Philosophische Tagesmails

Von vorne XL

Tagesmail - Mittwoch, den 24. Juli 2019

Von vorne XL,

Mitmenschen, bitte nehmen Sie sich eine Minute Zeit für die Bewertung – der Welt. Sie werden sehen, das Ranking lohnt sich.

Zwischen der besten Note:
Unvergleichliches Produkt mit vorübergehenden minimalen Verschleißerscheinungen, die sich mühelos beheben lassen“

und der miserabelsten:
Lebensunwertes, irreparables Mogelprodukt der Hersteller (Gott, Natur …) die vor dem OGU, dem obersten Gericht des Universums, zur Rechenschaft gezogen werden müssten“

haben Sie freie Wahl.

Vielen Dank für Ihre Bewertung. Aufgrund Ihrer Wahl konnte unsere Rankingspezialistin Alexa Ihr Profil entwerfen, das wir Ihnen hiermit übermitteln dürfen:

Entschieden Sie sich für die erste Antwort, gehören Sie zum erfolgreichen EINPROZENT der Menschheit, das es geschafft hat, aus knapper Intelligenzausstattung ein Optimum an Effizienz zu generieren.

Im Namen der Evolution können wir Ihnen nur gratulieren. Moralfrei akkumulierende, kühne Persönlichkeiten wie Sie bestätigen uns, dass die Kreation des homo disruptor zu jeder Zeit und an jedem Ort des Alls ein lohnenswertes Experiment wäre.

Anbei die lukrativsten Angebote unserer derzeitigen Mond- und Marsexkursionen. Bei der riesigen Nachfrage und dem noch immer winzigen Angebot sind wir leider ...

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Von vorne XXXIX

Tagesmail - Montag, den 22. Juli 2019

Von vorne XXXIX,

Hiroshi Ishiguri „ist einem jahrtausendealten Menschheitstraum inzwischen recht nahegekommen: ein perfektes Abbild des Menschen zu schaffen.“ (SPIEGEL.de)

Ein uralter Menschheitstraum? Existiert nicht mal als Artikel in Wikipedia. Menschheitsträume zum ewigen Frieden gelten in der Zivilisation als Wahnvisionen, Fieberträume gottgleicher Golems jedoch gehören zur DNA der Menschheit. Unter ihnen die Raumfahrt. Vor 50 Jahren gehörten jene Träume nicht mal zur DNA des SPIEGEL:

„Es ist an der Zeit, die Hoffnung zu begraben: Der Weltraum ist nicht unsere New Frontier, ist nicht der Raum, in dem die Menschheit über sich selbst hinauswächst. … eine kosmische Bewußtseinsbildung findet dennoch nicht statt. Jede irdische Utopie hat da bessere Chancen. Deshalb ist uns die bemannte Raumfahrt auch so schnell langweilig geworden. Sie zeigt, daß Menschen imstande sind, selbst Träume Wahrheit werden zu lassen. Aber sie zeigt auch, was daraus folgt: nämlich gar nichts. Die gewaltige Konzentration materieller und geistiger Kräfte, die den Mondschuß zuwege gebracht hat, ist offensichtlich nicht anwendbar auf die Probleme der Umweltverschmutzung, ist nicht wiederholbar zur Rettung der Flüchtlinge, die in Pakistan verhungern oder gemetzelt werden.“ (SPIEGEL.de)

Dieselben Probleme wie heute. Heute werden sie nicht einmal mehr erwähnt, geschweige zur Debatte gestellt. Das kann man Fortschritt in Verdunkelung nennen.

Ungeheure Geldmassen werden ins All geschossen – auf Kosten der leidenden Erdbevölkerung. Mächtige Eliten deklarieren ihre privaten Verstiegenheiten als Menschheitsträume.

Framing oder Kunst des Kommunizierens wird heute genannt, was man früher Propaganda oder Agitation nannte. Himmelstrebende Dome und Kathedralen, phantastische Burgen und Schlösser standen am Anfang des Fortschritts, gefolgt ...

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Von vorne XXXVIII

Tagesmail - Freitag, den 19. Juli 2019

Von vorne XXXVIII,

„Die USA markierten mit der Apollo-11-Mission ihren Anspruch als große, unangefochtene Führungsmacht der Welt. Zugleich konnten sich aber alle Erdenbürger freuen, weil plötzlich deutlich wurde, dass die Menschheit als Ganzes etwas Großartiges erreicht hatte. Jeder konnte sich in diesem Moment als Teil einer friedlichen, glücklichen Weltgemeinschaft fühlen, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.“ (SPIEGEL.de)

Friedliche und glückliche Weltgemeinschaft durch technischen Fortschritt? Das war das Halluzinogen von Zukunftsphantasten, verbreitet mit Hilfe quotengieriger Weltmedien. Die Wirklichkeit sah gänzlich anders aus.

Max Nicholson, führender Kopf im internationalen Naturschutz, schrieb wenige Monate nach der Mondlandung am 19. Juli 1969:

„Der Stolz, den Mond erreicht zu haben, ist zerronnen gegenüber der demütigen Einsicht, es so weit gebracht zu haben, dass wir unseren eigenen heimatlichen Planeten in einen Slum verwandelten. Ganz plötzlich ist der Kampf einer kleinen Minderheit für Naturschutz von einer breiten Welle des erwachten Bewusstseins breiter Massen aufgenommen wurden. Alte Werte, Denkmuster und eingefahrene Praktiken stehen auf der ganzen Welt unter Beschuss. Was wir erleben, ist eine Umweltrevolution.“ (in: Joachim Radkau, Die Ära der Ökologie)

In Amerika begann die moderne Ökobewegung, die die Erde in eine friedliche, naturgemäß lebende, gleichberechtigte Weltgemeinschaft verwandeln wollte. Die „Freunde der Erde“ („Friends of the Earth“), gegründet von David Brower, prägten den Slogan, der die Welt umrunden sollte: Global denken, regional handeln (Think globally, act locally).

Der Slogan bedeutet, den Einklang von Mensch und Natur, die Verträglichkeit ...

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Von vorne XXXVII

Tagesmail - Mittwoch, den 17. Juli 2019

 Von vorne XXXVII,

s’ist ein Mädchen. Ein deutsches aus lächelndem Stahl. Jetzt wird sich alles ändern.

Gesamtsiegerin wie immer ist die mit allen Wassern gewaschene Kanzlerin:

„Bundeskanzlerin Merkel hat sich mit der überraschenden Entscheidung für Annegret Kramp-Karrenbauer einmal mehr durchgesetzt. Die SPD ist düpiert und kann nur weiter verlieren. Die Bundeskanzlerin hat am Ende wieder einmal die Fäden in der Hand gehabt. Man weiß nur nicht recht, wie das gekommen ist, es ging alles einfach zu schnell. In der Politik, wenn es darauf ankommt, ist Merkel die Großmeisterin der Improvisation.“ (WELT.de)

Mit Niederlagen rechnen und, wenn alle Welt glaubt, sie läge danieder, unvermutet aufstehen und zum entscheidenden Schlag ausholen: das kann nur sie, die Nimmermüde und Unbesiegbare. Plötzlich ist die Siegerin in Straßburg ihre Geheimkandidatin gewesen. Dass zwei Männer aus Frankreich und Ungarn jene „geborene Europäerin“ erwählen werden, ahnte sie voraus und kalkulierte es in ihren Plänen ein. Kennt sie doch die Männer, diese leicht durchschaubaren Phallokraten.

Die Medien, wie immer unerschütterlich treu an Mutterns Seite – die als Wagner-Fan beim jährlichen Besuch in Bayreuth studieren konnte, wie auftrumpfende Männlein wirklich ticken. Wie etwa der Meister des Hügels, der „lebenslang gegen alles Männliche entwertend und vernichtend zu Felde zog. Daheim aber schmiegte sich der Geniale schutzsuchend in den Schoß von Ehefrau Cosima.“ (SPIEGEL.de)

Was ist der Unterschied zwischen Blitz-entscheidungen und Blitz-kriegen? Manchmal dehnt sich alles unerträglich, manchmal geht es rasend schnell. Kammerdiener des ...

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Von vorne XXXVI

Tagesmail - Montag, den 15. Juli 2019

Von vorne XXXVI,

„Europa muss handlungsfähig sein in der bedrohlichen Weltlage.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Ist Handlungsfähigkeit wichtiger als Einhaltung demokratischer Werte?

«Pfui-bäh» ruft die SPD für den Fall, dass von der Leyen auch mit linken und rechten Stimmen gewählt wird. Das ist der falsche Reflex. Wahrscheinlicher ist, dass von der Leyen von einer Koalition gewählt wird, über die Europas Moralhüter die Nase rümpfen: mithilfe von Rechts- und Linkspopulisten aus Ostmitteleuropa und Italien. Wenn es so kommt, müssen die Mäkler die Verantwortung auch bei sich selbst suchen.“

Wenn Handlungsfähigkeit konkurrenzfähige Macht bedeutet, sollte, nach Meinung von Christoph Freiherr Marschall von Bieberstein, die Stärkung der EU-Macht wichtiger sein als – als was? Als das „reflexartige naserümpfende Moralhüten der Mäkler“, die offenbar verantwortungslose Gesinnungsethiker sein müssen, denen „das Parteiinteresse näher war als die europäischen Werte.“

Moral ist nicht das Produkt autonomer Vernunft, sondern – bloßer Reflexe. Reflexe reagieren automatisch auf bewusstseinsloser Instinktbasis. In wenigen Sätzen offenbart sich das ganze Elend deutscher Medien, die alle Begriffe nach dem Zufallsprinzip zusammenpferchen. Medien wollen sich mit nichts gemein machen, sind aber im Zweifel immer an der Seite der Obrigkeit zu finden. Doch wehe jenen, die ihnen vorwerfen, sie stünden stets an der Seite der Macht.

Was sind europäische Werte?

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich ...

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Von vorne XXXV

Tagesmail - Freitag, den 12. Juli 2019

Von vorne XXXV,

der Kanzlerin – die ihre nächste Stufe der Heiligsprechung bestanden hat – wird von ihrem Volk, das treu an ihrer Seite steht (besonders in Tagen der Trübsal), keine Psyche zugetraut.

Sie besteht aus einem stählernen Leib, der geringfügige, nicht weiter ernst zu nehmende, eigentlich zu vernachlässigende, neurowissenschaftlich unerklärliche, bei jedem Menschen vorkommende, bei Hymnen überzufällig auftretende, mit ihnen aber auf keinen Fall kausal zusammenhängende, Belastungssymptome aussenden kann.

HeldInnen müssen nicht ans Kreuz genagelt werden, um, nach bestandenem Leiden, glanzvoll ihrer Auferstehung zu harren. Gleichwohl wäre es angebracht, ihren Untertanen gelegentlich Assoziationen gottverfügten Leidens hinabzusenden, die bei ihnen das Gefühl des Erwähltseins der Kanzlerin zur Gewissheit werden ließen.

Ist die Heldin stark, ist sie herzerfrischend stark, geht festen Schritts und Tritts den Männern voran, tut unverdrossen ihre Pflicht, zeigt aller Welt, wozu eine deutsche Frau fähig ist.

Ist sie schwach, kann sie nur scheinbar schwach sein oder aber ihre Stärke erst in Zittern und Zagen voll zur Geltung bringen.

Was klügeln sie, die Weisen der Erde, die Toren vor Gott? Euch Zweiflern und Glaubenslosen, die ihr mit eitlem Verstand alles begreifen wollt – selbst das Unbegreifliche und Unfassbare, das nur reinen Herzen zugänglich ist – sei frohgemut verkündet:

„Maria, sei gegrüßt, du Gefäß der Weisheit Gottes,
Sei gegrüßt, Philosophen hast du an die Grenzen geführt;
Sei gegrüßt, Wissensforschern hast du das Unerforschliche gezeigt.
Sei gegrüßt, spitzfindige Denkgeflechte hast du zerrissen;
Sei gegrüßt, aus unbekanntem Abgrund hast du uns herausgeführt;
Sei gegrüßt, bereichert hast du viele an Erkenntnis.“ (Altkirchliches Marienlob)

Die größte unter den einfühlsamen Gazetten der BRD hat schon reagiert, wie ...

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Von vorne XXXIV

Tagesmail - Mittwoch, den 10. Juli 2019

Von vorne XXXIV,

wer den galoppierenden Klimawandel beenden will, muss den Lebensstil der westlichen Moderne verändern, der der Menschheit in den letzten hundert Jahren aufgezwungen wurde. Er muss Vernunft walten lassen und ein vernunftgeleitetes Gesamtziel der Menschheit entwerfen. Klimawandel ist keine isolierte Wucherung am Leib der Menschheit, die man unabhängig vom Gesamtorganismus herausschneiden könnte.

Vernunft ist Einsicht in den Zusammenhang aller Dinge oder in ihre allseitige Abhängigkeit voneinander. Um ein gefährliches Wort zu benutzen: wir brauchen eine Utopie als totalen Neuentwurf aller Dinge. Bislang wurde der Begriff total mit totalitärer Despotie in Verbindung gebracht.

Die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts aber waren alles andere als total neu. Im Gegenteil: in fanatischem Gehorsam übernahmen sie die Hauptelemente der abendländischen Ideologie, überließen sie nicht länger einem passiven Glauben und verwandelten sie mit rücksichtsloser Gewalt in selbsterfüllende Prophezeiungen. Alle Prinzipien ihrer Tyrannei entnahmen sie dem Inventar der heiligen Tradition des Abendlandes.

Sie waren dem messianischen Endzeitdenken der christlichen Heilsgeschichte verpflichtet, versuchten den versprochenen Jenseitshimmel bereits auf Erden zu verwirklichen. Ihr Ziel war eine Theokratie, ihr Gott die Überwältigung der Natur, die Alleinherrschaft einer Rasse oder Klasse, einer technischen und wirtschaftlichen Weltelite, einer winzigen Minderheit auserwählter Erfolgsgiganten.

Totalitäre Regimes bedienen sich rücksichtsloser Gewalt, um ihre Endreiche aus dem Boden zu stampfen und ihre Bevölkerung zur rechtlosen Masse zu erniedrigen.

Der theokratische Sinn des Satzes bleibt richtig: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle.“

Eine rationale Utopie hingegen ist das Gegenteil menschenfeindlicher Beglückungszwänge. Sie will die Realisierung der Menschenrechte in vitalen Demokratien für alle  ...

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Von vorne XXXIII

Tagesmail - Montag, den 08. Juli 2019

Von vorne XXXIII,

Mutter, ach Mutter! es hungert mich
Gieb mir Brod, sonst sterb ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir säen geschwind.

Und als das Korn gesäet war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter es hungert mich
Gieb mir Brod, sonst sterb ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir ärndten geschwind.

Und als das Korn geärntet war
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir dreschen geschwind.

Und als das Korn gedroschen war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir mahlen geschwind.

Und als das Korn gemahlen war,
Rief das Kind noch immerdar:
Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
Gieb mir Brod, sonst sterbe ich.
Warte nur mein liebes Kind!
Morgen wollen wir backen geschwind.
Und als das Brod gebacken war,
Lag das Kind schon auf der Bahr
.     (aus „Des Knaben Wunderhorn“)

„Denn für dich ein Stück Brot erringen,
Das heißt Streikposten stehn,
Und große Generäle bezwingen,
und gegen Tanks angehen.
Mein Sohn, lass es dir von deiner Mutter sagen:
Auf dich wartet ein Leben, schlimmer als die Pest.
Aber ich habe dich nicht dazu ausgetragen,
Dass du dir das einmal ruhig gefallen lässt
.“ (Brecht, Wiegenlieder)

Generäle und Panzer besiegen wäre eine Kleinigkeit gegen das, was ...

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