Philosophische Tagesmails

Donnerstag, 28. Juni 2012 - Wahrheitsmonopol

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Integration,

viel zu spät sei die Eingliederung von Immigranten in Deutschland gekommen, dennoch sei sie besser als ihr Ruf, auf der alltäglichen Ebene gar erfolgreicher als in Frankreich und England, meint der renommierte Migrationsforscher Klaus Bade in der TAZ. Die Sarrazin-Debatte habe mit der Realität wenig zu tun gehabt.

Ein interessanter Befund. Danach wären die Deutschen in der Praxis besser als in der Theorie. Was unmittelbar einleuchtet, denn die Mischmoral der herrschenden Religion – das Böse im Dienst des Guten – hat die Majorität der Bevölkerung hinter sich gelassen. Die meisten sind einer Religion entwachsen, deren Janusgesicht sie instinktiv ablehnen, ohne ihre Ablehnung wahrzunehmen oder begründen zu können.

Ihre Kritik besteht im Ignorieren der Heiligen Texte. Die wenigen Fragmente, die sie für Zitate halten, haben sie humanistisch aufgepeppt, ohne die Fälschung „nach oben“ als Fälschung zu erkennen. Doch wer mit sich in Einklang leben will, muss Denken und Handeln in Übereinstimmung bringen. Solange noch zu viele dem Fremdenverächter Sarrazin zujubeln, solange ist die Anerkennung der Fremden als gleichberechtigte Bürger noch nicht verlässlich.

Viel zu spät hätten die Deutschen realisiert, dass sie in einem Einwanderungsland lebten.

Fremde Menschen wollen freiwillig zu uns kommen und mitten unter uns leben? Das schien den Deutschen ...

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Mittwoch, 27. Juni 2012 - Rousseau

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Deutschlands,

Deutschland wird gehasst werden, meint der englische Investor George Soros im SPIEGEL. In drei Monaten, in drei Tagen könnte sich das Schicksal des Euro entscheiden. Wenn das Experiment der europäischen Währungsunion kollabiert, wird’s allen schlecht gehen. Auch der deutschen Wirtschaftslokomotive. Ungeheure Kredite im Ausland werden verloren gehen, die Arbeitslosigkeit wird sprunghaft steigen.

Noch schlechter aber wird’s den wirtschaftlich schwächeren Ländern gehen und sie werden Deutschland hassen, weil es sich weder klug, noch solidarisch gezeigt und den ohnehin leidenden Südstaaten mit auferzwungenen Sparprogrammen die Gurgel zugedrückt hat.

So lange sie lebe, werde es keine Eurobonds geben, erklärte Merkel in suizidaler Laune. Merkel ist zwar Großmutter, hat aber keine eigenen Kinder. Nur missratene Nationalkinder im Euro-Raum, die sie gehörig bestrafen muss, weil sie ökonomisch gesündigt haben.

Was ist der Unterschied zwischen pädagogischen Konsequenzen und irrationalen Strafen? Konsequenzen weisen schnell und prompt auf Fehler hin, gehen aber von lernwilligen Zöglingen aus, die in Zukunft die Fehler meiden werden. Strafen sind göttliche Sanktionen für irreparable Sünder.

Den Unterschied kennt die Pfarrerstochter nicht, sie muss ...

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Dienstag, 26. Juni 2012 - Neoliberale Demokratur

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Brüche im Leben,

bisher sollten Erfolgsmenschen von der Wiege bis zur Bahre aus einem Guss sein. Elegant geschlüpft, just in time gezahnt und windelfrei, die Kita mit Auszeichnung bestanden, verträglich mit Forderung und Förderung, ein bis zwei Klassen übersprungen, synchron mit dem frühzeitigen Abitur europa- und weltkundig, sportlich wie meditativ, von charmantem wie knallhartem Wesen, bereits als Schüler Unternehmen gegründet, Patente angemeldet, nebenbei Familie gegründet und Kinder gezeugt, (Hallodris bringen zuviel Unruhe in den Betrieb), mit 30 das Jungunternehmen an die Börse gebracht, Unternehmer des Jahres – und dann? Bleiben nur noch die Stufen Bill Gates und Gott.

So stellt man sich Überflieger und Karrieristen vor. Doch Vorsicht, die Personalchefs beginnen sich mit den bruchlosen Turbogöttern zu langweilen. Es deutet sich ein Paradigmenwechsel an.

Biografien mit Brüchen sind gefragt. Das sind die mit den Umwegen, Blockaden, dem grandiosen Scheitern, der zweiten Chance, dem heroischen Irrtum. Wie ick den Laden hier kenne, auch der Bruch muss erste Sahne sein. Weniger Dädalus als Ikarus, ein bisschen Absturz sollte schon sein. Aber gekonnt bitte.

Es muss lange her sein, als Japaner noch der Meinung waren, Unternehmen könnten nur ...

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Montag, 25. Juni 2012 - Mutter-Kind-Bindung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Paraguays,

Lugo ist seit kurzem linker Staatschef des südamerikanischen Staats, der faktisch von reichen Landgutbesitzern beherrscht wird, die ihn nun mit Hilfe eines umstrittenen „Parlamentsputschs“ beseitigt haben. Fast alle Nachbarstaaten halten die Amtsenthebung des populären Reformers für illegal.

Der Hoffnungstheologe verbesserte das Gesundheitswesen, bekämpfte die Korruption und war gerade dabei, eine Agrarreform voranzutreiben. Ein Vorhaben, das seine reichen Gegner blockierten. Auch die EU-Außenbeauftragte Ashton steht auf der Seite Lugos.

Kein Grund für den deutschen Entwicklungsminister Niebel, nicht sofort nach Paraguay zu düsen und in postkolonialem Stil dem illegalen Lugo-Nachfolger einen Persilschein auszustellen. Der südamerikanische TAZ-Korrespondent Gerhard Dilger hält das für einen Skandal.

Während in deutschen Medien Niebels fliegender Teppich zum Ereignis hochgespielt wurde, wird seine neoliberale Absegnung rechter Putschisten mit keiner Zeile erwähnt.

 

Schwierige Zeiten für Ägypten. Der neu gewählte Präsident ist zwar Moslembruder Mursi, doch die Militärs scheinen alles im Griff zu haben. Der Weg zur Demokratie ...

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Sonntag, 24. Juni 2012 - Kunst und das Böse

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Chinesen,

weil er „sprachmächtig und unerschrocken gegen Unterdrückung“ schreibe, erhält der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Die deutsche Kunstkritik ist auf dem Gipfel ihrer Schizophrenie angekommen. Inländische Künstler sollen das Böse bedienen, auf keinen Fall den politisch-moralischen Zeigefinger erheben. Ausländische Künstler werden für demokratische Unerschrockenheit ausgezeichnet.

Im Inland wird Aufklärung von einflussreichen Kultur-Rating-Agenten – sprich Feuilletonisten – auf Ramschware herabgestuft, in China wird eine deutsche Kunstausstellung über die Zeit der Aufklärung gezeigt.

Günter Grass wird wegen eines Friedensgedichtes gesteinigt, Ai Weiwei wegen Eintretens für demokratische Zustände in seiner Heimat gerühmt.

Merke: Künstler als Gutmenschen sind weit hinter den Bergen bei den sieben Zwergen notwendig, wir Superdemokraten und Menschenrechtler par excellence brauchen Kunst zum Auslauf unserer unterdrückten Phantasmagorien. Was Horrorfilme und digitale Massakerspiele für Pubertierende, sind verruchte Kunstwerke für dauerpubertierende Ästheten.

Nicht Baudelaires Gedichte „Die Blumen des Bösen“ verherrlichten als erste ...

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Samstag, 23. Juni 2012 - Demokratie und Kapitalismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der USA,

was wäre, wenn die USA nicht mehr führende Weltmacht wäre? Welche Macht träte an ihre Stelle? China, Russland? Europa ganz bestimmt nicht, urteilt harsch und klar Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater Jimmy Carters.

Für ihn ist Europas Zukunft vorbei. Der alte Kontinent war einmal für viele Schwellenländer ein politisches Stimulans, ein vorbildliches Modell, dass uralter Hass unter Nachbarn begraben und stabile übernationale Bündnisse geschlossen werden können. Im Zeichen lebendiger Demokratie und eines menschenrechtlichen und ökologischen Denkens.

Inzwischen lachen die ehemaligen Schwellenländer über ihre Leitbilder von gestern, die nichts anderes mehr zu tun haben, als ihren Zaster zusammenzuhalten, wozu sie gar die Hilfe ihrer Ex-Schützlinge benötigen.

Asylrecht für alle Flüchtlinge und Vertriebene in der Welt, stand einmal im Grundgesetz. Dort steht es immer noch, aber von so vielen Zusatzklauseln eingekesselt und erstickt, dass es zum blanken Hohn seiner selbst geworden ist.

Zur Ökokonferenz nach Rio hat Merkel nicht mal nötig, selbst hinzufahren. G-20-Gipfel sind zu Klassentreffen von Mächtigen verkommen, die nur noch die Macht besitzen, notwendige Reformen zu verhindern. Europa wollte vorbildlich sein, gleichzeitig unterwarf es sich dem Wallstreet-Kapital.

Europa als Modell für die Welt, als Pol der Friedfertigkeit, des wirtschaftlichen Erfolgs und des globalen Einflusses? Das alles ...

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Freitag, 22. Juni 2012 - Schuld und Einsicht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der norwegischen Opfer,

„Breivik schrumpft im Scheinwerferlicht“. Wenn Journalisten keine Wahrnehmungen haben, greifen sie zu Bewertungen, die wie Beobachtungen daherkommen. Das Monster schrumpft: wer hat Breivik denn zum Herrenmenschen gebläht? Sollte es einen solchen gegeben haben, müsste er genannt werden.

Zum Beobachten gehört präzises Benennen. Benennen ist nicht Denunzieren, wir leben nicht im Intrigantentstadl. Was einer geredet und getan hat, dafür muss er auf dem Forum grade stehen.

Stattdessen hören wir immer öfter, Namen wollen wir hier keine nennen. Wer nicht weiß, um wen es geht, gehört nicht zu den Eingeweihten. Die Medien vertiefen den Graben zwischen Wissenden und Unwissenden, anstatt ihn zu überbrücken. Der Prozess gegen den Massenmörder sei vorbildlich geführt worden, schreibt Annette Ramelsberger in der SZ.

Der Prozess habe sich nicht damit begnügt, Licht auf „einzelne strafbare Handlungen“ zu werfen. Er sollte die „fließende Ganzheit des Lebens“ erforschen.

In der Tat, das Außerordentliche erklärt nicht das Leben, das Leben erklärt das Außerordentliche. Wenn das so ist, ist die Frage ...

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Donnerstag, 21. Juni 2012 - Mosebach

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Wahrheit,

vom wem ist die Rede? „Wie dreist er die Welt belogen hat, er hat uns vorgeschwindelt, in Deutschland habe man sich in Kriegsjahren nur mit wärmeliefernden Maschinen beschäftigt, während man inzwischen weiß, dass er mehrere Patente auf Plutoniumbomben erworben hat. Er habe von einem neuen Glauben geredet, der den Menschen mit Feuer und Schwert zu bringen sei. „Wer nicht das Gleiche glaubt wie ich, der muss ausgerottet werden.“

Es ist derselbe Herr, der in der FR zur Lichtgestalt Nachkriegsdeutschlands verklärt wird.

In Deutschland herrscht die Lüge. Am wenigsten bei Politikern, am meisten bei der Intelligenz. Hier wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Da das Gebot „Du sollst nicht lügen“ nicht in den Zehn Geboten steht, ist Lügen erlaubt. Dreist werden historische Wahrheiten ins blanke Gegenteil verkehrt, unangenehme Fakten verschwiegen.

So weiß niemand, dass unsere bekanntesten Dichter und Denker keine Demokraten waren, diese zumeist heftig ablehnten und den Pöbel verabscheuten. Ab der Romantik wurden die meisten zu Faschisten. Zwar waren sie Graecomanen, aber nur vernarrt in Kunst und Mythos der Griechen. Von Demokratie war so gut wie nie die Rede, wird Sokrates ein einziges Mal bei den Weimaranern erwähnt?

Spätestens nach Napoleons Überfall hassten sie die Französische Revolution und alles, was nach Menschenrechten roch. Aus glühenden ...

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