Neubeginn XVI

Tagesmail - Freitag, den 09. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XVI,

Merkel will, was auch Trump will. Trump sagt unverblümt, was er will. Merkel leugnet, was sie will. Trump will – mit America first – Nummer eins der Welt werden. Seine Generaldevise lautet: Trump first – Donald John Trump ist Inbegriff Amerikas. Wenn Amerika die mächtigste Nation der Welt ist, wird er der mächtigste Mann der Welt sein.

Auch Merkel will Anführerin der Welt sein: die gute Führerin der Welt, im Gegensatz zum bösen Führer im Weißen Haus. Doch eben dies verleugnet sie – mit der Koketterie der Schönen, die Freiern die kalte Schulter zeigt, um sie zu ködern. Aus einem trotzig-hässlichen Entlein hat sich die Kanzlerin zur schönen Frau entwickelt. Wie das Böse als Gegenteil des Guten&Schönen das Hässliche ist, ist Merkel, die Gute, das Gegenteil des bösen & hässlichen Trump. Sie muss die Schöne sein.

„Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Erwartung entgegengetreten, sie könne vom US-Präsidenten die Rolle als "Anführerin der freien Welt" übernehmen. Internationale Beobachter drängen sie dazu, das Vakuum zu füllen, das Donald Trump mit seinem isolationistischen "America First"-Kurs hinterlässt.“ (SPIEGEL.de)

Die Deutschen verabscheuen Trumps amoralische Berserkerpolitik. Das hindert sie nicht, die moralische Bewertung der Politik als Kapitalverbrechen zu verdammen. Werden wir verbrecherisch und legen die Politik auf die ethische Waage.

„James Comeys gestrige Abrechnung mit Donald Trump hat mich wirklich schockiert. Nicht, weil er etwas Überraschendes gesagt hätte. Im Gegenteil, weil die unglaublichsten Einblicke in die Abgründe des US-Präsidenten schon gar nicht mehr überraschen. Die Lügen, die falschen Anschuldigungen, die Drohungen, die ...

... Forderung, sich zu unterwerfen oder zu gehen. Wir hatten das alles gewusst oder geahnt. Weil wir diesem Präsidenten mittlerweile alles zutrauen. Schockiert bin ich, weil es folgenlos bleibt.“ (SPIEGEL.de)

Deutschland lebt bereits im Paradies. Was will Merkel? Die komplette Zerstörung der bekannten, vertrauten und paradiesischen Welt, die Zerstörung des Paradieses – und die Ersetzung des Menschen durch die Maschine.

„Die demografische Entwicklung werde eine große Herausforderung, die Digitalisierung werde natürlich die Arbeitswelt komplett verändern. »Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.« Es werde das autonome Fahren geben. Also ein Auto, das selbst entscheidet und selbst denkt und selbst lenkt. Dies wird zur Folge haben, dass das autonome Fahren nicht nur eine Möglichkeit, sondern ein Zwang wird. Schon heute erzeugt das autonome Fahren viele Ängste. Mancher misstraut der Technik, manche fühlen sich um ihren Spaß am Fahren gebracht. Was für die müde Kanzlerin Verheißung ist, ist für viele Deutsche eine Drohung. Die Naturwissenschaftlerin Merkel geht offenbar davon aus, dass der Mensch spätestens in zwanzig Jahren aber der Technik weit unterlegen ist. Und dann gilt in ihren Augen das klassische Prinzip der Risikominimierung. Als Grund für ihre Prognose, dass man nur noch mit Sondererlaubnis selbst fahren dürfe, sagte sie: »Wir sind das größte Risiko.« Wir, die Fahrer.“ (WELT.de)

Die Pastorentochter wird den Namen des Pastorensohnes Nietzsche vielleicht gehört haben. Dass sie dessen pastorale Philosophie in die Realität umsetzt, wird ihr unbekannt – und gleichgültig sein. Der einsame Wanderer in den Bergen erschlug Gott, um dessen Botschaft in seiner Philosophie wieder auferstehen zu lassen. Dionysos – oder der Gekreuzigte, sind seine letzten Worte. Tod und Auferstehung erlebt die Theologie im rhythmischen Abstand von Dekaden. Regelmäßig stirbt und erfindet sie sich neu.

Die Kanzlerin will eine Welt, vor der sich ihre Untertanen ängstigen und die sie wie eine Drohung empfinden. Merkels opiates Charisma besteht darin, ihr Volk zu betäuben, um es in geschlossener Formation in jene Zukunft zu führen, vor der das Volk sich fürchtet. Seid getrost, die Welt, vor der ihr Angst habt, habe ich überwunden.

Die Angst des Volkes vor der Drohung ist keine Paranoia. Sie wächst auf dem Boden des erbarmungslosen Gesetzes des Fortschritts, das für Merkel ein Gottesgesetz ist. Es muss doch noch mehr geben als ein Paradies: eine Welt, in der perfekte Maschinen das Regiment übernehmen und den unzuverlässigen Sündenkrüppel überflüssig machen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss.

Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe. Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unrein zu werden. Was ist das Grösste, das ihr erleben könnt? Das ist die Stunde der grossen Verachtung. Die Stunde, in der euch auch euer Glück zum Ekel wird und ebenso eure Vernunft und eure Tugend. Die Stunde, wo ihr sagt: »Was liegt an meinem Glücke! Es ist Armuth und Schmutz, und ein erbärmliches Behagen. Aber mein Glück sollte das Dasein selber rechtfertigen!« Die Stunde, wo ihr sagt: »Was liegt an meiner Vernunft! Begehrt sie nach Wissen wie der Löwe nach seiner Nahrung? Sie ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!« Die Stunde, wo ihr sagt: »Was liegt an meiner Tugend! Noch hat sie mich nicht rasen gemacht. Wie müde bin ich meines Guten und meines Bösen! Alles das ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!« Die Stunde, wo ihr sagt: »Was liegt an meiner Gerechtigkeit! Ich sehe nicht, dass ich Gluth und Kohle wäre. Aber der Gerecht ist Gluth und Kohle!« Die Stunde, wo ihr sagt: »Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt? Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung.«“ (Nietzsche)

Es war vor einem Jahr, da erlebte Merkel den dunkelsten Augenblick ihrer Herrschaft: sie hatte Mitleid. Mitleid mit 100 000en Hilfesuchenden, denen sie – wider alle europäischen Gesetze und politischen Klugheiten – die Tore ins deutsche Paradies öffnete. Doch schnell überwand sie das weinerliche Versagen und rottete alles Mitleid in ihrer christlichen Übermenschenseele aus. Längst gilt wieder die unerbittliche Losung des Kampfes aller gegen alle: Was liegt an unserer Tugend? Wie ausgelaugt, wie müde sind wir unseres Guten und Bösen.

Geht es denn um gut und böse an sich – oder geht es um Macht und Erfolg, denen Gut und Böse zu dienen haben? Was liegt am Glück? Glück ist Selbst-Zufriedenheit. Und Selbstzufriedenheit ist Trägheit, der schlimmste Charakterdefekt, der Futuristen und Geschichtssieger wie seelische Krätze befallen kann. Ewige Gier nach mehr, ewige Sucht nach Veränderung, ewiger Rausch in rastlosem Unterjochen der Erde: das sind die Eigenschaften moderner Übermenschen.

Selbst Kant hat dem Selberdenken eine Schranke gesetzt: Autonomie darf nicht zu schnödem Glück führen. Darüber wacht die große Pädagogin der Natur, die ihren nach Genügsamkeit, arkadischem Schäferleben und vollkommener Eintracht lechzenden Sprösslingen beibringt, was wirklich wichtig ist im Leben:

„Dank sei also der der Natur für die missgünstig eifernde Eitelkeit, für die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben oder auch zum Herrschen, Ohne sie würden alle vortrefflichen Naturanlagen der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht, die Natur weiß besser, was für seine Gattung gut ist; sie will Zwietracht. Er will gemächlich und vergnügt leben, die Natur will aber, er soll aus der Lässigkeit und untätigen Genügsamkeit hinaus, sich in Arbeit und Mühseligkeiten stürzen. Die natürlichen Quellen der Ungeselligkeit und des durchgängigen Widerstands, woraus so viele Übel entspringen, die aber doch wieder zur neuen Anspannung der Kräfte, mithin zu mehrerer Entwickelung der Naturanlagen antreiben, verraten die Anordnung eines weisen Schöpfers; und nicht etwa die Hand eines bösartigen Geistes, der in seine herrliche Anstalt gepfuscht oder sie neidischerweise verderbt habe.“ (Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, Vierter Satz)

Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse – das man in den Dienst des Guten stellt. Wie Gott den Satan zu seinem Knecht verdonnert, so muss der Mensch das Böse zum Demiurgen des Guten machen. Das Theodizee-Rätsel: warum erschuf Gott Leid und Böses?, die der gegenwärtige Papst nicht mehr beantworten kann, hat die abendländische Menschheit längst gelöst: das Böse ist Geburtshelfer des Fortschritts und der Eroberung der Welt.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken.“ „Ihr dachtet es böse zu tun, aber Gott wendet es zum Guten.“

Ohne Böses kein Gutes, weder in Zeit noch in Ewigkeit. Die bitterste Rätselfrage der Gläubigen nach dem Sinn des Unheils ist durch Degradieren des Bösen zum Knecht der Frommen beantwortet. Die Gottesfürchtigen bedienen sich des Bösen, um weiterhin an ihren allmächtigen und gnädigen Gott glauben zu können. Nicht nur sind alle Mittel erlaubt, um die Heilsgeschichte voranzutreiben und dem Menschen die finale Siegerkrone aufs Haupt zu setzen. Das Böse ist oft wirksamer als das Gute, um die Fortschrittsmaschine zu beschleunigen. Vernunft, Tugend, Glück, Mitleid: alles muss geopfert werden, um die Planwirtschaft der Geschichte zu erfüllen.

Die Deutschen wollen gemächlich und glücklich leben. Endlich wollen sie sich ihres Lebens freuen: doch Mutter Merkel weiß es besser, mit paradoxen Beruhigungsposen stachelt sie ihre Untertanen zum unerbittlichen Fortschritt an. Die privaten Laster ihrer Untertanen kitzelt sie heraus, um sie in öffentliche Tugenden zu verwandeln. Gutes durch Böses, das ist die offene Dialektik göttlichen Fortschritts. Einerseits werden sie zu Höchstleistungen angestachelt, gleichzeitig zu fahrlässigen und zur Erbsünde verurteilten Risikofaktoren der Welt verurteilt.

Die moderne Kultur ist eine zur Materie und Macht gefrorene christliche Dogmatik geworden. Sie sprechen von Säkularisation oder Verweltlichung, weil die verbalen Glaubensbekenntnisse und Frömmigkeitsriten nachgelassen haben. Pankaj Mishra ist ein exzellenter Analytiker der west-östlichen Beziehungen. Was die Rolle der Religion betrifft, irrt er:

„Terroristen waren schon immer Menschen mit den unterschiedlichsten ethnischen und weltanschaulichen Hintergründen – es gibt keine religiöse Tradition, die Terror begünstigt. Mit der Aufklärung startete Europa einen Prozess, der jetzt universell ist. Sich vorzustellen, dass Menschen heute irgendwo auf der Welt noch so religiös sein könnten wie im Mittelalter – das ist eine Fantasie. Wir mögen unsere Loyalitäten haben, unsere Neigungen. Aber in der Art, wie wir die Welt interpretieren, wie wir um uns schauen, sind wir heute unentrinnbar säkularisiert, ob wir wollen oder nicht.“ (SPIEGEL.de)

Säkularisation ist nicht Verabschiedung des Glaubens, sondern seine Verwandlung in Kultur und Zivilisation. Der Glauben löst sich vom Bewusstsein des Einzelnen und wird zur überindividuellen Struktur, die sich im kollektiven Unbewussten ansiedelt.

Apologeten der Religion bezweifeln, dass Terror und Gewalttaten religiöse Wurzeln haben können. Sie ignorieren die psychische Notwendigkeit eines totalitären Glaubens. Der Verzweifelte weiß sich nicht anders mehr zu helfen als sich in die Arme eines allmächtigen Gottes zu flüchten, dem er sich bedingungslos unterstellen kann – um Verhaltenssicherheit und ewigen Lohn seines Gehorsams zu kassieren.

Es ist eine Regression in totale Abhängigkeit des Kindes von der Obhut seiner Eltern, die es für allmächtig hält, um alle Probleme der Welt zu beseitigen. Das blinde Urvertrauen in omnipotente Mächte ist die unterste Schicht der hierarchischen Menschenseele. Soziale und sonstige Probleme sind nur sekundäre und tertiäre Anlässe, um die Flucht in die absolute Ich-Auslöschung auszulösen.

Der instrumentelle Scharfsinn und das technische Können der Attentäter – und aller Verbrecher – sind nur Rationalisierungen im Dienste unbewusster Triebregungen. Erlöserreligionen belasten ihre Frommen durch Forderungen unbedingten Gehorsams – doch eben dieser Gehorsam entlastet die Gläubigen von jeder Ich-Verantwortung. Wenn alles in Gottes Händen ruht, ist der Mensch zur ich-losen Nichtigkeit geworden.

Das normale Bewusstsein des Menschen, der bei bösem Handeln im Alltag von Gewissensbissen heimgesucht wird, kann sich aller Skrupulositäten entledigen, wenn sein Zorn ins Unermessliche steigt und er seinen Feinden Schreckliches zufügen muss. Sie sprechen vom heiligen Zorn, um ihre Grausamkeiten von jeglicher Schuld frei zu sprechen. Die Transsubstantiation des Bösen ins Heilige soll ihnen Seelenfrieden verschaffen.

Eine Religion kann noch so viel Gutes von ihren Gläubigen fordern, wenn sie auch Böses und Zorniges für heilig erklärt, fühlen sich die Täter von aller Schuld befreit.

Es ist eine gewaltige Leistung jener Gläubigen, die sich von der religiösen Pflicht zu bösen Taten befreien, indem sie sich nur auf humane Stellen berufen. Gleichwohl liegt ein gefährlicher Denkfehler vor. Jedes Buch, das den Gläubigen als unfehlbare Offenbarung ins Unbewusste geschrieben wird, verlangt den Gehorsam aller Stellen. In diesem Sinn sind humane Interpreten ketzerische Dissidenten, die sich erkühnen, das göttliche Wort nach Belieben zu selektieren. Frömmer sind Fundamentalisten, wenn sie sich dem Wortlaut ihrer heiligen Schriften total verpflichtet fühlen. Hier stehen wir an der Urquelle des abendländischen Totalitarismus.

Der Grundmangel aller – partiellen oder totalen – Schriftgläubigen ist ihre heteronome Abhängigkeit von autoritären Imperativen. Würden sie ihre Moral selbst bestimmen, bräuchten sie keine ehernen Steintafeln, um nicht zu stehlen und zu morden. Brauch ich göttliche Urkunden, um soziale Trivialitäten zu befolgen?

Solange Menschen sich auf göttliche Schriften berufen müssen, um ihr humanes Tun zu begründen, bleiben sie unmündig. Jede Religion, die Macht über Menschen ausübt und die geringste Amoralität für legitim erklärt, wenn sie im Dienst des Heiligen geschieht, macht sich an der Menschheit schuldig. Es ist eine archaische Blindheit: Menschen werden schuldig gesprochen, wenn sie sich auf Buchstaben göttlicher Schriften berufen – die Schriften aber werden von aller Schuld frei gesprochen.

Stets ist der Mensch, der in autoritären Fesseln erzogen wurde, der Alleinschuldige. Stets sind die Autoritäten frei von aller Schuld.

Merkel will den unverbesserlichen Menschen endgültig entmündigen, indem sie ihn der perfekten Maschine unterstellt. Maschinen werden die zukünftigen Herren der Welt sein. Zarathustra nennt sie Übermenschen – jenseits von Gut und Böse, von allen moralischen Forderungen befreit und von aller Verantwortung enthoben.

Übermensch: das ist die Übersetzung des Erleuchteten, dem in inniger Verbindung mit seinem Gott nichts unmöglich ist. Nicht nur wird er größere Werke vollbringen als der Herr selbst. Der Status der Erleuchtung wird ihn – so Kirchenvater Montan – zum Übermenschen erheben. „Der Übermensch ist der Charismatiker, in dem der Heilige Geist Wohnung genommen hat, der Mensch, der ein neues Herz hat, auf dessen irdischem Instrument der göttliche Geist selber spielt.“ (Ernst Benz, Der Übermensch)

Gibt sich der Mensch als Sündenwesen verloren, ohne die Verheißung des Übermenschen aufzugeben – welch andere Möglichkeiten bleiben ihm, als die Verheißungen auf ein Wesen zu übertragen, das er selbst kreierte: auf die Maschine mit perfekter Intelligenz. Wie Gott versagte und seinen Sohn schicken musste, um die Menschen zu erlösen, so muss der Sünder sein maschinelles Geschöpf in die Welt schicken, um die Menschheit zu erretten – durch totale Entmündigung. Der Akt der christlichen Erlösung wiederholt sich auf der Ebene des technischen Fortschritts.

„Bittet, um was ihr wollt und es wird euch zuteil werden“: Gottes Erteilung der Vollmacht wird vom Menschen an seine maschinellen Geschöpfe weitergereicht. Der Mensch in seiner moralischen Integrität hat abgedankt. Die elitären Urheber des Fortschritts haben ihm das Leichentuch schon umgelegt. Nur eines wird ihn retten können: die vollkommenen Maschinen der Eliten, denen er bedingungslos vertrauen muss.

Vertrauen in die Erlösermaschinen herzustellen und die Massen ins Paradies der Göttermaschinen zu führen, ist der selbstverpflichtende Auftrag der Kanzlerin. Sie narkotisiert die Überflüssigen, um sie zu führen, wohin sie in wachem Bewusstsein niemals wollten.

Es beginnt mit automatischen Autos und wird nicht eher aufhören, bis der maschinelle homo deus das Regiment über die Menschheit errungen haben wird. Der israelische Historiker Yuval Noah Harari sieht das Heraufkommen totalitärer technischer Religionen im 21. Jahrhundert:

„Im 21. Jahrhundert werden wir wirkmächtigere Fiktionen und totalitärere Religionen als jemals zuvor schaffen. Mit Hilfe von Biotechnologie und Computeralgorithmen werden diese Religionen nicht nur jede Minute unseres Daseins kontrollieren, sondern auch in der Lage sein, unseren Körper, unser Gehirn und unseren Geist zu verändern und durch virtuelle Welten zu erschaffen. Das Individuum werde zu einem Chip in einem Computernetz, Intelligenz löse sich vom Bewusstsein, die Umgebungsintelligenz ist voller Maschinen, die zwar supersmart sind, aber dafür kein Bewusstsein haben – seelenlose Automaten ohne Gewissen.“ (ZEIT.de)

In seinem monumentalen Werk „Mythos Maschine“ hat Lewis Mumford die Entwicklung der Hochkultur zur perfekten Maschine minutiös beschrieben: „Ich werde zeigen, dass die Lehre von der Natur des Menschen mit ihrer Überschätzung der Rolle, die die Werkzeuge in der historischen Entwicklung der Menschheit gespielt haben und als Maschinen noch heute spielen, eine Irreführung des Menschen ist. Auch Karl Marx irrte, als er den materiellen Produktionsinstrumenten den zentralen Platz und die wegweisende Funktion in der menschlichen Entwicklung einräumte. Den Menschen primär als werkzeugschaffendes Tier zu betrachten, übersieht das Wesentliche der Menschheitsentwicklung. Im Gegensatz dazu behaupte ich, dass der Mensch vor allem ein geistig tätiges, sich selbst meisterndes und formendes Tier ist, dessen primärer Ort die soziale Organisation ist, in der er ein vernünftiges Wesen werden kann.“

Merkel und Trump sind Politiker, die sich mit der Macht über ihre eigene Nation nicht mehr begnügen. Sie gehören einer Kaste an, die seit Jahrhunderten einen „langen, furchtbaren eigenen Willen“ entwickelt hat, „damit endlich die langgesponnene Komödie seiner Kleinstaaterei und ebenso seine dynastische wie demokratische Vielwollerei zu einem Abschluss käme. Die Zeit für kleine Politik ist vorbei: schon das nächste Jahrhundert bringt den Kampf um die Erd-Herrschaft, – den Zwang zur grossen Politik.“ (Nietzsche)

Merkel hat sich in die Reihe jener männlichen Autokraten hinaufgearbeitet, die sich mit demokratischem Firlefanz nicht mehr abgeben und weit über ihre Landesgrenzen hinaus das Geschick der Menschheit lenken wollen. Die Machos versuchen dies mit muskulären Rüpeleien, Merkel hingegen im Gewand einer nie die Contenance verlierenden ancilla dei.

Die Methoden sind verschieden, die Zwecke dieselben: nicht mehr selbstbestimmte Demokraten sollen über ihr Geschick entscheiden, sondern schneidige Prachtexemplare des homo deus. Wie in einer zänkischen Großfamilie schließen sich die Potentaten zusammen, um in gruppendynamischen Animositäten und Sympathien über das Los der Völker zu würfeln.

Der Endkampf um die Erd-Herrschaft hat begonnen – der Zwang zur großen Politik. Nietzsches Prognosen sind weltpolitische Realität geworden. Trump zeigt seine Folterwerkzeuge in furchterregender Ehrlichkeit, Merkel bevorzugt die Tarnung ihrer Führerschaft mit unehrlichen Demutsgesten.

Was ist Nudging? „Das unselige Nudging, also die Lenkung des Verhaltens der Menschen mit psychologischen und technologischen Tricks, gehört von Angela Merkel bis Heiko Maas seit 2015 zu den erklärten politischen Interessenfeldern der Bundesregierung.“ (SPIEGEL.de)

Ein Projektteam des Bundeskanzleramts hat seine Arbeit bereits aufgenommen. Vor allem Heiko Maas preist die Nudging-Methode:

„Nudging ist ein sehr interessantes Konzept“, sagt Maas. Sein Haus arbeitet an ersten Ideen, wie man das neue Instrument nutzen könne. „Ich kann mir vorstellen, dass wir im Bereich des Verbraucherschutzes in der digitalen Welt oder im Finanzmarkt viele spannende Anwendungsmöglichkeiten finden“, hofft der Sozialdemokrat. Er findet das Nudging vor allem aus einem Grund interessant: „Es ist eine gute Idee, wenn Menschen bessere Entscheidungen treffen, dabei aber weiterhin völlig souverän sind.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Menschen werden beeinflusst, ohne dass sie die subkutane Beeinflussung bemerken – und sollen dennoch souverän bleiben? Wie sieht diese Wundermethode konkret aus?

„Hierzu werden die Rahmenbedingungen der Entscheidungsoptionen bewusst so verändert, dass der Entscheidende sich unbewusst in die gewünschte Richtung entscheidet. Die Mechanismen werden von den Entscheidenden dabei nicht als manipulativ wahrgenommen.“ (Digitalwiki.de)

Merkel und ihre Regierung scheuen sich nicht, mit klassischen Suggestivmethoden, wie sie Edward Bernays, Freuds Neffe, bereits in den 20er Jahren in Amerika einführte, die Menschen unterschwellig zu beeinflussen. Der Mensch als selbstbestimmtes Wesen wird negiert. „Was liegt schon an seiner Vernunft“?

Je hinterlistiger die Manipulationskünste der Mächtigen werden, umso mehr verwandelt sich die Würde des Menschen in eine algorithmische Codierung. Die moralische Sprache der Zukunft wird aus zwei Ziffern bestehen: 0 und 1.

 

Fortsetzung folgt.