Philosophische Tagesmails

Dienstag, 10. Januar 2012 - Spekulatius

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011
Hello, Freunde des Rechts,

Oury Jalloh kam vor sieben Jahren durch mysteriösen Feuertod in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben. Als 200 Leute jetzt mit Schildern wie: „Oury Jallo, das war Mord“ in Dessau auf die Straße gingen, wurden mehrere Demonstranten von wütenden Polizisten niedergeknüppelt, die sich diese Anklage nicht gefallen lassen wollten.

Das elektronische Band, das alle Vorgänge in der Zelle dokumentierte, war zufälligerweise gelöscht. Ein Gutachter hatte von den Behörden den Auftrag erhalten, den Brandverlauf so zu rekonstruieren, als habe „Jalloh sich selbst angezündet“. Der Zustand der Leiche aber sei so nicht zu erklären, habe der Brandexperte selbst eingeräumt, so der Anwalt der Familie Jalloh.

Ein Gutachter, der sich das Ergebnis seines Gutachtens von den Behörden vorschreiben lässt? Behörden, die eine „taktische Beziehung“ zur Wahrheit haben – man sollte besser von einer untaktischen Beziehung zur Lüge sprechen – und nicht sofort vor den Kadi gezogen werden?

Wo bleibt die Recherche der Vierten Gewalt über korrupte Behörden? Wer hat solche käuflichen Experten – die sich selbst denunzieren – mit dem Gutachten beauftragt? Medienalltag in Deutschland, auch bei ...

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Montag, 09. Januar 2012 - Fassungslose Verfassung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Burmas,

es gibt noch andere Themen als Klinkerhüttenkrediterschleicher. Was im Ausland geschieht, wird in deutschen Medien nicht „abgebildet“. Das merkt man, wenn man Nachrichtensendungen von ARTE, des schwyzerischen oder des österreichischen Fernsehens schaut.

Wie es keinen Internationalen Frühschoppen mehr gibt – außer, wenn ARD tagelange Schneeödenberichterstattung als öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag zurechtschummelt –, so wenig gibt es tägliche Meldungen über „Brennpunkte“ der Welt. Es sei, dort brennt's wirklich, die Erde bebt oder ein Tsunami holt sich das vom Menschen geklaute Land zurück.

Ein deutscher Tagesbeobachter ist elend- und notfixiert. Nichts geiler als über das Elend anderer zu berichten. Bei Mitleid war selbst der griesgrämige Schopenhauer kein gefühlloser Pessimist. Unser Mitleid ist grenzenlos, das macht uns so hilflos und hart.

Laut Psalmist verbirgt der Herr sich gern in der Not, also müssen gutbetuchte Reporter Ihn inkognito aufspüren. „Ruf mich an in der Not“, befiehlt der Gütige, sein Name sei gepriesen. Nun wissen wir, warum die „entchristlichte“ Nation rund um die Uhr mit Handys bestückt ist. Man weiß nie, wann wir den großen Nothelfer benötigen. Man könnte ...

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Sonntag, 08. Januar 2012 - Apologie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Apologie,    

der berühmten Verteidigungsrede des Sokrates. Geschrieben von Platon, seinem einflussreichsten Schüler, der die Botschaft seines Lehrers von der uneingeschränkten Selbstbestimmung des Menschen ins Gegenteil verkehrte und eine totalitäre Herrschaft der Wissenden für seinen perfekten Staat vorsah.

Eine kleine Clique selbsternannter Weiser hat die Formel zum Glücklichwerden für alle Menschen gefunden. Zuerst versucht sie es mit Belehrung und Unterweisung, um die Menschen von ihrer philosophischen Überlegenheit zu überzeugen. Sind die Schüler nicht willig, greifen die allwissenden Lehrer zur Gewalt.

Im utopischen Staat gibt’s Umerziehungslager für Renitente, den Unbelehrbaren droht die Todesstrafe. Das KZ wurde nicht von der Moderne erfunden, sondern einem Vorläufer des unfehlbaren Christentums, der als griechischer Denker die Philosophie seines Lehrers verriet und ins urfaschistische Gegenteil verkehrte.

Platon wurde zum Judas seines lebenslang verehrten Meisters. Sokrates wäre im perfekten Staat seines Schülers zum Tode verurteilt worden.

Poppers Thesen sind bis heute nicht widerlegt, das kümmert deutsche Intellektuelle nicht, die wieder, als sei nichts geschehen, zu platonisieren beginnen. Was bedeutet, dass ...

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Samstag, 07. Januar 2012 - Hambach die Zwote

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Mitredens,

Zuhören, ja. Mitreden, nein. Ist das repräsentative Demokratie oder schon Postdemokratie? Politiker reden, Gazetten schreiben, Untertanen lesen, hören zu – und halten die Klappe.

Quietisten nannte man früher fromme Menschen, die sich völlig dem Willen des Himmels und der gottgewollten Obrigkeit überließen. Sie empörten sich nicht, muckten nicht auf. Zu den Weltläuften hatten sie keine Meinung und wenn ja, wurde sie der überlegenen Weisheit Gottes untergeordnet.

Diesen stummen Quietismus haben wir heute nicht mehr. Wir haben einen gespaltenen. Der Normalmensch quietiert und dumpft vor sich hin. Im Internet wollen so viele Wichtigtuer mitreden, dass die Meinungskönige und Sprachverwalter der Republik – die Edelfedern – sich nur noch wasserdicht abschirmen können. Sie fühlen sich überschwemmt – und reden mit niemandem mehr. Sie haben sich zu unaufgeklärten Absolutisten der Deutungs- und Kommentarhoheit hochgeschraubt.

Es müsste jemand mal nachrechnen: ich vermute, die Quote Politiker-zur-Wählermasse ist weitaus günstiger als die Quote Edelfedern-zu-Passivlesern. Lesen, ja, Leserbriefe, so viel ihr wollt. Doch mitreden – ist der Mensch größenwahnsinnig?

Der Slogan „Diskutieren Sie mit“, wird zum PR-Gag. Schlauerweise wird kein Objekt genannt: Diskutieren Sie mit uns. Das Uns gibt es nicht. Es ist zum pluralis negationis geworden. Da gäbe es ja eine Adresse, an die man sich halten könnte. Der greise Martin Walser hat ...

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Freitag, 06. Januar 2012 - Der politische Gottesknecht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Kopierens,

kopiere mich, copy me. In Schweden sind bekennende Kopierer als Kirche anerkannt worden. Sie nennen sich Kopimisten.

Wäre der Lügenbaron Schwede, hätte er sich auf Glaubensfreiheit berufen können. Informationen sind heilig und frei, jeder soll sie nach seiner Facon abkupfern können. In diesem Sinn ist der Adlige der erste Fall eines Glaubensmärtyrers, der sich für das freie Recht heiligen Kopierens geopfert hat.

Vermutlich steckt seine Frau dahinter, die schwedisches Blut in ihren bismarckschen Adern haben soll. Der Baron hat alle Chancen, zum heiligen Schweden zu promovieren. Das verträgt sich elegant mit dem hohen C seiner Parteizugehörigkeit, denn Christsein heißt, den Herrn in allen Dingen zum Vorbild nehmen. Mit anderen Worten: den Herrn kopieren. Denn dazu seid ihr berufen worden, weil Christus euch ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.

Thomas Macho hat ein dickes Buch über "Vorbilder" geschrieben. Als er im SWR2 mit zwei gewichtigen Herrn, einem Historiker und einem Literaturwissenschaftler, über das Thema debattierte, fielen weder die Namen Jesus noch Wulff. Natürlich war es keine Debatte. Die Fechtkunst mit trefflichen Argumenten ist postmodernen Wahrheitsbesitzern, die die Wahrheit leugnen, abhanden gekommen. Man sollte ...

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Donnerstag, 05. Januar 2012 - Gnade und Paragraphen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der deutschen Weltgeltung,

ihr dürft frohlocken. Wer ist heute in China der populärste Wirtschaftstheoretiker? Ein Deutscher. Kein Angelsachse. Wer ist heute der populärste Vertreter der politischen Theorie in Asien? Ein Deutscher. Kein Angelsachse.

Wie sehen deutsche Eliten die herausragende Charaktereigenschaft der Chinesen? Als „Konfuzianismus mit deutschen Eigenschaften“. Wie sehen deutsche Stimmen die globale Wirtschaft? Nein, nicht als Win-Win-Situation, wie angelsächsische Weltbeglücker, sondern als Clash der Zivilisationen im Zusammenstoß eines östlichen und westlichen Kapitalismus. Das Ziel Asiens sei die Vorherrschaft. Es wolle führen, nicht folgen.

Der Amerikaner Tony Corn warnt die Deutschen vor Großmannssucht, sie seien gerade dabei, dieselben Fehler wie vor dem ersten Weltkrieg zu begehen. Für Europa zu groß, für die Welt zu klein, das sei das Problem deutscher Trampel- und Tölpeldiplomatie.

Wenn Kant und Konfuzius, preußische und chinesische Arbeitstugenden sich zusammenschlössen, könnte man das angeschlagene Amerika vergessen. Davor zittern die transatlantischen Weltherrscher im Niedergang. An Friedrich List und Carl Schmitt, den beiden Denkerexporten für nationalegoistische Ökonomie und autoritäre Politik, könne man die wahren Beweggründe deutscher Eliten von heute erkennen.

Deutschland könnte mit China nur mithalten, wenn es endlich das wahre Problem erkennen würde. Nicht die Ökonomie, es ist die Demographie. Solange das Land der europäischen Mitte schrumpft und keine Einwanderer zulässt, könne es ...

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Mittwoch, 04. Januar 2012 - Neidische Deutsche

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Ungarns,

Paprika kann lebenserhaltend sein, die Puszta ist noch lange nicht verloren. Über 100 000 Menschen gehen auf die Straße, um gegen Orban zu demonstrieren, der keine Republik mehr haben, sondern die Religion stärken will, um mit klerikaler Hilfe die Demokratie abzubauen.

Warum gibt es bei uns keine Statements von Käßmann, Huber, Papst & Co gegen solche Cäsaropapismen? Warum wird hierzulande nie die Rolle der Religion erwähnt, die sich papistisch den Cäsaren unterwirft, indem sie das Volk den Pfaffen unterwirft?

Wie kann man das neonazistische Unwesen erklären und bekämpfen? Von Erklären und präventivem Verhindern hält Jan Feddersen nichts. Er reklamiert mutig Law und Order für die Linken. Wenn sonst nichts hilft, hilft der weiträumig verteilte Polizeiknüppel.

Götz Aly ist kein Unternehmer, sondern Historiker, vermutlich fühlt er sich als historischer Unternehmer, der in dumpfen Uniseminaren für Durchzug sorgt. Durch die neonazistischen Morde an türkisch-stämmigen Kleinunternehmern fühlt er sich in seiner These bestätigt, dass auch im Dritten Reich der Neid auf fremdartige Erfolgreiche die Deutschen ins Verbrechen geführt hätte.

Wären die Deutschen nicht so risikoarm, freiheitsallergisch, gemütlich und sicherungsbedacht, hätte es keine ultrarechten Morde an Fremden geben können. Fremdenfeindlichkeit sei verdeckte Unternehmerfeindlichkeit, so der ...

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Dienstag, 03. Januar 2012 - Lügen haben heilige Beine

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Lügen,

also hello Deutsche. Deutsche lügen, dass sich die Balken biegen. Dabei dürfen sie gar nicht lügen, sie stehen unter Wahrheitszwang und halten sich für die Ehrlichsten und Offensten unter der Sonne.

Deutsch reden hieß in grauen Vorzeiten, was man heute Tacheles reden nennt. Wer heute deutsch redet, lügt scheibchenweise und sagt die Wahrheit nur, wenn er dazu gezwungen wird, wie der hannoveraner Siegfried aus Bellevue an der Seite der blonden Kriemhild.

Tacheles ist ein jiddisches Wort und bedeutet das Gegenteil von mauscheln. Da muss schon ein Gott kommen und das Lügen verbieten. Denn Heidenkinder lügen von Natur aus, sie sind geborene Lügner und Betrüger. Alle sind sie Teufelsbraten, der Teufel ist der Vater der Lüge. (Joh. 8,44)

Verbietet Gott überhaupt das Lügen? Du sollst nicht lügen, ist das wievielte Gebot des Dekalogs? Das elfte, das Gebot gibt es gar nicht. Im achten Gebot steht lediglich: du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Was Luther in seinem Kleinen Katechismus mit den Worten kommentiert: „Wir sollen Gott fürchten und lieben (in dieser Reihenfolge!), dass wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, afterreden oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren“.

Womit klar ist, dass all unsere tugendstrotzenden Gazetten in causa Bundespräsident nicht nur antilutherisch, sondern – hier tun sich Abgründe an Glaubensdefiziten auf – auch antibiblisch sind. Haben sie ...

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