Philosophische Tagesmails

Freitag, 04. Mai 2012 - Der Schrei

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Schreis,

schrei, wenn du kannst. Der Schrei wurde zu einem Rekordpreis verkauft. Das Innere des Menschen auf dem Bild ist mit seinem Äußeren identisch, der Schrei hat seine Maske verloren und zeigt sich nackt.

Als der Hammer fiel, jubelten Charaktermasken und Sektgläser – über den Preis des in Geld erstickten Schreis.

Das Bild wird doch nichts mit unserer Zeit zu tun haben? Der Attentäter aus Norwegen hat das Bild sicherlich gekannt. Hat er geschossen, weil er nicht schreien konnte?

Ist Schrei der innere Seelenzustand des vorbildlichen Norwegens? Oder des nicht schreienden, aber lärmenden Westens, dessen bevorzugtes Geschäftsklima die Kühle und dessen bevorzugtes Gesellschaftsklima die Kälte ist?

Bestimmt phantastisch, von Kühle und Kälte auf Klimaerwärmung zu kommen. Wenn wir schon innerlich frieren, soll‘s wenigstens äußerlich warm hergehen. An Weihnachten ertragen einige nicht mehr das Balgen im Schnee und fliehen ins Tropische. Nennt man eine verführerische Frau heiß, kann sie in der Wertschätzung nicht mehr steigen.

Der Schrei steht in einer Landschaft, die selber schreit. Mensch und Natur schreien: zusammen gegen den Himmel? Gegeneinander, weil sie im Clinch liegen?

Ein Bild kann nicht erklären, wie sich entwickelte, was es in einer Momentaufnahme beschreibt. Fühlt der Mensch sich in Klima und Natur unwohl? Schreit er, weil er in beiden nicht zu Hause ist? Weil er ...

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Donnerstag, 03. Mai 2012 - Maul verstopft

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Palästinenser,

administrare heißt lenken, durchführen, Minister sind Lenker. Eine Administrativhaft ist eine Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren. Das richtige Mittel, um eine besetzte Zone fürsorglich zu lenken und zu leiten.

Von über 4000 einsitzenden Palästinensern befinden sich 322 in Administrativhaft. Es gibt 2000 hungerstreikende palästinensische Häftlinge in Israel. Acht davon sind in Lebensgefahr. Der Palästinenser Diab sitzt seit neun Monaten, sein Landsmann Halahleh seit zwei Jahren in Haft, ohne dass Anklage erhoben wurde. 19 Männer sitzen in Isolationshaft, einer von ihnen seit 12 Jahren.

In einer Isolationshaft werden einem Gefangenen der Kontakt zu anderen Mitgefangenen und diverse Beschäftigungsmöglichkeiten verweigert. Kritiker bezeichnen die Isolationshaft auch als Vernichtungshaft. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Foltermethoden. Zumeist ist Isolationshaft ohne rechtliche Grundlage.

Der TAZ-Artikel enthält sich jeglichen Kommentars.

Das trifft sich gut mit dem neuen Vorsitzenden der Piratenpartei Bernd Schlömer, beruflich ein Untergebener des Verteidigungsministers de Maiziere. Der hat keine Meinung zu Israel.

Das wiederum entzückt den israelischen Ex-Botschafter Shimon Stein, der von einer neuen Sachlichkeit spricht, die bei den Wählern der Piraten Einzug halten könnte. Die Wähler würden die neue wilde Partei gewiss ...

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Mittwoch, 02. Mai 2012 - Gerechter Lohn

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Europas,

die Stichwahl zwischen Hollande und Sarko entscheidet über das weitere Schicksal Europas, meint Robert von Heusinger in der BZ.

Es gibt zwei Hauptübel in der Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit und die Inflation. Wer Inflation durch Sparen bekämpft, muss steigende Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen, wer Arbeitslosigkeit durch steigende Staatsaufgaben bekämpft, riskiert steigende Inflation.

Merkel hat Europa auf eine typisch deutsche, protestantisch-asketische Sparpolitik verpflichtet und Sarko ist ihr gefolgt. Sein Herausforderer Hollande will das Steuer herumwerfen und riskiert lieber mehr Schulden, um die Wirtschaftskräfte zu aktivieren, als durch übermäßiges Bremsen den Karren zum Stehen zu bringen.

Die Wirtschaftspolitik Hollandes sei menschenfreundlicher, meint Heusinger, weil sie die Arbeitslosigkeit verringere und Wachstum fördere. Sie werde von mindestens Zweidritteln aller internationalen Volkswirte unterstützt, aber nicht von den führenden deutschen Ökonomen, die noch immer am Dogma Brünings festhielten, der die Wirtschaftskrise der 30er-Jahre durch Sparen verschärfte und die Machtübernahme durch den Nationalsozialismus erst ermöglichte.

Mag sein, dass unter gegebenen Umständen eine Wachstumspolitik kurzfristig arbeitnehmerfreundlicher ist, langfristig wird kein ewiges Wachstum die Probleme der Wirtschaft lösen.

Die Begriffe Gerechtigkeit, Solidarität und eine notwendig planetarische Ökopolitik sind endgültig aus dem Köcher genommen. Die Wirtschaft will sich mit ...

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Dienstag, 01. Mai 2012 - Quantifiziertes Glück

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Wissens,

was will die Menschheit noch wissen? Und wozu? Ist Wissenwollen ein unendliches Bedürfnis oder kann man sich vorstellen, genug zu wissen? Hat die Menschheit noch Fragen, die sie beantwortet haben will?

Würde man diese vier Fragen einem Zeitgenossen stellen, wären das schon vier zuviel für ihn. Die Gegenwart scheint keine Fragen zu haben, offenbar weiß sie genug oder man hat ihr das Fragen ausgetrieben.

Bei persönlichen Fragen nicht anders. In Krimis arbeiten Kommissare zusammen, die nicht mal wissen, ob ihr Kollege verheiratet ist. Fragt einer danach, wird er misstrauisch angeguckt.

Ganz im Gegensatz zum Moloch Staat, der immer mehr von uns wissen will, bis er alles von uns weiß. Doch dessen Wissenwollen ist kein theoretisches, er will wissen, um uns zu beherrschen. Wissen ist Macht.

Will wenigstens die Wissenschaft noch wissen und warum? Ist sie eine machtsüchtige Organisation, die den Rachen nicht voll kriegt?

Machtgeile Wissenschaftler kennen wir zwar zur Genüge, aber wir möchten sie gern als Ausnahmen betrachten, die die Regel des beschaulichen, leicht skurrilen Grundlagenforschers bestätigen, der um der Erkenntnis willen wissen will.

Der ehemalige Chef der BASF-Forschungsabteilung Stefan Marcinowski hält sich in seinem Abschieds-Interview in der ZEIT mit Grundlagenforschung nicht lange auf. Offensichtlich hat sie für ihn ...

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Montag, 30. April 2012 - Neofeminismus in der Falle

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kitas,

im bösen Sozialismus sollten die Proleten Kinder zeugen, in der Krippe abliefern und die werktätigen Völker gegen die kapitalistischen in volkseigenen Betrieben verteidigen.

Im guten Kapitalismus sollen die Individualisten Kinder zeugen, in den Kitas abliefern und die eigene Nation im Wettbewerb mit allen anderen Nationen vorwärts bringen.

Der liberale Individualismus ist stolz auf die Freiheit der Grundrechte, wozu auch die Erziehung der eigenen Kinder gehört. Bislang war der Besuch von Kindergärten freiwillig, ab dem sechsten Lebensjahr sollte das Kind in die Obhut der Gemeinschaft, lesen und rechnen lernen.

Es ist nicht die Obhut des Staates, wenn die Mehrheit der Bevölkerung solche Maßnahmen für richtig hält. Es ist lebendige Demokratie. Sollte das Volk diese öffentliche Erziehung für falsch halten, müsste sie abgeschafft werden. Ein Staat, der sich dagegen stellen dürfte, kann es in einer funktionierenden Volksherrschaft nicht geben.

In manchen Demokratien gibt es keinen Zwang, Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, dort können sie zu Hause unterrichtet werden. Die Erziehung fällt dann nach Art der Familie aus.

In feudalen Systemen wäre kein Adliger auf die Idee gekommen, seine Kinder ...

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Sonntag, 29. April 2012 - Wer zuletzt lacht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der SPD,

ein früherer SPD-Kanzler heißt Schröder und arbeitet nach seiner Amtszeit für den russischen Giganten Gazprom, der als verlängerter Arm der Kreml-Kleptokratie agiert, behauptet der investigative deutsche Journalist Jürgen Roth. Kleptokratie kann man als Herrschaft der Langfinger übersetzen.

Gazprom sei fest eingebunden in die Machtpolitik der Kreml-Mafia. Osteuropäische Journalisten hätten Angst, dieses Thema zu recherchieren. Der Multi unter dem Diktat Putins schrecke nicht vor Erpressung ganzer Staaten zurück. Bulgarien werde einen kalten Winter erleben, wenn Gazprom nicht im Lande investieren dürfe, mit diesen Worten hatte der Kremlchef die Bulgaren unter Druck gesetzt.

Die Deutschen würden mit ihren Gasrechnungen die Räuberbande stützen und Schröder sei ein Fall von nicht vorhandener politischer Ethik. Er verstieße elementar gegen den folgenden Satz des SPD-Grundsatzprogramms: „Mit ihrer durch Kartelle und Verbände noch gesteigerten Macht gewinnen die führenden Männer der Großwirtschaft einen Einfluss auf Staat und Politik, der mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Sie usurpieren Staatsgewalt.“

Trotz dieser eindeutigen Aussage hielten führende SPD-Granden das Tun des Herrn Schröder für privat. Das zeige deren Feigheit. Die Verkommenheit der öffentlichen Parteien ist kaum noch zu überbieten.

Die SPD hat keine Probleme mit Parteimitgliedern, die unter dem Mäntelchen wissenschaftlicher Ehrbarkeit Minderheiten verhetzen oder sich schamlos ...

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Samstag, 28. April 2012 - Schwulsein

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Drohnen,

wenn sie die Königin begattet haben, sterben sie ab. Entstanden sind sie aus unbefruchteten Eiern, Forscher sprechen von Jungfernzeugung, das haben sie mit menschlichen Erlösern gemein.

Nach der Sommersonnenwende geht es ihnen schlecht, sie werden aus dem Bienenstock hinausgedrängt und müssen kläglich verhungern. Zu ritualistischen Kreuzigungen scheint es noch nicht gekommen zu sein.

Sie sind nur Lust- und Zeugungsobjekte weiblicher Bienen, die sich zu riesigen Königinnen aufblähen. Hat der Mohr seine Dienste getan, kann er gehen.

Präsident Obama wollte der Ungerechtigkeit der Natur nicht länger zusehen und hat die Drohnen ermächtigt, weitab von Amerika unter potentiellen Feinden zurückzuschlagen. Ab jetzt dürfen namentlich unbekannte Personen, die verdächtig erscheinen, von Drohnen im Jemen eliminiert werden.

In der amerikanischen Öffentlichkeit erfährt man über solche Kleinigkeiten so gut wie nichts, weshalb auch schlecht darüber debattiert werden kann. Es ist ja weit ab von der Zivilisation.

Die weltweiten Bienenzüchter haben noch nicht dagegen protestiert, dass ihre nützlichen Besamer vom Pentagon in todbringende Waffen transsubstantiiert wurden. Das Pentagon, zu Deutsch Fünfeck, ließ verlautbaren, dass sie keine Garantie übernehmen für Wesen, die sie mit Sechsecken übertrumpfen wollen.

Die grässliche Natur dient als Vorlage für friedensstiftende Waffen der Menschen. Auch die Bundeswehr ...

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Freitag, 27. April 2012 - Süßer Brei

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kitas,

jeder zweite Kindergarten erhält die Note sechs. Unzureichend. Die Hälfte aller Kindergärten taugt wenig bis nichts. Kein shitstorm in den Medien.

In diese unzulänglichen pädagogischen Einrichtungen sollen die Kinder gebracht werden, damit Mami helfen kann, das BSP noch höher zu schrauben, als es ohnehin schon ist.

Wirtschaftlich gesehen, sind die Deutschen zu tüchtig für ihre unterentwickelten Nachbarn. Sie produzieren und exportieren, dass ihren Partnern Hören und Sehen vergeht. Ihr Überschuss stürzt jene Länder in Schulden, die importieren müssen und kein Geld haben, um die Einfuhren zu bezahlen.

Das Ungleichgewicht zwischen den Ländern wird zu einer Gefährdung der Gesamtwirtschaft. Der Bankrott der Verlierer zieht die Gewinner in Mitleidenschaft, die Schwächsten ziehen die Starken mit ins Verderben, es kommt zur Wirtschaft- und Finanzkrise.

Wer ist dran schuld? Die Mamis, die ihre Bälger loswerden wollen, um die isolierte Kleinfamilie gegen den Absturz ins Bodenlose abzusichern, den Urlaub in Portugal oder das neue Reihenhäuschen zu finanzieren.

Die Memorandum-Gruppe ist die kritische Alternative zum Rat der Weisen. Ausgerechnet im Erfolg der Deutschen sieht sie die Ursache des europäischen Übels. Erfolg als Übel? Kann man denn zu erfolgreich sein?

Das stellt alles auf den Kopf, was uns täglich als Heilsbotschaft in denselben hineingepfropft wird. Was gibt es besseres als Erfolg? ...

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