Philosophische Tagesmails

Samstag, 02. Juni 2012 - Abenteurer der Erde

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Irlands,

„fast schon wie Schafe“, hätten die Iren dem Fiskalpakt zugestimmt, meint Ralf Sotschek in den TAZ über die Iren. Der Fiskalpakt sei ein neoliberales Projekt made in Germany, dazu bestimmt, den Sozialstaat zu demontieren und die Arbeitslosenzahlen auf einem „natürlichen Niveau“ zu halten, um die Löhne zu drücken und die Gewerkschaften zu entmachten.

Die Zeche der Finanzkrise zahlten die unteren Einkommensschichten und die Arbeitslosen. Der Fiskalpakt ist ein Sparprogramm. Übertragen wir‘s in die Medizin, bedeutet es Gesunden durch Abspecken.

Wenn das Abspecken in Magersucht übergeht und der Patient vor Kraftlosigkeit nicht mehr aus dem Krankenbett kommt, hören wir Merkel im Arztkittel sagen: prima gemacht, Europa. Jetzt müssen wir nur noch die Hälfte des Blutes abzapfen, zwei Beine amputieren, dann sind wir wieder pumperlgesund.

Warum legen die Neoliberalen so viel Wert auf Erhaltung der „strukturellen oder natürlichen“ Arbeitslosigkeit? Die Wirtschaft ist Teil des evolutionären Prozesses, der sich ständig wandelt. Wandel bedeutet Unruhe und Unsicherheit, erfordert erhöhte Biegsamkeit, um sich ständig neuen Maschinen, industriellen Verlagerungen und Produktveränderungen anzupassen.

Die Menschheit muss ununterbrochen dazulernen, wendig und bereit sein, ...

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Freitag, 01. Juni 2012 - Penia, Penis und Eros

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde von RTL,

die privaten Sender haben es schwer, sie kriegen keine Fernsehsteuern. Sie müssen sich bei ihrem Publikum anbiedern, um Kasse zu machen. (Die Öffentlich-Rechtlichen haben‘s auch schwer, obwohl sie Fernsehsteuern bekommen, biedern sie sich auch an).

Womit will das geneigte Publikum unterhalten werden, damit es Augen und Börse öffnet? Öffentliche Hatz auf potentielle Kriminelle, die ihre bösen Neigungen vor versteckter Kamera entlarven? Das wäre die altadlige Methode der angedachten Lynchjustiz, durchgeführt von einer Baronin von und zu Guttenberg, über allen Verdacht erhabene Gattin eines akademischen Betrügers.

Jetzt werden mit Hilfe einer öffentlichen Begattungszuführung, die den putzigen Namen „Bauer sucht Frau“ trägt, ehemalige Nazis enttarnt. Auch wenn es dabei nur um bereute Jugendsünden geht, Sünde hält ewig. Die berühmte zweite Chance gibt’s nur für TV-Moderatoren, CSU-Mitglieder und Höhergestellte. Gott vergibt, Zorro und RTL nicht.

 

Gauck bewegte sich über das Nahost-Minenfeld wie sein Herr und Heiland über das Wasser: mit traumwandlerischer Sicherheit. Oder pudelwohl, wie der SPIEGEL meinte. Immerhin akzeptiert er, dass hier lebende Muslime zu Deutschland gehören. Selbst, wenn sie Deutsche sind. Das ist ...

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Donnerstag, 31. Mai 2012 - Shitstorm

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Bob Dylans,

des weltberühmten Sängers, der mit dem Song Masters of War“ einst die pazifistische Hymne der rebellischen Weltjugend schrieb. Nun wurde er mit der höchsten Auszeichnung Amerikas geehrt.

Von einem Präsidenten, der einen sinnlosen Krieg am Hindukusch für richtig hält, einen brandgefährlichen Präventionsschlag Israels gegen den Iran bedingungslos unterstützen würde, ein Foltergefängnis namens Guantanamo nicht schließen lässt und die Terroristen in Jemen und Pakistan persönlich aussucht, die ohne Anklage und Gerichtsurteil mit ferngelenkten Drohnen hingerichtet werden.

Wer Obama verteidigen will, könnte auf das Prinzip Staatsraison verweisen. Was für einen Privatmann ein Verbrechen, muss für einen Staatsmann allzu oft Staatsraison sein. Raison ist Vernunft. In Verbindung mit Staat klingt diese Vernunft vor allem nach Gewalt. Gewalt ist nicht immer vermeidbar, wenn man auf eigenes Überleben und selbstbestimmtes Leben Wert legt.

Es kann der beste Mensch nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Der Satz ist umkehrbar: es kann der beste Nachbar nicht in Frieden leben, wenn es mir Bösewicht nicht gefällt.

Nicht selten sind böse Nachbarn Produkt meines böswilligen Blickes, meiner böswilligen Einschätzung – und vice versa. Ich kann mich ...

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Mittwoch, 30. Mai 2012 - Religion

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

regelmäßige Mahlzeiten, Zeit und Raum für Hausaufgaben, ein Internetanschluss, altersgerechte Bücher und Spielsachen, Geld für Schulausflüge, mehr als zwei Paar Schuhe, Versorgung mit Obst und Gemüse: an all diesen Punkten fehle es deutschen Kindern, die arm genannt werden.

Die deutsche Regierung gehe zuwenig gegen Kinderarmut vor, behauptet Unicef. Das wirtschaftlich potenteste Land Europas liegt im unteren Mittelfeld, was die Versorgung der Kinder betrifft. Viele Hartz4-Familien sitzen im Dunkeln, weil die Stromkosten steigen, aber die Energiesätze nicht. Also sperrt man ihnen den Strom.

Wer jetzt wieder nach Erhöhung der Sozialleistungen rufe, sei schief gewickelt, schreibt jene Zeitung, die dem Volk aufs Maul schaut. Mit Geld könne man solche Defizite nicht beheben. Denn Geld sei genug vorhanden in diesen Familien, die Eltern würden es aber für sich verprassen.

Da helfen nur Spontankontrollen ausgebildeter Hartz4-Spezialpolizisten. Vorbild die bestens bewährte Religionspolizei in Saudi-Arabien. Man kann auch bei Calvin lernen, dessen Schergen jederzeit in alle Wohnungen eindringen konnten, um das private Sittenleben der Genfer zu überprüfen.

Die jetzige Sparpolitik Merkels, der Fiskalpakt, beruhe auf einem neoliberalen Konzept Milton Friedmans vor 40 Jahren, das keinen anderen Zweck gehabt hätte, als die Sozialausgaben zu strangulieren, behauptet der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister in der BZ. ...

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Dienstag, 29. Mai 2012 - Deutsch-israelische Beziehungen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Benedikts,

die deutsche Regierung hat die Putschisten im vatikanischen Stadtstaat eindringlich davor gewarnt, den deutschen Papst durch Intrigen nach Oberbayern outzusourcen. Eine deutsche Mobilmachung sei in einem solchen Falle unvermeidlich. Hier stünden – im Gegensatz zum NATO-Angriff gegen Gaddhafi, an dem Deutschland sich nicht beteiligt habe – elementare deutsche Interessen auf dem Spiel.

Deutschfeindliche latent-atheistische Kreise aus den höheren Machtzirkeln der Kardinäle hätten mit Durchstecherein und Intrigen das Intimleben des Papstes klammheimlich observiert und ins Netz gestellt. Das sei selbst für eine urprotestantische Kanzlerin wie Angela Merkel nicht hinnehmbar. Die deutsche Regierung hat den klerikal-mafiösen Verschwörungskräften ein Ultimatum von einer Woche gestellt.

Im Falle einer Nichtbefolgung werde die altlateinische Messe sofort wieder abgeschafft und der Paternoster im Bundeskanzleramt in Vaterunser umbenannt. Wer mit Gott nach oben fahre, würde mit seinem Gegenspieler nach unten stürzen. Da könne Martin Mosebach noch so herummosern.

Dilma Rousseff heißt die Angie Brasiliens. Wie ihre deutsche Kollegin spricht sie viel von Ökopolitik, allein ihre Taten sehen anders aus. Verbrechen gegen die Urwälder des Landes sollen nun doch nicht so besonders bestraft werden. Die lebenserhaltenden Bäume werden bedenkenlos gefällt, um Profit mit endlosen Sojafeldern zu machen.

„Frau Solarium“ wird IWF-Chefin Lagarde von den Griechen gehöhnt, weil die Französin ...

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Montag, 28. Mai 2012 - Das Selbst

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Sports,

sind Sportler keine Mitglieder der Demokratie, wenn sie in einer Demokratie leben? Leben sie in einem parallelen Universum, das mit dem unseren nur noch das Geld gemein hat?

Für Aristoteles war das Leben oberhalb des Mondes (supralunar) vollkommen. Kickende Millionäre leben möglicherweise in einer vollkommenen Parallelwelt, mit der unvollkommenen Welt unterhalb des wesentliches Geldes haben sie nix mehr zu tun – höchstens gnädig einige Autogramme verteilen.

In einer demokratischen Zeitung namens ZEIT – Chefredakteur der wahrhafte Demokrat Giovanni di Lorenzo – ist die Frage zu lesen: Sollen Sportler sich politisch äußern? Man muss sich zwicken und noch mal lesen: in einer demokratischen Zeitung wird die Frage gestellt, ob Sportler sich politisch äußern sollen? Ist das nicht unterste Demokratenpflicht?

Gestellt ist die Frage einem Sportwissenschaftler namens Gunter Gebauer, offensichtlich einem Fachmann in demokratischer Ignoranz des Grundgesetzes, der den Sportlern kraft höherer sportwissenschaftlicher Einsicht die Lizenz der freien Meinungsäußerung entzieht. Als Sportler habe man ja noch keine politischen Kompetenzen, den meisten fehle ohnehin die nötige Intelligenz.

Gut zu hören, dass Sportler keine demokratischen Kompetenzen beim Lernen des Gemeinschaftsgeistes in einem Team erwerben, hat doch auch unsere schnöde Wettbewerbswirtschaft mit Gemeinschaftsgeist so viel zu tun wie ...

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Sonntag, 27. Mai 2012 - Grass und Grünbein

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Liedes,

vor zwei Generationen führten die Europäer noch Krieg gegeneinander. Heute veranstalten sie einen gemeinsamen Sängerwettstreit, der in die ganze Welt übertragen wird.

Doch was, wenn das Geschehen in einem Land stattfindet, in dem politisch Andersdenkende im Gefängnis sitzen, Lesben und Schwule sich nicht blicken lassen dürfen, Demonstrationen verboten und Demonstranten verhaftet werden? Wie hier, wenige Stunden vor der Veranstaltung.

Das Festival sollte nicht boykottiert werden, hatten auch die Dissidenten in Baku gefordert. Doch jeder westliche Gast sollte vor Ort Position beziehen, um ihren Kampf gegen Unterdrückung zu unterstützen. Auch die Künstler. Was ist davon übrig geblieben?

Jan Feddersen von der TAZ verhöhnte die Kritiker von Amnesty International als „Menschenrechtisten“ und „Spaßbremsen“. Sonst passierte nix, notierte der SPIEGEL, keine politische Demonstration auf weiter Flur.

Mit einer angeblichen Ausnahme. Sie dauerte nur wenige Sekunden und „war so charmant vorgetragen, dass sie die heitere Stimmung nicht zum Kippen brachte.“ Als Anke Engelke die deutsche Punktvergabe übermittelte, sprach sie auf Englisch: „Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen, aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf deiner Reise, Aserbeidschan! Europa beobachtet dich.“ Was der SPIEGEL verschweigt: waren ...

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Samstag, 26. Mai 2012 - Utopien

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Glücks,

in Dänemark, Finnland, Holland und Norwegen leben die glücklichsten Menschen. Die unglücklichsten in Afrika, in Togo, in Benin. Deutschland liegt auf dem 30. oder 46. Platz.

Nicht Reichtum mache in erster Linie die Menschen glücklich, sondern politische Freiheit, soziale Netzwerke und die Abwesenheit von Korruption. Wirtschaftswachstum führe nur dann zum Glück, wenn das Land zuvor arm war. Ab einer bestimmten Sättigung drohe eher das Gegenteil, Konsumismus mache unglücklich, besonders in Ländern mit einer großen Kluft zwischen Reichen und Armen. Man vergleiche sich immer mit denen, die noch mehr haben.

Ein solider Job gehöre auch dazu, denn Arbeitslosigkeit führe zu Statusverlust. Ein sicherer Job sei wichtiger als hohes Einkommen. Auch Ehe und Religion seien Glücksfaktoren. Stabile Partnerschaften erhöhten das Wohlbefinden der Menschen. In armen Ländern mit unsicheren Lebensbedingungen habe der Glaube eine tröstende Funktion.

Solange es kein hohes Niveau an Vertrauen und Altruismus gäbe, könne keine Gesellschaft glücklich sein.

Diese dualistischen Begriffe taugen nichts mehr. Wenn Altruismus den Menschen glücklich macht, muss er aus egoistischen Gründen altruistisch werden. Wenn Egoismus unglücklich macht, muss er uneigennützig werden, um sein Glück zu machen.

Wahrer Egoismus ist wahrer Altruismus. Vorausgesetzt, das Glück wird ...

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