Abgesang auf Amerika

Thema - Politik - Mittwoch, den 02. November 2011

Abgesang auf Amerika

zwei Momentaufnahmen aus Amerika, die weit über den Moment hinausgehen. Reinen Herzens kann sich kein Deutscher über den Verfall seiner Befreier freuen. Erzwungene Dankbarkeit erzeugt eh nur Ablehnung und keine wärmenden Gefühle. Amerika, du hast es besser, du hast keine Burgen und Schlösser, das konnte nur ein Weimaraner dichten, der die Stickluft seiner eigenen Winkelkulissen nicht ertrug und von Amerika keinen blassen Dunst hatte. Heute eilen Stars aus Kalifornien nach Bayern, um sich eine Burganlage mit Bodenheizung zuzulegen.

Wenn Amerika fällt, müssen sich die Deutschen von ihrer Ambivalenz verabschieden. Durch Bewunderung und Hass haben sie bislang den Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten als ihr Land der Länder stabilisiert. Solange Amerika umstritten war und die Völker polarisierte, konnte es die Miserablen der Welt in seinen Bann ziehen. Abschied nehmen von Amerika heißt Abschied nehmen von der schönen neuen Welt.

Die Vereinigten Staaten hatten keinen Kapitalismus, sie waren der Kapitalismus. Wenn Gottes Land untergeht, wird sich das anders abwickeln als beim Fall der Sowjetunion, das im geübten Leiden der Mamuschkas nur in sich selbst versank und, nach kurzer atheistischer Phase, zu Väterchen Gott zurückkehrte. Russland war kein babylonischer Turm, ...

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Natur, Gott und Mensch

Thema - Religionskritik - Donnerstag, den 20. Oktober 2011

Natur, Gott und Mensch

(Auszug aus "Ende der Landnahme ...")

 

Kosmos gegen sündige Natur

Bei Griechen war Natur die Allumfassende. Die Bezaubernde. Die hymnisch Gepriesene. Das Abendland schändet den Kosmos, zwingt ihn zur Kopulation mit der natura corrupta. Im Triumphzug über den Planeten haben christianisierte Völker der entehrten Natur die Haut abgezogen. Weisungsgemäß und auftragsgebunden. Also begann der vorletzte Tag. Die Neuzeit. Nun, da der Letzte Tag anbricht – einmal wird es der Allerletzte sein – erschrecken sie über die Folgen ihres Krieges gegen die Natur.

 

Selbst-gebärende Natur

Wo liegen die Wurzeln der Verachtung gegen die Natur, die alles Lebendige bis heut in Langmut erträgt? Die den Stolz besitzt, Gebärende und Geborene in einem zu sein. Aus eigener Potenz, in selbsterteilter Vollmacht, alles ins Leben zu rufen. Die nur ihre eigene Regie kennt. Keine obere Instanz, die sie aus Nichts geschaffen, keine unteren Mächte, denen sie ausgeliefert ist. Die keinen Direktiven folgt, es wären denn die eigenen. Die durch menschliche Künste sich nicht imponieren lässt. Die alles anbietet, sich allen anbietet, da sie niemals weniger als Alles ist. Die nicht domestizierbar ist. Und niemals totzuschlagen sein wird. ...

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Die Mathematik der Bienen

Thema - Vorbild Natur - Freitag, den 14. Oktober 2011

Die Mathematik der Bienen

Gute Nachrichten von der Bienenfront. Jede Biene darf erst nach Ablegen der höheren Mathe-Ausbildung zur Wabenarchitektonik beitragen. Drohnen fallen regelmäßig durch beim hexagonischen Pflichttest und werden ohne Wenn und Aber aus dem Staat der wehrhaften Rechnerinnen ausgeschlossen. Nicht anders als in der athenischen Akademie, deren Schwelle kein der Mathematik Unkundiger überschreiten durfte. Womit bewiesen, dass die Politeia kein leerer Wahn und Platon beim amazonischen Bienenstaat in die Lehre gegangen ist. Philosophie muss nach diesen Erkenntnissen völlig neu übersetzt werden: es ist Liebe zum Bienenhonig, die alle Weisheitsfreunde und -freundinnen auszeichnet. Es lebe Apis mellifera.

 

Die lieben Kleinen

Thema - Natur schlägt zurück - Freitag, den 07. Oktober 2011

Natur gegen Technik. Gegen die natür-liche Solidarität der vielen Kleinen hat der Mensch keine Chance. Die unglaublich schnellen "Crazy Rasberry Ants"

 

Nihilismus und Messianismus

Thema - Philosophie und Politik - Montag, den 17. Oktober 2011

Nihilismus und Messianismus

Nein, das sei ferne von euch, das Nichts, den Untergang zu lieben. Merkwürdig, wie Begriffe verschwinden. Momentan lese ich in Büchern der 50er und 60er Jahre. Da wimmelt es von Themen, Schlagwörtern und Problemen, die heute nicht mehr anzutreffen sind. Nihilismus, Kybernetik, repressive Toleranz, Anomie, der eindimensionale oder außengeleitete Mensch.

Blättert man beim damaligen Heros der Studenten, C.F. von Weizsäcker, gibt es keinen Aspekt des Seins und Daseins, den er nicht mit lässiger Hand und mit Hilfe des Hanser-Verlags unters Publikum bringt. Von der Quantenphysik über Tiefenpsychologie, Weltinnenpolitik, Kants Antinomien, Goethes Liebesgedichte, Begegnung mit schweigenden indischen Gurus, Auslegung des Kolosserbriefs, Geschichte der Natur, Schöpfungsgeschichte und Naturwissenschaft, Gesundheit, Ein Blick auf Hitler, Thomas Mann: da war ein Bildungshunger ...

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Gibt es liberale Muslime?

Thema - Religionskritik - Montag, den 17. Oktober 2011

Gibt es liberale Muslime?

Gibt es liberale Muslime? Es wird sie geben müssen, wenn die arabischen Staaten Demokratien sein wollen. Ob sie dann noch Muslime sein können, wenn sie liberal sind, ist dieselbe Frage wie die, ob Biblizisten die amerikanische Verfassung gut heißen können.

Eigentlich vertragen sich Theonomien nicht mit Systemen, die das autonome Denken ihrer Mitglieder voraussetzen. Wie wälzt sich Hiob am Ende seiner Aufmüpfigkeit im Staub seines Nichtwissens: „ Darum habe ich geredet im Unverstand, Dinge, die zu wunderbar für mich, die ich nicht begriff. Darum widerrufe ich und bereue in Staub und Asche.“ (Hiob 42,3f) Übermäßige Reue kann zu Stauballergie führen, besonders wenn Abrahamiten frei sein wollen, ohne sich von verstaubten Erlöserschwarten zu befreien. Sind Schwarte und Freiheit a priori unverträglich, bieten sich folgende faule Kompromisse an. Man übersetzt die unfehlbare Schrift neu, deutet sie so lange um, bis sie in liberte und fraternite glänzt. Oder man deutet die Freiheit so lange um, bis sie als „innere Freiheit“ mit jedweder Gängelei von außen und oben verträglich geworden ist.

Der Kern der okzidentalen Morbidität ist die ...

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Maul halten!

Thema - Politik - Sonntag, den 16. Oktober 2011

Maul halten!

Ein Intellektueller hält sich für kompetent, anderen Intellektuellen das Maul zu verbieten, weil sie nicht kompetent seien. 1. Es hat sich jeder einzumischen. 2. Ob einer kompetent ist, entscheidet nicht sein Job, sondern das, was er zu sagen hat. 3. Darüber entscheiden wiederum alle, die sich das anhören wollen. 4. Real entscheiden die Redaktionen, wen sie als Autorität einfliegen lassen. 5. Sind denn die Machthaber per Macht schon kompetent? 6. Das Ganze klingt, als ob die meisten schweigen sollten – mit Ausnahme des Oberlehrers, der die Demokraten erst examinieren will, ob sie überhaupt eine Stimme haben dürfen. 7. Das ist elitärer Standesdünkel und ziemlich deutsch: die Stimmen soll man wägen und nicht zählen.

 
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