Philosophische Tagesmails

Mittwoch, 16. Mai 2012 - Authentische Erfahrung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Blonden,

Palästinenser sind selten blond, haben keine schönen Zöpfe, sehen nicht aus wie arische Vorzeigefrauen. Deshalb werden sie bei uns auch weniger beachtet, wenn sie in Hungerstreik treten.

Wenn Palästinenser Raketen über die Grenze schießen, werden sie hierzulande von Leuten, die sehr viel aus der deutschen Geschichte gelernt haben, heftig gescholten. Wenn sie keine schießen, nur ihr Leben durch Hungerstreik gefährden, werden sie ignoriert.

Deutschlands Geschichte wurde von Hungerstreikenden eher weniger geprägt. Bei den Palästinensern werden auch eher selten Fußballeuropameisterschaften ausgetragen, die in ZDF und ARD übertragen werden.

Deshalb hat Frau Timoschenko wesentlich bessere Karten in der deutschen Presse als alle Palästinenser zusammen. Es gibt wichtigere Probleme als Nahost. Fußball zum Beispiel.

Alles schilt die uneinsichtigen griechischen Linken, die partout nicht unterschreiben wollen, dass sich ihr Land krank sparen soll. Ansonsten soll alles bleiben, wie es ist. Die Reichen bezahlen keine Steuern und schippern mit ihren Yachten nach Monaco. Vor der Kamera zeigen sie sich empört über Fragen nach ihrer Steuernehrlichkeit: Diesem Staat geben wir keinen einzigen Cent. Es ist klar, dass ...

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Dienstag, 15. Mai 2012 - Augstein und BILD

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Erinnerung,

wer sich erinnert, wird bestraft. Wer sich der Nakba erinnert, wäre beinahe im Gefängnis gelandet, wenn das entsprechende Gesetz nicht noch abgemildert worden wäre.

Nakba ist die Vertreibung der Palästinenser durch den jungen israelischen Staat im Jahre 1948. Wie die meisten Staaten in der Geschichte ist Israel durch ein kollektives Verbrechen gegen ein anderes Volk entstanden. Das Verbrechen zu revidieren, würde zu einem noch größeren Verbrechen führen.

Durch ihr Menschheitsverbrechen an den Juden neigen die Deutschen dazu, die Umstände der israelischen Staatswerdung nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Niemand fordert heute, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, es würde zu einer Weltkatastrophe führen. Es ist auch nicht möglich, dass alle vertriebenen Palästinenser wieder in ihre frühere Heimat zurückkehren.

Zwar liegt diese Forderung auf dem Tisch, der Sinn der Forderung aber soll lediglich die symbolische Anerkennung sein, dass hier ein Unrecht verübt worden ist.

Doch in Israel ist es verboten, an den Jahrestag der Nakba zu erinnern. Wer es dennoch tut, muss mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Die Uni in Tel Aviv laviert herum, ob sie ...

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Montag, 14. Mai 2012 - Gemüt und Verstand

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

keine einzige Auszeichnung für Frauen beim Henri-Nannen-Preis. Können Frauen nicht schreiben, nicht recherchieren?

Von 17 Senaten wird nur einer von einer Frau geleitet? Können Frauen nicht Recht sprechen?

Einerseits. Andererseits Merkel und Kraft. In der Siegerin vom Ruhrgebiet sehen einige schon die Konkurrentin von Merkel. Doch Provinzfürsten sind noch lange keine Favoriten fürs Ganze: Bruder Johannes, der Beck von der Pfalz, der Stoiber von der Alm. Sie sind auf der Bundesebene nie groß rausgekommen.

In Kraft sieht der Politologe Franz Walter eine Kümmerin, in Merkel die Mutti, beide vermittelten das Gefühl des Wohlbefindens, mit Politik habe das nichts zu tun: „Während die Feuilletons seit Monaten von Partizipation reden, setzen die beiden im Gegenteil aufs Umsorgen – und damit auf Depolitisierung.“

Das sind so Sätze. Politik muss Probleme lösen. Probleme nennt man auf der emotionalen Ebene Sorgen. Wenn Politik nicht dazu da ist, die Sorgen zu verkleinern, ist sie L’art pour l’art – wozu sie tatsächlich geworden ist. Denn Sorgen vermindern würde ja langfristig in die Nähe des Schlaraffenlandes führen: Vorsicht, hier betreten Sie verbotenes Gelände.

Also zurück zu den Sorgen und sie so behandeln, dass sie uns hübsch erhalten bleiben. Man gönnt sich ja sonst nichts, um der Langeweile zu entgehen.

Denselben Effekt kennt jeder Therapeut auf der individuellen Ebene. Da leidet jemand unter seinen Neurosen und will sie loswerden. Doch er ist hell empört, wenn der arrogante Therapeut sich untersteht, ihm ...

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Sonntag, 13. Mai 2012 - Die Verbesserung der Natur

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Natur,

um Natur müssen wir uns keine Sorgen machen, sie kriegt noch den größten Schrott der Menschen klein. Heute ist Muttertag, heute ist Naturtag.

Peter Hahne glaubt an Gott den Vater, doch er muss mulmige Gefühle haben, wenn er den Satz zitiert: Gott kann nicht überall sein, also hat er die Mutter erschaffen. Der Satz ist ausbaufähig. Da Gott nirgendwo ist, ist Mutter Natur überall. Aufgeblasene Götter braucht sie keine, höchstens zum Amüsement.

Wie alle Mütter muss sie den Dreck ihrer Bälger wegräumen. Hier tut sie es, mitten im abscheulichen Abfall sorgt sie für neues Leben.

Über Nacht weiß ich, was ein Badiousches Ereignis ist. Wenn Dortmund die Bayern mit 5:2 nach Hause schickt. Nichts gegen den ehrbaren Wurstfabrikanten an der Spitze der Bayern. Doch wir müssen an die Langzeitfolgen denken.

Verlieren die Krachledernen, verliert demnächst die CSU. Verliert die CSU, hat kein Bayer mehr in den nächsten 500 Jahren die Chance, Papst zu werden. Weshalb die Bayern ganz grantig und endlich zu dem werden, was sie immer schon sind: die lebenslustigsten Heiden im lutherisch verseuchten Deutschland. Nicht umsonst beginnt das Bayernlied mit dem wadlbeißenden Refrain: Hund samma.

Womit wir zwanglos bei Matthias Sammer gelandet wären, dem Demutsprediger des DFB, der seinen Jungstars den Eintritt ins kapitalkräftige Fußballerleben erleichtert, indem er sie auffordert, öffentlich ...

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Samstag, 12. Mai 2012 - Nannen-Farce

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Presse,

man stelle sich eine Presse vor, die durch Qualität überzeugen müsste, nicht durch geldgestützte Macht. Also durch das, was sie selbst nur von Bundespräsidenten erwarten: der Macht des Wortes und der Wahrheit.

Wir hätten eine völlig andere Presselandschaft. Keine Riesenzeitungen, die man in fünf Minuten durchgeblättert hat, weil unendliche Worte um nichts gemacht werden. Papierverschwendung, Holzverschwendung, Raubbau an der Natur.

Der Henri-Nannen-Preis ist der renommierteste Journalistenpreis, wie renommierte Journalisten ihre renommierte Selbstbespiegelungsschau penetrant anpreisen, damit‘s niemand vergisst. Er ist auf den Hund gekommen (verzeiht, ihr Hunde).

Das letzte Jahr die Aberkennung des Preises, weil der Preisempfänger eine Spielzeugeisenbahn beschrieb, die er nicht selber gesehen, sondern nur aus Berichten anderer rekonstruiert hatte. Nach diesem Motto müssten die meisten Fakultäten der Geschichtswissenschaften eingestampft werden.

Pardon, ein Journalist ist nur Tageschreiber. Was den Tag nur um eine Stunde übersteigt, hat keine Chance mehr, in die „Live-Ticker“ zu gelangen. Wie oft liest man inzwischen den Satz: wenn die Zeitzeugen aussterben, wer erzählt uns noch, wie‘s gewesen ist?

Heuer die Auszeichnung der BILD, weil sie ihren Freunderl Wulff nach der Auffahrt im Fahrstuhl wieder mit nach unten zerrte, um ihn waidgerecht zu zerlegen. Ganz unten im Keller, wo sie selber die Messerlein wetzen.

Das ging offenbar nach der Regie des jovialen Markwort: ihr kriegt den Leyendecker von der SZ, dafür kriegen wir die Trophäe für die BILD. Nicht nur die kritische Dame von Panorama (ARD) dealte munter mit, sondern auch ...

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Freitag, 11. Mai 2012 - Kant und Walser

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Provokation,

Freiheit an sich ist schon eine Provokation. Geschweige Meinungsfreiheit. Religionen sind ziemlich empfindlich beim Einstecken, weniger empfindlich beim Austeilen.

Wenn sie durch den Kakao gezogen werden, fühlt sich ihr jeweiliger Gott sofort beleidigt, was schlimmer ist als ein Majestätsverbrechen. Wenn Götter hingegen provozieren, wackelt gleich die Welt und öffnen sich die Schleusen der Höllen. Vor allem Götter mit Alleinstellungsmerkmal.

Jede unfehlbare Religion hat ihre eigene Hölle, hätten wir also schon drei. Wo die sich befinden, hat noch niemand herausgefunden, auf jeden Fall diametral gegenüber den korrespondierenden Himmeln. In den drei Höllen sitzen jeweils die Anhänger der anderen beiden unfehlbaren Religionen und der schäbige Rest der Welt.

Eine Karikatur ist eine Übertreibung, um zu zeigen, was der Fall ist. Ob Mohammed-Karikaturen eine Übertreibung sind, hängt vom Auge des Betrachters ab. Seit ein Däne mit spitzer Feder den Propheten Allahs gezeichnet hat, lebt er in Gefahr.

Das kann nur damit zusammenhängen, dass die Anhänger des Propheten keine großen Freunde der Meinungsfreiheit sind, besonders, wenn es um die Freiheit Andersdenkender geht.

Wenn bestimmte Leute Karikaturen benutzen, um unfehlbare Himmel- und Höllengläubige zu kitzeln, mag das ein unfreundlicher Akt sein, politisch vielleicht sogar unklug, das Grundgesetz aber und die Meinungsfreiheit haben keine Einwände, ergo ist es erlaubt.

Wenn durch Zeigen von Karikaturen Getümmel entsteht, wer ist dann schuld? ...

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Donnerstag, 10. Mai 2012 - Lernen und Lieben

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Schwulen,

mehr als 120 Jahre haben Schwule in Deutschland unter dem Gesetz des § 175 leiden müssen. Zwischen 1872 und 1994 wurden 140 000 Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung mit Gefängnis und Zuchthaus bestraft. Bei den Nazis waren selbst erotische Annäherungen verboten.

Der Nazi-Ungeist wurde von der Adenauer-Republik unverändert übernommen. Faschismus & Christentum sind keine feindlichen Brüder.

Dieselbe deutsche Elite, die sich graecomanisch und platophil gab, das Symposion in der Originalsprache verstand, den philosophischen Eros als geistig-körperliche Leidenschaft zwischen Männern pries, die Frauen aus dem Geschäft des scharf- und tiefsinnigen Denkens verwies, fand es nicht unter ihrer bigotten Würde, die Praxis des Gastmahls als zuchthauswürdig zu ahnden.

Hitler legitimierte die im vollen Licht der deutschen Öffentlichkeit exekutierte Ermordung Röhms mit Entsetzen vor dessen Homosexualität.

Jahrzehntelang durften katholische Priester – der Katholizismus unterstützte flächendeckend die Nazischergen, Hitler war eine Priesternatur mit dem Schwert in der Hand – die ihnen anvertrauten Jugendlichen seelisch und körperlich vergewaltigen.

Das protestantische Pendant war das „Geheime Deutschland“, das unter der Leitung des Dichters Stephan George die Beziehung zwischen Männern messianisch hochwertete, unter dem Diktat der Nazis aber ...

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Mittwoch, 09. Mai 2012 - Faschismus und Europa

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Hochhuths,

den Holocaustleugner David Irving hielt er für einen ehrenwerten Mann. Das käme nahe an das Grass’sche Irrlichtern heran, meint der TAGESSPIEGEL.

Sein Stück „Der Stellvertreter“ habe raffiniert von der Schuld der Deutschen abgelenkt, indem es die Verstrickungen des Papstes mit dem Nationalsozialismus dargestellt habe.

Ist es kein Thema wert, die Verträglichkeit des Heiligen mit dem Unheiligen zu zeigen? War der römische Katholizismus kein Teil der Deutschen?

Aus Protest gegen Grass verlässt Rolf Hochhuth mit Aplomb die Berliner Akademie der Künste. Kaum eine Zunft habe den eigensinnigen Dichter so vehement verteidigt wie die der deutschen Künstler und Schriftsteller: ein „Kreis von ideologisch Gleichgepolten“, meint die Zeitung. In Zeiten dogmatisch verehrter Ungleichheiten wahrhaft ein Sakrileg.

Merkwürdig ist, dass die Gleichgepolten in der Öffentlichkeit kaum zu hören waren, Grassens Gegner aber aus allen Weltteilen angekarrt wurden.

In kleinen übersichtlichen Demokratien gibt es das Forum des Marktplatzes, dort kann jeder seine Meinung kundtun. In großen unübersichtlichen Demokratien gibt es kein zentrales Forum, sondern viele Foren, die in den Händen kapitalstarker Privatiers liegen.

Jeder Zeitungsleser muss sich selbst eine Meinung bilden, ob ...

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