Philosophische Tagesmails

Donnerstag, 26. April 2012 - Universelle und partikulare Moral

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kirche,

woran erkennt man, dass die Kirche wieder obenauf ist? Dass sie ihre Kompromisse mit der toleranten Moderne zurückzieht und auf die unverfälschte Intoleranz wortwörtlicher Texte ihrer heiligen Schriften rekurriert.

Hat sie sich noch vor kurzem mit verfälschten Bibelzitaten dem Zeitgeist angedienert wie: vor Gott sind alle Menschen gleich, oder: „Das ist mein Blut des Bundes, das für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Matth. 26,26 ff), um demokratisches Flair zu verbreiten, ist die Zeit der Koketterie vorbei. Ab jetzt wird wieder wörtlich und selektiv gepredigt.

Das Blut wird nicht mehr für alle, sondern nur für viele vergossen. Genau genommen nur für die Erwählten Gottes. Christen werden ehrlich, wenn sie mächtig werden.

Sie werfen den Mummenschanz der „billigen Gnade“ und kostenlosen Liebe für alle ab und tun offiziell, was sie seit 2000 Jahren zu tun pflegen: sie sortieren die Menschheit nach Spreu und Weizen.

Um die Verwirrung perfekt zu machen, hält der Papst aber an der Deutung fest, dass der Heiland für alle gestorben sei, obgleich der Text eine klare andere Sprache spricht. Was schwarz auf weiß dasteht, kann einen unfehlbaren Schriftdeuter nicht kümmern.

Das „für viele“ sei nur ein Semitismus, der richtig verstanden werden müsse, was auf Deutsch heißt, er muss mit brachialer Gewalt ver-christlicht werden. Womit der heilige Vater seinen Schäfchen zu verstehen geben will, dass nur Juden die Welt spalten, Christus aber sich aller Welt erbarme.

Ein Schelm, wer hier an eine antisemitische Schriftdeutung denkt. Die hebräische Vorlage ...

Weiterlesen...
 

Mittwoch, 25. April 2012 - Wachsen und Ernten

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Isländer,

der isländische Ex-Premier stand vor einem Sondergericht: er habe das Kabinett nicht rechtzeitig über die gefährliche Lage auf dem Finanzmarkt informiert. Freigesprochen. Zwar habe er Fehler gemacht, strafbar aber war das nicht, weil der Zusammenbruch damals ohnehin nicht mehr hätte vermieden werden können.

Kann ein Politiker wegen seiner politischen Entscheidungen juristisch zur Verantwortung gezogen werden?

Hier hilft uns die feinfühlige deutsche Sprache weiter. Verantwortung übernehmen ist Lieblingssport der Politiker, zur Verantwortung gezogen werden: das ist für Leute, die ein weggeworfenes Käsebrötchen unverantwortlich dem Verzehr zuführen und sich damit ein weggeworfenes Eigentum widerrechtlich unter den Nagel reißen.

Sagen wir mal so: mit dem kostbaren Gut, schuldfähig und strafwürdig zu sein, sind die niederen Ränge der gesellschaftlichen Pyramide privilegiert. Die höheren Ränge hingegen mit Schuldunfähigkeit und straffreier Verantwortung schwer bestraft.

Der isländische Ex-Premier überlegt, wegen dieser flagranten Benachteiligung nach Straßburg zu gehen. Nun muss er den Rest seines Lebens unter Gewissenspein und Seelenqualen verbringen, weil er seine Schuld nicht hinter Gittern abarbeiten kann. Wen wundert es, dass zu diesen unmenschlichen Bedingungen immer weniger junge Menschen bereit sind, Politiker zu werden?

Mit einer freiwilligen Obergrenze sollen ...

Weiterlesen...
 

Dienstag, 24. April 2012 - Recht ist eine Wahrheitsleistung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Teufels,

manchmal muss man mit dem Teufel paktieren, wenn man Menschen nützen will, lautet der pragmatische Grundsatz jedes Realpolitikers, auch wenn er zur hohen C-Fraktion gehört.

Macht der Chef im Himmel ja auch nicht anders. „Da sprach der Herr zum Satan: Wohlan, alles, was er hat, ist in deiner Hand! Nur nach ihm selbst recke deine Hand nicht aus.“ (Hiob 1,12) Goethe benutzt die Hiobvorlage als Grundlage für den Faust.

Der Teufel ist immer ein Instrument seines großen Chefs, das Böse muss sich in den Dienst des Guten stellen. Das klingt beruhigend nach Domestizierung des Bösen. Der Teufel wird zum nützlichen Idioten seines überlegenen Gegenspielers, der die Drecks-Aufgaben erledigen muss, die ein wohlwollender Patriarch sich nicht zumuten will.

Das ist die eine Seite der Rechnung. Die andere ist die Absegnung alles Bösen durch die oberste Himmel-Behörde: das Grauen wird satisfaktionsfähig. Das Böse, im Dienst des Guten, kann sich selbst als Gutes ausgeben. Damit ist es unbegrenzt legitimationsfähig. Bei schrecklichsten Verbrechen kann es auf den Stempel des Patriarchen verweisen: „Persönlich geprüft und gebilligt!“

Das ist die zweiköpfige Moral des christlichen Westens und aller Religionen, die das Böse als notwendige Ingredienz des guten Lebens ausgeben. Kinder lernen ...

Weiterlesen...
 

Montag, 23. April 2012 - Espresso und Gefühle

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Entemotionalisierung,

wenn’s der eine tut, zeigt er sein unmenschliches Gesicht, wenn der andere, ist er ein eiskalter Profi: es geht um das beliebige Ausknipsen von Gefühlen, wenn sie hinderlich sind.

Er freue sich darauf, jetzt in sein Auto zu kommen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die wirklich wichtig seien: Reifentemperaturen, Autos, sagte ein deutscher Demokrat mit sensiblem Benzin im Blut namens Vettel. Der Autozirkus-Chef bestätigte: „das hat nichts mit uns zu tun“.

Die Motoren heulten auf in Bahrain, einem Staat, bei dem vor kurzem über 30 Menschen bei Demonstrationen starben und Oppositionelle ins Gefängnis wandern. Auch Schumacher, ein anderer Entemotionalisierer mit hochspezialisierten Gefühlen am Gaspedal ließ sich hören: Wir sind hier, um Sport zu machen, mit Politik haben wir nichts zu tun.

Angehörige einer hochwertig-arbeitsteiligen Kultur zeichnen sich dadurch aus, dass sie gefühls-teilig funktionieren. Sie wissen, wann sie Gefühle zeigen müssen – wenn sie ein Rennen verlieren, kann man schon mal sauer sein oder sogar vor Wut aufheulen –, und wann nicht. Nämlich dann, wenn man seinem Job in einem Staat nachgeht, wo es Andersdenkenden an den Kragen geht.

Da dieser Staat aber für die USA aus militärstrategischen Gründen wichtig ist, ermahnt Hillary Clintons Sprecherin nicht ...

Weiterlesen...
 

Sonntag, 22. April 2012 - Das ganz Andere und das Identische

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

 Hello, Freunde des Erfolgs,

was ist der Unterschied zwischen Wahn und Realität? Wenn der Wahn erfolgreich ist, wird er dekoriert, der Wahn-Sinn zur Realpolitik. Was erfolglos ist, wird bestraft, und muss zurück ins Wahnfach.

Woran erkennt man die Differenz zwischen zukünftigem Helden, Erfinder, Genie und Verrückten? Im embryonalen Zustand überhaupt nicht. Alles klingt unisono verrückt, überspannt, abenteuerlich, erst am Ende entscheidet der pure Erfolg.

Der Erfolgreiche spricht: wer es nicht aushält, in seiner Umgebung als verrückt zu gelten, hat keinen Erfolg verdient. Der große Erfolg ist der Sieg des Verrückten über die phantasie- und risikolose Normalität.

Kein Erfolgreicher, der seine Lebensstory nicht so erzählte: an wie vielen Türen musste ich anklopfen, wie viele Körbe und Absagen, wie viel Ignoranz und Ablehnung musste ich einstecken, bevor sich die ersten Anzeichen des Sieges zeigten.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“, war die Lebenserfahrung Gandhis.

Man könnte variieren: zuerst ignorieren sie dich, dann sind sie entsetzt und halten dich für einen gefährlichen Spinner und bekämpfen dich, dann sehen sie, dass deine Verstiegenheiten, Dreistigkeiten und Brutalitäten ankommen, sich durchsetzen, selbst offizielle Staatsorgane dich heimlich oder offen unterstützen, dann beobachten sie noch eine Weile aus sicherer Entfernung, schließlich ...

Weiterlesen...
 

Samstag, 21. April 2012 - Die Frage nach dem Warum

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Nonnen,

jetzt werden auch noch die frommen Frauen in den USA aufmüpfig und wehren sich gegen den Vatikan. Sie bekämpfen keine Schwulen und sind nicht mehr gegen Abtreibung. Dafür sollen sie unter Kuratel gestellt werden.

Das wird höchste Zeit, sonst werden sie den Männerverein noch auf den Kopf stellen und eine Frau wird demnächst Nachfolgerin unseres Ratzinger.

Heißt es aber nicht: einem Weib gestatte ich nicht, dass sie belehre oder besser wisse als die Männer, oder so? Wie wär‘s mit Petrus: „Gleicherweisen, ihr frommen Frauen, seid untertan euren Männern, damit, auch wenn etliche dem Worte nicht gehorsam sind, sie durch den Wandel ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, wenn sie euren Wandel in aller Scheu und Zucht beobachten.“ (1.Petr. 3,1 f)

Also nicht so viel quasseln, liebwerte Frauen, und wortlos belehren. Das Wort ward zwar Fleisch, doch von Weiberfleisch war nie die Rede, capisco?

Die Männer, denen der Evangelist ohnehin weder Scheu noch Zucht zutraut, haben die Gabe der Rede bekommen, dass sie, wenn sie, wie gehabt, schweineigeln, mit der Kraft des vollmundigen Wortes drüber hinweg hudeln.

Unter solchem Aspekt sollte man unsere charismatischen Rhetoriker mal genauer angucken, welch krumme Dinger sie mit ihren Redekünsten verstecken oder rechtfertigen müssen. Nun verstehen wir, warum ...

Weiterlesen...
 

Freitag, 20. April 2012 - Wahn und Realität

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Muslime,

der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität und gehört somit nicht zu Deutschland“, sagte der Volker in Kauder-welsch. Dann haben wir also den Pluralismus abgelegt und uns eine Mono-Ideologie zugelegt, die man Christentum zu nennen pflegt.

Wie kann man sich über den Satz aufregen, die Medien seien gleichgeschaltet, wenn die ganze deutsche, ja europäische Kultur durch eine durch Kreuz-zur-Krone-Ideologie gleichgeschaltet ist. Da haben wir doch den Großen Schalter, den Augstein nicht sehen wollte: es ist der religiöse Schalter in den Gehirnen.

Eine identische Kultur – von idem, dasselbe, das Gleiche – wäre eine Ajatolla-Kultur, Volker Kauder demnach ein Bibel-Salafist. Kein Verfassungsschützer wird den gemütlichen Schwaben unter die Lupe nehmen.

Linke Großhistoriker wie Wehler und Winkler reden auch nicht anders, wenn sie die Türkei für europa-untauglich erklären, weil dort nicht an jeder Wegkreuzung ein schnuckliges Marterl zu sehen ist.

Hat schon mal ein Ethnologe eine empirische Untersuchung durchgeführt, welch unterschwellige Kollateralfolgen diese vielen Kreuze mit Leichnam auf das unbewusste Leben der Bayern ausüben? Wer das Voralpenvölkchen kennt, muss annehmen, dass es anhand des Kontrastes sich erst recht seines Lebens erfreut.

Dann wäre der Schmerzensmann eher eine paradoxe Intervention als ein direktes Vorbild. Der massenhafte, ...

Weiterlesen...
 

Donnerstag, 19. April 2012 - Der Verbrecher und seine Richter

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Palästinenser,

wer nach Israel fliegen will, um sich für palästinensische Belange einzusetzen, wird von Fluggesellschaften wie Air-France oder der Lufthansa daran gehindert – die im Auftrag israelischer Behörden agieren. Dann fällt es nämlich nicht so auf, wie viele Aktivisten vor Ort abgefangen, in Haft kommen und wieder abgeschoben werden.

Ausländische Firmen als Hilfsbüttel Jerusalems. Man könnte ja Schwierigkeiten bekommen, das Land anfliegen zu dürfen. 40 Mitglieder der Kampagne „Willkommen in Palästina“ sitzen noch in Abschiebehaft.

Entgegen eigenen Prinzipien wirbt Nestle mit Comics und Trickfilmen für überzuckerte Kinderprodukte. Die Lebensmittelindustrie sorgt für Nachschub bei Ärzten, die den Wonneproppen Pillen gegen Übergewicht verpassen.

Jetzt ist es amtlich. Kassenpatienten müssen bei Fachärzten wesentlich länger warten als Privatversicherte. So muss es sein, sagt Futurologe Horx. Gleichheiten sorgen nur für Chaos und Murx. Es muss wieder Unterschiede und Hierarchien geben, Schwarmintelligenz gehört ins Tierische.

Die Rangskala der Rangskalen im Magazin TIME. Immer wieder von SPIEGEL und BILD freudig begrüßt, wenn Angie auf der Liste zu finden ist. Heuer auf Platz 86. Auf Platz 82 ein Benjamin Netanjahu. 89: Hillary Clinton. Der mächtigste Mann der Welt ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 Weiter > Ende >>

Seite 164 von 178