Philosophische Tagesmails

Mittwoch, 06. Juni 2012 - Atheismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Asylsuchenden,

nachts um drei kommt die Polizei, um sie in ein Land abzuschieben, das sie nicht mehr kennen, dessen Sprache sie oft nicht mehr sprechen. Deutschland weigert sich, Flüchtlingskontingente gerecht innerhalb der EU zu verteilen.

Oft haben die Asylsuchenden ihr Leben riskiert, um nach Europa zu kommen. Hier werden sie kaserniert, dürfen nicht arbeiten und werden wie Verbrecher behandelt. Die Politiker erwecken den Eindruck, unser Boot sei voll. Dabei schrumpft die Bevölkerung, Arbeitskräfte werden gesucht.

Doch die Identität Europas ist in Gefahr, je mehr Muslime und andere Nichtchristen kommen. Deutschland wird überfremdet. Muslime – die ohnehin schon hier sind – gehören zu Deutschland, aber nicht der Islam, sagt Gauck. Wenn sie schon mal hier sind, lasst sie hier, aber passt auf, dass nicht noch mehr kommen. Wir haben mehr als genug Moscheen. Schwarz-Schilling und Tom Koenigs dazu im Interview.

 

Der Tiefpunkt deutscher Journalistik geht weiter. Diekmann zu Netanjahu: „Immer wieder gibt es Streit um den so genannten Siedlungsbau.“ Gibt es Streit? Schon eigenartig, dass Menschen, denen man systematisch das Land raubt, darum kämpfen, es wiederzugewinnen.

Die Palästinenser wollten einfach keine Friedensverhandlungen, sonst würden sie ...

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Dienstag, 05. Juni 2012 - Bälger und Blagen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des SPIEGEL,

das Magazin hat ein Geheimnis gebrochen, das es nicht gibt. Das hat im hinterwäldlerischen Deutschland für Aufsehen gesorgt. Seit 50 bis 60 Jahren versorgt die BRD das Heilige Land mit Waffen.

Inzwischen mit U-Booten, die mit atomaren Raketen bestückt werden können. Weder dementieren, noch bestätigen: das ist Israels Strategie, wenn das Land befragt wird, ob es Atombomben besitze. (Übrigens war es Frankreich, damals noch sehr israelfreundlich, das die junge Republik mit atomarem Knowhow versorgte.)

Natürlich wussten die Deutschen Bescheid über die atomare Bewaffnungsmöglichkeit, denn die U-Boote sollten besonders große Abschussöffnungen besitzen. Offiziell aber wussten sie nichts, denn offiziell fragten sie nicht, wie gestern Karsten Voigt, ein ehemaliger Vertrauter Schröders, im ZDF bekannte. Sonst wäre bei offiziellen Anfragen die jeweilige Regierung in die Bredouille gekommen.

Nichts wissen, nichts hören, nichts sehen: das ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Täter- und Opferland. Der SPIEGEL-Artikel wurde von einem israelischen Insider geschrieben. Vielleicht deshalb die plötzliche Debatte um ein altes Phantom.

Die Fronten sind unüberbrückbar. Auf der einen Seite harsche Kritik einiger linker Stimmen wie die von Jakob Augstein im SPIEGEL und von Daniel Bax in der TAZ. Beide rehabilitieren ...

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Montag, 04. Juni 2012 - Marx und Murks

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Israels,

genaues Timing: kaum war Gaucks Besuch im Heiligen Land vorüber, wurde bekannt, dass Israel die von Deutschland gelieferten U-Boote mit atomaren Waffen ausstatten wird. Berlin behauptet, nichts über die Ausrüstung gewusst zu haben. Nichtwissend und nichtsahnend stehen wir in bedingungsloser Solidarität an der Seite Israels. Sollten wir dennoch etwas geahnt haben, lassen wir‘s uns bestimmt nicht anmerken. Wir sind doch nicht meschugge.

Mubarak wurde zu lebenslänglich verurteilt, seine Söhne frei gesprochen. Die Staatsanwaltschaft scheint viel geschlampt zu haben. Karim El-Khawary meint, die Ägypter müssten ihre nächste Lektion lernen und erneut auf die Straße gehen, damit die Macht des alten Regimes erschüttert wird. Mit einer einmaligen Revolution ist es nicht getan.

Bettina Gaus sorgt sich um die unaufhörlich voranschreitende Erodierung des parlamentarischen Systems – durch die Parlamentarier selbst, die immer weniger Wert darauf legen, ihren Wächterpflichten nachzukommen. Vielleicht sollte der Verfassungsschutz nicht ständig kleine Klickerlesvereine auf Systemtreue überprüfen, sondern die, die das System am meisten verkörpern und bewahren – sollten.

Die englische Nationalmannschaft wird geschlossen Auschwitz besuchen. Die Deutschen schickten nur eine Delegation. Die WELT schreibt: Graumann schimpft über Auschwitz-Besuch des DFB. Kann man das Schimpfen nennen, wenn von scharfer Kritik die Rede ist? Graumann benutzt sogar ...

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Sonntag, 03. Juni 2012 - Medienkrise

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Vatikans,

im Kirchenstaat geht es drunter und drüber. Der Papst spricht von Unverständnis, Schwierigkeiten und Leid. Ein Christ müsse das Kreuz auf sich nehmen und viel beten.

Das hülfe alles nicht, meint der BZ-Kommentator Joachim Frank. Hier müsse man zu „beherzter Weltlichkeit“ greifen, zum Instrumentarium der Psychologie oder Soziologie. Es sei zu einfach, normale Vorgänge wie Intrigen und Machtkämpfe als Triumph der Kirche über die Welt zu deuten: wussten Wir‘s doch, dass das Walten der Menschen von Jugend an böse sei.

Der deutsche Papst verweigere sich dem Regieren, er wolle nur zelebrieren und dicke Bücher schreiben. Ein deutscher Journalist empfiehlt dem deutschen Papst, nicht länger herumzuheulen, sondern durchzugreifen. Mit welchen Instrumentarien? Demokratien haben demokratische Instrumente, ist der Vatikan eine Demokratie?

Joachim Frank nennt ihn eine weltweit einzigartige absolutistische Monarchie, die Erbin und Bewahrerin einer legitimen Tradition. Legitim wie alle Mächte, die rivialisierende Mächte zur Bedeutungslosigkeit reduzieren. In diesem Fall mit direkter himmlischer Unterstützung.

Der Aufstieg aus einer verfolgten Minderheit im Römischen Reich zur staatstragenden Institution; das mittelalterliche Konzept eines päpstlichen „Diktats“ über Kaiser und Könige, die Konstituierung des Vatikans als Staatsgefüge und völkerrechtliches Subjekt – das alles seien Stationen einer „entschiedenen Weltlichkeit“.

Hier wird die gloriose Selbstbeschreibung der Kirche als historische Wahrheit heruntergespult. Die verfolgte Minderheit hat ...

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Samstag, 02. Juni 2012 - Abenteurer der Erde

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Irlands,

„fast schon wie Schafe“, hätten die Iren dem Fiskalpakt zugestimmt, meint Ralf Sotschek in den TAZ über die Iren. Der Fiskalpakt sei ein neoliberales Projekt made in Germany, dazu bestimmt, den Sozialstaat zu demontieren und die Arbeitslosenzahlen auf einem „natürlichen Niveau“ zu halten, um die Löhne zu drücken und die Gewerkschaften zu entmachten.

Die Zeche der Finanzkrise zahlten die unteren Einkommensschichten und die Arbeitslosen. Der Fiskalpakt ist ein Sparprogramm. Übertragen wir‘s in die Medizin, bedeutet es Gesunden durch Abspecken.

Wenn das Abspecken in Magersucht übergeht und der Patient vor Kraftlosigkeit nicht mehr aus dem Krankenbett kommt, hören wir Merkel im Arztkittel sagen: prima gemacht, Europa. Jetzt müssen wir nur noch die Hälfte des Blutes abzapfen, zwei Beine amputieren, dann sind wir wieder pumperlgesund.

Warum legen die Neoliberalen so viel Wert auf Erhaltung der „strukturellen oder natürlichen“ Arbeitslosigkeit? Die Wirtschaft ist Teil des evolutionären Prozesses, der sich ständig wandelt. Wandel bedeutet Unruhe und Unsicherheit, erfordert erhöhte Biegsamkeit, um sich ständig neuen Maschinen, industriellen Verlagerungen und Produktveränderungen anzupassen.

Die Menschheit muss ununterbrochen dazulernen, wendig und bereit sein, ...

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Freitag, 01. Juni 2012 - Penia, Penis und Eros

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde von RTL,

die privaten Sender haben es schwer, sie kriegen keine Fernsehsteuern. Sie müssen sich bei ihrem Publikum anbiedern, um Kasse zu machen. (Die Öffentlich-Rechtlichen haben‘s auch schwer, obwohl sie Fernsehsteuern bekommen, biedern sie sich auch an).

Womit will das geneigte Publikum unterhalten werden, damit es Augen und Börse öffnet? Öffentliche Hatz auf potentielle Kriminelle, die ihre bösen Neigungen vor versteckter Kamera entlarven? Das wäre die altadlige Methode der angedachten Lynchjustiz, durchgeführt von einer Baronin von und zu Guttenberg, über allen Verdacht erhabene Gattin eines akademischen Betrügers.

Jetzt werden mit Hilfe einer öffentlichen Begattungszuführung, die den putzigen Namen „Bauer sucht Frau“ trägt, ehemalige Nazis enttarnt. Auch wenn es dabei nur um bereute Jugendsünden geht, Sünde hält ewig. Die berühmte zweite Chance gibt’s nur für TV-Moderatoren, CSU-Mitglieder und Höhergestellte. Gott vergibt, Zorro und RTL nicht.

 

Gauck bewegte sich über das Nahost-Minenfeld wie sein Herr und Heiland über das Wasser: mit traumwandlerischer Sicherheit. Oder pudelwohl, wie der SPIEGEL meinte. Immerhin akzeptiert er, dass hier lebende Muslime zu Deutschland gehören. Selbst, wenn sie Deutsche sind. Das ist ...

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Donnerstag, 31. Mai 2012 - Shitstorm

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Bob Dylans,

des weltberühmten Sängers, der mit dem Song Masters of War“ einst die pazifistische Hymne der rebellischen Weltjugend schrieb. Nun wurde er mit der höchsten Auszeichnung Amerikas geehrt.

Von einem Präsidenten, der einen sinnlosen Krieg am Hindukusch für richtig hält, einen brandgefährlichen Präventionsschlag Israels gegen den Iran bedingungslos unterstützen würde, ein Foltergefängnis namens Guantanamo nicht schließen lässt und die Terroristen in Jemen und Pakistan persönlich aussucht, die ohne Anklage und Gerichtsurteil mit ferngelenkten Drohnen hingerichtet werden.

Wer Obama verteidigen will, könnte auf das Prinzip Staatsraison verweisen. Was für einen Privatmann ein Verbrechen, muss für einen Staatsmann allzu oft Staatsraison sein. Raison ist Vernunft. In Verbindung mit Staat klingt diese Vernunft vor allem nach Gewalt. Gewalt ist nicht immer vermeidbar, wenn man auf eigenes Überleben und selbstbestimmtes Leben Wert legt.

Es kann der beste Mensch nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Der Satz ist umkehrbar: es kann der beste Nachbar nicht in Frieden leben, wenn es mir Bösewicht nicht gefällt.

Nicht selten sind böse Nachbarn Produkt meines böswilligen Blickes, meiner böswilligen Einschätzung – und vice versa. Ich kann mich ...

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Mittwoch, 30. Mai 2012 - Religion

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

regelmäßige Mahlzeiten, Zeit und Raum für Hausaufgaben, ein Internetanschluss, altersgerechte Bücher und Spielsachen, Geld für Schulausflüge, mehr als zwei Paar Schuhe, Versorgung mit Obst und Gemüse: an all diesen Punkten fehle es deutschen Kindern, die arm genannt werden.

Die deutsche Regierung gehe zuwenig gegen Kinderarmut vor, behauptet Unicef. Das wirtschaftlich potenteste Land Europas liegt im unteren Mittelfeld, was die Versorgung der Kinder betrifft. Viele Hartz4-Familien sitzen im Dunkeln, weil die Stromkosten steigen, aber die Energiesätze nicht. Also sperrt man ihnen den Strom.

Wer jetzt wieder nach Erhöhung der Sozialleistungen rufe, sei schief gewickelt, schreibt jene Zeitung, die dem Volk aufs Maul schaut. Mit Geld könne man solche Defizite nicht beheben. Denn Geld sei genug vorhanden in diesen Familien, die Eltern würden es aber für sich verprassen.

Da helfen nur Spontankontrollen ausgebildeter Hartz4-Spezialpolizisten. Vorbild die bestens bewährte Religionspolizei in Saudi-Arabien. Man kann auch bei Calvin lernen, dessen Schergen jederzeit in alle Wohnungen eindringen konnten, um das private Sittenleben der Genfer zu überprüfen.

Die jetzige Sparpolitik Merkels, der Fiskalpakt, beruhe auf einem neoliberalen Konzept Milton Friedmans vor 40 Jahren, das keinen anderen Zweck gehabt hätte, als die Sozialausgaben zu strangulieren, behauptet der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister in der BZ. ...

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