Die Beste aller Welten - Natur und Neoliberalismus
Thema - Philosophie und Politik

Die Beste aller Welten - Natur und Neoliberalismus

Von allen möglichen ist die unsrige die beste aller Welten, sagte Leibniz. Ausdenken könne man sich zwar bessere, doch rundum perfekte überstiegen Gottes Kapazitäten. Auch für Kumpel Schöpfer gilt der lateinische Spruch: Ultra posse nemo obligatur, über sein Können hinaus kann niemand verpflichtet werden.

Die denkbar beste wäre natürlich die ohne Leid, Tod und Schmerz. Doch das bliebe selbst für deus omnipotens eine unerreichbare Utopie. Auch Er müsse sich an die Realitäten halten, könne nicht von makelloser Vollkommenheit träumen. Der Gerechte muss gelegentlich leiden, der Lump schwelgt in Überfluss. Das ließe sich nicht ändern. Hätte jedoch den Vorteil, dass jede Kreatur aus Elend klug, aus Trübsal weise werden könne.

So mache der Mensch aus Not eine Tugend, korrigiere des Vaters Schwäche, indem er aus eigener Kraft sein Päckchen trage und dennoch zur richtigen Einsicht käme: gloria in excelsis deo.

Da passierte es: das Erdbeben von Lissabon 1755 verwandelte die Stadt am Rande Europas in eine Staubwolke. Die fortschrittsfreudige Aufklärung war erschüttert, ihr Optimismus ramponiert. Die geologische Eruption passte nicht zum rationalen Deismus der Vernünftler, ...

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Sokratische Ironie und Postmoderne
Thema - Philosophie und Politik

Sokratische Ironie und Postmoderne

Wie war das mit Sokrates? War er nicht einer der größten Ironiker der Denkergeschichte, der mit seinen Überzeugungen klaglos in den Tod ging? „Besser, Unrecht erleiden als Unrecht tun“ stammt nicht von dem bekannten Galiläer. Es war die Leit-Direktive des Sohnes einer Hebamme, der seine Zeitgenossen mit ironischen Streitgesprächen zur Verzweiflung brachte. Seine Dialogpartner sollten sich prüfen, ob sie wirklich wissen, was sie tun und reden, um nicht arrogant und scheinwissend die athenische Demokratie zu gefährden. Worin bestand seine Ironie?

Sokratische Ironie – mit der romantischen nicht zu verwechseln, der es um nichts ernst ist – sucht nicht das Neue, sondern das Wahre, das sie mit Klauen und Zähnen verteidigt – um von der Postmoderne gehörig verspottet zu werden. Deren Geist zu jeglichem seriösen Widerstand unfähig macht. Die auf der ewigen Suche nach dem Neuen nichts festhalten, bewahren und verteidigen kann. Die kampflos alles preisgibt, was ihr eben noch wichtig schien, immer auf der Hatz nach dem Unbekannten.

Die Sokratische Ironie stellt alles in Frage, nur nicht die Suche nach der Wahrheit, sie soll die Spreu vom Weizen des täglichen Geredes trennen: um den Kern herausarbeiten, der das Wohlergehen des Gemeinwesens mit dem Glück des Individuums verbindet.

Das eigene Nichtwissen ist keine Tändelei. Es verweist auf die zwiegerichtete Überprüfungsarbeit im mäeutischen Gespräch. Wer schon alles wüsste, könnte nichts mehr lernen. Philosophieren ist lernen mit Leidenschaft. Wer andere unter die Lupe nimmt, ...

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Lust am Streiten
Thema - Philosophie und Politik

Streitlust?

Apologie ist eine Verteidigungsrede oder –schrift (von apologia = Rechtfertigung), ein Pamphlet ist eine zugespitzter scharfer Angriff, von den Angegriffenen oft als Schmähschrift geschmäht, Pasquill eine Spottschrift. Alle drei gehören zur Gattung der Streitschrift.

Zu den berühmtesten Streitschriften gehören die Bücher gegen das Christentum von Celsus, (das laut Nestle von Nietzsches Antichrist nicht übertroffen wird) und vom römischen Kaiser Julian (genannt Apostata, der Abtrünnige), der vergeblich gegen die neue Macht der christlichen Doktrin im Geiste der griechischen Philosophie anrannte. Fast völlig untergegangen ...

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Nihilismus und Messianismus
Thema - Philosophie und Politik

Nihilismus und Messianismus

Nein, das sei ferne von euch, das Nichts, den Untergang zu lieben. Merkwürdig, wie Begriffe verschwinden. Momentan lese ich in Büchern der 50er und 60er Jahre. Da wimmelt es von Themen, Schlagwörtern und Problemen, die heute nicht mehr anzutreffen sind. Nihilismus, Kybernetik, repressive Toleranz, Anomie, der eindimensionale oder außengeleitete Mensch.

Blättert man beim damaligen Heros der Studenten, C.F. von Weizsäcker, gibt es keinen Aspekt des Seins und Daseins, den er nicht mit lässiger Hand und mit Hilfe des Hanser-Verlags unters Publikum bringt. Von der Quantenphysik über Tiefenpsychologie, Weltinnenpolitik, Kants Antinomien, Goethes Liebesgedichte, Begegnung mit schweigenden indischen Gurus, Auslegung des Kolosserbriefs, Geschichte der Natur, Schöpfungsgeschichte und Naturwissenschaft, Gesundheit, Ein Blick auf Hitler, Thomas Mann: da war ein Bildungshunger ...

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Konservatismus und Natur
Thema - Philosophie und Politik

Konservatismus und Natur

Was wollen die Konservativen bewahren? Werte oder Macht? Da gibt es nationale Besonderheiten. Sind amerikanische Republikaner konservativ? Sie wollen jene Macht bewahren, die keinen Stein auf dem andern lässt: sie sind Anhänger des Fortschritts. Methodisch müssen wir jetzt wie Archäologen vorgehen und Schicht um Schicht abtragen.

Fortschritt ist nur in der Geschichte möglich, Geschichte ist Gegenspielerin der Natur, die sich zwar in ungeheuren Zeiträumen entwickelt, aber in den für uns überschaubaren Zeiträumen konstant bleibt. Naturgesetze bleiben gleich, (in schwarzen Löchern sollen sie nicht gelten, das ignorieren wir), nur die Randbedingungen ändern sich. C. F. von Weizsäcker schrieb eine Geschichte der Natur, er meinte die Evolution. Karl Löwith hielt Natur und Geschichte für inkompatibel, Natur stünde für Konstanz, Geschichte für permanenten Wandel. Da Weizsäcker Physik und christliches Dogma mit Ach und Krach vereinbar machen wollte, übergehe ich ihn.

Wenn Löwiths Auffassung stimmt (der ich zustimme), ist Natur die einzige konservative Kraft. Der Mensch als Subjekt der Geschichte (inklusive seinem vorgeschobenen Gott) hingegen ist veränderungswütig oder revolutionär. Stopp, genau gesprochen stimmt auch letzteres nicht. Denn Re-voltieren heißt Umdrehen, Zurückwälzen und meinte ursprünglich den astronomischen Vorgang des ewigen um sich selber Kreisens der Gestirne, die ihre Bewegungen ständig im Zirkel wiederholen. Also das genaue Gegenteil ...

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Vom Nutzen und der Moral
Thema - Philosophie und Politik

Vom Nutzen und der Moral

Ist eine moralische Entscheidung nur richtig, wenn sie erfolgreich ist? Falsch, wenn sie praktisch in die Hosen geht? Am Beispiel Libyen: Wäre im Falle einer Niederlage der libyschen Rebellen die militärische Hilfe der Nato falsch gewesen? Übersetzen wir das mal in eine andere Zeit. Hätten die Alliierten gegen Hitler verloren, wäre ihr Einsatz falsch gewesen? Dann sind wir endgültig amerikanisiert. Das Kriterium der Wahrheit ist allein der Erfolg.

In Vorkriegsdeutschland wurde die Nutzenphilosophie der Angelsachsen nur mit Herablassung und Verachtung behandelt. Die Dichter und Denker gaben sich als kategorische Kantianer, obgleich sie meisten hegelianisch dachten, die dem Erfolg auch nicht gerade abhold waren. Wenngleich sie denselben nicht als Werk menschlicher Marionetten, sondern des Weltgeistes höchstselbst betrachteten.

Bei den frommen Biblizisten drüben überm Teich nicht viel anders. Erfolg ist Segen Gottes, der nicht erst im Jenseits, sondern schon hienieden als Macht und Reichtum zu Buche schlägt. Während die Deutschen einen Weltkrieg benötigten, um den Endsieg einzufahren, waren die Amis davon überzeugt, ihn mit der Eroberung des neuen Kontinents schon errungen zu haben. Sie fühlten sich ...

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