Philosophische Tagesmails

Samstag, 11. Februar 2012 - Das Schöne und die Politik

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Tunesiens,

in Tunesien begann die Arabellion, wo steht das Land zurzeit? An der Spitze der Regierung stehen drei Parteien, zwei säkulare und die islamische Ennahda. Das ist der Unterschied zu Ägypten, wo die Muslimbrüder einen riesigen Erfolg hatten.

Die generelle Stimmung scheint eher optimistisch zu sein, obgleich die wirtschaftliche Situation nicht rosig ausschaut. Vor allem soll die Gleichberechtigung der Frauen vorangetrieben werden. Laut Koran dürfen die Frauen nur ein Viertel erben, was nur bedeuten kann, dass die Frau – ob mit oder ohne Tuch – nur ein Viertel des Mannes wert ist oder vier Frauen so viel wert sind wie ein Mann.

Das Land steht vor der Entscheidung, ob es eine präsidiale oder eine parlamentarische Demokratie haben will. Vom Ausland, gerade von Deutschland, erwartet man eine demokratisch inspirierende Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe. Tunesien will zeigen, dass Islam und Demokratie sich nicht ausschließen.

Trotz der positiven Selbsteinschätzung hat der israelische Vizepremier die tunesischen Juden aufgefordert, das Land zu verlassen. Mustafa Ben Jafaar, der tunesische Parlamentspräsident, hat den Eindruck, dass Israel Angst habe ...

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Freitag, 10. Februar 2012 - Heilsgeschichte als Wette

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Spaniens,

elf Jahre Berufsverbot für Garcón, den spanischen Despotenjäger und Aufklärer der Untaten aus Francos Zeiten. Ein Tiefschlag für Europa.

Deutsche Abgeordnete geben sich empört über Wulffs Abzocke bei edlen Freunden, sie selber können fast nicht behelligt werden. Christian Bommarius: „Das deutsche Strafrecht bedroht korrupte Abgeordnete nicht mit Verfolgung, vielmehr schützt es sie vor Bestrafung.“

Linke und Grüne wollten ein schärferes Gesetz einbringen, sie scheiterten an gewählten Christen. Deutschland hat zwar ein Übereinkommen der UN und des Europarats unterschrieben, aber bis heute nicht ratifiziert. In guter Gesellschaft mit Staaten wie Saudi-Arabien, Sudan, Birma und Syrien.

Sollen Abgeordnete keine Vorbilder sein? Wulff müsse Moral zeigen, da er keine Macht habe, hatten die meisten Kommentatoren betont. Ist es bei Gewählten etwa anders? Da sie über die Macht der Gesetze verfügen, bräuchten sie keine Moral? Der Bundespräsident war also nur pars pro toto.

Warum schäumt die Vierte Gewalt nur gegen den Einen, nicht aber gegen die Vielen? Gegen ein „System“ schäumt man nicht.

Es darf auf den Tod gewettet werden. Bascha Mika beschäftigt sich im heutigen BZ-Kommentar mit Wetten auf den Tod von Menschen, genauer, auf den Tod Von 500 Leuten in den USA. Ob prominente Politiker darunter sind, wurde nicht bekannt. Nach welchen Kriterien ausgewählt wurde, auch nicht. Gab es diese ...

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Donnerstag, 09. Februar 2012 - Links und Rechts

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Wissenschaft,

ist eigentlich wissenschaftlich geklärt, dass es der menschliche Faktor ist, der den Klimawandel verursacht? Oder sind es verstärkte Sonneneruptionen? Oder sonstige „natürliche“ Ursachen, die schon immer im Verlauf der Evolution unstabil und schwankend waren?

1. Die Ergebnisse der Wissenschaft scheinen in vieler Hinsicht noch nicht so erhärtet, dass man eindeutige Urteile fällen könnte. Das gilt auch für die mehrheitliche scientific community der Klimawarner, die sich politisch weitgehend durchgesetzt hat – und aus welchen politpädagogischen Gründen auch immer – die Schwächen ihrer Argumente verdeckt.

2. Die Berichterstattung der Medien ist weit davon entfernt, den Stand der Forschung so darzulegen, dass man als Leser sich selbst ein Urteil bilden könnte. Eine Auswahl aus SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung, TAZ und TAZ.

Was Erhard konnte, können wir noch immer: ein Wirtschaftswunder hinlegen, dass die Welt staunt. Dank und Lob einem gewissen Schröder, der deutsche Faulenzer an die Hartz-Kette gelegt und so ...

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Mittwoch, 08. Februar 2012 - Tier- und Naturfeindschaft

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Steuern,

wer Steuern hinterzieht, ist ein Verbrecher und wird bestraft. Hat der Bundesgerichtshof entschieden. Da kommt Freude auf, wenn Juristen das Recht entdecken. Bislang konnten die hohen Richter auch nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen.

Was ist der Unterschied zwischen Angie und einem Schimpansen? Unsere Kanzlerin hilft Sarko im Wahlkampf, egal was er tut. Schimpansen helfen sich gegenseitig nur, wenn sie von ihren haarigen Kollegen aufgefordert werden.

Das erste nennt sich Nächstenliebe, das zweite Hilfe, die den andern nicht entmündigt und sich nicht zum Affen macht, wobei die Affen sich zu Menschen machen würden, wenn sie sich zu Affen machten.

Zuerst waren die Tiere Maschinen, dann egoistische Kapitalisten, seltsamerweise ohne Kapitalismus. Nach wie viel Jahren gestrenger Wissenschaft wird nun entdeckt, dass sie mitempfinden und sich gegenseitig unterstützen? Genügt da nicht schlichte Beobachtung im Zoo?

Nein, sagen strenge Wissenschaftler, da wird Menschliches haltlos in die Tiere hineinprojiziert. Was die gestrengen Wissenschaftler wieder mühsam projektiv herausprojizierten müssen. Weiß doch jeder Darwinist, dass der Egoismus des Frühkapitalismus ...

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Dienstag, 07. Februar 2012 - Historischer Determinismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Schweden,

in Malmö wächst der Antisemitismus. Wer darüber spricht, wird mit Breivik verglichen. Manche jüdischen Familien sind schon weggezogen. Bei einer „Kippa-Demonstration“ befand sich ein einziger Nichtjude, ein schwedischer Journalist, der seine Solidarität zeigen wollte.

Der Hass gegen die Juden stamme weniger von Neonazis, sondern von Einwanderern aus muslimischen Ländern. Anders als in Norwegen und Dänemark hüllt Schweden sich in Schweigen.

Der WELT-Artikel ist unscharf. Ist der muslimische Hass gegen Juden typischer Antisemitismus? Oder leitet er sich in überwiegendem Maße aus den Spannungen der Nahostpolitik ab, wo Muslime das Feinbild Israel vor Augen haben?

Warum keine Erinnerung an die historische Tatsache, dass bei christlichen Pogromen die Juden stets in muslimischen Staaten Zuflucht fanden, zwar nicht gleichberechtigt, aber sicher an Leib und Leben waren?

Für Muslime gehörten Juden und Christen zur gemeinsamen Familie der Buchreligionen. Keine einzige Frage an die Muslime selbst, wie sie die Lage sehen.

Die Zahl der Verbrechen aus Hass gegen die Juden sei gestiegen, woher ...

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Montag, 06. Februar 2012 - Ursachen des Antisemitismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

 

Hello, Freunde der Russen,

die Russen scheinen Kälte zu benötigen, um aufzubegehren. Bei klirrenden Temperaturen – in SPIEGELdeutsch: Killerkälte – marschieren sie gegen Putin. Die Mittelschicht, die keine sein will, sondern eine kreative Klasse, will mitreden und mitgestalten. Die Arabellion aus der Wüste ist in die Tundra eingedrungen.

Von Medwedjew ist nichts zu hören, Putin blockiert, zusammen mit China, eine UN-Resolution gegen den syrischen Schlächter seines Volkes, der unbeirrt weiter morden lässt. Selbst Kinder sollen gefoltert werden. Die arabische Liga ist empört.

In Kairo geht der Widerstand gegen eine desolate Militärjunta, die ihre Mubarak-Ähnlichkeit immer mehr enthüllt, in unverminderter Heftigkeit weiter.

In Bosnien gibt es keine Obdachlosen, die in strengen Wintern im Freien erfrieren, schreibt Rathfelder in der TAZ. Wie ist denn das möglich, wo das Land mit dem Wohlstandsniveau anderer Länder nicht mithalten kann? „Das ist eine Frage der Kultur“, sagt der alte Mustafa. „Bei uns gibt es immer jemanden, der wenigstens im Keller oder im Stall einen Platz zum Schlafen anbietet.“ Wohlhabende Kulturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine Ställe mehr haben – außer für Gottessöhne in der Krippe.

Kein amerikanischer Präsident ohne seinen speziellen Krieg. Jeden Tag werden wir mehr ...

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Sonntag, 05. Februar 2012 - Eros gegen Agape

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

Landerziehungsbewegung – ist das kein anheimelnder Begriff? Weit weg von der dämonischen Großstadt, mit Gärten am Bach, Waldwegen und Wanderungen durch Feld und Busch, Lernen zwischen Bienen und selbstbetreuten Blumen- und Gemüsebeeten?

Welcher Satz kommt jetzt, wenn die Idylle eröffnen darf? Genau: die ländliche Idylle trügt, der Wurm ist im Apfel. Verfremdung nennt Brecht die Methode, mit dem Heilen zu beginnen, um dem Schreckenerregenden das zweite Wort zu geben, in Deutschland meistens das letzte. Bei Brecht weniger, der glaubte an die letztgültige Idylle im kommunistischen Reich der Freiheit, wenngleich die DDR nichts unterließ, um seinen Glauben ziemlich zu strapazieren.

Doch der Dreiertakt aus anfänglichem Gut, zwischenzeitlichem Schlecht bis Böse und finalem Super war die Grundmelodie der Germanen nur in jenen Zeiten, als sie noch im Schoße des Evangeliums saßen. Denn das ist der dreieinige Basso continuo der Heiligen Schrift: Paradies, Schlange und Verderben, Sohn und endgültige Rettung.

Kaum kam den Deutschen der Glaube ein wenig abhanden, wurde das zwischenzeitliche Böse zum letzten Wort der Geschichte und sie landeten im düsteren Reich der Untergangspropheten, das in der Spätromantik mit gruseligen Geschichten eines E.T.A. Hoffmann begann, über Schopenhauers Fluch auf die Welt als ...

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Samstag, 04. Februar 2012 - Linie und Kreis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Chinas,

nun ist es soweit, wir stehen vor der Tür der mächtigsten Welt und die zeigt uns, wo Bartels den Most holt. Merkel darf nicht mit Dissidenten reden, sie wirkt wie eine Bittstellerin, die man mit höflicher Schikane gerade noch in den Vorraum lässt. Mit Madame Europa wird gleich der ganze alte Kontinent auf die hinteren Plätze verwiesen. China ist atmosphärisch die Nummer Eins der Weltfinanzen geworden.

Vor über 100 Jahren wurde das damals in sich ruhende Reich der Mitte vom Westen mit Kanonendonner gezwungen, die Grenzen zu öffnen und sich der Wirtschaftsmacht des Westens zu ergeben. Da schließt sich ein Kreis, nun geschieht erneut, was bereits beim ersten Kennenlernen der beiden so unterschiedlichen Kulturen geschah.

Die ersten Europäer, die über den Indischen Ozean gesegelt waren, erlebten dort etwas „höchst Schockierendes“, wie David Landes in „Wohlstand und Armut der Nationen“ beschrieb: „Die Einheimischen begegneten ihnen mit leutseliger Herablassung“.

Das Reich der Mitte, das sich selbst „Reich des Himmels nannte“, sah sich als vornehmstes Staatengebilde der Welt, das allen anderen an Größe, Bevölkerungsdichte, Alter und Erfahrung voraus und dank seiner kulturellen Leistungen, seines geistigen, moralischen und intellektuellen Überlegenheitsgefühls unangreifbar geworden war. Schon die ...

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