Philosophische Tagesmails

Samstag, 21. Januar 2012 - Faschistische Abenteuer

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Spaniens,

Luthers Reformation kam aus Deutschland, die Gegenreformation seines Widersachers Ignatius von Loyola aus Spanien. Der linke Flügel des Katholizismus kommt meist aus Deutschland, der rechte aus Spanien.

Als Deutschlands mittelalterliche Macht der Mitte unterging, erhob sich Spanien zur ersten Weltmacht, in der die Sonne nie unterging. Im Fußball sind beide Nationen die schärfsten Rivalen.

Wir hatten Hitler und sind Weltmeister in Vergangenheitsbewältigung, Spanien hatte Franco – und wer dort die Verbrechen des Diktators aufklären will, kommt vor Gericht. Auch wenn er ein weltberühmter mutiger Richter ist und Baltasar Garzón heißt. Per Gesetz darf dort die Vergangenheit juristisch nicht unter die Lupe genommen werden.

Nun haben Deutschland und Spanien auch Gemeinsamkeiten, die wichtigsten heißen Mallorca, Flamenco und Paella. Wir haben die meisten Dreisterneköche, Spanien aber den berühmtesten Molekular-Koch der Welt namens Ferran Adria, der die Lebensmittel, wie Gott sie schuf, bis auf die Molekularebene zersetzt und sie in sechs Tagen neu komponiert.

Wenn die BASF künstliche, gleichwohl naturidentische Geschmacksverstärker im Labor herstellt, wüten unsere Gourmets. Wenn Molekularköche ...

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Freitag, 20. Januar 2012 - IQ-Test

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Konfitüre,

okay, der Mann muss weg. Er lässt sich von einem Konfitüre-Hersteller einladen! Wieder so ein piefiges Klinkerhüttenniveau. Wenn‘s doch wenigstens ein Drei-Sterne-Elite-Koch auf der Basis ökologischer Heimatprodukte gewesen wäre.

Helmut Karasek, einstiger Literaturnebenpapst unter Reich-Ranicki, bewunderte im Literarischen Quartett die Verherrlichung des Bösen bei Marquis de Sade. Natürlich bedeutet das nicht, er würde das reale Böse in Wulffs Konfitürenabhängigkeit nicht pflichtgemäß verabscheuen.

Dabei zeigt das junge Paar in Bellevue auch bezaubernde Seiten. Von einem Autohändler lässt sich der Präsident aller Bürger ein Bobbycar für seinen Sohn schenken. Zeugt es nicht von staatsmännischer Souveränität, das Vehikel allen Kindern der Bellevue-Besucher zur Verfügung zu stellen?

In Amerika geht’s nur um Sex, wenn man Kandidaten destruieren will, in Deutschland geht’s um Abstauben und Schnorren. Heißt das im Umkehrschluss, Puritaner dürfen nach Belieben das heilige Eigentum verletzen, müssen aber in causa Sex sauber bleiben –  bei den Deutschen umgekehrt? 

Das wäre der alte Streit zwischen sexgefährdeten Händlern des perfiden Albion und eigentumsgefährdeten Helden des sittlich hochstehenden Germaniens. Man könnte auch sagen, die ...

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Donnerstag, 19. Januar 2012 - Mein Kampf

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Verbote,

es gibt viel Widriges in der Welt, muss es deshalb gleich verboten werden? Wie wär‘s, das Böse zu verbieten? Oder diejenigen, die ihm durch ausschweifendes Benutzen und Dämonisieren erst Wichtigkeit und Bedeutung verleihen?

Beim vielgescholtenen Skinner, dem Behavioristen, wird unerwünschtes Verhalten durch Ignorieren reduziert. Bestrafen würde das missbilligte Verhalten eher verstärken. Die Verhaltenstherapeuten halten nicht viel von Argumenten und menschlicher Einsichtsfähigkeit.

Da stehen sie nicht allein. Freud hat zwar den zusätzlichen Faktor Erinnerung in sein therapeutisches Repertoire aufgenommen, doch der Rest – Wiederholen und Durcharbeiten – ist auch nicht sonderlich philosophiefreundlich.

Aristoteles hatte Sokrates vorgeworfen, zu sehr der therapeutischen Qualität der Einsichtsfähigkeit zu vertrauen. Um seine Untugenden loszuwerden, müsse der Mensch, so der Schüler Platons, fleißig üben und sich erwünschte Tugenden durch Wiederholungstraining einpauken.

Damit war‘s um die historische Preisung der Vernunft fast schon geschehen. Mag sie in Vielem Recht haben, so habe sie doch nicht die Kraft, ihre Meinungen elegant und widerstandslos umzusetzen. Ihre Schwäche müsse durch Willen und eiserne Disziplin ausgeglichen werden.

Wir wissen, wie die Talfahrt der Vernunft weitergeht. Cato, der alte knorrige Römer, warf den philosophierenden Griechen Verweichlichung und Lebensuntüchtigkeit vor. Zwar übernahmen ...

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Mittwoch, 18. Januar 2012 - Mathematik ist auch Theologie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Ostens,

die östlichen EU-Staaten driften von Brüssel weg und Putin zu. Die ARD nannte gestern das Orban-Regime eine konservative Regierung. Dass deutsche Konservative sich gegen die Orbanisierung verwahrt hätten, wurde nicht bekannt.

Unsere östlichen Nachbarn haben sich abgestrampelt, um in Europa anzukommen. Nach der Euphorie der Freiheit kam auch bei ihnen das Risiko der Freiheit, damit es dem anarchischen Citoyen auf dem Eis nicht zu wohl werde.

Konservare heißt bewahren, vorsichtshalber wird nie hinzugefügt, was denn bewahrt werden soll. Geld, Einfluss, Macht, Religion, Tradition, Rasse? Warum nur assoziiert mit Konservare niemand Bewahren der Menschenrechte?

Im Slogan „Bewahren der Schöpfung“ wird Ökologie auf das Credo der Schöpfung und eines Schöpfers verpflichtet. Was, wenn Natur von Ewigkeit zu Ewigkeit wäre, wie fast alle Welt außerhalb des biblischen Glaubens annimmt? Wenn es also keine Schöpfung gäbe? Dann bedeutete die Formel: „Bewahren von Nichts“. Was soll ...

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Dienstag, 17. Januar 2012 - Gottgleiche Edelfedern

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Medienpriester,

Priester, liebe Kinder, sind jene merkwürdigen, familiär unbehausten, schon hienieden im Jenseits weilenden Menschen mit verhuschten, mild lächelnden, verbissenen oder feisten Mienen und linkischen Bewegungen, deren Berufsbeschreibung nicht von der IHK, sondern von „Offenbarungen“ festgelegt wird.

Wer Näheres erfahren will, nehme eine so genannte Konkordanz zur Hand – das ist eine „mit Herz“ geschriebene Art Register, aber viel besser, weil sie göttliche und nicht profane Wörter ordnet – und schaue nach unter Priester, Prediger oder ähnlichem, wobei immer zu bedenken ist, dass alle Dekade eine funkelnagelneue Übersetzung auf den Markt kommt, die in spiritueller Neuerfahrung alles Anstößige wegübersetzt.

In meiner uralten, im Jahre 1901 in Bremen gedruckten, Konkordanz steht zum Beispiel unter Jesaja 19,3 das Wörtchen Pfaffe. In meiner wesentlich moderneren Zürcher Bibel steht nichts von Pfaffe, sondern von Götzen, Beschwörern, Totengeistern und Wahrsagegeistern.

Sollten das etwa nette Umschreibungen der Pfaffen sein? Wobei jeder weiß, dass es unter Priestern sone und solche gibt: die der richtigen und die der falschen Religion. Schweinepriester und Pfaffen sind natürlich immer die der andern und haben mit unseren staatlich anerkannten, akademisch gebildeten und die abendländischen Werte sichernden Monsignores oder lutherisch strengen, verheirateten und viele intelligente Söhne habenden Pfarrer, die später alle weltberühmte Professoren werden, wie Nietzsche, Schelling, Ranke e tutti quanti, nichts zu tun.

Upps, das war ein Bandwurmsatz, der weder in BILD, noch im SPIEGEL erscheinen dürfte, vielleicht gerade bei Thomas Mann, weshalb diese Kolumne garantiert medienuntauglich ist. An dieser üppigen ...

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Montag, 16. Januar 2012 - Vom Mitarbeiter zum Souverän

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Syriens,

um das fortwährende Blutvergießen an der syrischen Bevölkerung zu beenden, schlägt Katar den Einsatz arabischer Truppen vor. Die Arabische Liga, die sich mit ihren blinden und gegängelten Beobachtern bis auf die Knochen blamierte, will den Vorschlag prüfen.

Unterdessen halten sechs Abgeordnete der Linken es für richtig, sich mit Assad, dem hauptberuflichen Schlächter seines Volkes, zu solidarisieren. Zu Recht fordert Bommarius den Rauswurf dieser Wasserträger eines Despoten, der schon längst in Den Haag sitzen müsste.

Marx ist nicht das fleckenlose Urbild in diametralem Gegensatz zu Stalin, dem perversen Verfälscher seiner Gedanken. Für einen überzeugten Demokraten ist Demokratie die einzige und beste Methode – okay, die schlechteste, mit Ausnahme aller andern –, um die Probleme menschlichen Zusammenlebens zu lösen. Für Marx nicht.

Der lässt seine proletarische Heilsgeschichte antreten, die im Verlauf der Ereignisse die Probleme mit unwiderstehlicher Gewalt entsorgen wird. Der geschichtsabhängige Mensch kann den automatischen Gang der Dinge ein wenig beschleunigen, mehr aber nicht. Das ist die geheime Ursache der modernen Beschleunigungswut.

Je gehetzter die Zeiger der Uhr gedreht werden, je schneller münden wir ins Zielgebiet. Sei es als Wiederkehr des Messias, sei es als Reich der Freiheit. Beschleunigen ist die globale Ungeduld beim ...

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Sonntag, 15. Januar 2012 - Antisemitismus und kein Ende

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der gebrochenen Charaktere,

in welcher publikumswirksamen Veranstaltung befinden wir uns, wenn es um Abschaum, gebrochene Charaktere, allsehende und omnipräsente Kamera- oder Gottesaugen, fiese, verächtliche oder lächerliche Kommentare voyeuristischer Allmachtsdarsteller, eine zur Ekelshow und zum Amüsement missbrauchte Natur inmitten eines Garten Edens, der sich als Hölle rivalisierender, sich blamierender und versagender nackter oder mit Feigenblättern bedeckter Exemplare des homo nudus televisionis geht?

a) in der Schöpfungsgeschichte

b) bei Paulus und dem Psalmisten: „Denn ein Schauspiel sind wir der Welt geworden; wie Kehricht der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt“ (1.Kor.4, 9-13)  „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel leiden; aber aus dem allem errettet ihn der Herr." (Ps 34,19 f) "Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerbrochener Geist; ein zerschlagenes Herz wirst du, oh Gott nicht verachten." (Ps 51,19)

Oder c) im Dschungelcamp mit gebrochenen Charakteren und zerschlagenen Moderatoren, die keine sind – denn moderieren heißt mäßigen –, sondern Zuspitzer, Anheizer und Feuer-ins-Öl-Gießer und auf die Namen Dirk Bach und Sonja Zietlow hören.

Oder befinden wir uns bereits im Himmel, wo die Erwählten „Hölle gucken“ und sich amüsieren über die Qualen der Verworfenen? Sind wir in der Vollendungsphase der religiös inszenierten Fernschau, der endgültigen Vision der Tele-vision? Erfahren wir an unvermuteter Stelle ...

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Samstag, 14. Januar 2012 - Das Private und das Öffentliche

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der arabischen Revolution,

die sich in der Armutsfalle befinde, schreibt Edith Kresta in der TAZ. Irrtum, in der Kapitalismusfalle! Zuerst besiegen sie die Despoten, deren Namen und Gesichter sie kennen, dann kommt der internationale Geldkrake. Und jetzt beginnt das Zittern, ob die neue Demokratie den Kraken zum Haustier domestiziert oder ob dieser die Demokratie frisst.

Hier hilft kein Tyrannenmord. Es geht um ein System, das etwas Geheimnisvolles sein muss. Das System bekämpft man nicht, indem man etwaige Repräsentanten in die Flucht treibt, verhaftet oder durchsiebt. Zwar sieht und bestimmt es alles, hat aber keine persönlichen Augen, Ohren und Hände. Allmächtig  bestimmt es unser Leben, wir sind ihm wehrlos ausgeliefert.

Will man es abschaffen, muss man es mit allen Wurzeln ausgraben und als Ganzes zum Teufel jagen. Doch dieser könnte schlimmer sein, als die Misere, mit der wir vertraut sind. Es gibt nur ein Entweder-Oder. Zwischenformen, allmähliche Verbesserungen, lernendes Korrigieren: Fehlanzeige. Alles oder Nichts, Schwarz oder Weiß. Dualismus also!

Die Welt ist keine Einheit, sie ist in der Mitte gespalten, man muss wählen. Gott oder Teufel, Tod oder Leben, Sein oder Nichtsein, wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Jedes Kind weiß, wovon wir reden.

In Google drück ich die nicht vorhandene Übersetzungstaste: Theologisch – modern, modern – theologisch und erhalte den Text: „Das System ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, es durchgoogelt uns bis ...

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