Sofort, Hier und Jetzt XXII

Tagesmail - Freitag, den 05. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXII,

„Der Mittelpunkt einer solchen Volksreligion ist ihm die Liebe. Denn wenn Volkreligion die gutartigen Neigungen des Menschen, sein moralisches Gefühl als überall und allgemein wirksame sittliche Kraft ins Spiel bringen muss, so haben diese ihren Mittelpunkt in der Liebe.“ (Dilthey über den jungen Hegel)

„Man glaubt etwas sehr Großes zu sagen – heißt es bei Hegel – wenn man sagt: Der Mensch ist von Natur gut; aber man vergisst, dass man etwas weit Größeres sagt mit den Worten: Der Mensch ist von Natur böse. Die Kommunisten predigen überhaupt keine Moral. ... Sie stellen nicht die moralische Forderung an die Menschen: Liebet Euch untereinander.“ (Marx)

„Bei Hegel ist das Böse die Form, worin die Triebkraft der geschichtlichen Entwicklung sich darstellt.“ (Engels)

Nicht nur bei Hegel, auch bei seinen revolutionären Schülern, ja in der gesamten Moderne gilt: das Böse ist die Energie des Guten.

Gott braucht den Widersacher, um seine abgefallene Schöpfung zurückzuerobern; Faust den Mephisto, um Zwangsbeglücker der Menschheit zu werden.

Der junge Hegel plädierte für Liebe, der alte für das Böse. Jungen Deutschen wird Liebe gepredigt, wer als Erwachsener für das Gute eintritt, ist ein Tor.

Junge Menschen kennen Moral, aber keinen Fortschritt. Den Herren der Gegenwart und Zukunft ist Moral Stillstand. Sie wollen Reichtum, Macht und Erfolg.

Stille, einst Sammlung des Menschen in sich, ist zur Totenstille geworden.

In der Natur suchen sie Stille, doch Stille in der Natur ist für sie wie der Tod. In ...

 ... aller Stille bestatten sie ihre Toten, ihr rasendes Leben aber muss lärmen:

„Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch
.“

Natur wird vom Menschen zerstört. Nicht aus Nützlichkeitsgründen, sondern wegen unerträglicher Stille. Natur muss zum Schweigen gebracht werden. Als stille Mahnerin zur Selbstbesinnung ist sie dem Menschen ein unerträgliches Ärgernis.

Zeitlos ruht Natur in sich, der Mensch aber hat Geschichte. Geschichtslose Natur und naturlose Geschichte sind unverträglich. Evolution ist keine Heilsgeschichte.

Zirkuläre Natur kennt keinen Schöpfer, ein linearer Gott aber will sie erschaffen haben. Natur ist weiblich, der Mann will ein alles-bestimmender Gott sein.

Wer Lärm als Vitalität erlebt, für den ist Ruhe Grabesstille. Atemstillstand, Herzstillstand, Produktionsstillstand – andere Formen der Stille sind dem Geräuschpegel der Gegenwart unbekannt.

Waffenstillstand hatte ein halbes Jahrhundert einen guten Klang. Vorbei!

Schweigen ist Herstellen von Stille – die mit steigendem Fortschrittsgetöse unverträglich ist.

Wir brauchen ein Moratorium, eine Epoche des Innehaltens und der Ruhe, um über Menschheitsfragen nachzudenken.

Die Mächtigen der grenzenlosen Lärmparolen müssen entmachtet werden. Die Männer, sie können es nicht.

Wenn die Herren der Erde zusammenkämen, um miteinander zu schweigen – das wäre ein Triumph der Menschheit. Ein Dialog ohne inneres Schweigen ist unmöglich.

Lärmender Fortschritt ist die Disziplin des Teufels, der nichts kann als die Zeit voranzupeitschen – zum Heil für Wenige, zum Unheil für Viele.

Humanität kennt keinen Fortschritt – außer dem moralischen.

Kinderlärm ist kein Lärm, sondern hörbare Freude, Heiterkeit benötigt keine Waffen, Lust am Dasein ist gelungenes Leben.  

Eine Menschheit, die in sich ruhte, sich ihres Lebens freute: das wär‘s.

Alles andere wären Absprachen, Ergebnisse weltweiter Verständigung.

Es gibt keine politischen Abläufe, außer denen, die der Mensch bejaht.

Es gibt keine Geschichte, außer der, die die Menschheit will.

Werdet wie die Kinder – aber nicht fürs Himmelreich.

Und nochmal sage ich euch, bleibet der Erde treu – aber nicht mit dem Hammer.

Machet die Erde zur Heimat aller Menschen – im Willen zur Vernunft. Vernunft, Gabe der Natur, müssen wir lernen, um sie im Dienst der Menschheit einzusetzen.

Die Rodung des Hambacher Forsts wird vorläufig gestoppt. Der Friedensnobelpreis geht nicht an Gewaltige, die mit Völkern zynische Spiele spielen – sondern an Menschenfreunde.

Freundschaft mit Mensch und Natur ist möglich.

 

Fortsetzung folgt.