ARCHIV

Samstag, 17. Dezember 2011 - Edelfedern und Doppelmoral

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Liberalen,

es muss geliefert werden. Das ist die neueste ökonomische Modeformulierung der Tagesschreiber. FDP und Rösler müssen liefern. Die Vierte Gewalt lässt liefern. Wer nicht liefert, was sie fordert, ist geliefert. Politik wird zum Deal.

Beim Dealen gibt’s keine Debatten. Die einen bestellen, die anderen liefern. Vor kurzem waren die Akzente noch anders verteilt: Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage hatte sich dem Angebot zu beugen, das zumeist ein Überangebot war. Angebot erzeugte die Nachfrage. Eine Nach-frage ist keine Frage, sondern eine Frage, der man nach-geholfen oder auf die Sprünge geholfen hatte.

Wer nicht fragt, bleibt dumm. Wer nicht nachfragt, bleibt Konsumschädling. Der derbe Spruch: soviel kann man gar nicht kotzen, wie man ständig essen muss, brachte es auf den Punkt. Bedürfnisse hat man nicht von Natur, man muss sie pflegen, sie für unbefriedbar halten und in freundlicher Übereinstimmung mit dem Überangebot ständig neu erfinden.

Leibniz hätte von prästabilierter Harmonie gesprochen. Allen Dingen wohnt von Anfang an der von Gott eingerichtete Zauber der Harmonie inne. Alle Dinge sind – wie zwei aufeinander abgestimmte Uhren – miteinander parallelisiert. Der Schöpfer ist der Uhrmacher. Von Freiheit keine Spur.

Das war auch die bisherige Grundüberzeugung der Gleichgewichts-Ökonomie. Der Markt steht immer in naturwüchsiger Übereinstimmung mit dem Menschen. Wenn einmal nicht, kommt sofort die Hand des unsichtbaren Uhrmachers und stellt alles wieder aufeinander ein. Momentan scheint's kleinere Probleme ...

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Freitag, 16. Dezember 2011 - Edelfedern

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Chinas,

2020 könnte China der mächtigste Staat der Welt sein. Oder an seinen inneren Widersprüchen implodieren. Es gibt im Reich der Mitte keinen privaten Landbesitz, aber immer mehr Milliardäre und korrupte Beamte, die ihre prachtvollen Villen mitten aufs Ackerland setzen. Der Widerspruch zwischen statutarischem Maoismus und rasant wachsendem Reichtum kann nicht endlos ausgedehnt werden. Auch im Lande des Laotse herrschen Naturgesetze der Logik.

Das Gleiche gilt für Indien und Brasilien, die dabei sind, die Vorherrschaft des Westens abzulösen. In Brasilien wollen sie das Verbrecherwesen eindämmen, indem sie jedem Mafioso WM-Karten für die Aushändigung seiner Waffen geben wollen. Man könnte den Boys auch Fernkurse in Theologie, kostenlose Bordellbesuche oder ähnlich hochwertige Drogen anbieten.

Ein chinesisches Dorf hat nun von seinen lokalen Kaderdespoten die Nase voll und rebelliert geschlossen gegen polizeiliche Einkesselung.

Vor Aufsteigern überhaupt ist zu warnen. Besonders wenn sie in Niedersachsen wohnen und Schröder, Glogowski, Gabriel oder Wulff heißen. Aufsteiger sind ausgehungerte Wölfe, treiben sich gern in VW-Kreisen herum und umgeben sich mit Maschmeyer-Freunderln. Die ebenfalls ausgehungerte Wölfe von unten sind und sich gern ...

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Donnerstag, 15. Dezember 2011 - Prantl der Liberale

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Bambis,

Bulldozer ist Nachfolger von Bambi, der seine Lindigkeit aller Welt zuteil werden ließ, weshalb er Lindner heißt. Mehr Philosoph als Politiker, meinen seine Parteifreunde, die Philosophie mit zartbitterer Lindtschokolade verwechseln müssen. Scheu und zart wie ein Reh, schaut er mit großen Augen auf Fotos unschuldiger Jahre.

Weiß jemand, welche Philosophie das Rehauge hatte? Prantl ist Spezialist für historische Begräbnisreden und Gruppenrotationsbeobachtungen aus den Zentren der Macht, die eminent wichtig klingen. Hat man sie gelesen, weiß man nicht, welchen Erkenntnis- oder Lustgewinn man gewonnen haben soll.

Das nächste Presseclubgeraune der Kategorie AAA ist gesichert. Eingeladen die Gentlemen und Ladys der schreibenden Edelgarnitur. Der frisch verheiratete Zurückgetretene „galt als der letzte Hoffnungsträger der Partei, als einer, der – vielleicht – an die gescheiten Zeiten eines Ralf Dahrendorf oder eines Karl Hermann Flach hätte anschließen können.“ Ein Hoffnungsträger, der vielleicht Hoffnungsträger hätte sein können? Ist das Hoffnung light mit Rücksicht auf eine Exoskelettenpartei?

Ist gescheit das oberste Leuchtkriterium eines ansonsten in Dummheit versunkenen Honoratiorenrudels? War Franz Josef Strauss ...

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Mittwoch, 14. Dezember 2011 - Feuer und Schwert mit Milch und Honig

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Gottesteilchen,

es gibt noch Grundlagenforschung auf der Welt. Wir wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Wir wollen dafür schwer bezahlen. Wir fördern das internationale völkerverbindende Projekt, wo tausende intelligenter Jungspunde Fischertechnik auf Makro-, ja, auf höchster Theo-Ebene spielen. Wir wollen unbedingt rauskriegen, wie der Zipfel von Gottes Zipfel aussieht.

Gottesteilchen war ein Verleger-Gag. Aus Frust, dass die ominösen Teilchen sich dem Zugriff entzogen, wollte ein Physiker ein Buch schreiben mit dem Titel: diese gottverdammten Teilchen. Lass verdammt weg, sagte der findige Manager und schreib: diese Gottesteilchen.

Sollten wir Gott gefunden haben, wenn sich die verdammten eskapistischen Teilchen finden ließen? Dann stünde uns die Versöhnung des Theismus-Deismus-Atheismus-Agnostizismus-Streites bevor. Gott wäre bewiesen – oder eben nicht. Es wäre wie bei der Volksabstimmung um Stuttgart 21, nur viel besser.

Dort war's nur schnöde Mehrheit, die die Wahrheit über Gleise und Tunnel beanspruchte. Hier wäre es die absolute Wahrheit, die der Mehrheit ihre Sicht der Dinge aufdrängte. Müssten Sibylle Berg und die meisten ihrer schreibenden KollegInnen ihren Perspektivismus – wonach es nur subjektive Einstellungen gibt, keine objektiven Wahrheiten – nicht an der Biegung des Flusses begraben?

In der Naturwissenschaft, würden sie einwenden, mag's solche unumstößlichen Besserwissereien geben, nicht aber im menschlichen Bereich. Hätte sie Recht, könnten wir die Hoffnung mitbegraben, ...

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Dienstag, 13. Dezember 2011 - Feinsinnige Roboter

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Rentner,

Geringverdiener unter Rentnern sterben früher. Das entlastet Renten- und Sozialkassen und befreit die Gesellschaft früher von Abkömmlichen, um Salomons präzises Wort zu benutzen. Die abgezogenen Lebensjahre werden höherverdienenden Pensionären zugeschlagen, die sich bereit erklären, sich unehrenamtlich um soziale Belange zu kümmern. Das soll mit monatlicher Pensionserhöhung von 600 Euro belohnt werden.

Höherverdienende sind gebildeter, können den Zusammenhang von Lebensalter und Lebensleistung besser erklären: Leistung lohnt sich wieder, Hassan. Also streng dich an und mach den Hauptschulabschluss. Dann kannst du besser die Mülltonnen entsorgen. Erdogan wird stolz auf dich sein, mein Junge.

Geht’s mit unserer Gesellschaft vorwärts und in welcher Hinsicht? Heitmeyer, Soziologe, hat fleißig Zahlen gesammelt und Wolfgang Thierse seiner Untersuchung „fatale Aktualität“ bescheinigt. Fatal scheint ein Lieblingswort des gläubigen Ex-Ossis zu sein, der auch von „fataler Einseitigkeit“ spricht.

Da fatal noch immer von Fatum, Schicksal, kommt, ist Thierses Aktualität schicksalsbedingt und könnte gar nicht anders ausfallen. Wenn einem so viel Fatalismus widerfährt, ist das ...

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