Umwälzung XXVI

Tagesmail - Freitag, den 23. Februar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXVI,

„Weinende Mütter sind gut für die Quoten.“

Also müssen sie zum Weinen gebracht werden.

"Das Einzige, das einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann, ist ein guter Mensch mit einer Waffe.“

Also müssen die guten Menschen bewaffnet werden, damit sie die bösen ausradieren können. Algorithmen haben die Wurfschaufel in der Hand, um die Tenne zu fegen, den Weizen in die Scheune zu sammeln und die Spreu mit unauslöschlichem Feuer zu verbrennen.

„Die allwissende Maschine aber wird, die draußen sind, richten. Schafft die Bösen hinaus.

Die SchülerInnen fuhren nach Washington und forderten von ihrem Präsidenten Reduktion der Waffen. Der Präsident reagierte mit Ausweitung der Waffen. Lehrer sollen bewaffnet, Schulen abgehärtet und nicht verweichlicht werden.

Was geschieht in Amerika, in plagiierendem Abstand auch in Deutschland? Eine Politik der Wiedergeborenen und Erwählten: auf dass das Wort erfüllet werde. Biblizisten sind dabei, die Trennung von Kirche und Staat einzuebnen. Theokratie soll Demokratie aus dem Weg räumen.

„Außerdem haben sich die Evangelikalen in den Siebzigern und Achtzigern zunehmend als Republikaner identifiziert. Die Folge: Heute haben Sie eine Republikanische Partei, die fast ausschließlich weiß und christlich ist, und eine Demokratische Partei, die alle anderen unter sich versammelt, die Partei der Minderheiten, der Nichtgläubigen und der Städter. Es stehen sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber, die sich gegenseitig als existenzielle Gefahr betrachten, vor allem aus Sicht der Republikaner.“ (ZEIT.de)

Warum berichten Auslandskorrespondenten nicht über die wichtigsten und einflussreichsten Vorgänge in anderen Ländern? Weil sie praktizierende ...

... Marxisten sind: in ihrem Weltbild zählen nur Fakten. Marxisten sprachen von materiellen Faktoren. Ideen, Denkvorgänge sind für Zeitbeobachter nur Tarnungen des Bewusstseins, die mit dem harten materiellen Sein nichts zu tun haben.

Weswegen sie gar nicht auf die Idee kommen, Politikerreden präzis auseinanderzunehmen, die sie durchweg als verbale Strategieübungen betrachten. Welche Schlagzeilen werden zu welchem Zweck benutzt? Der gesamte Bereich des Denkens ist nichts als Werbepsychologie zum Zweck unbewussten Verführens der Bevölkerung.

Wer von Überzeugungen der Politiker spräche, den würde man als törichten Hinterwäldler verspotten. Weshalb immer nur die ewig gleichen Hohlreden der Politiker zitiert werden. Dass Reden Fundgruben sind, um das politische Profil der Rhetoriker zu rekonstruieren, das halten sie für tiefen-hermeneutische Anmaßung.

Reden und Schreiben sind für Fakten-Beobachter nur Kommunikations-Strategien. Wie muss ich reden, um welches Publikum zu gewinnen? Wer der AfD rechte Randgruppen abjagen will, muss rechte Reden halten. Wer die Stammklientel der SPD bei Laune halten will, muss linke Parolen in genau berechneter Dosierung einsetzen.

Warum ist Schulz gescheitert? Weil er das falsche Thema einsetzte, um die bürgerlich gewordenen Ex-Proleten bei der Stange zu halten. Wen interessiert Gerechtigkeit, wenn er seinen Aufstieg in die höheren Etagen planen muss? Wer kann die soziale Veränderung der Gesellschaft wollen, wenn er sie mit bewährten Propaganda-Methoden erobern muss?

Seit Einbruch des Neoliberalismus verschwanden Wörter wie „einen Dialog führen, Überzeugen, Streiten, Verstehen“ – sie alle wurden ersetzt durch die propagandistische Allzweckwaffe „Kommunizieren.“ Es ist mir nicht gelungen, meine Botschaft zu kommunizieren. Was wolltest du kommunizieren? Alles ist Sache des Kommunizierens. Miteinander reden, Streiten, Kritisieren, Argumentieren: alles verschwand in den Katakomben.

Die aufkommenden Talkshows wurden zu Probebühnen rhetorischer Fassadenkünste. Mediale Interviews sind keine exemplarischen Streitgespräche zweier gleichberechtigter Partner. Der Interviewer spielt die Rolle des Simplicius Simplicissimus, der seinem Gesprächspartner hinterlistig die Rolle des Überlegenen unterjubelt, um ihn durch plötzliche Fachkompetenz bloßzustellen. Der Fragende bietet nur Stichworte an, die den Autoritäten die Gelegenheit geben sollen, ihre rednerische Brillanz zu zeigen.

Begriffe werden nicht geklärt, müssen nicht abgeleitet, Widersprüche als Indizien für falsches Denken nicht wahrgenommen und kritisch zurückgemeldet werden. Da Widersprüche nicht negativ gesehen werden, sondern als kämpferische Stimulantien des Fortschritts, wird auch nie „nachgefragt“. So wird das Interview zum lächerlichen Pingpong zwischen „Experten“ und infantilen Dummstellern, die merkwürdig altgescheite Zwischenkommentare abliefern.

Die Deutschen können keine erkenntnisleitenden Dialoge führen, weshalb man nach jeder Talkshow so klug ist als wie zuvor. Was haben Sie aus der gestrigen Talkshow gelernt? Solche Fragen stellt kein demoskopisches Unternehmen, das seine Reputation nicht aufs Spiel setzen will. Moderatoren folgen nicht der Logik eines Gedankens in strenger Rede und Gegenrede, sondern dem Potpourri ihrer vorbereiteten Stichworte und Karten.

Völlig undenkbar, einem Gesprächsteilnehmer die spröde Frage zu stellen: Was ist für Sie Fortschritt – oder Gerechtigkeit – oder Moral? Um nach der ersten Definition die anderen Gesprächsteilnehmer zu befragen: Teilen Sie die Definition ihres Vorredners? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht? Dann müssten Argumente kommen, um die Gegenthese zu begründen.

Da alle Begriffe vollgepumpt sind mit historischen Assoziationen der verschiedensten Art, müssten sie auch in ihrem „biographischen“ Werdegang rekonstruiert werden. Sind sie noch brauchbar? Müssen sie neu definiert werden? Viel wäre erreicht, wenn man sich auf eine vorläufige Definition des Begriffs einigen könnte – um ihn zur Bewertung der politischen Situation zu nutzen.

In einem WELT-Interview über Karl Marx behauptet Sahra Wagenknecht:

„Im Übrigen interpretieren Sie Marx falsch. Ihm lag nichts so fern wie die Annahme, die Geschichte würde einem Automatismus folgen. Es gibt bei ihm kein deterministisches Weltgesetz.“ (WELT.de)

Erstaunlicherweise widersprechen die WELT-Interviewer, was sonst in dieser klaren Form nie vorkommt:

„Da irren Sie sich. Es gibt bei Marx sehr wohl diese Gesetzmäßigkeit.“

These und Antithese, das wäre ein interessanter Beginn eines Dialogs, der nun fortgesetzt werden müsste durch Argumente, die die jeweilige Behauptung begründen könnten. Einer beginnt mit seinen Argumenten, die vom Anderen unter die Lupe genommen werden müssten – bis entweder Einverständnis erzielt oder das Ganze ergebnislos abgebrochen werden müsste. Dann wäre die andere Seite an der Reihe, ihre Behauptung zu beweisen.

Nichts davon im WELT-Interview. Wagenknecht quasselt ungerührt weiter, als ob sie den Widerspruch gar nicht gehört hätte. Auch die Interviewer denken nicht daran, ihre Gesprächspartnerin nach Argumenten zu befragen: an welche Äußerungen denken Sie, wenn Sie die historische Determination bei Marx leugnen? Umgekehrt hätte die WELT jene Zitate anführen müssen, aus denen sich – nach ihrer Meinung – der geschichtliche Automatismus der Marx‘schen Geschichte ableiten ließe.

„WELT AM SONNTAG: Eben! Marx sagt aber, der Kapitalismus sei unverbesserlich.

Wagenknecht: Unsinn, so hat er das nie gesagt

WELT AM SONNTAG: Doch, das hat er …“

An dieser Stelle wird’s noch deutlicher. Behauptung und Gegenbehauptung müssten durch klare Textstellen belegt werden, wenn sie überzeugen wollten. Wenn grundlegende Begriffe nicht geklärt werden, sind alle Folgerungen auf Sand gebaut.

Fast alle Interviews und Talkshows in deutschen Medien haben keinen Erkenntniswert. Interessant sind sie nur unter dem psychologischen Aspekt, welche rhetorischen Finessen eingesetzt wurden, um die Gegner vor dem Publikum zu blamieren.

Ein Gespräch, das nicht der Wahrheitssuche dient, ist überflüssiges Plappern. Ein strenger Dialog ist keine Inszenierung, um Neugierige mit Sensationen zu delektieren. Wer bei methodischem Streiten nicht mitdenkt, langweilt sich schnell und schaltet ab. Talkshows sind nichts als zirzensische Amüsements, die die „niederen Instinkte“ der Schadenfreude und des hämischen Spotts bedienen.

Deformationen der Demokratien sind keine Erfindungen rechter oder linker Abweichler. Die Rechten und Linken sind empörte Reaktionsbildungen auf die kranken Stellen in der Mitte der Gesellschaft.

Lebt eine Demokratie von der Fähigkeit ihrer BürgerInnen, streng und methodisch zu streiten, dann ist sie defekt, wenn die Mitte der Gesellschaft über solche Kompetenzen nicht verfügt. Wie können moderne Nationen intakte Demokratien sein, wenn alle Institutionen von Wirtschaft, Sport, Medien bis zu Schulen und Universitäten autoritäre Reglementierungen sind? Wo wird Demokratie gelernt, wenn Anpassung mit Erfolg und Reichtum belohnt und Verweigerung mit gesellschaftlicher Ächtung und Armut bestraft werden?

In BILD ist – unkommentiert – ein krasses Bespiel zu lesen. Die Miete eines Hartz4-Empfängers wurde nicht mehr bezahlt, weil bei einer Wohnungskontrolle (!!) der Kühlschrank des Überwachten fast leer war. Arbeitslosigkeit oder -unfähigkeit werden in dieser Gesellschaft nicht nur mit Armut, sondern mit stasi-ähnlichen Demütigungen bestraft.

In China wird bereits die ganze Gesellschaft rund um die Uhr mit elektronischen Mitteln überwacht, kategorisiert und an die Kette gelegt. Es ist das Verdienst eines Proleten-Kanzlers, Vorformen der chinesischen Totalüberwachung beim deutschen Lumpenproletariat eingeführt zu haben. (BILD.de)

Auch die Bestrafung der Armut in westlichen Demokratien entspringt der Nächstenliebe des Evangeliums.

„Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“.

Das Pauluszitat, früher in kapitalistischen wie in sozialistischen Büchern die gemeinsame Grundlage des Malocher-Ethos, ist heute in keiner Kässmann-Predigt mehr zu lesen. Das „lebendige Wort Gottes“ besteht nur noch aus verbalen Leichen, die man schamhaft der Öffentlichkeit entzieht.

Den Schülern der Grundschulen wird in regelmäßigen Abständen Leseschwäche bescheinigt. Ist das verwunderlich, wenn selbst Erwachsene zwar Buchstaben entziffern, aber keine Texte mehr lesen können? Ihre Leseschwäche wird ihnen im frühzeitigen Religionsunterricht eingebleut. Was sie lesen, verstehen sie nicht – wenn es anstößige Stellen sind, an den sie Anstoß nehmen. Also werden sie an ihrer Denk- und Lesefähigkeit irre, begnügen sich mit oberflächlichem Twittern und hastiger Lektüre reißerischer Schlagzeilen.

Die Kirchen gehen hausieren mit unüberbietbaren Liebesgeboten, die von niemandem kontrastiert werden mit schaurigen Verfluchungen und Verdammungen, die man von der ersten bis zur letzte Seite in Heiligen Büchern lesen kann. Da in Deutschland fast jeder Christ sein will, selbst, wenn er der Kirche Lebewohl gesagt hat, ist er stolz auf das ethische Weltmeisterniveau seiner Herzensreligion – dabei weiß er so gut wie nichts über diese Religion.

In Amerika gab es keine historisch-kritische Entmythologisierung der Schrift. Neucalvinisten folgen noch immer dem lutherischen Motto: das Wort, sie sollen lassen stahn. (Luther selbst hielt sich nicht daran. Das Jakobus-Evangelium und die Offenbarung des Johannes waren für ihn minderwertige Schriften, deren Aussagen er ignorierte.)

Das führte zu einem gewaltigen kulturellen Unterschied. Amerikanischen Biblizisten ist die antinomische Moral der Schrift zur zweiten Natur geworden. Hier muss keine nächstenliebende Show gespielt werden, um demütiges Dienen ins rechte Licht zu rücken. In seiner Verachtung der Welt ist Trump den Fundamentalisten ein glaubwürdiges Vorbild, denn eben diese Verachtung der Welt kennen sie aus ihrer täglichen Bibellektüre.

Anders in Deutschland, wo die christliche Religion mehr aus den Augen einer aufgeklärten Humanität gesehen – und verfälscht wird. Doch niemand bemerkt diese Verfälschung, nicht einmal die Theologen sind sich der kleinsten Sünde bewusst. Warum? Weil sie nicht lesen können. Sie können Buchstaben entziffern. Wenn aber eine Textstelle ihrer politischen correctness widerspricht, wird sie solange kreativ bearbeitet, bis sie ihren Wünschen entspricht.

Die Bitte des Vaterunsers: und führe uns nicht in Versuchung, empfindet der Papst so anstößig, dass er sie streichen lassen wollte. Protest kam von deutschen Bischöfen, die elegantere Methoden der Fälschung kennen: eine neue Interpretation – und der Fall ist erledigt.

Was ihre kryptische Religion betrifft, leben die Deutschen in einer imaginären Welt. In Deutschland gibt es eine gewaltige Kluft zwischen Schein und Sein, weshalb sie Trump so widerwärtig empfanden, weil er diese Kluft nicht zu kennen scheint. In voller biblischer Rückendeckung lässt er die Sau raus.

Auch hierzulande gibt es das volle Programm der religiösen Amoral – aber im Modus der Totalverschleierung. Auf der einen Seite sporadische Barmherzigkeitspolitik, auf der anderen kalte Gleichgültigkeit gegen ertrinkende Flüchtlinge bis zum glühenden Hass gegen diejenigen, die unsere deutsche Leitkultur zu verdrängen scheinen.

Für junge Amerikaner, die die Werte demokratischer Menschenrechte mittlerweilen mehr zu schätzen gelernt haben als die altväterliche Verfluchung der Ungläubigen, ist es besonders bitter, sich als Opfer einer alttestamentarischen Gesellschaft zu erleben. Sie müssen erfahren, dass der oberste Staats- Repräsentant ihre Forderungen mit gnadenlosem Zynismus ins Gegenteil verkehrt. Das Böse kann man langfristig nicht mit Kraft überlegener Menschlichkeit besiegen, sondern nur mit einem Schnellfeuergewehr.

Da Religion hierzulande ein offizielles Tabu darstellt, werden alle religiösen Ursachen des demokratischen Verfalls kollektiv verleugnet. Selbstredend auch im Vorbildland Amerika. Weshalb die dort existierende vorbildliche Religionskritik genau so ausgeblendet wird wie die einheimische. Ein wesentlicher Grund für die Faktenverkümmerung der journalistischen Erkenntnissuche.

Wenn ein Journalist gelegentlich vom problemlösenden Furor gepackt wird, greift er nie zu Büchern. Er macht sich auf Spurensuche, um äußerliche Fakten aufzuspüren. Schon gar nicht sucht er in der Vergangenheit. Das Vergangene ist das Alte, das in einer futurischen Gesellschaft nicht mehr existiert.

Es sollte niemanden mehr verwundern, dass das viel gerühmte Buch „The Evangelicals“ der Journalistin Francis Fitzgerald hier so gut wie unbekannt ist. Aus einem Artikel des Humanistischen Pressedienstes:

„Die USA erleben unter Donald Trump einen konservativen Rollback sondergleichen, der wenig verdeckt von christlichen Fundamentalisten vorangetrieben wird. Pulitzerpreisträgerin Frances FitzGerald legt mit "The Evangelicals" eine umfassende Geschichte der weißen evangelikalen Bewegung vor und hat damit eines der Bücher der Stunde verfasst. Die Kritiker in den USA sind begeistert. FitzGerald zeigt in ihrem Buch auf, wie der ursprüngliche Gedanke vieler erzkonservativer Protestanten, eine strikte Trennung von Staat und Kirche zu erreichen, weil keine weltliche Instanz an Gottes Reich heranreiche, im Laufe der vergangenen 150 Jahre ins Gegenteil verkehrt wurde. Eine andere Ikone der rechtskonservativen Evangelikalen, der politische Berater Billy Graham, wurde zum wichtigsten religiösen Einpeitscher der republikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Richard Nixon und George W. Bush sowie des demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson. Robertson und Graham sind Schlüsselfiguren für den ideologischen Wandel von der Trennung von Staat und Religion hin zu einer Unterwanderung des Staates durch religiöse Akteure und deren Agenda. m Ende landet sie bei dem Phänomen, die auch Beobachter außerhalb Amerikas in den vergangenen Jahren beschäftigt haben: beim Aufstieg der christlichen Rechten, der Neocons und Tea-Party-Bewegung. Donald Trump ist, seinem überwiegend säkularen Lebensstil zum Trotz, von einer überwältigen Mehrheit der Evangelikalen (81 %) ins Amt gehoben worden, nachdem die christliche Rechte jahrelang die Republikanische Partei unterlaufen und ihre Agenda in deren Strukturen hat einsickern lassen. Trump hat ihnen im Gegenzug zu Beginn seiner Amtszeit in Aussicht gestellt, das Johnson-Amendment zur Trennung von Staat und Kirche zu «zerstören»." (hpd.de)

Unglaublich, aber wahr: in Deutschland wird Trump zum religionslosen Polit-Hallodri verfälscht. Weil der Milliardär nicht die Demutsgebärde einer dienenden deutschen Gottesmagd beherrscht, kann er nicht religiös sein.

Trump treibt den amerikanischen Erwähltheitsglauben bis zum Exzess. Genau dies würde bedeuten, dass der Höhepunkt der theokratischen Regression bald überschritten sein könnte:

„Auf den letzten Seiten lässt die Historikerin ein kleines Licht der Hoffnung aufscheinen. Trump und seine Administration seien der Beleg dafür, dass der Bogen überspannt sei. Die verzweifelte Do-it-yourself-Politik des Immobilienmoguls sei das letzte Aufbäumen einer Bewegung, die sich im Moment ihres größten Erfolgs schon wieder im Zerfall befinde. Die Zahlen der Evangelikalen seien ebenso rückläufig wie der Einfluss protestantisch-charismatischer Figuren oder evangelikaler Organisationen.“

Die Religionskritik der Francis Fitzgerald ist kein Einzelfall. Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Marilyn French das Buch „Jenseits der Macht“ geschrieben, wo sie feststellt:

„Das Dogma der Dreieinigkeit ist wohl bis heute der vollkommenste Ausdruck des männlichen Triumphes über die Verdrängung der Frauen aus der menschlichen Kultur.“

Wenn es um Beendigung der weiblichen Entwürdigung geht, darf MeToo nicht das letzte Wort der Emanzipation der Frau sein. Warum haben christliche Männer keine Bedenken, Frauen wie unmündige Gespielinnen zu betrachten? Weil sie von Priestern gelernt haben: Männer sind die Krone der Schöpfung – und Frauen ihre Gehilfinnen, die ihr Dasein nur rechtfertigen können durch Aufblicken zum Mann, der ihnen den Weg ins Goldene Jerusalem zeigen kann.

Die Wiederkehr der Religion in den westlichen Staaten ist die Wiederkehr des Hasses der Gläubigen gegen die Ungläubigen, der Guten gegen die Bösen. Der Westen wird seine Probleme nur bewältigen, wenn er seine Religion einer radikalen Kritik unterwirft. Hier geht es nicht um privates Fürwahrhalten, hier geht es um die Transformation religiöser Weltverachtung in planetarischen Welthass.

„Der heilige Bernhardin von Siena erklärte, dass im Himmel Vollkommenheit herrschen müsse und keine Vollkommenheit erreicht werden könnte, wenn nicht «das Klagen der Verdammten vernehmbar sei. Nur eine Handvoll Menschen wären gut genug, um erlöst zu werden. Die große Mehrheit aber würde in die Hölle verbannt.» Dies war die offizielle Auffassung der Kirche.“ (Barbara Walker)

Man nehme diese religiösen Aussagen und verwandle sie in politische – und man wird das Ziel erkennen, das die führenden Politiker des Westens anstreben.

Wer nicht alles unternimmt, um den Produzenten der Hölle für 99PROZENT der Menschheit das Handwerk zu legen, macht sich schuldig an Mensch und Natur.

 

Fortsetzung folgt.