Philosophische Tagesmails

Umwälzung XVII

Tagesmail - Freitag, den 02. Februar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XVII,

Politik rauscht vorbei und berührt niemanden mehr. GroKo oder nicht – lass fahren dahin. Bruchlos werden sich die Bewunderer der Disruption weiterhin durch die Zeitläufte mogeln. Nichts wird sich verändern. Die Matadore spielen sich die immer gleichen, von allen Gedanken befreiten Bälle zu. Jede Durchschnittsmaschine aus Silicon Valley könnte die eingeschliffenen, wie auf Knopfdruck reagierenden Reiz-Reaktionsspiele der Politköpfe simulieren, einschließlich der Idiosynkrasien der Moderatoren. Bald wird man nicht mehr unterscheiden können, ob das menschliche Original oder ein Maischberger-Avatar die programmierte Sendung präsentiert hat.

Der Mensch, der die Maschine zu seinem Ebenbild erhebt, macht sich zuvor selbst zu einer, damit es ihr umso leichter fällt, das überflüssige Original zum Verschwinden zu bringen. Die Maschinen wundern sich bereits, dass ihre Creatoren es ihnen so leicht machen, sie nachzuäffen. Die genialen Algorithmen sollen denken können? Da hätten sie ihre Schöpfer, die ihr Tüfteln fälschlich als Denken betrachten, ja längst überholt.

Eröffnen wir – um die Politik aufs Geleis der Vernunft zu setzen – das Zeitalter der grundsätzlichen Gedanken oder die Ära der Philosophie. Wohin ist sie verschwunden? Wer hat sie um die Ecke gebracht?

Alle, die nicht an sie glaubten und seltsamerweise alle, die an sie glaubten. Hegel glaubte an die Vernunft. Dennoch drehte er ihr den Hals um, als er sie vorzeitig zur Geburt zwang und die schnöde Wirklichkeit mit ihr gleichsetzte. Was wirklich war, war vernünftig, und was vernünftig war, war Berlin? Da hätten wir ja schon seit 200 Jahren eine stolze Berliner Vernunftgeschichte hinter uns gebracht. Die Berliner Regierung wäre so rational, dass sie vor Vernunft nicht mehr laufen könnte. Laufen kann sie allerdings nicht mehr. Aber nicht aus Vernunft, sondern ...

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Umwälzung XVI

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XVI,

in Indien fehlen 63 Millionen Frauen. Irgendwie abhanden gekommen? Zufällig und absichtslos verloren gegangen? Oder mit Absicht ausgemerzt und vernichtet?

„Das verzerrte Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen kommt vor allem durch geschlechtsspezifische Abtreibungen sowie eine bessere Ernährung und eine bessere medizinische Versorgung der männlichen Nachkommen zustande.“ (BILD.de)

63 Millionen: das ist ein ganzes Volk. Abgetrieben, gar nicht erst gezeugt, verächtlich behandelt, lieblos erzogen, den Männern unterstellt, entrechtet, verstümmelt, getötet, verbrannt. Wir leben im Jahre des HERRN 2018.

Der HERR ist das Ich-Ideal der Männer, die die Welt beherrschen. Alles, was mächtig und reich ist, sieht männlich aus, denkt und handelt männlich – und ist es auch: ein männliches Abbild des HERRN.

„Jede Woche ereignen sich in Afghanistan abscheuliche Verbrechen an Frauen und Mädchen wie kürzlich die Enthauptung einer 20-Jährigen durch einen Verwandten: Die junge Frau soll sich geweigert haben, sich auf Geheiß ihrer Schwiegermutter zu prostituieren. Nur die wenigsten der vielen ähnlichen Fälle schaffen es in die internationalen Medien. Fakt ist aber: 80 Prozent aller Afghaninnen jeden Alters sind tagtäglich Gewalt ausgesetzt, ausgeführt zum allergrößten Teil von Ehemännern, Brüdern, Onkeln. Geschlagen wird aber auch von Müttern und anderen weiblichen Verwandten. Sima Samar setzt sich seit Mitte der 1980er Jahre für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen in Afghanistan ein. Elf Jahre nach dem Einmarsch der Nato in Afghanistan leiden diese nach wie vor unter den repressiven Strukturen, unter Folter, Vergewaltigung und Unterdrückung. (TAZ.de)

Was tut die BRD unter Leitung einer Frau, die pure Männerpolitik ...

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Umwälzung XV

Tagesmail - Montag, den 29. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XV,

„Wenzel Michalski, Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Deutschland, erlebte Grässliches: «Mein Sohn wurde als Jude beschimpft und gewürgt, dass er das Bewusstsein verloren hat. Nach einer Scheinhinrichtung war Schluss. Grässliches Schulversagen: Bis auf eine Lehrerin taten die Lehrer nichts.»“ (BILD.de)

Lud Anne Will die Leiter der Schule zum Streitgespräch? Sagten diese ab – weil sie zu feige waren, ihr Versagen zu rechtfertigen? Will: Wir haben mit der Schule telefoniert. Ich kann diese Sache hier nicht klären.

Bundesrepublikanische Realität: Es gibt Taten, aber keine Täter. Schuld, aber keine Schuldigen. Schreckliches, aber keine Verantwortlichen.

Michalski, der Vater des misshandelten Jungen: „Bei Judenhass im Alltag, in der Schule am Arbeitsplatz, wenn man da was Antisemitisches hört, müssen andere Menschen eingreifen.“

Genau das tat die Schulleitung nicht – und Anne Will deckt das beschämende Verhalten der Verantwortlichen, von der Schulleitung bis zum zuständigen Kultusministerium, die allesamt hätten Stellung beziehen müssen. Da veranstaltet das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Gespräch mit dem Thema: Wie antisemitisch ist Deutschland? – und schützt die Verantwortlichen vor der Pflicht, das eigene Tun vor der Öffentlichkeit zu erklären, zu verteidigen oder sich selbstkritisch zu äußern.

Das wäre Demokratie. Die Moderatorin klärt nicht auf, sondern vertuscht – coram publico. Sie vertuscht, als hätte sie das Recht, selbst zu entscheiden, was aufklärungspflichtig ist oder nicht. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen – und haben sie für unschuldig erklärt. Nachfragen nicht erlaubt: Ich bestimme die ...

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Umwälzung XIV

Tagesmail - Freitag, den 26. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XIV,

Festhalten: zwei Minuten noch, dann geht die Welt unter. Jetzt zweimal bis sechzig zählen – und arrividerci, ihr Menschen, ade, du schöne Welt. Ach, es war schön mit euch. War‘s nicht zauberhaft, wie wir die Erde zur Sau machten? Und wenn sie noch so flennte und heulte: ihr moralisches Geseire ließ uns kalt. Die verfluchte Welt, wir haben sie platt gemacht. Fini. Etwas Besseres hat sie nicht verdient.

Die Archive des Universums, gleich hinter der Milchstraße rechts, werden die Geschichte des Homo Deus mit Goldrand herausgeben:

„Die Menschheit des Planeten Erde, eine außergewöhnliche Gattung. Vor nichts schreckte sie zurück, nicht mal vor ihrer Selbstauslöschung. Wir werden sie immer in Ehren halten.“

„Eine Forschergruppe sieht eine wachsende Gefahr für den Untergang der Menschheit und hat daher die „Weltuntergangsuhr“ um 30 Sekunden auf zwei Minuten vor Mitternacht vorgestellt“. (Berliner-Zeitung.de)

„Welt, ade, wir sind dein müde,

wir wollen nach dem Himmel zu!
Da wird sein der rechte Friede,
ungetrübt erhabne Ruh.
Welt, bei dir ist Krieg und Streit,
nichts denn lauter Eitelkeit;
in dem Himmel allezeit
Friede, Freud und Seligkeit.“

Alles, lieben Brüdern und Schwestern, was ihr jetzt noch lesen werdet, ist bereits ätherischen Ursprungs. Die Ära der postmundanen Literatur: sie ist hiermit ...

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Umwälzung XIII

Tagesmail - Mittwoch, den 24. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XIII,

„Ich bin Gott, ein Sohn Gottes. Ich bin gekommen. Die Welt ist in Zerstörung begriffen. Und ihr, oh Menschen, müsst vergehen wegen eurer Ungerechtigkeit. Aber ich möchte euch erlösen. Und ihr werdet sehen, wie ich mit himmlischer Kraft wiederkomme. Gesegnet ist der, der mir jetzt gehuldigt hat. Aber ich will ein ewiges Feuer auf alle übrigen werfen, auf ihre Städte und Dörfer. Und Menschen, die nicht begreifen, welche Strafen sie erwarten, werden vergeblich bereuen und ächzen. Aber die will ich für immer bewahren, die an mich geglaubt haben.“ (Celsus über typische Erlöser)

Was hat Trump mit Erlösern gemein? Auch Er ist der Größte, der sich herablässt, die Armen und Schwachen zu retten, sie aber vernichtet – und die Starken, die sich Ihm unterwerfen, noch reicher und mächtiger macht. Deutsche Kritiker finden das Phänomen Trump unerklärlich – Erlöser sind den Gläubigen einer Erlöserreligion unbekannt und unerklärbar.

Als die Germanen sich dem Christentum unterwarfen, unterwarfen sie sich zugleich den Gesetzen des untergegangenen römischen Reiches – das von der christlichen Religion, einem unerbittlichen Feind Roms, besiegt worden war. Beide Systeme waren spiegelbildlich identisch.

„Der Weltherr in Rom, der alle Rechte in sich verschlossen halte, der Leben und Tod auf seinen Lippen trage, hatte einen zwar feindlichen Bruder, aber doch einen Bruder im Herrn der evangelischen Geschichte, der mit dem Hauch seines Mundes den Widerstand der Natur bezwinge oder seine Feinde niederschlage, der sich bereits auf Erden als Weltherr und Weltrichter ankündigte.“ (Bruno Bauer)

Wie Trump und der römische Kaiser, war auch der christliche Erlöser der Allgewaltige und Einmalige. Über den Geburtstag des Augustus hieß es in Analogie zur ...

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Umwälzung XII

Tagesmail - Montag, den 22. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XII,

die Königin erschien nicht in der TV-Arena. Sie lässt kämpfen. Der Prozess omnipotenter Gottwerdung ist Vertreiben rivalisierender Götter, Aufstieg ins Unsichtbar-Numinose zur Alleinherrschaft, Ernennen von Boten, Stellvertretern oder Söhnen, die den Menschen ihre Botschaft in Orakeln und Offenbarungen zu überbringen haben.

Von Anfang an war es der Fehler des Herausforderers, nicht auf gleichwertiger Ebene der Repräsentanz zu bestehen. Abgekämpft, überfordert, desorientiert zeigte er sich dem Volk, um Mitleid mit dem gestürzten Heros zu erregen.

Schwindet das Charisma eines SPD-Messias, bleibt ein Erdenrest, zu tragen – tapfer und parteisoldatisch: wir haben hart gearbeitet und werden hart arbeiten. Wer nicht weiß, wie‘s weiter geht, wer kein Genie besitzt, um Wegweisendes locker aus dem Ärmel zu schütteln, der muss ersatzweise – malochen.

Wem Argumente ausgehen, muss es machen wie die Marktschreierinnen, die beispielsweise Andrea, die Männliche, heißen: damit kann ich nicht arbeiten; das ist nicht förderlich; das bringt uns nicht weiter.

Die Wahrheit wird zur Dienerin des hard work: was bringt es, was nützt es, was profitieren wir? Wenn selbst der – einst angelsächsisch verpönte – Nutzen ausbleibt, bleibt nur noch das deutsche Rackern um des Rackerns willen: jeder bleibe in seinem Stand; wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Der Proletenkampf gegen ...

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Umwälzung XI

Tagesmail - Freitag, den 19. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XI,

„Augstein wird ihm noch weitere seltsam platte Fragen stellen wie «Was ist Antisemitismus?».“ (WELT.de)

Seltsam platt, die klaffendste Wunde der BRD – einer Nation, die glaubt, mit Ökonomie ihre schreiendsten Unaufrichtigkeiten ungeschehen zu machen. Deutsche können über alles debattieren, ohne das Geringste zu klären. In TV-Debatten werden Begriffe regelmäßig zu Feinstaubgewölke geschreddert.

„Der Beginn der Weisheit ist die Definition der Begriffe“. (Sokrates)

Antisemitismus ist eine der schlimmsten Inhumanitäten der Täternation. Keine Rede, dass die Menschheitsverbrechen gegen die Juden von den Deutschen so aufgearbeitet wären, dass man sich über die Ursachen der judenfeindlichen Taten verständigen könnte. Die Bundesregierung will einen Antisemitismus-Beauftragten ernennen. Zudem will sie antisemitische Flüchtlinge und Asylbewerber rigoros abschieben.

„Bald jährt sich wieder die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee. Der 27. Januar ist hierzulande ein bundesweit begangener, gesetzlicher Gedenktag. Gedacht wird des arbeitsteiligen Massenmordes an den europäischen Juden, verübt von Hunderttausenden Deutschen und ihren Kollaborateuren. Aus diesem Anlass wollen nun CDU und CSU auch etwas gegen den Antisemitismus von Flüchtlingen und Asylbewerbern aus dem arabischen Raum tun.“ (ZEIT.de)

Micha Brumlik verwirft den „gut gemeinten“ Vorschlag. Sein Gegenvorschlag, der den Verdacht einer menschenrechtlichen „Sonderbehandlung“ Israels entkräften könnte, wäre die Einrichtung zweier Ämter:

„Ja, zwei Ämter! Die historische Verantwortung gebietet es zwar, Antisemitismus eigens im Blick zu behalten. Die Gegenwart einer auseinanderdriftenden ...

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Umwälzung X

Tagesmail - Mittwoch, den 17. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung X,

ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist stumm, lächelt wie ein Honigkuchenpferd, liebt seine Nächsten wie sich selbst, ist nur bei Nacht und Nebel zu sehen, gibt sich, je nach Lage der Dinge, weiblich oder männlich, vernichtet, unter strenger Wahrung des Anstands und der Höflichkeit, all seine Konkurrenten – und regiert Deutschland.

„In der DDR hat man es ja tatsächlich geschafft, über heikle Themen den Mantel des öffentlichen Schweigens zu breiten, mit dem Argument, solche Themen nützten dem Klassenfeind.“

Dem Gespenst sind alle Untertanen gleich-gültig. Dennoch tut es, als müsste es feindliche Klassen regieren – die seines Gesprächs nicht würdig sind. In sein gespenstisches Schweigen dringt der Lärm seiner Rivalen, die sich einbilden, ihr Gossengeschwätz sei Gradmesser ihrer Bedeutung.

Alle konkurrieren gegen die anonyme Kanzlerin – und müssen ihr doch unwillentlich nützen. Ein Wunder, das politische Analytiker bislang nicht entschlüsseln konnten. Ein Mysterium, dem rohen Verstand der Menge unzugänglich. Ihr gedachtet es böse mit mir zu tun, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich meine Macht über die Deutschen zu erhalten, solange es mir gefällt.

In verborgenen Schriften hat die gottesfürchtige Magd (wie „Machdd“ auszusprechen) ihre persönliche Devise gefunden. „Schaffet euch Freunde – mit dem ungerechten Mammon.“ Weshalb sie den ungerechten Mammon in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellte und klug handelte wie eine ungerechte Haushalterin.

Die anderen Sätze empörten sie: Die Söhne dieser Welt sollten ihrem Geschlecht gegenüber klüger sein als die Söhne des Lichts? Das musste widerlegt werden. Seitdem beweist sie den Deutschen, dass Töchter des Lichts allen Söhnen dieser ...

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