Philosophische Tagesmails

Sonntag, 20. Mai 2012 - Illusionäre Autonomie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Venezuelas,

eine Genossenschaft ohne Chefs? Mit einem Umsatz von 100 Millionen Dollar jährlich? Ist das ein Traum?

Der Traum lebt in Venezuela, wo auch die außerordentliche Idee verwirklicht wurde, den Kindern der Slums mit Musik eine Perspektive zu bieten. Wer jemals das Jugendorchester Simón Bolívar Youth Orchestra“ erlebt hat, wo Jugendliche, die vorher nie eine Geige oder ein Horn aus der Nähe sahen, sich ihren Instrumenten mit einer Hingabe widmen, wie man es noch nicht gesehen hat, der entdeckt, was Kultur sein kann.

Bei uns ist Kultur zum arbeitsteiligen, in Routine verflachten und ruhmsüchtigen Gewerbe verkommen.

Zur obigen Genossenschaft gehören 50 Basisorganisationen mit rund 20 000 Mitgliedern. Vorgesetzte gibt es nicht, Jobrotation ist üblich, Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Von Chavez hält man sich entfernt. Durch Abbau der Leitungshierarchien und Aufbau von Vertrauen sei die kollektive Energie geradezu explodiert.

Typische Männer- oder Frauenarbeit gibt es nicht, Männer und Frauen wechseln sich ab beim Kloputzen. Kommunikation sehen sie nicht als Arbeit, sondern als Bedürfnis. „Aber wir gehen auch in Parks und machen Liebe, sonst hätten wir keine Kinder.“

Eine Assoziation von Freien und Gleichen mit 10 000en Menschen. Für Hayek eine totalitäre Utopie, in Südamerika eine urdemokratische Realität. Europa muss von anderen lernen. ...

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Samstag, 19. Mai 2012 - Adam Smith

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der NATO,

„smart defense“, kluge Verteidigung: so heißt das neue NATO-Konzept. Das alte Konzept muss demnach weniger klug gewesen sein.

Die riesigen Kosten sollen auf mehr Schultern verteilt werden, fordern die USA. Der Libyen-Einsatz habe gezeigt, dass die Europäer in militärischer Sicht auf die Amerikaner angewiesen seien. Dafür bezahlen aber wollten sie nicht. Das müsse sich ändern, gerade die Deutschen müssten mehr für das Militärische blechen, fordert Washington.

Überhaupt wird geklagt, dass die Deutschen ihre militärischen Einsätze eher reduzieren als ausweiten wollten. Damit würden sie ihrer wirtschaftlichen Macht nicht gerecht.

In Zukunft würde die Notwendigkeit steigen, rund um den Globus mit militärischen Mitteln einzugreifen, um sich seine Ressourcenanteile für das Wachstum der Wirtschaft zu sichern.

Russland fühlt sich derzeit von der NATO umzingelt und verweigert die Zusammenarbeit. Der geplante Raketenschirm sei nicht gegen Russland gerichtet, behauptet hingegen die NATO.

Der deutsche Waffenexport scheint ungebrochen weiterzugehen. Sowohl an Israel als auch an Saudi Arabien. „Ich hätte das nicht so entschieden“, sagte Helmut Schmidt.

Viele Deutsche scheinen nicht mehr zu wollen, dass Hunderttausende von Menschen mit Heckler & Koch getötet oder deutsche Panzer demnächst ...

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Freitag, 18. Mai 2012 - Rechthaben

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Oskars,

die Kunst des Aufhörens beherrscht er nicht. Viele Jahre war er der Einzige unter den Prominenten, der dem aufkommenden Neoliberalismus die Stirne bot, den Mut hatte, die SPD zu verlassen und, zusammen mit Gysi, die Linke-Ost mit der Linken-West zusammenzuführen.

Die Linke wurde stark, weil die SPD sich aufgegeben hatte und bis heute keinen klaren Kurs fährt. Doch auf Dauer kann man nicht von den Defiziten anderer leben.

Die beiden Flügel sind innerlich nicht zusammengewachsen. Oskar geriert sich als Gutsherr, der die Puppen nach Belieben tanzen lässt. Er lässt die Partei zappeln, um seine Unentbehrlichkeit zu zeigen. Akzeptiert keine Gegenkandidatur von Bartsch, will nur genehme Leute in seiner Entourage.

Hier wäre ein Generationswechsel fällig. Noch trauen sich die Frauen nicht, die alten Herren vom Tisch zu fegen.

Es genügt nicht mehr, nur Formeln und Parolen zu skandieren und wären sie noch so berechtigt. Die Wähler wollen mehr hören als nur Nein zu Hartz4. Sie wollen zusammenhängende Gedanken hören über die Lage der Weltpolitik, die ideologische Vergangenheit der Linken, Moral, selbst über Philosophie.

Es ist nicht nur Merkel, die sich stumm durchwurstelt. Keine Partei, die sich traute, über ihren eigenen Tellerrand zu gucken und die großen Themen miteinander zu verbinden. Seit dem Aufbruch der Grünen und der Übernahme grüner Themen durch die anderen Parteien zehren alle aus demselben Einheitstopf.

Der Charme der frühen Grünen war, dass sie ...

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Donnerstag, 17. Mai 2012 - Der Tod der Erfahrung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

der neue mütterliche Politstil hat zugeschlagen. Vor zwei Tagen hatte Heide Simonis noch erklärt, dass nun ein neuer mütterlicher Führungsstil komme.

Es sei eine Politik, die nicht „aggressiv ist und basta sagt, sondern die sagt: Erzähl du doch mal, wie siehst du das, wir erarbeiten die Lösungsvorschläge gemeinsam. Dazu gehört, dass sich Frauen in der Politik nicht so wehtun wie Männer.“

Vielleicht hätte sie sagen sollen: „…nicht so wehtun wie den Männern.“

Ins Bodenlose wird er nicht fallen, aber ins Bedeutungslose. Von den zehn kleinen Negerlein ist jetzt nur noch Ossi de Maiziere übrig. Die Ossis beginnen, die Macht zu übernehmen. Gauck und Merkel haben schon die wichtigsten Posten.

Angesichts der eisernen Mutterstabilität – Merkel ist die neue Frau Bismarck – verlieren die Bubis die Nerven und fangen an, ihren Hallodristil ins Lächerliche zu treiben.

Bubi Röttgen wollte vor kurzem noch Bundesgeschäftsführer des BDI werden und dennoch im Bundestag bleiben, um Wirtschaft und Politik zusammenzuführen. Da protestierten selbst Rogowski und Henkel.

Merkel soll ihrem Intelligentesten zweimal angeboten haben, seinen Rücktritt selbst als freiwilligen zu verkünden. Vergeblich, Bubi wollte den Machtkampf, den er nicht gewinnen konnte. Er war wohl schon in jenem Stadium, das man beratungsresistent nennt. Nach dem alten Spruch: Wen Gott verderben will, den verblendet er zuerst.

Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn muss neu geschrieben werden. Die Profi-Christen scheinen ...

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Mittwoch, 16. Mai 2012 - Authentische Erfahrung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Blonden,

Palästinenser sind selten blond, haben keine schönen Zöpfe, sehen nicht aus wie arische Vorzeigefrauen. Deshalb werden sie bei uns auch weniger beachtet, wenn sie in Hungerstreik treten.

Wenn Palästinenser Raketen über die Grenze schießen, werden sie hierzulande von Leuten, die sehr viel aus der deutschen Geschichte gelernt haben, heftig gescholten. Wenn sie keine schießen, nur ihr Leben durch Hungerstreik gefährden, werden sie ignoriert.

Deutschlands Geschichte wurde von Hungerstreikenden eher weniger geprägt. Bei den Palästinensern werden auch eher selten Fußballeuropameisterschaften ausgetragen, die in ZDF und ARD übertragen werden.

Deshalb hat Frau Timoschenko wesentlich bessere Karten in der deutschen Presse als alle Palästinenser zusammen. Es gibt wichtigere Probleme als Nahost. Fußball zum Beispiel.

Alles schilt die uneinsichtigen griechischen Linken, die partout nicht unterschreiben wollen, dass sich ihr Land krank sparen soll. Ansonsten soll alles bleiben, wie es ist. Die Reichen bezahlen keine Steuern und schippern mit ihren Yachten nach Monaco. Vor der Kamera zeigen sie sich empört über Fragen nach ihrer Steuernehrlichkeit: Diesem Staat geben wir keinen einzigen Cent. Es ist klar, dass ...

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Dienstag, 15. Mai 2012 - Augstein und BILD

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Erinnerung,

wer sich erinnert, wird bestraft. Wer sich der Nakba erinnert, wäre beinahe im Gefängnis gelandet, wenn das entsprechende Gesetz nicht noch abgemildert worden wäre.

Nakba ist die Vertreibung der Palästinenser durch den jungen israelischen Staat im Jahre 1948. Wie die meisten Staaten in der Geschichte ist Israel durch ein kollektives Verbrechen gegen ein anderes Volk entstanden. Das Verbrechen zu revidieren, würde zu einem noch größeren Verbrechen führen.

Durch ihr Menschheitsverbrechen an den Juden neigen die Deutschen dazu, die Umstände der israelischen Staatswerdung nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Niemand fordert heute, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, es würde zu einer Weltkatastrophe führen. Es ist auch nicht möglich, dass alle vertriebenen Palästinenser wieder in ihre frühere Heimat zurückkehren.

Zwar liegt diese Forderung auf dem Tisch, der Sinn der Forderung aber soll lediglich die symbolische Anerkennung sein, dass hier ein Unrecht verübt worden ist.

Doch in Israel ist es verboten, an den Jahrestag der Nakba zu erinnern. Wer es dennoch tut, muss mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Die Uni in Tel Aviv laviert herum, ob sie ...

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Montag, 14. Mai 2012 - Gemüt und Verstand

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

keine einzige Auszeichnung für Frauen beim Henri-Nannen-Preis. Können Frauen nicht schreiben, nicht recherchieren?

Von 17 Senaten wird nur einer von einer Frau geleitet? Können Frauen nicht Recht sprechen?

Einerseits. Andererseits Merkel und Kraft. In der Siegerin vom Ruhrgebiet sehen einige schon die Konkurrentin von Merkel. Doch Provinzfürsten sind noch lange keine Favoriten fürs Ganze: Bruder Johannes, der Beck von der Pfalz, der Stoiber von der Alm. Sie sind auf der Bundesebene nie groß rausgekommen.

In Kraft sieht der Politologe Franz Walter eine Kümmerin, in Merkel die Mutti, beide vermittelten das Gefühl des Wohlbefindens, mit Politik habe das nichts zu tun: „Während die Feuilletons seit Monaten von Partizipation reden, setzen die beiden im Gegenteil aufs Umsorgen – und damit auf Depolitisierung.“

Das sind so Sätze. Politik muss Probleme lösen. Probleme nennt man auf der emotionalen Ebene Sorgen. Wenn Politik nicht dazu da ist, die Sorgen zu verkleinern, ist sie L’art pour l’art – wozu sie tatsächlich geworden ist. Denn Sorgen vermindern würde ja langfristig in die Nähe des Schlaraffenlandes führen: Vorsicht, hier betreten Sie verbotenes Gelände.

Also zurück zu den Sorgen und sie so behandeln, dass sie uns hübsch erhalten bleiben. Man gönnt sich ja sonst nichts, um der Langeweile zu entgehen.

Denselben Effekt kennt jeder Therapeut auf der individuellen Ebene. Da leidet jemand unter seinen Neurosen und will sie loswerden. Doch er ist hell empört, wenn der arrogante Therapeut sich untersteht, ihm ...

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Sonntag, 13. Mai 2012 - Die Verbesserung der Natur

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Natur,

um Natur müssen wir uns keine Sorgen machen, sie kriegt noch den größten Schrott der Menschen klein. Heute ist Muttertag, heute ist Naturtag.

Peter Hahne glaubt an Gott den Vater, doch er muss mulmige Gefühle haben, wenn er den Satz zitiert: Gott kann nicht überall sein, also hat er die Mutter erschaffen. Der Satz ist ausbaufähig. Da Gott nirgendwo ist, ist Mutter Natur überall. Aufgeblasene Götter braucht sie keine, höchstens zum Amüsement.

Wie alle Mütter muss sie den Dreck ihrer Bälger wegräumen. Hier tut sie es, mitten im abscheulichen Abfall sorgt sie für neues Leben.

Über Nacht weiß ich, was ein Badiousches Ereignis ist. Wenn Dortmund die Bayern mit 5:2 nach Hause schickt. Nichts gegen den ehrbaren Wurstfabrikanten an der Spitze der Bayern. Doch wir müssen an die Langzeitfolgen denken.

Verlieren die Krachledernen, verliert demnächst die CSU. Verliert die CSU, hat kein Bayer mehr in den nächsten 500 Jahren die Chance, Papst zu werden. Weshalb die Bayern ganz grantig und endlich zu dem werden, was sie immer schon sind: die lebenslustigsten Heiden im lutherisch verseuchten Deutschland. Nicht umsonst beginnt das Bayernlied mit dem wadlbeißenden Refrain: Hund samma.

Womit wir zwanglos bei Matthias Sammer gelandet wären, dem Demutsprediger des DFB, der seinen Jungstars den Eintritt ins kapitalkräftige Fußballerleben erleichtert, indem er sie auffordert, öffentlich ...

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