Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt LXVIII

Tagesmail - Samstag, den 26. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXVIII,

Die Rede der 16-jährigen Greta Thunberg vor den Mächtigen der Welt in Davos:

„Unser Haus steht in Flammen.

Ich bin hier, um zu sagen: Unser Haus steht in Flammen.

Laut Weltklimarat sind wir nur noch zwölf Jahre davon entfernt, unsere Fehler nicht mehr rückgängig machen zu können.

An Orten wie Davos erzählen die Leute gerne Erfolgsgeschichten.

Aber ihr finanzieller Erfolg kam mit einem nicht vorstellbaren Preisschild.

Beim Klimawandel müssen wir zugeben: Wir haben versagt.

Alle politischen Bewegungen sind gescheitert.

Und die Medien haben versagt, ein breites öffentliches Bewusstsein zu schaffen.

Doch der Homo Sapiens hat noch nicht versagt.

Es bleibt noch Zeit. Wir können das noch reparieren.

Wir haben es noch immer in den eigenen Händen.

Wir stehen vor einem Desaster mit unaussprechlichem Leid für viele Menschen.

Jetzt ist nicht die Zeit, um höflich zu reden oder darauf zu fokussieren, was wir sagen dürfen und was nicht.

Jetzt ist die Zeit, Klartext zu sprechen.

Die Klimakrise zu lösen, ist die größte und komplizierteste Herausforderung, die es für den Menschen je gab.

Die Lösung aber ist so einfach, dass sie auch ein Kleinkind verstehen kann.

Erwachsene sagen, wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben.

Aber ich will eure Hoffnung nicht.

Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet.

Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.

Und dann möchte ich, dass ihr handelt. Wie in einer Krise.

Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus in Flammen stehen.

Denn es brennt.“

Fußnote: Die deutsche Schulpflicht verbietet es, den Unterricht zu versäumen, um die Menschheit zu retten.

 

Sofort, Hier und Jetzt LXVII

Tagesmail - Mittwoch, den 23. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXVII,

folgenloses Knutschen oder: wir lieben uns, doch wir werden keine Spuren hinterlassen.

Die Rede ist von Merkel und Macron. Schaut nur, welch ein Verhältnis sie haben – doch mit Kondompflicht: Folgen darf es keine geben. Vom tapferen Ritter Emmanuel Frederic von Amiens ist ein ergreifendes Minnelied überliefert:

„Ich soll den Mond um seinen Glanz
Berauben, ehe sie mich liebt;
Umgraben auch die Erde ganz,
Bevor sie Minnelohn mir gibt.

Sie war bei mir wohl auf der Hut,
Die Reine,
Die Feine!
Denn außer Gott alleine
Kennt niemand sonst die Eine,
Die Herrin, die ich meine!“

Die Antwort der holden Pfalzgräfin Angela aus Aachen kam mit einem verschwiegenen Postillon d’amour:

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

Kern Europas ist das deutsch-französische Verhältnis. Doch wie sollen die europäischen Völker zusammenkommen, wenn die Herzen der beiden ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXVI

Tagesmail - Montag, den 21. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXVI,

in skandalösen Zeiten müsste der Begriff Skandal inflationär benutzt werden, um die Zeiten sachgerecht darzustellen. Würde er aber inflationär benutzt, wäre er morgen verbraucht und landete als Plastik-Müll an den Stränden von Malaysia.

Der Skandal des Jahres, des Jahrzehnts, der Jahrhunderte, des gesamten Fortschritts und der Moderne:

Was verdienen (verdienen tun sie es nicht: sie kassieren) die Superreichen mehr? Nur lumpige 2,5. 2,5 was? Milliarden. Täglich.

„Das Vermögen der Milliardäre stieg laut dem Ungleichheitsbericht um durchschnittlich 2,5 Milliarden Dollar pro Tag. Die statistisch gesehen ärmere Hälfte verlor 500 Millionen Dollar je Tag. Auch in Deutschland habe sich die Lage nicht verbessert – nötig seien ein höherer Mindestlohn sowie eine stärkere Belastung von Vermögenden, Konzernen, Erbschaften und hohen Einkommen. Besonders Frauen und Mädchen sind laut dem Bericht von sozialer Ungleichheit bedroht. So besäßen Männer im globalen Durchschnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Zudem hätten Frauen wegen unbezahlter Arbeit wie Pflege oder Kindererziehung oft weniger Zeit, sich politisch zu betätigen – dies verstärke ihre Benachteiligung und zementiere ein Wirtschaftssystem, das von Männern für Männer gemacht sei. „Das Problem der wachsenden sozialen Ungleichheit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Jörn Kalinski, Leiter Entwicklungspolitik von Oxfam Deutschland. Sie biete einen Nährboden für gefährliche Entwicklungen wie Rechtspopulismus und aggressiven Nationalismus. Insgesamt verfüge das reichste Prozent der Bevölkerung über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent. Damit zähle Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. Mit 15,8 Prozent liege die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996, jedes fünfte Kind sei ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXV

Tagesmail - Freitag, den 18. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXV,

wenn sie wüssten, dass morgen die Welt unterginge, würden sie heute noch ein Startup-Unternehmen gründen: noch höhere Geschwindigkeit, noch schneller das Finale.

Die Gesellschaft, ein gigantischer Zug, mit unendlich vielen Passagieren, die sich in immer engeren Verhältnissen drängeln, fährt mit rasendem Tempo jener Stelle entgegen, an der er ins Nichts kippen wird. Seit Jahrzehnten gellen die Sirenen. Niemand hört sie, weil man sich an ihren Lärm gewöhnt hat.

Gegen Alarm sind die Zuginsassen taub geworden. „Lasst sie schreien, die Kassandras“, beschwichtigen die Führer des Zuges, „wir fahren unbeirrt der Zukunft entgegen“ – die sie nicht mehr erleben werden, wenn die Schreier nicht irren.

Woran leidet die Welt? An Geschichte. Diese Krankheit hat der Westen der ganzen Welt vermacht. Geschichte ist nicht die Summe der Taten aller Menschen, sondern ein selbständiger, unbeeinflussbarer Prozess, der den Erdbewohnern Ursprung und Ziel ihrer irdischen Reise diktiert.

Die Völker sitzen alle in einem Zug. Dennoch glauben sie, sie könnten sich gegenseitig überholen und als Sieger im Ziel einlaufen – auf Kosten ihrer Mitreisenden, die als Loser enden werden.

Geschichte ist nicht Teil der Evolution, einer internen Bewegung der Natur, sondern eine Reise durch die Zeit, die in vorgeschriebenen Etappen eine erwählte Minderheit ins Heil und die riesige Mehrheit der Menschen ins Unheil führen wird. Sie sprechen von Heilsgeschichte, obgleich die meisten Menschen im Unheil enden werden.

Da Geschichte den einen Heil, den anderen Unheil bringt, muss sie als Selektionsprozess betrachtet werden. Heilszeit ist einmalig und linear. Eine Wiederholung zur Korrektur des individuellen Schicksals – wie in anderen ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 16. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXIV,

wer will die weltweite Armut beseitigen? Der müsste eine noch nie dagewesene moralische Anstrengung vollbringen. Doch das ist unmöglich. Schon vor Zeiten wurde Moral des Landes verwiesen, seitdem ward sie nicht mehr gesehen.

Wer will weltweite Armut besiegen? Der muss Kapitalist werden, denn wer nichts hat, nichts herstellen und kaufen kann, bleibt ein lebenslanger Habenichts und nützt niemandem.

Wer will weltweite Armut überwinden? Der muss ein Phantast sein, denn Armut gehört zum Leben wie Luft zum Atmen. Ohne Armut wüssten die Reichen nicht, wen sie überholt und in den Schatten gestellt hätten. Reichtum wird durch Armut erst schön.

Wer will die Armen – aus dem Hartz4-Gefängnis in Deutschland befreien?

Der müsste zuerst den Sozialstaat zerschlagen, denn der ist ohne Armut nicht denkbar.

Der müsste zuerst die sozialen Fensterreden der SPD und der Gesellschaft zum Verstummen bringen.

Der müsste das deutsche Wesen verändern. Denn das Wesen braucht die Armen als lebensnotwendige Objekte der Verachtung. Ohne Hass und Abscheu vor Nichtstuern könnten sie ihres Lebens nicht mehr froh werden. Nur der ist reif zum Aufstieg, der Angst hat vor dem Abstieg. Nur der stürzt sich in Arbeit, der sich lebenslang vor dem Schmäh der Erfolgreichen fürchtet.

Wir benötigen Armut, um Hochkulturen zu errichten, Genies und Superreiche zu produzieren und einer immer höheren Entwicklung der Kultur und Zivilisation nachzujagen. Nach Bach und Beethoven brauchen wir keine Kultur mehr. Kultur haben fertig.

Unsere Zivilisation hingegen braucht endlosen Fortschritt, sonst beginnt sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXIII

Tagesmail - Montag, den 14. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXIII,

den homo sapiens retten? Durch Verbesserung der Menschheit? Für solche Visionen wird man in Deutschland gekreuzigt oder muss sich selbst ans Kreuz nageln. So geschehen im Jahre des Herrn 2019.

Robert Habeck heißt er, der den Erlöser spielen wollte. Als seine blasphemische Hybris ihm endlich zu Bewusstsein kam – fast wäre es für tätige Reue zu spät gewesen – wurde er ganz bleich. Zerknirscht trat er vor das Volk und sagte: Vergebt mir, ihr unbeugsamen Deutschen, ich habe gegen euren tapferen blinden Todeswillen verstoßen.

Verzeiht meinen Hochmut, dass ich euch abbringen wollte von eurem Kurs ins Verderben. Vergebt meine aufrüttelnden Worte und meine Vorschläge, wie man es besser machen könnte. Ich werde es nie wieder tun.

Fresst Fleisch, bis die Methanwolken den Horizont verdüstern, produziert endlos Gerümpel, das kein Mensch benötigt, verbraucht Energie, bis ihr auf dem letzten Loch pfeift, vermüllt eure Meere, bis alle Fische ersticken, vergiftet eure Ackerkrume, bis kein Grashalm mehr wächst.

Wasser, Luft, Boden, Pflanzen, Tiere: alles soll zugrunde gehen, bis ihr in der Lage seid, Alles ein zweites und besseres Mal aus Nichts zu erschaffen. Alles steht bedingungslos zu eurer Verfügung. Das Alte, es hat lange genug existiert auf Erden und eure Genialität behindert. Räumt es weg, eliminiert es, erschafft alles von ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXII

Tagesmail - Freitag, den 11. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXII,

wenn die Welt zum Teufel geht: was tun wir am liebsten? Zu Land ausfahren!

Wir wollen zu Land ausfahren über die Fluren weit,
aufwärts zu den klaren Gipfeln der Einsamkeit.
Lauschen, woher der Sturmwind braust,
schauen, was hinter den Bergen haust,
I: und wie die Welt so weit: I

Und wandelt aus tiefen Tale heimlich und still die Nacht,
und sind vom Mondenstrahle Gnomen und Elfen erwacht,
dämpfet die Stimmen, die Schritte im Wald,
so seht ihr und hört ihr manch Zaubergestalt,
I: die wallt mit uns durch die Nacht: I

Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluss,
und wer die blaue Blumen finden will, der muss
I: ein Wandervogel sein.

Bevor die alte Erde den Löffel abgibt, wollen wir sie abkratzen sehen. Pardon, im Angesicht des Todes wollen wir Gänsehaut spüren. Die blaue Blume, im Jargon der Eigentlichkeit, heißt: transformatives Reisen.

„Koffer auf, neues Reisejahr rein: Profis erzählen, wo man Kulturschätze fast für sich alleine hat, Familien Abenteuer erleben, Radfahrer touren und Globetrotter sich selbst finden können. Dinge zu erleben, die lange nachwirken und einen innerlich verändern– danach sehnen sich immer mehr Menschen. Transformatives Reisen ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXI

Tagesmail - Mittwoch, den 09. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXI,

„Sollte man nicht fortgehen aus dem Paradies, solange man noch am Leben ist?“ – fragt sich Jürgen Schmieder, Korrespondent der SZ in Kalifornien, wo ein Erdbeben „biblischen Ausmaßes“ das traumhafte Land an der Westküste jederzeit auslöschen, Amokläufer und Terroristen Schulkinder erschießen und Waldbrände jeden Sommer die teuersten und sichersten Villen in Schutt und Asche legen können. (Sueddeutsche.de)

Auch Deutschland ist ein Paradies mit Chaos-Perspektiven. Hier denkt niemand an Flucht. Auch nicht an Verhinderung des Chaos, das so sicher wie das Amen im Gebet über das glückliche Land kommen wird.

Naturkatastrophen kann man nicht verhindern, man könnte aber versuchen, ihren Auswirkungen vorbeugend zu entfliehen. Muss man denn am Fuße eines explosionswilligen Vulkans wohnen? Ganz Kalifornien umsiedeln aber könnte ein bisschen schwieriger werden.

Menschengemachten Desastern allerdings könnte man sich mit aller Kraft entgegenstemmen – wenn man wollte. Wer will denn sowas, solange alles friedlich scheint?

Die Lehre vom Schein und Sein diente früher dazu, den trügerischen Schein zu durchbrechen, um zum wahren Sein vorzudringen. Heute ist alles scheinhaft und trügerisch, doch der Schein ist zum Sein geworden. Unmittelbar hinter dem Trug beginnt – das Nichtsein, das niemand will.

Oder doch? Vielleicht wäre es trefflicher zu sagen: das Nichtsein will jeder, weshalb niemand drüber spricht, damit kein Weltverbesserer sich ermutigt fühlt, die beste aller Welten zu verschlimmbessern. Nichts schlimmer als Utopisten, die aus ...

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