Weltdorf LXXXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 22. März 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LXXXIV,

Trump ist ein notorischer Lügner – doch he, wir lügen alle.

„Trump lügt wie nie ein Politiker zuvor.“ (WELT.de)

„Ja, jeder Mensch lügt regelmäßig.“ (WELT.de)

Julian Reichelt, der BILD mit einer Galerie von Heiligen und Nackerten zu einer heroischen Kriegspostille (gegen wen nochmal?) erheben will, behauptet, Trump wolle mit seinem Land vom Punkt Null an beginnen. Irrtum: Trump beginnt, wo die Pilgrim Fathers begannen, als sie Gottes eigenes Land auf den Knochen der Ureinwohner erbauen wollten.

Ganz von vorne zu beginnen, war der Traum der frühen Moderne. Lockes unbeschriebene Tafel – gegen den gesamten Bildungsmüll der Scholastiker – galt nur „von Geburt an“. Ab dem ersten Augenblick begannen die „Eindrücke der Außenwelt“ den Menschen zu prägen.

Außenreize sind Botschaften der Gesellschaft, die keineswegs eine tabula rasa war. Wenn nicht von innen, so wurde der Mensch von außen geprägt. Noch immer durch die Macht der Tradition, die man ausblenden wollte.

Dennoch war Locke von der christlichen Lehre der Taufe beeinflusst. Durch das Wasser des Lebens wurde der Mensch ein neues Wesen. Neu aber nur in den gnädigen Augen des Vaters, der den Getauften von Christus überkleidet ansah. Empirisch blieb der Mensch ein Sünder, wie Bultmann formulierte, vor Gott war er ein neues Geschöpf. Luther prägte die Formel: „Sünder und gerecht zugleich“ (simul justus et peccator).

Die Philosophen der Moderne wollten den Menschen der innengeleiteten Macht der christlichen Tradition entziehen – und überantworteten ihn der Macht der ...

... Gesellschaft. Die Innenlenkung durch die Macht des Wortes wurde ersetzt durch die Macht der öffentlichen Gesellschaft – die noch immer eine christliche war. Lockes Lehre von der tabula rasa lieferte den Menschen der Macht der Gesellschaft aus, die zur außenlenkenden Geld- und Konsumgesellschaft degenerierte.

Aus dem innengeleiteten Menschen wurde der außengeleitete. Der durch Predigt indoktrinierte Innerlichkeitsbeschauer wurde zu einer Marionette der Außenwelt, die mit Lohn und Konsum gelenkt wurde.

Streng genommen war auch der innerliche Mensch von Außen, sprich: von Oben, geprägt. Das Wort, das den Menschen in ein neues Wesen verzaubern sollte, war nicht die Stimme des Menschen, nicht das Produkt seiner Vernunft. Offenbarung war die Wahrheit des Schöpfers, die dem Menschen durch Außenreiz der Predigt vermittelt werden musste.

Wahre Innerlichkeit ist die Stimme der menschlichen Vernunft, die er durch Nachdenken, Erinnern und Streiten hörbar machen muss. Werde, der du bist, heißt: bring die Stimme deiner natürlichen Vernunft zum Klingen. Mach hörbar, was bislang stumm in deinem Inneren verborgen war.

Was wissen wir jetzt mehr vom mächtigsten Mann der Welt?

Trump, der Sünder, zieht ungehemmt vom Leder. Trump, der Gerechte, weiß sich auf der wahren Seite der Geschichte. Schamloses, öffentliches Sündigen ist Veitstanz vor der Welt – um Gott zu dienen. Trumps Gott heißt America first. Nichts ist verboten, was den Erwählten nützt. Alles ist erlaubt, wenn es durch die Unbesiegbarkeit einer frommen Gesinnung abgesegnet wird.

Trumps Dreistigkeit ist die überlegene Macht des Erwählten, der im Schoße Gottes sitzt – und die Welt nach Belieben zum Affen hält. Wenn er lügt, hält er der Welt den Spiegel des Herrn vor: „alle Menschen sind Lügner.“ Warum? Weil sie die Wahrheit Gottes leugnen. Indem sie auf ihre natürliche Vernunft hören, folgen sie der Stimme des Widersachers: „Der Teufel ist ein Lügner.“

Lügen ist kein Privileg Trumps. Auch die engelgleiche deutsche Kanzlerin bewies oft genug, dass sie „Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“ betrachtet. Nietzsche, der Pastorensohn, wusste, dass dem Herrenmenschen – dem Äquivalent des Erwählten – nichts verboten ist, wenn es im göttlichen Auftrag erfolgt.

Göttlich ist das Außermoralische. Gott kennt weder Moral, noch Gesetze der Vernunft, an die er sich halten müsste. Dem, was er selber schuf, kann er niemals untertan sein. Was er selber aus Nichts erschuf, ist für ihn Nichts, das er beliebig in ein anderes Nichts verwandeln kann.

Die Moderne ist eine trübe Melange aus Vernunft und Glauben. Die Moral der Vernunft verbietet kategorisch das Unvernünftige und Unmoralische. Da es die eigene Stimme des Menschen ist, der sich selbst befiehlt, folgt er seinem eigenen Ich – und keinem fremdem Über-Ich –, wenn er seiner Vernunft als moralischer Gesetzgeberin vertraut. Moralisch sein ist kein heteronomer Gehorsam, sondern ein selbstbestimmter Erkenntnisakt. Das pflichtgemäße Sollen wird durch Erfahrung zum Bedürfnis.

Kinder, die in einer humanen Moral aufwachsen, stehen dem Inhumanen fremd, unverständig und abweisend gegenüber. Das Bedürfnis, moralische Gewohnheiten im Trotz über den Haufen zu werfen, entwickeln sie nur, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Alle Unmoral, alle kriminellen und terroristischen Akte gegen die Gesellschaft sind Racheaktionen eines ungeliebten Lebens.

Eine selbstgefällige Leistungsgesellschaft will das nicht zur Kenntnis nehmen. Was ist los in unserer Gesellschaft? Wie sind solche Grausamkeiten in unserer Mitte zu erklären: so repetieren sie in Dummstellerposen ihre verständnis-verweigernden Gegenfragen.

Wahrheiten dürfen nicht selbstverständlich sein. Man muss das Überkomplexe suchen, damit man das Einfache ignorieren kann. Wäre etwas einfach, könnte man es abstellen. Eben dies darf nicht sein. Der Mensch darf nicht das Gefühl entwickeln, lernend sein Schicksal zu meistern. Er muss Knecht der Geschichte und des Fortschritts bleiben.

Die Moderne wurde zur Verleugnerin des Kindlichen. Das Kindliche ist immer einfach – wobei das Einfache durchaus nicht leicht und mühelos sein muss. Die kinderfeindliche Welt der Erwachsenen beginnt mit einem Vernichtungskrieg gegen alles, was der „gesunde Menschenverstand“ schon immer gewusst hat.

In Deutschland hat der gesunde Menschenverstand keinen guten Klang. Er wurde zu einer Mischung aus angelsächsischer Krämerlist und völkischer Dumpfheit. Da „gesund“ das Synonym arischer Übermenschen, „krank“ das Ekelzeichen des Lebensunwerten war, darf man sich heute über die Pathologisierung des Gesunden nicht wundern. Noch weniger über die paradoxe Verherrlichung körperlicher Gesundheit, die man Fitness oder Selbstoptimierung nennt.

Psychische Gesundheit darf niemals zur Weisheit werden. Zur Fähigkeit, die Dinge der Welt aus der Sicht einer fröhlichen Humanität wahrzunehmen. Gesundheit ist nur als Voraussetzung wachsender Leistungsfähigkeit zulässig.

Wäre Trump nicht Präsident geworden, wäre er als Milliardär ein Inbegriff des gesunden Selfmademans geblieben. Erst im Weißen Haus erkannte man, dass seine Gesundheit eine „narzisstische“ Krankheit war. Wenn gilt, dass Massenneurose vor Einzelneurose schützt, sah Amerika sich von dem gewählten Champion in dem Moment bloßgestellt, als die Einzelneurose in den Blickwinkel der ganzen Welt rückte.

Amerika fühlte sich von Trump entlarvt, also musste er zu einem klinischen Einzelfall separiert werden. Nein, mit dem amerikanischen Kollektiv-Charakter darf der solistische Wüstling nichts zu haben. In Deutschland dasselbe Spiel mit einer Kanzlerin, die einst gescholten wurde – gescholten wird sie schon lange nicht mehr, man braucht Mutti als Schutz gegen ein Europa, das immer mehr gegen die deutsche Überlegenheit rebelliert –, um sich nicht fragen zu müssen: könnte es an uns hängen, dass wir eine solche Madonna nötig haben?

Was bewirkt die Melange aus Vernunft und Glauben? Vernunft gebietet eine eindeutige Moral. Dem Glauben hingegen ist nur die vage, fromme Gesinnung wichtig. Welche Taten aus ihr folgen, ist belanglos.

Wir halten fest: in den vor-trumpschen Zeiten galt ein halbes Jahrhundert lang eine internationale Moral der Vernunft. Zumindest dem Scheine nach. Jedes Verbrechen gegen die Menschenrechte musste gesalbt werden mit dem Öl der Vernunft und Humanität. Jeder militärische Akt der USA gegen eine fremde Nation war ein demokratischer Missionierungsakt. Der Krieg des Westens gegen Belgrad diente – nach Joschka Fischer – nur dem Zweck: nie wieder Auschwitz.

Ab Trump erleben wir einen Paradigmenwechsel. Die Eindeutigkeit der Vernunftmoral, die längst zur kollektiven Heuchelei des Westens degenerierte, wurde von Trump ins Gegenteil verkehrt: das Amoralische wird zur Norm, das Moralische wird nur noch benutzt, um der Welt Sand in die Augen zu streuen.

Es entsteht eine umgekehrte Heuchelei. In seinem antinomischen Milliardärstheater wird das Amoralische für Trump zur unverstellten Ehrlichkeit. Wer diese Ehrlichkeit nicht bewundert, ist ein bigotter Moralist – den man in Deutschland als Gutmenschen zu beschimpfen pflegte. Kein Zufall, dass die Attacken gegen die Gutmenschen – einst die täglichen Sottisen jedes Feuilletons – verstummt sind. Kein Buch von Rang, das eine moralische Botschaft haben durfte. Wer die Welt nicht als moralfreie, zum Untergang bestimmte Irrenanstalt beschrieb, durfte auf eine lobende Erwähnung bei Ijoma Mangold nicht hoffen. Trump wegen Amoral anzugreifen, gleichzeitig die Moralisten an den Pranger zu stellen, das gelingt selbst den zynischsten Edelschreibern nicht mehr.

Dasselbe Spiel mit der Wahrheit. Vor Trump galt das Reden von der Wahrheit als Stupidität. Wie aber will man einem Lügner seine Lügen ins Maul zurückstopfen, wenn es keine Wahrheit gibt? Ist Lügen kein Verstoß gegen die Wahrheit?

Die Medien, immer dem Tag verpflichtet, kennen keine übertätige Pflicht zur Selbstkritik, um Irrtümer und Lügen zu bereinigen und der Wahrheit die Ehre zu geben. Trump ist das Waterloo einer schreibenden Zunft, die das Wahre und Unwahre, das Gute und Schlechte als gleichwertig betrachtet. Das klingt nach hartem Schwarz-Weiß. Kein Zeitbeobachter versäumt es, seine Vorliebe für das Graue zu betonen und jeden Dualismus als dogmatische Intoleranz zu ächten.

Menschliches Verhalten ist meistens grau, selten eindeutig gut oder böse. Die Bewertung des Verhaltens aber muss sich scharfer und eindeutiger Kriterien bedienen. Nur wer sich klare Ziele steckt, kann sich lernend verändern.

Lügen ist für Nietzsche unvermeidbar. Denn die Sprache der Menschen ist nicht wahrheitsfähig. Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein. „Nietzsche weist darauf hin, dass der Gebrauch von Worten in konventioneller Weise keine Wahrheit enthält. Da Menschen jedoch gesellschaftliche Wesen sind und ihre Sprache traditionellen Mustern folgen muss, besteht Wahrhaftigkeit in der moralischen „Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen“.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wahrhaftigkeit ist die Pflicht, mit einer minderwertigen Sprache zu lügen. Die alte Sprache soll zerstört und durch „eigene kreative Schöpfungen“ ersetzt werden. Wenn jeder seine private Sprache spricht: wie soll es zur demokratischen Verständigung kommen?

Nietzsche, der Gottestöter, bleibt in biblischer Tradition. Beim Turmbau zu Babel zerstörte Gott die gemeinsame Sprache der Menschen, damit sie sich nicht mehr verstehen. Zum Pfingstfest erhielten die Wiedergeborenen eine neue Zungensprache, die von den Heiden nicht mehr verstanden wurde. Eben dies – von Ungläubigen nicht verstanden werden – ist für Fromme das Siegel ihrer Wahrheit.

Die Kirchen haben keine Schwierigkeit, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat aus der lutherischen Nichtswürdigkeit des Menschen abzuleiten. Jürgen Kaube, FAZ, versucht, die lutherische Droge zu ironisieren: „OK, das finden wir jetzt auch nicht so gut, aber dass der Mensch sich nicht selbst erlösen kann, das war richtig, und die Gewissensfreiheit, die daraus folgte, und die Menschenrechte, die aus ihr folgten, und dann die Demokratie und der Rechtsstaat, die aus ihnen folgten, das kann man doch alles sehr gut feiern. Das sind aber ziemlich viele „folgte“ und weder Luther noch die Reformation wussten von all dem etwas.“ (FAZ.NET)

Nicht der selbstbewusste, mit Vernunft begabte Heide hatte die Fähigkeit, alle Menschen als gleichberechtigte Wesen anzuerkennen. Es war der Gläubige, der sich vor Gott zum Wurm erniedrigen muss. Dass die Verwüstung der Sprache, die Verluderung des Denkens auch seine deutsche Kanzlerin betrifft, hat Kaube zu erwähnen unterlassen.

Du sollst nicht lügen. Würde man Christen auf der Straße fragen, woher dieses Gebot kommt, würden sie mit Sicherheit auf die Heilige Schrift verweisen. Seltsam, in den zehn Geboten findet man kein Lügenverbot. Stattdessen das Gebot: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.“ Experten kommentieren dieses Gebot: „Das Verbot der gerichtlichen Falschaussage, wird in Christentum und Judentum weithin als generelles Verbot der Lüge interpretiert.“

Wenn es von Frommen weithin so interpretiert wird, muss es ja seine Richtigkeit haben. Doch selbst, wenn die Interpretation richtig wäre, wie passt sie zusammen mit den folgenden Ausführungen, wonach Lügen von Gott befohlen werden kann?

„Es ist aber auch festzustellen, dass in manchen Texten die Lüge nicht prinzipiell abgelehnt wird. Besonders auffällig ist die dreifach überlieferte „Gefährdung der Ahnfrau“ (Gen 12,10-20): hier sichert die Lüge des Stammvaters Abraham bzw. Isaak das Überleben des Gottesvolkes. In Gen 27 erlistet Jakob durch eine Reihe von Lügen den väterlichen Segen, ohne dass das negativ bewertet würde; ähnlich Gen 38, wo die mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen arbeitende Tamar ausdrücklich als „gerecht“ dargestellt wird. Die Bibel geht also davon aus, dass Lügen unter bestimmten Umständen geradezu nötig sind.

Wenn die Bibel das Lügen unter bestimmten Umständen für notwendig hält, wie kann man dann das kategorische Verbot des Lügens aus ihr ableiten? Erneut sehen wir den Willkürcharakter der heiligen Gesetzlosigkeit (Antinomie). Alles klingt wie in Stein gemeißelt. Bei näherem Zusehen aber wird die pflichtgemäße Eindeutigkeit zur beliebigen Farce. Der Alttestamentler Gerhard von Rad bestätigt die Willkür des göttlich Gebotenen:

„Zu einem Gesetz im engeren Sinne des Wortes, zu einer Anweisung zum moralischen Leben, fehlt dem Dekalog das Wichtigste: die positive Füllung, ohne die sich ein Gesetz nicht wohl denken lässt. Sattdessen verzichtet er darauf, das Leben inhaltlich zu normieren. Hier wird klar, dass die Gebotsreihen gar nicht die Absicht haben, so etwas wie ein Ethos zu umreißen. Innerhalb des von den Geboten umsteckten Lebensraums liegt ein weites Gebiet sittlichen Handelns, das durchaus unnormiert bleibt.“

Es kommt noch besser. Bei dem Propheten Hesekiel folgt eine vernichtende Selbstkritik der heiligen Gebote. „So habe ich auch ihnen Satzungen gegeben, die nicht gut waren und Gebote, durch die sie nicht am Leben bleiben konnten.“ Gott gab seinen Geschöpfen Gesetze, die ihren Tod bedeuteten?! Ein größerer Kontrast zu einer menschenfreundlichen Humanität ist nicht denkbar.

Vollends im Neuen Testament kommt es auf keine eindeutigen Taten an. Die Gesinnung – oder der Glaube – entscheidet allein über die Qualität der ethischen Handlungen. Wenn Gott einen Baum für gut erklärt, müssen auch seine Früchte gut sein – und wenn sie von Würmern zerfressen werden. Wenn ein Christ im Fieber der Liebe handelt, darf er sich unfehlbar fühlen. Unmoralische Taten zu vollbringen, ist er unfähig geworden. Im Hochgefühl ihrer liebenden Perfektion haben Christen ganze Völker und Kulturen unterjocht und vernichtet.

Heute wundert sich der Westen, dass jene Völker in angestauter Wut zurückschlagen. Der Kern der heutigen internationalen Krise ist die aggressive Selbstsicherheit jener Völker, die sich vom Westen nichts mehr gefallen lassen und ihm in gleicher Münze zurückzahlen. Nach vielen Jahrhunderten der Demütigung, Ausraubung und Ermordung unendlich vieler Menschen fühlen sich die Opfer des Westens endlich so stark und gleichberechtigt, dass sie sich nichts mehr, aber auch gar nichts mehr gefallen lassen wollen.

„Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.“

Also ist nichts Sünde, was aus Glauben geschieht. Das ist die Lizenz zu allen Schandtaten dieser Welt – im Namen des Glaubens.

Trump ist ein krankhafter Lügner. Fachleute sprechen von Pseudologia phantastica. Für den Psychoanalytiker Heinz Kohut ist zwanghaftes Lügen „die Folge einer frühkindlichen Verwahrlosung. Menschen, die schon in der Säuglingszeit auf idealisierbare Eltern hätten verzichten müssen, ersetzten diesen Verlust durch die Phantasie der eigenen Allmacht (Größen-Selbst).“

Wenn Trumps Einzelneurose während der ganzen Zeit seines Aufstiegs nicht als Krankheit erkannt wurde, kann dies nur bedeuten, dass Amerikas nationale Pädagogik eine Massenneurose züchtet, die mit neoliberalen Fortschritts- und Machtparolen notdürftig kaschiert wurde. Es ist Trumps Verdienst, die Verdrängung revidiert und die allpräsente Seelen-Krankheit des gesamten Westens ins grelle Licht der Aufmerksamkeit gerückt zu haben.

Mittlerweilen fühlen sich die Deutschen ihren einstigen Befreiern um Welten überlegen. Grandiosität war schon immer der Beginn einer messianischen pseudologia phantastica.

 

Fortsetzung folgt.