Von vorne XCV

Tagesmail - Montag, den 02. Dezember 2019

Von vorne XCV,

wir kommen voran, die Macht zerfällt. Zerfällt die Macht, blamieren sich die Machthaber.

„Das ist nicht Ihre Sendung, Frau Kipping, sondern meine!“ sagte Talkshow-Königin Anne Will ex cathedra.

Gab es mal eine Talkshow mit dem Thema: „Talk – oder Show? Sollen Talkshows jetzt noch sozialisiert werden – oder bleiben sie die Spielwiese ihrer Eigentümer?“

Geladen sind Maischberger, Illner, Plasberg, Will, Lanz. Geleitet wird der Talk von der kommissarischen Doppelspitze Günther Jauch und Margot Käßmann. Eingerahmt wird das Ereignis des Jahres von einem ökumenischen Gottesdienst.

Gespräche sind einmalige Ereignisse und bleiben das Eigentum derer, die es sich als erste gesichert haben. Geredet wird nur nach Aufforderung und als Antwort auf gestellte Fragen.

Einmalig sind die Ereignisse, weil sie von KI noch nicht imitierbar sind. Versuche, die Framingrunden zu digitalisieren, sind vorläufig gescheitert. Doch Experten arbeiten fieberhaft daran, mit der Algorithmisierung des Dialogs den Menschen einzuholen. Gelingt es ihnen, werden Genie und Kreativität nicht länger das Privileg des überschätzten homo sapiens sein.

Laut Hörensagen sind erste Blindversuche ermutigend verlaufen. Hauptproblem sind nicht die berechenbaren Gesprächsinhalte, sondern die ästhetische Qualität der Darsteller-Puppen. Experten nennen es ihr experimentum crucis: werden sie es schaffen, den Menschen zu überholen und endgültig überflüssig zu machen?

Sollte ihnen der Beweis gelingen, wird auch die Lösung des Klimaproblems in greifbare Nähe rücken. Wesen, die überflüssig sind, können sich beruhigt in Nichts auflösen. Geniale Maschinen sind immun gegen Hitzewellen.

Bis dahin müssen die Eigentumsverhältnisse des öffentlichen Schwatzens gesichert sein. Momentan geht die Angst um, die SPD könnte durch verantwortungslose ...

... Beendigung des Neoliberalismus vieles in Sozialismus verwandeln.

Oskar Lafontaine, gescheiterter Retter der sozialen Marktwirtschaft, sieht sich plötzlich bestätigt und fordert das Aus des Neoliberalismus. Gemach. Niemand weiß, was der monströse Begriff bedeutet: wie kann man abschaffen, was man gar nicht kennt?

Wer immer in den letzten Jahren diesen Begriff als Allzweckwaffe benutzte, wurde von wachsamen Medien zu Boden gestreckt: an allem soll ein ominöser Neoliberalismus schuld sein? Geht’s noch simpler und unterkomplexer?

Wissen wir doch nicht einmal, was ein Altliberalismus ist. FDP-Lindner kann noch lange nicht zum alten Eisen gezählt werden.

Ob Neo-, Paläo- oder Ordoliberalismus: Hauptsache, die Kanzlerin hat uns lieb und sorgt in mütterlicher Treue für unseren Wohlstand – um den uns die ganze Welt beneidet.

Sollte das Getue einer infantil-vergreisten Partei das Ende der Kompromiss-Politik und somit das unwürdige Ende unserer Kanzlerin bedeuten, müssten die Wähler dafür sorgen, dass diese Aufsteigerpartei im Brandenburger Sand für immer verscharrt wird.

Welch ein Triumph des Fortschritts, als alles Materielle und Geistige eingefangen und in Besitz genommen wurde. Was müssen das für barbarische Zeiten gewesen sein, als der Dialog auf dem Marktplatz ein herrschafts- und besitzfreies Ereignis war, an dem sich jeder beteiligen konnte – oder nicht.

Regeln gab es, aber keine despotischen Rechte, jemandem willkürlich das Wort zu erteilen oder zu entziehen. Die Regeln entstammten dem Reich der Logik. Jedermann – ob als Zuhörer oder als Dialogpartner – war aufgefordert, auf das Einhalten der logischen Regeln zu achten.

Gab es Widersprüche? Dann mussten sie entschlüsselt werden. Widersprüchliche Meinungen konnten nicht wahr sein. Wahrheit? Welch ein Dino-Begriff! Zu Recht von heutigen Besitzern vieler und beliebiger Wahrheiten verachtet und verdrängt.

Tief in den bayrischen Wäldern soll es einen uralten weisen Denker geben, der – hört, hört – von einem herrschaftsfreien Diskurs spricht.

„Ein Merkmal der Sprache ist dabei nach Habermas die ihr innewohnende Rationalität. Die Ergebnisse einer Kommunikation – wenn sie frei ist von Verzerrungen durch Macht oder Hierarchien – sind ihm zufolge zwangsläufig rational. Als Ideal, als beste Versicherung für wahrhaftige Erkenntnisse, sieht er somit den „herrschaftsfreien Diskurs“ – aufgebaut auf Diskursnormen.“

An den gewundenen Begriffen kann man erkennen, welche Probleme der Denker haben musste, seine, nicht mehr in die Welt passende, Meinung vom machtfreien Streitgespräch so zu formulieren, dass er sie vertreten konnte, ohne den Shitstorm zu kassieren, er wolle nur Recht haben.

Man könnte es einfacher sagen. Demokratische Debatten erkennt man an folgenden Punkten:
a) an der symmetrischen Situation. Diskussionspartner müssen gleichberechtigt sein.
b) Jeder hat die gleiche Möglichkeit, sich zu äußern.
c) Diskussionspartner müssen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen.
d) „Zentral ist der Zwang des besseren Arguments. Eine Sachentscheidung soll immer auf der Basis des besten Arguments erfolgen. Eine Dienstanweisung, die die besten Argumente unberücksichtigt lässt, hat beispielsweise mit dem Herrschaftsfreien Diskurs nichts zu tun, sondern ist Herrschaft pur.“

Womit klar sein muss, dass TV-Talks mit einem Dialog nichts zu tun haben können. Sie sind reißerische Shows, die die Erkenntnisinteressen des Publikums hinterlistig benutzen, um ihren eigenen Marktwert zu erhöhen. Keine einzige Talkshow im deutschen Fernsehen ist demokratisch und dient dem Erkenntnisgewinn der Zuschauer.

Ein echter Dialog braucht keine Zuchtmeister oder Moderatoren, die das Wort willkürlich erteilen und entziehen, die Atmosphäre aufheizen oder von heiklen Grundsatzfragen ablenken, die das brüchige demokratische Gehäuse gefährden könnten. Der fragile Status quo einer ungebildeten Elite mit einer gelenkten Gesellschaft darf nicht ins Wanken geraten.

Deshalb muss darauf geachtet werden, dass klärende Begriffe sorgfältig vermieden werden. Alles, was zum Denken anregt, muss geächtet werden: „das können wir hier nicht klären, wir sind nicht einem wissenschaftlichen Seminar.“

Ein Dialog ist ein Agon, ein Wettkampf zwischen zwei Streithähnen – oder -hennen. Wer glaubt, es besser zu wissen als die beiden, muss beantragen, selbst in den Dialog einzusteigen. Ein Wettkampf besteht aus Behaupten und Bestreiten. Einer vertritt eine These, der andere eine Gegenthese. Wer von beiden hat Recht? Wer Angst hat, zu verlieren, dem fehlt es an selbstkritischer Besinnung. Er soll sich in eine Eremitenhöhle zurückziehen.

Strenge Dialoge in der Gruppe kann es keine geben. Gruppendebatten dienen vornehmlich dem emotionalen Spannungsausgleich der Teilnehmer. Streng genommen spricht keiner aus der Talk-Show-Gruppe mit den anwesenden Teilnehmern. Er spricht mit dem anonymen Publikum, das er politisch auf seine Seite ziehen will. Hauen und Stechen dienen einzig dem johlenden Beifall des eigenen Lagers und dem Gewinnen neuer Anhänger. Ob man jenen überzeugt, den man anschaut, ist belanglos.

In deutschen Talks wird jedem eine eigene Frage gestellt – um Konfrontationen zu vermeiden und niemanden zu vertreiben, der nur auf Sensationen und Peinlichkeiten erpicht ist.

Die athenische Urpolis gründete auf dem stabilen Untergrund einer Gesellschaft, dessen Philosophen den Erkenntniswillen des Volkes in wahrheitsfördernde Begriffe verwandelt hatten. Diffuse Emotionen und Ahnungen wurden dem Unbewussten entrissen und ins Bewusstsein erhoben, dass man mit ihnen im Licht des Verstandes trefflich streiten konnte.

Jeder war Philosoph, jeder folgte seiner Vernunft, die zugleich die generelle Vernunft der Menschheit und in der Lage war, die in Religionen, Nationen und Klassen zerteilte Menschheit miteinander ins Gespräch zu bringen. Das nannte man Demokratie, nur das zeichnete eine freie und gleiche Gesellschaft aus.

In deutschen Talks spielen Widersprüche keine Rolle. Wahrheit zeigt sich erst im Ausschluss aller Widersprüche. Über diesen Grundsatz der Erkenntnis bricht die deutsche Dialektik in höllisches Gelächter aus.

Die Nation, die unter allen modernen Nationen am graecophilsten sein will, wurde durch Seligpreisung ihrer wirren denkerischen Unvereinbarkeiten zum größten Verräter des griechischen Geistes. Was nicht so verheerende Folgen gehabt hätte, wenn der Geist der Widerspruchslosigkeit nicht zugleich der Geist der Demokratie gewesen wäre.

Als Kriterium der Verständigung haben sich die Deutschen auf den Kompromiss geeinigt. Im alltäglichen Interessenstreit geht es nicht ohne erkenntnislose Kompromisse. Im langfristigen Suchen nach der Humanität sind aber ad hoc-Kompromisse Gift. Sie misstrauen der Wahrheitsfähigkeit und der Vernunft des Menschen. Sie opfern die kompromisslose Menschlichkeit einem hektischen und gedankenlosen Durchwursteln, das keinen anderen Sinn hat, als die Macht der Pfuscher zu erhalten.

Die westlichen Demokratien haben sich, unter dem Einfluss religiöser Antinomien, derart der Widersprüchlichkeit ihres Denkens und Handelns unterworfen, dass sie nicht mal die Ursachen ihres Malheurs kennen.

Welche Elemente ihrer Geschichte haben sie an den Rand ihres Abgrunds gebracht? Wissen sie nicht, wollen sie nicht wissen. Zwei links, zwei rechts, zwei fallen lassen: hurra, wir haben uns in einer ach so zermürbenden Nachtsitzung wieder zusammengerauft. Erkenntnisloses Zusammenraufen gilt als Kriterium der Wahrheit. Wer daran rührt, ist ein heilloser Unruhstifter und Querulant.

Vor dem Weltkrieg wussten die Deutschen noch, dass ihr Abendland auf zwei widersprüchlichen Grundelementen beruhte: auf Athen und Jerusalem. Heute ist Hellas untergegangen, überall wird das Kind in der Krippe gefeiert. Das war auch der Höhepunkt der Adventsfeier bei Florian Silbereisen, in dessen Sendung sich alle SängerInnen feierlich in eine Reihe stellten, um das Heilige zu besingen. Niemand weiß etwas über die Entstehung der frommen Mär, doch jeder ist begeistert von ihrer seelenerhebenden Stimmung. Wahrlich, Deutschland ist ein christlicher Staat, spätestens, wenn der Konsum im Glanz der Lichterketten wieder alle Rekorde bricht.

Die dialektische Seligsprechung des Widerspruchs hatte den Zweck, den Streit zwischen Griechentum und Christentum, diesen beiden unversöhnlichen Traditionen Europas, per Willen für beendet zu erklären. Sie waren es leid, in der Hektik der Politik noch nebenbei der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Hegels Dialektik beendete den Streit der Geister durch einen Willkürspruch: vertragt euch, Plagegeister der Antike. Oder wir werden dafür sorgen, dass euer ewiger Streit par ordre du mufti beendet wird. Hegel trieb seinen schwäbischen Tüftlergeist ins Abnorme, um seine Phantasie-Synthesen wie Erkenntnisse aussehen zu lassen.

Widerspruchslosigkeit war das Kriterium der griechischen Wahrheit.

Dialektischer Widerspruch als Synthese ist das Kriterium des deutschen Geistes – weshalb es den Einheimischen nicht mal gelingt, einen Flugplatz in angemessener Zeit zu errichten. Sie bemerken ihre praktischen und theoretischen Widersprüche nicht. Ihre Linke weiß nicht, was ihre Rechte tut. Sie blinken nach links und fahren nach rechts.

Der preußische Geist, der sie früher beseelte, war noch in hohem Maße der Geist Kants und Friedrichs, des Aufklärers. Das war auch der neukantianische Geist des wissenschaftlichen Höhenflugs bis zum Verhängnis des Ersten Weltkriegs, wo romantisierende Neuhegelianer und -fichteaner das Regiment übernahmen und die klaren Begriffe der Aufklärung in schillernde Teile zerschossen.

Anstatt in der Anstrengung des Begriffes nicht nachzulassen, wollten sie an ein Ende kommen. Das Ende war die Einheit des Völkischen, die sich nur behaupten konnte, indem alles Störende und Unverträgliche zerstört wurde.

Demokratie ist eine Schule der Logik. Alles, was nicht Demokratie ist, ist Schule der Dialektik. Demokratie kann sich nur entwickeln durch mühsames Ausreuten aller Widersprüche, die man sich peu à peu bewusst machen muss, um sie unter die Lupe zu legen.

Auch die Griechen kannten den Begriff Dialektik. Er bedeutete nur das Gegenteil: die Kunst des Dialogs, der unbedingte Wille, im Streit die besseren Argumente zu finden und die falschen auszusortieren. Hegels Dialektik war das Gegenteil einer dialogischen Kunst der Wahrheitsfindung.

„Die Dialektik wurzelte in der sokratischen Gesprächsführung. Noch die Stoa definierte sie als Wissenschaft, die dazu befähigt, dem Erkenntniswillen zu folgen. Nur die Logik dieser „Dialektik“ schafft Klarheit über die Gesetze des Denkens und damit für die Erkenntnis der Wahrheit, die die Grundlage der gesamten Lebensführung ist. »Denn desselben Mannes Sache ist es, richtig zu sprechen und richtig zu denken.«“ (Max Pohlenz, Die Stoa)

Der Parallelismus zwischen Denken und Handeln zerbrach im Mittelalter, als die Theologen feststellten, dass ihr Gott alle Gesetze der Logik nach Belieben über den Haufen werfen konnte. Er gibt den Menschen Gebote, an die er sich selbst nicht hält. Er ist Schöpfer der Vernunft, deren logische Regeln er missachtet. Er steht über allem, was er Natur und Mensch verliehen hat, um die Dinge des Alltags zu bewältigen. Sein Wille hat mit seinen Worten, seine Vernunft mit seinen Taten nichts zu tun.

Am Anfang war das Wort, am Ende das Fleisch, das Tohuwabohu des Glaubens.

Wenn der unvernünftige Wille sich für allmächtig erklärt, reden wir von Voluntarismus.

Schopenhauer und Nietzsche erklären den Willen zum obersten Prinzip des Menschen, der – durch keine Vernunft gezügelt – tun kann, was er will. Ja, der Mensch muss tun, was der Wille fordert. Nur ein allmächtiger Wille kann die Einsprüche der Vernunft zum Verstummen bringen.

Die Moderne ist zur Epoche des Voluntarismus verkommen. Fortschritt wurde zum Organ des blinden Willens. Warum weiter und immer weiter? Warum ständig ein Neues, obgleich wir mit Nützlichem ausreichend gesegnet, mit Unnützem bis zum Hals zugemüllt sind?

Stereotype Antwort: weil wir‘s können. Genauer müsste es heißen: weil wir‘s wollen. Denn wir konnten es nur, weil wir es wollten und unser Wille keine Grenzen akzeptierte.

Auf der einen Seite der entgrenzte Wille, auf der anderen der erkenntnistötende Kompromiss. Beides zusammen ergibt keinen guten Klang. Der Wille weiß nichts von der Vernunft und tut, was er will; der Kompromiss hasst die Vernunft und tut, was er unter dem Zwang ständigen Kungelns tun muss. Vernunftloser Wille und erkenntnisloser Einigungszwang ergeben – die Irrfahrt der Moderne ins Nichts.

Warum müssen alle sozialen Parteien scheitern? Darunter auch die SPD? Weil Parteien, die im Namen der Gerechtigkeit antraten, verkümmern müssen, wenn sie das Wahrheitsprinzip aufgeben und sich machtbesoffen dem allmächtigen Kompromiss unterwerfen.

Jaja, ohne Kompromisse geht nichts. Ohne Wahrheitsperspektiven geht aber erst recht nichts. Kurzfristiges Einigungsgewurstel ist der permanente Totschlag der langfristigen Wahrheitsperspektive. Die SPD muss sich lösen von ihrem Denkverbot, das sie als realitätsfremdes Grübeln abtut.

Erst, wenn sie sich gesundgeschrumpft und dem kompromisslosen Denken ergeben hat, um herauszukriegen, wohin die Reise gehen soll, erst dann wird die SPD wieder glaubwürdig – und wählbar werden. Der Wähler will nicht permanent betrogen werden, obgleich er anfällig ist für Verführungen.

Es ist ein Riesenfehler, die Wahrheitsfähigkeit der Menschen nicht ernst zu nehmen, mit dem Pöbel nicht Tacheles zu reden. Niko Paech hat Recht:

„Zum Start der Weltklimakonferenz in Madrid bescheinigt der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech vielen Bürgern, sich über die fatalen umweltschädlichen Folgen ihres Lebensstils selbst zu täuschen. Inmitten der Klagerufe über die Klimakrise wachse ausgerechnet die Nachfrage nach dekadentem Luxus am stärksten, der einen immensen Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase mit sich bringe. Hier offenbart sich die Lebenslüge einer Gesellschaft, deren Mehrheit meint, sie sei klimakompetent, aber lebt wie ökologische Vandalen.“ (TAZ.de)

Das Volk fühlt sich nicht ernst genommen, wenn es in seinen eigenen Lebenslügen eingewickelt wird. Wie es die Führungsklassen kritisiert, will es selbst kritisiert werden. Was nicht heißt, gedemütigt und vorgeführt zu werden.

Eine sogenannte Partei der Aufsteiger schwadroniert von gleichen Bildungschancen, lässt aber die Ärmsten der Armen an der Basis – viele Kinder unter ihnen – in dunklen Wohnungen verkümmern. In lichtlosen Höhlen lässt sich‘s gut bilden.

„In der Realität wird laut der Studie selbst Haushalten mit chronisch Kranken, Pflegebedürftigen oder Kleinkindern der Strom abgedreht. Die Verhältnismäßigkeit einer Stromsperre werde von den Versorgern nicht ausreichend geprüft, kritisieren die Verbraucherschützer.“ (SPIEGEL.de)

Die SPD strotzt von pervertierten Begriffen. Bildung als Aufstiegsmittel. Erstens gibt es keinen Auf-stieg, denn Oben gerät man erst recht unter die Wölfe. Zweitens sind die da Oben keine Gebildeten, sondern die Ungebildetsten der Weltgeschichte. Bildung ist Bewahrung des Menschlichen und Natürlichen – und nicht das Gegenteil.

Auch die Grünen machen nur ökologischen Blümchensex. Sie sind den christlichen Schöpfungsbewahrern unter die Röcke geschlupft und trauen sich nicht, die Mutter Natur bei Namen zu nennen.

Was wir heute erleben, ist Krieg gegen die Natur, sagte UNO-Chef Guterres in Madrid. So könnte Grünen-Chef Habeck nie reden. Nie könnte er seinen charmanten Kopf gerade halten und sein Publikum anfauchen: hört auf mit euren Naturschmuddeleien. Habeck will geliebt werden.

Heute beginnt in Madrid die nächste Ökokungelei, die zu keinem Resultat führen wird. Die Kanzlerin wird einfliegen und eine Rede halten, die von ihren medialen Fahnenträgern gerühmt wird. Zurückgekehrt, wird sie die Rede schreddern lassen.

Niemand wagt es in Deutschland, die fruchtlosen Arbeitsweisen der Weltkonferenz unter die Lupe zu nehmen. Es werden keine markanten Erfolgserlebnisse vorgestellt, sondern Kuhhandel bis zum Exzess getrieben. Der globale Kompromiss wird zum Würgeengel der Welt.

Zudem ist Madrid Ausland und Ausland ist hierzulande nicht gefragt. Bernhard Pötter beweist, dass es anders geht:

„Aber die Konferenzen schaden inzwischen mehr, als sie nutzen: Sie verbreiten schlechte Stimmung und hinterlassen den Eindruck, Klimaschutz sei wahnsinnig kompliziert und anstrengend. Seit 25 Jahren wird zu dem Thema getagt, seit 25 Jahren steigen die CO2-Emissionen. Und das Schlimmste: Die Konferenzen erwecken den Eindruck, wir seien auf dem richtigen Weg. Schaut man in die Berichte der UNO oder der Wissenschaft zu dem Thema, zeigt sich das Gegenteil. Politikern wäre der Auftritt verwehrt. Um der totalen Beliebigkeit zu entgehen, dürfte nur wiederkommen, wer im nächsten Jahr wieder eine Million Tonnen CO2 vermieden hat – oder gern auch eine Milliarde. Diese Bilanz der Teilnehmer müsste am Beginn des Treffens öffentlich gemacht werden. So kürt man Klimahelden als Vorbilder.“ (TAZ.de)

Wenn man Bernhard Pötters acht praktische Vorschläge gegen den Klimawandel mit dem mickrigen Klimapaket der Regierung vergleicht, fragt man sich, was diese Kompromissweltmeister den ganzen Tag lang treiben:

„Die drei wichtigsten Figuren bei der Klimakonferenz in Madrid werden Frauen sein: Patricia Espinosa, die Chefin des UN-Klimasekretariats; Carolina Schmidt, die chilenische Konferenzpräsidentin und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Bei wichtigen Entscheidungen vor und hinter verschlossenen Türen haben aber nach wie vor Männer das Sagen.“ (TAZ.de)

Zerfällt die Macht, blamieren sich die Machthaber. Unter ihnen alle Medien, die ihre staatstragende Funktion entlarven und ihre neutralen Masken fallen lassen.

Sie haben nicht genügend Führungserfahrung! Ich stelle Ihre Eignung klar in Frage“ – sprach CICERO-Schwennicke zur neuen SPD-Doppelspitze. (BILD.de)

Sie sprechen von Disruption und Neuerfindung – und wollen alles beim Alten belassen. Sie reden von Führungserfahrung – obgleich die Führenden bisher in den Abgrund führten. Sie reden von ständiger Wiederbelebung der Demokratie – und setzen auf Sklerotisierung der Verhältnisse.

Deutschland braucht keine Führer, sondern Denker und Täter ihrer Worte. Ist das Land denn zu einem Riesenkonzern verkommen, der stumm auf die Stimme seines Herrn hört?

Wenn es ans Eingemachte geht, vergessen die Medien plötzlich alles Demokratische und reden von staatsbürgerlicher Tradition. Deutsche fühlen sich nur wohl, wenn der preußische Staat persönlich mit am Tische sitzt. Was hingegen sind schon moralisierende NGOs?

„Das Kindische, das im peinlichen Auswahlverfahren der Sozialdemokraten lag, belegt den endgültigen Abschied der SPD von ihrer staatsbürgerlichen Tradition. Was bleibt, ist eine Sozial-NGO und das Gefühl: alles gaga, alles wurscht.“ (WELT.de)

Schließlich unsere ganz gewitzten professoralen Macihiavellisten, die den Regierenden raten, das Volk mit den Eliten zu betrügen – und Gerechtigkeit Gerechtigkeit sein zu lassen. Die letzten Sätze des neuen Buches der Münklers lauten:

„Eine kluge und weitsichtige Politik muss sich von den emotionalen Erregungswellen des Augenblicks fernhalten und in der Lage sein, moralische Paradoxien auszuhalten, etwa wenn sie den Gerechtigkeitsbegriff hintanstellt und mit Gemeinwohlvorstellungen arbeitet, die eher den Eliten als den gewöhnlichen Bürgern naheliegen.“ (Berliner-Zeitug.de)

Deutschland muss mit sich und der Welt ins Gespräch kommen, den herrschaftsfreien Dialog erproben, das Grundsätzliche denken lernen und nicht säumen, es in Taten zu verwandeln. Es genügt nicht, dass Anne Will & Co zurücktreten und die Nation mit ihren trügerischen Gesprächen verschonen.

„Doch gut ist ein Gespräch und zu sagen des Herzens Meinung.“  

 

Fortsetzung folgt.