Von vorne XLIV

Tagesmail - Freitag, den 02. August 2019

Von vorne XLIV,

auf zum fröhlichen Wettrüsten! Wenn wir uns schon ausrotten, dann aber richtig. Ohnehin gibt es zu viele Menschen auf der Welt. Gezielte Landschaftsbereinigungen mit atomaren Sprengköpfen könnten für frische Luft sorgen. Einige wollen ihr Leben verlängern, gar unsterblich werden. Da heißt es, Platz schaffen für die Götter des ewigen Lebens. Wer Großes will, muss Opfer bringen. Das Größte aber ist der Mensch.

Ungeheuer ist viel. Doch nichts
Ungeheuerer als der Mensch.

Und der Himmlischen erhabene Erde,
Die unverderbliche, unermüdete,
Reibet er auf
;

Allbewandert,
Unbewandert. Zu nichts kommt er. (Sophokles, Antigone)

Lebensnotwendige Vorräte gehen zur Neige, da heißt es vorsorgen. Wer siegen will, muss vorausschauend zusammenraffen. Erbitterte Kämpfe um letzte Ressourcen sind unvermeidlich. Chinesen kennen keine Skrupel beim Sichern der Rohstoffe. Der Westen glaubt, sich vornehm abseits halten zu dürfen. Es soll um Menschenrechte gehen. So wird das Abendland zugrunde gerichtet:

„Dessen Tochterfirma Congo Dongfang Mining kauft die Produktion der kleinen, teils primitiven Minen der Region Katanga im Ostkongo auf – ohne Rücksicht auf Menschenrechtsverletzungen oder den Einsatz von Kinderarbeit. China verfügt über mehr als 60 Prozent aller Fabrik-Kapazitäten zur Raffinierung der weltweiten Akkurohstoffe. Die westlichen Hersteller müssen sich also bereits jetzt die Rohstoffe sichern, die sie in zehn Jahren benötigen.“ (WELT.de)

„Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann. Unsre ganze europäische ...

... Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: einem Strom ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen.“ (Nietzsche)

Deutschland muss aufrüsten, wenn es nicht untergehen will. Moralisieren kann es sich nicht leisten. Es muss sich seine Beute sichern, gleichgültig, in welchem Winkel der Erde. Was wir brauchen, das steht uns zu. Unsere Versorgungswege rund um den Globus müssen gesichert werden, Frau Kanzlerin:

„«Die Sicherheit maritimer Versorgungswege (...) sind für eine stark vom Seehandel abhängige Exportnation wie Deutschland von herausragender Bedeutung. Störungen unserer Versorgungslinien durch Piraterie, Terrorismus und Regionalkonflikte können Auswirkungen auf den Wohlstand unseres Landes haben.»
Im Streit um Marine-Schutz für Schiffe in der Straße von Hormus schweigt die entscheidende Person – die Kanzlerin. Hintergrund: Der Iran hat jüngst einen unter britischer Flagge fahrenden Tanker festgesetzt. Durch die Straße von Hormus wird knapp ein Drittel des weltweit verschifften Erdöls transportiert.“ (BILD.de)

Merkel hat schon Witterung aufgenommen. Wenn Trump erfährt, was die Unsterbliche im Urlaub liest, wird er zu zittern beginnen.

„Sie liest: „Der Tyrann“, eine Analyse der britischen Machtkämpfe zur Zeit William Shakespeares. Autor Stephen Greenblatt (75) zieht Parallelen zur Gegenwart. Der Name von US-Präsident Donald Trump (73) taucht auf 220 Seiten zwar kein einziges Mal auf. Doch: Merkels Urlaubslektüre ist die wohl härteste Abrechnung mit dem US-Präsidenten überhaupt.“

Und das

„Der Triumph des Tyrannen beruht auf Lügen und falschen Versprechungen, die sich um das gewaltsame Ausschalten seiner Rivalen spinnen.“
„Mögen die Lügen auch keine starke Zustimmung finden, so haben sie doch eine Wirkung. Das Trommelfeuer der Lügen drängt Skeptiker an den Rand, sät Verwirrung, bringt Widerspruch zum Schweigen, der sich sonst vielleicht geregt hätte.“ (BILD.de)

Unerhörtes geschieht, eh die Welt einstürzt. Politkasperl kommen und schlagen eine teuflische Lache an. Es war zu langweilig in der Welt, als die Hillarys mit vergrämter Korrektheit den Thron ersteigen wollten. Da mussten Abgründe her – und sie kamen. Nun beginnt der finale Tanz auf dem Vulkan – mit Teufelsgelächter:

„Vor sieben Jahren beschwerte sich der Imitator Rory Bremner, Politiker seien so langweilig geworden, dass nur wenige von ihnen es wert seien, nachgemacht zu werden: „Heutzutage sind alle recht homogen und langweilig … Es ist, als würde Originalität heute als Belastung angesehen.“ Mittlerweile hat sein Berufsstand das entgegengesetzte Problem: Egal, wie extrem die Satire auch wird, hat sie es schwer, mit der Realität Schritt zu halten. Die politische Sphäre, die vor ein paar Jahren noch so grau und langweilig war, wird heute von geradezu grotesken Exhibitionisten bevölkert. Dieser Trend beschränkt sich nicht auf Großbritannien – die Killer-Clowns übernehmen überall das Kommando. Boris Johnson, Nigel Farage, Donald Trump, Narendra Modi, Jair Bolsonaro, Scott Morrison, Rodrigo Duterte, Matteo Salvini, Recep Tayyip Erdoğan, Viktor Orbán und eine ganze Reihe weiterer lächerlicher starker Männer – oder besser schwacher Männer, denn als solche erweisen sie sich allzu oft – sitzen in Ländern an der Regierung, deren Bürger sie früher einmal von der Bühne gelacht hätten.“ (der-Freitag.de)

Auch Angela gehört zu den Maskierten, aber der weiblichen Art. Sie folgt der lukanischen Bergpredigt: Weh dem, der lacht. Doch hinter ihrer Arglosigkeit verbirgt sich ihr Lieblingslied:

Seht ihr hoch droben die Fahne sich wenden,
die blutrote Fahne, ihr Seeleut, habt acht.

Wir treiben die Beute mit fliegenden Segeln,
wir jagen sie weit auf das endlose Meer.
Wir stürzen auf Deck, und wir kämpfen wie Löwen,
hei, unser der Sieg, viel Feinde, viel Ehr!

Ja, wir sind Piraten und fahren zu Meere,
wir fürchten nicht Tod und den Teufel dazu,
wir lachen der Feinde und aller Gefahren,
am Grunde des Meeres erst finden wir Ruh.

Das soll das Lied einer Bescheidenen, Demütigen sein? Blutrote Fahne ist Konkurrenz bis aufs Messer; Sicherung der Versorgungswege, Rohstoff-Beute in aller Welt, Piraterie durch ehrbaren Freihandel. Will sie verlieren? Sie will den Sieg. Da fürchtet sie weder Tod noch Teufel. So wahr ihr der Reformator helfe.

Und wenn die Welt voll Teufel wär,
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.

Was geschah? Stand Mars in Opposition zu Jupiter? Schleifen Götter ihre Endzeitmesser?

Bis gestern tat Politik, als wollte sie die Erde erhalten. Es war Trug. Wer sie unendlich ausdehnt, will ihre Endlichkeit zerstören. Trug beendet! Finale beginnt! Die Sonne bringt es an den Tag, ihre Glutwellen, ihre erbarmungslose Hitze. Die Weltmatadore haben es satt, bis in alle Ewigkeit auf Unentschieden zu spielen. Es sind die Kasperl, die es teuflisch ernst meinen.

„Die Killer-Clowns bieten den Oligarchen auch noch etwas anderes: Zerstreuung und Ablenkung. Während die Kleptokraten uns schröpfen, werden wir von ihrem Theater abgelenkt. Im Katastrophenkapitalismus, von dem die neuen Oligarchen leben, vervielfältigt das Chaos den Gewinn. Jeder Umbruch wird dazu genutzt, sich mehr von den Gütern unter den Nagel zu reißen, von denen unser Leben abhängt. Das Chaos eines nicht lieferbaren Brexit, die wiederholten Shutdowns unter Trump: das ist die Art von Zerstörung, die Bannon vorhergesagt hat. Während Institutionen, Regeln und demokratische Kontrolle zusammenbrechen, erweitern die Oligarchen auf unsere Kosten ihr Vermögen und ihre Macht.“ (George Monbiot)

Nein, die Deutschen wollen ihre Heimat nicht beschützen. Das ist romantischer Selbstbetrug. Die blaue Blume ist immer da, wo du nicht bist:

Doch jetzt zur Ferne zieht's mich hin:
Lieb Heimatland, ade!

Vom moos'gen Stein, vom wald'gen Tal,
da grüß' ich dich zum letztenmal:
Lieb Heimatland, ade!

Den lieblichen Fluss, das moos’ge Gestein, Feld und Au: alles wird geopfert um – der Ferne willen. Das ist nicht nur die Ferne des touristischen Herdentriebs, das ist die Ferne, die alles Nahe und Vertraute nicht mehr erträgt.

Ihre Heimat lassen sie vor die Hunde gehen, obgleich sie in ihrer Mitte leben. Das Vertraute soll fremd, das Gewohnte lästig, das Liebgewonnene unerträglich werden.

Am abendländischen Anfang war Heimat eine jenseitig-himmlische. Dann kam der Flucht- und Wandertrieb in die Tiefen Russlands und über den Ozean ins amerikanische Land der Sehnsucht. Dann in den Süden, über die Alpen gen Hellas und nach Rom und Neapel. Dann die Flucht der Wandervögel aus den spießigen Städten hinauf in den Norden:

Aus grauer Städte Mauern
Ziehn wir durch Wald und Feld.
Wer bleibt, der mag versauern,
Wir fahren in die Welt.

Ein Heil dem deutschen Walde,
Zu dem wir uns gesellt.
Hell klingt's durch Berg und Halde,
Wir fahren in die Welt.

Das also ist die Liebe zum deutschen Wald. Ein lässiger Gruß, dann sind wir mal weg. Wer bleibt, der mag versauern: wir fliegen in die Welt. Warum? Weil wir‘s können.

Vor 50 Jahren starb der Wald. Über Nacht geschah das Wunder. Plötzlich war er größer und lebendiger denn je. Wieder über Nacht verdorrt und stirbt er plötzlich. Niemand fragt, wie dieser Spuk geschehen konnte. Deutschlands Geschichte ist dialektisch: unvermutet kippt alles ins Gegenteil. Da niemand zurückschaut, merkt es niemand.

Sie haben es von der hohen Wissenschaft gelernt. Was man kann, muss man. Es sind die Philister, die im Heimischen bleiben. Nur wen‘s hinauszieht in die Ferne, wer ein ewiger Wanderer ist, der ist ein Mensch. Soll das Heimische zugrunde gehen – und es geht. Deutsche Heimatliebe wird zur Liebe zum ausgedorrten Nichts.

Dann der Schluss, die Symbiose des Grauens: die Sehnsucht nach dem Vollendeten, vollbracht mit dem heiligen Schwert der Apokalypse: das 1000-jährige, das Dritte Reich.

Wo stehen wir? Wohin müssen wir? Kein Erwachsener will es wissen. Nur die Jugend weiß es wieder einmal. Der Jugend darf man nicht trauen. Wie oft wusste sie es – und ihre jugendliche Einfalt entpuppte sich als Feldzug gegen ihre Erzeuger.

Wenn sie nicht werden wie die Kinder, werden sie das Reich der Himmel nicht erringen. Das ist eine Drohung. Himmelreich ist das gewalttätige Ende des Reichs auf Erden. Kinder sollen vollkommen werden und im Namen der Vollkommenheit das Irdische zerschlagen. Erwachsene, hütet euch vor euren Kindern.

Nun wollen sie wieder die Welt erretten. Läutet die Alarmglocken. War das Dritte Reich keine Jugendbewegung? Da waren fähige und begeisterte Pädagogen als Jugendführer am Werk. Fast alle reformpädagogischen Bewegungen gingen auf in den Ordensburgen.

„Wo gedeiht die germanische Jugend besser als da, wo die Eiche wächst, wo muntere Füllen über die Weide springen und nur darauf warten, dass der junge Germanenhäuptling die Mähne fassend sich selbst zum Ritter macht?“ „Und wenn uns die Donner des Todes begrüßen, wenn wir Gefahr laufen, ermattet zusammenzubrechen oder zu versagen, dann wollen wir eine große herrliche, tröstende Kraft nicht vergessen: Wir sind nicht bloß Glieder unseres herrlichen, deutschen Vaterlands, wir sind und bleiben zugleich Bürger des unvergänglichen, unbesiegbaren Gottesreiches, Kinder Gottes, Söhne einer göttlichen Kraft und Macht, der wir innig und fest vertrauen können und müssen.“ (in: Jürgen Ölkers, Eros und Herrschaft, Die dunklen Seiten der Reformpädagogik)

Wer kennt nicht das Bild der jungen Brüder von Stauffenberg, wie sie zum Dichterfürsten Stefan George scheu emporblicken? Verrieten nicht fanatische NS-Jugendliche ihre linien-untreuen Eltern an die Partei? Wer sich im Besitz der Wahrheit fühlt, der greift schnell zur Guillotine – denken viele Arrivierte, die auch ohne Wahrheit unfehlbar sind. Sie wuchsen im Reich der seligmachenden Kompromisse auf. Da gibt es nichts zu verteidigen, außer dem, was ohnehin geschieht.

Die Erwachsenen hassen das utopische Gebrüll der Jugendlichen, weil sie selbst schon im Tempel der Satten leben. Das Herabholen des Himmels auf die Erde missfällt ihnen, weil sie schon im Himmel angekommen sind. Die Utopie der Jugend lehnen sie ab, denn sie fürchten, jene könnte ihnen ihre Pfründe plündern.

Wie war es in der amerikanischen Hippiebewegung? Alles begann friedlich, man schlüpfte unter in allen asiatischen Friedensmeditationen.

„Eine Revolution naht. Zu ihrem Erfolg wird es keiner Gewaltanwendung bedürfen. Sie verspricht eine höhere Vernunft, ein menschliches Gemeinschaftsleben und ein neues befreites Individuum. Dies ist die Revolution der neuen Generation.“

Als diese Worte geschrieben wurden, gab es bereits ganz andere Zeichen. „Die Blumenkinder wurden erwachsen und zu Flintenkindern. Charles Mansons Verbrechen waren der Beweis für diese hässliche Wahrheit. Neue Schlagworte kamen auf, den ersten ähnlich und doch gänzlich anders: „Liebe ist Gewalt. Verbrechen ist die höchste Form der Sinnlichkeit.“

Der Ekel vor der Gesellschaft schlug um ins antinomische Gegenteil: „Der Antinomismus ist die ewige Versuchung des Vollkommenheitsdenkens.“ (John Passmore, Der vollkommene Mensch)

Oh, was erwartet euch, ihr bewundernswerten Jugendlichen der Friday-Bewegung? Welche Versuchungen und Gefährdungen werden auf euch zukommen? Fühlt ihr euch gewappnet? Seid ihr nicht schon jetzt überfordert, wo ihr grundsätzliche Fragen beantworten müsst: Anpassen an die Realität? In die Parteien eintreten? Eure radikale Wahrheit verabschieden und kompromiss-deutsch lernen? Oder störrisch bei der Wahrheit verharren, sich arrogant überlegen fühlen, auf alle Andersdenkenden verächtlich schauen – wie eure arroganten Erwachsenenkritiker mäkeln?

Zu eurem Sommercamp habt ihr keine Politiker eingeladen, sondern Wissenschaftler, von denen ihr lernen könnt. Was kann man von Wissenschaftlern lernen? In politischer Leidenschaft sind sie keine Vorbilder.

Als die grünen Fundis zu Realos konvertierten, war es um ihre intellektuelle Kraft geschehen. Sie landeten bei jenen, denen sie ursprünglich zu entkommen trachteten: bei Talarträgern und ihrer Bewahrung der Schöpfung. Das Wort Natur nahmen sie nur noch verlegen in den Mund.

Kompromisse kann nur schließen, wer kompromisslos denken kann. Ohne Radikalität kein Entgegenkommen im Praktischen. Politische Entschlüsse müssen am Kriterium der Wahrheit überprüft werden.

Passmores Analysen orientierten sich am Religiösen, wo Vollkommenheit identisch ist mit seinem Gegenteil. Wenn Seligkeit und Verdammung die Geschichte bestimmen, ist Antinomie des Handelns unvermeidbar. Religiöse Ethik ist antinomisch. Göttliche Gebote sind stets ein moralischer Widerspruch in sich. Liebe zu den Menschen ist zugleich ihre Verfluchung. Denn keine Liebe zum Nächsten kann ihn vor der Verdammnis retten. Liebet eure Feinde, beendet nicht die Feindschaft gegen Gott, sondern beschränkt sich auf äußerliche Taten.

Alle Vollkommenheitsideologien waren Ableger der christlichen Antinomie. Die 68er Linken ebenso wie die amerikanischen Blumenkinder – die ihre Vollkommenheitsvorstellungen ins Technische umwandelten. Silicon Valley will das Vollkommene als digitale Beherrschung der Welt, als Lösung aller politischen Probleme, als Überwindung des Todes und Erringung der Unsterblichkeit. Golgatha ist nichts als eine algorithmische Herausforderung.

Und doch gibt es einen riesigen Unterschied zwischen nachchristlichen Vollkommmenheitsideen und der heutigen Widerstandsbewegung. Damals ging es nicht um Alles oder Nichts. Es handelte sich lediglich um interne Verteilungskämpfe im ungerechten Kapitalismus. Niemand fürchtete um den Bestand der Gesellschaft, wenn die Armen und Schwachen weiterhin darben müssten. Das Problem der Naturzerstörung begann erst nach den 68ern.

Die Grünen bemühten sich um die Natur, die Linken weiterhin um die Benachteiligten. Für Gewerkschaften waren grüne Forderungen ein Graus, für die Grünen war soziale Gerechtigkeit belanglos. Bis heute sind beide Momente nicht zusammengewachsen.

Heute gäbe es eine Chance, die Spaltung zu überwinden. Geht es um Alles oder Nichts, sind Überlebensfragen die entscheidenden. Da Überleben aber alle angeht, müsste die ganze Gesellschaft, ja die globale Menschheit an einem Strick ziehen. Das wird sie nur, wenn alle solidarisch miteinander werden. Eine Herrschaft der Eliten über die Abgehängten kann es nicht mehr geben. Allen muss klar werden: wenn nicht alle zusammenhalten, wird niemand davonkommen.

Der Überlebenskampf der Menschheit beendet alle Bevorzugung von Partialinteressen zulasten anderer Partialinteressen. Ein unaufhebbarer Gegensatz zwischen Moral und Interesse wäre das ultimative Todesurteil der Gattung. Die Menschheit muss human werden – oder untergehen. Ein Drittes gibt es nicht.

Wie lässt sich verhindern, dass der Anspruch einer totalen Rettung zur totalitären Gewalt ausartet? Indem man das Totale und Vollkommene dem Heiligen entreißt und der Vernunft übergibt. Jener Vernunft, die den Geist der Menschenrechte hervorbrachte und auf Überzeugung und demokratische Regeln setzt.

Wenn sich die Wahrheit durchsetzt, dass ohne Naturrettung alles nichts ist, werden Kompromisse gegenstandslos. Doch, es gibt alternativlose Wahrheiten. Die Wahrheit der Mathematik hat es bewiesen. Man muss Menschen nicht in Zahlen verwandeln, um den Geist der mathematischen Wahrheit – die von Philosophen erdacht wurde – in politische Weisheit zu übersetzen.

Käme die Gesellschaft zur Vernunft, würde jedes Individuum da, wo es geht und steht, seine Interessen als Gesamtinteressen der Gesellschaft vertreten. Wer behauptet, Parlamentarier seien unfähig, der Stimme der Vernunft zu folgen?

Die Jugend der Welt hat verstanden, was die Stunde schlägt. Es sind die Mächtigen, Erwachsenen, Frommen und Maschinengläubigen, die sich hinter Blindheit und Taubheit verpanzern.

Wen Gott verderben will, dem raubt er zuerst den Verstand. Natur kennt keinen Gott. Bahn frei für die Vernunft.

 

Fortsetzung folgt.