ARCHIV

Donnerstag, 17. November 2011 - Gefährliches Wissen

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Umwelt,

unterschiedliche Meldungen zur Lage des Klimas. UNEP, das UN-Umweltprogramm, gibt sich eher optimistisch. Wohlstand, Wachstum stünden nicht im Widerspruch zum ökologischen Umbau der Weltwirtschaft. Mehrere 100 Experten haben drei Jahre lang an dem UNEP-Bericht gearbeitet.

Achim Steiner, deutscher Leiter der UNEP-Behörde, sieht trotz wachsender CO2-Emissionen die Chance der Verträglichkeit zwischen Natur-Schonung und vielen, vielen Jobs. Wobei aber das BIP grundlegend anders definiert werden müsste. Der Wert der Naturressourcen müsse in die Kalkulationen mit hineingerechnet werden.

Ban ki Moon hält den Mythos der Unverträglichkeit zwischen Umwelt und Ökonomie für entlarvt. Die Staaten aber müssten aufhören, fossile Energien zu unterstützen. Viele Staaten verfolgten bereits die Strategie eines Grünen Wirtschaftens von „China bis Barbados, von Brasilien bis Südafrika.“ Zwar sei China zum Obereinheizer des Weltklimas geworden, gleichwohl unternehme das Riesenland große Anstrengungen beim Umsteigen auf alternative Energie. Weltweit würden 500 Milliarden jährlich für die Förderung von Erdölprodukten ausgegeben. Gelder, die man dringend zur Subventionierung umweltschonender Technologien benötige.

In krassem Widerspruch zu UNEP steht die Meldung, thailändische Politiker wollten ihre Hauptstadt Bangkok wegen nicht ablaufender Fluten komplett aufgeben und an geschützter Stelle neu aufbauen. Wegen ...

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Mittwoch, 16. November 2011 - Eros und Europa

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des armen Europa,

Europa ist die Frau mit dem weiten Gesicht, wenn wir Etymologen glauben wollen. Sie stammt gar nicht aus Europa, sondern ist eine Königstochter aus Phönizien, die von Zeus in Stiergestalt nach Kreta entführt wird. Am Anfang Europas eine heiße Affäre zwischen einem verführerischen Weib und einem göttlichen Lustmolch.

Astarte oder Aphrodite sind die Mütter des Kontinents, das konnte nicht gut gehen. Das muntere Handelsvolk aus dem heutigen Syrien und Libanon, dem wir das Uralphabet verdanken, verehrte die Lustgöttin Astarte und jene Stadtgötter, die eifrige Bibelleser als Baale kennen und das Pech hatten, von Jahwe nicht gemocht zu werden. Dessen Prophet Elia stellte die Kinder Israels, die ständig mit anderen Göttern fremdgingen, vor die Wahl: „Wie lange wollt ihr auf beiden Seiten hinken? Ist der Herr der wahre Gott, so haltet euch zu ihm; ists aber Baal, so haltet euch zu ihm.“ (1. Kön. 18,21) Elia fordert die fremden Götter zum Gemetzel heraus, sein eigener Gott lässt sich nicht zweimal bitten:

„Da fiel das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer und den Holzstoss, die Steine und den Erdboden, auch das Wasser im Graben leckte es auf. Als das Volk das sah, fielen sie alle auf ihr Angesicht und riefen: Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Baalspropheten! Keiner von ihnen soll entrinnen! Man ergriff sie und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und schlachtete sie daselbst.“ (1. Kön. 18,38 f)

Das könnte man Götterranking mit Todesfolgen nennen. Spätere Gottesbeweise im Mittelalter basieren auf demselben Prinzip: der Gewaltigere und Mächtigere ist der wahre Gott. Konkurrenzprinzip auf allerhöchster Ebene ...

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Dienstag, 15. November 2011 - Schuldzuweisung

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Banken,

wie hängt Schuld mit Verantwortung zusammen? Wer seiner Verantwortung nicht nachkommt, macht sich schuldig, oddr? Vor kurzem war es noch hinterwäldlerisch, Schuldzuweisungen auszusprechen. Wer darf sich erkühnen, mit nacktem Finger auf  andere zu zeigen und anzuklagen: du bist schuld? An deinem, meinem, unserm Elend? Ab sofort sollte es keine Schuldigen mehr geben.

Das war ein Aufbäumen gegen den Satz, der wie ein Damoklesschwert über jedem Sündenkrüppel hing: Vergib uns unsere Schuld. Die beleidigte Kreatur wollte nie mehr schuldig sein. Eine nachvollziehbare Reaktion. Doch Reaktionsbewegungen haben es an sich, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wer nicht schuldfähig ist, ist auch nicht verantwortungsfähig. Es sei, er hielte seine Entscheidungen für unfehlbar. Dann müssten es immer andere gewesen sein, die alles vermasselt haben.

Ist die Jesus-Variante höherwertiger, die alle Schuld selbstlos auf sich nimmt, um andere zu entlasten? „Die Strafe lag auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“? (Jes. 53,5) Wenn Ackermann Mist gebaut hat, muss er gehen. Es wäre lächerlich und größenwahnsinnig, wenn der Portier seiner Bank aus Nächstenliebe die Schuld des Chefs auf sich nähme, um jenen zu entlasten – und selbst in den Himmel zu kommen.

Der Satz vom Splitter und Balken sollte selbstkritisch klingen, hat im Rahmen der Selbstgeißelung aber viel Unheil angerichtet. Alle ich-schwachen Hochmoralisten suchen seitdem nur noch bei sich, als seien sie ...

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Montag, 14. November 2011 - Das Böse

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Gegner des Schreckens,

„Republik im Schockzustand“. Laut Lexikon ist Schock eine akute Unterversorgung lebenswichtiger Organe mit Blutsauerstoff. Der SPIEGEL bringt es fertig, die Republik in Schockzustand zu versetzen, ohne einen einzigen Satz darüber zu verlieren, wie die Deutschen wirklich auf die serienmordenden Neonazis reagierten. Wenn lebenswichtige Organe des Gemeinwesens akut unterversorgt wären, sähe es anders aus im beliebtesten Land der Welt.

Auch BILD kann nicht länger die Augen schließen, wenn Glatzen und Stiefelknechte mit ihren Springerstiefeln trampeln. „Wir Bürger haben eine gemeinsame Pflicht. Wir müssen das Böse besiegen.“

Und schon sind wir beim Vokabular des Dabbelju und seiner potentiellen Nachfolger, die ihn beim Kampf gegen das Böse noch übertrumpfen wollen. Da überall Terror drohe, müsse Foltern und Killen der Bösewichter wieder erlaubt, Guantanamo reaktiviert werden. So die Wahlkampfreden feuerspeiender republikanischer Kandidaten.

Die Eurokrise ist langweilig geworden, in Athen und Rom übernehmen Technokraten mit Bügelfalten und ohne silvionische Manneskraft das Regierungsruder. Über Nacht sollen wir umgepolt werden ...

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Sonntag, 13. November 2011 - Perfekte Moral

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Helfens,

in der TAZ stellt der Wiener Robert Misik die Frage, warum Europa den Griechen helfen sollte. Aus Solidarität? Aus Nächstenliebe?

Misik unterscheidet zwischen Solidarität und Nächstenliebe. Wenn ich solidarisch bin, nütze ich mir selbst. Aufklärer sprachen von wohlverstandenem Eigennutz. Wenn wir den Griechen helfen, helfen wir uns selbst. Wäre das Prinzip europatauglich, müsste es auf die ganze Welt übertragen werden. Helfen wir den Ecuadorianern, ihre Urwälder zu schonen, nützen wir der mitteleuropäischen Wetterlage.

Rückt die Welt  zusammen, wird Außenpolitik zur Weltinnenpolitik. Wird die Welt zum Dorf, gelten die Gesetze des Dorfes. Kann das sein? Im Dorf kenne ich jeden, von sieben Milliarden Erdbewohnern kenne ich fast niemanden. Für Misik ein Drama, dass wir mit vielen verbunden sind, deren Nutzen und Schaden der unsrige ist, mit denen wir gleichwohl nur auf gefühlsarmer Verstandesebene solidarisch sein können. Solidarität könne „nicht auf die emotionalen Ressourcen zurückgreifen, die im Nahbereich selbstverständlich sind“.

Solidarität muss wohl eine kühle Sache sein, an der unser Herz unbeteiligt bleibt. Natürlich spricht ein moderner Kommentator nicht von Herz. „Emotionale Ressourcen“ klingt keimfrei und technikkompatibel, Gefühls-Qualität ist erfolgreich in Quantität verwandelt worden. Ressourcen lassen sich messen, ihre Nutzzeit berechnen. Wenn sie nicht nachwachsen, ...

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