Sofort, Hier und Jetzt XL

Tagesmail - Freitag, den 16. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XL,

es gibt nur noch eine einzige realistische Orientierung, mit der die Menschheit überleben kann – und das ist die Utopie, die friedliche Koexistenz der Völker.

Die Anforderungen des Überlebens sind so gewaltig, dass die Menschheit sie nur noch in einmütiger und einträchtiger Zusammenarbeit bewältigen kann.

Alles, was nicht utopisch ist, hat längst aufgehört, den jetzigen Status der Menschheit mit all seinen Vor- und Nachteilen zu erhalten oder fortzuentwickeln.

Alle gegenwärtige Real- und Interessenpolitik, die die Völker in einen endlosen Konkurrenzkampf zwingt, führt unvermeidlich in einen globalen Vernichtungskrieg oder in eine menschheitszerstörende Naturauslöschung.

Alles Nicht-Utopische hat sich unwiderruflich kenntlich gemacht: als Mittel einer unaufhaltsamen Selbsttötung der Gattung.

Mit der UN-Charta des Jahres 1945 hat die Menschheit die Utopie einer friedfertigen Zusammenarbeit nicht nur theoretisch formuliert, sondern sich ihrer praktischen Realisierung in bislang unvorstellbarer Weise angenähert.

Als die Mauern zwischen Ost und West fielen, die Sowjetunion sich auflöste und Russland unter Gorbatschow die Verständigung mit dem Westen suchte, schien die Utopie eines Weltdorfes zum Greifen nahe.

Doch dem Aufstieg religiöser Kräfte im Westen, die den Fortschritt der moralischen Vernunft als Werk des Antichrist hassen, gelang es, die verheißungsvolle Entwicklung des mündigen Menschen zu beenden und einer apokalyptischen Endzeit zu unterwerfen.

Seitdem werden Weltparlament der UNO und die Normen der Menschenrechte als ...

 ... moralische Träumereien geächtet, die Völker durch einen ruinösen Wettkampf gegeneinander aufgehetzt und die Belange der Natur mit Füßen getreten.

Heute schämen sich westliche Eliten, die Idee einer Beendigung der gewalttätigen Geschichte für realistisch gehalten zu haben – und überbieten sich mit martialischen Reden und militärischer Aufrüstung.

Einst galt das Motto: Willst du Frieden, rüste zum Krieg. Solange kriegerische Auseinandersetzungen regional beschränkt waren, konnte das Motto die Menschheit im Ganzen nicht gefährden. Die Völker gewöhnten sich an Doppelmoral: nach innen galten Recht und Gesetz, nach außen die Sprache der Macht und Gewalt.

Diesen Dualismus der Moralen können wir uns nicht mehr leisten, seitdem wir zu einem Weltdorf zusammengewachsen sind, in dem Außen und Innen nicht mehr getrennt werden können. Müllhalden des Westens verseuchen die Weltmeere, Klimakatastrophen kennen keine nationalen Grenzen. Millionen Menschen, die in ihrer Heimat nicht mehr leben können, machen sich auf und suchen Zuflucht in fernen Ländern, in denen sie nicht willkommen sind.

Europa, einst internationales Vorbild der Völkerverständigung, zerlegt sich immer mehr in verbittert gegeneinander kämpfende Einzelnationen. Machtpolitisch wird Europa immer bedeutungsloser, seit Amerikas Führungsrolle zu schwinden beginnt, Russland und China sich aneinander annähern und Entwicklungsstaaten in aller Welt den technischen Vorsprung des Westens einholen.

In Deutschland schwindet die Idee Europas als solidarische Gemeinschaft. Das Land gefällt sich als führende Wirtschaftsmacht, die aus amoralischer Überlegenheit sich nicht befähigt fühlt, die Lasten unterschiedlicher Leistungsfähigkeit gemeinsam zu tragen. Ihr ökonomischer Vorsprung ist den Deutschen wichtiger als der Aufbau eines friedlich kooperierenden Kontinents. Moralisches Besserwissen hassen sie, wirtschaftliches Besserwissen halten sie für eine deutsche Tugend.

Eine nationale Wende ist nicht in Sicht, solange personalpolitische Petitessen im Vordergrund stehen, weltpolitische Überlebensprobleme hingegen kaum erörtert werden. Die Deutschen gefallen sich in überlegener Selbstbespiegelung, die Welt existiert für sie nur als apolitischer Urlaubsort. Sie anerkennen nur einen Maßstab nationaler Befindlichkeit: wächst die Wirtschaft oder beginnt sie zu schrumpfen?

Eine Utopie ist kein Schlaraffenland, mit dem man die Mängel der Realität schwärmerisch ausgleichen könnte.

Eine Utopie wäre nicht notwendig, wenn die Menschheit unter bisherigen Bedingungen leidlich überleben könnte. Doch diese Zeiten gehen unwiderruflich zu Ende, seitdem der säkulare Fortschritt in Humanität durch den religiösen Fortschritt einer katastrophal endenden Heilsgeschichte ersetzt wurde.

Den Fortschritt der aufgeklärten Vernunft konterten die Frommen mit der Vision eines endzeitlichen 1000-jährigen Reiches. Seitdem konkurrieren die beiden Fortschritts-Ideen. Der technische Fortschritt hat sich der Überprüfung durch die Vernunft entzogen und versteht sich als Motor einer eschatologischen Zukunft, die für wenige Erwählte Seligkeit, für viele Verworfene Tod und Verderben bedeutet.

Eine Utopie ist das Optimum einer gemeinsamen moralischen Anstrengung. Nur Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hände nehmen, sind zu dieser Anstrengung fähig.

Eschatologischer Fortschritt hingegen bedarf keiner Moral. Nur der Herr der Geschichte kann ihn herbeiführen. Notwendig ist lediglich der Gehorsam unter ein Schicksal, das man ohnehin nicht verhindern kann.

Moralische Autonomie ist für Gläubige eine unverzeihliche Blasphemie. Moralisches Tun ist sündige Werkerei für die Nachkommen eines Reformators, der die Deutschen vom unfehlbaren Papismus befreite, um sie einer unfehlbaren Obrigkeit zu unterwerfen. Dass die Deutschen moralische Politik in hohem Maße verneinen, zeigt den Grad ihrer immer noch vorhandenen religiösen Stigmatisierung.

Indem sie Moral ablehnen, lehnen sie Vernunft ab und bekennen sich – sie wissen es nicht – zu einer himmlischen Obrigkeit, die nach Belieben Heiliges und Teuflisches gebietet. Nicht moralische Werke machen den Glauben, der Glaube entscheidet über die Qualität des Handelns.

Wer seines Glaubens sicher sein kann, wie es die Deutschen tun – wobei jeder unter Glaube versteht, was er will –, kann mit dem Bösen leichtfertig kokettieren: es kann ihm nie gefährlich werden. Der Pastorensohn Nietzsche hat das Geheimnis verraten:

Zuhause, im Frieden, verhalten sich diese Menschen zueinander beherrscht und rücksichtsvoll, aber nach Außen hin, dort, wo das Fremde beginnt, nicht viel besser als losgelassene Raubtiere. Sie genießen da die Freiheit von allem sozialen Zwang, sie halten sich in der Wildnis schadlos für die Spannung, welche eine lange Einschließung und Einfriedigung in den Frieden der Gemeinschaft gibt, sie treten in die Unschuld des Raubtiergewissens zurück als frohlockende Ungeheuer, welche vielleicht von einer scheußlichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schändung, Folterung mit einem Übermute und seelischem Gleichgewicht davongehen, wie wenn nur ein Studentenstreich vollbracht sei, überzeugt davon, dass die Dichter für lange nun wieder Etwas zu singen und zu rühmen haben.“

Zu Hause Engel, in der Fremde – wo der strenge Blick der Autoritäten fehlt – frohlockende Ungeheuer. Vor Wochen noch dröhnten moralfreie Medien gegen die Überdehnung der Moral. Ohne zu realisieren, dass völkische Moral das Gegenteil ist von Moral gegen Fremde. Carl Schmitt, Arnold Gehlen, waren völkische Ideologen, indem sie Nächstenliebe zu den Nächsten und nicht zu den Fernsten predigten. Wenn die partielle Übernahme nationalsozialistischer Denk- und Sprachmuster antisemitisch sein soll, wie momentan die Faustregel lautet, so sind die Ablehner einer universellen Solidarität allesamt Antisemiten – ob sie es wissen oder nicht.

Politische Moral gehört für lutherische Augustiner zur civitas diaboli, zur verdorbenen Welt. Demnach kann man Moral an die Wand klatschen, wie der Reformator den Gottseibeiuns mit dem Tintenfass an die Wand seiner Zelle klatschen wollte. Besonders Kunst, Erbin spiritueller Erleuchtung, ist für sie eine fröhliche Spielwiese mit dem Bösen, das ihnen nie gefährlich werden kann.

Die Hymne der Amoralisten ist lutherisch, weshalb der Reformationstag auch in den letzten Ländern zum staatlichen Feiertag gemacht werden muss – mit freundlicher Unterstützung der Arbeitgeber.

„Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.“

Das fröhliche Spiel mit dem Teufel ist Deutschlands Lieblingsspiel. Haben sie ihre Unschuld nicht mitten im Bösen bewiesen? Das muss ihnen die Welt erst mal nachmachen. Kaltblütig und unschuldig vor Gott – und dem Teufel, seinem treuen Assistenten. Man könnte auch von Faust und Mephisto sprechen. Ein uralter KZ-Wächter, der gerade vor Gericht steht, will nicht mal gewusst haben, was in seinem KZ vor sich ging. Wenn das nicht Unschuld vor Gott ist!

Moral, die von Außen und Oben kommt und nicht vom Menschen entwickelt werden darf, ist selbstredend eine männliche Creation. Der göttliche Moral-Befehler kennt die Seinen, dass sie unfähig sind, seine hohen Normen zu erfüllen. Weshalb er zum doppelten Prügel greifen muss: zu Lohn und Strafe.

Diese äußerliche Ziehmoral beherrscht den ganzen christlichen Westen. Das Gebotene erfüllt man nicht, wenn man abstrakt überzeugt ist: das ist heidnische Überheblichkeit. Das Gebotene erfüllt man, wenn man seinen Lohn kassiert – oder dafür geprügelt wird.

Arbeiten etwa darf nie Spaß machen oder selbstbestimmt sein, weshalb die christliche Proletenpartei davon überzeugt ist: ein Grundeinkommen ohne demütige Arbeitspflicht kann kein abendländischer Wert sein. Das kapitalistische Gesetz „Nichts gibt’s umsonst“, ist biblische Lohn und Strafe. Wen Gott und Staat lieben, den prügeln sie. Das haben die Förderer und Forderer verstanden.

Der Feminismus will selbstbestimmte Moral, die das Leben der Völker mit freudiger Vitalität erfüllen und das Gelingen des Weltdorfes ermöglichen soll. Weshalb Marilyn French schreiben kann:

„Das Wort Moral hat derzeit keinen guten Klang. Kritiker weisen jede moralische Beurteilung von Literatur, Malerei oder anderen Kunstformen von sich. Unsere Kraft, utopisch zu denken, ist versiegt. Wir Menschen stehen heute an einem Punkt, von dem aus eine Zukunft kaum noch vorstellbar ist. Wohin wir uns auch wenden, nirgends finden wir Anhaltspunkte einer Vision, für das Bestehen einer anderen Perspektive als der atomaren Vernichtung oder einer durch Umweltverseuchung verödeten Erde oder eines weltumspannenden Totalitarismus. Meinem Buch liegt die Prämisse zugrunde, dass der Mangel an Zukunftsperspektiven aus dem Versagen unserer moralischen Werte resultiert, aber auch in der Hoffnung, dass wir Menschen zu einer moralischen Regeneration fähig sind. Frauen haben nie aufgehört, freundschaftlich zusammenzuhalten, einander zu helfen und zu kooperieren. Was sie jedoch nicht konnten, war, sich so zusammen zuschließen, dass sie fähig gewesen wären, selbst Macht zu erlangen und die Macht der Männer in Frage zu stellen.“ (Jenseits der Macht, aus dem Jahr 1985!)

Heute wird die Frau zur Unterordnung unter die profitorientierte Männerwelt gezwungen. Männer sprechen salbungsvoll von Sinnerfüllung durch Arbeit. Wie wär‘s mit einem niedlichen Rollenwechsel? Männer finden den Sinn ihres Lebens beim Kindererziehen und überlassen die „entfremdete Welt“ ihren Frauen – zur ewigen Strafe für Evas Sündenfall.

Wie charakterisiert French die Männerwelt? „Das Patriarchat stützt sich auf die Werte Macht – und Herrschaft über die Natur oder Transzendenz. Während die Frau dem niedrigen Naturbereich zugeordnet wird.“

Warum darf es keine machtfreie Utopie geben? Weil die Männer von heut auf morgen ohne Ritt über den Bodensee auskommen müssten. Das wäre identisch mit Langeweile. Leben an sich ist nichts für Männer, wenn es nicht wie Rouladen mit machtgeilen Aufregungen, Mutproben und Herausforderungen gefüllt wäre. Als da sind: anderen Befehle erteilen, sie mit Lohn und Strafe behelligen, mit Fördern und Fordern degradieren, sie bei Widerstand in Guantanamo ein bisschen foltern oder rund um den Globus mit gläsernen KI-Augen überwachen.

Wie schildert Bertrand Russell die Morus-Utopie? Alle sind gleich angezogen, wohnen in gleichen Häuschen, die Mode wechselt niemals, stillende Mütter werden in einem besonderen Raum untergebracht, die Kinder stehen beiseite und verhalten sich unglaublich still, solange ihre Eltern essen, sie müssen mit den Bissen vorlieb nehmen, die man ihnen bei Tisch zusteckt.

Damit ist Russell, der männliche Lord, gar nicht zufrieden: „Es lässt sich nicht leugnen, dass das Leben in Morus‘ Utopia wie in den meisten anderen Utopien unerträglich langweilig wäre. Abwechslung ist nun mal die wesentliche Voraussetzung des Glücklichseins und die gibt es nicht in Utopia.“ (Philosophie des Abendlandes)

Womit klar sein dürfte, warum es keine Utopien mit männlicher Unterstützung geben kann: Meister des Universums müssen ununterbrochen mit Neuem und Überraschendem beschäftigt sein. Das Leben, gähn, ist eine einzige Langeweile. Weshalb der Oberste Mann Geschichte erfand mit abwechslungsreichen, ekstatischen, tödlichen und wieder auferstehenden Episoden, in denen ein Mann sowohl Gott wie sein eigener Sohn sein kann. Ja, da kommt Spannung auf.

Da gab es einen König, der, aus Rache an seiner untreuen Gattin, jede Nacht eine andere Frau über die Klinge springen ließ. Weshalb Scheherazade auf eine gloriose Idee kam:

„Nach einiger Zeit will Scheherazade, die Tochter des Wesirs, die Frau des Königs werden, um das Morden zu beenden. Sie beginnt, ihm Geschichten zu erzählen; am Ende der Nacht ist sie an einer so spannenden Stelle angelangt, dass der König unbedingt die Fortsetzung hören will und die Hinrichtung aufschiebt. In der folgenden Nacht erzählt Scheherazade die Geschichte weiter, unterbricht am Morgen wieder an einer spannenden Stelle usw. Nach tausendundein Nächten hat sie ihm in den orientalischen Druckfassungen drei Kinder geboren, und der König gewährt ihr Gnade.“

Beim Schöpfer aus dem Nichts funktioniert das Geschichtenerzählen weniger gut. Trotz phantastischer „Narrative“ lässt er am Ende nicht davon ab, die Majorität der Menschen in die Hölle zu werfen. Seitdem strengt die Christenheit sich mächtig an, Heilsgeschichte in ein höllisches Spektakel zu verwandeln. Vielleicht hilft‘s und Gott gewährt die Apokatastasis panton, die Wiederversöhnung mit allen? Origenes jedenfalls wurde für diese Blauäugigkeit nicht wenig geächtet.

Verbissen führt die WELT ihren Männerkampf gegen Moral fort. Da kennt sie kein Pardon. Das beginnt schon, wenn jemand „in hohem Ton“ den Auftrag verspürt, “«unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln»: Kein Wunder, dass sich Uwe Tellkamp an die Verlautbarungen der SED erinnert fühlt.“ (WELT.de)

Unfasslich, aber wahr: wer Demokratie fortentwickeln will, tut dasselbe, wie wenn er die SED fortentwickeln wollte. Die WELT befindet sich bereits rechts von Gauland.

Es kommt noch besser.

„Oder vielleicht haben die Linken ein Problem damit, dass ihre Diskurshoheit schwindet? Erleben es als narzisstische Kränkung, dass sie nicht mehr die Rolle der Weltmeister des Guten spielen können und verhärten sich deshalb innerlich so sehr? Wofür ich aber kein Verständnis habe, das ist moralischer Rigorismus. Gegen Moraltrompeter hat auch Nietzsche einiges einzuwenden gehabt. Und von Canetti stammt die Beobachtung: «Das Elend der Moral ist, dass sie immer alles besser weiß und darum nichts erfährt.»“

Nietzsche, der philosophische Wegbereiter des Nationalsozialismus als Vorbild der WELT! Weil der moderne Mensch immer moralischer wurde, rief Nietzsche die blonde Bestie ins Leben.

„Wir ahnen, dass es immer noch abwärts geht, ins Dünnere, Gutmütigere, Klügere, Behaglichere, Gleichgültigere, Chinesischere, Christlichere – der Mensch, es ist kein Zweifel, wird immer «besser».

Nichts Schlimmeres als besser werden. Was hilft dagegen? Der Mensch muss immer böser werden, damit der Sinn der Erde erfüllt werde. In einem Punkt täuschte sich Nietzsche: christlicher werden ist nicht besser werden, ganz im Gegenteil.

Ein Wörtchen aber vergass Nietzsche: wenn der Mensch immer besser und moralischer wird, wird er immer weiblicher. Das Weib war die schrecklichste Versuchung für den He-Man, seine Männlichkeit für einen „kleinen Tod“ aufzugeben.

Nietzsche und seine deutschen Bastarde waren der absolute Gegenentwurf gegen die Welt der Frauen. Gehst du zum Weibe, vergiss die Peitsche nicht. Peitsche ist heute überflüssig, der Mann domestiziert mit Kapitalismus. Gehst du zum Weibe, vergiss nicht die Sinngebung des Lebens mit Diridari, atomisierten Beziehungen, Hektik und Beschleunigung. Vor allem mit Naturkatastrophen.

In Kalifornien brachte das höllische Feuer die Apokalypse auf den Begriff: „Paradise“ wurde abgebrannt. Ein echter Deutscher kann durch solche Kleinigkeiten nicht irritiert werden. „Einmal hat man Glück im Leben, einmal Pech“, sagte Thomas Gottschalk.

SPD-Risiko-Spieler Schulz sieht das ähnlich: „Die Politik ist ein Riesenrad. Das dreht sich immer. Mal biste unten, mal biste oben".

„Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis!
Das Leben ist ein Spiel;
und wer es recht zu spielen weiß,
gelangt ans große Ziel.

Womit die Deutschen wieder beim großen Spiel angelangt wären – das sie bereits im Dritten Reich spielten. „Nur durch Expansion, die ohne Krieg nicht möglich war, könnten Deutschland und das nationalsozialistische Regime überleben. So dachte Hitler. Das expansionistische Risikospiel war unvermeidlich.“ (Ian Kershaw, Hitler)

Wenn man keine glasklare moralische Orientierung hat, kann man keine humane Politik entwickeln.

Ohne utopische Moral bleibt nur das große Poker-Spiel, das man mit Glück gewinnen, mit Pech verlieren kann. Zeit und Zufall sind Interventionen Gottes im unergründlichen Marktgeschehen Hayeks.

Sollten Glücksspieler etwa jene männlichen Schlafwandler sein, die eine Welt in Brand setzen – und hinterher von nichts wissen?

Weib, gehst du zum Mann – vergiss das höhnische Lachen nicht.

 

Fortsetzung folgt.