Umwälzung XVI

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XVI,

in Indien fehlen 63 Millionen Frauen. Irgendwie abhanden gekommen? Zufällig und absichtslos verloren gegangen? Oder mit Absicht ausgemerzt und vernichtet?

„Das verzerrte Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen kommt vor allem durch geschlechtsspezifische Abtreibungen sowie eine bessere Ernährung und eine bessere medizinische Versorgung der männlichen Nachkommen zustande.“ (BILD.de)

63 Millionen: das ist ein ganzes Volk. Abgetrieben, gar nicht erst gezeugt, verächtlich behandelt, lieblos erzogen, den Männern unterstellt, entrechtet, verstümmelt, getötet, verbrannt. Wir leben im Jahre des HERRN 2018.

Der HERR ist das Ich-Ideal der Männer, die die Welt beherrschen. Alles, was mächtig und reich ist, sieht männlich aus, denkt und handelt männlich – und ist es auch: ein männliches Abbild des HERRN.

„Jede Woche ereignen sich in Afghanistan abscheuliche Verbrechen an Frauen und Mädchen wie kürzlich die Enthauptung einer 20-Jährigen durch einen Verwandten: Die junge Frau soll sich geweigert haben, sich auf Geheiß ihrer Schwiegermutter zu prostituieren. Nur die wenigsten der vielen ähnlichen Fälle schaffen es in die internationalen Medien. Fakt ist aber: 80 Prozent aller Afghaninnen jeden Alters sind tagtäglich Gewalt ausgesetzt, ausgeführt zum allergrößten Teil von Ehemännern, Brüdern, Onkeln. Geschlagen wird aber auch von Müttern und anderen weiblichen Verwandten. Sima Samar setzt sich seit Mitte der 1980er Jahre für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen in Afghanistan ein. Elf Jahre nach dem Einmarsch der Nato in Afghanistan leiden diese nach wie vor unter den repressiven Strukturen, unter Folter, Vergewaltigung und Unterdrückung. (TAZ.de)

Was tut die BRD unter Leitung einer Frau, die pure Männerpolitik ...

... betreibt?

„So lagen die deutschen Ausgaben für den Zivilaufbau bis 2010 mit rund einem Viertel der Gesamtkosten weit unter den Militärausgaben, und nur ein (!) Prozent dieser Gelder wurden in Frauenprojekte investiert. In ihren neuen Leitlinien, die seit September den politischen Umgang mit „fragilen Staaten“ wie Afghanistan ressortübergreifend definieren sollen, heißt es: weniger Demokratieexport, mehr Beachtung lokaler Traditionen und Machtstrukturen! Berlin will bei der Stabilisierung fragiler Staaten künftig an lokalen Legitimationsvorstellungen und Traditionen anknüpfen. Was aber heißt das für die afghanischen Frauen, die bislang in allen Gremien des Landes dramatisch unterrepräsentiert sind, deren politischer Beteiligungswille in der Öffentlichkeit mit Schmähung, Verfolgung und Gewalt klein gehalten wird?“

Die Taliban werden geschont, die aufbegehrenden Frauen der Religion und Gewalt ausgeliefert. Heimlich, still und leise haben die deutschen HERREN – unter ihnen eine Verteidigungsministerin – ihre politischen Richtlinien geändert. Zurück ins Reich der Frauenhasser. Der HERR soll triumphieren, von Washington über Moskau, Peking, Berlin bis Kabul.

Das Ergebnis des NATO-Einsatzes in Afghanistan ist niederschmetternd:

„Elf Jahre erfolgloser Nato-Einsatz stellen unmissverständlich unter Beweis: Diese Art der Hilfestellungen war nicht hilfreich, die bestehenden politischen Rollen- und Legitimationskonzepte konnten bislang keinen nachhaltigen Frieden tragen.“

Die Welt muss umgewälzt werden. Vorwärts in eine frauengeprägte Völkergemeinschaft. MeToo? Auf jeden Fall. Doch das ist viel zu wenig. Würde MeToo sich auf alle Problemfelder des HERRENimperiums beziehen, in denen Frauen entehrt, geschändet und entwürdigt werden – wäre die Welt eine andere. Monika Hauser, die Medica-Mondiale-Chefin fordert in der TAZ:

„Frieden, Sicherheit und Entwicklung sind in dieser Welt nur möglich, wenn auch Geschlechtergerechtigkeit verwirklicht wird. Schauen Sie sich an, wie viel Armut besonders unter Frauen herrscht, dass Frauen ihrer reproduktiven Rechte beraubt werden, wie viel sexualisierte Gewalt es gibt: Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Frauenhandel. Das alles wird durch kriegerische Konflikte verstärkt und hat fatale Konsequenzen für die psychische und physische Gesundheit von Frauen. Damit ist klar, dass ein großer Teil der Frauen in den jeweiligen Ländern weder für den Wiederaufbau noch für Demokratisierungsprozesse zur Verfügung steht. Das kann sich keine Gesellschaft auf Dauer leisten.“ (TAZ.de)

Sind Frauen die besseren Menschen? Wie kann man die Frage besser beantworten als durch das Zaubermittel der Moderne – durch objektiven Wettbewerb? Lasset die Frauen solange die Macht übernehmen, wie Männer sie an sich gerissen haben: dann reden wir uns wieder. Das dauere zu lange? Och, die Zeit einer matriarchalen Generation würde ausreichen, um den HERREN den Star zu stechen.

Hauser: „Es geht ja nicht um eine biologisch begründete Friedfertigkeit. Die meisten Frauen haben ein massives Interesse an zivilem Wiederaufbau ihrer zerstörten Länder und an funktionierenden Strukturen, weil sie die Kinder erziehen Insgesamt geht es darum, überhaupt Sichtweisen und Forderungen von Frauen für einen gelingenden Friedensprozess in den Verhandlungen einzubringen. Deshalb kommt es auch weniger darauf an, dass ich jetzt die eine richtige Frau oder den einen richtigen Mann hier und dort habe, sondern es geht darum, dass Länder eine systematisch höhere Geschlechtergerechtigkeit brauchen.“

Frauen werden überall begrapscht und misshandelt. Körperlich, seelisch, politisch, wirtschaftlich, kinderzeugend und -erziehend. Die Welt ist alles, was der Phallus ist: Fortschritt zum Untergang, technischer Größenwahn, Begabung und Genie in Machtdingen, Zerschlagung der Natur.

Warum wurde Trump gewählt? Weil er es den Frauen zeigte. Rückkehr zur Religion ist Kampf gegen das Weib. Hillary fanden die Frommen schlechtweg unerträglich, weil sie eine Frau war. In Gottes eigenem Land haben Frauen Gehilfinnen des Mannes zu sein. „Denn nicht stammt der Mann aus der Frau, sondern die Frau aus dem Mann. Denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.“

Nicht stammt der Mann aus der Frau. Das Prinzip der Geburt, der Herkunft des Mannes aus der Frau, wird von den HERREN verleugnet. Sie wollen alles selbst erschaffen haben. Ihre Kinder sind ihre Maschinen, die klüger werden sollen als sie selbst. Wenn sie sich Maschinen unterwerfen, unterwerfen sie sich nur ihresgleichen. Das ist nicht ehrenrührig. Ehrenrührig ist nur, die natürliche Überlegenheit der Frau anzuerkennen.

„Bei den Männern ist Menschsein identisch mit Herrschaft, Herrschaft ist die Gegenkraft zur Natur.“

Betrachten wir die Amerikaner, die sich von Adam ableiten. Nicht von Adam nach dem Sündenfall, der zum Leidtragenden einer aufmüpfigen Frau wurde. Sondern von Adam vor dem Sündenfall:

„Derjenige ist ein Amerikaner, der, indem er alle seine alten Vorurteile und Gebräuche hinter sich lässt, neue aus der neuen Lebensweise erhält, die er bereitwillig angenommen hat. Der Amerikaner ist der neue Mensch, der nach neuen Prinzipien handelt; er muss daher neue Ideen schmieden und neue Ansichten entwickeln. Die Loslösung von dem als dekadent oder korrupt erlebten alten Europa bedeutete die Möglichkeit eines völligen Neubeginns: Diese Vorstellungen verbanden sich mit dem gleichsam mythischen Archetyp des „American Adam“, der auch in der Moderne direkt an den Adam vor dem Sündenfall anknüpfen könne.“ (Jean de Crèvecoeur)

Adam vor dem Sündenfall ist Adam ohne Eva. Weg mit den Evas und ihrer Sündenbrut. Die frauenverseuchte Natur muss vertilgt werden zugunsten einer klinisch gereinigten neuen Männernatur. Der Amerikaner, Urbild des Menschen, schaut nicht zurück ins desolate Europa. Er fängt alles von vorne an. Die Vergangenheit ist passe. Auch die Amerikaner fühlten sich in einem „Dritten Reich“, einem zweiten Land Kanaan. Im Endreich ist die Sünde überwunden. Der Erfolg auf Erden ist ein von keiner Sünde beflecktes Zeichen der Erwählung.

„Eifer und Fleiß sind die siegreichen Feinde der Sünde und des Satans. Sie vertragen sich nicht mit der Sünde. Eifer verbrennt Gier, Lüsternheit, Stolz und Sinnlichkeit. Die Wertschätzung des Puritaners für die Tugenden ist Ausdruck seines Glaubens, dass sittliche Kräfte, anstatt in einem getrennten, eigenen Reich zu wirken, die Natur und die Geschichte lenken. Durch seinen sittlichen Willen hoffte der Puritaner, den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse bestimmen und das Böse nicht nur in seinem eignen Innern, sondern durch seine Person in der weiten Welt besiegen zu können. Nach dieser Philosophie hat es der Mensch sich selbst zu verdanken, wenn er reich ist: ist er aber arm, muss er sich selbst dafür tadeln. Der reiche Mann ist Gegenstand des Lobes; ein armer Teufel zu sein, ist kein Unglück, sondern eine Schande.“ (Ralph Barton Perry, Amerikanische Ideale)

Während das deutsche Luthertum sünden- und gnadengeprägt war, ist der Vorherbestimmte à la Calvin vom Sündenfall kaum berührt. Ist er nämlich prädestiniert, kann die Sünde ihm nichts mehr anhaben.

Das ist der riesige Unterschied zwischen Amerika und Europa. Die Amerikaner knüpfen an Adam vor dem Fall, die europäischen Sündenkrüppel an Adam nach dem Fall. Weil die Amerikaner mit der Abschüttelung Europas glaubten, in den Stand der Unschuld gelangt zu sein, kennen sie nicht die taten-zerstörende Skrupulosität der Europäer, die die Sündhaftigkeit ihres Tuns ständig mitbedenken müssen.

Amerikaner können „naiv, kindlich und unbefangen“ von vorne beginnen. Um eine sündenbelastete Vergangenheit müssen sie sich nicht kümmern, denn sie haben keine. Deshalb die absolute Negation der Vergangenheit – und die Anbetung der Zukunft.

Amerikaner kennen keine augustinische Zweireichelehre, synchron im Reich des Teufels und im Reiche Gottes zu leben. Makellos leben sie im neuen Land Kanaan. Ohne lästige Hypotheken vergangener Schuld. Zwar haben sie die Urbevölkerung ausgerottet – doch von kollektiver Schuld und Sühne wollen sie nichts wissen.

Daher der „oberflächliche optimistische Glaube“ an ihre Fähigkeiten, alle Grenzen des Natürlichen zu überwinden, den Weltraum zu erobern und unsterblich zu werden. Trump ist ein paradigmatischer Adamist, der kein Sündenbewusstsein zeigt, weil er in seinen eigenen Augen gar kein Sünder ist. Non posse peccare: sie sind Neugeborene von Natur aus und können nicht sündigen.

Die deutschen Nazis beneideten die Amerikaner um ihre paradiesische Unbefangenheit, die nichts zu verbergen hatte. Deshalb die verkrampften Bemühungen der Deutschen, ihre antisemitischen Grausamkeiten vor ihren eigenen Anhängern zu verbergen. Deshalb die geheimen Bemühungen eines Himmler, seinen Leuten ein unbeflecktes Zeugnis auszustellen.

Amerikaner fühlen sich von ihrer Vergangenheit nicht belastet. Sie glauben an die Realisierung des amerikanischen Traumes – die Erringung der Seligkeit – bereits auf Erden. Voraussetzung des paradiesischen Beginns ist die Ausrottung der Heiden und Ungläubigen. Das liegt für die Amerikaner bereits so weit zurück, dass die Traumindustrie in Hollywood ihre Schuld in heroische Taten umwandeln konnte. Cowboys waren keine Schlächter der Eingeborenen, sondern Glaubenshelden, die das verheißene Land Kanaan mit dem Segen des Herrn eroberten. Nicht die Weißen waren teuflische Täter, es waren ihre Opfer, die vom Bösen besessen waren.

Deutschland hat seine Holocaust-Denkmäler, Amerika hat – auch seine Holocaust-Museen, die seine Schuld an den Indianern überdecken sollen. Die amerikanisch-jüdische Symbiose beruht auf Verdrängung der Geschichte wie auf der trügerischen Hoffnung der Amerikaner, die Juden werden demnächst den christlichen Glauben übernehmen, damit der HERR seine Wiederkehr im Goldenen Jerusalem feiern kann.

Unauffällig streift die deutsche Kanzlerin ihr lutherisches Sündenbewusstsein ab. Daher ihre Skrupellosigkeit, sich an kein Wort gebunden zu fühlen. Sie wird täglich amerikanischer. Ihr „unaufgeregtes“ Wesen ist die Haltung einer sich keiner Schuld bewussten Neugeborenen. Von daher ihr geradezu amerikanischer Optimismus: das schaffen wir. Und sollten es die Deutschen nicht schaffen, wird sie sich ein neues Volk suchen, das ihre Präsenz mehr zu würdigen weiß.

Sollte Merkel eines Tages ihren Abschied nehmen, werden die Deutschen erleichtert sein – und dennoch in ein tiefes Loch fallen. Ihre nie zweifelnde Siegesgewissheit konnte die deutschen Selbstzweifel in hohem Maße besänftigen. Von german Angst spricht schon lange niemand mehr. Kein männlicher Schnellsprecher wird Merkels Fähigkeit simulieren können.

Obgleich es in Amerika wunderbare Feministinnen gibt, ist der Kontinent der männliche Gegenpol alles Weiblichen.

Das Weibliche ist Kontinuität alles Vergangenen und die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu leben. Die Gegenwart ist das nunc stans, das erfüllte Jetzt ihres Lebensgefühls. Weil Mütter im Hier und Jetzt leben, müssen sie ihre Gegenwart nicht der Zukunft opfern.

Männer sind unfähig, ein sattes Leben zu führen. Das Ziel ihres Lebens verschwindet vor ihnen in einer phantastischen Zukunft, einem anderen Wort für das geglaubte Jenseits. Alles, was sie tun, müssen sie opfern, um unbelastet von der Vergangenheit, die Zukunft zu gewinnen.

Das heutige Modewort ist disruptiv. Es kann keine ungebrochene Kontinuität oder stete Entwicklung geben. Männlicher Fortschritt ist ein Bruch, Schumpeter sprach von schöpferischer Zerstörung. Er hätte von furchtbarer Zerstörung reden sollen. Die Gewinnung der Zukunft, so Merkel, kann ohne elementare Störung nicht erfolgen. Zerstörung des Alten, um das Neue zu gewinnen, ist das Credo der Erlöser und all seiner männlichen Plagiatoren. Siehe, das Alte ist vergangen, alles ist neu geworden. Das Alte ist das Weibliche, das vergangene Reich der Mütter, die die Linie des ununterbrochenen Lebens darstellen.

Merkel betet die Disruption der Männer und deren Glauben an eine Erlöserzukunft an. Deshalb ihre Zusage, die Schwachen an die Hand zu nehmen. Dabei weiß sie, dass jedes Neue, das auf Vernichtung des Alten beruht, wenige Sieger und viele Verlierer produziert.

Das weibliche Prinzip ist lebendige Kontinuität und die Fähigkeit, alle Befriedigung nicht ständig an einen Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Im Jetzt und Hier wollen sie leben, lieben und sich ihres Daseins freuen.

Die Maxime der Männer ist Verschieben aller Lebenserfüllung ins Unbestimmte und Grenzenlose. Unterwegs sein ist alles, das Ziel ist nichts: so hetzen sie von Augenblick zu Augenblick, jedes Glück fürchtend wie die Pest. Glück und Zufriedenheit sind für sie Todfeinde aller harten Arbeit und allen Leistungswillens, den Rivalen im Wettbewerb zu besiegen.

Wie es eine Prokrastination der Pflichten gibt – das zwanghafte Aufschieben bestimmter Aufgaben in die Zukunft – so gibt es eine Prokrastination des erfüllten Lebens. Es ist Lustangst oder die Furcht, ein glückliches Leben nicht verdient zu haben.

Streben nach Glück steht in der amerikanischen Verfassung. Was eben nicht bedeutet: das Erlangen von Glück, sondern das ewige Hinterherjagen. Streben nach Glück war eine Formulierung des Philosophen Locke, der Glück mit Besitz verband, den man unermüdlich vergrößern sollte.

Das sind die zwei Pole des amerikanischen Lebens zwischen adamitischer Unbefangenheit – und ewigem Hinterherjagen nach dem Glück, das man nie erreichen darf. Von daher der Zwang zur unaufhörlichen Konkurrenz. Wenn man das Ziel des glücklichen Lebens nie erfahren darf, muss man die ganze Welt in den Schatten stellen, um seine Überlegenheit als Glücksersatz zu empfinden. Der Vergleich mit Schwächeren muss die Illusion des geglückten Lebens vorgaukeln.

Das Scheinglück der Kapitalisten beruht auf der systematischen Zerstörung des wirklichen Glücks im Hier und Jetzt. Die zwanghaften Glücksverschieber müssen die Gegenwart opfern, um die Zukunft zu gewinnen. Das Glück der Zukunft beruht auf der Opferung der Gegenwart.

Das ist die Gemeinsamkeit des Kapitalismus und des marxistischen Sozialismus. Das Reich der Freiheit zerrinnt zwischen den Händen, wenn man glaubt, es betreten zu haben. Jede Kritik an der Gegenwart wird zurückgewiesen mit Verweis auf eine ominöse Zukunft. Die Generationen der Gegenwart müssen sich opfern, um ihren Nachkommen die Illusion der Erfüllung in einer ewig verziehenden Zukunft zu erhalten.

„Trotzki war bereit, das Leben seiner Angehörigen und Anhänger, Komfort und Seelenfrieden, die Annehmlichkeiten politischer Macht in dieser Welt und sogar sein eigenes Leben zu opfern, um sein „Paradies“ zu verwirklichen. Auch in Marxens Welt war kein Raum für Liebe, Mitmenschlichkeit oder Selbstkritik. Er wünschte, dass die Menschheit mit sich versöhnt und glücklich sein sollte, aber dies schob er zur Erreichung der Synthese auf, in der Gegenwart glaubte er nicht an menschliche Brüderlichkeit.“ (Marilyn French)

Kapitalismus und Sozialismus sind identische Heilsgeschichten, die die Erfüllung des Lebens in eine nie eintretende Zukunft verschieben. Nicht anders, als Christen die Wiederkehr ihres HERRN ständig ins Nebulöse verschieben müssen. Das Grundgesetz der Moderne lautet: das Glück im Hier und Jetzt muss geopfert werden, um eines in der Zukunft verfließenden Fata-Morgana-Glücks willen. Da, wo du nicht bist, da ist das Glück.

Von daher rührt auch der immer heftigere Kampf der Generationen. Die Jungen werfen den Alten vor, zunehmend auf ihre Kosten zu leben, die Alten den Jungen, undankbar zu sein und ihnen keinen geruhsamen Lebensabend zu gönnen. Wer darf wen opfern?

Der zwanghafte Bruch gilt nur für die unteren Klassen. Die Führungsklassen nähern sich einer bruchlosen Kontinuität. Ihre Abhängigen behandeln sie nach dem Motto: teile und herrsche. Ohne Opfer geht es nicht, so die Ideologen der Eliten, es werden immer nur Einzelne sein, die den Aufstieg und unerbittlichen Konkurrenzkampf bestehen werden.

Diametral im Gegensatz zum darwinistischen Auswahlverfahren durch Zerrüttung des Erreichten steht das schlichte weibliche Prinzip:

„Frauen bringen die Kinder zur Welt und ernähren sie, sorgen für den Unterhalt und auf der ganzen Welt für den Fortbestand der Menschen.“ (French)

Warum sollten Frauen ausgerechnet die Lebewesen, die sie unter Schmerzen geboren haben, durch Kriege, Elend und Hungersnöte vernichten wollen? Warum sollten sie das Glück der Kinder opfern, um einer nebulösen Zukunft willen? Frauen leben in der Gegenwart. Keine Frau würde Fausts Verfluchung des schönen Augenblicks unterschreiben.

Männer fürchten die Glücksüberlegenheit der Frauen, weshalb sie alles daransetzen, sie ihrer kapitalistischen Macht zu unterstellen. Die Macht der Männer besteht vor allem darin, die Kinder der Frauen auseinander zu dividieren, sich die Besten zu ihren Zwecken gefügig zu machen und die Anderen dem Orkus zu überlassen. Wie ihr himmlischer HERR sie auswählt, so wählen sie die Kinder der Frauen aus. Zwar sind es auch ihre eigenen Kinder, doch ihre lebenslange Abwesenheit hat jede verlässliche Beziehung zu ihnen unterminiert.

Schulen sind Stätten der unerbittlichen Auswahl. Galt bis eben, alle Kinder sollten durch Bildung gleiche Startchancen erhalten, gilt ab heute das uralte Auswahlsystem: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Schluss mit der sinnlosen Förderung der Unbegabten. Ab jetzt ruht das wohlwollende Auge der Berliner Regierung auf jenen, die am meisten dazu beitragen können, die Wettbewerbsfähigkeit der Nation zu stärken. Gefragt sind wieder männliche Genies und technische Begabungen. Der unbegabte Rest soll zum Teufel gehen. Weibliche Fähigkeiten – belanglos und unerwünscht.

„Bisher seien vornehmend leistungsschwache Schüler gefördert worden, sagt Bildungsministerin Wanka. Die Initiative "Leistung macht Schule" soll nun langfristig Begabten mehr Chancen geben. Im internationalen Vergleich habe Deutschland bei der Begabtenförderung Nachholbedarf.“ (Tagesschau.de)

Johanna Wanka, hochbegabte Mathematikerin, heißt die Ministerin für Bildung und Forschung, die im Auftrag einer hochbegabten Physikerin im Kanzleramt den Weizen von der Spreu trennen soll. Die Kinderlein sollen frühzeitig ihrer schädlichen Überbehütung entrissen werden und lernen, wo Kaeser, Müller, Zetsche und Co die Peitsche schwingen. Das Leben ist nicht zum Vergnügen da.

Eben noch sollten die Kinder Demokratie in der Schule lernen. Doch das ist Tand. Gibt es etwa Hochbegabte in Demokratie, Solidarität und Verantwortung-Ausüben?

Psst, Kinder, wer kann Englisch, wer Russisch? Wer kann Ellenbogen? Wer kann am besten betrügen? Der kommt zu VW ins Gaslabor.

Wieder einmal grapschen die Männer, in der Maske der Bildungstechnokraten, nach den Seelen der Kinder, um deren Mütter gnadenlos zu blamieren. Worauf warten wir noch? Die Ära der Männer ist abgelaufen.

 

Fortsetzung folgt.