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Tagesmail - Freitag, den 21. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt LV,

„Grauenvoll fasste der Brand nun das CHAOS; völlig der Anblick
War's für das Auge, zugleich für's Ohr auch das nämliche Tosen,
Wie wenn gegen die Erde von oben der wölbende Himmel
Nieder sich senkte; so mächtig erhob sich ja das Gekrache,
Als sie zermalmt nun läge, und er sie von oben zermalmte.

So denn tobte der Lärm, als zum Kampf anstürmten die Götter.
Und mit Getos auch jagten die Winde den Sturm und den Staub auf,
Donner und lodernden Blitz im weithinflammenden Wetter.“ (Hesiod)

„Und die Erde war Tohuwabohu und es war finster auf der Erde“.

Retour zum Chaos? Zurück zum Tohuwabohu? Das Chaos liegt vor uns, das Tohuwabohu liegt in der Zukunft. Wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorn: in das Chaos, in das Tohuwabohu. Da sind wir sicher, da kann uns nichts mehr geschehen. Im Chaotischen und Regellosen erst werden wir Ruhe finden. Ach, wir sind des Treibens müde.

„Trump macht das Chaos perfekt“. Die führende Macht der Welt wird von einem multiplen Rechtsbrecher, mit allen Wassern gewaschenen Paten und weltgefährdenden Hasardeur beherrscht. „Ein Raketeneinschlag, eine Bombe, eine Explosion, selbst in der Sprache der Militärs gibt es wohl kein Wort, das der politischen Tragweite des Rücktritts von US-Verteidigungsminister James Mattis gerecht wird.“ (SPIEGEL.de)

Raketeneinschläge überall auf der Welt. Lärm, Kampf, Donner, Getöse, Blitz und weithinflammende Wetter auf allen Kontinenten. Der russische Machthaber warnt vor dem nächsten Atomkrieg. Das Klima könnte den Planeten für den Menschen unbewohnbar machen.

Die Evolution hat ein Einsehen mit der Natur und befreit sie von einem Geschöpf, das sich mit ihr nicht abfinden wollte. Es wollte sie aus dem Wege räumen, um eine ...

... neue Natur zu erfinden, nun will es scheitern, um das Vollendete zu schaffen.

China wird zum ersten rundum überwachten Freiluftgefängnis der Geschichte. Wer in Brasilien nicht dem Erlöser huldigt, wird bald gejagt, gefoltert und geköpft werden. Afrika wird unbewohnbar. Seine Menschen werden sich nach Europa auf den Weg machen, an den Grenzen wird es zu furchtbaren Szenerien kommen.

Europa zerfällt. Uralte nationale Gehässigkeiten zündeln aus der Tiefe, wiegeln die Völker gegeneinander auf. Hartnäckig will der Nahe Osten stellvertretender Unruheherd der Welt bleiben. Schon sind die ersten Eilande der Südsee, Paradiese der Welt, vom Meer überflutet. Schreckliche Brände, Tornados und Sintfluten zerstören Amerika.

Rund um den Planeten Empörungen, Aufstände und Revolten der Menschen, die das rasende Chaos nicht mehr ertragen. Sie wollen das Andere, das ganz Andere, wissen aber nicht, was das Andere ist.

Da traten sie zusammen und beschlossen, dem Treiben der Menschen ein Ende zu bereiten:

„Als sie aber sahen, dass ihre Bosheit gross war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse, da reute es sie, dass sie sich zu Herren der Erde erkoren hatten und es bekümmerte sie tief. Und sie sprachen: Wir wollen uns, die wir uns zu Sündenkrüppeln verdorben haben, vom Erdboden vertilgen, uns als auch das Vieh, die kriechenden Tiere und die Vögel des Himmels, denn es reut uns, dass wir uns so lange haben leben lassen. Das Ende allen Fleisches ist bei uns beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel der Menschen. So wollen wir uns von der Erde vertilgen.“

Haltet ein, Selbstmörder. Flucht ins Nichts ist Verrat an der Menschheit. Hört auf mit eurem Geflenne. Euer Selbstmitleid könnt ihr euch aufheben, bis ihr tot seid. Das nennt sich großkotzig Krone der Schöpfung und ist doch nur ihr Abschaum.

Noch leben wir, noch müssen wir uns ertragen. Noch haben wir die Chance, klug zu werden und unseren Verstand einzuschalten. Wozu haben wir ihn von der Natur erhalten? Wollen wir der Natur vorwerfen, sie habe uns unzulänglich für das Leben ausgestattet? Männlichen Erlösern hingegen danken wir auf Knien, dass sie uns als Schande der Schöpfung auf die Erde warfen?

Was sind das für unübertreffliche Beschreibungen der Selbstverachtung:

Entweder sind wir Marionetten des Himmels,

oder wir erhielten den freien Willen – nur zum Zweck der Selbstvernichtung.

Vielen Dank, ihr Götter, diese Geschenke gehen postwendend an euch zurück.

Alle Religionen und Philosophien, die den Menschen zur Ausschussware erklären, sind Mörderideologien. Zeit, dass wir sie über Bord werfen. Religionen sind keine Wurfsendungen von Oben, sondern Erzeugnisse männlicher Gehirne, die sich selbst anbeten. Das Drama des genialen Mannes haben fertig.

Wenn die Menschheit am Krückstock läuft, treten im vorletzten Akt der Tragödie ithyphallische Charismatiker auf und verbreiten trügerisches Licht. Danach erst die Schurken.

Trump ist die Quittung für Obama. Gorbatschow und Mandela hingegen waren echte Leuchten der Menschheit. Ihre Nachfolger das Gegenteil. Schulz war die deutsche Ausgabe eines Wasserläufers. Danach die unendliche Fortsetzung der Groko und die Regression der deutschen Bourgeoisie zur Konservativen Revolution: zurück zum deutschen Sonderweg. Wir Deutschen lassen uns mit niemandem vergleichen. Wir haben eine Identität, made in Germany. Das müssen sie uns erst mal nachmachen, die Plagiatoren in Ost und West.

Wenn Macron von den Gelbwesten verjagt wird, droht Unheil im Land der Revolution. Und Britannien? Erträgt es nicht, zusammen mit polnischen Landarbeitern und rumänischen Ärzten vom arroganten Deutschland kujoniert zu werden. Es muss seine verlorene Weltgeltung zurückerobern:

„Herrsche, Britannia! Britannia beherrsche die Wellen;

Briten werden niemals Sklaven sein.:|

Die Nationen, die nicht so gesegnet sind wie du,

werden mit der Zeit Tyrannen anheimfallen;

während du blühen sollst groß und frei,

zu ihrer aller Schrecken und Neid.

Und schon kriegen sie Konkurrenz von den Italienern, die sich stolz der fasces-Träger im alten Rom erinnern, angereichert mit Errungenschaften des futuristischen Manifests:

„Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag“.

Und die Österreicher sind dabei, die Überreste des Hauses Habsburg aus den Trümmern zu bergen, um der Welt zu zeigen, dass sie nicht nur Lipizzaner zu dressieren imstande sind. Und so suchen sie alle ihre skelettierten Heiligen und Könige, die ihren Vorfahren das Einmaleins des Glaubens und der gottgewollten Untertänigkeit mit der Peitsche servierten.

Wie alt ist denn der europäische Gedanke? Ja, als das Heilige Römische Reich deutscher Nation noch lebendig war, da dachte noch niemand an separate Nationen. Als die Handelsströme aber nicht mehr von den Hansestädten über Augsburg, quer über die Alpen nach Mailand, Florenz und Venedig führten, sondern plötzlich über entlegene neue Kontinente, die man nur per Schiff erreichen konnte, da war‘s um die deutsche Herrlichkeit und europäische Einigkeit geschehen.

Geschah Europa ganz recht, dass es zerfiel, hätte es die Germanen nicht über Nacht in jahrhundertelange Zurückgebliebenheit geworfen. Die Deutschen haben ein gutes Gedächtnis, so schnell vergessen sie ihre Kaiser nicht, die sie aus den Kyffhäusern zu neuen Heldentaten befreien müssen. Mehr als lumpige 500 Jahre brauchten sie nicht, um sich ihr Land im Osten und ihre Herrschaft im Westen zurückzuholen.

„Die Deutschen füllten die Mitte Mitteleuropas, an allen ihren Rändern aber zogen sie die benachbarten Völker an sich heran: das heilige römische Reich deutscher Nation. Dieses alte Reich ruckt und stößt jetzt im Weltkriege unter der Erde, denn es will nach langem Schlafe gern wieder kommen. Wie schön wäre es für uns, die Tschechen zu Deutschen zu machen, wenn es ginge. Wir sind erfolgreiche Nüchternheitsmenschen, vollkommene Apparate, wertvolle Maschinenteile, aber darum den Mittelvölkern so fremd. Die Natur der Völker soll von uns erhöht werden durch ordnende Vernunft. Doch noch ist unser europäischer Typ noch nicht fertig ausgewachsen, er bildet sich noch. Wir sind geschichtliches Halbfabrikat und warten noch des Tages der Vollendung.“

Schrieb Pastor Friedrich Naumann in seinem Buch „Mitteleuropa“ im Jahre 1915. Naumann war „Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Nach ihm ist die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit benannt.“

Die Deutschen vollenden sich, indem sie die benachbarten Völker „zu sich heranholen“. Das ist ihre messianische Vorstellung von Europa:

„Die Menschheitsgruppe Mitteleuropa spielt um ihre Weltstellung. Verlieren wir den Kampf, so sind wir voraussichtlich auf ewig verurteilt, Trabantenvolk zu werden, siegen wir halb, so müssen wir später noch einmal fechten, siegen wir nachhaltig, so erleichtern wir unseren Kindern und Enkeln die Arbeit, denn dann wird Mitteleuropa ins Grundbuch der kommenden Jahrhunderte eingetragen.“ (Naumann)

Dann müssen wir später noch mal fechten, so lange, bis wir vollendet sind und Europa beherrschen. Das hat die gegenwärtige Pastorentochter nicht vergessen und beherrscht – nicht mehr mit Kruppkanonen – sondern mit Wirtschaftswaffen das vereinigte Europa.

In Wirtschaftsdingen hatte Pastor Naumann eine klare Meinung:

„Ein wollendes Volk mit einer freiwillig getragenen Wirtschaftsdiktatur vermag Unendliches. So wächst von allen Seiten der Staats- und Nationalsozialismus, es wächst die „geregelte Volkswirtschaft“. Dies ist unsere Freiheit, unsere Selbstentfaltung. Unsere deutsche Arbeiterschaft, zusammengebunden mit unseren geschulten Unternehmern, Geheimräten und Offizieren ergibt nicht die anmutigste und amüsanteste Gesellschaft, die es geben kann, aber die wirksamste, sicherste, ausdauerndste menschliche Maschinerie. Diese lebendige Volksmaschine geht ihren Gang, ob der Einzelmensch lebt oder stirbt.“

Wundert es noch jemanden, dass die frühesten Propagandisten der Nationalsozialisten protestantische Pastoren in Thüringen waren? Zuerst werden Menschen zu maschinenhaften Verbrechern, dann Maschinen zu Übermenschen, die eines Tages Menschen autonom liquidieren. Zum Schein wird noch herumdebattiert, ob sie denn solches dürften.

Ob FDP-Lindner das weiß? Natürlich weiß er das. So also wird verhängnisvolle Vergangenheit, die nicht nur 12 Jahre dauerte, politisch verarbeitet? Wie aber ist der Weg von Naumann zu Hayek – der bekanntlich ein weltberühmtes Buch gegen Hitler schrieb: „Der Weg zur Knechtschaft“?

Spätestens seit Hegel wissen wir, dass Gegensätze sich anziehen, auch wenn sie sich noch so zieren. Dem Weg in Hitlers Knechtschaft entspricht Hayeks Weg in die neoliberale Knechtschaft. Hitler war ein Sohn der Vorsehung, der Neoliberalismus eine Strategie der Evolution. Beide sind unbarmherzige Selektionsmaschinen, die eine, indem sie tötet, die andere, indem sie sterben lässt.

Wer nicht auf der rechten Seite steht, hat Pech gehabt. Der eine, weil er nicht zur rechten Rasse gehört, der andere, weil der Markt – der alle Vernunft übersteigt – seine Angebote mit Verachtung bestraft. Auch die Evolution des Marktes geht über Leichen. Hier kommt der Tod mit Panzern, dort mit darwinistischer Wirtschaft.

Hitler hasste die Demokratie, Hayek lehnte sie angewidert ab, wenn sie es wagte, sich in die Angelegenheiten des göttlichen Marktes einzumischen.

Das Beispiel Deutschland zeigt, dass Trump es nicht allein sein kann, der den Untergang der Welt in hasardierender Systematik vorbereitet. Systematisch und hasardierend: das ist kein Widerspruch. Systematisch wird Moral ausgeschaltet und dem unberechenbaren Zufall anheimgestellt.

Warum ist Mattis zurückgetreten? Aus Protest gegen Trumps Unzuverlässigkeit:

„Eine Politik, in der die Treue zu Bündnispartnern und die Einhaltung internationaler Verpflichtungen keine Rolle mehr spielen.“

Diese Chaos-Politik wird nicht nur für Europa gefährlich, sondern auch für Amerikas besten Bündnispartner Israel.

„Manche Verschwörungstheoretiker glauben, Donald Trump sei außenpolitisch in der Hand des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Siehe die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Siehe die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran. Nun hat der US-Präsident bewiesen, dass Benjamin Netanjahu gar keinen Einfluss auf ihn hat. Denn der Abzug der US-Truppen aus Syrien ist ein Schlag ins Gesicht Israels. Israel wird sich selbst wehren können. Um Europa ist es schlechter bestellt.“ Schreibt Alan Posener in der WELT.

Weshalb ist Posener überrascht über eine Gesinnungwende Trumps, die gar keine ist, sondern eine Selbstentlarvung, die früher oder später kommen musste? Der Philosemitismus der amerikanischen Endzeitgläubigen ist kein altruistischer Akt der Nächstenliebe, sondern die eigensüchtige Erwartung der Wiederkunft Christi, die die Bekehrung der Juden zum wahren Glauben zur Bedingung hat.

Doch was, wenn die Bekehrung ausbleibt? Und sie wird ausbleiben, so wahr Jesus sich nie blicken lassen wird. Dann kippt die heilsegoistische Liebe zu den Kindern Israels um in maßlosen Hass.

Trump ist das Schicksal Israels so gleichgültig wie das Schicksal aller anderen Nationen. Jerusalem benutzt er, um alle Völker, die Israel kritisch sehen – und wer gehört nicht dazu? –, zu brüskieren, um seine Machtstellung in der Welt zu stabilisieren. Hätte Trump rein zufällig den deutschen Philosophen Max Stirner gelesen, hätte er ihn zu seinem Haus-Philosophen ernannt:

„Fort denn mit jeder Sache, die nicht ganz und gar Meine Sache ist! Ihr meint, Meine Sache müsse wenigstens die »gute Sache« sein? Was gut, was böse! Ich bin ja selber Meine Sache, und Ich bin weder gut noch böse. Beides hat für Mich keinen Sinn. Mir geht nichts über Mich! Ohne Verbrechen kein Staat: die sittliche Welt – und das ist der Staat – steckt voll Schelme, Betrüger, Lügner, Diebe.“

Trump ist ein Frommer im Sinne Luthers. Er sündigt, dass die Schwarte kracht, weil er weiß, dass Gott die schlimmsten Sünder am meisten liebt. Auch Luther begann als Freund der Juden, solange er glaubte, sie würden seinen antipapistischen Kurs unterstützen. Doch die Juden dachten gar nicht daran, sich in die innerchristlichen Querelen einzumischen und ihren eigenen Glauben zu verraten. Das Ergebnis ist bekannt:

„Jawohl, sie halten uns in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein […] sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.“ (Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Antisemitismus ist bestimmten jüdischen Kreisen ganz und gar nicht unwillkommen. Der Hass der Gojim auf sie, die Rechtgläubigen, ist für sie eine Bestätigung, dass Gott sie liebt. Das geht so weit, dass Rechtgläubige die Auschwitz-Verbrechen als gerechte Strafe Gottes an ihrem sündigen Lebenswandel betrachteten:

„Dass in Auschwitz, der höllischsten Hölle des liquidierenden Antisemitismus, orthodoxe Juden, vor der Gaskammer stehend, ihre bevorstehende Ermordung „Gottes gerechte Strafe“ für die eigenen Sünden sowie die „der Kinder Israels“ nannten, ist mehrfach und glaubwürdig überliefert. Schrecklich, aber wahr – und systemisch makaber, aber konsequent reale Unheilsgeschichte mit Heilsgeschichte verbindend, ist für die jüdische Orthodoxie der Antisemitismus sozusagen ein Werkzeug Gottes, um die Juden zum „wahren“ Judentum zurückzuführen.“ (WELT.de)

Religionskritische Juden werfen ihrer Schicksalsgemeinschaft vor, die Ablehnung der Welt zu brauchen wie die Luft zu atmen. Am Ausmaß des Hasses wollen sie Liebe ihres Vaters zu seinem auserwählten Volk ablesen. Je mehr sie von den Ungläubigen attackiert werden, je mehr bewahrheitet sich das Wort: wen Gott liebt, den straft er.

Das hat weitgehende politische Konsequenzen. In seinem mutigen Buch „Die Antisemitenmacher“ schreibt Abi Melzer: „… zumal israelische Politiker wie Sharon, Netanjahu und viele andere offen zugegeben haben, dass sie den Antisemitismus nicht fürchten, sondern sogar begrüßen, da er die Juden nach Israel treibt.“

Abi Melzer gilt im Lande der Springerpresse und Merkel-Bigotterie als Antisemit und jüdischer Selbsthasser. Felicia Langer, eine scharfe Kritikerin der israelischen Besatzerpolitik, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, schrieb über Melzers Buch: „Abi Melzer schreibt, was die meisten Publizisten sich nicht einmal zu denken wagen.“

Amerikanische Biblizisten sind so wenig wahre Judenfreunde, wie amerikanische Juden per se Demokratiefreunde sein müssen:

„Der Zentralrat der Juden ruft zu Demonstrationen gegen Antisemitismus auf, bei denen es in Wahrheit nur darum geht, Israel vor Kritik an seiner völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Politik zu schützen und zu verteidigen. Warum schweigt er beispielsweise, wenn zwei der reichsten jüdischen Unternehmer der Welt, der amerikanische Spielkasino-König Sheldon Adelson und der jüdische Medienmogul Haim Saban auf einer Pressekonferenz sagen, dass es «gar nicht so schlimm wäre, wenn Israel keine Demokratie bliebe, denn schließlich steht nichts davon in der Bibel».

Wirklichen Antisemitismus gilt es zu bekämpfen. Mit allen Mitteln des Rechts und eines Verstehens, das die Grundlagen des Hasses aufspürt und prophylaktisch unwirksam zu machen versucht. Israel hingegen, so Uri Avnery, denke nicht daran, Juden vor Antisemitismus zu beschützen.

„Israel beschützt nicht die Juden vor Antisemitismus, sondern im Gegenteil – Israel produziert und exportiert Antisemitismus und gefährdet damit die Juden in aller Welt.“

Auch Moshe Zuckermann warnt in einem FR-Interview davor, überall Antisemitismus zu konstatieren, wo in Wirklichkeit legitime Kritik an der verwerflichen Besatzungspolitik Israels vorliegt:

„Der Vorwurf des Antisemitismus dient israelischen Lobbies als Instrument, ihre Gegner mundtot zu machen, notwendige Debatten im Keim zu ersticken. Es zeigt sich eine neue Qualität, denn öffentliche Gegenworte sollen unterbunden und zum Skandal erklärt werden, Auftritte von Kritikern werden verhindert, wie ich es selbst in Frankfurt und anderswo erlebt habe.“ (Frankfurter-Rundschau.de)

Amerikas Philosemitismus ist so echt wie der von BILD. BILDs schandhafte Blindheit zeichnet Israel als eben jenes Land, das in der Welt nicht grundlos verhasst ist: erbarmungslos gegen seine Feinde, arrogant gegen seine Freunde. Während das Springerblatt den einstigen deutschen Judenhass auf die Palästinenser übertragen hat, lauern amerikanische Biblizisten nur darauf, dass die Juden die sehnlichst erwartete Konversion verweigern. Dann werden sich die Schleusen ihres uralten christlichen Antisemitismus öffnen.

Wird Amerika Israel langfristig verraten, kommt Chaos in Nahost. Kommt Chaos am religiösen Nabel der Welt, könnte es, in rasendem Tempo, zum Chaos der Welt werden.

 

Fortsetzung folgt.