Philosophische Tagesmails

Mittwoch, 21. März 2012 - Lernen und Tun

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

„Kinder verhalten sich egoistisch. Es mangelt ihnen nicht an Einsicht – ihr Gehirn kann noch nicht anders.“ *

Auf das Gute im Menschen ist kein Verlass mehr, auch auf unsere Kinder nicht. Wie wär es so schön und verlockend, den hartleibigen Goldmann & Sachs-Mammonisten alle Kinder dieser Welt vorzuführen, um ihnen zu zeigen, wie gerecht, wahr und gut die Menschlein von Natur aus sind.

Die Zocker würden vor Rührung in Tränen ausbrechen, in sich gehen, sich ihrer eigenen unverdorbenen Kindheit erinnern, sich an die Brust schlagen, wie weit sie sich von der Natur entfernt und der Habgier übergeben hätten, würden alle Gelder unter den Kindern verteilen, das Ende der neoliberalen Epoche verkünden und sich vom Vatikan selig sprechen lassen.

Lasset die Kindlein zu ihnen kommen, denn ihner ist zwar das Himmelreich, aber vom irdischen Unterschied zwischen Egoismus und Altruismus haben sie keine Ahnung. Einsicht haben sie, die lieben Kleinen, aber die nützt ihnen nichts. Womit auch Sokrates experimentell erledigt wäre.

Das ist den Hirnforschern gar nicht aufgefallen, denn von einem Gehirnforscher namens Sokrates haben sie noch nie gehört. Der hatte in seiner Einfalt erklärt, wer durchblickt, tut auch, was er kapiert hat. Tut er’s nicht, hat er nix kapiert.

So aber haben die Wissenschaftler wie nebenbei ganz objektiv den christlichen Satz im Labor bestätigt, der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Wir wissen viel, doch ach, mit dem Tun hapert's. Also kann ...

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Dienstag, 20. März 2012 - Kaiserschnitt

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des lever du roi,

Tusch der Fanfaren! Der König beliebt sich zu erheben. Die Edelgazetten haben beschlossen, eine tägliche Hofberichterstattung aus Versailles, pardon, Bellevue, einzuführen.

Wünschen Majestät wohl geruht zu haben. Ob die Meisterin – früher Maitresse genannt – im royalen Schlafzimmer nächtigt oder eine separate Kemenate erhält, gilt als streng gehütetes Staatsgeheimnis.

Jeweils eine kleine Deputation einflussreicher Chefredakteure darf Majestät abwechselnd den goldenen Nachttopf entsorgen. Heute sind eingetragen: Dieckmann und Mascolo, morgen Augstein und Kister, dann Schausten und Deppendorf.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben Standleitungen verlegt, die Morgenmagazine können sich spontan in jede Phase der morgendlichen Zeremonie einschalten, um im Gleichklang mit dem Erleuchteten beim Lesen der Herrnhuter Losung dabei zu sein, Anteil zu nehmen an den Antworten, die Majestät an seine ehr- und freiheitsvergessene Bevölkerung huldvoll weitergibt.

Heute wird Majestät über das Wort meditieren: Wo der Geist der Majestät ist, da ist Freiheit. Morgen: Für die Freiheit hat uns Majestät frei gemacht, darum stehet fest und lasset euch nicht wieder unter das Joch sozialistischer Knechtschaft bringen. Übermorgen: Nur lasset die Freiheit, die ich euch gebracht habe, nicht zum Anlass für Hängematten-Fleisch werden, Sicherheit und Gerechtigkeit der herrlichen Freiheit vorzuziehen. Sondern ...

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Montag, 19. März 2012 - Homo rationalis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Chefredakteure,

die Wahl des Chefs war die Stunde der Chef-Redakteure. Sie schreiben die Kommentare, sie kommentieren in den Öffentlich-Rechtlichen, sie sitzen in den Talkshows.

Sie sind die großen Söhne, die sich nach oben orientieren: zu Papa. Wenn's um Kleinkram wie Euro und Atom geht, dürfen die Kleinen den Mülleimer nach unten bringen. Wenn's um Ernennung des neuen Vaters geht, schließen sie die Reihen und rauchen die Schischa-Pfeife unter sich.

Die beiden letzten Väter: da hat ihnen Mama die Kür vermasselt. Das haben sie ihr heimgezahlt und den Letzten mit der Steinschleuder vom Thron geschossen.

Nun haben sie jemanden, der selbst Journalist werden wollte und über beste Kontakte nach ganz oben verfügt. Das Spiel der nächsten Zeit heißt: Vater und Söhne.

Kurt Kister, SZ, hat Fragen, die er endlich mal stellen und sich von Papa beantworten lassen darf: was eigentlich ist Demokratie, Papa? Freiheit? Wie schön du das sagst, das hab ich noch nie gehört. Und Verantwortung? Da stockt mir der Atem, die Tränen schießen mir in die Augen. Dass wir Chefredakteure ...

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Sonntag, 18. März 2012 - Apanage

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Monarchie,

heute wählen ungewählte VIPs – früher Aristokraten genannt – den neuen Monarchen. Synchron übertragen auf allen privaten und öffentlichen Kanälen. (Kommentator der ARD ist der bewährte Adelsbeobachter Seelmann-Eggebert.)

Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, Prinz Philip Kiril von Preußen, Pfarrer von Beruf, hat sich erfolgreich für die Wiedereinführung der Monarchie eingesetzt.

Königsfamilien vermittelten Stabilität, sie würden per Misstrauen oder durch Aufhebung der Immunität nicht aus dem Amt gejagt, erklärt der prinzliche Pastor, der in Zehdenick nördlich von Berlin lebt. Königsfamilien könnten besser das Herz der Menschen erreichen als ein Bundespräsident.

Ein Monarch könnte auch kein Schnäppchenjäger werden wie haltlose Aufsteiger, er habe seine großen Happen bereits über viele Jahrhunderte harmonisch zu einem stabilen Clankonzern zusammengefügt. Entweder habe er einen großen Familienbesitz oder eine Apanage. Von Freunden Geschenke anzunehmen, wäre unter seiner Würde.

Das wunderschöne Wort Apanage (heißt ursprünglich: mit Brot versorgen) ist eine Abfindung nichtregierender Adliger mit Landbesitz oder Geld zur Ermöglichung ...

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Samstag, 17. März 2012 - Der Duft der Frauen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Papstes,

er will nicht mehr nach Weihrauch und Myrrhe riechen, sondern nach Gras, Linde und Eisenkraut. Das Rezept ist geheim, niemand soll duften wie der Stellvertreter.

Linde riecht süßlich und passt eher zu einer Dame, doch keine Agape ohne Lindig-keit. (Phil. 4,5) Eisenkraut klingt nach Eisenfresser, ist gefährlich und in der EU verboten, doch was juckt das den Kirchenstaat? Mit Gras duftet er jünger als er ist, auch der Gottesmann huldigt dem Jugendwahn und zeigt sich störrisch gegen das Altern.

Alles Gras verdorrt, alles Fleisch ist wie Gras. Im Himmel werden die Gläubigen Wohlgerüche für die Nase des obersten Parfümeurs sein, der sich von lieblichen Düften der Kreaturen anlocken lässt. „Und der Herr roch den lieblichen Duft des Opfers von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln“. (1.Mose 8,20 f)

Den Geruch unreiner Tiere mag der Herr weniger. Ist er böse auf die Menschen, verabscheut er gar die Düfte reiner Opfer. „Den lieblichen Duft eurer Opfer will ich nicht mehr riechen“. (3.Mose 26,31)

Die Chemie zwischen Schöpfer und Geschöpfen stimmt nur, wenn die Gesinnung stimmt und letztere den Willen des Herrn tun. Das ist der Geruch der Erkenntnis, der „uns in Christus allezeit triumphieren lässt.“ Gerüche sind Zeichen des Sieges und ...

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Freitag, 16. März 2012 - Apokalypse

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Chinas,

warum ist uns das Riesenreich der Mitte überlegen? Es ist nicht die reine Quantität, es ist die Philosophie, die hier eine Rolle spielt, schreibt Stefan Aust, Nachfolger Rudolf Augsteins beim SPIEGEL, der nie einen Kommentar schreiben wollte, weil ihm die Schuhe seines Vorgängers zu groß waren.

Seitdem sind Chefredakteure zu stummen diskreten Managern der Macht verkommen. Wofür eine Zeitung steht, weiß man heute nicht mehr. Die Gazetten verwechseln domestizierten Pluralismus mit Meinungslosigkeit, die sich den herrschenden Mächten prostituiert.

Ein Philosoph ist bekanntlich ein unerträglicher Mensch, der seine Privatmeinung für Wahrheit hält. Der Philosoph der Weltmacht heißt in lateinischer Form Konfuzius. Sollten die Chinesen tatsächlich von Kungfutse, Kungfutzu – nicht mit Kungfu zu verwechseln – gelernt haben, dürften wir keine Sekunde zögern, uns mit dem Herrn aus der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu zu beschäftigen.

(Lu nicht zu verwechseln mit Ludwigshafen am Rhein, woher auch ein bedeutender Denker kommt, der aber in allen Dingen das Gegenteil zu Kungfutse lehrte und ...

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Donnerstag, 15. März 2012 - Kulturinfarkt

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des neuen Präsidenten,

Deutschland in Naherwartung der pastoral-politischen Erweckungsrede zur nationalen Einigung und Versöhnung etcetera. Da kann einer zeigen, ob er was gelernt hat.

Ob er ein Herz hat für die Überflüssigen? Hat er natürlich: Einer trage des andern Last. Ob er Verständnis aufbringt für die Letzten? Tut er ganz gewiss: Die Letzten werden die Ersten sein. Ob er den Reichen ins Gewissen predigen wird? Wird er mit Sicherheit: Den Reichen gebiete, dass sie nicht hochmütig seien, noch ihre Hoffnung auf den unsichern Reichtum setzen.

Auf unsichern Reichtum setzen die ganz gewiss nicht, sondern auf krisenfeste Papiere und Schulden, die im Zweifel vom Staat bezahlt werden.

Ob er an die Schwachen denken wird? Denkt er bestimmt: Wir aber, die Starken sind verpflichtet, die Schwachheiten der Ungefestigten zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen zu leben.

Er wird uns allen zu Gefallen reden. In Menschen- und in Engelszungen. Mit Liebe obenauf, dass er kein tönend Erz und keine klingende Schelle sei.

„Ich wünschte sehr der Menge zu behagen, Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, Und jedermann erwartet sich ein Fest. Sie sitzen schon mit hohen Augenbraunen, Gelassen da und möchten ...

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Mittwoch, 14. März 2012 - Bedürfnis und Befriedigung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Einwanderung,

gibt es eine Einwanderung ins deutsche Sozialnetz? Ein längerfristiges Aufenthaltsrecht haben nur EU-BürgerInnen, die hier zu arbeiten gedenken. Diese Gruppe hat dasselbe Recht auf Hartz4 wie Einheimische. Nur Arbeitsunwillige dürfen ausgewiesen werden.

Deutschland will auch der ersten Gruppe das Recht auf Sozialleistungen verweigern, obgleich dies gegen EU-Recht verstößt. An allen Ecken und Enden wird der europäische Gedanke ramponiert. Von jenen, die angeblich allein das Projekt Europa vorantreiben: den komplex denkenden Eliten.

Mehr als ein Fünftel aller Beschäftigten verdient unterhalb der Niedriglohnschwelle von 9,15 Euro, durchschnittlich 6,68 Euro. 4 Millionen arbeiten gar unter 6 Euro. Darunter viele Frauen, Ossis und Minijobber.

Da die Unterbezahlten – einst Ausgebeutete genannt – vom Staat gestützt werden müssen, subventioniert der Staat die Industrie. Hartz4 für die Ausbeuter. Da lohnt sich doch die Leistung der Malocher – für die Unternehmer.

Westerwelle hat nicht erklärt, für wen sich die Leistung lohnen soll.

Wie viel Lebensmittel wirft jeder Bürger im Jahr weg? Durchschnittlich 81 Kilo. 65% dieser Abfälle waren essbar. Die Deutschen klammern sich an ...

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