Philosophische Tagesmails

Von vorne XXXII

Tagesmail - Freitag, den 05. Juli 2019

Von vorne XXXII,

mit der Präsentation des Films „Elternschule“ hat die ARD ihren Bankrott erklärt. Den TV-Sport- und Zerstreuungsanstalten sollte man die Lizenz zum steuerfinanzierten Volks-Beflimmern entziehen. Kein Wort der Erklärung, kein Versuch des Einfühlens und Verstehens, kein Bericht über Reaktionen des Publikums auf den Film, keine Debatte der streitenden Parteien.

Das war das Ende der Aufklärung und der Beginn der offiziellen Volks-Verdummung. Die inoffizielle währet schon seit Jahrzehnten. Wie sie es nicht nötig haben, brandheiße Ereignisse – wie die Empörung der Jugend, die Verhaftung einer zur Verbrecherin erklärten Menschenretterin – zu debattieren, so haben sie es nicht nötig, diesen Höhepunkt der neutralen Weltgeist-Beobachtung direkt nach der Tagesschau auszustrahlen. Der Film wurde, nach dem obligaten Fußball-Vergnügen, erst nach 23.00 Uhr gezeigt. Die Zuschauerquote muss erfreulich niedrig gewesen sein. Das Volk sollte durch verstörende Schreikinder nicht aus dem Schlaf geschreckt werden.

Die Filmemacher blieben inkognito, gebärdeten sich als Inbegriff des kaltblütigen Hegel‘schen Weltgeistes. Ein wohlwollender FAZ-Beobachter der Beobachter sprach von „teilnehmender Beobachtung.“

„Wer offene Augen und Ohren hat, kann sich die Zusammenhänge an fünf Fingern abzählen und ein Urteil bilden, das die Regisseure Jörg Adolph und Ralf Bücheler eben nicht, wie es heute im Journalismus üblich ist, durch einen eigenen Kommentar vorgeben. Sie lassen die Dinge und die Beteiligten für sich sprechen. Man nennt das teilnehmende Beobachtung, klassische Dokumentarfilmschule.“ (FAZ.NET)

Was kann eine teil-nehmende Beobachtung sein, wenn eine emotionale Teilnahme verboten ist? Die Dinge sprechen für sich? In wie vielen verschiedenen ...

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Von vorne XXXI

Tagesmail - Mittwoch, den 03. Juli 2019

Von vorne XXXI,

plötzlich entdecken deutsche Medien, dass Talk-shows reglementierte Choreographien sind. Wunschteilnehmer werden in Vorgesprächen auf ihren zirzensischen Unterhaltungswert taxiert. Das gesellschaftliche Meinungsspektrum muss von der Gesprächsrunde in spannender Weise dargestellt werden. Wer zur Disputation dramaturgisch nichts beizusteuern verspricht, wird aussortiert.

Meinungszensur? Niemals! Man will nur sichergehen, dass man bestimmten Positionen kein „Forum bietet“. Doch halt: ist Forum kein Ort für Gespräche? Wie kann man jemanden ins TV-Studio einladen, ohne ihm eine öffentliche Bühne zu bieten?

„Forum (Kultur), ein realer oder virtueller Ort, wo Meinungen untereinander ausgetauscht werden können, Fragen gestellt und beantwortet werden können.“ (Wiki)

Staatsfromme TV-Sender scheinen zu befürchten, unliebsame Meinungen könnten so wortmächtig vertreten werden, dass sie das Publikum übermäßig in den Bann ziehen. Die Veranstalter trauen den anderen Disputanten anscheinend nicht zu, die Ausreißer mit seriösen Argumenten zu überzeugen oder zu „besiegen“. Das Publikum wird so verführbar eingeschätzt, dass es „populistischen“ Phrasen blindlings folgt.

Was bedeutet das? Die Gesellschaft muss in derart bedenklicher Verfassung sein, dass sie ihre demokratischen Prinzipien in Streitgesprächen nicht verteidigen kann.

Nach Markus Lanz, dem man inzwischen jede Moderatorenfähigkeit absprach, war Frank Plasberg fällig. Ein evangelischer Kirchentagspräsident hat ihn ...

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Von vorne XXX

Tagesmail - Montag, den 01. Juli 2019

Von vorne XXX,

„So hütet euch nun, daß ihr des Bundes des HERRN, eures Gottes, nicht vergesset, den er mit euch gemacht hat, und nicht Bilder machet irgend einer Gestalt, wie der HERR, dein Gott, geboten hat. Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott. Wenn ihr nun aber Kinder zeuget und Kindeskinder und im Lande wohnet und verderbt euch und machet euch Bilder irgend einer Gestalt, daß ihr übel tut vor dem HERRN, eurem Gott, und ihr ihn erzürnet: so rufe ich heutigestages über euch zu Zeugen Himmel und Erde, daß ihr werdet bald umkommen von dem Lande, in welches ihr gehet über den Jordan, daß ihr's einnehmet; ihr werdet nicht lange darin bleiben, sondern werdet vertilgt werden. Und der HERR wird euch zerstreuen unter die Völker, und wird euer ein geringer Haufe übrig sein unter den Heiden, dahin euch der HERR treiben wird.“

„So sollst du wissen heute, daß der HERR, dein Gott, vor dir her geht, ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vertilgen und wird sie unterwerfen vor dir her, und du wirst sie vertreiben und umbringen bald, wie dir der HERR geredet hat.“

Nein, das kann kein Killergott sein, der hier spricht. Sonst könnte Josef Joffe nicht an ihn glauben. Das muss, in wohlwollender Hermeneutik, ein liebender Erlösergott sein.

Ein echter Killergott klingt so: „Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten!“

Muslime lieben den Tod, Juden und Christen das Leben. Weshalb es heute eine christlich-jüdische Allianz gegen den infamen Islam gibt, obgleich alle drei Religionen totalitäre Zwangsbeglückungen sind. Was nicht bedeutet, dass die meisten Anhänger dieser Religionen potentielle Killer seien. Von winzigen Minderheiten abgesehen, ... 

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Von vorne XXIX

Tagesmail - Freitag, den 28. Juni 2019

Von vorne XXIX,

schon wieder eine Frau. Wenn in Osaka die Mächtigen der Welt zusammenstehen, sind fast keine Frauen zu sehen. Sie haben alle Hände voll zu tun, den Unrat wegräumen, den die Herren des Planeten hinter sich auftürmen. Die Hoch-Kulturen der Männer sind an ihremTiefpunkt angelangt: an der Zerstörung der bewohnbaren Erde. Auf welche Beweise wartet ihr noch, Freunde der Erde?

„Eine deutsche Kapitänin mit dem Namen Carola Rackete, 31, die früher auf Eisbrechern durch die Arktis fuhr, nimmt es vor der Insel Lampedusa in diesen Stunden mit Italiens Innenminister Matteo Salvini auf – und macht damit auf die verkorkste Migrationspolitik Europas aufmerksam. Die funktioniert nämlich so, dass man das ganze Elend unsichtbar macht und outsourct: an libysche Milizen und an den italienischen Türsteher Salvini, der Schiffe mit Migranten nicht mehr anlegen lässt. «Ich bin wütend und enttäuscht. Europa hat uns im Stich gelassen. Seit zwei Wochen sind weder die EU-Kommission noch die Nationalstaaten bereit, Verantwortung zu übernehmen. Alles muss man selbst machen.»" (SPIEGEL.de)

Dazu das Schandurteil des obersten europäischen Gerichts, das die Flüchtlinge zum würde- und hoffnungslosen Treiben auf dem Meer verurteilt. Kein Kommentar von deutschen Politikern, die unter Furcht und Zittern ihre Seligkeit und historische Bedeutung verdienen müssen.

„Allerdings ist selbst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte der Meinung, dass sie nicht in Lampedusa anlegen müssen, weil es keine unmittelbare Gefahr für die Menschen auf dem Schiff gebe.“ (SPIEGEL.de)

Die obersten Richter haben ihre Wendigkeit bewiesen und sind vor der europäischen Inhumanitätspolitik in die Knie gegangen. An allen Ecken und Enden zeigt sich, ...

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Von vorne XXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 26. Juni 2019

Von vorne XXVIII,

noch besser wären Klaus Töpfer als Bundespräsident, Luisa Neubauer als Kanzlerin – und Greta Thunberg als Junckers Nachfolgerin.

Doch erst die Sommerfeste der Politiker & Medien. Dann ab in die herrlichsten Urlaubsgebiete des Planeten – bevor diese plastikbeladen im Meer versinken. Zum Schluss die finalen Bestseller:

„Die Schönheit der Welt aus der Sicht des letzten Bewunderers. Es war unbeschreiblich. Willkommen, Aliens, meine neuen Leser. Tragt die Botschaft in die Tiefen des Weltraums. Saget, ihr habt die Erde in ihrem Blute liegen sehen – wie die Botschaft aus dem Jenseits es befahl.“

TV-Kanäle schalten endgültig um auf hitzegesteuertes Demenz-Niveau, Talkshows verschwinden im Sommerloch: Polit-Tatsachen, die debattiert werden müssten, gibt es nicht – und wenn doch, umso schlimmer für die Tatsachen: warum auch hält sich Politik nicht an die Urlaubsregeln der Medien?

Es gibt keinen Klimawandel, längst gibt es einen Klimanotstand. Nicht übertreiben, sagt Berlin. Die Bewahrung der Schöpfung ist der Regierung sehr sehr ernst, predigt die Trösterin ihres Volkes:

"Vor allem in Großbritannien, Australien und Kanada treiben die Menschen so ihre Regierungen vor sich her: Inzwischen haben auch die Parlamente und Regierungen in Irland, Großbritannien und Kanada dieses Alarmsignal gesendet.  Aber der ...

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Von vorne XXVII

Tagesmail - Montag, den 24. Juni 2019

Von vorne XXVII,

es ist nicht der erste Mensch in der BRD, der von Rechten getötet wurde. Es ist der erste prominente Politiker, bei dem die Republik aufschreit. In Mölln gab es nicht einmal „Beileidstourismus“.

Nun werden die Politiker energisch, drohen den Verdächtigen mit Entzug der Grundrechte – gemäß dem Gesetz oder außerhalb des Gesetzes? Scheint keine Rolle zu spielen. Wir nähern uns dem gefühlten Notstand, der alle Mittel erlaubt. In der Handhabung des Gesetzes sind die Deutschen a) lässig bis zur Ignorierung der Exekutive: haben wir es immer noch nötig, law und order zu befolgen? b) Wenn aber das Schiff leckt, schlagen sie zu, dass es rauscht im Blätterwald.

Erinnerungen an Weimar? Kann nicht sein, darf nicht sein. Geschichte wiederholt sich doch nicht, sie darf sich nicht wiederholen. Man müsste ja zurückschauen, anstatt den Blick starr in die Ferne zu richten.

Nun warnen sie wieder – mit aller Entschiedenheit. Doch niemand weiß, wie er die Warnung befolgen soll. Krankheiten kann man vermeiden, indem man gesund lebt. Wie kann man Mord und Totschlag vermeiden, wenn man die Ursachen nicht kennt? Wie kann man Ursachen bekämpfen, wenn sie per Ukas der Fortschrittler abgeschafft wurden?

Was bleibt, wenn es keine Ursachen mehr gibt? Dann gibt es das Böse. Das Böse tritt auf, wenn Ursachen abgeschafft wurden. Es ist das stellvertretende Prinzip, das alle Fragen durch Reduktion kognitiver Dissonanz schnell, allwissend und radikal mit einer Antwort zum Schweigen bringt.

Ursachenforschung ist langsam, tastend und hypothetisch, Bekämpfung des Bösen hingegen ist für Dumme und Unterkomplexe. Sie beten am liebsten ...

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Von vorne XXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 19. Juni 2019

Von vorne XXVI,

Deutschland ist zurück auf dem Weltgipfel. Das Land der Täter kann sich wieder blicken lassen: es hat die mächtigste Frau und den bekanntesten Philosophen der Welt. Macht und Denken haben sich wieder gefunden.

Obgleich die Deutschen vom Dichten und Denken nichts mehr halten, sind sie stolz auf einen Denker, der sich in allen Ländern der Erde einen Namen gemacht hat. Obgleich sie Moral und „tiefgründelnde Gespräche“ verachten, sind sie stolz auf einen schwer verständlichen Moralisten, der den demokratischen Prozess als gleichberechtigtes Gespräch bezeichnet.

Modern, wie der Philosoph sein will, spricht er nicht von Gespräch oder Dialog, sondern von Diskursethik oder Kommunikation unter idealen Bedingungen. Gibt es ideale Inseln der Verständigung mitten in nichtidealen, wirtschafts-dominierten Gesellschaften?

Die Medien überbieten sich in Lobreden. Können sie sich doch zwei Tage lang von einem amerikanischen Präsidenten ablenken lassen, der den Namen des Jubilars nie gehört hat, unter Kommunikation vor allem Propaganda und Hetzreden versteht und dennoch die besten Chancen hat, zum konkurrenzlosen Kandidaten seiner Partei gekürt zu werden.

Macht und Denken bildeten in Deutschland seit Ende der Aufklärung eine Symbiose. Denken als Macht der Argumente galt nichts mehr. Also musste der Gedanke von der Gewalt unterstützt werden – um das machtlüsterne Denken ans Ziel zu bringen.

Nachdem die Epoche der Aufklärung nichts als Niederlagen gebracht, die damals aufgeklärteste Nation Deutschland überfallen und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt hatte, musste das Denken sich mit staatlicher Macht verbinden, um die ...

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Von vorne XXV

Tagesmail - Freitag, den 14. Juni 2019

Von vorne XXV,

Symbiosen können trügen. Doch! Es gab eine deutsch-jüdische Symbiose – auf trügerischem Boden. Als der Boden einbrach, enthüllten sich Abgründe von Grauen.

Die deutsch-jüdische Symbiose war keine verständnis-durchflutete Einheit. Sie war eine uralte, multiple Überidentität, die die Ursachen der gegenseitigen Anziehungskraft und Feindschaft verleugnete. Den – in Bewunderung und Hass verbundenen – Anderen kann man nur verstehen, wenn man sich selbst verstehen will. Wollen die Deutschen sich verstehen, wollen die Juden sich verstehen?

Nach der Urkatastrophe im Dritten Reich gab es staatlich verordnete Reue und guten Willen auf Seiten der Täter – auf Seiten der Opfer die Bereitschaft, den Tätern zwar nicht zu vergeben, aber eine zweite Chance einzuräumen. Eine Katharsis ist nicht in Sicht.

Unter friedlichen Vorzeichen herrschen heute Misstrauen, permanente Spannungen und untergründige Gereiztheiten. Das Verhältnis gleicht einer gegenseitigen Belagerung mit feierlichen Beschwörungen und abrupten Vorwürfen. Man geht auf Eis, das jederzeit einbrechen kann – oder auf glühenden Kohlen, deren Verletzungsgefahren man als unvermeidliche hingenommen hat. So schleppt man sich von Krisen zu Treueschwüren, von Aggressionen zu Loyalitätsbekundungen.

Israel kritisierte den deutschen Außenminister, weil er Anne Frank mit den Worten gewürdigt hatte:

„Ihr Tagebuch ist aktueller denn je – als Mahnmal gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung und als Zeichen der Menschlichkeit. Von ihr können wir lernen.“  

Darauf erwiderte der Sprecher des israelischen Außenministeriums:

„Anne Franks Tagebuch ist keine Warnung über beliebige pseudo-universelle Werte! Anne Franks Erbe ist eine Warnung vor dem Hass und der Verfolgung von Juden. Der Versuch, die ‘Lehren der Shoah zu universalisieren‘ ist nichts weiter als eine ...

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