Philosophische Tagesmails

Sonntag, 22. Juli 2012 - Koalition der Verlierer

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Morgenröte,

die Morde in Aurora wären zu verhindern gewesen, wenn alle Besucher das Kino mit Waffen hätten betreten dürfen – sagt ein Waffenlobbyist. So hätten sie sich wirksam zur Wehr setzen können.

Amerika ist das einzige Land der Welt, in dem es mehr Waffen als Menschen gibt. Es ist das Land mit dem größten Ehrgeiz, den Abstand zwischen Sein und Schein zu negieren und mit seinen Fiktionen zur Einheit zu verschmelzen.

Nun wissen wir, was cineastische Ästhetik ist: kein Abklatsch der schnöden Realität durch Zelluloid. Sondern die perfekte Nachahmung des Zelluloids durch die Realität.

Was das Publikum im Film sah, erlebte es synchron in Raum und Zeit. Ein außerordentlicher Triumph für die Alptraumfabrik Hollywood: die Welt wird von ihr neu erschaffen. Im Blut ihrer Zuschauer, die nicht länger passive Beobachter, sondern aktive Tote sein dürfen.

Die beiden Kandidaten schweigen. Sie brauchen die Gelder Hollywoods und der Waffenindustrie zur Finanzierung ihres Wahlkampfs. Laut Hörensagen plant die Filmindustrie schon den nächsten Film mit Realitätsgarantie: die ...

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Samstag, 21. Juli 2012 - Widerstand

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Widerstands,

Claus von Stauffenberg war ein gläubiger Mann, überzeugter Nationalsozialist, Antisemit wie alle Hitler-Christianer, kein Anhänger der parlamentarischen Demokratie – und Attentäter gegen seinen Abgott, nachdem er unter vielen Kämpfen und Gewissensbissen seine lutherische Obrigkeitsidolisierung relativiert hatte.

Warum der preußische Adel so lange benötigte, um gegen den Tyrannen vorzugehen, lag an der Paulusstelle aus Römer 13, die jegliche Obrigkeit als eine gottgewollte unter den Schutz des Höchsten stellte. Nach Paulus kann es keine politische Führungskaste geben, die Böses täte und Gutes verfolgte:

„Denn die Regierenden sind ein Gegenstand der Furcht nicht für den, der Gutes tut, sondern für den Bösen. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? Dann tue das Gute und du wirst Lob von ihr haben, denn Gottes Dienerin ist sie für dich zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich, denn nicht umsonst trägt sie das Schwert; denn Gottes Dienerin ist sie, eine Rächerin zum Zorngericht für den, der das Böse verübt. Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein um des Zornes Gottes willen, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb entrichtet ihr ja auch Steuern. Denn sie sind Diener Gottes, die eben hierzu beständig tätig sind.“

Es kann keinen Text geben, der faschistischer formuliert sein könnte. Regierungen sind immer von Gott. Was sie tun, ist immer gut, wer gegen sie opponiert, ist böse und muss mit dem gerechten Zorn der göttlichen Macht rechnen.

Aufstand, Revolte, Gewaltenteilung – alles Sünden wider Gott persönlich. Das war ...

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Freitag, 20. Juli 2012 - Lernen und Vertrauen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Libyens,

in den ersten freien Wahlen nach 60 Jahren haben nicht die Muslimbrüder, sondern die Liberalen mit einem gemäßigten Islam gewonnen. Die vielen Katastrophenprognosen über den Verfall des Landes nach Sturz des Despoten sind bisher noch nicht eingetreten. Allen Grund, das Ergebnis hierzulande kaum zu erwähnen. Sie werden sich schon noch entlarven, die demokratieunfähigen Araber.

Deutschland liefert Waffen in alle Welt, am liebsten Panzer in autoritäre Staaten und atomfähige U-Boote in Krisengebiete, aber bei der militärischen Verjagung des Diktators standen sie vornehm abseits und ethisch turmhoch über den Verbündeten.

 

Hatte jemand erwartet, dass ein unkontrollierter Verfassungsschutz eine demokratische Mustereinrichtung werden könnte? Das muss ein lustiger Verein gewesen sein, wenn ein Chef sich an seine Berufung nicht mehr erinnern kann, weil er blau war. Wer ihn eingestellt hatte, weiß auch niemand mehr, offenbar befand sich die Regierung in angeheitertem Dauerzustand.

Bei Wein, Weib und Gesang liebten sie die Begleitmusik rhythmischer Schreddermaschinen. Der Vorgesetzte wusste nicht, was seine Geheimagenten trieben, die Geheimagenten wussten nicht, wen sie ...

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Donnerstag, 19. Juli 2012 - Durch Schmerz zum Sieg

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der freien Geographie,

wahrhaft, ein fulminanter Gedanke. Warum erst jetzt? Freiheit darf nicht nur für den schnöden Mammon gelten – in welchem Land dieser Welt er sich zinsgünstig niederlassen will –, sondern auch für bislang als starr und unveränderbare geltende geographischen Verhältnisse.

Die Weltkarte könnte überraschend neu und bunt aussehen, wenn jeder Landkreis, jeder gefühlte Heimatbezirk sich jenen Nationen anschließen könnte, die sie sich als kongeniale Wunschpartner schon immer erwünscht haben.

Wenn Grönland sich von Dänemark enttäuscht zeigt, warum keine friedliche Trennung und sich – dem wärmeren Südafrika anschließen? Eskimos in Bantukostümen, schwarzhäutige Menschen in Iglus: die Welt könnte ganz unvermutete und erstaunliche Perspektiven zeigen. Rumänien hat die Schnauze voll vom autoritären Brüssel? Warum nicht die Anker lichten, über die Weltmeere schippern und in Nordkorea anlegen?

Gleich und gleich gesellt sich gern, Gegensätze ziehen sich: diese elementare psychologische Wahrheit sollte endlich die Grundlage für eine gänzlich neu zusammengesetzte Weltkarte sein, die nicht mehr von geographischen Zwängen, sondern von moderner Flexibilität und Mobilität geprägt wäre.

Die kleine Insel Ikaria im Mittelmeer hat sich entschlossen, dem griechischen Elend zu entgehen und – sich Österreich anzuschließen. Der Wiener Prater, ganz neu lokalisiert auf einer ...

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Mittwoch, 18. Juli 2012 - Nietzsche

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Courage,

Jonathan Enosch aus Israel kann kein echter Jude sein. Er spricht Sätze, die eines Juden nicht würdig sind: „Die Beschneidung ist das am häufigsten akzeptierte Verbrechen in der Geschichte der Welt.“ Ob Beschneidung denn nicht gesundheitsfördernd sei? Das wäre die größte Absurdität. Nach dieser Logik müssten Frauen sich ihre Brüste amputieren lassen, um nicht an Krebs zu erkranken.

Zwei Prozent der israelischen Gesellschaft seien gegen Beschneidung. Die meisten anderen beugten sich dem gesellschaftlichen Druck. Die meisten wüssten gar nicht, was bei der Operation abläuft. Sie sind nicht religiös, essen Schweinefleisch, fahren Auto am Sabbat, doch die Pimmel ihrer Söhne müssen von Jahwe inspiziert und gezeichnet worden sein.

(Immerhin das wichtigste Instrument, um dem göttlich-imperialen Befehl nachzukommen: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über … das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen.“ (Gen. 1,28)

Der Mensch unterscheidet sich vom Rest der Schöpfung dadurch, dass er alles beherrscht. Das Zeichen des Triumphs ist der stolze Phallus, dessen imperialer Ausdehnungsfähigkeit die verborgene Vulva, die unscheinbare weibliche Natur nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat.)

Das Absurde sei, so Enosch, dass Juden und Muslime plötzlich die besten Freunde würden. „Wir waren sehr froh, zu beobachten, dass ein deutsches Gericht das ...

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Dienstag, 17. Juli 2012 - Beschneidung und Vernunft

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Komiker-Nation,

es ist ein Unterschied, ob Deutschland als Komiker-Nation die Welt erheitert oder mit humanen Taten den Unwillen anderer Völker hervorruft. In Atomfragen war es Merkel gleichgültig, was die Welt denkt.

Wäre die ganze Welt despotisch und Deutschland die einzige Demokratie, müsste es den Deutschen einerlei sein, ob geknechtete Nationen sie für Komiker halten. Wäre Deutschland die einzige Nation, die das Recht des Kindes auf ein unbeschädigtes Leben hätte, die Prügelstrafe ablehnte, müsste es den Deutschen gleichgültig sein, ob der Rest der Welt sie für verrückt erklärt.

Als vor wenigen Jahren extreme Mullahs in deutschen Moscheen begannen, die Demokratie zur satanischen Erfindung zu erklären, erhob sich ein Sturm des Widerstands. Demokratie müsse sich gegen Feinde, die sie abschaffen wollten, zur Wehr setzen. Der Multikulti-Begriff wurde zum Synonym einer blauäugigen, wenig selbstbewussten Demokratie, die sich aufgegeben hatte.

Die wehrhafte Demokratie erkühnte sich, der Selbstbestimmung einer Religion, die alles abschaffen wollte, was keine Theokratie war, die Krallen zu beschneiden.

Die Welt hat sich gedreht. Nun erkühnen sich die Religionen, der wehrhaften Demokratie, die nichts dulden will, was nicht Demokratie ist, die gottlosen Krallen zu beschneiden.

Überflüssig zu erwähnen, dass hiesige Medien, die im Zweifel nicht links, sondern ...

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Montag, 16. Juli 2012 - Intelligenztest

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

nun ist passiert, was nie hätte passieren dürfen. Die Frauen haben die Männer in Fragen der Intelligenz überholt. Seit 100 Jahren verstellen sich die Frauen und haben den Herren der Schöpfung großmütig den Vorsprung gelassen. Jetzt zeigen sie rücksichtslos ihr wahres Intelligenzlergesicht.

Nicht nur, dass sie die Kinder kriegen, nun wollen sie auch noch den gottgewollten Unterschied der Geschlechter im Denken und Reden blasphemisch über den Haufen werfen.

Die Frau schweige in der Gemeinde, am Küchentisch und beim Fensterputzen – ach, vorbei sind diese schönen Zeiten. Verlässlich lagen die Frauen bislang mit 5 Punkten hinter den primären Abbildern Gottes.

Die Männer erfanden sogar die Gene, um ihren Vorsprung der Natur in die Schuhe zu schieben und für immer zu zementieren. Selbst diese kleinen Kobolde sollen sich nun verändert haben. Worauf soll in dieser Zeit denn noch Verlass sein, wenn selbst die unwandelbare Natur sich modisch dem Zeitgeist anpassen darf? Sollten Gene wider alle Vorurteile männlicher Wissenschaftler lernfähig geworden sein?

Jetzt erst sollen die Frauen sich ihres vollen geistigen Potentials bewusst geworden sein. Aber das wär doch nicht nötig gewesen. Wer fühlt sich denn jetzt noch zuständig für die Gefühlsabteilung einer Beziehung? Männer, wehrt euch, ...

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Sonntag, 15. Juli 2012 - Dem Menschen ein Mensch

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Algeriens,

der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat als erster arabischer Intellektueller offiziell Israel besucht. In der TAZ hat ihn Reiner Wandler befragt. Sansals Blick ist pessimistisch. In arabischen Ländern habe der Intellektuelle keinen Platz. Es gebe nur die Macht und das Volk. Im Okzident sei der Intellektuelle ein Geschöpf der Aufklärung, das arabische Jahrhundert der Aufklärung stehe noch aus.

(In der Frühzeit der arabischen Philosophie gab es sehr wohl eine Epoche der Aufklärer, Mutaziliten genannt, die vom muslimischen Klerus untergepflügt wurde. So könnte es Europa ergehen.)

Die Intellektuellen würden nie Stellung beziehen und in Schweigen flüchten. Sansal: „Wir müssen uns befreien, von der Macht, der Religion, von der arabo-muslimischen Tradition, die einen Araber dazu zwingt, wie ein Araber zu denken.“

Die arabischen Völker wüssten nicht mehr, woran sie glauben sollen. Sie hätten gesehen, wie westliche Demokratien die Diktaturen unterstützt hätten. Wenn die Völker den Glauben an die Demokratie verlören, könnte das passieren, was in den 30er Jahren in Deutschland geschehen sei, die Faschisten hätten leichtes Spiel.

Was Sansal über die orientalischen Länder sagt, könnte das Zukunftsszenario des Okzidents sein. Der Glaube an Demokratie, Vernunft, Aufklärung sinkt, die Wissenschaft wird zurückgedrängt oder zur ...

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