Neubeginn XC

Tagesmail - Mittwoch, den 29. November 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XC,

„zuhause brennt die Hütte“ (BILD) – und die geschäftsführende Mutter der Nation treibt sich in der Welt herum, tut, als wolle sie Probleme lösen, die – nach eigener Rede – gar nicht lösbar sind.

Der Mensch an sich ist schlecht, der weiße Mensch aber tüchtig, um den Folgen der Schlechtigkeit gewitzt zu entgehen und in Saus und Braus zu leben, während andere minderglückliche Völker – leider, leider – das Schlamassel des homo sapiens ausbaden müssen.

Glück, ihr Völker, ist mit den Tüchtigen, besagt ein deutsches Sprichwort. Und deutsche Sprichwörter irren selten. Doch Johannes Baptist (der Getaufte) Kerner lässt Muttern nicht im Regen stehen, schaut dem Elend unverwandt ins Auge und bewirkt Wunder vor Ort: für einen Almosen pro Tag. (BILD)

„Diese Armut hier ist nur schwer vorstellbar“, sagt Johannes B. Kerner (51), Moderator der großen TV-Gala „Ein Herz für Kinder“. Er kann kaum glauben, was er sieht – zum Beispiel in Gamkalle, einem Elendsviertel von Niamey, wo sich 150 Familien Hütten gebaut haben – aus Plastikplanen von der nahen Müllkippe, zerlöcherten Bambusmatten oder einfach ein paar verdorrten Zweigen. Sie schützen weder vor der mörderischen Hitze (45 Grad im Schatten), noch vor dem Regen, der – wenn er denn kommt – sintflutartig ist.“ Kerner ist „sichtlich geschockt. Es ist ein Teufelskreis.“

BILD fasst zusammen: „So ist das in Niger. Du lebst in der Hölle und dann gerätst du auch noch an den Teufel.“ (BILD.de)

So ist das in der Welt. Generell lebst du in der Hölle, triffst den Gottseibeiuns und seine Teufelskreise, doch wenn du Glück hast und Deutscher bist, lebst du im Garten Eden. Jammere also nicht rum, wenn du siehst, dass es anderen weitaus schlechter geht. Greife zum Scherflein – und rette die Welt, denn die Politik, die sündige und ...

... verkommene, ist dazu nicht in der Lage. Spenden-Hotline 01802 – 101010.

Wunderbarerweise ist auch Kerners nächste Sendung gerettet. Die Öffentlich-Rechtlichen sind ihrem Bildungsauftrag nachgekommen und haben bewiesen, dass sie zu Recht Kirchensteuergebühren kassieren. Doch die Welt retten, heißt noch lange nicht, die Demokratie retten.

Womit wir bei Frank Plasberg wären, der fröhlich verkündet: „Ich habe keinen volkspädagogischen Auftrag. Ich will auch nicht die Demokratie heilen.“

Sind wahrheits-verpflichtende Debatten nicht dazu da, Demokratien zu stärken und vor dem Verfall zu retten? Oder haben Talkshows nur den Sinn, durch inszenierte Rabulistik das ehrenwerte Publikum – vor der bitteren Wahrheit zu schützen? Plasberg will auf keinen Fall überlegen, „wie eine Wahrheit wirkt – denn sonst ist man schnell dabei, Wahrheiten zurechtzubiegen."

Der forsche Gesprächs-Diktator – („hier stelle noch immer ich die Fragen“) – scheint wenig Vertrauen in die Wahrheit, noch weniger in die Wahrheitsfähigkeit der Demokratie, zu besitzen Also pfeift er auf die Wahrheit, um die Demokratie vor deren schrecklichen Folgen zu retten.

In den Gründerzeiten der Demokratie hätte man solches Verhalten Sophisterei genannt. Sophisten waren die medialen Vorläufer Plasbergs, die jede gute Sache schlecht und jede schlechte Sache gut erscheinen lassen konnten. Im Gegensatz zu schlichten Wahrheitsliebhabern, die bei Euripides sagen konnten:

„Das Wort der Wahrheit, einfach ist es immerdar.“

Weshalb es auch keiner künstlichen Redefähigkeit bedarf, der sich nur die Feinde der Demokratie bedienen, um sich den Schein des Rechtes und der Wahrheit zu geben. Wer Demokratie nicht retten will, der will sie verderben.

Ergo: Plasberg ist ein Feind der Demokratie und muss sofort entlassen werden. Tom Buhrow, übernehmen Sie. Und wenn er nicht entlassen wird, müssen den demokratievergessenen Klamauksendern die Gelder des „Volkes“ gestrichen werden. (SPIEGEL.de)

Hat es jemals eine Talkshow mit dem Thema gegeben: Wie sinnvoll sind TV-Debatten, denen Wahrheit und der Erhalt der Demokratie piepschnurzegal sind? Hat ein Jury-Publikum jemals die Möglichkeit erhalten, die schrecklichen Schwätzerrunden so der Lächerlichkeit preiszugeben, wie Dieter Bohlen diverse Kandidaten des „Volkes“?

Deutschland trieft vor Selbstgerechtigkeit, einer Scheintugend, die das Gegenteil von Gerechtigkeit ist. Warum wählen die Deutschen in nationaler Verbissenheit immer wieder dieselben, von Selbstgefälligkeit triefenden GroKos? Warum ersticken die degenerierten Nachfolger von Dichtern und Denkern an zwanghafter Kompromittis, einem Überdruss, ja, einem klinischen Ekel an erkenntnisfördernden Debatten, wahrheitsliebenden Streitgesprächen auf dem Marktplatz? Stattdessen flüchten sie stante pede in jeden Kompromiss, vergessen, was sie für richtig hielten, um jeden faulen Deal als Nonplusultra des Zeitgeistes in die Welt zu plärren.

Eine Demokratie, die nur noch aus faulen Kompromissen besteht, kann nur eine verfaulte Demokratie sein. Oh doch, Kompromisse sind nötig, aber nur als ultima ratio.

„Die Ultima Ratio … bezeichnet allgemein den letzten Lösungsweg, das letzte Mittel oder den letzten Ausweg in einem Interessenkonflikt, wenn zuvor alle sonstigen Lösungsvorschläge verworfen wurden, da mit ihnen keine – oder angeblich keine – Einigung erzielt werden konnte.“ (Wiki)

Der erste Lösungsweg in stabilen Demokratien ist der öffentliche Streit der Geister. In allen Dingen gibt es Rankings, nur nicht in der wichtigsten aller Disziplinen: der Suche nach der Wahrheit, die es Menschen ermöglicht, menschlich miteinander umzugehen. Demokratie ist keine mechanische Politmaschine, die gegen Moral und Wahrheit allergisch wäre. Sie ist der politisch-philosophische Versuch, die wahrheitsgemäßeste Form des Miteinanderlebens herauszufinden und zu praktizieren.

Wer gewählt werden will, muss vor aller Augen beweisen, dass er die besseren Argumente vorzuweisen hat. Warum gibt es in Deutschland so gut wie keine politischen Marktplätze, auf denen die Gewählten und diejenigen, die gewählt werden wollen, rund ums Jahr ihre Denkfähigkeiten und ihren Erkenntniswillen unter Beweis stellen können?

Marktplätze sind in diesem Land zu Knotenpunkten des Verkehrs, zu Plätzen der Schaulust verkommen. Auf Plätzen trifft man sich nicht, um Menschen zu begegnen, sondern seine – längst gesättigten – Bedürfnisse zum Überdruss abzufüllen.

Was hingegen geschieht in der BRD? Die Schicksalsfragen der Nation werden hinter Mauern und verschlossenen Türen ausgemauschelt. Wenn Parteien wochenlang miteinander in den Clinch gehen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen, bieten sie dem Volk nichts anderes als Klamauk in den Talkshows. Den „edlen Wettbewerb der Geister“ hingegen führen sie unter Ausschluss der kritischen Öffentlichkeit. Niemand weiß, wie sie – außerhalb der Scheinwerfer – en detail miteinander reden und disputieren.

Hat Merkel wirklich moderiert? Hat sie dialogische Fähigkeiten bewiesen oder die Gemüter mit Nächstenliebe nur zu beschwichtigen versucht? Da sie nirgends scharfe Konturen zeigt: wie kann sie nachvollziehbare Mittelwege zwischen Differenzen ermittelt haben? Gab es überhaupt messerscharfe Disputationen oder wurden mechanische Tauschgeschäfte angestrebt: ihr kriegt zwei Kohlenwerke, wenn wir keine Reichensteuern erheben müssen?

Welche Streitkompetenzen die Parteien haben, eben dies wäre von einem wachen Publikum festzustellen. Die dringlichste Kompetenz der Demokraten, ihre Dialogfähigkeiten, hätte die Gemeinschaft der Wählenden überprüfen und bewerten müssen.

Dasselbe gilt für die Gespräche mit dem Bundespräsidenten. Was war geschehen? Ein gruppendynamischer Rückfall der Nation in eine patriarchalische Familienkonstellation. Beim Disziplinieren ihrer renitenten Flegel hatte Muttern wider Erwarten versagt. Was geschieht danach in einer autoritären deutschen Familie?

Der gewöhnlich abwesende, fast unbekannte Vater muss der überforderten Mutter zur Hilfe eilen und die Horde in sein Herrenzimmer beordern: Mir egal, wer schuld ist oder angefangen hat: ihr seid alle schuld. Und jeder von euch wird von mir übers Knie gelegt und erhält seine gerechte Strafe. Und dann geht ihr zu eurer Mutter und entschuldigt euch. Und wehe, ich höre noch mal Klagen: dann werdet ihr mich wirklich kennenlernen.

Die Gespräche mit dem Staatsoberhaupt waren Bußgänge von Sündern, die ihre Abreibungen abholen mussten. Von Reden auf gleicher Augenhöhe war nichts zu bemerken. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Je höher das Amt, desto höher der Verstand. Über Nacht wurde ein blasser Apparatschik von den deutschen Medien zum Retter der Nation stilisiert.

Kurz: es waren würdelose Vorgänge, die zu Rettungsaktionen der Nation gekürt wurden. Der Bundespräsident wurde zum besten Kenner und effizientesten Schützer des Grundgesetzes ernannt. Nur Er kann wissen, welche Regierungs-Alternativen die Verfassung zu bieten hat. Nur Er kann wissen, dass Gemeinwohl über dem Parteienwohl steht. Dass Regieren Hauptzweck der Gewählten sein muss. Offensichtlich aber weiß er nicht, dass Verlässlichkeit der Rede, Transparenz und Nachvollziehbarkeit die obersten demokratischen Gebote sein müssen.

Wie hat er seinem Parteigenossen Schulz ins Gewissen geredet? Was hatte jener zu erwidern? Hat Steinmeier von Schulz Wortbruch um des Regierens willen verlangt? Hat er ihn zum Kotau vor Merkel aufgefordert? Dann hat er nichts weniger verlangt als die Opferung der Rechtschaffenheit auf dem Altar der Macht. Legte er keinen Wert auf Erneuerung seiner alten Partei durch Gang in die Opposition?

Niemand in Deutschland scheint das Bedürfnis zu haben, schicksalsentscheidende Vorgänge minutiös zu verfolgen, um sich ein Bild von den mächtigsten Persönlichkeiten der Nation zu machen. Niemand vermisst exemplarische Dialogfähigkeiten. Seit Jahren wird der Bevölkerung eingebleut, dass die Zeiten ideologischer Grabenkämpfe vorbei seien.

Der Begriff Kritik ist spurlos verschwunden. Es wird nur noch gegiftet, geätzt und abgewatscht. Kritiken der Talkshows sind Reportagen über Athletenkämpfe aus dem Circus Maximus mit komödiantischen Slapstickeinlagen. Wer gegen wen mit welchen Listen und Finten: das ist das einzige Interesse der Medienkritiker, die die Berufsbezeichnung Kritiker nicht verdienen.

Der öffentliche Streit der Parteien wird von BILD als reiner „Zickenalarm“ ohne Sachgehalt beschrieben: „Alarmstufe rot, Nadelstiche gegen Merkel, Merkel sei arrogant, schwammig, eine Verliererin, sie betreibe eine Schlafmützenpolitik, einen Anschlag gegen die Demokratie, sie habe keinen Plan, sei abgehoben, man kriege eher einen Pudding an die Wand genagelt als eine klare Position von ihr, Schwarz-Gelb war die schlechteste Regierung in der Geschichte der Republik, Merkels Verweigerungshaltung ist gefährlich …“ (BILD.de)

Wenn solche Harmlosigkeiten Übertreibungen sein sollten, dann gibt es keine Möglichkeit mehr, einen leidenschaftlichen Kampf um Macht und Wahrheit zu führen. BILD hätte die Formulierungen mit dem Sachverhalt vergleichen müssen, um die These der übermäßigen Beschuldigungen zu belegen. Doch das hätte offizielle Parteilichkeit der Volksgazette erfordert. Völlig unmöglich beim scheinheiligen Anspruch der Vierten Gewalt auf „Objektivität“.

Von demokratischen Angelegenheiten ist jeder betroffen. Da gibt es keine Neutralität als gleichweite Entfernung von allen Streitpositionen. Es gibt nur eine Form der Objektivität und das ist die offen gelegte, transparente Subjektivität.

Es ist eine uralte deutsche Untugend, sich von politischen Debatten unberührt zu zeigen, als sei deutsche Innerlichkeit mit der garstigen Äußerlichkeit durch nichts verbunden. Selbst nicht zimperlich beim Austeilen polemischer Schläge unterhalb der Gürtellinie, geben sie sich mimosenhaft beim Beurteilen demokratischer Kritik.

Nicht lange her, dass Kritiker der Talkshows das Fazit zu ziehen pflegten: Wie immer hatte jeder seine Meinung. Solche Sätze muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Welche Unverschämtheit, eine eigene Meinung zu besitzen.

Die Steigerung dieses Vorwurfs war die Totalvernichtung des Gegners als „Besserwisser“. Wenn man schon so dreist ist, eine eigene Meinung zu besitzen, sollte man sie gefälligst den Platzmatadoren opfern und sich entschuldigen, dass man ihre Autorität in Zweifel zog.

Versteht sich, dass sie selbst keine Besserwisser waren, wenn sie ihre Position für unfehlbar hielten. Ihre postmodernen Glaubenssätze hielten sie für absolut wahr, besonders wenn sie alle Wahrheit ablehnten. Noch heute lehnen sie jede Moral ab – im Namen der Moral.

Seitdem das Volk durch Internet die Möglichkeit erhielt, seine Meinung über öffentliche Vorgänge zeitgleich zu äußern, ist das Meinungsmonopol der Vierten Gewalt begraben. In der Neuzeit hatte die Presse von den Priestern die alleinige Vermittlung zwischen Oben und Unten übernommen. Ohne sie ging nichts. Das öffentliche Gespräch war alleinige Sache der Medien.

Was ein echtes Streitgespräch auszeichnet, darüber gibt es keine deutschen Erkenntnisse. Talkshows sind monströse Gruppengespräche. Untauglich zur strengen Erkenntnissuche.

Der Dialog ist ein Zwiegespräch, der intime Kampf zweier Geister. Welche These vertrittst du mit welchen Argumenten? Wie bist du zu deinen Argumenten gekommen, dass ich sie besser verstehe? Verstehen heißt noch lange nicht billigen.

Jeder Begriff muss sorgfältig unter die Lupe genommen werden. Bis sich Konsens einstellt oder Dissens nicht überwunden werden kann. Weshalb das assoziierende Geschwall von heute untauglich ist zur präzisen Überprüfung der Begriffe.

Ein Dialog kennt keinen „neutralen“ Moderator. Wer glaubt, bessere Argumente zu haben als die beiden Kontrahenten, muss selbst in den Ring und seine Überlegenheit nachweisen.

In Talkshows wird die Redeerlaubnis von Moderatoren willkürlich zugeteilt, ohne den Faden der Gedanken logisch zu verfolgen. Alles wird zerhackt, rote Linien folgerichtigen Denkens zerstückelt. Der Moderator beansprucht das Monopol des Fragens und Unterbrechens – ohne die eigene Meinung auf den Tisch zu legen, damit alle die gleiche Möglichkeit erhielten, Kritik mit Gegenkritik zu beantworten.

Die neutrale Position ist ein Abgrund an Selbstverblendung. In keiner Talkshow, keiner Medienkritik wird die Frage gestellt: Wie war der Anfang des Gesprächs, wie das Ende? Gab es Erkenntnisfortschritte – für die Teilnehmer, die Zuschauer? Was hat das Gespräch an Einsichten gebracht? Für die Medien ist ein TV-Gespräch die Sonderform des Dschungelcamps: wer macht wen mit welchen Tricks zur Minna?

Höchste Zeit, alle TV-Dialog-Verstümmelungen zu streichen und echte Zwiegespräche zu erproben.

Die deutsche Gesellschaft ist durch ihre Medien und Gelehrten zur Misologie verdorben worden. „Misologie … bezeichnet allgemein die Ablehnung von vernünftig-logischem Denken.“ (Wiki)

Der Hass gegen eigenständiges Denken, die damit verbundene Unfähigkeit, Meinungsverschiedenheiten zu ertragen, das überstarke Bedürfnis nach wortloser Harmonie – all jene Charaktereigenschaften, die eine Mutter Merkel erforderten – hat die psychischen Charaktereigenschaften der Gegenwart hervorgebracht. Es ist lächerlich und nutzlos, nur über die Pastorentochter herzuziehen, wenn man sich nicht die Mühe macht, den kollektiven Seelenpartner in gleicher Weise zu analysieren wie Merkels Politstil.

Seit Abkehr der Romantik von der Aufklärung ist schwärmerische Misologie zur Grundhaltung der Nation geworden, die statt Rationalität die Grandiosität des Volkes zum Kennzeichen seines Auserwähltseins bestimmt hat.

„Jedes Volk hat seinen Tag in der Geschichte, doch der Tag der Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit.“ „Die Deutschen seien jetzt berufen, das eigentliche Menschheitsvolk, den reinsten Spiegel der Menschheit zu bilden, wie ihn einst die Griechen gebildet hätten.“ (Friedrich Schiller)

Schiller wollte die Größe Deutschlands durch Dichten und Denken realisieren. Davon ist heute nichts anderes übrig geblieben als die Hatz nach Wohlstand und nach Macht, in der Konkurrenz der Nationen vorne mitzuspielen. Voraussetzung für diesen Kampf um die Zukunft aber ist Ruhe und Ordnung im Innern. Das ist nicht nur das Herzens- und Machtbedürfnis der Kanzlerin, sondern aller Medien, die – bei aller Scheinkritik – die erste Frau an der Spitze der BRD für ein Phänomen halten, um das uns die Welt beneidet.

Nachdem Steinmeier vor der Queen einen tiefen Bückling gemacht hatte – wie einst die SPD vor Kaiser Willem –, bestellte er die zerstrittenen Parteien erneut ins Schloss Bellevue und verlangte Auskunft über folgende Fragen:

Warum habt ihr die öffentliche Debattenkultur verkümmern lassen? Was habt ihr getan, um die katastrophale Wohnungsnot, die Verschandelung der Schulen zu verhindern? Um für ausreichende Kitaplätze zu sorgen? Was tut ihr gegen die Machenschaften der Autobauer, deren Verbrechen und Lügen 10 000 Menschen vergiften und deren Schäden von der Bevölkerung bezahlt werden müssen? Was tut ihr gegen eine Kanzlerin, die all diese Notstände seit Jahr und Tagen kennt und trotzdem nichts dagegen unternimmt? Von internationalen Problemen haben wir damit noch gar nicht gesprochen.

Ihr deutschen Politiker, ihr kümmert euch vor allem um Machterwerb und Machterhalt. Ich aber sage euch: demokratische Macht ist die Pflicht, die Probleme der Menschheit zu lösen. Verschont mich mit dem Geschwätz, der Mensch sei ein Rohrkrepierer, seine Probleme zu komplex, als dass man sie lösen könne. Wozu habt ihr euch wählen lassen, wenn ihr euch inkompetent und überfordert fühlt? Raus jetzt und macht euch an die Arbeit. Wenn nicht, gebt gefälligst euer Mandat zurück.

Ende des Märchens von einem weisen Bundespräsidenten, dem es gelang, seinem Volk die Misologie auszutreiben. Das Volk gewann wieder Vertrauen in seine Vernunft und machte sich frohgemut daran, die Erde zur Heimat des Menschen zu gestalten. Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie noch die Eröffnung des BER in Berlin erleben. So wahr ihnen Gott helfe.  

 

Fortsetzung folgt.