Neubeginn III

Tagesmail - Mittwoch, den 10. Mai 2017

Hello, Freunde des Neubeginns III,

la poudre de perlimpinpin: wenn Wunderpulver zu faulem Zauber wird. So könnte die vor uns liegende Regierungsepoche des neuen französischen Präsidenten eines Tages überschrieben werden. (TAZ.de)

„Pinpin“ ist ein leichtgläubiger Mensch. Sind religiöse Glaubenssätze für Leichtgläubige? Dann hätte es Macron nicht schwer, christliche Europäer von seinen Zauberfähigkeiten zu überzeugen. Es ist keine Prophetie, sondern eine Prognose: bald wird Macron seinen Bewunderern auf die Makrone gehen.

[„Makrone f.: 'Weihnachtsgebäck aus Eiweiß, Zucker, Mandeln und anderen Zutaten', Makron.„Kokosmakrone: Du fallsch mer uf die M. 'Du gehst mir auf die Nerven'. Durch nl. Vermittlung aus frz. macaron, dies aus ital. Maccaroni.“] (Aus dem „Pfälzischen Wörterbuch“)

Deutsche Leichtgläubige sind von aufgeklärter Art: also Schwergläubige, die täglich zum Himmel stammeln: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. A priori sind sie leichtgläubig (in medialer Hochsprache: sie „geben sich“ leichtgläubig, wobei unklar bleiben soll, sind sie es oder nicht? Das Faktum des Scheins scheint zu verschwimmen mit dem Faktum des Seins, so viel für Faktengläubige), im Nachhinein aber zerreißen sie ihre „übers Wasser gehenden“ Heilsfiguren – die sie gnadenlos in den Fluten versenken, besonders, wenn sie Schulz heißen. Der hinterlistige Gabriel hat seinem abiturlosen Parteikollegen das Amt untergejubelt, damit ...

... er sich als Weltdiplomat regenerieren kann.

Und dann noch Emmanuel – Gott mit uns! Gottlob glaubt kein hartgesottener Zeitgenosse, der felsenfest an die Unsterblichkeit seiner Maschinen glaubt, an diesen lächerlichen Namensklimbim.

Mittlerweilen warten wir gespannt auf die Frohe Botschaft, welchen Glauben die algorithmischen Intelligenzbestien offenbaren werden. Vorläufig wissen wir nur, dass Computer rassistische Vorurteile hegen und ausschließlich weiße Ladies zu Schönheitsköniginnen wählen. Wie der Herr, so’s Gescherr. Nach neusten Fake News soll in Silicon Valley eine digitale Neuausgabe der Heiligen Schrift in Bearbeitung sein. Unter dem provisorischen Motto: Am Anfang war das Wort, dann subito die Maschine. Und die Maschine war das Licht, das (fast) jeden Menschen brotlos macht. Nur so kapiert er endlich, was es heißt: der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Und was meint Johann Sebastian Bach – Lieblingskomponist unseres hugenottischen Leitkulturministers?

„Liebster Immanuel,
du meiner Seelen Trost, komm, komm nur bald
Du, du hast mir, mein Schatz; mein Herz genommen,
so ganz vor Liebe brennt und nach dir wallt

Dein Nam ist zuckersüß, Honig im Munde,
holdselig, lieblich, wie ein kühler Tau,
welcher das Feld erfrischt zur Morgenstunde

Ob mich schon alle Welt verfolgt und hasset,
ob ich gleich bin veracht' von jedermann,
von meinen Freunden auch verlassen
,
nimmt mein Herr Jesus sich doch meiner an
und stärkt mich Müden,
spricht: Sei zufrieden,
ich bin dein bester Freund, der helfen kann.“

Auch der Herr ist ein Zuckerstückchen. Erlöser machen es sich leicht. Alle Probleme lösen sie durch Handauflegen oder beiläufiges Vernichten der Welt. Das kann doch jeder, wenn er omnipotent ist. Deutsche Leichtgläubigkeit, die mühelos ins Gegenteil kippen kann, begann als naive Simplizität.

Simplicius Simplicissimus war der Urroman aller deutschen Stürmer und Dränger. Da der naive Simpel in seiner Unschuld „jedem ungescheut die Wahrheit sagt und die Welt unmittelbar an den Zehn Geboten misst, wird er in einer vorgegaukelten Höllenzeremonie zum Narren erkoren und in ein Kalbsfell gesteckt“.

Die Furcht vor dem Kalbsfell wird unsere Regierung davon abhalten, fremden Despoten die Meinung zu geigen. Bis ins Dritte Reich fühlten sich die Deutschen berufen, der verdorbenen Welt die Wahrheit ins Gesicht zu sagen – und wenn die Welt nicht hören will, muss sie büßen. Zum Dank rotteten sich die Völker zusammen, um den Unheilspropheten die Leviten zu lesen. Seitdem haben die Welterlöser die Rolle der Einfachen abgelegt und sind zu moralverachtenden Schlitzohren mutiert, weshalb sie auch keine Moralisten mehr leiden können, die sie an ihre eigenen simplen Anfänge erinnern.

Ein rechtschaffener Deutscher fühlt sich in seiner Gutgläubigkeit schnell von aller Welt verraten („ob mich schon alle Welt verfolgt und hasset“). Da schinden und plagen sich die Deutschen, um Exportweltmeister zu werden und wenn sie es endlich geworden sind, werden sie von ihren eigenen Freunden angegriffen, wie zerstörerisch sie in ihrer ökonomischen Dominanz seien. Von ihrem Wohlstand sollten sie gefälligst abgeben, um ihre Nachbarn nicht zu schädigen.

Da geriet selbst die demütige Kanzlerin in Rage: nichts da, ich habe recht. Solange ich lebe, wird es keine Solidarität geben.

Gemeinsam, gemeinsam, skandierte die Verteidigungsministerin in der Talkshow – aber erst, nachdem jeder für sich seine Hausaufgaben gemacht habe. Also gemeinsam – gegeneinander! Versteht sich, dass die Hausaufgaben von einheimischen Oberlehrern gestellt werden.

Edelschreiber halten nichts von Besserwissern, im Fall der schweigsamen Mutter aber machen sie eine Ausnahme. Mutter, da du so herrlich schweigst, halten wir dich für den Hort der Weisheit.

Erneut ist Deutschland zur Insel der Seligen und Besserwissenden aufgestiegen. Seltsam, dass die Welt nichts davon wissen will und das Eiland der Besten und Fleißigsten zu schmähen und zu hassen beginnt.

Das Grundübel der Europäer ist ein gigantischer Widerspruch. Sie wollen solidarisch sein, indem sie sich unsolidarisch niedermachen. No bail out: keine Handreichung, das ist der kategorische Imperativ der EU. Und niemand denkt daran, diese Selbstzerstörungsdevise zu ändern. Wie kann man sich gegenseitig unterstützen, wenn man sich schadenfroh degradieren und beschämen muss?

Diese Urfrage, von der alles abhängt, wird in keiner Debatte erwähnt. Den Franzosen und sonstigen Südeuropäern, die den Deutschen an die Geldbörse wollen, wird unterstellt, sie würden klammheimlich ehernes EU-Recht destruieren. Hier sieht man die Sünden des europäischen Kapitalismus akkumulieren.

Es gibt keine unsichtbare Hand, die den Egoismus der Einzelnen zu einem harmonischen Ganzen verbinden könnte. Weder im nationalen, noch im internationalen Bereich. Der globale Freihandel ähnelt einem Wettlauf, an dem alle nach „gleichen Chancen“ teilnehmen – nur mit dem kleinen Unterschied, dass wenige vital, schnell und leistungsfähig, die meisten aber fußkranke Schwache und Alte sind. Die Regeln mögen so gleich sein, wie sie wollen: wenn individuelle Unterschiede auseinander klaffen, kann von Gleichheit keine Rede sein.

Die Frage nach einer effektiven Arbeitsteilung ist belanglos, solange nicht geklärt ist, wer den Profit der Arbeitsteilung einstreicht. Zurzeit kassieren jene, die die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Sie selbst müssen nicht den kleinsten Finger rühren – wenn man das Spekulieren mit Geldmassen nicht als Arbeit bezeichnen will.

Auch Ricardos internationale Arbeitsteilung („komparativer Kostenvorteil“) ist nur ein übler Trick, um die unterlegenen Länder in ihrer Unterlegenheit einzubetonieren. Die potenten Staaten schwirren davon und vergrößern ständig ihren Vorsprung, die technisch unterlegenen „Entwicklungsländer“ sollen bei ihrem Leisten bleiben – und Bananen pflücken.

Dass die Abhängigkeit der Kleinen von den Großen immer größer und erpressbarer wird, kann unter den Teppich gekehrt werden. Interessant, dass Vertreter der internationalen Ausbeutung – obgleich rigide Verfechter des Komplexen – plötzlich von „schlichter Eleganz“ der kapitalistischen Gründerideen sprechen. Wären sie das, könnte es heute keine unlösbar scheinenden Komplikationen des internationalen Freihandels geben. Wobei unter Freiheit die Freiheit der Haie zu verstehen ist, alle kleinen Fische zur Beute zu machen.

Die großen Begriffe des menschlichen Zusammenlebens werden seit Jahrhunderten bis zur Unkenntlichkeit malträtiert und dienen heute der Unterdrückung klärender Debatten. Wenn aufmüpfige Ökonomiestudenten die Forderung nach einer kritischen Wirtschaftstheorie stellen, werden sie durch die Macht des Faktischen niedergebügelt. Es gibt keine Wissenschaft der Ökonomie, solange nicht alle Theorien – von „links bis rechts“ – gleichberechtigt behandelt und debattiert werden.

„Die größten Erkenntnisse der ökonomischen Ideengeschichte sind fast alle von schlichter Eleganz: Sie sind klarsichtige Deutungen des Seins, die auf den ersten Blick irritierend banal erscheinen können.“ (WELT.de)

Das Einfache von oben ist von schlichter Eleganz, das Einfache von unten tölpelhafte Dreistigkeit. Populisten von oben sind Welterretter und Wunderkinder, Populisten von unten vereinfachende Scharlatane. Humane Utopien sind faschismusverdächtige Moralismen, technische Utopien faszinierende Chancen der Zukunft. Ausländische Despoten sind amoralische Monstren, die Forderung nach einer gerechten Welt ist eine moralinsaure Besserwisserei.

Die Sprache der Moderne – von den Medien täglich mehr verschlammt – taugt nicht mehr zur Verständigung. Sie soll es auch nicht. Sprachverwirrung am babylonischen Turm ist das gottverhängte Geschick – und jeder Versuch, dem Geschick Widerstand zu leisten und Verständigung zu erzielen, muss als Blasphemie betrachtet werden. Wenn alles durcheinander kläfft und brüllt, sind es die Machthaber, die ungestört ihre Bahnen ziehen können.

Kaum ist der französische Wundermann im Amt, schon haben die deutschen Leicht- bis Schwergläubigen ihre kunstvollen Fallen gestellt, um ihn – der sich schon jetzt wie Napoleon des Geistes und der Kraft gibt – unschädlich zu machen. Bereits einen Tag nach dem Wahlsieg fragte BILD, die ihn zuvor in den Himmel gehoben hatte: Was wird uns Macron kosten?

Geschichte wiederholt sich nicht? Es ist wie in den Tagen der Französischen Revolution. Zuerst waren alle deutschen Studenten begeistert und tanzten um den Maibaum herum. Doch kaum gab es Probleme, zogen sie sich in deutsche Innerlichkeit zurück. Als zudem der Korse die deutschen Lande heimsuchte, regredierte blauäugige Liebe in uralten Hass und Erbfeindschaft. Eben noch Kosmopoliten, verwandelten sich die deutschen Feuerköpfe in demokratiefeindliche Chauvinisten.

Diesen Zwiespalt gibt es bis heute. Wirtschaftlich sind die Deutschen auf der ganzen Welt präsent, kulturell bleiben sie nationalistische Selbstbewunderer, die sich um das Verstehen anderer Völker und Kulturen nicht kümmern. Touristisch gibt es keinen Winkel dieser Welt, den sie mit ihrer Anwesenheit nicht beehren, zu Hause ist es für sie eine Todsünde, andersdenkende Völker zu verstehen.

Verstehen ist für sie noch immer billigen und absegnen. Dass man versteht, um die Übel der Welt zu erklären und nach Möglichkeit zu korrigieren, ist im Land der ignoranten Besserwisser unbekannt.

Kaum ist Macron en marche, schon dröhnt die deutsche Besserwissermaschine derer, die nichts lieber tun, als andere der Besserwisserei anzuklagen. Minutiös wird den Franzosen vorgerechnet, was sie jetzt zu tun und zu lassen haben, um nicht die deutsch-französischen Beziehungen empfindlich zu belasten.

Wie heißt der Standardsatz der Minute? Jetzt muss Macron liefern. Nicht handeln, nicht mit seinen Verbündeten reden und streiten. Nicht die Völker zur Debatte aufrufen. Aber liefern. Es gibt nur noch die Sprache der Ökonomie. Liefern klingt nach Tauschhandel, nach fairem Geben und Nehmen. Wobei vorausgesetzt ist, dass die Deutschen ihren Beitrag längst geleistet haben. Liefern ist zurückgeben, eine Schuld begleichen.

„Immanuel Macron wird als Retter Frankreichs und Europas gefeiert. Die Frage ist, wie weit der neue Präsident mit seinen Wirtschaftsreformen kommt. Was er jetzt anpacken muss.“ (SPIEGEL.de)

Und dann wird die Liste der Pflichten verlesen. Das Wachstum ist zu gering. Es gibt zu viele Arbeitslose. Die Jugendarbeitslosigkeit und die Staatsschuldenquote sind zu hoch. Der Kündigungsschutz lähmt die Hire-und-Fire-Mentalität der Firmen. Die Mindestlöhne sind zu hoch, die Gewerkschaften zu mächtig. Kurzum: Frankreich ist zu links und gestattet sich den „Stillstand der Gerechtigkeit“.

Wer die Konkurrenz der Nationen gewinnen will, muss amoralische Fehler machen. Nur durch Fehler kommt man vorwärts (fail forwards). Der Motor des „Guten“ ist das entmoralisierte Risiko. Gerechtigkeit ist staatliche Bevormundung, „Deregulierung“ das Motto der Starken, die sich von Spießermoral nicht hemmen lassen wollen. Solange sie nicht über Stock und Stein trampeln, fühlen sie sich von feindlichen Mächten behindert. Mit anderen Worten: Frankreich muss genau so ungerecht werden, wie Deutschland unter dem „SPD-Reformer“ Schröder.

Der Begriff Reform wurde von jenen gekapert, die unter Reform das Gegenteil von sozialen Korrekturen verstehen. An der Spitze der Begriffszerstörer immer die Partei der deutschen Proleten, die bis zum heutigen Tage nicht fähig ist, ihre alten Begriffe zurückholen. Alt aber ist auf neuhochdeutsch: Old school.

Es ist eine perfekte prophylaktische Abwehrmaschine, die die Deutschen – immer mit wohlmeinender Assistenz der Gazetten – in Bewegung setzen. Nur Wirtschaftsfunktionäre und neoliberale Ökonomen kommen zur Sprache. Kein einziger Linker, der den französischen Gerechtigkeitsversuch unterstützen und Merkels Unterwerfungskurs attackieren würde. Wo bleiben die emotionalen Solidaritätsgrüße der Linken und all derer, die die Lage der Ausgesonderten verbessern wollen?

Im Zeitalter der Globalisierung sind stets die Eliten im Vorteil, die nichts anderes tun, als in der Welt herumzudüsen. Sie wissen, wie andere Eliten ticken, sie kennen ihre averbale Sprache. Bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit treffen sie sich in sündhaft teuren Paradiesen der Welt, in geschlossenen Konferenzen und bei gesellschaftlichen Höhepunkten. Was hinter den Kulissen ausgemauschelt wird, darf ahnungsweise nur der aussprechen, der den Vorwurf der Verschwörungstheorie nicht fürchtet.

Es sind mehr als Ahnungen. Was sie vor und hinter den Kulissen ausbrüten, sieht man – wenn man sehen will. Der miserable Zustand der Welt ist das offene Verschwörungs-Fazit der Mogule und Tycoons. Verschwörungstheorie – ein geniales Wort, um die reelle Vernetzung der planetarischen Führungsschichten als Phantasmagorie zu diffamieren.

Zuerst die einlullende Bewunderung:

"«Wir beobachten in Frankreich eine Aufbruchstimmung», sagt der Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer dem SPIEGEL. «Macron hat eine hohe moralische Legimitation als Kandidat des Wandels.» Auch für Clemens Fuest, den Chef des Münchner Ifo-Instituts, ist der Wahlsieger «der bestpositionierte Kandidat, um Reformen voranzubringen». Er sei politisch keinem Lager festgelegt und zeige Erneuerungswillen, sagt Fuest. «Macron ist eine Chance für Frankreich und für Europa. Die Frage ist, wie weit er mit den Reformen kommt.»"

Dann der objektiv gebotene Niederschlag:

«Ein Reformdurchbruch ist unwahrscheinlich», sagt Krämer. Die ganz schwierigen Themen wie die 35-Stunden-Woche oder die Mindestlöhne für die bereits Beschäftigten werde Macron kaum anfassen, sagt Fuest“.

Dann werden die Brutalitäten für die Unteren serviert, die den Gewinn für die Milliardäre steigern sollen:

"«Er wird auf gut organisierte Interessengruppen treffen, da wird es schwer werden, viel einzusparen», sagt Fuest. «Sinnvoll wäre es, die Bevölkerung verstärkt auf künftige Lasten einzustellen, etwa indem man beschließt, das Rentenalter schrittweise in der Zukunft zu erhöhen und einen Nachhaltigkeitsfaktor einzuführen.»"

Aus dem Wörterbuch der Bramahnen: Gut organisierte Interessengruppen sind nicht die Industrieverbände, die stets am Gemeinwohl orientiert sind, sondern Egoismusverbände wie die Gewerkschaften, die nur an sich selber denken. Nicht die Leistungsstarken sollen die wachsenden Lasten auf ihre Schultern nehmen, sondern jene, die unfähig sind, sich selbst Arbeitsplätze zu schaffen. Und der Nachhaltigkeitsfaktor ist auch kein ökologischer Begriff.

Erneut bedienten sie sich des gegnerischen Vokabulars, um die eigene moralfreie Sprache moralisch zu dekorieren. Doch wie will Macron all diese teuren Reformen finanzieren, wenn er nicht über das nötige Kleingeld verfügt? Die Lage scheint aussichtslos.

Da kommt die List der Gallier ins Visier der Teutonen:

„Am liebsten wäre es Macron, sich das Geld über Europa zu beschaffen. Macron hat sich im Wahlkampf immer wieder für ein spezielles Eurozonenbudget ausgesprochen, das derlei Konjunkturprogramme finanzieren soll; Sigmar Gabriel hat ihn dabei unterstützt. Finanzieren will Macron das Budget über eine Gemeinschaftsteuer. Zudem hat er sich immer wieder dafür ausgesprochen, die Aufnahme von Schulden durch die Ausgabe von Eurobonds zu vergemeinschaften.“

Ausnahmsweise wird der Begriff Eurobond erklärt: die Vergemeinschaftung der Schulden. Damit niemand auf die Idee kommt, das füreinander Eintreten könnte sinnvoll sein, wird sie durch einen abschreckenden Begriff verunstaltet. Begriffe des Herrschaftswissens müssen abschrecken, verführen, vernebeln, vor allem das kritische Denken des Pöbels verhindern.

Doch jetzt kommt die deutsche Herrscherin Europas:

„Mit der derzeitigen Bundesregierung wird das wohl nicht klappen. Eurobonds oder andere Formen der gemeinschaftlichen Haftung für Schulden werde es nicht geben, "solange ich lebe", hat Angela Merkel vor fünf Jahren geschworen. Auch aus Macrons Wunsch nach einem gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzminister für den Euroraum wird so schnell nichts, prophezeit Commerzbank-Ökonom Krämer. «Es war noch nie so klar wie heute, dass der Euroraum mehr gemeinsame Wirtschaftspolitik braucht. Es war aber auch nie so klar, dass viele Bürger genau das nicht wollen. Sie wollen Kontrolle über die Wirtschafts- und Finanzpolitik wieder auf der Ebene des Nationalstaats sehen.»“

Es war aber auch noch nie so klar: Commerzbank-Krämer lügt, dass sich die Balken biegen. Als die europäischen Völker vor Jahren mehr Gemeinsamkeit im Sozialen und Ökonomischen wünschten, wurden sie kurzerhand zum Schweigen gebracht. Mag sein, dass nationale Überheblichkeit mittlerweilen auch in die unteren Etagen drang – die AfD ist keine Partei der Abgehängten, sondern gut verdienender Deutschtümler –, dennoch ist festzuhalten, dass aufgeklärte Bevölkerungen stets europafreundlicher waren als machtgierige Provinzfürsten. Dass Merkel an dieser Stelle hemmungslos ihren absolutistischen Regierungsstil offenbart, ist für den Artikelschreiber keine Bemerkung wert.

Auch IFO-Chef Fuest lässt seine logischen Fähigkeiten von der Kette:

«Auch Deutschland sollte sich nicht grundlegend verweigern gegenüber der Idee eines Eurozonenfonds, einer Art Versicherung, in die alle einzahlen und der Ländern hilft, die in tiefe Krisen fallen.» Darüber sollte man aber nur reden, wenn gleichzeitig Elemente der No-Bailout-Klausel glaubwürdig gestärkt würden. Diese besagt, dass die Staaten innerhalb des Verbunds nicht füreinander einstehen müssten.“

Gewiss, die Idee einer gegenseitigen Unterstützung könnte man in Erwägung ziehen – wenn man zeitgleich das Solidaritäts-Verbot verstärken würde. Tu was, indem du es nicht tust: das muss neoliberaler Scharfsinn sein.

Fazit für Macron? Hoffnungslos. Kein Wörtchen darüber, dass Deutschland seine unsolidarische und übermächtige Wirtschaftspolitik ändern müsste. Je mehr das Lager der internationalen Kritiker deutscher Rechthaberei wächst, umso unfehlbarer tritt Merkel der Welt entgegen. Sie können unsere Überlegenheit nicht neidlos anerkennen: deshalb wollen sie uns schröpfen, denkt Merkel und die Deutschen folgen ihr immer mehr – um ihren mütterlichen Segen nicht zu verlieren. Die nächste GROKO, sie steht schon vor der Tür.

Wir brauchen nicht nur lutherisch-standhafte Pastorentöchter. Wir brauchen endlich echte Kerle mit offenem Hemdkragen, die sich in instinktiver Männlichkeit verstehen – wie Kubicki und Habeck, die Erfinder der nächsten Koalition im kühlen Norden. Meint der echte Kerl Ulf Poschardt in der WELT:

„Wolfgang Kubicki und Robert Habeck zum Beispiel. Als sich die beiden Wahlsieger Sonntagabend in Kiel vor laufenden Kameras begrüßten, machten sie aus ihrer wechselseitigen Sympathie und Wertschätzung keinen Hehl. Die beiden ansehnlichen Kerle mit einer Vorliebe für weit aufgeknöpfte weiße Hemden, die gut zum eleganten Ostsee-Teint passen, warfen sich gegenseitig die Bälle zu, so frech und feixend, dass der Mann von der ARD nur staunen konnte. Sie stellten sich als Duo da: Sie sind die Königsmacher.“ (WELT.de)

Fort mit dem nervigen Moralgefasel. Sattelt die Pferde! Mit Pfadfinder-Hurra und einer kräftigen Prise Ernst Jünger an die Front der Zukunft, die wir nur gewinnen werden, wenn wir der Devise folgen:

„Ein Jamaikabündnis im Norden könnte bundespolitisch Akzente setzen. Habeck geht es um soziale Empathie ohne Umverteilung.“

Da haben die Gelehrten und Einflussreichen zusammen gefunden. Der Philosoph Peter Sloterdijk machte einst den revolutionären Vorschlag, die Reichen nicht durch Steuern zu belangen, sondern auf freiwillige Abgaben zu setzen. Lasset eure Herzen sprechen und nicht eure kalten Geldbörsen. Sind wir nicht in der Harmonie des faulen Zaubers angekommen?

Soziale Gefühlsbigotterie ohne politische Folgen nannte man einst – christliche Almosen. Wenn das Almosen in den Himmel springt, die irdische Gerechtigkeit im Boden versinkt. Zuerst muss Deutschland liefern, damit Macron liefern kann.

 

Fortsetzung folgt.