ARCHIV

Donnerstag, 22. Dezember 2011 - Manifest

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Afrikas,

er ist mit mehreren Frauen verheiratet, spricht Zulu und hat das Christentum für die Schäden der Gegenwart verantwortlich gemacht: Zuma, Präsident Südafrikas.

In vorkolonialen  Zeiten hat es bei uns keine Alters- und Pflegeheime gegeben, sagte er vor schwarzen Stammesgenossen. Das Christentum hat Unheil gebracht. Natürlich musste er zurückrudern, als seine Rede im Land bekannt wurde. Sein Pressesprecher dementierte und behauptete das Gegenteil.

Also Kehrtwende zurück zum Glauben der weißen Eroberer. Nun werde der ANC, die führende Partei des Landes, solange regieren, bis Jesus kommt. Also immer. Denn jener kommt nicht, wie er in einem vertraulichen Gespräch der Redaktion zukommen ließ. Er hat sich auf Zeitreise durchs Universum begeben auf der Suche nach Gottesteilchen, in experimenteller Überprüfung der Frage, ob Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Lichtgeschwindigkeit auch für Göttersöhne und Himmelspersonal gelten. Den Untersuchungen der Irdischen bei CERN könne er nicht vertrauen.

Während in unseren Breitengraden die Menschen den Kirchen davonlaufen, wachsen die christlichen Gemeinden in Afrika und anderswo. Gleichzeitig macht sich der Konflikt zwischen uralten Naturreligionen und einer imperialistisch verordneten Geschichtsreligion immer bemerkbarer.

Je mehr der Westen die Welt mit seinen Glaubensdogmen verwüstet, Technik und Wirtschaft inbegriffen, je mehr er unter selbstverfertigten Problemen zusammenbricht, je mehr schwindet bei ehedem Eroberten und Unterdrückten die Faszination des verwahrlosten Wohlstands, des kollabierenden Fortschritts.

Das trifft für alle Weltkulturen zu, die vor dem Einbruch der Weißen uralte Traditionen besaßen und vom Westen per Kanonen oder Ökonomie gezwungen wurden, sich von ihnen zu verabschieden. In China ...

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Mittwoch, 21. Dezember 2011 - H.E. Richte r

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der mutigen Frauen,

warum gibt es von den Moralaposteln der Nation keine Huldigung auf die mutigsten Frauen Europas? Weil diese unanständig oben ohne demonstrieren. Man könnte ja Vermutungen über die Gründe des Lobs anstellen.

Die furchtlosen Ukraininerinnen der Gruppe Femen protestierten in Minsk gegen die getürkte Wahl Lukaschenkos, wurden festgenommen, misshandelt, mit Öl übergossen und in Eiseskälte nackt ausgesetzt. Unsere Edelfedern schweigen, blicken nicht über den deutschen Tellerrand.

Sie befinden sich längst auf dem optisch verengten Sonderweg  professioneller Wind- und Wortemacher, die lieber pharisäisch auf Klein-Wulff eindreschen als sich mit Weißrussland oder Ungarn zu beschäftigen, wo Orban, direkter Nachfolger des Heiligen Stephan, sein Land zur mittelalterlichen Theokratie zurückführen will. Da könne man doch durch die Finger gucken, wenn die durchs Dorf getriebene Sau im geistlichen Gewande wütet.

Kurz vor Weihnachten finden bei uns national-kathartische Festspiele statt. Ein kollektives Oberammergau als öffentliche Besinnung aufs Reine und Wesentliche, als Ersatz für die sonst obligaten Erbauungsartikel zum Weihnachtsfest. Schaut her, Europäer, nicht nur sind wir die wirtschaftlich Potentesten, die strengsten Lohnkürzer der Unteren, wir gehen auch am unerbittlichlichsten mit unseren Autoritäten um.

Früher idealisierte man den verengten Blick aufs deutsche Gemächte als Innerlichkeit, als Pflege der eigenen unsterblichen Seele, die den Katechismusspruch realisieren wollte: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele! So viele schöne Konjunktive erfreuen das Herz der Tiefsinnigen. Was sie nicht davon abhielt, ihre ...

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Dienstag, 20. Dezember 2011 - Schweinchen Schlau

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des politischen Über-Ichs,

auch Bundespräsident genannt. Wir stehen vor der Geburt des Sohnes, eine günstige Gelegenheit für kollektiven Vatermord. Wer Freunde wie Maschmeyer hat – der auch Freunde wie Schröder hatte –, dessen Verstand muss man in der Tat bezweifeln. Der hat sich selbst gerichtet.

Ob er mit solchen Freunderln allerdings gegen Gesetze verstoßen hat, ist eine andere Sache. Also sind die Gegner unseres ordentlich gewählten Über-Ichs noch lange nicht vor dem Verdacht gefeit, ordinäre Pharisäer zu sein, welche wirtschaftliche Systeme schlucken, den armen Christian aus dem Munde speien. Mit Absicht hat dieser eine dürftige Klinkerhütte gekauft, um in Milliardenverschleißzeiten Demut zu bezeugen. Hilft nix, die Meute aus BILD, SPIEGEL & Prantl fällt über ihn her. Eine aparte Mischung.

BILD, Bauch des Volkes, SPIEGEL, rotierender Gehirnlappen und Prantl, geistig-moralisches und damit wahres Über-Ich Deutschlands, gehirnforschungsmäßig noch nicht verortet, bilden eine schreckenerregende Troika. Jetzt beginnt auch Bommarius herumzualbern, ein sicheres Zeichen, dass der Landesvater nicht mehr zu halten ist. Die Weihnachtsansprache wird er nur überleben, wenn er mit Narrenkappe und scheuem Grinsen antritt, das Kreuz unauffällig am Revers.

Wenn Edelfedern in Kampagnenrausch sind: schnell auf die Bäume! Unsere Rechercheure schrecken vor nix zurück. Ohnehin gibt's nur noch einen investigativen Journalisten in Deutschland, der heißt Leyendecker und fällt in causa Wulff gar nicht auf. Was eigentlich treiben Ihre Kollegen den ganzen Tag, Herr Leyendecker? Haben Sie ...

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Montag, 19. Dezember 2011 - Tabula rasa

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Nordkoreas,

der nordkoreanische Diktator ist tot. Die Armee wurde in Bereitschaft versetzt, um den Tod als Staatsterroristen nachträglich zu liquidieren. Den Tod überwunden zu haben, soll nicht länger das Überlegenheitsmerkmal des westlichen Messias bleiben. Die Auferstehung des vorübergehend Gestorbenen soll in zwei Tagen als triumphaler Staatsakt gefeiert werden.

Vaclav Havel ist tot, das genaue Gegenbild des Diktators. Ein sanfter, ein fast schüchterner Mann, der die sozialistischen Stalinisten das Fürchten lehrte. Hierzulande gilt Lindner als Philosoph, zu zart für Politik. Havel war Poet und Schriftsteller, zur Revolution nicht zu zart.

Hierzulande haben alle Dichter, Denker und Schriftsteller politisch längst abgeschirrt. Windhunde wie Enzensberger ätzen gen Brüssel, faseln von postdemokratischen Zuständen, bilden mit ihrer Scheitern-Ideologie – Protagonisten ihrer Romane müssen pflichtgemäß scheitern, wenn die Verfasser preisverdächtig werden wollen – die Flankenwärter des Neoliberalismus, der schon immer wusste, dass seine Gegner zum Scheitern verurteilt sind.

In der Weimarer Republik untergrub fast die gesamte Elite der Gelehrten massiv das neue demokratische Experiment. Heute untergraben dieselben passiv den zweiten Anlauf. Gerade das Feuilleton giftet gegen die letzten Engagierten wie Günter Grass, welche Spezialkompetenz er denn habe, sich in politische Vorgänge einzumischen. Welche Spezialkompetenz ...

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Sonntag, 18. Dezember 2011 - Heidnische und christliche Liebe

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Weihnachtens,

müssen Linke Weihnachten hassen? fragt die TAZ. Ja, sagen Kritiker des Geschenkeverschlingens. Consumere heiße verbrauchen, verschlingen, vernichten. Der Geburtstag des Herrn sei eine obszöne Konsumorgie zum Schaden der Menschen, zu Lasten der Natur.

Nein, sagen die Bedürftigen familiärer Geborgenheit, Weihnachten sei das Fest der Liebe. Ergo: linke Weihnachtshasser sind konsumkritisch, aber gottlos und liebesunfähig. Grüne Weihnachtsbefürworter sind liebessentimental, billigen heuchelnd Naturverschleiß, um einmal im Jahr Urgefühle zu simulieren, die sie nicht haben und vernichten, was sie lieben.

Von welcher Liebe reden wir? Christliche Liebe ist ein apartes Ding, völlig verschieden von heidnischer Liebe. Heidnische Liebesfeste sind kollektive Orgien. Jeder liebt jeden mit Körper, Geist und Gefühl. Rauschhaft wird Heilige Hochzeit (hieros gamos) zwischen Göttern und Menschen, Himmel und Erde gefeiert.

Im Frühjahr soll kopulierend auf dem Acker der wolkenreiche Himmel zum Befruchten der Erde animiert werden. Alle Streitigkeiten ruhen, alle Antithesen finden und einigen sich, alles versöhnt sich mit allem. Praktizierte, zur Vollendung gekommene Dialektik, Hegel hätte seine Freude gehabt.

Trennendes ist aufgehoben, die Welt findet zur Einheit. Das Sein ist ein enthemmter, ekstatischer Swingerclub. Mutter Natur zeugt und heckt im Übermaß. Der Tod ist kein Schrecken, sondern ein lächelnder Knabe. Eros und Thanatos ...

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