Umwälzung XXXV

Tagesmail - Freitag, den 16. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXXV,

auf dass die Schrift erfüllet werde, hat Gott aus seiner Rippe die deutsche Nation geschaffen, die ihr Land zur zweiten Heimat des Heiligen Geistes machen wird – das nur einem glaubensstarken Bayern gelingen kann.

Die erste Heimat liegt im Heiligen Land, wohin Gott seinen Engel Gabriel entsandte. Und Erzengel Gabriel sprach zu einem gewitzten Mönch in Jerusalem:

„Ich bin Gabriel, der vor Gott steht und bin gesandt, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen“: „Wir wollen Mittel bereitstellen für die dringend notwendige Sanierung der Abtei Dormitio in Jerusalem."

Ein Satz, der in seiner Schlichtheit Millionen wert ist. Ein großes Geschenk, sagt Pater Nikodemus. Es klinge wohl noch immer etwas kurios, sagt einer der Verhandler, dass es die Zusage in den Vertrag geschafft habe.“ (ZEIT.de)

Kurios heißt wunderlich. Und in der Tat: es war ein Wunder.

„Wie ein gewitzter Mönch und ein scheidender Außenminister es schafften, ein Kloster in Jerusalem in den Koalitionsvertrag zu schmuggeln. Doch das ist nicht alles: Die gestressten Unterhändler der Groko 2018 schrieben einen Koalitionsvertrag, in dem an vielen Stellen die Religion auftaucht. In einer Zeit, in der die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, steht das Wort "Kirche" so häufig wie selten in einem Regierungsprogramm.“

„Die Dormitio-Abtei ist eine deutschsprachige Benediktinerabtei auf dem Berg Zion in Jerusalem. Der Name leitet sich vom Patrozinium der Entschlafung der seligen Jungfrau Maria ab.“

„Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David: und die Jungfrau hieß ...

... Maria. „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

Männer werden erleuchtet, Frauen überschattet. Weshalb Merkel ein Mann in weiblicher Gestalt sein muss – so oft wurde sie bereits von Oben erleuchtet. Eine heilige Frau stirbt nicht, sie entschläft.

Zu heiligen Müttern hatte Gabriel schon immer eine besondere Beziehung, da Gott ihm aus pädagogischen Gründen einen Nazi-Vater zugeordnet hatte – um ihn frühzeitig gegen das Böse zu wappnen und sich von der Mutter retten zu lassen. Das war sein Praktikum für den Dienst unter Mutter Angela.

Doch wer war Maria? Wir wissen nicht, welche heiligen Metaphern Frauenfreund Weinstein benutzte, um seine Opfer zu überschatten. Gott vergewaltigt niemanden – und wenn doch, muss sie sich selig preisen. Obwohl Maria den Sohn zur Welt bringt, wird im Neuen Testament nicht ihr Stammbaum erwähnt, sondern der ihres gehörnten Mannes Josef:

„Nun heißt es nicht „Josef war der Vater Jesu“, sondern „Josef, [der] Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren“. Dies betont, dass Josef nicht als leiblicher Vater Jesu angesehen wird. Dass trotzdem der Nachweis einer Abstammung Jesu von David über die Vorfahren Josefs geführt wird, setzt aber eine rein rechtlich verstandene Vaterschaft Josefs voraus. In der Kindheitsgeschichte des Matthäus ist allein Josef der Handelnde, Maria redet selbst nicht und wird auch nicht angeredet.“

Die Frau bleibt stummes Gefäß, wenn sie den Gesetzen der Natur folgen muss. Der Mann ist Geist, der sich der Natur nur bedient, um sich über sie zu erheben.

Im Neuen Testament spielt Maria keine Rolle mehr:

„Die paulinischen Briefe, bei denen es sich um die ältesten neutestamentlichen Texte handelt, erwähnen Maria nicht namentlich, nur im Galaterbrief heißt es allgemein: „geboren von einer Frau“. Diese Stelle handelt von der Sendung Jesu, seine Mutter ist dagegen völlig uninteressant.“

Wenn Mütter ihre biologischen Funktionen im Dienste höherer Männer absolviert haben, verschwinden sie im Schattenreich der Geschichte, weshalb sie ja auch überschattet wurden. Ihr Name spielt keine Rolle, sie reden nicht und werden von niemandem angeredet.

Am Ende treffen wir auf eine namenlose Frau, die bestimmt Maria sein muss:

„In der Offenbarung des Johannes ist von einer Frau die Rede, „mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger.“ Ein Drache droht, ihr Kind zu verschlingen, wird aber vom Erzengel Michael besiegt.“

Die Frau als Verkörperung des Universums? Gottlob, auch hier ist sie auf den Mann angewiesen, der sie vor dem bösen Drachen retten muss. Allein wäre sie verloren. Mutter Natur ist abhängig von der überlegenen Geisteskraft des Mannes.

Auch heute fehlt es nicht an solchen Männern, die das Böse im Universum mit Spezialkräften jagen. Einer von ihnen heißt Donald und muss sich noch eine kleine Weile mit dem Amt des amerikanischen Präsidenten begnügen. Der Heilige Wald (Hollywood) in Kalifornien hat schon lange vorgearbeitet und das Weltall so gründlich mit Aliens (Fremdlingen) durchdämonisiert, dass das Weiße Haus nur noch mit einer Weltall-Armee zugreifen muss:

„Wir haben schon die Armee und die Navy – wisst ihr, ich habe das neulich erst gesagt: Wir leisten im Weltall so großartige Arbeit, also brauchen wir wohl eine neue Streitkraft, nennen wir sie 'Space Force'! Zuerst hatte ich das nicht ernst gemeint. Doch dann dachte ich mir: Was für eine großartige Idee, vielleicht sollten wir das machen!" (bento.de)

Warum sich mit heiligen Kriegen auf Erden begnügen, wenn das Weltall voll verlockender Teufel steckt? Die Sternensehnsucht ist eine triumphale Rückkehr in Gottes Galaxie mit vorlaufenden Reinigungsmaßnahmen. Ohnehin neigt sich das langweilige Geschehen auf Erden dem Ende zu. Also auf zu neuen Ufern. Mit dem Kreuzzug gegen das Universalböse erfinden wir uns ganz neu. Geschwister im Grenzenlosen, heißet uns hoffen.

Zuerst jedoch muss die Erde klinisch gereinigt werden. Im Westen rotten sie sich bereits zusammen, um das Reich des Bösen zu umzingeln. Da sollen die Russen einen Mann in England mit einem Gas getötet haben, das nur sie allein herstellen können? Für wie dumm hält man eigentlich die Russen? Alles Unheil kommt von Verschwörungstheorien – der Anderen.

Unwidersprochen erklärte gestern in der Phönix-Debatte ein russischer Journalist (Vorsicht, die Bösen können sogar mit Wahrheit lügen): Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es noch verschiedene Fabriken dieses Gases in außerrussischen Ländern wie Usbekistan. Nach dem Vertrag zur Eliminierung der Gase übernahmen Amerikaner die Aufgabe, diese Betriebe dem Erdboden gleich zu machen. Auch der Erfinder dieses Gases lebt seit Jahren in den USA. Noch Fragen, Colin Powell? Zur geflissentlichen Erinnerung:

„2003 sprach der frühere amerikanische Außenminister Powell vor dem UN-Sicherheitsrat über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen. Nun hat er diesen Auftritt bedauert: „Es gab Leute beim Geheimdienst, die zu der Zeit wußten, daß einige der Quellen nicht verläßlich waren.“ (FAZ.NET)

Russland habe sich mehrere Male angeboten, bei der Analyse des Verbrechens mitzuwirken. Keine Reaktion von Theresa May. Über Nacht wirkt sie wie befreit im Bad in der Menge. Im Westen gilt der eiserne Grundsatz: keine Vorverurteilung bei ungenügenden Beweisen. Für Böse gelten keine Gesetze.

Wenn Russen ihre alte Weltgeltung anstreben, sind sie größenwahnsinnig. Wenn Amerika seinen Exzeptionalismus anbetet, eine selbsterfundene Ausnahmestellung unter allen Völkern, wird dies widerspruchslos hingenommen. Putins Wehretat ist etwa ein Zehntel des amerikanischen. Das versteht sich von selbst. Amerika verfügt über mehrere Hundert militärischer Niederlassungen in aller Welt. Ja und?

Selbst, wenn die Mörder in russischem Auftrag gehandelt hätten: wie viele Drohnentote hat allein die Lichtfigur Obama auf dem Gewissen? Wie viele wurden in Guantanamo gefoltert und hingerichtet? Wer hat Osama bin Laden außerhalb des Gesetzes hingerichtet? Wie viele unschuldige Iraker mussten in einem Öl-Raub-Krieg ihr Leben lassen? Wie viele Flüchtlinge sterben an der mexikanisch-amerikanischen Mauer? Wie viele Schwarze wurden in den Staaten über den Haufen geschossen? Wie viele Hilfesuchende sterben bei der Flucht übers Mittelmeer?

Opfer soll man nicht miteinander vergleichen? Doch, man muss – wenn man sich selbst für unschuldig und die anderen für unrettbar böse hält. Die Selbstgerechtigkeit des Westens – die sich als göttlich-geschenkte Gnade ausgibt – stinkt in rasendem Tempo gen Himmel.

Syrien wird zur Erfindung Putins, zur Kloake der Anderen erklärt. Der Westen wäscht seine Hände in Unschuld. In welchen Verantwortungsbereich fällt dann beispielsweise der Kongo? In BILD keine einzige Zeile.

„13,1 Millionen Hilfsbedürftige. 670.000 Flüchtlinge in Nachbarländern, 4,5 Millionen Binnenflüchtlinge. 7,7 Millionen akut hungernde Menschen. Alles mit Abstand Rekordwerte in einem Land, das bereits Jahrzehnte des Bürgerkrieges hinter sich hat. Diese aktuellen Daten der Vereinten Nationen geben die humanitäre Krise in der Demokratischen Republik Kongo nur ungenügend wieder. Lokale Konflikte breiten sich immer weiter aus, immer mehr Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage, immer mehr Gebiete sind zugleich für auswärtige Hilfe unzugänglich.“ (TAZ.de)

Es ist wie eine konzertierte Hysterie, die aus einem geheimen logistischen Zentrum (Vorsicht, Verschwörungstheorie) gesteuert wird, um den zerrütten Westen zusammenzukitten und das nächste Kapitel der Heilsgeschichte aufzuschlagen. Wenn die eigenen Bevölkerungen immer mehr aufmucken, ist es an der Zeit, sich somnambul zu stellen, um die Schuldigen an aller Not jenseits der Grenzen zu suchen. Die eigenen Reihen müssen geschlossen werden durch den großen Feind aus der asiatischen Steppe. Zeit zum Schlafwandeln, um die tumben Völker aus dem Schlaf der Satten und Gerechten aufzuwecken. „Krieg ist der Geist und die Form, worin das wesentliche Moment der sittlichen Substanz vorhanden ist.“ (Hegel)

Jeden Tag wird er größer, der Lärm von Krieg und Kriegsgeschrei. Die Verbalmilitanten von Reichelt bis Kornelius überschlagen sich in der herrischen Geste: bis hierher und nicht weiter. Ab wann wird zurückgeschlagen?

Alternativen zur Militanz sind verschollen. Das Wort „Frieden“ ist in den Tiefen der Algorithmen abhanden gekommen. Je unerträglicher die Lage auf Erden, umso dringlicher wird der Aufbruch ins All. Wer zurück bleibt, den bestraft die Prädestination.

Je gefährlicher die Szenerie, je penetranter die Lügen-Predigten von einem friedlichen Christentum. Von Tag zu Tag werden sie unschuldiger, die umherirrenden Schafe. Kreuzzüge? Von weitem mal gehört. Inquisition? Vorläufer des heutigen Rechts. Wenn täglich die atomare Katastrophe ausbrechen kann, ist die Errichtung eines klerikalen Heimatministeriums genau das Richtige. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

Deutschland ist vom Christentum geprägt, deklamiert ein Modelleisenbahner, der sich zum hervorragenden Religionshistoriker gewandelt hat. Die Griechen, versteht sich, sind mausetot. Demokratie und Menschenrechte sind Früchte des Heiligen. Aufklärung ist Glauben. Seehofer räumt Goethe beiseite. Schließlich ist Bayern das Paradies, Goethe kam nur aus einer verkommenen Großstadt.

„So der Westen wie der Osten
Geben Reines dir zu kosten.

Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.“

Dass die heidnische Vernunft über Bagdad und Toledo nach Mitteleuropa eingeführt wurde, hat Seehofer beim Derblecken noch nie gehört. Dass viele Hitler-Gegner in Istanbul (Hindemith, Rüstow, Reuters) überlebten – für Alm-Öhis ein Nichts. Was außer den Fassaden ist christlich an bayrischen Heidenfesten? Die Popen tauften das Germanische auf den Wiedergeborenen und schon war alles sündige Fleisch fromm und tugendhaft. „A Hund bist scho, a recht a varreckta!“ – das muss ein bayrischer Friedensgruß sein.

In der Begeisterung für das Hundsein sind die deutschen Landschaften längst zusammengewachsen. Habeck, nordischer Vordenker der Grünen, hält nichts von Moralisten. „Wir brauchen nicht bessere Menschen, wir brauchen bessere Politik.“

Wie können Menschen bessere Politik machen, wenn sie selbst nicht besser werden?

Habeck ist in lutherisch-bigotter Maische versunken. Lasset tapfer die Sau raus, wenn ihr nur glaubet. Politik ist eine Maschine, die jeder bedienen kann, gleichgültig, ob im Delirium oder sturzbesoffen.

Wie kann ich wissen, was eine gute Politik ist, wenn ich vom Guten keine Ahnung habe? Die simpelsten Kinderfragen sind dem Verfasser von Kinderbüchern unbekannt. Meine politische Entscheidung richtet sich automatisch nach dem Maß meiner moralischen Einsicht. Anders wäre ich ja ferngelenkt.

Bei den Grünen gibt es nicht die leiseste Ahnung von Vernunftautonomie. Politik muss eine Maschine sein, die mit dem Verhalten der Menschen nichts zu tun hat. Habeck und Seehofer können sich die heteronomen Hände reichen. Wie bei Marx und Hayek: Politik ist ein Geschehen, das die Vernunft der Menschen übersteigt. Also Platz dem Zufall und dem Glauben an übermenschliche Mächte. Einst wollten die Grünen unökologisches Verhalten verbieten, heute fragen sie ihre Wähler, was sie von ihnen wollen sollen.

Recht ist gefrorene Minimalmoral, um eine Gesellschaft zusammenzuhalten. Politik ist die Summe moralischer Entscheidungen, um das Leben der Menschen zu verbessern. Nein, wir müssen nicht perfekt sein, um das Utopische anzupeilen. Aber wir müssen Ahnungen und Gewissheiten des Utopischen entwickeln, um es peu à peu anzusteuern. Poppers Stückwerktechnologie wäre ein sinnloses Rotieren im Kreis, wenn die einzelnen Stücke des Weges nicht auf ein humanes Ziel ausgerichtet wären. Das Ziel ist kein klerikaler Himmel, sondern ein Reich irdischer Vernunft.

Habeck scheint an dauerhafte Wunder zu glauben, nicht an den Elementarsatz der Kausalität: von Nichts kommt nichts. Bin ich unvernünftig und amoralisch, werden meine politischen Entscheidungen amoralisch und unvernünftig sein. Bei Habeck entspringt das Moralische einem Unmoralischen. Ihr zwar gedachtet, mir Böses zu tun, doch Ich, Politik, hab es zum Guten gewendet. Das ist magische Theologie auf der Stufe Josephs und seiner Brüder.

Wie verhält sich ein demokratisches Gesetz zur privaten Moral? Zuerst sollten Argumente die Debatten bestimmen, um an die eigene Einsicht zu appellieren. Vor dem legitimen Zwang des Gesetzgebers kommt der Appell an die Erkenntnis. Erst, wenn Argumente nicht mehr ausreichen, wenn die ökologische Gefahr immer brenzliger wird, wäre es legitim, das Gute in ein Gesetz zu gießen. Das wäre das Gegenteil von Zwangsbeglückung – solange alle demokratischen Regeln eingehalten wurden.

Haben die Gesetze ihre pädagogischen Wirkungen erzielt, werden sie ihren Zwangscharakter verlieren. Sie haben ihre Pflicht getan und können gehen. Verständige Menschen brauchen kein Gebot: Du sollst nicht stehlen, wenn sie einen menschenleeren Supermarkt durchstreifen.

Einem demokratischen Gesetz ist man nicht wie einem Tyrannen untertan. Man gehorcht seiner eigenen Vernunft – sofern man sie ins politische Geschehen eingebracht hat. Gesetze sind die zweitbesten Pädagogen, um zur Vernunft des Volkes aufzuschließen. Die besten sind: selbst seinen Kopf betätigen und seine eigene Moral in die Debatte werfen.

Habeck gehört zur zahlreichen Gemeinde der ES-Marxisten, die nichts von der politischen Autonomie des Einzelnen, alles aber von fremdgesteuerten Mechanismen erwarten, welche unabhängig vom Menschen das Schifflein in den Hafen steuern. Wieder einmal wäre zu fragen: wo blieb der Aufschrei, als Habeck die menschliche Vernunft verriet?

Machen wir uns nichts vor: die GroKo weiß nicht, worum es geht, wenn es um den Mut geht, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Woran erkennt man eine depressive, verschlissene, vernunftvergessene Demokratie? An der Anzahl der vielen Aufschreie, die nie zu hören sind.

Schreckliche Kollektivlügen haben sich in Nachkriegsdeutschland eingenistet. Von Athen weiß man nichts. Volksherrschaft ist von gestern. Nationen sind konkurrierende Maschinen, die von Wenigen programmiert werden. Das Christentum hat das Land geprägt – ohne ein Wörtchen von der griechischen Polis fallen zu lassen. Wenn der Islam nicht zu Deutschland gehört, sind alle Islam-Gläubigen BürgerInnen zweiter Klasse. Dann gehört auch das Christentum nicht zu Deutschland. Keine Religion gehört zu einem Land, das von ihr vernichtet werden soll. Nur die Vernunft der Natur gehört zu allen Ländern und allen Menschen.

Die Lüge Gabriels, keine Waffen an die Türkei geliefert zu haben, ist noch eine der geringsten Lügen. In einem erschütternden SZ-Interview mit Daniel Ellsberg zeigt sich der unverhüllte Wahn der Menschheit, sich zwischen Sein und Nichtsein hindurchzuschweigen und zu betrügen. Jeden Tag könnte der atomare GAU entfesselt werden:

„Wenn mehrere Atombomben abgefeuert werden und sich in den bombardierten Städten ein regelrechter Feuersturm entfaltet, würden Rauch und Ruß in die Stratosphäre steigen und die Sonneneinstrahlung für sehr lange Zeit verhindern. Die Temperaturen würden sinken, bis sie auf Eiszeit-Niveau sind: ein nuklearer Winter. Es wäre das Ende der Menschheit.“ (Sueddeutsche.de)

Trump, der von BILD täglich mehr zum Hanswurst verharmlost wird, hat zum ersten Mal einem Land gedroht, es dem Erdboden gleich zu machen:

„Es ist wohl das erste Mal seit der Kubakrise, dass ein US-Präsident einem Staat derart droht, der ebenfalls Atomwaffen besitzt und diese offenkundig auch einsetzen würde. Ich halte so eine Drohung für böse und absolut unverantwortlich. Ein Krieg gegen Nordkorea wäre schrecklich, Millionen Menschen würden sterben. Trump hat leider aber einen großen Anreiz für Krieg. Das würde von den FBI-Ermittlungen gegen ihn ablenken. Er wäre nicht der erste US-Präsident, der einen Krieg anfängt, um innenpolitische Probleme zu überspielen.“

Was für Trump gilt, gilt auch für die EU, die ihren Niedergang kaschieren will mit Externen-Aggression gegen das Reich des Bösen. Es ist nicht Putin allein, der sein Waffenarsenal vergrößert. Im Westen will es nur niemand wissen, was die Politikerkaste hinter den Kulissen zusammenbraut. Wir werden schamlos angelogen:

„Weil wir Amerikaner ignorant sind. Und weil uns kein Politiker die Wahrheit sagt, weder Demokraten noch Republikaner. Die Bevölkerung wird bewusst im Unklaren gelassen. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat deshalb fast niemand ernsthaft an einen Atomkrieg gedacht. Die Militärs haben aber konstant weiter aufgerüstet.“

Nicht nur Amerikaner werden über die gefährlichsten Aspekte ihrer atomaren Dauergefährdung belogen. Deutschlands fromme Regierung hält es für richtig, die Welt mit einem atomaren Erstschlag zu bedrohen – und kein Deutscher weiß es:

„Die Nato behält sich anders als zum Beispiel China vor, Atomwaffen zuerst einzusetzen und nicht nur dann, wenn sie mit Atomwaffen angegriffen wird.

Ja, eine absolut unmoralische und bösartige Politik ist das. Deutschland täte gut daran, auf einen Verzicht eines solchen Ersteinsatzes zu drängen. Die Bundesregierung will aber offenkundig ihren Verbündeten USA nicht vor den Kopf stoßen. Die Lagerung der Bomben in Deutschland zu erlauben ist unverantwortlich. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass sie eingesetzt werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist halt nicht gleich null.“

Deutschland kuscht vor seinen Freunden. Berlin ist unfähig, eine eigenständige Außenpolitik zu entwickeln. Merkel & Co besitzen kein Format, weder ein intellektuelles, noch ein moralisches, um eine Völkergemeinschaft in globalem Frieden anzusteuern.

Ein gerechter Krieg war bislang ein bloßer Verteidigungskrieg. Einen Präventivkrieg unter atomaren Bedingungen für richtig zu halten, heißt: eher riskieren wir den Untergang der Menschheit als den eigenen – den wir gleichwohl in perverser Paradoxie akzeptieren müssten, weil der Untergang der Menschheit unseren eigenen einschlösse.

Deutschland, ein Land, in dem angeblich Milch und Honig fließt, ist zu einem Land des Bankrotts und moralischen Verderbens verkommen. Wer nichts unternimmt, um mit allen demokratischen Mitteln eine solch rückgratlose, bigotte, den Untergang des Menschengeschlechts riskierende Regierung aus dem Zentrum der Macht zu jagen, der hat keine bessere verdient.

Zeit für radikale Umwälzung. Nicht nur der Politik, sondern jedes Einzelnen.

Wir brauchen bessere Menschen, um eine bessere Politik zu gestalten.

Wir brauchen friedensfähige Menschen, um die Gattung zu retten.

Friedensmoral wäre kein blauäugiger Altruismus.

Sie wäre die höchste Form eines solidarischen Egoismus.

 

Fortsetzung folgt.