Philosophische Tagesmails

Umwälzung IC

Tagesmail - Montag, den 13. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung IC,

zum Weltuntergang antreten in Reih und Glied: stumm und schicksalsergeben. Vor allem nicht hysterisch werden.

„Die Hoffnung, derlei Übertreibungen würden Menschen zur Unterstützung des Klimaschutzes motivieren, hat sich schon lange als Trugschluss erwiesen. Je gravierender der Klimawandel dargestellt werde, desto eher würden sich Leute von dem Thema abwenden, berichten Soziologen. Immer neue Horrorszenarien schaden demnach dem Klimaschutz. Die Debatte steckt in einem Dilemma: Nur wer sich mit Hysterie nach vorne drängelt, erntet Beachtung.“ (SPIEGEL.de)

Deutsche Helden sterben lautlos. Wer Zeter und Mordio schreit, hat keinen Stil. Wenn es ans Krepieren geht, heißt es Facon bewahren. Süß und ehrenvoll ist es, die Gattung geräuschlos verenden zu lassen. Wenn man das Ende kommen sieht, muss man Haltung annehmen. Schicksalsergebenheit ist das Signum deutscher Helden. Die bedingungslose und ergebene Liebe zum Fatum zeichnet den Übermenschen aus:

„Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein.“ „Meine Formel für die Grösse am Menschen: Das Nothwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen sondern es lieben.“ (Nietzsche)

Sieg im Untergang, Untergang im Sieg, daran erkennen wir deutsche Heroen. Optimismus ist lästerlicher Amerikanismus. Amor fati, Liebe zum Schicksal, ist ...

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Umwälzung XCVIII

Tagesmail - Freitag, den 10. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCVIII,

Wer weiß denn sowas? Von welchem Land ist hier die Rede?

„42 % der Erwachsenen können Japan nicht auf der Weltkarte finden. 15% konnten USA nicht lokalisieren. 10% konnten den republikanischen nicht vom demokratischen Kandidaten unterscheiden. Fast 70% glauben an Engel, 50% an UFOs. 40% wussten nicht, dass Deutschland im 2. Weltkrieg der Feind Amerikas war. 50% wussten nichts über den Kalten Krieg. 60% wussten nichts über Gewaltenteilung. 21% glaubten, die Sonne drehe sich um die Erde. 60% haben niemals ein Buch in der Hand gehabt. Nur 3% sind wirklich lesefähig. Nicht wenige glauben, dass Hitler noch immer der momentane Kanzler der Deutschen ist. Immer mehr läuft auf Wunder und Magie hinaus.“

Nein, Deutschland kann das nicht sein. Dafür sorgen endlose Quiz-Veranstaltungen in den Kanälen. Fakten, Fakten, Fakten rauschen an den Ohren des Publikums vorüber, um dahin zurückzukehren, woher sie gekommen sind: ins Nichts.

Die Horrorzahlen könnten beliebig erweitert werden. Morris Berman zieht das Fazit: „Es ist so, als hätte sich Amerika in eine gigantische Produktionsstätte von Tölpeln verwandelt. Intelligenzfeindlichkeit ist ein Teil der amerikanischen Kultur. Innerhalb von nur einer Generation verschwindet eine ganze Welt des Lernens vor unseren Augen.“

Tölpel sind nicht nur Unten angesiedelt. In höheren Kreisen tragen die Phänomene gebildete Namen: „Postmoderne und Dekonstruktion, philosophische Begriffe, die weite Teile des akademischen Lebens in Beschlag genommen haben, lehren, dass jeder Wert so gut ist wie der andere, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Wissen und Meinung: eine gute Methode, sich vor realen und ökonomischen Problemen zu drücken. Postmoderne ist eine mit dem Chic der Radikalität daherkommende Philosophie der Verzweiflung, das ideologische Gegenstück des ...

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Umwälzung XCVII

Tagesmail - Mittwoch, den 08. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCVII,

wäre der mächtigste Mann der Welt verrückt, wie verrückt müsste die Welt sein, die es zugelassen oder gewollt hätte, dass ein Verrückter zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen konnte?

Und wäre er verrückt, wie verrückt müssten diagnostische Experten sein, die zusehen, wie ein Verrückter die Weltherrschaft übernimmt – ohne lautstark Alarm zu schlagen vor den Gefahren, die von einem seelisch kranken Weltdespoten ausgingen?

Wovor hingegen warnen die Experten? Dass man den Kranken öffentlich als krank bezeichnen und durch Ferndiagnose die Würde des Kranken verletzen könnte.

„1973 erklärte es die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft für "unethisch für Psychiater, eine professionelle Meinung zu äußern, bevor er oder sie eine Untersuchung vorgenommen und die Erlaubnis der Betroffenen erhalten hat, sich darüber zu äußern". Die Goldwater-Regel gilt auch außerhalb der APA als wichtiger ethischer Standard in der Psychologie und Psychiatrie.“ (Sueddeutsche.de)

Die Psyche politischer Kandidaten zu analysieren, wäre nicht nur „unethisch, sondern unverantwortlich“, erklärte eine Seelenexpertin. Sondern? Kann unethisch denn auch verantwortlich sein?

Ein anderer Fachmann: „Trump könnte ein Weltklasse-Narzisst sein, aber das mache ihn noch nicht geisteskrank, denn er leide nicht darunter und sei auch nicht eingeschränkt. Erst wenn das der Fall wäre, könnte eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden.“

Woher weiß der Fachmann, dass Trump nicht leidet, da er ihn aus intimer Nähe gar nicht kennt? Woher weiß er, dass er nicht eingeschränkt ist? Das könnte ...

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Umwälzung XCVI

Tagesmail - Montag, den 06. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCVI,

A: Mensch, steh endlich auf und rette die Welt.

B: „Ich bin der Welt abhanden gekommen

   Mit der ich sonst viele Zeit verdorben

   Sie hat so lange von mir nichts vernommen

   Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben.“

A: Mensch, steh endlich auf. Schau die Welt und ihre Herrlichkeit.

C: Weiche von mir, Versucher. Es gibt Höheres als die Welt.

A: Mensch, steh endlich auf und rette die Welt.

D: Ich hab ein Weib genommen, ein Haus gebaut, eine Firma gegründet – und kann nicht kommen.

A: Mensch, steh endlich auf und rette die Welt.

E: Du hypermoralischer Narr. Kannst du Moral nicht von Politik unterscheiden?

A: Mensch, steh endlich auf und rette die Welt.

F: Ich Wurm soll der Geschichte, der Evolution in den Rachen greifen?

A: Mensch, steh endlich auf und rette die Welt.

G: Wie musst du die Zukunft des Menschen hassen – du Feind des ...

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Umwälzung XCV

Tagesmail - Freitag, den 03. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCV,

„Was dir nicht lieb ist,

das tue auch deinem Nächsten nicht –

das ist die ganze Thora.“ (Rabbi Hillel, 1. Jahrhundert vdZ)

Wäre Hillels Goldene Regel die Quintessenz des Judentums, könnte weder Israel noch Deutschland ein Revier des Philosemitismus sein. Utopische Moral als Politik? Da würden selbst Mathias Döpfner und Julian Reichelt Reißaus nehmen.

Was ist Antisemitismus? Das Gegenteil von Philosemitismus. Man müsste nur Philosemitismus definieren, dann auf sein Gegenteil schließen – und man wüsste, was Antisemitismus ist. Doch weder weiß die heutige Verdächtigungs-Debatte, was Antisemitismus ist, noch, woher er kommt und wie er ständig neu entstehen kann – als wüsste sie nichts über eine schreckliche deutsche Vergangenheit. Noch weniger weiß die Debatte, was Judenfreunde sind.

Außer dem Ruf nach Verschärfung der Strafgesetze ist im Lande der Extäter nichts über Antisemitismus zu hören. Für kein Thema gibt es mittlerweilen eine Ursachenforschung, schon gar nicht für Phänomene, die es gar nicht geben sollte – da die Deutschen sich für vorbildliche Vergangenheits-Bewältiger halten.

Da man zur Bezeichnung amoralischer Taten inzwischen den Begriff „das Böse“ eingeführt hat, genügt es, zu schnauben und zu schäumen, um seinen politisch korrekten Hass gegen das Böse in WELT und BILD kundzutun. Jenen Organen der Springerpresse, die sich nicht genug erbosen können über Tagträumer, die durch politisch korrekte Moral blind seien für den Unterschied zwischen Politik und Moral. WELT und BILD gerieren sich als vorbildliche Philosemiten, indem sie alle Andersdenkende zu Antisemiten stempeln.

Gibt es denn niemanden in deutschen Landen, der Juden nicht hasst, sondern liebt? Oder geben sich Judenfreunde weniger zu erkennen als ihre ...

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Umwälzung XCIV

Tagesmail - Mittwoch, den 01. August 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCIV,

Was ist Antisemitismus? Wie kann man die Pest bekämpfen, wenn man sie nicht eindeutig definieren kann?

Was ist Philosemitismus? Wie kann man Antisemitismus bekämpfen, wenn man kritikloses Anhimmeln einer inhumanen Regierung, die sich „jüdisch“ nennt, als Heilmittel gegen Antisemitismus ausgibt?

Die Beziehung der Deutschen zu Israel ist schon seit langem unoffener und unehrlicher als ihre Beziehungen zu Amerika – die erst durch einen diplomatischen Knochenbrecher aus Washington, nicht durch eine unehrliche, unoffene lutherische Heilige, mit brachialen Methoden offengelegt wurde. Mit welchen Methoden? Mit rücksichtsloser Ehrlichkeit.

Offenheit und Ehrlichkeit: waren das keine abendländischen Werte? Wäre Trump etwa – nein, unausdenkbar – ein Vorbild abendländischer Werte?

„Trump hat eine Pandorabüchse geöffnet: Er macht Hass, Menschenverachtung, Rassismus, Respektlosigkeit, Lügen und Medienschelte salonfähig: Man darf wieder sagen, was man denkt.“ (WELT.de)

Sagen, was man denkt: war das nicht der Gipfel der Offenherzigkeit und Freimütigkeit, der geistige Ursprung der Demokratie? Wird Trump etwa zum nützlichen Idioten einer Ehrlichkeit, die er nie gewollt hat?

Ehrlichkeit jedoch hat zwei Seiten. Sie macht lebendig und tötet. Sie kann nur lebendig machen, wenn sie bereit ist, ihre destruktiven Elemente wahrzunehmen und zu bearbeiten.

Apseudeia, Freiheit von Trug, war die Grundvoraussetzung aller ...

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Umwälzung XCIII

Tagesmail - Montag, den 30. Juli 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCIII,

aus dem Weg! Die deutschen Professoren kommen! Erobern im Sturmangriff die marode Moral, bereiten im Vorbeigehen den verweichlichten, gefährlich idyllischen und pazifistischen Träumereien der Deutschen ein Ende und installieren ein‘ feste Burg als wehrhafte, allen russischen, nordkoreanischen und iranischen Fernraketen trotzende, geostrategisch unverwundbare Nation. Womit? Mit atomarer Aufrüstung. Wer jetzt noch lacht, lacht balde – nimmermehr.

„Landesverteidigung auf der Grundlage eigener nuklearer Abschreckungskapazitäten muss angesichts neuer transatlantischer Ungewissheiten und potenzieller Konfrontationen Priorität bekommen. „Gouverner c’est prevoir“, sagen die Franzosen: Regierungskunst gründet sich auf Vorausschau.“ (WELT.de)

„Savoir pour prévoir, prévoir pour pouvoir“ – „Wissen, um vorherzusehen, vorhersehen, um zu handeln“. Deutsche Professoren wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält: das Böse. Sie sehen voraus: das Böse wird überhand nehmen und die Welt mit eiserner Faust regieren. Da sie wissen und vorhersehen, können sie auch handeln: das Böse muss bekämpft werden – mit Bösem. Deutsche, schafft Atomwaffen und Fernraketen. Unser Paradies muss verteidigt werden.

Nicht die Massen, der Pöbel, der Plebs, waren die Ursachen des deutschen Verhängnisses. Sondern die Intelligenz, die Gelehrten, die Professoren. Das betrifft nicht nur Deutschland. Die miese Stimmung derer, die da wussten und vorherschauten, um sich durch fürchterliche Handlungen von ihrer Verzweiflung zu befreien, war über ganz Europa verbreitet.

Der französische Schriftsteller Julien Benda, Vertreter eines humanen Rationalismus, attackierte in einem viel beachteten Buch die Aufstachelung menschenfeindlicher Leidenschaften und nationalistischer Prahlereien – durch die Intellektuellen. Die ...

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Umwälzung XCII

Tagesmail - Freitag, den 27. Juli 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XCII,

„Was ist eigentlich los“… mit den Seelenerforschern, Psychologen und Psychotherapeuten? Müssten sie nicht wissen, was in der Gegenwart gespielt wird, wenn sie die Tiefenseelen der Einzelnen kennen wie die Schwaben ihren Blautopf? Wem das Individuum transparent ist, wenn die Gesellschaft aus Individuen besteht: müsste die Gemeinschaft aller Individuen den psychischen Tiefenforschern nicht offen zutage liegen?

(Um die Psychologen aus ihrem Job rauszuhalten, haben Soziologen die Gesellschaft, das Objekt ihrer Erkenntnisbegierde, zu einem Ding an sich erklärt, das mit „Küchenpsychologie“ nicht zu erfassen sei.)

Haben sie in früheren Gefahrenzeiten das drohende Verhängnis prophezeit? Nein, nicht prophezeit; das ist Sache der Offenbarungsempfänger. Aber gesehen, vorausgesehen, prognostiziert?

„Machen wir uns also auf die Spurensuche“ oder beginnen wir eine „Zeitreise“, schauen wir – pardonnez moi – nicht nach vorne, sondern, jaja, zurück! Zurück ins Dritte Reich.

„1933 protestierte Wolfgang Köhler als einziger deutscher Hochschulprofessor der Psychologie öffentlich in einem Zeitungsartikel gegen die Entlassung jüdischer Professoren durch die Nationalsozialisten. Nachdem sein Institut 1934/35 mehrfach zur Zielscheibe nationalsozialistischer Angriffe und Eingriffe geworden war, beantragte Köhler im August 1935 seine Emeritierung. Ende September wurde er daraufhin entpflichtet. Noch im selben Jahr verließ er Deutschland endgültig.“

Über Wolfgang Köhler schreibt Fritz Stern:

„Köhler verließ Deutschland, desillusioniert von den Psychologen und Therapeuten, die sich schnell als Konformisten erwiesen. „Analytiker ohne Widerstand“ wäre ein guter Titel für einen Essay über selbstauferlegten Konformismus.“

Freud und seine jüdischen Schüler und Kollegen wurden verjagt, im Reich ergriffen ...

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