Philosophische Tagesmails

Montag, 06. Februar 2012 - Ursachen des Antisemitismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

 

Hello, Freunde der Russen,

die Russen scheinen Kälte zu benötigen, um aufzubegehren. Bei klirrenden Temperaturen – in SPIEGELdeutsch: Killerkälte – marschieren sie gegen Putin. Die Mittelschicht, die keine sein will, sondern eine kreative Klasse, will mitreden und mitgestalten. Die Arabellion aus der Wüste ist in die Tundra eingedrungen.

Von Medwedjew ist nichts zu hören, Putin blockiert, zusammen mit China, eine UN-Resolution gegen den syrischen Schlächter seines Volkes, der unbeirrt weiter morden lässt. Selbst Kinder sollen gefoltert werden. Die arabische Liga ist empört.

In Kairo geht der Widerstand gegen eine desolate Militärjunta, die ihre Mubarak-Ähnlichkeit immer mehr enthüllt, in unverminderter Heftigkeit weiter.

In Bosnien gibt es keine Obdachlosen, die in strengen Wintern im Freien erfrieren, schreibt Rathfelder in der TAZ. Wie ist denn das möglich, wo das Land mit dem Wohlstandsniveau anderer Länder nicht mithalten kann? „Das ist eine Frage der Kultur“, sagt der alte Mustafa. „Bei uns gibt es immer jemanden, der wenigstens im Keller oder im Stall einen Platz zum Schlafen anbietet.“ Wohlhabende Kulturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine Ställe mehr haben – außer für Gottessöhne in der Krippe.

Kein amerikanischer Präsident ohne seinen speziellen Krieg. Jeden Tag werden wir mehr ...

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Sonntag, 05. Februar 2012 - Eros gegen Agape

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

Landerziehungsbewegung – ist das kein anheimelnder Begriff? Weit weg von der dämonischen Großstadt, mit Gärten am Bach, Waldwegen und Wanderungen durch Feld und Busch, Lernen zwischen Bienen und selbstbetreuten Blumen- und Gemüsebeeten?

Welcher Satz kommt jetzt, wenn die Idylle eröffnen darf? Genau: die ländliche Idylle trügt, der Wurm ist im Apfel. Verfremdung nennt Brecht die Methode, mit dem Heilen zu beginnen, um dem Schreckenerregenden das zweite Wort zu geben, in Deutschland meistens das letzte. Bei Brecht weniger, der glaubte an die letztgültige Idylle im kommunistischen Reich der Freiheit, wenngleich die DDR nichts unterließ, um seinen Glauben ziemlich zu strapazieren.

Doch der Dreiertakt aus anfänglichem Gut, zwischenzeitlichem Schlecht bis Böse und finalem Super war die Grundmelodie der Germanen nur in jenen Zeiten, als sie noch im Schoße des Evangeliums saßen. Denn das ist der dreieinige Basso continuo der Heiligen Schrift: Paradies, Schlange und Verderben, Sohn und endgültige Rettung.

Kaum kam den Deutschen der Glaube ein wenig abhanden, wurde das zwischenzeitliche Böse zum letzten Wort der Geschichte und sie landeten im düsteren Reich der Untergangspropheten, das in der Spätromantik mit gruseligen Geschichten eines E.T.A. Hoffmann begann, über Schopenhauers Fluch auf die Welt als ...

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Samstag, 04. Februar 2012 - Linie und Kreis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Chinas,

nun ist es soweit, wir stehen vor der Tür der mächtigsten Welt und die zeigt uns, wo Bartels den Most holt. Merkel darf nicht mit Dissidenten reden, sie wirkt wie eine Bittstellerin, die man mit höflicher Schikane gerade noch in den Vorraum lässt. Mit Madame Europa wird gleich der ganze alte Kontinent auf die hinteren Plätze verwiesen. China ist atmosphärisch die Nummer Eins der Weltfinanzen geworden.

Vor über 100 Jahren wurde das damals in sich ruhende Reich der Mitte vom Westen mit Kanonendonner gezwungen, die Grenzen zu öffnen und sich der Wirtschaftsmacht des Westens zu ergeben. Da schließt sich ein Kreis, nun geschieht erneut, was bereits beim ersten Kennenlernen der beiden so unterschiedlichen Kulturen geschah.

Die ersten Europäer, die über den Indischen Ozean gesegelt waren, erlebten dort etwas „höchst Schockierendes“, wie David Landes in „Wohlstand und Armut der Nationen“ beschrieb: „Die Einheimischen begegneten ihnen mit leutseliger Herablassung“.

Das Reich der Mitte, das sich selbst „Reich des Himmels nannte“, sah sich als vornehmstes Staatengebilde der Welt, das allen anderen an Größe, Bevölkerungsdichte, Alter und Erfahrung voraus und dank seiner kulturellen Leistungen, seines geistigen, moralischen und intellektuellen Überlegenheitsgefühls unangreifbar geworden war. Schon die ...

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Freitag, 03. Februar 2012 - Posener - Pöttering

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Dialogs,

warum haben Ultras eine so große Macht in Israel errungen, obgleich sie das zionistische Staatsprojekt von Anfang an strikt ablehnten, es noch immer ablehnen und ablehnen werden – es sei, sie erringen eines Tages selbst die Macht?

Haredim sind Quietisten, sie überlassen das politische Geschäft dem Herrn der Heerscharen. Gottlose Zionisten hassen sie mehr als externe Feinde. Einige von ihnen sollen mit Ahmadinedschad gegen ihr eigenes Land konspirieren nach dem Motto, der Feind unserer Feinde ist unser Freund.

Avi Primor in der FR/BZ erinnert an die legendäre Vaterfigur Ben Gurion, der die Frommen dulden wollte, weil er eine offene humane Gesellschaft für fähig hielt, eine Minderheit von Demokratiegegnern zu ertragen.

Heute wachsen die Privilegierten – sie müssen nicht arbeiten, können sich den ganzen Tag dem Thorastudium widmen, haben ihre eigenen Schulen, wo Kinder nur Religion pauken und keinerlei weltliches Wissen – der Gesellschaft über den Kopf. Früher verweigerten sie den Kriegsdienst, heute scheinen sie die Armee bis in die höchsten Militärstellen unterwandern zu wollen.

Primor sieht die Lösung des Problems in der Öffnung und Verweltlichung des abgeschlossenen Bildungssystems der Nachwuchs-Ultras. Oberflächlicher kann man das Thema nicht behandeln.

Bei Moshe Zimmermanns Analyse des Landes klang das neulich anders. Da ...

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Donnerstag, 02. Februar 2012 - Curios

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Gilgamesch,

seit wann gibt’s Wirtschaft, seit wann den Kapitalismus? Die zweite Frage ist fast zur Glaubensfrage geworden.

Nach Max Weber gibt’s den Kapitalismus seit dem holländisch-englischen Calvinismus, andere sehen ihn schon in der italienischen Frührenaissance als Wirkung des Zusammenpralls Europas mit der damals überlegenen arabischen Hochkultur nach der Zeit der Kreuzzüge.

Liest man etwa die "Kulturgeschichte des Hellenismus" von Carl Schneider, natürlich die „Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt“ von Rostovzeff, kann man sich nur wundern, wie modern die Welt der ptolemäischen Nachfolger Alexanders ausschaute: Geld, Banken, Kredit, hochdifferenzierte Arbeitsteilung, Globalisierung der damals bekannten Welt in regem Handel und Wandel, die immer dominanter werdende Rolle der Wirtschaft im sorgenreichen täglichen Leben, das Auseinanderklaffen der Stände in Reiche und Arme, der Luxus, die Frage nach der Gerechtigkeit.

Dann das wunderbare Buch von Robert von Pöhlmann, die „Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt“ von 1893, der in glasklarer und meinungsstarker Sprache vom „Kommunismus der Urzeit“ über Demokratie, Athen, Platon, die vielen Utopien, Sparta, das Urchristentum bis zum Verfall des Römerreiches alle Aspekte des Ökonomischen in einer Weise erhellt, dass man nur staunen kann, in welchem Maß ...

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Mittwoch, 01. Februar - Gefälliges Mitschwatzen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des gefälligen Mitredens,

dem Volk aufs Maul schauen, das wollte Luther, übersetzte die Bibel ins maulende Deutsch des Volkes und „schenkte den Deutschen ihre Sprache“. So die Legendenbildung der Gelehrten und Großen-Männer-Verehrer.

Es war umgekehrt, die urtümliche Sprache war die des Volkes, das sich mit Hilfe Luthers selbst eine Sprache schenkte, der wackere Augustiner diente nur als Protokollant.

Heute haben die Intellektuellen eine neulateinisch-denglische Meta-, Labor- und Elfenbeinturmsprache entwickelt, die sie selbst nicht verstehen. Was sie auch gar nicht müssen, Hauptsache, „sie können schreiben“. Noch niemand hat behauptet, dass sie lesen können. Hat mal jemand einen Pisatest mit Erwachsenen gemacht, wer einen üblichen Floskeltext „Auf Seite drei“ in mündiger Rede rekapitulieren kann?

Mündigkeit ist die Salonausgabe der Mäuligkeit, die keinen guten Klang mehr hat. Wer heute nölt und mault – stimmts, Alan Posener? –, der hat schlechte Karten im höheren Chor der Hofberichterstatter des Zeitgeistes.

Hat mal jemand untersucht, wie viel Prozent einer voluminösen Tageszeitung wirklich gelesen werden? Ich schätze zwischen 2,75 und 3,99%. Also die Schlagzeilen, zuerst in Sport, dann Regionales, die Klatschgeschichten der verliebten, getrennten, nackerten, angezogenen, verschuldeten Alzheimer-VIPs, der letzte Blick gilt der Politik, dann Kaffee und ...

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Dienstag, 31. Januar 2012 - Folgenlose Moral

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde abendländischer Werte,

Werte und Normen sind dazu da, dass man sie erfüllt.

Werte und Normen sind nicht dazu da, dass man sie erfüllt, sondern einsieht, dass man sie gar nicht erfüllen kann.

Welcher Satz stimmt fürs Abendland?

1. Der erste Satz ist katholisch, doch mit der Einschränkung: der Mensch kann ein bisschen moralisch werden. Zur wahren Erfüllung der Gebote jedoch braucht er Gottes Hilfe, in Klartext, den Vergebungsapparat der Priester oder der Kirche. Allein kann der Mensch nicht moralisch werden. Wozu wäre Religion und Erlösung vonnöten?

Moralisch sein heißt, der Mensch strengt sich an, dann kommt ihm Gott entgegen und komplettiert seine Stümpereien und Unfähigkeiten. Papa, krieg ich ein Bobbycar zum Geburtstag? Okay, wenn du sparst, leg ich die Hälfte drauf.

Diesen Standpunkt nennen die Theologen Semi-Pelagianismus (= ein halber Pelagianismus), beziehen sich damit auf den Streit zwischen Augustin und dem irischen Mönch Pelagius, der, noch ganz von altgriechischer Autonomie erfüllt, der Meinung war, der Mensch könne allein die Gesetze Gottes erfüllen.

Sein prominenter Gegner war vollständig anderer Meinung (wie später Luther, der Augustiner war): der Mensch ist ein unfähiger Sündenkrüppel, Totalversager in allen Dingen. Ohne Gottes Erlösung landet er auf dem Müllhaufen der Geschichte oder in der Hölle.

Das Papsttum hat sich in diesem Punkt vom rigiden Augustin abgewandt und lehrt seitdem ...

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Montag, 30. Januar 2012 - Manifest

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Mütter,

wiederum hat Mutter Merkel alle an die Wand gespielt und das Konkurrenzspiel im Dschungel der Gefühle gewonnen. Die vielen männlichen Kakerlaken, die sie täglich verspeisen muss, die mediale Gülle der Medien, das substanzlose Gezicke der hübscheren Rivalinnen, die alle nur „verzweifelt, bemüht, verstellt“ wirken und „massive Geltungsbedürfnisse haben, sonst nichts“. Sie allein hat alle Männer von Koch über Öttinger bis Wulff gehabt, vernascht und ausgespuckt.

Merkel, „durchtrainiert, eine Kämpferin“, „strahlt Würde aus“, und wirkt stets so, als sei ihr Job „genau das, worauf sie ihr Leben lang aus“ war. Vor nix ekelt sie sich, sie scherzt mit jedem, wirkt immer ausgeglichen, knutscht Sarko, lässt sich von Chirac die biedere Mutterhand küssen. Sie ist immer ganz da, ganz im Moment, die „Big Mama“ des Dschungelcamps in Berlin.

Selbst bösen Moderatoren und Schreiberlingen fällt nichts mehr zu ihr ein. Wo andere nur authentisch posieren, präsentiert Brigitte Nielsen Merkel die „große Kunst, im Politikdschungel selbstbestimmt zu sein. Das macht sie zur wahren Königin.“

Freuet euch, ihr uniform aussehenden Brüder, eure Zeit ist abgelaufen. Ihr seid überfordert, macht euch von hinnen, schiebt verbissen die Kinderwägen und schluckt brav eure Globuli. Die Mütter übernehmen wieder.

Das Matriarchat hat euch 7000 Jahre Vorsprung gelassen, um zu beweisen, was ihr könnt. Außer einer dämlichen Hochkultur, die Natur und Mensch schändet und allen wohlmeinenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treibt, habt ihr nichts zustande gebracht. Macht Platz, ihr ...

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