Philosophische Tagesmails

Donnerstag, 05. Juli 2012 - Vernunft und Beschneidung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Gesetzes,

also von vorne und erst mal im Überblick:

Artikel 3 GG: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Über verbotene Bevorzugung der Religionen wird bei uns mit keinem Wort gesprochen. Stattdessen attackiert man den „religionsfeindlichen Laizismus“ der Franzosen, den wir Gott sei Dank nicht hätten: wir seien eine Harmonie aus Vernunft und Glauben.

Bei der jetzigen Debatte fällt auf, dass es nicht um verschiedene Deutungen der Gesetzestexte geht. Emphatisch werden alte Religionstraditionen angerufen und verherrlicht, die Kölner Richter als platte oder „tumbe“ Juristen abgekanzelt (so Rafael Seligmann gestern in der Phönix-Runde), wenn sie tun, was ihres Amtes ist: das Gesetz in der Gesellschaft durchsetzen.

Wie Gesetze auszulegen sind, darüber lässt sich streiten, doch ...

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Mittwoch, 04. Juli 2012 - Feminismus und Kapitalismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Gleichberechtigung,

Anne-Marie Slaughter hatte es in ihrer beruflichen Laufbahn weit gebracht, bis zur Strategie-Beraterin von Hillary Clinton. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erkannte sie, wie unglücklich sie war. Denn ihr 14-jähriger Sohn war unglücklich, störte permanent den Unterricht, war in Mathe durchgefallen und brauchte seine Mutter.

Als Postfeministin war Slaughter mit dem Glauben aufgewachsen, dass ihr alles zustehe: Erfolg im Beruf, eine glückliche Ehe und eine Familie. Wie konnte alles so schwierig sein, obwohl ihr Mann sie in allen Dingen unterstützt hatte?

Sie hielt inne, schrieb ihre Gedanken auf und kam zum Resumee: formal gesehen gebe es keine Probleme. Doch die wahre Kultur in Amerika sei noch immer familien- und damit frauenfeindlich. Das Ideal der amerikanischen Arbeitswelt sei noch immer der Mann, der „rund um die Uhr einsatzbereit ist, weil seine Frau ihm zu Hause den Rücken freihält“.

In der Leistungsgesellschaft werde das Familienleben nicht unterstützt. Auf familiäre Verpflichtungen werde keine Rücksichten genommen, es gelte als unangemessen, seiner Familie auch nur die geringste Priorität einzuräumen. „Man verlässt einfach nicht die hohen Kreise der Macht, um sich um die Familie zu kümmern.“ Schon während ihrer ganzen Laufbahn wurde ihr nahe gelegt, im Job nicht ...

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Dienstag, 03. Juli 2012 - Blitz der Erkenntnis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Helmut Schmidts,

der Altkanzler ist die einzige prominente Stimme in der Öffentlichkeit, die für Aufklärung eintritt. Die noch weiß, dass Aufklärung dem hellenischen Geist zu verdanken ist, den wir nicht der Vergessenheit überlassen dürfen. Die einzige Stimme, die kritische Worte zum Christentum findet. Kein Wort dazu in den Meldungen gleichgeschalteter Medien.

Deutsche Medien seien gleichgeschaltet, meint der Wiener Robert Misik. Der BILD-Nationalismus habe sich durchgesetzt mit der Grundstimmung: Europa will nur an unser Geld. Solche Sätze durchdringen ZEIT, die ARD, ZDF und die wichtigsten Gazetten. Gelegentlich wird Merkel kritisiert, doch wehe, in Brüssel gelingt es ihr nicht, ihre knallharten Neins gegen den Rest Europas durchzudrücken.

Nicht nur im Fußball nähert sich das mächtige Land in der Mitte einem autistischen Patriotismus, der sich abzuschotten beginnt, sich für die Perspektiven der Nachbarn nicht interessiert und seinen Wohlstand mit niemandem teilen will – selbst wenn dieser gefährdet ist, wenn er sich unsolidarisch zeigt.

Die einstmals deutschenfreundliche Stimmung im Ausland lässt nach und schädigt bereits den Export. Wenn Europa kollabiert, bleibt Deutschland keine heile Insel.

Schluss mit der schwäbischen Hausfrau, schrieb Günter Verheugen vor wenigen Tagen einen kritischen Artikel gegen die Kanzlerin, die immer nur sparen wolle und den Unterschied zwischen ...

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Montag, 02. Juli 2012 - Die neuen Attacken der Religionen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Singens,

wir nähern uns dem Singen und dem Tod. „Siam pronti alla morte“, wir sind bereit zum Tod, singen die Italiener vor einem Fußballspiel und gewinnen gegen deutsche Nichtsinger.

Da wir die beste Nationalmannschaft der Welt und ein Recht auf den Titel haben, ist es nicht hinnehmbar, dass wir durch fahrlässiges Nichtsingen heuer schon wieder leer ausgingen. CDU- und CSU-Politiker fordern zu Recht eine Singpflicht für Nationalspieler, besonders für jene mit ausländischen Namen. Es genügt nicht, wenn der Trainer alleine singt. So schön kann er gar nicht singen, selbst bei „högschter“ Stimmentfaltung.

Auch, wenn die Mannschaft zurückliegt und ihren kämpferischen Geist vor lauter Schönspielen vergessen hat, sollte auf ein unauffälliges Zeichen von der Trainerbank ein munteres Lied die Recken anfeuern. Bewährte Pfadfinderlieder, zu Unrecht vergessen in der trüben Flut all des vaterlandsvergessenen, ausländischen Liedguts, eignen sich für Aufholjagden besonders gut.

Wie etwa: „Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht, Fürsten in Lumpen und Loden, ziehn wir dahin, bis das Herze uns steht, ehrlos bis unter den Boden“. Aus diesem Lied weht uns eine frische Brise ehrloser Kämpfergesinnung an, die unsere allzubraven Löw-enjungs, die eigentlich ...

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Sonntag, 01. Juli 2012 - Mythos und Logos

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Transparenz,

Migros will seine Kunden nicht bevormunden, sondern Transparenz herstellen, damit sie sich entscheiden können, ob sie Lebensmittel aus besetzten Gebieten in Palästina kaufen wollen oder nicht. Das sei keine Stellungnahme in einem politischen Konflikt.

Warum so hasenfüßig? Es ist sehr wohl eine Stellungnahme, dass besetzte Gebiete besetzte Gebiete sind und man nicht einfach ignorieren kann, dass Besetzungen gegen herrschendes Völkerrecht verstoßen. Es ist unverfroren, von befreundeten Völkern zu verlangen, die illegalen Produkte eines besetzten Landes mit legalen des Ursprungslandes gleichzusetzen.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, doch Broder sieht das Herz an und da sieht er bei Migros nichts Gutes. Per Erinnerungsanalogie setzt er historisch unrühmliche Vorgänge der heutigen Aktion gleich.

Wenn Freud von Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten spricht, um Wiederholungszwänge aufzubrechen und zu vermeiden, klingt das wie die theoretische Grundlage der Broder‘schen Anklagemethode. In der Tat ist es unerlässlich, sich seiner primären seelischen Verwundungen zu erinnern, sie erneut „bluten und schmerzen zu lassen“, damit sie verheilen können. Unbewusste Schmerzen müssen bewusst werden, damit ich ...

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Samstag, 30. Juni 2012 - Imperiale Wahrheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Demokratie,

haben Religionen ein Selbstbestimmungsrecht, wie Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, behauptet? Ja, seit Friedrich dem Großen kann jeder nach seiner Fasson selig werden – sofern er sich an die Gesetze der Demokratie hält. Hier endet das Selbstbestimmungsrecht aller Religionen.

Die Polis bestimmt die Grenzen des Heiligen. Das ist der Unterschied zwischen Theokratie und Demokratie. Im Vatikan, in einem Ajatollastaat, in einem jüdischen Staat unter ultraorthodoxer Herrschaft entscheiden heilige Schriften und deren Ausleger. In einer Demokratie entscheiden die volljährigen Mitglieder nach Maßstäben ihres Fürwahrhaltens und bestimmen über die Gesetze, die gelten sollen.

Nachdem das Urteil des Kölner Landgerichts zum Verbot der Beschneidung rechtskräftig geworden ist, hat das jüdische Krankenhaus in Berlin alle Beschneidungen eingestellt.

In Israel sind es zwei Prozent jüdischer Eltern, die den Ritus für ihre Söhne ablehnen. Das sind mehrere tausend Familien. Laut Umfrage würde ein Drittel aller Eltern von dem Brauch lassen, wenn der Gruppendruck der Gesellschaft nicht so groß wäre.

Und die Angst vor der biblischen Drohung nicht noch immer das Seelenleben moderner Menschen bestimmte. („Freunde sind das größte Problem, sie verurteilen uns für unsere Verweigerung,“ sagt ein Betroffener).

Wer sich nicht beschneiden lässt, „dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil es meinen Bund verlassen hat“, spricht Jahwe. Die rabbinische Rechtssprechung ist nicht mehr ...

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Freitag, 29. Juni 2012 - Allwissenheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der USA,

John Roberts wurde noch von Dabbelju Bush in den Supreme Court geschickt. Jetzt hat er sich auf die Seite der liberalen Richter geschlagen und Obamas Gesundheitsreform gerettet. Nun hat die große Mehrheit der Amerikaner das Recht auf eine Krankenversicherung.

Bislang galt staatliche Gesundheitsversorgung im Tellerwäscherland als sozialistische Teufelserfindung. Mehr als ein Jahrzehnt lang stimmte das Oberste Gericht parteiisch gegen die Linken. Im Jahr 2000 beendete das Gericht die Stimmenauszählung in Florida und ernannte Dabbelju zum Präsidenten. 2010 machte es Unternehmen zu Menschen, damit sie unkontrolliert und beliebig viel an Parteien spenden könnten.

Das ist die neocalvinistische Version der katholischen Wandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut des Herrn. Dadurch sind Unternehmen zu fühlenden und denkenden Wesen mit unsterblicher Seele geworden, die bei korrektem Spendenverhalten in den Himmel kommen. Es ist jetzt schon gesichert, dass es im amerikanischen Himmel zu Gedränge kommen wird, denn im Grunde sind alle Multis auferstehungswürdig.

Ob allerdings die sensiblen Unternehmen glücklich sind, zu Menschen erniedrigt zu werden, ist fraglich. Menschen auf Erden sind für die meisten Menschen nichts besonderes, mit Menschsein kann man heute nichts mehr hermachen. Die größte Anerkennung, die Menschen sich heute geben können, ist nicht, dass sie volle und vorbildliche Menschenbilder, sondern dass sie Gottes Ebenbilder sind.

Sei froh Mensch, dass du keinerlei Ähnlichkeiten mit dir selbst hast, das wäre ja ...

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Donnerstag, 28. Juni 2012 - Wahrheitsmonopol

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Integration,

viel zu spät sei die Eingliederung von Immigranten in Deutschland gekommen, dennoch sei sie besser als ihr Ruf, auf der alltäglichen Ebene gar erfolgreicher als in Frankreich und England, meint der renommierte Migrationsforscher Klaus Bade in der TAZ. Die Sarrazin-Debatte habe mit der Realität wenig zu tun gehabt.

Ein interessanter Befund. Danach wären die Deutschen in der Praxis besser als in der Theorie. Was unmittelbar einleuchtet, denn die Mischmoral der herrschenden Religion – das Böse im Dienst des Guten – hat die Majorität der Bevölkerung hinter sich gelassen. Die meisten sind einer Religion entwachsen, deren Janusgesicht sie instinktiv ablehnen, ohne ihre Ablehnung wahrzunehmen oder begründen zu können.

Ihre Kritik besteht im Ignorieren der Heiligen Texte. Die wenigen Fragmente, die sie für Zitate halten, haben sie humanistisch aufgepeppt, ohne die Fälschung „nach oben“ als Fälschung zu erkennen. Doch wer mit sich in Einklang leben will, muss Denken und Handeln in Übereinstimmung bringen. Solange noch zu viele dem Fremdenverächter Sarrazin zujubeln, solange ist die Anerkennung der Fremden als gleichberechtigte Bürger noch nicht verlässlich.

Viel zu spät hätten die Deutschen realisiert, dass sie in einem Einwanderungsland lebten.

Fremde Menschen wollen freiwillig zu uns kommen und mitten unter uns leben? Das schien den Deutschen ...

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