Neubeginn C

Tagesmail - Freitag, den 22. Dezember 2017

Hello, Freunde des Neubeginns C,

Es kommt ein Schiff,
geladen bis an sein' höchsten Bord

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß’ Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben.

Die westliche Kultur, ein Schiff, mit Beute überladen bis an den höchsten Bord – ach, nennen wir es Santa Maria – versinkt nicht einfach. Bevor es kentert und absäuft, will es gesiegt haben. Es kriegt den Bauch nicht voll, muss die ganze Welt verschlingen. Und dann?

Dann Nichts. Schluss mit lustig, Abfahrt nach unten, wo das Tier, das Untier, lauert: ein bezauberndes Wesen aus Drache, Krokodil, Schlange und Wal – ach, nennen wir es einfach Leviathan. Ein Gott hat es geschaffen, um sich die unendliche Zeit zu vertreiben.

„Da ist das Meer, so groß und weit, darin wimmelt es ohne Zahl. Da wandeln Ungeheuer, der Leviathan, den du gebildet hast, damit zu spielen.“

Mächtige Männer spielen gern mit Ungeheuern – heute Risiken genannt –, wie kann man sonst der Langeweile entgehen? Alle Tiere, die den Fehler begehen, ohne Zahl vorhanden zu sein, sind Ungeheuer, die zur überschaubaren Zahl gestutzt werden müssen. Upps, das hätten wir geschafft. Dieses Gewimmel hat erst mal ausgewimmelt.

Der stumme Frühling hat sich zum todesstillen Sommer, Herbst und Winter ausgeweitet. Natur muss verstummen, damit der Mensch vom eigenen ...

... Lärm betäubt werden kann.

Mächtige Männer machen sich an Kinder ran. Nein, nicht wie ihr meint. Sie schänden sie, indem sie die Kleinen zu Heilanden machen, die sie peinigen und martern, damit sie selbst davonkommen. Kinder werden geopfert, damit ihre Erzeuger gerettet werden. Unschuldige müssen Heilande werden, damit die Schuldigen am Sankt Nimmerleinstag auferstehen können.

Alle Kinder sind rein und unschuldig. Das hält keine Sau aus. Also müssen sie die Erwachsenen von ihren Sünden reinigen, indem sie ihr Leben lassen. Das Blut der Unschuldigen ist ein ganz besonderer Saft. Das müssen die in Silicon Valley erst mal nachmachen. Wer ein Kind als Heiland missbraucht, damit er selbst gerettet wird, begeht die schlimmste Kinderschändung.

Gibt es irgendwo auf Erden Männerkulturen, die ohne Kinderopfer auskamen? Als die Männer das Reich der Mütter zerstörten, mussten deren Kinder dran glauben. Die babylonischen Türme der Männerkulturen sind auf Kinderknochen errichtet. Früher tötete man sie einzeln, heute wird ihnen die komplette Zukunft genommen.

Der Fortschritt der Männer ist ein Gattungsverbrechen an allen Kindern. Die Tage der Alten sind gezählt. Wie sie noch stolz darauf sind, das Beste abgekriegt zu haben. Nach ihnen der Kindermord, begangen von gottähnlichen Tätern. Wenn Gott den eigenen Sohn opfert, werden seine Plagiatoren wohl dasselbe dürfen. Wozu Kinder, wenn sie Maschinen, Wissenschaft und Technik haben?

Natürlich leben wir in patriarchalischen Zeiten, wenn selbst Frauen nichts Besseres zu tun haben, als sich ihre Anerkennung in Männerwelten abzuholen, anstatt die Machtpaläste zu zertrümmern und eine menschliche Wirtschaft einzurichten. Die erkennt man daran, dass sie dem Menschen zu dienen hat.

„Das Patriarchat war eine Revolution gegen die Macht der Mütter, gegen die familiären Bande der Liebe, gegen emotionale Nähe und Verpflichtung. Der Gehorsam gegen einen jenseitigen Gott – der aus der Natur herausgelöst und herrschend über ihr steht –, drückt sich in der Bereitschaft aus, die größte Gabe der Natur, die eigenen Kinder, um seinetwillen zu vernichten. Als Beweis, dass Abraham nicht mehr der matrizentrischen Ordnung verhaftet ist, fordert Gott von ihm, dem heiligsten Grundsatz des matriarchalen Glaubens abzuschwören und sein eigenes Kind zu töten. Bei diesem Opfer wird das Kind der Mutter von einer höheren Macht auf Grund eines höheren Rechts gewaltsam entrissen.“ (French)

Abrahams Opfer, zuerst von Jahwe gefordert, erst in der letzten Sekunde abgewiesen, ändert nichts am Prinzip des Männergottes: „Macht steht über Natur, Töten über Gebären.“

Das ist Gottes Urversuchung, mit der er die Seinen testet. Der Papst will die Versuchung aus den Heiligen Texten streichen – oder neu übersetzen und umdeuten lassen –, weil er einen bösen Vater im Himmel nicht erträgt. Schon stehen deutsche Theologen mannhaft auf und fordern seine Frühpensionierung.

Die Machtfassaden bröckeln, der neue Virus der Ehrlichkeit spaltet auch vatikanische Männerhorden. Oh Trump, du Musterbild aller Schonungslosen und Aufrichtigen, wir danken Dir.

Ein echter deutscher Theologe, der die Abgründe Gottes wie seine Westentasche kennt, über die Anfechtung der göttlichen Versuchung:

„Mit dem Befehl, den Isaak zu opfern, scheint Gott seine immer wieder aufs neue wiederholte Verheißung zunichte zu machen. Die Erzählung von der „Opferung Isaacs“ lässt alle bisherigen Anfechtungen Abrahams hinter sich und stößt in jenen Bereich äußerster Glaubenserfahrungen vor, da Gott selbst als der Feind seines eigenen Werkes bei den Menschen aufsteht, da Gott sich so tief verbirgt, dass sich vor dem Verheißungsempfänger nur noch der Weg in eine Gottesverlassenheit zu eröffnen scheint. Doch derlei hat Israel in seiner Geschichte mit Jahwe erfahren und hat das Ergebnis ausgesprochen: Israel soll wissen, dass es sich in solchen Situationen, da Gott sich aufs Unerträglichste zu widersprechen scheint, um Versuchungen handelt, in denen Jahwe den Glauben prüft.“ (Gerhard von Rad, Theologie des Alten Testaments)

Gott, der Herzen und Nieren der Menschen kennt, muss den Glauben seiner Frommen prüfen, als ob er es mit unbekannten Aliens zu tun hätte. Gott verkleidet sich und will – hinter Maskierungen des Bösen – als Gott erkannt und angebetet werden. Doch halt: Er maskiert sich nicht. Er ist anders, als er sich sonst gibt – das übersehen die Apologeten des himmlischen Vaters. Nein, nicht gibt, sondern ist. Gott ist nicht der liebe und gütige Gott, den die Deutschen gern hätten. Er ist ein Doppelwesen, ein Januskopf, dessen beide Gesichter sich gegenseitig ausschließen müssten – wenn es um Eindeutigkeit ginge. Er ist ein ambivalentes Urwesen, das alles ist: das Gute und das Böse. Wenn aber das Böse als Gutes auftreten kann, muss Gott bitterböse sein.

Die von Griechenland ausgehende Reinigung der Moral, die Unterscheidung von Gut und Böse, das Ausscheiden des Bösen, ist bei Ihm nie angekommen. Diese heidnische Klärung, diese Weisheit der Welt, ist für ihn eine satanische Torheit, die er ad absurdum führen muss. Alles hat er erschaffen, das Gute und das Böse – ergo steht ihm alles zur beliebigen Verfügung.

Auch das Judentum kennt das Problem des „ganz anderen“ Gottes. Wie konnte ein allmächtiger Vater, der sein Volk liebt, solche schrecklichen Verbrechen wie den Holocaust zulassen? Ist er etwa doch nicht allmächtig? Die Ultraorthodoxen hegen nicht den geringsten Zweifel, dass Gott sein Volk bestrafen musste, weil es sich den Gojim in schändlicher Weise an den Hals warf – ausgenommen sie selber, die keinerlei Kompromisse mit der Welt schließen. Es waren die Sünden gottlos gewordener Glaubensverräter, für die das ganze Volk leiden musste. Hitler war nichts als ein Werkzeug Gottes.

Rabbiner Joel Teitelbaum, Leiter der Satmar-Bewegung:

„Wegen unserer Sündhaftigkeit haben wir schwer gelitten, Leiden so bitter wie Wermut, schlimmer als alles, was Israel kannte, seitdem es ein Volk ist … In früheren Zeiten, wann immer Übel Jakob befielen, wurde über die Sache nachgedacht und Gründe wurden gesucht – welche Sünde hat diese Übel hervorgebracht – so dass wir uns bessern und zurückkehren konnten zum Herrn, gesegnet sei sein Name … Aber in unserer Generation müssen wir nicht lange nach der Sünde suchen, die für unsere Misere verantwortlich ist … Die Häretiker haben auf jede erdenkliche Art die Eide gebrochen, um gewaltsam aufzusteigen und Souveränität und Freiheit durch sich selbst zu erlangen, vor der festgesetzten Zeit … (Sie) haben die Mehrheit des jüdischen Volkes in verderbliche Häresie gelockt, wie sie noch nie seit Erschaffung der Welt gesehen ward … Und so ist es kein Wunder, dass der Herr im Zorn einen Schlag austeilte … Und es gab auch gerechte Menschen, die untergingen wegen der Frevel der Sünder und Verführer, so groß war der (göttliche) Zorn.“ (Artikel Holocaust-Theologie in Wiki)

Hier tun sich Abgründe auf, die in der Antisemitismus-Debatte nie zur Sprache kommen. Wenn Hitler – wie Judas – nur das Werkzeug Gottes war: warum werden die NS-Schergen des Dritten Reichs verteufelt, als seien sie Feinde Gottes? Taten sie doch nur, was der Herr ihnen auftrug, ob sie wollten oder nicht. Sie dachten, den Juden Böses zu tun, in Wirklichkeit erfüllten sie den Willen Gottes.

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.“

Das Volk konnte nur erhalten werden, weil Gott – mit Hilfe beliebiger Marionetten – die schädlichen Teile des Volkes ausbrennen ließ, um die Kinder Gottes durch drakonische Maßnahmen zu reinigen. Hitler und die Deutschen waren Exempel einer List der Vernunft, der List eines Gottes, dem alle guten und bösen Mittel zur Verfügung stehen, um seinen Willen zu exekutieren. Würden Neonazis sich mit Holocaust-Theologie beschäftigen, könnten sie sagen: warum gelten die deutschen Henker als Feinde der Juden? Haben sie nicht den Willen Gottes vollstreckt?

Was ein Jude ist, bestimmt nicht der einzelne Jude, sondern der allgewaltige Rabbiner, der allen nichtgläubigen Juden vorwirft, das Elend des Volkes verschuldet zu haben. Nur ihretwegen hätte Jahwe Verbrechen zugelassen oder initiiert, um einen „heiligen Rest“ des Volkes vor dem Untergang zu bewahren.

Wer sich an Menschenrechten orientiert, für den ist diese Debatte belanglos. Kein Mensch ist Instrument eines Gottes, der ihn seines Weges führen kann. Wer aber die Urgefühle des deutsch-jüdischen Kain-und-Abel-Verhältnisses verstehen will, der muss zur Sache kommen.

In BILD bescheinigt der Historiker Wolffsohn den Deutschen einen durchaus guten Willen beim Bekämpfen des Antisemitismus. Eines aber fehle: das richtige Denken über die Judenfeindschaft:

„Im Kopf, also im Denken, finden wir die Hauptursache für die Unfähigkeit der politischen Klasse, Juden- und Israelfeindschaft zu bekämpfen. Sie denkt falsch. Wieder einmal gilt: Was falsch gedacht ist, kann nicht richtig gemacht werden.“ (BILD.de)

Was aber wird hierzulande falsch gedacht? Abstrakte Täter gäbe es nicht, sagt Wolffsohn. Was in Deutschland unterschlagen werde, seien die – muslimischen Judenfeinde.

„Was tun? Alle, nicht nur „die“ Politiker, Medien oder Wissenschaftler, sondern „die“ Gesellschaft muss das Hauptproblem der heutigen Judenfeindschaft erkennen, benennen und sich durch Taten zum Gegensteuern bekennen. Der „Kampf gegen rechts“ und Links außen ist wichtig und richtig, doch entscheidend ist das Benennen und das Bekämpfen des islamischen Antisemitismus.“

Zu Unrecht entlastet Wolffsohn die Deutschen, indem er den islamischen Antisemitismus in den Vordergrund rückt. Er unterschlägt, dass der traditionelle Islam wesentlich judenfreundlicher war als alle christlichen Staaten. Kam es in Europa zu Pogromen, konnten die Juden immer in muslimische Staaten flüchten. Dort waren sie keine gleichberechtigten Untertanen, aber ihres Lebens sicher.

Wenn heutige Muslime antijüdische Aktionen durchführen, kann dies mit einem traditionell dogmatischen Antisemitismus am wenigsten zu tun haben. Der Professor, der sonst immer großen Wert auf Fakten legt, sollte wissen, dass der Hass der Muslime – bestimmt nicht der meisten – sich auf den Staat Israel bezieht, der ihren palästinensischen Brüdern das Land raubte und ihnen bis zum heutigen Tag durch eine eisenharte Besatzungspolitik das Leben schwer bis unerträglich macht.

Ganz unumstößlich: die europäischen Juden, immer von aufflackernden Pogromen, zuletzt von einer deutschen Gesamtvernichtung bedroht, hatten das existentielle Recht auf einen nationalen Zufluchtsort.

Dieser jüdische Staat aber hätte die Einheimischen nicht als Feinde behandeln müssen, die ihnen angeblich verwehrten, das Terrain des gesamten ursprünglichen Heiligen Landes zu erobern. Die Majorität der ersten Zionisten war von friedlichen Absichten erfüllt. Erst die zunehmende Infiltration der Kibbuz-Gesellschaft mit Ultraorthoxen führte zur unversöhnlichen Feindschaft gegen die Palästinenser, die von manchen Fundamentalisten nicht mal als menschliche Wesen betrachtet werden.

In der Tat: in Deutschland ist vieles gut gemeint und falsch gedacht. Was aber ist falsch gedacht?

Darüber kein einziges sinnvolles Wort des Anklägers. Antisemitismus begann als religiöses Problem – und ist noch immer eins. Wenn auch scheinbar in säkulare Theorien übersetzt. Religion aber und ihre 1000 Jahre alten Verwüstungen sind in Deutschland ein Tabu. Rassismus ist nichts anderes als eine biologische Auserwähltheitsideologie.

Die Deutschen, wie fast alle europäischen Nationen, fühlten sich als das eigentlich auserwählte Volk. Da Gott sein ursprünglich erwähltes Volk verstoßen hatte, glaubten die Deutschen sich berechtigt, die Strafe Gottes an den Verstoßenen in Gehorsam vollstrecken zu müssen. Deutsche Christen und ultraorthodoxe Juden waren einer Meinung: die Juden mussten bestraft werden: a) weil viele Volksgenossen vom Glauben abgefallen waren, b) weil Gott das gesamte jüdische Volk aus dem Ölbaum entfernt hatte. Gewiss, Paulus hoffte bis zum seinem Tod, seine Volksgenossen werden eines Tages den Glauben an Christus finden. Aber Paulus war selbst Jude.

Noch die heutige Allianz zwischen dem fundamentalistischen Amerika und Israel beruht auf diesem Glauben. Eines nicht fernen Tages werden die Juden – so der Glaube des Bible Belt – Christus als ihren Herrn und Meister anerkennen. Dann wird es zur vereinigten jüdisch-amerikanischen Weltherrschaft mit der goldenen Hauptstadt Jerusalem kommen. Was aber, wenn die Juden sich erneut „verstockt“ geben und den Hoffnungen der Christen verweigern?

Erlöserreligionen sind Männerreligionen. Die westliche Kultur, die gerade dabei ist, die Führung der Welt zu verlieren, wird von unfehlbaren christlichen Männern dominiert. Zu ihrer sakral-säkularen ecclesia triumphans gehören Fortschritt, Verwüstung der Natur, Weltbeherrschung – und die Feindschaft gegen das Reich der Mütter. Frauen können Leben hervorbringen. Männer neiden ihnen dieses Vorrecht in erbarmungslosem Hass, der fanatisch dran glaubt, selbst Leben hervorbringen zu können – mit aller technischen und wissenschaftlichen Genialität.

1956 sprach ein amerikanischer Nobelpreisträger in seiner Abschiedsrede: „Lasst uns alle unsere wissenschaftlichen Kräfte einsetzen, um Leben zu erschaffen.“ (Nach Lewis Mumford, Mythos der Maschine)

Europäische Wissenschaft beruhte nie auf einem staunenden Erkenntniswillen. Meditativ erkennen wollen, wie die Welt ist, das war die Geburtsstunde der griechischen Wissenschaft. Ab dem Mittelalter wurde das übernommene logische Werkzeug des Aristoteles zu einem Mittel zum Zweck. Zum Zweck des Machterwerbs. Wahrheitssuche wurde deklassiert zum Instrument der Natur- und Welteroberung.

Für Griechen war der Kosmos vollkommen. Für sie gab es keinen Grund, eine minderwertige Natur auszuforschen, um sie durch eine bessere zu ersetzen.

Eben dies waren die Intentionen des Roger und Francis Bacon, die die wissenschaftliche Methode der Griechen nutzten, um ihre Machtphantasien in die Tat umzusetzen. Nietzsches Wille zur Macht begann als Wissen ist Macht. Die heutige Wissenschaft hat sich fast vollständig in den Dienst politischer und ökonomischer Mächte gestellt. Winziges Beispiel: Lidl finanziert 20 BWL-Lehrstühle an der TU München. Die Universität sieht keine Probleme:

„Man muss kein Kritiker von Stiftungsprofessuren sein, um zu sehen: Der Stifter hat hier längst Einfluss auf die Forschung genommen, noch bevor die erste Professur ausgeschrieben oder besetzt ist. Die TU München hingegen sieht in der Kooperation kein Problem.“ (TAZ.de)

Seit Entwicklung der Atombombe unterhalb des Stadions in Chicago existiert keine wissenschaftliche Freiheit mehr. Alle Erkenntnisse sind praktisch verwertbar, also machtrelevant. Veröffentlichungen und freie Debatten gibt es lange nicht mehr. Höchstens die Intelligenz des Tintenfisches darf publiziert werden. Zumeist mit marktschreierischen Sensationsphrasen. Methodische und philosophische Kritik an den Untersuchungen, etwa am orgastischen Lärmen gewisser Fischarten und sonstiger Menschheitsfragen, sucht man vergebens.

Abendländische Wissenschaft ist angetreten, um Natur durch Erkennen zu beherrschen – durch systematisches Zerstören der Natur. „Die wahre Ordnung der Dinge zeigt sich erst, wenn man sie künstlich in Unordnung versetzt.“ (F. Bacon) Wen kann es verwundern, dass grenzenloser Fortschritt darin besteht, Natur und Menschenwelt in immer grenzenlosere Unordnung zu versetzen?

Griechisches Erkennen wollen um der Erkenntnis willen war schon seit Augustin zur Todsünde der curiositas, der Neugierde erklärt. Heidnische Neugierde sei kein Instrument des Heils, sondern ein Mittel, sich selbst in eitler Weise zu genießen.

Mumford zieht ein Fazit der modernen Wissenschaft, die sich als Konkurrentin weiblicher Fähigkeiten definiert:

„Wer einen perfekten Automaten schafft, der schafft Leben, da es keinen Wesensunterschied gibt zwischen lebenden Organismen, und Maschinen – vorausgesetzt, sie funktionieren. Selbst ein so wacher und sensibler Geist wie Norbert Wiener begann seinen Golem mehr und mehr mit höchsten Lebensattributen auszustatten. Dahinter aber verbarg sich eine noch gigantischere Vermessenheit: Wer Leben schafft, ist ein Gott. Man bedenke: Milliarden Dollar, unzählige Stunden wertvoller Arbeit, die besten Köpfe der Wissenschaft sollten eingesetzt werden, um künstlich zu erzeugen, was bereits in Überfluss auf Erden existiert.“

Männerwissenschaft will nichts weniger, als die Evolution im Labor von vorne beginnen zu lassen. Der Kapitalismus beruht auf dem dogmatischen Privateigentum, das in Rom als patriarchales Privileg durchgesetzt wurde.

Die heutige Familie ist die Nachfolgerin der römischen, die als „vaterrechtliches Instrument zur Vernichtung der mutterrechtlichen Sippe definiert wurde.“ Das Vaterrecht wurde zur Institution der Vererbung von Privateigentum. Der römische Vater – pater familias – besaß das gottgleiche Recht, jedes Kind seiner Frau nach Belieben als das seine zu akzeptieren oder als fremdes Früchtchen (die Vaterschaft ist immer unsicher) in der Wildnis auszusetzen. Die Mutter hatte keinerlei Recht gegen diese legitime Kindestötung. „Wer kümmerte sich in der vaterrechtlichen Gesellschaft Roms um die Gefühle der Frauen? Worum es allein ging, war Macht und Besitz.“ (Bornemann, Das Patriarchat)

Womit wir in der Gegenwart angekommen wären. Äußerlich hat sich viel verändert, in Wirklichkeit wenig – außer, dass die Frauen ihre Unterordnung unter die Männerwelt des Kapitalismus, der Naturzerstörung und des grenzenlosen Fortschrittswahns als der Emanzipation höchsten Schluss empfinden. Der Frau fällt es schwer, die Ungeheuerlichkeit wahrzunehmen, dass der gottgleiche Mann nichts unterlässt, um sie und ihre Kinder überflüssig zu machen.

„Das Verhältnis von Mann und Weib ist kein anderes als das von Subjekt und Objekt. Der Mann ist das Etwas, das Weib ist das Nichts.“ (Otto Weininger)

Das muss Gott gewusst haben, obgleich er es allen verschwieg: die Welt erschuf er aus Nichts.

Frohe Weihnachten nah und fern.

 

Fortsetzung folgt.