Von vorne III

Tagesmail - Montag, den 22. April 2019

Von vorne III,

wie lautet – in Kurzform – das politische Programm einer toten Regierung?

„Wir befinden uns auf gutem Wege.“

Warum lieben die Deutschen ihre Kanzlerin? Sie ist Geist von ihrem Geist.

Solange Angela besonnen am Steuer des Schiffleins steht, keine hektischen Reden hält, kann die Titanic nicht untergehen. Solange sie keine planetarischen Unwetter ankündigt, nicht vor dräuenden Gefahren warnt, wird es keine geben. Ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, in dürren Blättern säuselt der Wind. Ihr seherischer Blick ist über das Irdische hinaus gerichtet. Von Oben sind die Ereignisse der Welt nichts als winzige Possenspiele.

Die von nationalen Katastrophen geschüttelten Deutschen wollen die Frohe Botschaft hören: nach Leid und Kummer wird das Leben siegen. Leid, Schmerzen, Ängste: das ist Karfreitag. Leben: das ist österliche Auferstehung. Das Leben muss mit Leid und Tod bestraft werden. Sonst hat es keinen heroischen Tiefgang.

Die Botschaft muss von Oben kommen. Es muss eine göttliche Garantie geben, damit die Deutschen aufatmen können: nein, an ihnen liegt es nicht, rettende Maßnahmen zu ergreifen. Die Hand Gottes ist unsichtbar, aber wirksam und allzeit bereit.

Alles geht seinen vorherbestimmten Gang. Die Zukunft wird so unausweichlich über uns kommen wie die Wiederkunft des Herrn. Sollten die törichten Jungfrauen schlafen, wenn der Herr an die Pforte klopft, wird es kluge Alexas geben, die sie aufwecken: aufwachen, ihr Schläferinnen, euer männlicher Erlöser steht vor der Tür.

Dann werden sie sich erwartungsvoll in Reih und Glied stellen, der heilige Bachelor wird vor sie treten mit einem Strauß Rosen in der Hand. Doch die Blumen sind nicht für alle. Der göttliche Charmeur sieht das Herz an, er sieht nicht, was vor Augen ist. Heulen und Zähneklappern bei den Verworfenen, endloser Jubel bei den Erwählten, die die Heilige Hochzeit mit dem Einzigartigen feiern dürfen. Ist es nicht tröstlich, dass selbst profane Sender dem Volk neutestamentliche Gleichnisse zur abendlichen ...

... Unterhaltung servieren? Gottes Geist weht überall, auch in der Gosse. In ihm leben, weben und sind wir.

Heiliges Schweigen über den Wassern. Wer das Leben liebt und stets nach vorne schaut, der hüte fortan seine Zunge, dass sie keinen Trug rede. Ist die Kanzlerin nicht eine Frau? Sie schweige in der Gemeinde. Heißt es nicht in der Schrift: durch Nichtstun wird alles getan? Pardon, das war chinesisch, der Heide Laotse aber vertraute noch den Selbstheilungskräften der Natur. Seltsam, auch der Prediger klingt chinesisch:

„Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, ewig gilt, man kann nichts dazutun und nichts davontun; und Gott hat es so gemacht, dass man sich vor ihm fürchte.“

Das ist primäres hellenisches Grundvertrauen in den Kosmos, ins Gegenteil verkehrt durch einen sekundär eingeführten fürchterlichen Gott. Dass man sich vor Gott fürchtet, zeugt von keinem altchinesischen Vertrauen in die Natur.

Merkel therapiert so vorzüglich die german angst, dass sich ihre Untertanen schon wie im Garten Eden wähnen. Na, sagen wir die Gutbetuchten. Sie hat sich den Beruf Palliativ-Politikerin oder Schwarm-Seelsorgerin patentieren lassen. In der Regierungszeit Merkels ging alles bergab. Ihre Regierung wurde zur gewählten Suizidbegleiterin der Deutschen. Dennoch gelang es der Kanzlerin, das Vertrauen ihrer Untertanen immer mehr zu gewinnen. Man sollte ihr den Titel verleihen: Populistin der demütigen Sonderklasse.

Wer sich in Merkelland nicht paradiesisch fühlt, wird bereits vom Geheimdienst beäugt, der nach untergründigen Aufwieglern schnüffelt. Google hat schon diverse Prophylaxe-Programme entwickelt. Wo werden die zukünftigen Verbrechen vermutet, wo die staatsfeindlichen Grantler und Grummler?

Solange Mutter schweigsam am Herd steht, ohne Murren und Belehren die Direktiven der toxischen Vorstandsväter erfüllt, fühlen sich die Kinder sicher. Wenn alles schwadroniert und schwatzt wie in einer deutschen Talkshow, ist es eine Erholung, wenn die Richtlinien der Politik von einer Mutistin – verschwiegen werden.

Merkel erfüllt klaglos die geheimen Wünsche der Deutschen. Sie brauchen die höheren Mächte als Rückversicherung ihrer Politikverweigerung, doch an dieselben glauben: das wollen sie nur an Ostern und Weihnachten.

Religiös? Niemals! Auf ihr christliches Werte-Gerüst aber wollen sie keinesfalls verzichten. Gerüste werden benötigt, wenn der marode Bau verfallen ist und notdürftig stabilisiert werden muss. Wer sprach hier von Durchwursteln?

All unser Tun und Reden ist Stückwerk vor Dir, oh Herr. „Wenn aber das Vollkommene kommen wird (niemals auf Erden!), dann wird das Stückwerk abgetan werden“. Also Drüben. Sie glauben zwar nicht ans Drüben, warten aber geduldig, bis es sich digital einstellen wird.

Widersprüche sind Genieleistungen der Deutschen. Ohne Produktion von Widersprüchen, glauben sie, sind sie unfähig, ihre Exportüberschüsse zu retten. Der Glaube an die kreative Wirkung von Widersprüchen vermehrt diese ins Grenzenlose.

Die tote deutsche Regierung ist das Ergebnis einer verschleppten Kompromiss-Diarrhoe. Permanente Kuhandel-Politik ohne kompromisslose Grundlagen ist wie Reden ohne Stimme oder Lesen ohne Schrift. Wie kann ich Pro und Kontra eines rationalen Entgegenkommens einschätzen ohne Fundus meiner kompromisslosen Wahrheit? Erst, wenn ich weiß, was ich denke, kann ich ermessen, in welchem Maß ich aus rein praktischen Gründen der Wahrheit des Anderen entgegenkomme.

Jeder Kompromiss gilt nur für die jeweilige Wahlperiode. Danach beginnt das Spiel von vorne, bereichert durch die Erfahrung des erprobten Kompromisses. Kompromisse ohne korrektive Wahrheit sind faul. Gedankliche Fäulnis ist die Ursache der toten deutschen Regierung.

Dem Kompromiss-Dogma entspricht das Utopieverbot. Alles, was wir tun, ist nicht ideal. Ideale Menschen oder Politiker gibt es nicht, also muss ich einen Kompromiss schließen und den bestmöglichen unter den nichtidealen wählen. Hätte ich ein klares utopisches Ziel, könnte ich ermessen, mit welcher Politik ich mich diesem Ziel am weitesten annähere. Hab ich keins, verwechsele ich eines Tages die Realität mit dem Ideal. Dann Stillstand. Da stehen wir.

Gibt es eine einzige Partei mit einem scharf umrissenen utopischen Ziel?

Die gegenwärtige Politik kann nur beurteilt werden durch Vergleiche mit dem avisierten Ziel. Das Ziel – ein friedliches Weltdorf – ist im Verlauf der Abkehr vom UN-Universalismus und der Einführung des erbarmungslosen Neoliberalismus ersatzlos gestrichen worden. Gibt es aber kein gemeinsames Ziel mehr, definiert jede Nation ihr eigenes autistisches Ziel: zuerst Wir, dann lang lang nichts. Dann wieder Wir.

Das vernichtet nicht nur jede internationale Kooperation, sondern auch die globale Wirtschaft. Globaler Handel ist nur dann völkerverbindend, wenn die Nachteile einer darwinistischen Konkurrenz unter dem Dach ausgleichender und für Gerechtigkeit sorgender Weltorganisationen in den Vorteil aller umgewandelt werden. Diese Instanzen sind von Trump derart unterminiert worden, dass nur Hobbes übrig blieb: jede Nation ist der anderen ein Wolf.

Die Deutschen und ihre Medien sind gedächtnislos. Als die UN Mittelpunkt der internationalen Politik war, hielten sie dies für alternativlos. Jetzt ist der Universalismus auf dem Rückzug, nun tun sie, als sei nichts geschehen. Sie leben nur dem Tag, Vergangenheit gibt es nicht, ihre obligatorische Zukunft bleibt konturlos.

Leben aber ereignet sich nur im Hier und Jetzt. Wird Gegenwart gestrichen, wird das ganze Leben gelöscht. Lebendige Gegenwart schließt Vergangenheit ein, Zukunft ist kein prophetisches Projekt, sondern muss in Versuch und Irrtum erarbeitet werden.

Journalisten kümmern sich nur um den Tag, das Vergangene haben sie eliminiert. Ihre Antipoden, die Historiker, kümmern sich nur um Vergangenheit, Erkenntnisse für den Tag lehnen sie höhnisch ab. Ihre Erforschung der Vergangenheit wird zur blutleeren Bildung. Das ist Arbeitsteilung als zeiten-schreddernde Erkenntnisverweigerung.

Wo stehen wir, woher kommen wir, wohin wollen wir, wohin sollten wir, was hat sich geändert, was müssen wir selbst ändern, welche Geschichtsmächte kämpfen gegen welche, was ist das Ziel der Politik, was sind die Ursachen der Krise? Solche Fragen müsste Merkel aufnehmen und ihren eigenen Standpunkt formulieren.

Sie denkt nicht dran, sie kann es nicht. Eine Ortsbestimmung der Gegenwart (wie Rüstow sein epochales Werk nannte) in umfassender Weise durchzuführen, übersteigt den Willen oder Intellekt einer Frau, die Politik als Gehorsamsübung gegen Gott betrachtet. Da heißt es, demütig den Kopf senken und die törichte Weisheit der Welt verbannen. Rational ist Merkel allenfalls im Abarbeiten ihrer Hausfrauen-Agenda – die sie sich vom Zeitgeist diktieren lässt. Zeitgeist und Gott sind für sie verwechselbar.

Wir haben schon viel getan, wir müssen uns noch ein wenig anstrengen, wir befinden uns auf gutem Wege. Das ist der Dreiklang der Kanzlerin, der in jeder ihrer Reden zu hören ist. Sollte sie nach ihrem politischen Abgang im Dunkel der Geschichte verschwinden, könnte es sein, dass ein Ruf wie Donnerhall sie wieder zurückholen will. Ihre designierten NachfolgerInnen scheinen nicht zu sehen, was sie den Deutschen bieten müssten. Sie müssten Sorge tragen für die deutsche Seele.

Der SPIEGEL hat nachgewiesen, woran die Deutschen nicht mehr glauben – eine stattliche Dogmenreihe von Abendmahl bis Auferstehung. Doch sie prüften nur den privatistischen Katechismus. Die wichtigsten Fragen nach der politischen Relevanz des Christentums wurden nicht gestellt.

Eine Verbindung von Religion und Politik darf es im Lande Luthers nicht geben. Nicht nur die CDU, alle Parteien praktizieren Politik aus christlicher Motivation, doch die Inhalte der Politik können nicht christlich sein, weil sie nicht dürfen.

„Du sollst nicht töten, selig sind die Friedfertigen“: ist das nicht das Verbot jeglicher Militarisierung? Nein, sagen Schäuble & Co. Wörtlich darf man diese Gebote und Verheißungen nicht nehmen. Menschen bestimmen, was Gott ihnen gebieten darf. Sie bestimmen, was der Urtext zu bedeuten hat. Aus Gehorsam unter das Wort wurde Allmacht über das Wort.

Nachdem messianische Endzeitpolitik das Dritte oder 1000-jährige Reich determinierte – das Dritte nach Joachim di Fiore, das 1000-jährige nach der Offenbarung des Johannes –, wurden beide Elemente, um alle Spuren des klerikalen Verbrechens zu verwischen, mit dem Skalpell voneinander getrennt. Die Kirchen wurden, nach einem dürftigen Schuldbekenntnis, für unschuldig, die Nationalsozialisten zu Gottlosen erklärt. Der Führer war kein Wiedergänger des Gottessohnes, der Antisemitismus der Deutschen wurde zum Rassismus reduziert.

Dass kirchliche Dogmatik seit Jahrhunderten in politische, wissenschaftliche und ökonomische Begriffe säkularisiert wurde, ist der Bevölkerung unbekannt. In Amerika gehört es zur Trivialität, dass die Bibel das Drehbuch aller nationalen und internationalen Politik sein muss. Der klaffende Unterschied zwischen Befreiern und Befreiten ist nicht mal den Medien bekannt. Deutschland gilt den Amerikanern als gottlose Nation, Amerika den Deutschen als Vorbild – aber ohne skurrilen Biblizismus.

Es wäre absurd, wenn in 2000 Jahren Christentum die Inhalte des Glaubens nicht zu Leitlinien des täglichen Lebens geworden wären. Doch was nicht sein darf, kann nicht sein. Der Glaube wurde zu innerlichen Motiven gestutzt, die Politik zum Kampfplatz rivalisierender Interessen erklärt. Das Gute und Heilige wurde Privatmoral, das Amoralische zur Politik erhoben. Amerika macht Missionspolitik, die Bibel in der einen Hand, die Waffe und den Dollar in der anderen.

Demokratie aber wird nur attraktiv durch Vorbildlichkeit, sie weckt die geheimsten Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Waffe und Mammon schließen jede Vorbildlichkeit aus. Wer etwa die Bände von Georg Friederici über den „Charakter der Entdeckung und Eroberung Amerikas durch die Europäer“ oder das Buch „Teurer Segen“ von Gert von Paczensky nur durchgeblättert hat, ahnt, was Europäer und Amerikaner den nichtchristlichen Völkern antaten.

Nach den terroristischen Anschlägen gegen Christen in Sri Lanka war die Empörung in Deutschland groß. Die Häupter der katholischen und protestantischen Kirchen erhielten eine kostenlose Werbeshow in der ARD, um sich als Verteidiger des Abendlands in Pose zu setzen. Dass jene Hassattacken die Antwort auf westliche Verruchtheiten sind, dazu keine Silbe.

Immer klarer wird der Kern der internationalen Konflikte freigelegt: letztlich geht es um Religion. Eben dies darf hierzulande nicht ruchbar werden. Da Religion sich in politische und wirtschaftliche Vorgänge transformiert hat, wird sie identisch mit weltlichen Interessen.

Nehmen wir den Begriff Apokalypse, einen Zentralbegriff des amerikanischen Biblizismus. Eine Mehrheit der Amerikaner ist überzeugt, dass die Menschheit in der Endzeit der Heilsgeschichte lebt und der Messias noch zu ihren Lebzeiten kommen wird. Die düsteren Prophetien des Johannes glauben sie Wort für Wort.

Säkularisierung ist eine Umwandlung dogmatischer Begriffe in politische, keine Verabschiedung vom Glauben. Im Gegenteil. Wenn Glaube Berge versetzt, so versetzt er die Welt in apokalyptisches Endzeitfieber. Der Glaube wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Was sie glauben, produzieren sie selbst. Fortschritt, Technik, Wirtschaft und internationale Politik werden eschatologisch geflutet. Deutsche wollen nicht begreifen, dass apokalyptische Politik auf Glaubensgehorsam beruht.

Genau diese Frage wurde vom SPIEGEL nicht gestellt: Glauben Sie, dass Religion die Politik prägt? Dass wir in einer apokalyptischen Ära leben? Dass die Welt, gemäß dem letzten Buch der Bibel, der Vernichtung entgegen geht, die Menschheit von Gott gerichtet wird, die Mehrheiten in die Hölle fahren und nur wenige selig werden?

In einem so genannten Dialog zwischen dem Christen Huber und dem Juden Nachama – der eine Scheindisputation war, aber kein klärendes Streitgespräch – betonten beide Gesprächspartner, dass ihre Religionen nicht selektiv, sondern überaus tolerant seien. Für Wolfgang Huber ist der uralte Antisemitismus der Christen überwunden, für Andreas Nachama sind alle Religionen gleich viel wert – vorläufig. Was Gott im Endgericht sagen wird, ließ Nachama offen:

"Nachama: Schon Jesaja sagt: Mein Tempel sei ein Bethaus für alle Völker. Das heißt Es gibt unterschiedliche Wege zu Gott. Was am Tag des Jüngsten Gerichts, wie es in der christlichen Tradition heißt, wirklich passiert, werden wir dann erfahren.

Huber: Es wäre doch eine sehr beunruhigende Selbstüberhebung des Menschen, wenn jemand sich einbilden würde, der Weg, den er vertritt, sei der einzig wahre zu Gott. Das setzte voraus, dass der Mensch die göttliche Offenbarung so verinnerlichen kann, dass er die vollkommene Wahrheit besitzt. Die Versuchung lag dem Christentum nicht fern. Heute können wir dankbar sein, wenn wir aufgrund auch leidvoller geschichtlicher Erfahrungen zu einer anderen Ansicht gekommen sind." (WELT.de)

Die intolerantesten Religionen der Welt haben hermeneutisch nachgerüstet oder Framing-Unterricht genossen. Niemand will sich von Lessings Humanität übertreffen lassen. Nachama aber lässt ein Hintertürchen offen. Ob Gott überzeugt sein wird von den modernen Sprüchen seiner Apologeten? So weit geht die Liebe zu Andersgläubigen nicht, dass man seinen eifrigen Gott abschafft, der Gericht halten wird über alle Menschen und Weizen von Spreu wahrlich unterscheiden kann.

Nehmen wir die Ökumene, die Vereinigung aller christlichen Kirchen. Ihr Gott ist kein Rache- und Vergeltungsgott mehr. Er wurde zum Inbegriff der Güte und der Bewahrung seiner Schöpfung. Apokalypse – ersatzlos abgeschafft. Die jugendlichen Klimademonstranten werden, ob sie wollen oder nicht, eingemeindet:

"1983 wurde dieser ökumenische Lernweg in Vancouver begründet und 1990 in Seoul in einer „Grundüberzeugung“ bestärkt: „Wir bekräftigen, dass Gott die Schöpfung liebt. Gott, der Schöpfer, ist der Ursprung und der Erhalter des ganzen Kosmos. … Da die Schöpfung von Gott ist und seine Güte die ganze Schöpfung durchdringt, sollen wir alles Leben heilig halten …“Als evangelische Kirche begrüßen wir deshalb die Bewegung „Fridays for Future“." (Berliner-Zeitung.de)

Nehmen wir die Allmacht Gottes, schon immer ein Hindernis, um die grenzenlose Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen zu vereinbaren mit der Tatsache des Bösen. Wenn Gott alles erschaffen hat, müsste er dann nicht auch das Böse verantworten? Wäre er allmächtig, müsste er das Böse einfach verschwinden lassen.

Ha, für einen fröhlichen Pastor müssen Glaube und Verstand zusammenfallen. Wenn der Begriff Allmacht die Menschen hindert, an Gott zu glauben: weg mit ihm. Frommen Ballast abwerfen, Dogmatik ausmisten und dennoch glauben: das ist die Devise.

„Nur was du verstanden hast, kannst du glauben. Das ist schön, weil es der Beliebigkeit entflieht, aber anstrengend. Mir ist wichtig, dass ich den Kopf beim Glauben nicht abschalte. Darum bin ich Protestant. Vielleicht ist das ein Sakrileg, wenn ich das so formuliere, aber wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass Gott allmächtig ist.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Nehmen wir den Begriff der Wahrheit. Ist der Mensch zur Erkenntnis der Wahrheit fähig – oder muss er sich der Offenbarung unterwerfen? Alle Aufklärer von den Griechen bis zur Neuzeit waren überzeugt, dass der Mensch wahrheitsfähig sei. Nicht im Sinne theoretischer Allwissenheit, sondern als Praktiker der Humanität.

Matthias Drobinski, SZ, hingegen stellt alles auf den Kopf. Argumente? Keine. Er bestimmt und also ist es. Der Glaube wird zur aufgeklärten Vernunft, zur alleinigen Instanz der Wahrheit. Alles andere ist von Übel:

„Jener Jesus, der Zeugnis von der Wahrheit ablegt, ist ohne jede Macht, ein Ausgelieferter vor der Vernichtung des Lebens und jeder Würde. Das Reich, in dem seine Wahrheit gilt, ist nicht von dieser Welt. Das ist eine Annahme, die über ein religiöses Glaubensbekenntnis hinaus hilft: Die volle Wahrheit existiert nur jenseits der menschlichen Definition. Das enttarnt alle, die in dieser Welt behaupten, sie besäßen die Wahrheit: Dies ist ein Macht- und kein Wahrheitsanspruch. Die von Jesus vertretene Wahrheit steht auf der anderen Seite. Sie ist parteiisch, ihre Partei ist die gefährdete, mit den Füßen getretene Würde des Menschen. Sie weist den Mächtigen in die Schranken, erschüttert ihre Gewissheit. Sie ist gerade deshalb aufklärerisch, weil sie sich als nicht von dieser Welt versteht.“ (Sueddeutsche.de)

Aufklärung ist eine Gabe des Himmels. Die Autonomie des Denkens wird als Lüge enttarnt. Gott, nicht der Mensch, ist die Quelle der Wahrheit.

Die Fraktion der Gottesstreiter wird barscher. Kardinal Marx predigte über Gott, der unmissverständlich festgelegt habe, wo’s lang ginge. Da hört man schon von weitem das unterirdische Sirenengeheul der Autodafes. Entweder weiß Drobinski nicht, wovon er redet. Das wäre Dummheit. Oder er weiß es und behauptet das Gegenteil. Das wäre Papismus.

Der Kriminologe Pfeiffer offenbart in der ZEIT, wie Kardinal Marx und Bischof Ackermann ihn bedrohten, als er sich nicht von ihnen vorschreiben lassen wollte, wie er die Pädophilen-Affäre zu untersuchen habe. Sie wollten ihn nicht nur mit Geld bestechen, sondern drohten, sein Renommee in der Öffentlichkeit zu zerstören. Das erinnert an klerikale Mafiamethoden:

„Ja, die Kirche hat uns Geld dafür geboten. Das war ja für mich das Unerhörte. Auf einmal verkrampfte Bischof Ackermann – körperlich und von der Sprache her. Er redete mich mit "Professor Pfeiffer" an und erklärte mir, wenn ich mich weigere, den Vertrag zu unterschreiben, und der Zensurvorwurf nach draußen dringe, dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche – und das wünsche er niemandem. Er erklärte weiter, dass sie meinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren würden.“ (ZEIT.de)

2000 Jahre lang predigte die Kirche die Apokalypse. Sie trat nie ein. Experten sprachen vom Verzug der Parusie. Um ihre Glaubwürdigkeit nicht völlig aufs Spiel zu setzen, wurde der Fortschritt erfunden, der die Apokalypse kreativ herbeiführen sollte. Jetzt haben sie es geschafft, nicht das Ende der Natur, aber den Untergang der Menschheit hoch wahrscheinlich werden zu lassen.

„Feige“ nannte Walter Steinmeier den terroristischen Anschlag in Sri Lanka. Wie müsste er den suizidalen Anschlag auf die ganze Menschheit nennen? Einen Triumph des menschlichen Genius? Die Leidtragenden der finalen Katastrophe sind die Kinder. Dem SPIEGEL gebührt das Verdienst, die Frage der Fragen gestellt zu haben:

„Es ging darum, dass schon die Folgen einer Erwärmung um 1,5 Grad zu einer weltweiten Katastrophe führen würden, dass aber selbst zwei Grad kaum mehr realistisch seien, so der UN-Klimareport. Bereits bei einer Erwärmung um die unwahrscheinlichen zwei Grad würden Millionen Menschen an den Folgen sterben. Abermillionen, vermutlich Milliarden Klimaflüchtlinge würden sich aufmachen, um sich in Sicherheit zu bringen. Vor Dürren und Stürmen, entfesselten Waldbränden, Missernten und Hungersnöten, vor dem ansteigenden Meeresspiegel, der Küstenregionen und Metropolen auf der ganzen Welt verschlingen wird. Es ist Zeit, wegen der Klimaerwärmung in Panik zu geraten. Schon jetzt können wir die Katastrophe nicht mehr verhindern, nur noch abschwächen, sagen Forscher. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären? (SPIEGEL.de)

Jesus wird zum feministischen Vorbild verklärt. Wer den Satz sprach: Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, wird als Urbild eines antitoxischen sanften Mannes gepriesen:

„Er trug die Haare lang und das Markenzeichen seiner Gesichtszüge ist bis heute diese männliche Weichheit.“ (Sueddeutsche.de)

Von Realitätsverleugnern und Todesverdrängern wird noch immer das Ausmaß der wahren Katastrophe bestritten. Die Wahrheit der Wissenschaft wird geleugnet zugunsten jenseitiger Phantasmagorien. Offenen Auges wird den folgenden Generationen jede Aussicht auf Überleben geraubt. Wer vor Gefahren warnt, wird als Urheber der Gefahren verleumdet.

„Grüne dürfen träumen, das gehört zu ihrer DNA. Sie dürfen sich auch in apokalyptischen Visionen gruseln. Doch wenn der Rest der politischen Klasse mitträumt, wird es ernst. Und Gretas ansteckende Panik wird unser Problem.“ (WELT.de)

Wir bewegen uns auf abschüssigem Gelände. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären?

 

Fortsetzung folgt.