Philosophische Tagesmails

Neubeginn XX

Tagesmail - Montag, den 19. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XX,

Das Unsterbliche an Helmut Kohl ist, wie er die Menschen in eine unbekannte Zukunft führte. Wie Kolumbus, der in eine neue Welt segelte. Er war auch wie diese Astronauten, die den Mond eroberten. Es war eine Sternstunde im Leben Deutschlands. In einem winzigen Moment standen alle Sterne günstig. Kohl hatte in seiner Sternstunde so viele Verbündete. Busch senior, den Papst, Lech Walesa, Gorbatschow.

Ich weiß nicht, wer unser Glück der Einheit brachte, die Freundschaft dieser Männer, die Sterne am Himmel.

Es war eine Sternstunde für Deutschland. Die Menschen passten zueinander.

Wer passt heute noch zueinander.“ (BILD.de)

Postmortales Delirium, postmortale Erleichterung, postmortale Identifikation als Katapult in die Unsterblichkeit.

Gewaltiger kann ein Deutscher nicht werden. Der Vergöttlichte als Günstling des Himmels, die Konstellation der Sterne ein Kairos der Geschichte. In unscheinbarer Stunde geschah das Unvorhersehbare: für einen lichten Augenblick öffnete sich der Himmel, erwählte seinen Liebling, sandte ihn zu den Menschen, damit er ihnen den Weg wiese, obgleich sie ihn nicht verdienten. Die wegbegleitenden Heroen waren Werkzeuge des Geschicks – zufällig standen die Sterne in Konjunktion, dass Ost und West zueinander fänden.

Gottes Strafe für das Dritte Reich war getilgt. Das geschlagene Deutschland konnte wieder zurückfinden zur Mitte Europas – in geläuterter Größe, in bußfertiger Dominanz: der Weg für die Pastorentochter aus den Tiefen des Sozialismus war ...

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Neubeginn XIX

Tagesmail - Freitag, den 16. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XIX,

kann man aus der Geschichte lernen? Fragt die Körber-Stiftung unter Mitwirkung eines Joschka Fischer, laut Text des Programms: „Gründungsgesellschafter Joschka Fischer & Company, Berlin“, verbunden in „strategischer Partnerschaft mit der Albright Stonebridge Group in Washington“.

Ende der Werbedurchsage für zwei verdienstvolle Ex-Außenminister des Westens aus jenen goldenen Zeiten, als dieser seine Kriege noch hochmoralisch führte. Heute werden Bombenangriffe zum Dessert serviert.

Ein großer Fortschritt, denn der Westen macht sich ehrlich, er entblößt sich, er lässt die Hosen runter. Das Feigenblatt des Dekalogs und der Bergpredigt – eine andere Moral kennt er nicht – reißt er sich vom sündigen Gemächte, das in fleischgewordener Formation mit prächtigem Haupthaar die Rolle des amerikanischen Präsidenten spielt.

Fischer hielt es noch für richtig, das Wort „Auschwitz“ zu benutzen, um duckmäuserischen Widerstand gegen seinen heiligen Feldzug über Gerechte und Ungerechte niederzubügeln. Kaum jemand kam auf die Idee, den Sprössling ungarischer Donauschwaben, der serbische Teile seiner verlorenen Heimat mit einem Bombenteppich übersäen ließ, als Moralisten zu bezeichnen.

Kann man aus der Geschichte lernen? Eine verrückte Frage. Natürlich nicht. Geschichte ist nicht das Orakel von Delphi, wo eine Priesterin unter berauschenden Dämpfen merkwürdige Geräusche produzierte, die jeder nach Belieben deuten konnte. Geschichte geschieht, sie doziert nicht. Sie produziert Fakten. Fakten sprechen nicht. Sie gehören dem Sein an, für Sollen sind sie nicht zuständig. Lernen ohne moralische Folgerungen wäre kein Lernen. Moral ist Sollen, das ein anderes Sein will.

Journalisten moderieren das exzellent besetzte Podium. Jour-nalisten fühlen sich dem Tag verpflichtet. Was übertägige Geschichte ist, wissen sie nicht und wollen sie nicht wissen – höchstens als Füllmasse rasender Tagesereignisse oder als ...

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Neubeginn XVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 14. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XVIII,

eine Prise Puritanismus gefällig? Es sind verlotterte katholisch-hedonistische Franzosen, denen ein herablassend-politisch-korrekt-inkorrekter Deutscher angelsächsisch-calvinistische Fremdoptimierungen empfiehlt, der mit beiden Beinen auf dem Boden abendländisch-antinomisch-christlicher Grundwerte steht – und fällt.

Hoppla, da purzeln Konfessionen und nationale Eitelkeiten. Wer solche metaphysisch und ethisch luziden Sätze ins Rohdeutsche übersetzen will, müsste 95 Grobianismen an die Pforten der SPIEGEL-Redaktion nageln.

So gesehen braucht Frankreich tatsächlich eine Prise Puritanismus.“ Empfiehlt René Pfister im Hamburger Magazin, das bedenklich ins Straucheln gekommen ist. (SPIEGEL.de)

So gesehen. Wer es anders sehen will, könnte salopp auf die Prise Wahrheit verzichten und sich auf europäisches no bail out berufen: nicht nur von wirtschaftlichen, sondern auch von moralischen Handreichungen und Besserwissereien ist dringend abzuraten. Jede Nation hat sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Völkischer Anstand endet an den Grenzen. Moral ist mit abendländischen Werten unvereinbar. Nur Interessen sind von den politischen Zensoren zugelassen.

Von europäischen oder gattungserhaltenden Gesamtinteressen ist keine Rede. Global machiavellisieren, lokal leitkulturieren, privat sich moralisch dauer-entrüsten: wer diesen internationalen Chauvi-Test nicht besteht, darf in der Lüneburger Heide Schafe scheren.

Doch Moment mal, du Weltgeist auf tönernen Berliner Füßen. Gab es da nicht mal moralische Interessen? Wie sie alles monopolisieren, so auch die vernünftigen und unvernünftigen, übergeordneten und partikularen, utopischen und kurzsichtigen, eigensüchtigen und solidarischen Bedürfnisse, Erwartungen und Selbstverpflichtungen, die sie in ein ökonomisch-uniformes Machtinteresse ...

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Neubeginn XVII

Tagesmail - Montag, den 12. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XVII,

der revolutionäre Sturmlauf der Franzosen – und die stehenden Gewässer der Deutschen. Napoleon – und die preußische Königin Luise; Macronaparte – und die Weltkönigin Angela. Ab jetzt gibt es eine ernstzunehmende Konkurrenz für die deutsche Kanzlerin um die führende Stimme Europas in der Welt. Macron beherrscht die Kunst, ältere Damen heimzuführen.

Die Franzosen haben sich runderneuert und ihre Minderwertigkeitsgefühle weggefegt. Die alten verschlissenen Garden, das Volk ertrug sie nicht länger. Aus dem Stand regenerierte sich die politische Klasse zu einem Drittel aus Laien und Niemanden. Le Pen? Nichts als der Überdruss an degenerierten, amoralischen Alteliten.

Moral – ein Unwort in neugermanischen Sumpfländern, wird zum Imperativ der Politik. Versteht sich, dass deutsche Medien das Unwort zu Anstand verwässern.

„Emmanuel Macron will nun wieder mehr Anstand in die Politik bringen. Er plant ein Gesetz über die Moralisation de la vie politique, also über die Moral im politischen Leben. So soll es Parlamentariern verboten werden, Familienmitglieder zu beschäftigen. Außerdem soll jeder Politiker angeben, mit welchen Institutionen, Firmen oder Vereinen er oder sie verbunden ist, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Nebenjobs als Berater oder Coach sollen grundsätzlich nicht mehr erlaubt sein.“ (ZEIT.de)

Anstand ist ein Knigge-Begriff der bürgerlichen Stände. Aus Höflichkeit verkehrt man seine Weg-Beiß-Qualitäten in wohlerzogene Liebenswürdigkeiten. Wenn sich alle Mächtigen inszenieren, wird Anstand zur propagandistischen Selbstverpflichtung. Moral verhält sich zu Anstand wie wirkliche Freiheit zu Neoliberalismus.

Nein, Macron wird keine Alternative zum Kapitalismus liefern. Doch er wird den Verdruss über den Verfall der Demokratie in eine neue Lust am ...

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Neubeginn XVI

Tagesmail - Freitag, den 09. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XVI,

Merkel will, was auch Trump will. Trump sagt unverblümt, was er will. Merkel leugnet, was sie will. Trump will – mit America first – Nummer eins der Welt werden. Seine Generaldevise lautet: Trump first – Donald John Trump ist Inbegriff Amerikas. Wenn Amerika die mächtigste Nation der Welt ist, wird er der mächtigste Mann der Welt sein.

Auch Merkel will Anführerin der Welt sein: die gute Führerin der Welt, im Gegensatz zum bösen Führer im Weißen Haus. Doch eben dies verleugnet sie – mit der Koketterie der Schönen, die Freiern die kalte Schulter zeigt, um sie zu ködern. Aus einem trotzig-hässlichen Entlein hat sich die Kanzlerin zur schönen Frau entwickelt. Wie das Böse als Gegenteil des Guten&Schönen das Hässliche ist, ist Merkel, die Gute, das Gegenteil des bösen & hässlichen Trump. Sie muss die Schöne sein.

„Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Erwartung entgegengetreten, sie könne vom US-Präsidenten die Rolle als "Anführerin der freien Welt" übernehmen. Internationale Beobachter drängen sie dazu, das Vakuum zu füllen, das Donald Trump mit seinem isolationistischen "America First"-Kurs hinterlässt.“ (SPIEGEL.de)

Die Deutschen verabscheuen Trumps amoralische Berserkerpolitik. Das hindert sie nicht, die moralische Bewertung der Politik als Kapitalverbrechen zu verdammen. Werden wir verbrecherisch und legen die Politik auf die ethische Waage.

„James Comeys gestrige Abrechnung mit Donald Trump hat mich wirklich schockiert. Nicht, weil er etwas Überraschendes gesagt hätte. Im Gegenteil, weil die unglaublichsten Einblicke in die Abgründe des US-Präsidenten schon gar nicht mehr überraschen. Die Lügen, die falschen Anschuldigungen, die Drohungen, die ...

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Neubeginn XV

Tagesmail - Mittwoch, den 07. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XV,

Trump entlarvt den Kapitalismus der Moderne als moralfreies Vagantentum. America first bedeutet: zuerst amerikanische Milliardäre, die er noch reicher machen will, dann amerikanische Loser, die hemmungslos geschröpft werden.

Es ist eine uralte Strategie, wie ein Mitglied der Eliten, der sich den Stars seiner Klasse unterlegen fühlt, sich – unter Vorspiegelung falscher Versprechungen – mit unteren Schichten verbindet, um sich an die Spitze seiner Klasse und somit aller Klassen zu setzen. Er will nicht nur zur führenden Klasse gehören, er will Allererster sein. Nur der Erste ist Sieger, der Zweite gehört bereits zu den Verlierern.

Seltsam, dass mediale Beobachter Trump nicht einen Populisten nennen. Für deutsche Politanalytiker sind Populisten dreiste Glücksritter, die mit Tricks an die Macht wollen, die sie aber nicht erringen sollen. Gewöhnliche Populisten sind Heilsbringer, die man zu Fall bringen muss. Nur Populisten, die trotz aller Widerstände an die Spitze gelangen, sind echte Heilsbringer. Obama, Macron, Trudeau sind Wunderkinder und Heilande, denn sie haben die Macht errungen. Wilders und Le Pen gehören zu den gefallenen Engeln, die als Widersacher der Götter verteufelt werden. Zwischen Erlöser und Antichrist gibt es nur einen winzigen Schritt.

Die Moderne rechtfertigt alles, wenn es nur Erfolg hat. Macht und Erfolg sind messianische Qualitäten. Fortschritt ist eine messianische Disziplin, denn er setzt auf systematische Akkumulation von Glanz und Gloria.

Christentum, Judentum und Islam sind Religionen des absoluten Erfolgs. Die Gläubigen werden zu Siegern der Geschichte gekürt.

Armut, Leiden, Demut und Uneigennützigkeit sind nur Instrumente der Erfolgreichen, die unter dem Schein des Gegenteils ihre Seligkeit erringen und zur ...

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Neubeginns XIV

Tagesmail - Montag, den 05. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XIV,

Wir brauchen das Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren.“ (Eine deutsche Kanzlerin)

Die feindliche Übernahme der ewigen Natur durch einen männlichen Schöpfer ist perfekt. Der jüdisch-christliche Glauben an einen Gott, der die Natur zu seinem Werk degradierte, wird zur Grundlage deutscher Politik. Merkel erklärt das deutsche Volk zu einer gläubigen Einheit und entwirft Politik als Willensäußerung eines national verordneten Fürwahrhaltens.

Demokratie, eine Form des Zusammenlebens mit gleichwertigen Weltanschauungen, wird zur unverhüllten christlichen Theokratie in demokratischem Flittergewand. Der Gott in der Verfassung, ein He-Man ohne Eigenschaften, wird zum christlichen Schöpfer und Erlöser.

Auf der Höhe ihrer Macht okkupiert eine Pastorentochter den säkularen Staat und verwandelt ihn vor aller Augen in eine Kampfzelle des Reiches Gottes. Im öffentlichen Handstreich verfälscht Merkel die demokratische Vernunftordnung in ein Gebilde der Offenbarung.

Die deutschen Christen, die bereits die Weimarer Republik in eine eschatologische Führer-Herrschaft – ein 1000-jähriges oder Drittes Reich – verwüsteten, haben erneut zugeschlagen und die von ihren Befreiern vorgeschriebene Herrschaft des Volkes in die Herrschaft eines göttlichen Willens transformiert, der sich dem Buch der Offenbarung unterwirft und die Grundlage einer allgemeinen Menschenvernunft negiert.

Damit spaltet sie die Menschheit und errichtet eine Arena des Kampfes zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen.

Die Zeit der Natur wird zur linearen Geschichte, an deren Ende die Erwählten den Sieg erringen und die Verworfenen einer ewigen Strafe ...

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Neubeginn XIII

Tagesmail - Freitag, den 02. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XIII,

„Deutschlands Kanzlerin trat noch gegen Mitternacht vor die Kameras, um eine Ansprache zu halten – auf Deutsch und auf Englisch. Trump habe „einen Fehler für die Interessen seines Landes, seines Volkes und einen Fehler für die Zukunft unseres Planeten“ begangen, sagte sie. „Ich sage es Ihnen heute klar: Wir werden nicht ein neues Abkommen aushandeln, das weniger ehrgeizig ist. Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt”, sagte Merkel. Zum Schluss wandte sie sich direkt an Trump: „Ich rufe Sie dazu auf, zuversichtlich zu bleiben. Wir werden erfolgreich sein. Denn wir sind voll engagiert. Denn wo immer wir leben, wer immer wir sind, wir alle teilen die gleiche Verantwortung: Make our planet great again. Danke.”

Als Zeichen für den Klimaschutz ließ Merkel das Brandenburger Tor in grünes Licht tauchen.

Wer hingegen sprach den Satz: “Ich bedaure die Entscheidung des US-Präsidenten"?

Nein, nicht Merkel ging vor die Kameras, um ihrer Nation und der ganzen Welt eindringlich ihren Widerstand gegen Trumps apokalyptische Politik zu dokumentieren. Es war ihr französischer Kollege Macron, der in aller Öffentlichkeit Stellung bezog, sein Volk ernst nahm und das Pariser Rathaus grün anstrahlen ließ.

Merkel hingegen „bedauerte“, dass der amerikanische Präsident von seinen naturzerstörenden Plänen nicht Abstand nehmen will. Wie immer missachtet sie den Auftrag, den Deutschen öffentlich Rechenschaft zu geben. Sie schleicht durch die schwarzen Löcher der Kommunikationskanäle. Laut Duden hat bedauern die Bedeutung: „Mitgefühl mit jemandem empfinden, jemanden bemitleiden, unerfreulich, schade finden“. Schade, dass die Menschheit den Abgang machen wird. Ein bisschen unerfreulich, das Ganze, doch heißa, wir Christen werden gerettet, die Ungläubigen ihre verdiente Quittung erhalten. Und tschüss!

Welche Wendung dank menschlicher Einsicht. Fast alle Völker stehen geschlossen zum Vorhaben, die Erde nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Selbst der ...

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