Die Beste aller Welten - Natur und Neoliberalismus

Thema - Philosophie und Politik - Samstag, den 05. November 2011

Die Beste aller Welten - Natur und Neoliberalismus

Von allen möglichen ist die unsrige die beste aller Welten, sagte Leibniz. Ausdenken könne man sich zwar bessere, doch rundum perfekte überstiegen Gottes Kapazitäten. Auch für Kumpel Schöpfer gilt der lateinische Spruch: Ultra posse nemo obligatur, über sein Können hinaus kann niemand verpflichtet werden.

Die denkbar beste wäre natürlich die ohne Leid, Tod und Schmerz. Doch das bliebe selbst für deus omnipotens eine unerreichbare Utopie. Auch Er müsse sich an die Realitäten halten, könne nicht von makelloser Vollkommenheit träumen. Der Gerechte muss gelegentlich leiden, der Lump schwelgt in Überfluss. Das ließe sich nicht ändern. Hätte jedoch den Vorteil, dass jede Kreatur aus Elend klug, aus Trübsal weise werden könne.

So mache der Mensch aus Not eine Tugend, korrigiere des Vaters Schwäche, indem er aus eigener Kraft sein Päckchen trage und dennoch zur richtigen Einsicht käme: gloria in excelsis deo.

Da passierte es: das Erdbeben von Lissabon 1755 verwandelte die Stadt am Rande Europas in eine Staubwolke. Die fortschrittsfreudige Aufklärung war erschüttert, ihr Optimismus ramponiert. Die geologische Eruption passte nicht zum rationalen Deismus der Vernünftler, ...

Weiterlesen...
 

Mammon kommt von Mammae

Thema - Kapitalismus und Religion - Montag, den 31. Oktober 2011

Mammon kommt von Mammae

Übrigens kommt Mammon von Mammae. Nur die Mutterbrust kann den Nachwuchs versorgen. Mammon wird zur materialisierten, minderwertigen Nahrung. Ersatz der ursprünglichen Muttermilch. Doch im Gegensatz zur Muttermilch, die nicht gehortet werden kann, kann Mammon in Form von Papiergeld, Talern etc. in Tresoren verstaut und ins Unermessliche akkumuliert werden.

Das Gewähren von Muttermilch ist nicht ablösbar von Menschen, also den Müttern. Nähren und Ernährtwerden ist ein personaler, zwischenmenschlicher Kontakt. Horten von Mammon ist ein einsames, pseudoautonomes, menschenallergisches Geschehen. Dagobert Duck, der Urkapitalist, schließt sich in seinen Gebäude-Tresor ein, schließt dabei alle Menschen, selbst seine engsten Verwandten, aus – und badet buchstäblich einsam und allein in seinen versteinerten Schätzen.

Die Vergänglichkeit des gehorteten Mammons ist der geheime Schmerz ...

Weiterlesen...
 

Mutter-Mythos

Thema - Frauen und Mütter - Montag, den 31. Oktober 2011

Mutter-Mythos

Barbara Vinken hat ein merkwürdiges Buch geschrieben. Vierzig Jahre hinke Deutschland hinter westlichen Staaten hinterher, was die Vereinbarkeit von Mutterdasein und Beruf betrifft. Schuld daran sei das „vormoderne“ Mutterbild der Deutschen. Selbst die bestausgebildeten Frauen hängen – wenn sich ein Kind ankündigt – von heut auf morgen ihren teuer erarbeiteten Herzensjob an den Nagel – und werden ein seltsames Wesen, das in anderen Nationen in diesem Phänotyp unbekannt ist: eine deutsche Mutter.

Dieses sonderbare Muttertier bricht alle Kontakte mit Menschen, die es wagen, keine Kinder zu haben, schlechthin ab. Solche hedonistischen Karrieristen haben keinerlei Verständnis für die Maria unter den auserwählten Weibern. Eine Mutter kann nur von einer Mutter verstanden werden. Von jetzt auf nachher scheidet die eben noch hochmotivierte Wissenschaftlerin, Journalistin, Managerin etc. aus dem egoistischen Zirkus der Eitelkeiten, der unmoralischen Konkurrenz aus, gibt alle eigensüchtigen Berufsziele an der Garderobe ab und ...

Weiterlesen...
 

Totholz gegen Donnergugis

Thema - Vorbild Natur - Dienstag, den 04. Oktober 2011

Totholz gegen Donnergugis

Den – trotzdem zu schützenden – Hirschkäfer müssen wir leider in die negative Kategorie „Natur als Vorbild“ aufnehmen. Die Ähnlichkeiten mit den männlichen Wesen der Spezies homo sapiens sind zu erschreckend. Dieser Waldbewohner (Lucanus cervus) ist (auch) nur ein Angeber, der mit äußerlichem Pomp und Riesengeweih verschleiern will, dass er in völliger Abhängigkeit von seinen Weibchen in einem Matriarchat lebt.

Schon sein Spitzname „Donnergugi“ (von Donnergott Thor) ist völlig lächerlich, passt allerdings herr-lich auf seine menschlichen Pendants. Und dass der Donnergugi aus der Familie Schröter stammt, sagt alles. Diese herumkrabbelnden Möchtegern-Machos aus der Schröter-Clique können nicht einmal alleine fressen, nein, ihre Weibchen müssen ihnen das Futter vorrichten, damit die Männchen es einschlürfen können. Ihre demonstrativen Riesengeweihe dienen nämlich nicht dazu, Nahrung zu finden und zu zerkleinern, nein, sie sind nur Kampfwaffen, um Konkurrenten bei den Weibern zu besiegen.

Dazu kommt, dass sie ihre Wettbewerber nur auf den Rücken legen können – sie kennen immerhin schon das Gesetz der Hebelwirkung – aber mit Kneifen und Beißen zur Bewältigung des Alltags ist nix. Das können – typisch – die kleinen fitten Weibchen mit ihren kleinen Geweihchen: kräftig zubeißen – und mütterlich versorgen.

Die Entwicklung der Nachkommenschaft der Donnergugis ist zwar eher un-menschlich, ...

Weiterlesen...
 

Christliches Patriarchat und Magna Mater

Thema - Religionskritik - Sonntag, den 25. September 2011

Magna Mater und Patriarchat

den Anfang hat der Mann erfunden, um sich als Ursache zu setzen und die große Mutter zu vertreiben. Seitdem versucht er, die Frau überflüssig zu machen und Leben aus Kopf und Retorte hervor zu zaubern. Natur (von nasci = geboren werden) bedeutet, Leben hervorbringen, gebären, die Gattung durch Fortpflanzen erhalten.

Am Anfang war kein Mann, der die Welt erschaffen hat. Das wäre, als hätte das Kind die Mutter geboren: ein infantiler Allmachtstraum. Aus dem Reichtum des Vorhandenen schöpft der Mann nur den Schaum ab, variiert ihn in Winzigkeiten und erhebt seine gewaltige Creation zur zweiten, besseren Schöpfung. Die Erschleichung nennt der Schaumschläger: Erlösungsreligion. Erlösung ist eine zweite Schöpfung, die den Makel der ersten beheben soll. Allmacht, Anfang und Werk missglückt. ...

Weiterlesen...
 

Berberaffen auf Gibraltar

Thema - Natur schlägt zurück - Dienstag, den 30. August 2011

Tiere an die Macht

Das erste Land, das sich wieder der Natur unterwirft: Gibraltar wird von Berberaffen vorbildlich regiert.

 

Sokratische Ironie und Postmoderne

Thema - Philosophie und Politik - Mittwoch, den 02. November 2011

Sokratische Ironie und Postmoderne

Wie war das mit Sokrates? War er nicht einer der größten Ironiker der Denkergeschichte, der mit seinen Überzeugungen klaglos in den Tod ging? „Besser, Unrecht erleiden als Unrecht tun“ stammt nicht von dem bekannten Galiläer. Es war die Leit-Direktive des Sohnes einer Hebamme, der seine Zeitgenossen mit ironischen Streitgesprächen zur Verzweiflung brachte. Seine Dialogpartner sollten sich prüfen, ob sie wirklich wissen, was sie tun und reden, um nicht arrogant und scheinwissend die athenische Demokratie zu gefährden. Worin bestand seine Ironie?

Sokratische Ironie – mit der romantischen nicht zu verwechseln, der es um nichts ernst ist – sucht nicht das Neue, sondern das Wahre, das sie mit Klauen und Zähnen verteidigt – um von der Postmoderne gehörig verspottet zu werden. Deren Geist zu jeglichem seriösen Widerstand unfähig macht. Die auf der ewigen Suche nach dem Neuen nichts festhalten, bewahren und verteidigen kann. Die kampflos alles preisgibt, was ihr eben noch wichtig schien, immer auf der Hatz nach dem Unbekannten.

Die Sokratische Ironie stellt alles in Frage, nur nicht die Suche nach der Wahrheit, sie soll die Spreu vom Weizen des täglichen Geredes trennen: um den Kern herausarbeiten, der das Wohlergehen des Gemeinwesens mit dem Glück des Individuums verbindet.

Das eigene Nichtwissen ist keine Tändelei. Es verweist auf die zwiegerichtete Überprüfungsarbeit im mäeutischen Gespräch. Wer schon alles wüsste, könnte nichts mehr lernen. Philosophieren ist lernen mit Leidenschaft. Wer andere unter die Lupe nimmt, ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 3