ARCHIV

Dienstag, 27. Dezember 2011 - Vorfreude und Lustangst

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Christen,

wenn Christen in der Welt zu Tode kommen, ist es die Infamie der heidnischen Welt, die sie bevorzugt zur Strecke bringt. Wenn nichtchristliche Kinder wegen westlicher Ökonomie zu Tode kommen, sind sie selber schuld. Nur aus Charitygründen werden sie an hohen Festen zur Kenntnis genommen. Unterm Jahr gilt, es geschehe der objektive Wille des moralfreien Mammons.

Dominic Johnson hingegen sieht in Nigeria einen Staat, der vor kurzem eine brutale Militärdiktatur gestürzt hat und nun zwischen alle Fronten westlicher Investoren und abrahamitischer Religionen gerät. „Die Frontlinie zwischen gewaltbereiten Christen und Muslimen verläuft quer durch Afrika“. Von gewaltbereiten Christen hört man hierzulande nichts.

Der russische Dichter Viktor Jerofejew kritisiert das kriminelle Putinregime.

Morgen, Kinder, wird’s was geben. Was bekommt dem Menschen besser: Vorfreude oder Freude? Wer alles, was er braucht, sofort erhält – kann der sich noch freuen? Wenn ihm Vorfreude abhanden gekommen ist, das spannungsvolle Warten, das Ausmalen des Bevorstehenden?

Instant-essen ist für schnelle Leute, die keine Zeit zum Einkaufen, Kochen und Warten haben. Jetzt kaufen, futtern, befriedigen, später zahlen. Ich will auf der Stelle ein Haus, mir fehlt aber das nötige Kleingeld. Also geh ich zur Bank, ...

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Montag, 26. Dezember 2011 - Selbstmörder und Schreihälse

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Heiligen Landes,

zwei Beispiele, wie man die Situation in Israel betrachten kann. Gideon Levy von Haaretz sieht das Land schon in fundamentalistischer Siedlerhand, stellt sich die Frage, wie lange er noch bleiben kann. Avi Primor, Diplomat und Ex-Botschafter in Berlin, kann nur eine stabile Demokratie entdecken.

In seinem neuen Buch über „Vorbilder“ konstatiert der Kulturwissenschaftler Thomas Macho eine latente Selbstmordfaszination in unserer Kultur. Angefangen bei Sokrates über Seneca, über das Selbstopfer Christi bis zu zahllosen Märtyrern, die ihm folgen.

Erinnern wir uns, dass hierzulande in der Zeit palästinensischer Selbstmordattentate Kongresse abgehalten wurden über die völlig befremdliche und unverständliche Neigung junger Muslime, selbst Hand an sich zu legen. Solch perverse Liebe zum Tod kenne man im Christentum nicht. Das Leben sei ein Geschenk Gottes und dürfe eigenmächtig nicht beendet werden.

Nach Macho hat Christus sich selbst ermordet. Das klingt nicht gut, also spricht er von Selbstopfer. Hat sich der Sohn selbst geopfert? Wurde er vom gütigen Vater zum Opfer ausersehen? Die Beantwortung überlassen wir dogmatischen Freiheits- und Todesexperten.

Wichtiger ist die Frage, was Jesus mit seinem Tod bezweckte. Doch wen befragen wir? Moderne Zeitgeisttheologen oder den Katechismus, den man Kindern und Kirchgängern einbläut? Himmel und Hölle sind für entmythologisierte Kanzelredner und adrette Wort-zum-Sonntag-Redner kein Thema mehr. Man schämt sich der Relikte aus dem mittelalterlichen Kasperle- und Teufelstheater, verbannt sie ...

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Sonntag, 25. Dezember 2011 - Prantls Volkszählung

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der kleinen Leut,

kann man nachträglich einen Mächtigen zum Rücktritt nötigen? Dann müsste es der andere Hannoveraner sein, der mit dem unwiderstehlichen Siegerfeixen. In Moskau fordern riesige Mengen wütender, aufgewachter Russen den Rücktritt eines lupenreinen Demokraten. Den Rücktritt jenes Hannoveraners hätten sie gleich mit fordern sollen. Weg mit dem Oberkörper und der Havannazigarre nach Sibirien zum Schneeschippen ohne Handschuhe.

Wer fährt nach Moskau, um sich bei den Demonstranten für unsere deutschen Rohrkrepierer zu entschuldigen? Aber nein, unsere Richter & Propheten mit den staunenden Hirtenaugen haben alle Hände voll zu tun mit dem kleinen Jesulein und einem kammerdienernden Schacherpräsident, bei dem nur verwundert, mit wie wenig Beute er sich zufrieden gab. Madoff würde vor Lachen bersten.

In Moskau müssen wir uns wegen Lupenrein-Schröder, in der Wallstreet wegen Klinker-Wulff schämen. Bleibt als Lichtblick nur Angie. Sie kocht am Fest selbst: pommersche Klöße zur polnischen Biogans. Wenn einem so viel Liebes widerfährt, kann man als Nachtisch schon mal Europa flambieren.

Warum wir unbedingt das Weihnachtsfest brauchen? Weil es Punkt zwei Uhr wie mit einem Zauberschlag rundum stille wird. An der reißenden Dreisam nur noch die letzten Jogger – vermutlich haben sie wieder das Geschenk für die Liebste vergessen –, das ordinäre Flutlicht der Sportanlagen ist gelöscht.

Drei kostbare Stunden der Entschleunigung – bis um sechs der Schichtwechsel eintritt. Schnell von Papas Eltern zu Mamas Eltern, im letzten Jahr war's umgekehrt. Danach in geschlossener Familienhorde ins Münster.

Was sagt das männliche Mundstück Gottes? Der Wohlstand habe sein Grenzen, das Mütterliche – pardon, das Materielle – nehme überhand? Das ist wahre Seelenspeise, ein Digestiv für den vollen Magen. Recht hat er, der ...

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Samstag, 24. Dezember 2011 - Das heilige Kind

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Gleitens,

gleitende Arbeitszeit, jeder bestimmt, wann er kommt und geht. Gleiten: „Die  Bed. „rutschen, sich schwebend bewegen“, hat sich demnach aus „blank, glatt sein“ entwickelt. Intensivbildung zu „gleiten“ ist – glitschen.“ In der FAZgleitet Syrien in einen Bürgerkrieg ab“. Manch abgeglittene Bürgerkriege bewegen sich schwebend im Blut ihrer Bürger. Manch glatte und blanke Bürgergazetten sind darüber schon ausgerutscht.

China peitscht und belohnt. Für seine kritischen Texte wird Chen Wei neun Jahre lang in den Kerker gesteckt, das aufmüpfige Dorf Wukan wird von der Partei gelobt. 

Auf Farmen von Wiesenhof wird Hühnern unbetäubt das Genick gebrochen. Nach Descartes, einem gläubigen Katholiken, sind Tiere seelen- und instinktlose Automaten. Vor kurzem noch – im 19. Jahrhundert – wurden Tierschutzvereine von Päpsten exkommuniziert. Für Apologeten, mittelalterliche Verteidiger des Glaubens, unterscheidet sich allein der Christ von den Tieren.

Heiden und Ungläubige stehen auf tierischer Stufe. Man kann ihnen gefahrlos die Hälse umdrehen. Würden Wiesenhof-Hühner die heilige Kommunion begehren, würde man sie wie Menschen und nicht wie Vieh und Heiden behandeln. Wir wissen nicht, ob ...

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Freitag, 23. Dezember 2011 - Christliche Mediokratie

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Reue und Qual,

es ist Winter, die Alpen sind frei, der Kriechgang nach Canossa kann beginnen. Nein, den Papst brauchen wir nicht mehr, wir sind lutherisch bis auf die Knochen. Kritische Katholiken sind die lutherischsten, so oikumenisch sind wir bereits geworden. Ein deutscher Protestant ist sein eigener Papst, der sich rettet, indem er sich vor Kameras selber richtet. Oder so tut, als ob.

Wer ist wir? Die Meute spielt nicht mit. Sie darf durchs Schlüsselloch gucken und zuhören, wie die edelsten der Moraltrompeter von den Zinnen der Gazetten herab ein Würstchen zu Hackfleisch machen, das sie im Schnellkurs zum Vorbildwürstchen getrimmt haben. Getrimmt? Nicht mal das. Hierzulande macht das Amt den Mann.

Als Wulff den Eid ablegte, verwandelte er sich im Nu zum Schafspelz. Jakob Augstein, jungenhaftester unter den Nachwuchs-Prantln, würde vom kierkegaardschen Sprung sprechen. Nicht zu verwechseln mit dem Bocksprung der Parlamentarier, wo gewählten Geißen nur symbolisch Unanständiges passiert. Der existentielle Sprung ist nicht lutherisch, sondern katholische Transsubstantiation. Wie aus schnöder Materie ein wahrhafter Gott wird, so aus einem schnöden Karrieristen Gandhi & Mandela. Und wehe, er wird’s nicht, dann wird aus einem Christ ein Antichrist.

Amtsbegleitend mutiert die Gattin an seiner Seite aus blonder Versuchung zu Mutter Theresa. Dabei ist diese harmlos tuende Eva an allem schuld. Wer hat den armen Christian in höhere Kreise eingeführt? Wer wollte unbedingt eine mondäne Klinkerhütte? Wer wollte an der Seite von Veronica Ferres lässig am Swimming Pool posieren? Überhaupt, war denn dieser ...

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