wer nicht auf die Macht der biblisch-technischen Vollender warten kann, muss weiterhin die Natur zerstören.

Und es wird keine Nacht mehr geben und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe noch des Lichtes der Sonne. Denn die beiden Amerikaner Papst Leo und Musk werden über ihnen leuchten und sie werden herrschen in Ewigkeit.”

Fortsetzung folgt.