Philosophische Tagesmails

Neubeginn LVI

Tagesmail - Montag, den 11. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LVI,

es gibt Kinderschändung und Religionsschändung, Pädophilie und Religiophilie. Religionsschänder berufen sich auf heilige Bücher, um ihre Untaten zu begründen. Sie schrecken nicht davor zurück, die reinsten und lautersten Erfindungen der Menschheit mit dem Schmutz ihrer Bosheit zu besudeln. Religionen sind Botschaften der innigsten Menschenliebe. Wer sie missbraucht zur Legitimation seiner Bösartigkeit, ist Feind und Verderber des Besten, was Große Seelen der Menschheit vermachten.

Die deutsche Kanzlerin hat ihren geheimsten Berufswunsch offenbart – sollten die Deutschen den Fehler begehen, sie bei der übernächsten Wahl dorthin zurückzuschicken, woher sie gekommen war: ins Dunkel der Geschichte. Nachdem sie zur mächtigsten Politikerin der Welt aufstieg, will sie die erste planetarische Lichtfigur der Weltreligionen werden. Nachdem bedeutende Männer wie C.F. von Weizsäcker und Hans Küng an der Mission scheiterten, will sie als pan-ökumenische Madonna die vielfältigen und doch so schlichten und einfachen Lehren der reinen Menschenliebe zu einem überwältigenden Bündnis vereinen.

Religionen müssen endlich vor ihren fanatischsten Gläubigen in Schutz genommen werden, erklärte sie vor Religionsführern und Politikern aus aller Welt mit innigstem Erleuchtungs-Lächeln:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung des Weltfriedenstreffens an Kirchen- und Religionsvertreter appelliert, sich nicht vereinnahmen zu lassen. „Religionen haben den Auftrag zum Frieden und deshalb kann es keine Rechtfertigung von Krieg und Gewalt im Namen einer Religion geben“, sagte sie am Sonntag im nordrhein-westfälischen Münster. Insbesondere die Religionsgemeinschaften selbst seien dazu aufgerufen, „sich deutlich gegen die Vereinnahmung von Religion durch diejenigen zu wenden, die die Würde von Menschen mit Füßen treten“. (Berliner-Zeitung.de)

In seinem Buch „Weltethos“ hatte der katholische Theologe Hans Küng den ...

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Neubeginn LV

Tagesmail - Freitag, den 08. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LV,

ecclesia war die Volksversammlung in Athen. Hemmungslos bedienten sich die Christen griechischer Begriffe, verkehrten sie in ihr Gegenteil und missbrauchten ecclesia zur Bezeichnung der Kirche.

Kirche, Versammlung der Frommen, war nie das Volk, sondern ein Sekten-Ereignis im Winkel. Die Heraus-Rufung aller Mündigen war keine Be-Rufung der von Gott Erwählten. Das irdische Volk war kein Volk Gottes, das bei den Christen – im Gegensatz zu den Juden – auch kein Volk mehr war, sondern das Herauspicken bestimmter Lieblinge aus allen Völkern. Erlöserreligion ist finale Vernichtung aller Völker bei Rettung weniger.

Demokratie ist der Versuch, jeden Einzelnen als vollwertiges Wesen zu betrachten und alle Völker in einer friedlichen Welt-Ecclesia zu vereinigen. In der Demokratie hat jeder Mensch den gleichen Wert. In der Kirche spaltet der Erlöser die menschliche Gattung, rettet die Seinen und verflucht die Mehrheiten zu ewiger Pein.

Das sind die beiden Urkulturen des Abendlands, das sich christlich nennt, in Wirklichkeit aber ein Kampfplatz zweier unverträglicher Lebensweisen darstellt: einer unversöhnlichen Spaltung der Menschheit – und einer Akzeptanz aller Menschen als gleichwertige Wesen.

In den Erlöserreligionen ist der Mensch ein mißlungenes Wesen, unfähig, sich den Rettungsbedingungen eines Messias zu unterwerfen: er muss vernichtet werden – mit wenigen Ausnahmen, die ihr Selbstbewusstsein opfern und sich den Seligkeitsbedingungen eines Allmächtigen beugen. Der erlöste Mensch ist ein Nichts, Gott ist alles. Der demokratische Mensch bestimmt über sich selbst, Götter sind nichts.

Natur gilt bei den Erlösten als minderwertige Kreatur, die zusammen mit minderwertigen Menschen vernichtet werden muss. Bei Demokraten ist Natur ...

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Neubeginn LIV

Tagesmail - Mittwoch, den 06. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LIV,

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,

Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.

Oh doch, Heinrich Heine: auch das Vaterland kann verderben. Weder hat Deutschland ewigen Bestand, noch ist es ein kerngesundes Land. Auch deine Eichen und Linden würdest du heute kaum noch finden.

Väter und Vaterländer sind unsterblich. Um sterbliche Mütter aber muss man sich ernstlich sorgen. Mütter haben die Kinder lieb, bei Vätern kann man es nicht wissen – denn ...

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Neubeginn LIII

Tagesmail - Montag, den 04. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LIII,

„Das ist beruhigend angesichts der furchtbar verzwickten Weltlage, es ist eigentlich ein schöner Beleg der Stabilität dieses insgesamt ja doch noch recht gut funktionierenden Landes. Wenn es nur nicht so einschläfernd wäre“ – schreibt der SPIEGEL.

Mitten in den deutschen Schlaf platzten die Meldungen von der nordkoreanischen Atom- oder Wasserstoffbombenexplosion und von Trumps Drohung mit atomarem Gegenschlag. Sollte die furchtbar verzwickte Weltlage irgendetwas mit uns zu tun haben?

Debattierten die Kandidaten über die Lage Deutschlands inmitten der Welt? Die Welt: sie schlossen sie aus, dann entschuldigten sie sich, dass sie tun müssten, als stritten sie. Sie taten, als ob. Hinter dem Als-ob tätschelten sie und beruhigten sich gegenseitig: Nur Mut, wir schaffen es. Geht es uns im Vergleich mit der Welt nicht famos? Und wenn die Welt voll Teufel wär, es soll uns doch gelingen.

Wir leben in einer Welt des Umbruchs, doch bei uns herrscht ruhige Langeweile, die wir uns redlich verdient haben. Besser Monotonie unter der Regierung von Langweilern, als ein flächendeckender Umbruch mit schrecklichen Folgen.

Des Deutschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen, er liebt sich bald die unbedingte Ruh, drum geb ich gern ihm den Gesellen zu, der reizt und wirkt muss als Teufel schaffen. Hierzulande muss der Teufel ein auswärtiger sein. Er residiert in fremden Metropolen, die Moskau, Ankara und Damaskus heißen. Es kann auch die Hauptstadt amerikanischer Freunde sein, wo der teuflische Geselle sich als Verbündeter ausgibt. Tritt der Teufel als Freund auf, ist es tückisch, ihn als Teufel zu entlarven – ohne ihn gleich in die Wüste zu schicken. Könnte man eines Tages nicht ...

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Neubeginn LII

Tagesmail - Freitag, den 01. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LII,

Der, die, das,
Wer, wie, was
Wieso weshalb warum?
Wer nicht fragt bleibt dumm.

Wer aber nur fragt, ist dumm – und will es bleiben. Wahlen sind Generalantworten. Mündige Menschen wissen, wie sie ihre Zeit auf Erden zu verbringen gedenken. Grundlegende Fragen nach dem WerWieWas des Zusammenlebens haben sie sich beantwortet. Sie müssen wissen, wem sie die Regierung ihrer Nation und ihr eigenes Schicksal anvertrauen.

Ob Gott existiert oder was das Sein als Seiendes ist, solche Fragen sind bombastische Nichtigkeiten und bleiben dem Grübeln privater Personen überlassen, die das Problem ihrer unsterblichen Seele, ihrer kostbaren, metaphysischen und transzendenten Existenz nur mit Hilfe von Sein und Zeit, Göttern und Teufeln beantworten können. Was keineswegs bedeutet, dass Leben in einer demokratischen Gemeinschaft nicht die Urfragen der Menschheit beantworten würde.

Selbstbewusste, freie Menschen vertrauen der Natur und selbstbewussten, freien Menschen. Natur ernährt und erfreut den Menschen. Der autonome Mensch ist dem autonomen Menschen ein Verbündeter, Gefährte oder Freund. Eros, Sympathie, Leidenschaft können immer sein, Respekt, Achtung und Akzeptanz müssen sein. Nächstenliebe – als simulierter Altruismus, um egoistische Seligkeit zu gewinnen – ist ausgeschlossen.

Deutschland, die fragende Nation. Sie debattiert nicht, sie urteilt nicht, sie sagt nicht unverblümt ihre Meinung: sie fragt. Stellen Sie Ihre Fragen. Die wichtigsten Fragen zur Wahl. Wir beantworten Ihre Fragen. Politik ist zum Ping-Pong, zum ...

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Neubeginn LI

Tagesmail - Mittwoch, den 30. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LI,

einmal im Jahr trifft die Kanzlerin ihre medialen Paladine und zeigt ihnen, was sie denken, indem sie ihnen zeigt – was sie selbst denkt. Abgesehen von diversen Kleinigkeiten, die die Langeweile des Wahlkampfes bekämpfen sollen, denken Merkel und „ihr Land“ dasselbe. Nicht Merkel ist das Problem, sondern das Land, das sich von ihr repräsentiert fühlt.

L’etat, c’est moi, intonierte bereits ihr französischer Kollege, der Überflieger, mit Versailler Fanfaren. Da will die deutsche Regierungschefin nicht zurückstehen. Die graue Maus spielt sie nur, sie ist die mächtigste Frau der Welt. „Das ist mein Land“: erklärt sie ihren Besitzanspruch, der wie ein unbehendes Liebesgeständnis klingen soll. In wenigen Wochen wird das Land überschwänglich antworten: „Seht, das ist unsre Kanzlerin. Sie weiß, was wir denken, sie denkt und fühlt wie wir. Wir lassen uns nicht trennen. Wir sind eins.“

Die edelschreibenden Söhne fühlen sich Muttern überlegen, was nicht bedeutet, dass sie anders dächten. Die kritischen Kritiker müssen sie nur für das Publikum spielen. Also mühen sie sich, sich irgendetwas aus den Fingern zu saugen. Ihre Artikel beginnen mit bemühter Skepsis und enden in regelmäßigen Stoßseufzern der Erleichterung: Sie ruht in sich. Sie bleibt gelassen. Noch nie war sie so souverän. Man kann ihr glauben. Keine Antwort bleibt sie schuldig und ist kompetent bis über beide Ohren. Sie lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie ist sachlich, nüchtern und – bescheiden.

Bescheidenheit hat Demut abgelöst, damit niemand den Paladinen Sehnsucht nach dem Reich Gottes nachsagen kann. Der Unterschied zwischen beiden Wörtern – ein Unterschied wie zwischen Jenseits und Diesseits – kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen. Wörter sind für sie assoziative Schwarmbildungen, die man eher mit Geschmacksnerven steuert, als mit dem rohen Satz des Widerspruchs.

Ein obligatorischer Satz bei der Berichterstattung aus dem Allerheiligsten lautet: Für einen Lacher sorgte Merkel, als sie …Wer für einen Lacher sorgt, hat das Match ...

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Neubeginn L

Tagesmail - Montag, den 28. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns L,

Joschka Fischer ist deutsch durch und durch. Denn Deutschland ist super. (TAZ.de)

Wenn ein einstiger Turnschuhrebell und die linke TAZ einstimmig in Jubeltöne ausbrechen, dann ist der Staat – das Schweinesystem, der irdische Staat des Teufels, die Herrschaft des Pöbels – zur „allumfassenden Familie“ geworden. Auch Peter Sloterdijk ist widerlegt, der „Nationen im Wesentlichen als Resultate politischer Überstrapazierung der Familienmetapher“ definierte.

Nein, es ist möglich. Die Deutschen haben es bewiesen: ein Ausbeuterstaat, ein Repressionsgebilde, eine Mammokratie kann – zur großfamiliären Mama-kratie werden. Zur echten Familie mit Papa, Mama und vielen Kindern.

Papa ist leibhaftiger Pastor oder weißhaariger Pastorendarsteller, Mama eine echte Pastorentochter. Selbst die Rüpel der Familie sind mit dem himmlischen Herrn rechtzeitig ins Reine gekommen. Eine ganz große Koalition ist eine Familie, deren Mitglieder alle stolz auf den weisen – wenn auch unbedeutenden – Vater und die resolute, abgeklärte, nüchterne Mutter sind, die ihre Sippe geschickt durchs irdische Getümmel manövriert. Im Urvertrauen auf den ganz großen Vater, zu dem sie täglich spricht: so hoch der Himmel über der Erde ist, soviel sind Deine Wege höher als unsere Wege und deine Gedanken höher als meine Gedanken.

Dann ist die Epoche der Aufklärungsimitation vorbei, es beginnt die Epoche der herzensinnigen Romantik. Gottlob wiederholen sich die Dinge nicht, jubilieren Edelschreiber und Gelehrte – weshalb sie sich besten Gewissens der Wiederholung ihrer nationalen Biografie widmen.

„Wahre Wunder der Verwandlung – oder Transsubstantiation – haben sich in unseren Zeiten ereignet. Ein Hof hat sich in eine Familie, ein Thron in ein Heiligtum verwandelt. Die goldene Zeit muss in der Nähe sein. Wer den ewigen Frieden sehen und liebgewinnen will, der reise nach Berlin und sehe die königliche Kanzlerin. Im Erscheinen des edlen Elternpaares kündigt sich eine bessere Welt ...

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Neubeginn XLIX

Tagesmail - Freitag, den 25. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLIX,

der Permafrost taut auf. Die Summa der verdrängten Erinnerungen, die unterhalb der Bewusstseinsschwelle seit Tausenden von Jahren zu Eis erstarrt sind. „Gedenket nicht mehr des Vergangenen, schaut nach vorne“, sind Vernichtungsbefehle der menschlichen Lerngeschichte. Wenn der Mensch nicht wissen darf, was er bereits gelernt hat und noch lernen müsste, um das Überleben der Gattung zu sichern, hält er sich für lernunfähig und hoffnungslos.

Um der Verzweiflung zu entgehen, entfacht er eine rasende Flucht in die Zukunft, die keine Alternative zulässt. Die Flucht ist ein Fortschrittsrausch, der alles Altvertraute und Vergangene auslöscht, um sein Heil in einer allmächtigen Technik zu finden, die der fehlbare Mensch für sein unfehlbares Geschöpf hält.

Das Unvollkommene und Heillose gebiert das Vollkommene, das seinen Schöpfer erlösen soll. Der Vater zeugt den Sohn, der die Schande seines Scheiterns tilgen und nach getaner Tat sterben muss – um im Glauben der Seinen aufzuerstehen und das Universum zu regieren.

Vater und Sohn sind die beiden Seiten des Mannes, der sich aus sich selbst wiedergebären muss, um sein totales Versagen zu verleugnen. Seine Wundertaten entfernt er aus der Vergangenheit und Gegenwart, um sie der Zukunft anzuvertrauen. Die unüberprüfbare Zukunft wird zur Fata Morgana ewiger Verheißungen, die den Zeitpunkt ihrer Realisierung immer mehr in die Zukunft verschieben müssen.

Demnächst, nicht mehr lange, in Kürze werdet ihr mit allen Sinnen schauen, was ihr bislang nur glauben konntet. Wartet nur, balde … wird der Wundermann vor eurer Türe stehen und Einlass fordern. Doch wehe den törichten Frauen, die nicht mehr warten wollten, weil sie an männliche Erlöser nicht mehr glauben konnten.

Frauen sind unfähig, ein bewusstes und waches Leben zu führen. Entweder verschlafen sie ihr Dasein auf Erden – oder sie müssen auf den männlichen ...

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