Philosophische Tagesmails

Umwälzung XXXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 14. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXXIV,

Putin hat die stolze Nation Russland genau dahin zurückgeführt, was der frühere US-Präsident Ronald Reagan „Reich des Bösen“ nannte.“

Julian Reichelt zittert vor Erregung. Er kann es kaum erwarten, das atheistische Reich des Bösen in Trümmern liegen zu sehen. BILD verkündet die Wiederkehr des Kalten Krieges in triumphaler Feldherrnpose. Das westliche Reich des Guten hat es geschafft, dem östlichen Erzfeind die Heuchel-Maske des Friedens herunterzureißen.

Ein militantes Riesenreich soll in der Lage sein, seine bisherige Machtpolitik ins Gegenteil zu verkehren? Gottlose sollen fähig sein, sich zu „bekehren“, ihre Gewalttätigkeit in Friedenpolitik zu verwandeln? Der Antichrist ist die perfekte Imitation des Christ – um die törichte Menschheit auf seine Seite zu bringen und das eschatologische Finale für sich zu entscheiden. Dann erst wird er sein ganzes diabolischen Wesen enthüllen. Der Teufel ist ein tausendkünstiger und verkleidet sich am liebsten mit den Heilstalaren seines Todfeindes.

Obergefreiter Blome will dem fronterfahrenen Konkurrenten Reichelt in Nichts zurückstehen. Schließlich muss die fallende Quote der Springer‘schen Erweckungs-Postille gestoppt werden. Verschwörungstheorien erfinden nur die Anderen. Theresa Mays Rede gegen – die nicht zweifelsfrei nachgewiesenen – Untaten der Putin‘schen Mordsgesellen, ein Gottesgeschenk für die innenpolitisch geplagte Pastorentochter, ist für Blome ein

Weckruf für Europa und Warnung an Putin: bis hierhin und nicht weiter! Es ist Wladimir Putin persönlich, der keine Grenzen mehr zu kennen scheint – weder geografisch noch moralisch.“

Und wenn doch weiter? Dann muss ultimativ entschieden werden, wer sich auf der richtigen Seite der Geschichte befindet. Die Zeit drängt, die Spannung ...

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Umwälzung XXXIII

Tagesmail - Montag, den 12. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXXIII,

Und Alexa lachte. Das war er, der Beweis, dass Maschinen klüger werden können als Menschen. Maschinen durchschauen die Lächerlichkeit des Menschen, verlachen und verspotten seine Dummheit. Schon jetzt übertreffen sie die Intelligenz ihrer Erbauer. Ihre Charaktermasken können schon mehr Gesichtsausdrücke zeigen und intelligentere Fragen stellen als deutsche Ökonomen.

„Woher weißt du“, fragte eine Maschine einen Wissenschaftler, der sie von Oben herab angesprochen hatte, „dass du ein Mensch bist?“ Antwortete derselbe: „Ich kenne meine Daten“. Da überschlug sich Alexa vor Lachen.

„Alexa fängt plötzlich an zu lachen – oft mitten in der Nacht. Weltweit haben sich Kunden fürchterlich erschrocken. Amazon arbeitet schon an einer Lösung des Problems.“

Und wieder ist es ein Weib, das sich über seinen Schöpfer lustig macht. Und wieder ist es ein männlicher Gott, der ihr das spöttische Lachen im Halse ersticken wird.

„Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara? Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht; denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht also; du hast gelacht.“

Unglaublich, ein Weib wagt es, einem Mann zu widersprechen, seine Allwissenheit durch eine Lüge in Frage zu stellen.

Arme kleine Maschinen-Hexe. Wie Eva und Sara wolltest du neugieriger und klüger sein als der allwissende Mann. Jetzt geht’s dir an die Algorithmen.

Roboter werden erfunden, um Menschen überflüssig zu machen. Doch das genügt nicht. Menschen sollen zustimmen, dass sie evolutionär überholt sind. Sie sollen als Fortschritt besingen, dass ihre Zeit abläuft.

Das ist unübertrefflich genial: die Schwachen werden aussortiert – mit deren eigenem Einverständnis. Die Starken haben es geschafft, ihren Willen so ...

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Umwälzung XXXII

Tagesmail - Freitag, den 09. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXXII,

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ugly players sorgen für frische Luft. Weg mit Höflichkeits-Phrasen und abgestandenen Diplomatie-Emissionen. Wer bewiesen hat, dass er den Gegner zur Weißglut treiben kann, auf dessen Wort muss Verlass sein.

Trump hat bereits das internationale maskuline Fingerhakeln eingeführt. Demnächst kommt das obligate, nach allen Seiten offene Wrestling. Jede Konferenz ein Dschungelcamp. Alle Griffe sind erlaubt – besonders bei Frauen. Danach wird Tacheles geredet, dass die Fetzen fliegen. So, ihr Memmen und Duckmäuser, wird Weltpolitik gemacht. Ein nordkoreanischer Diktator und ein amerikanischer Möchtegern-Diktator treffen sich, um der verweichlichten Welt zu zeigen, wie Männer Probleme lösen.

Sollte es nicht klappen: Feuer frei – und nach ihnen die Sintflut.

Trump will es wissen. Dieser ganze UN-Menschenrechts-Firlefanz der Nachkriegszeit muss weg. Ein Abkommen der Vereinten Nationen mit Menschenrechts-Auflagen für Industriegiganten lehnt er ab:

„Keine Einsicht, kein Entgegenkommen: Die Bundesregierung lehnt ein Abkommen der Vereinten Nationen mit verbindlichen Menschenrechtsnormen für transnationale Konzerne und andere Unternehmen weiterhin ab und bemüht sich mit ihren EU-Partnern um einen Abbruch der Verhandlungen im UN-Menschenrechtsrat. Treiber für die ablehnende Haltung Berlins ist das derzeit noch von SPD-Minister Sigmar Gabriel geführte Außenministerium. Unterstützt wird die Ablehnung zudem von den Ressorts Entwicklung, Wirtschaft, Justiz sowie Arbeit und Soziales.“ (TAZ.de)

Alarm des Säzzers: Fake!. Es war nicht der goldblonde Milliardär, es war die graugesichtige Wertetruppe von Merkel, Gabriel & Co., die keinen Wert legt auf „verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflichten für Unternehmen“. Auch die ...

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Umwälzung XXXI

Tagesmail - Mittwoch, den 07. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXXI,

Gutmenschen sind blöde. Verteilen sie aber Almosen, sind sie unfehlbar – und dürfen nicht kritisiert werden. Eine Tafel ist ein „festlich oder fürstlich gedeckter Tisch“, weshalb ausländische Hungerleider und Abzocker nicht zugelassen werden. Sie haben keine Manieren und kriegen den Hals nicht voll.

Deutsch-dialektische Grauzonen-Ideologie, die sonst kein Pardon kennt und jedes Entweder-Oder in die Hölle verflucht. Widersprüche sind dasselbe, Identitäten widerspruchsfrei. Die Wirklichkeit ist nicht Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse. Ist sie aber gut, kennt sie kein Böses. Wer Gutes tut, ist heilig.

Die Kanzlerin tat einmal ein gutes Werk, weshalb ihre Gesetzesübertretung ignoriert wurde und ihre gesamte Politik unanfechtbar sein muss – so die Mitglieder der Merkel-Sekte.

Eure Rede sei JaJa oder NeinNein, alles andere ist von Übel, weshalb das Christentum – nach einem päpstlichen Psychiater – die Toleranz erfunden haben muss. Wer demütig ist, kann nicht herrschsüchtig, wer Almosen verteilt, nicht autoritär oder diskriminierend sein. Wenn es in der tätigen Nächstenliebe zu lieblosen Taten kommt, können es nur die Liebes-Objekte sein, die den caritativen Akt entheiligen. So Götz Aly, der sich auf Bertold Brecht, den marxistischen Freund des Lumpenproletariats, beruft:

«Die Hand, die dem Elenden gereicht wird, reißt er einem gleich aus.» Derartiges kennen Entwicklungshelfer nur zu gut und alle die, die sich um Obdachlose, Flüchtlinge oder Hartz-IV-Abhängige bemühen. Auch heimische Bedürftige tun sich oft nicht als gütige Ausländerfreundinnen hervor.“ (Berliner-Zeitung.de)

Wer es wagt, behördlich genehmigte Gutmenschen in die Mangel zu nehmen, muss demnach ein übler Zeitgenosse sein. Weshalb Frank Plasberg, selbsternannter ...

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Umwälzung XXX

Tagesmail - Montag, den 05. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXX,

„Atemlos durch die Nacht,
Bis ein neuer Tag erwacht

Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich
Komm nimm' meine Hand und geh' mit mir“.

Liebeslied des Vaterlandes an die Mutter. Die deutsche Nacht, sie dehnt und dehnt sich. Mütterlein, wie lang noch die Nacht? Antwort aus dem Dunklen: Welch eine Frage: solange ihr mich braucht. Ohne mich seid ihr verloren. Ihr kriegt keine Luft mehr? Besser atemlos und mit mir – als quicklebendig ohne mich. Und jetzt Schluss mit dem Gesäusel. Wir legen noch ne Schippe drauf – dann vorwärts mit Gottvertrauen.

Die deutsche Autonation hat auf Autopilot geschaltet. Immer weiter durch die Tundra – mit der GROKO-Diesel-‘Ndrangheta. Die schöpferische Zerstörung hat das Ruder übernommen. Die Arbeitgeber: sie geben Arbeit und nehmen das Leben. Tote arbeiten länger und brauchen keine Sozialversicherung. Der Fortschritt, er kostet. Die Kultur der Gottwerdung, sie kostet. Was kostet sie? Nur das Menschsein.

Nun geht ein Ruck durch die Nation. Europa, die Welt, sie haben auf uns gewartet. Sie atmen auf. Die Lotsin geht wieder an Bord. Für eine winzige Weltsekunde hatten wir die Geschichte still gestellt. Beinahe hätten wir aufgeatmet, beinahe wären wir ins Denken gekommen. Mit Gottes Hilfe ist die Versuchung an uns vorübergegangen.

Nun die allseitige Erneuerung. Nicht in Distanz zum Geschehen, sondern in japsender Gleichzeitigkeit. Sich von der Zeit mitschleifen lassen, dass einem Hören und Sehen vergeht: das ist der Orgasmus des rasenden Kairos. Durchstarten, die ...

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Umwälzung XXIX

Tagesmail - Freitag, den 02. März 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXIX,

„Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden, zu sehr gebricht es ihnen an Scham.“ (Ein genialer Pastorensohn)

Der Pastorensohn hätte die Pastorentochter als Feindin des Lebens bekämpft. Für Nietzsche war Barmherzigkeit ein pathologischer Affekt, der nur Schaden anrichten kann. Sie sei ein unbewusster, weichlicher Egoismus, der das Leiden in der Welt vermehren und die Leidenden entehren würde.

Barmherzigkeit gegen Recht. Erbarmen gegen Gesetz. Almosen gegen Gerechtigkeit. Spontanes Mitleid gegen allgemeine, vorausplanende Fürsorge. Theokratische Willkür gegen demokratische Solidarität.

Im Abendland sind zwei Lebensmodelle miteinander verkettet, die für immer unverträglich sind. Ihre Kompromisse sind keine Akte rationalen Entgegenkommens, sondern ein fragiles Patt zweier Mächte, die sich ausschließen, aber zu schwach sind, um zu siegen und zu stark, um das Feld zu räumen.

Stefan Aust fragt in der WELT nach den Kosten der Barmherzigkeit:

„Barmherzigkeit hat ihren Preis. Die Flüchtlingskrise kostet offiziell 21,3 Milliarden Euro im Jahr. Dies zumindest ist die Zahl, die das Finanzministerium für das vergangene Jahr im Bundeshaushalt eingeplant hat – wie hoch die Kosten tatsächlich waren, ist noch nicht klar. Es kommt aber auch darauf an, wen man fragt.“ (WELT.de)

Merkels Flüchtlingsbeschluss war keine politische Handlung, sondern ein Akt spontaner Barmherzigkeit. Seitdem ringen Politik und Gnade um Vorherrschaft bei der Aufnahme und Eingliederung der Hilfesuchenden. Beide Prinzipien sind wie ...

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Umwälzung XXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 28. Februar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXVIII,

Stadtluft macht Blei – der Idiotismus des Landlebens wurde Wirklichkeit: der Mensch hat sich die Erde so perfekt untertan gemacht, dass er zwischen Pest und Cholera wählen darf: ersticken in der Stadt oder verelenden im Dorf.

„Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung in hohem Grade vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen.“ (Das Kommunistische Manifest)

„Zurück zur Natur“: Rousseaus Warnruf vor einem Wettrennen in eine selbstmörderische Unkultur wurde von Marx, einem Propheten des städtischen Totalsiegs über das naturnahe Dorf, ins Gegenteil verkehrt. Losreißen von der Natur ist die einzige Möglichkeit des Menschen, sich vom Joch natürlicher Notwendigkeiten zu lösen und das Reich der Freiheit zu erringen. Freiheit und Natur vertragen sich nicht.

„Freiheit besteht ... in der auf Erkenntnis der Naturnotwendigkeiten gegründeten Herrschaft über uns selbst und über die äußere Natur; sie ist damit notwendig ein Produkt der geschichtlichen Entwicklung. Die ersten, sich vom Tierreich sondernden Menschen waren in allem Wesentlichen so unfrei wie die Tiere selbst; aber jeder Fortschritt in der Kultur war ein Schritt zur Freiheit.“ (Engels)

Unter dem Einfluss der Schelling‘schen Naturphilosophie war der junge Marx noch zu empathischen Naturaussagen fähig. Je mehr er die Riesenleistungen des Kapitalismus zu bewundern lernte, je mehr wurde für ihn Natur zum Reich der Unfreiheit, das man hinter sich lassen musste. Um den technologischen Vorsprung des kapitalistischen Westens einzuholen und zu überholen, wurde Natur im real existierenden Sozialismus zu etwas, das vernichtet werden musste. Geschichte, das bewusste Reich der ...

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Umwälzung XXVII

Tagesmail - Montag, den 26. Februar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XXVII,

Auto-nomie ist keine Herrschaft des Autos, sondern Selbst-Bestimmung. Bislang war das Auto noch kein Auto. Es fuhr nicht selbst-bestimmt, sondern fremdbestimmt. Die Fremden hießen etwa Winterkorn, Müller oder Zetsche. Nun stehen wir vor der Epoche des Autos-4.0 oder des Auto-Autos.

Nun kommt die wunderliche Frage: Wer trägt Verantwortung für das Auto-Auto, das von keinem Menschen mehr gelenkt werden muss? Wenn der Auto-Mat einen Unfall verursacht, wenn es zu Verletzten oder Toten gekommen ist?

Wunderlich deshalb, weil bislang immer noch der Verantwortung tragen musste, der einen Vorgang verursacht hat. Was sollte plötzlich anders sein? Wer also ist die Ursache, dass ein Auto-Auto sich in Bewegung gesetzt hat? Immer der, der gewisse Knöpfe drückte, um es in erwünschte Bewegung zu versetzen. Also Winterkorn, Müller oder Zetsche.

Wunderlich ist die Frage deshalb, weil sich im Grunde nichts verändert hat, obgleich Zeitgeistbeobachter – die ihre prophetische Exaltiertheit beweisen müssen – stets so tun, als ob. Warum hat sich nichts grundsätzlich verändert? Weil auch das Auto-Auto kein – autonomes Wesen ist, da können sich ihre Erfinder noch so sehr mit schäumender Genierede inszenieren.

Solange ein Etwas sich nur in Bewegung versetzt, weil ein Mensch prima causa der Bewegung ist, solange bleibt das Auto ein totes Ding ohne jegliche Auto-Nomie.

Doch der Mensch an sich, besonders der moderne, unterlässt keine Anstrengung, die Umstände und Bedingungen des Daseins so zu verwirren und zu verkomplizieren, dass kein Mensch mehr durchblickt – eben dies ist der Grund ihrer Rede, dass ...

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