Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XXIII

Tagesmail - Montag, den 08. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXIII,

was ist ein Kompromiss aus Leben und Tod? Wachkoma? Nahtoderfahrung? Agonie? Selbstmörderischer Fortschritt?

Der Kompromiss aus Leben und Tod ist die Gegenwart, die Klimax des Fortschritts, der prämortale Neoliberalismus, die suizidale Naturzerstörung, der selbstzerstörende Kern der Moderne.

Media vita            Mitten im Leben
In morte sumus.   Sind wir vom Tod umfangen.

Eine Religion, die in Leiden und Tod die Voraussetzungen zum wahren Leben sieht, hat die Weltpolitik überwältigt. Nie gab es Erfolgreicheres im Leben der Gattung als eine Religion, die das Leben der Menschheit auf Erden verwirft, um es mit einem illusorischen Leben im Jenseits zu beruhigen, zu vertrösten oder – zu betrügen.

Halleluja, entzündet Freudenfeuer, stimmt Jubelchoräle an: Gott hat den Menschen, ein Jenseits das Diesseits, Glauben und Hoffen die sinnliche Erfahrung, Übernatur die menschenfreundliche Natur, Zukunft die pralle Gegenwart ausgelöscht und zunichte gemacht.

Pragmatisten und Realisten, nüchterne Tatsachenmenschen, Anbeter von Fakten, Erfinder von Macht und Herrlichkeit, Produzenten einer neuen Natur entlarven sich als Genies der Selbstverblendung, als Giganten der Selbstüberschätzung, als einfallsreiche Exekuteure der Selbstauslöschung.

„Der Weltklimarat IPCC hat ein entschlossenes Handeln angemahnt, um die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Notwendig seien "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", heißt es in einem Sonderbericht des IPCC, der im südkoreanischen Incheon veröffentlicht wurde. Sollte dieses 1,5-Grad-Ziel verfehlt werden, drohen den ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XXII

Tagesmail - Freitag, den 05. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXII,

„Der Mittelpunkt einer solchen Volksreligion ist ihm die Liebe. Denn wenn Volkreligion die gutartigen Neigungen des Menschen, sein moralisches Gefühl als überall und allgemein wirksame sittliche Kraft ins Spiel bringen muss, so haben diese ihren Mittelpunkt in der Liebe.“ (Dilthey über den jungen Hegel)

„Man glaubt etwas sehr Großes zu sagen – heißt es bei Hegel – wenn man sagt: Der Mensch ist von Natur gut; aber man vergisst, dass man etwas weit Größeres sagt mit den Worten: Der Mensch ist von Natur böse. Die Kommunisten predigen überhaupt keine Moral. ... Sie stellen nicht die moralische Forderung an die Menschen: Liebet Euch untereinander.“ (Marx)

„Bei Hegel ist das Böse die Form, worin die Triebkraft der geschichtlichen Entwicklung sich darstellt.“ (Engels)

Nicht nur bei Hegel, auch bei seinen revolutionären Schülern, ja in der gesamten Moderne gilt: das Böse ist die Energie des Guten.

Gott braucht den Widersacher, um seine abgefallene Schöpfung zurückzuerobern; Faust den Mephisto, um Zwangsbeglücker der Menschheit zu werden.

Der junge Hegel plädierte für Liebe, der alte für das Böse. Jungen Deutschen wird Liebe gepredigt, wer als Erwachsener für das Gute eintritt, ist ein Tor.

Junge Menschen kennen Moral, aber keinen Fortschritt. Den Herren der Gegenwart und Zukunft ist Moral Stillstand. Sie wollen Reichtum, Macht und Erfolg.

Stille, einst Sammlung des Menschen in sich, ist zur Totenstille geworden.

In der Natur suchen sie Stille, doch Stille in der Natur ist für sie wie der Tod. In ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XXI

Tagesmail - Mittwoch, den 03. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXI,

Barbara Schöneberger und Günter Jauch sind Deutschlands größte lebende Vorbilder. Jauch, weil er als Quizmaster „unsere Allgemeinbildung“ fördert. Seinetwegen wurde Deutschland zur gebildetsten Nation der Welt.

Schöneberger ist Merkel als „blondes Gift“. „Traut sich fast alles. Auf Instagram, Fachportal für Selbstinszenierung, zeigt sie sich ungeschminkt.“ (BILD.de)

Sie hat keine Mission. Sie will nicht die Welt verbessern mit ihrer Kunst, sie will den nächsten Job gut erledigen. Sie sieht sich als Dienstleisterin.“ Günter Jauch porträtiert seine Kollegin: "Es gibt Menschen, die total in sich ruhen. Franz Beckenbauer war früher so. Dem war auf sympathische Weise immer alles egal. So ist sie auch." (SPIEGEL)

Ihr Lebensmotto: „Probleme erledigen sich von selbst. Warte drei Tage – und sie sind verschwunden.“

Barbara ist Angela in sexy. Auch Angela inszeniert sich, aber es muss ungeschminkt aussehen. Auch sie traut sich alles zu – als Dienstleisterin. Die Welt will sie nicht verbessern, sie hat keine Mission. Treten Probleme auf, wartet sie, bis sie sich von selbst lösen. Erst wenn nicht, erscheint sie auf der Bühne, gemäß dem – empört klingenden – Satz eines ARD-Moderators: selbst Kanzlerin Merkel muss sich jetzt um das Dieselproblem kümmern. Auch sie ruht in sich, weshalb ihr alles egal ist. Alles egal sein, nennt sie Gottvertrauen.

Eine perfekte Welt erkennt man daran, dass, nach sechs Tagen Maloche, der Schöpfer in sich ruht. Immer, wenn Merkel persönlich in die wirren Verhältnisse der ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XX

Tagesmail - Montag, den 01. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XX,

Wolfgang Schäuble hielt eine politische Grundsatzrede, die Kanzlerin Merkel längst hätte halten sollen – wozu sie jedoch unfähig ist. Bei einem Konzert des WDR-Symphonieorchesters, auf dem Beethovens 5. Sinfonie (die Schicksalssinfonie) erklang, sprach er über – das Schicksal. (WDR.de)

Begriffe wie Fatalismus oder Kausalität wären Merkel nie über die Lippen gegangen. Die Spezialistin für Leicht- und Seichtsprache hätte eher ihre Redenschreiber entlassen, als mit exaltierten Begriffen hausieren zu gehen. Ihre Nullsprache, an die sie sich gewöhnte, hält sie für volkstümlich. Von ihrem Vater, dem Kanzelprediger, lernte sie, dem Volk aufs Maul zu schauen – aber ohne Luthers Derbheiten. „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“: Kohls Lieblingsspruch wäre mit ihrer stolzen Demut unverträglich. Sündenstolz kennt viele Maskierungen.

Eliten halten das Volk für begriffsstutzig, weshalb sie es mit einer scheinbar volksverträglichen Sprache für dumm verkaufen. Doch das Volk ist nicht dumm, schon gar nicht von Natur aus. Die Bildungsinstitute der Republik, die für den Aufstieg fit machen sollen, halten es nicht für notwendig, die sprachliche Kluft zwischen Oben und Unten zu überbrücken. Die verschiedenen Klassen der Demokratie sollen nicht nur durch Wohn- und Geldverhältnisse, sondern durch verschiedene Bimbessprachen für immer getrennt bleiben.

Hochgerüstete Intellektuellensprache hält Merkel für arrogant – und wirkungslos. Denkerische Leistungen traut sie dem Volk nicht zu. Wer ständig am Volk vorbei agiert, will wenigstens den Eindruck erwecken, als wolle er die Untertanen sprachlich mitnehmen. Wie Gottes’ Sohn sich zum Menschen herabließ, damit das Wort Fleisch werde, so müssen sich erwählte und gewählte Politiker zum Menschen auf der Straße herablassen, um ihnen Gnade und Gunst zu erweisen. Merkel hält nichts von Philosophie und beschränkt sich auf die Kenntnis ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XIX

Tagesmail - Freitag, den 28. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XIX,

mit Kompromissen in den Abgrund. Ausgerechnet Merkel. Weder kann sie Klardeutsch, noch scharf debattieren. Gerade sie will den Deutschen das Debattieren beibringen.

Überall in den Medien gibt es willfährige Anne Wills, die Gesprächssimulationen mit der Kanzlerin anbieten. Wie kann jemand, auf Seiten der Mächtigen, streiten, der sich asymmetrischer Klarheits-Demobilisierung bedient? Wie kann jemand, auf Seiten der Medien, streiten, der sich meinungslosem Beobachten unterwirft?

Mächtige haben Meinungen, wollen sie aber nicht verraten, damit sie keine Angriffe provozieren. Beobachter haben Meinungen, wollen sich aber nicht kenntlich machen. Sie könnten ihre Nähe zu den Mächtigen gefährden.

Wer war es, der den direkten Schlagabtausch der Kandidaten im Wahlkampf stets verweigerte – stattdessen Stichworte bevorzugte, deren Beantwortung sie mit ihren „Kommunikations-Designern“ eingeübt hatte?

Wer sich dem Publikum vorstellt mit dem Satz: Sie kennen mich, der gibt sich transparent. Transparente müssen sich nicht erklären. Schwaben hängen morgens ihre Bettwäsche aus den Fenstern, um zu demonstrieren: heute Nacht sind wir sauber geblieben. Merkel, die Geheimnisvolle, zeigt sich, wie Gott sie schuf und singt zum Frühgebet:

Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
soll niemand drin wohnen
als Jesus allein.

Eine Magd Gottes ist für eine christliche Nation ein Mysterium, was beweist, ihre Religion ist den Deutschen ein unergründliches Rätsel. Sie können nicht ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 26. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVIII,

nun also zur Abwechslung die Wahrheit. Tusch und Hurra: wir feiern die nächste Epochenwende! Mathias Döpfner reißt die Tür auf, verjagt die wahrheitsvergessene, räudige Postmoderne ins Dunkel der Vergessenheit – und bringt Licht mit.

Das Licht, die Lichter, les lumieres, die Aufklärung, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Dazu das Beste aus dem Reich der Utopisten, Gutmenschen und moralischen Visionäre. Wenn die Welt darbt, wird die WELT sie retten. Mit der Suche nach der Wahrheit, geschmückt mit nicht weniger als „Hunderten von Eigenschaften, die das Prinzip Zeitung zur überlegenen Erfindung der Gegenwart machen“:

„Sie hat das Potenzial, in politisch instabilen Zeiten für Gerechtigkeit, Transparenz, Offenheit zu sorgen. Sie kann die Demokratie stützen, mehr noch, die Erfindung, die ich meine, ist eine essenzielle Voraussetzung zum Entstehen und zur Erhaltung von Demokratie.“ (WELT.de)

Obwohl er die neue Wahrheit erst suchen muss, weiß er bereits, wie beschaffen sie sein muss. Kein Problem für den führenden Zeitungsverleger der Republik, der das Beste der Zukunft mit dem Besten der Vergangenheit zu vermählen weiß. Vergangenheit?

Döpfner kennt keine Vergangenheit. Weder die, in der Wahrheit noch galt, noch die, in der sie gemeuchelt und verscharrt wurde. Er will eine neue Epoche verkünden, ohne die alte bei Namen zu nennen und ohne zu erklären, was ihn bewog, die verleugnete Postmoderne aus dem Weg zu räumen. Jene Postmoderne, in der galt:

„Es gibt keine übergeordnete Sprache, keine allgemeinverbindliche Wahrheit, die widerspruchsfrei das Ganze eines formalen Systems legitimiert. Wissenschaftliche Rationalität, sittliches Handeln und politische Gerechtigkeitsvorstellungen spielen je ihr eigenes Spiel und können nicht zur Deckung gebracht ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XVII

Tagesmail - Montag, den 24. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVII,

ein Beamter nachgeordneter Behörden mit runder Brille, beneidenswert vollem Haupthaar und verschiedenen japanischen Ichs schafft es, die Regierung, somit die BRD, das Machtgefüge in Europa und also der ganzen Welt an den Rand des Abgrunds zu bringen. Anerkennung für seine überragende Persönlichkeit? Beförderung? Gehaltszulage? Nichts.

Kein Anstand in Deutschland, zetert BILD, um elegant das Wort Moral zu umgehen – schließlich gehört die Hauptgazette der BRD zur Führungsinstanz der Schlechtmenschenfront. Hier gibt es das Gute nur, wenn es um Interessen des eigenen Biotops geht.

Er ist verunglimpft und bepöbelt worden, auch von Mitgliedern der Bundesregierung, die gegenüber ihren Beamten eine Fürsorgepflicht haben. Man hat ihn vernichtet, ohne ein Wort über seine Leistungen zu verlieren.“ (BILD.de)

Verunglimpft, bepöbelt und vernichtet: das ist angewandte Martyrologie. Der Erlöser wurde verhöhnt, geschlagen, bespuckt und ans Kreuz geschlagen. Doch im Unterschied zum deutschen Stellvertreter-Opfer wurde er nach der Kreuzigung befördert und mit reichlichen Gehaltszulagen bedacht. Aufgefahren gen Himmel, ernannte man ihn zum Pantokrator, dem Erben des gesamten Reichtums im Universum.

Deutschland bereitet sich vor. Auf die nächste Weltwirtschaftskrise, die uns Weimar ein erhebliches Stück näher bringen wird. Den Experten schwirrt schon der Kopf. Aus der letzten Krise haben sie nichts gelernt. Warum auch? Nach jeder Krise wurden sie reicher: die nächste Krise beten sie inbrünstig herbei.

Kommt die nächste Krise übers Land und frisst den Wohlstand der Kleinen, um den der Großen zu mästen, geht’s rund in Europas stärkster Macht. Dann werden ...

Weiterlesen...
 

Sofort, Hier und Jetzt XVI

Tagesmail - Freitag, den 21. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVI,

Theodor Mommsen war eine ungewöhnliche Erscheinung in deutschen Landen: er war ein aufrechter Mann, der sich nicht nur dem aufkommenden Antisemitismus, sondern „Junkertum, Kaplanokratie und allen dehumanisierenden Tendenzen“ entgegenstellte. Am Ende seines Lebens zog er sich den Zorn des Kanzlers zu, der ihm den Vorwurf machte, „sein Blick für die Gegenwart sei getrübt durch die Vertiefung in 2000 Jahre Vergangenheit.“

Politische Gegenwart als Erkenntnisobjekt existiert für heutige Historiker nicht, Ergebnisse ihrer Vergangenheitserforschung zum Nutzen der heutigen Demokratie wären für sie Perlen vor die Säue.

Alt und verbittert wandte sich der berühmte Verfasser einer „Römischen Geschichte“ ab von dem „erbärmlichen, nichtswürdigen und rückgratlosen“ Volk der Deutschen. Man sieht, der Charakter eines Volkes wird nicht in 12 Jahren verdorben.

Ökonomisches Junkertum, Kaplanokratie und dehumanisierende Tendenzen der Schlechtmenschenfront beherrschen heute erneut die Szenerie. Allerdings sollten wir, anstatt von Kaplanokratie, trefflicher von Angelokratie sprechen.

„Haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein oder vielleicht auch mal ein Bild in einer Kirche noch ein bisschen erklären zu können. Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, es ist mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her.“ (Kath.net)

Mommsen war kein Elfenbeinturmbewohner, sondern Gelehrter, leidenschaftlicher Politiker und Journalist. Aus diesem Grund hasste er Cicero, diese ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 3 von 181