Philosophische Tagesmails

Samstag, 12. Mai 2012 - Nannen-Farce

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Presse,

man stelle sich eine Presse vor, die durch Qualität überzeugen müsste, nicht durch geldgestützte Macht. Also durch das, was sie selbst nur von Bundespräsidenten erwarten: der Macht des Wortes und der Wahrheit.

Wir hätten eine völlig andere Presselandschaft. Keine Riesenzeitungen, die man in fünf Minuten durchgeblättert hat, weil unendliche Worte um nichts gemacht werden. Papierverschwendung, Holzverschwendung, Raubbau an der Natur.

Der Henri-Nannen-Preis ist der renommierteste Journalistenpreis, wie renommierte Journalisten ihre renommierte Selbstbespiegelungsschau penetrant anpreisen, damit‘s niemand vergisst. Er ist auf den Hund gekommen (verzeiht, ihr Hunde).

Das letzte Jahr die Aberkennung des Preises, weil der Preisempfänger eine Spielzeugeisenbahn beschrieb, die er nicht selber gesehen, sondern nur aus Berichten anderer rekonstruiert hatte. Nach diesem Motto müssten die meisten Fakultäten der Geschichtswissenschaften eingestampft werden.

Pardon, ein Journalist ist nur Tageschreiber. Was den Tag nur um eine Stunde übersteigt, hat keine Chance mehr, in die „Live-Ticker“ zu gelangen. Wie oft liest man inzwischen den Satz: wenn die Zeitzeugen aussterben, wer erzählt uns noch, wie‘s gewesen ist?

Heuer die Auszeichnung der BILD, weil sie ihren Freunderl Wulff nach der Auffahrt im Fahrstuhl wieder mit nach unten zerrte, um ihn waidgerecht zu zerlegen. Ganz unten im Keller, wo sie selber die Messerlein wetzen.

Das ging offenbar nach der Regie des jovialen Markwort: ihr kriegt den Leyendecker von der SZ, dafür kriegen wir die Trophäe für die BILD. Nicht nur die kritische Dame von Panorama (ARD) dealte munter mit, sondern auch ...

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Freitag, 11. Mai 2012 - Kant und Walser

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Provokation,

Freiheit an sich ist schon eine Provokation. Geschweige Meinungsfreiheit. Religionen sind ziemlich empfindlich beim Einstecken, weniger empfindlich beim Austeilen.

Wenn sie durch den Kakao gezogen werden, fühlt sich ihr jeweiliger Gott sofort beleidigt, was schlimmer ist als ein Majestätsverbrechen. Wenn Götter hingegen provozieren, wackelt gleich die Welt und öffnen sich die Schleusen der Höllen. Vor allem Götter mit Alleinstellungsmerkmal.

Jede unfehlbare Religion hat ihre eigene Hölle, hätten wir also schon drei. Wo die sich befinden, hat noch niemand herausgefunden, auf jeden Fall diametral gegenüber den korrespondierenden Himmeln. In den drei Höllen sitzen jeweils die Anhänger der anderen beiden unfehlbaren Religionen und der schäbige Rest der Welt.

Eine Karikatur ist eine Übertreibung, um zu zeigen, was der Fall ist. Ob Mohammed-Karikaturen eine Übertreibung sind, hängt vom Auge des Betrachters ab. Seit ein Däne mit spitzer Feder den Propheten Allahs gezeichnet hat, lebt er in Gefahr.

Das kann nur damit zusammenhängen, dass die Anhänger des Propheten keine großen Freunde der Meinungsfreiheit sind, besonders, wenn es um die Freiheit Andersdenkender geht.

Wenn bestimmte Leute Karikaturen benutzen, um unfehlbare Himmel- und Höllengläubige zu kitzeln, mag das ein unfreundlicher Akt sein, politisch vielleicht sogar unklug, das Grundgesetz aber und die Meinungsfreiheit haben keine Einwände, ergo ist es erlaubt.

Wenn durch Zeigen von Karikaturen Getümmel entsteht, wer ist dann schuld? ...

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Donnerstag, 10. Mai 2012 - Lernen und Lieben

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Schwulen,

mehr als 120 Jahre haben Schwule in Deutschland unter dem Gesetz des § 175 leiden müssen. Zwischen 1872 und 1994 wurden 140 000 Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung mit Gefängnis und Zuchthaus bestraft. Bei den Nazis waren selbst erotische Annäherungen verboten.

Der Nazi-Ungeist wurde von der Adenauer-Republik unverändert übernommen. Faschismus & Christentum sind keine feindlichen Brüder.

Dieselbe deutsche Elite, die sich graecomanisch und platophil gab, das Symposion in der Originalsprache verstand, den philosophischen Eros als geistig-körperliche Leidenschaft zwischen Männern pries, die Frauen aus dem Geschäft des scharf- und tiefsinnigen Denkens verwies, fand es nicht unter ihrer bigotten Würde, die Praxis des Gastmahls als zuchthauswürdig zu ahnden.

Hitler legitimierte die im vollen Licht der deutschen Öffentlichkeit exekutierte Ermordung Röhms mit Entsetzen vor dessen Homosexualität.

Jahrzehntelang durften katholische Priester – der Katholizismus unterstützte flächendeckend die Nazischergen, Hitler war eine Priesternatur mit dem Schwert in der Hand – die ihnen anvertrauten Jugendlichen seelisch und körperlich vergewaltigen.

Das protestantische Pendant war das „Geheime Deutschland“, das unter der Leitung des Dichters Stephan George die Beziehung zwischen Männern messianisch hochwertete, unter dem Diktat der Nazis aber ...

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Mittwoch, 09. Mai 2012 - Faschismus und Europa

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Hochhuths,

den Holocaustleugner David Irving hielt er für einen ehrenwerten Mann. Das käme nahe an das Grass’sche Irrlichtern heran, meint der TAGESSPIEGEL.

Sein Stück „Der Stellvertreter“ habe raffiniert von der Schuld der Deutschen abgelenkt, indem es die Verstrickungen des Papstes mit dem Nationalsozialismus dargestellt habe.

Ist es kein Thema wert, die Verträglichkeit des Heiligen mit dem Unheiligen zu zeigen? War der römische Katholizismus kein Teil der Deutschen?

Aus Protest gegen Grass verlässt Rolf Hochhuth mit Aplomb die Berliner Akademie der Künste. Kaum eine Zunft habe den eigensinnigen Dichter so vehement verteidigt wie die der deutschen Künstler und Schriftsteller: ein „Kreis von ideologisch Gleichgepolten“, meint die Zeitung. In Zeiten dogmatisch verehrter Ungleichheiten wahrhaft ein Sakrileg.

Merkwürdig ist, dass die Gleichgepolten in der Öffentlichkeit kaum zu hören waren, Grassens Gegner aber aus allen Weltteilen angekarrt wurden.

In kleinen übersichtlichen Demokratien gibt es das Forum des Marktplatzes, dort kann jeder seine Meinung kundtun. In großen unübersichtlichen Demokratien gibt es kein zentrales Forum, sondern viele Foren, die in den Händen kapitalstarker Privatiers liegen.

Jeder Zeitungsleser muss sich selbst eine Meinung bilden, ob ...

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Dienstag, 08. Mai 2012 - Handke und Israel

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Reichtums,

Hilde Schramm ist die Tochter Albert Speers: „Mir ist in meinem Leben klar geworden, dass man immer hingucken muss – gestern und heute –, wie verdienen Leute ihr Geld, durch wessen Ausbeutung.

Da bin ich stur an dieser Stelle, und ich sage es noch mal: Der ganze Reichtum, der heute erworben ist, der ist nicht unschuldig – überhaupt nicht. Man sollte sehen, wie viele unterschiedliche Formen von Vorteilsnahme auf Kosten anderer an unserer Geschichte hängen. Sie und du und ich und unsere Nachgeborenen sind die Erben.

Da gibt es natürlich viel Abwehr. Schon allein beim Wort „ZURÜCKGEBEN“. Das ist mit Schulden verbunden, Geborgtes gibt man zurück. Bei zu Unrecht Genommenem kommt die Schuld ins Spiel, für Geraubtes wird Rückgabe gefordert. Damit will niemand etwas zu tun haben, das widerspricht dem Selbstbild der bürgerlichen Ehrvorstellungen.“

Hierzu der ganze Artikel von Gabriele Goettle über Hilde Schramm.

Warren Buffett hat das letzte Jahr seinen Gewinn verdoppelt: mehr als 3,2 Milliarden Dollar. Unter anderem mit Buffetts „legendären Finanzspekulationen“.

ZURÜCKGEBEN! SUBITO!

Hollande wird den Kapitalismus nicht abschaffen, es geht nur um einen kleineren Familienstreit derer, die haben. Mehr sparen – oder mehr auf Pump leben, um den Motor anzuwerfen, dass man, wenn ...

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Montag, 07. Mai 2012 - Schriftsteller und Demokratie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Beobachtung,

die meisten Zeitgenossen haben das Leben zugunsten der Beobachtung eingestellt. Selbst das stimmt nicht. Sie lassen nur beobachten. Von geeigneten Maschinen, die sie ständig mit sich herumführen.

Passiert etwas oder nicht, wird der Fotoapparat, zugleich ein Sprechapparat, vors Auge gehalten, dass es selbst nichts mehr sieht. Es lässt sehen. Das Auge soll aufpassen, dass richtig gesehen wird, obgleich das Auge gar nicht kontrollieren kann, denn es sieht das Original selber nicht.

Gesehen wird dann zu Hause, was der Apparat gesehen hat. Hat man auf den Bildern erkannt, wo man überall gewesen war und was man alles gesehen hat, pardon, hat sehen lassen, kommt Freude und Begeisterung auf, gelegentlich auch Mitgefühl.

Schaut mal, heißt es dann zu Freunden, die an der Beobachtung teilnehmen dürfen, wie es da und dort zugeht. Da liegen Sterbende auf der Straße und kein Mensch kümmert sich um sie. Gibt es nicht schreckliche Zustände auf der Welt?

Beobachten hat den Vorteil, dass man nicht eingreifen muss, wenn etwas passiert, was nicht passieren sollte. Oder nicht passiert, was passieren sollte.

In einem südafrikanischen Tierpark wird eine Frau von einem sonst handzahmen Geparden angegriffen. Da kein Interview mit dem Tier geführt wurde, wissen wir nicht, warum es ausflippte. Vielleicht fühlte es sich zu aufdringlich beobachtet? Vielleicht stimmte die Chemie im Nahbereich nicht? Vielleicht ging ihm ...

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Sonntag, 06. Mai 2012 - Vervollkommnung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Israels,

Uri Avnery vergleicht den Vorgang in Israel gar mit einem Putsch. Eine große Gruppe früherer und jetziger Armeegeneräle, Chefs der Geheimdienste, verurteilt die Drohung der Netanjahu-Regierung, einen Krieg gegen den Iran zu beginnen. Einige kritisieren zudem, dass die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern auf Eis gelegt wurden.

Der Plan, den Iran anzugreifen, würde zu einer weltweiten Katastrophe führen, Israel würde momentan von zwei inkompetenten Politikern geführt, die keinen Kontakt zur Realität hätten und von messianischen Illusionen erfüllt wären.

Netanjahu würde auch die Friedensverhandlungen torpedieren. Kein Angriff werde verhindern, dass der Iran eine Atombombe baue, im Gegenteil, er werde die Bemühungen beschleunigen.

Netanjahus Vater ist gerade im Alter von 102 Jahren gestorben, ein Mann, der von seinem zweiten Sohn Bibi nie überzeugt war und ihn als Premierminister für ungeeignet hielt.

Der alte verbitterte Herr war Historiker mit dem Spezialgebiet für spanische Inquisition, „ein traumatisches Kapitel der jüdischen Geschichte, vergleichbar mit dem Holocaust“, wie Uri schreibt.

Vergleichbar mit dem Holocaust? Mit solchen Sätzen würde man Uri hierzulande aus jeder Partei werfen. Nicht mal die allseits meinungsoffenen Piraten, die sich ansonsten aus dem Thema Israel raushalten – es tut sich dort ja fast nichts –, würden ihn nehmen.

Vater Netanjahu hatte die Meinung vertreten, dass ...

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Samstag, 05. Mai 2012 - Demokratie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der BILD,

die BILD-Zeitung ist für die wichtigste deutsche Journalistenauszeichnung, den Henri-Nannen-Preis, nominiert worden. Sie habe erfolgreich einen Schnäppchenjäger aus dem Amt des Bundespräsidenten gejagt.

Eine wahrhaft meisterliche Leistung, jemanden mit dem Fahrstuhl nach oben zu nehmen, um mit ihm wieder in den Keller zu fahren. Sie könnte auch noch den Börne-Preis bekommen für faires Eintreten zugunsten andersgläubiger Minderheiten und Hartz4-Langzeitparasiten.

Günter Wallraff erhielt Abschiedsbriefe von Leuten, die sich umbrachten, weil BILD sie zuvor medial ein wenig umbrachte.

Alice Schwarzer macht beherzt Reklame für die erfolgreichste Hetzpostille Europas, selbst der ulkige Hermann-Hesse-Verehrer Udo Lindenberg will da nicht abseits stehen. Dank Alice ist die Nackerte von der ersten Seite nach hinten gerutscht. Eine feministische Glanztat.

Auch Tausendsassa Jakob Augstein bemüht sich redlich, in synchronen Schnellschwatzwettbewerben mit Blome, einem BILD-Mann, das Blatt aus der unseriösen Ecke herauszuholen.

Nicht zu vergessen: BILD hetzt auch gern gegen deutsche Gerichte, die Recht sprechen, das dem Volksempfinden der gesund denkenden Redaktion widerspricht.

Insgesamt sollte der Springer-Verlag den Gesamtpreis für die Guten erhalten. Die Begründung hat ...

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