Philosophische Tagesmails

Montag, 25. Juni 2012 - Mutter-Kind-Bindung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Paraguays,

Lugo ist seit kurzem linker Staatschef des südamerikanischen Staats, der faktisch von reichen Landgutbesitzern beherrscht wird, die ihn nun mit Hilfe eines umstrittenen „Parlamentsputschs“ beseitigt haben. Fast alle Nachbarstaaten halten die Amtsenthebung des populären Reformers für illegal.

Der Hoffnungstheologe verbesserte das Gesundheitswesen, bekämpfte die Korruption und war gerade dabei, eine Agrarreform voranzutreiben. Ein Vorhaben, das seine reichen Gegner blockierten. Auch die EU-Außenbeauftragte Ashton steht auf der Seite Lugos.

Kein Grund für den deutschen Entwicklungsminister Niebel, nicht sofort nach Paraguay zu düsen und in postkolonialem Stil dem illegalen Lugo-Nachfolger einen Persilschein auszustellen. Der südamerikanische TAZ-Korrespondent Gerhard Dilger hält das für einen Skandal.

Während in deutschen Medien Niebels fliegender Teppich zum Ereignis hochgespielt wurde, wird seine neoliberale Absegnung rechter Putschisten mit keiner Zeile erwähnt.

 

Schwierige Zeiten für Ägypten. Der neu gewählte Präsident ist zwar Moslembruder Mursi, doch die Militärs scheinen alles im Griff zu haben. Der Weg zur Demokratie ...

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Sonntag, 24. Juni 2012 - Kunst und das Böse

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Chinesen,

weil er „sprachmächtig und unerschrocken gegen Unterdrückung“ schreibe, erhält der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Die deutsche Kunstkritik ist auf dem Gipfel ihrer Schizophrenie angekommen. Inländische Künstler sollen das Böse bedienen, auf keinen Fall den politisch-moralischen Zeigefinger erheben. Ausländische Künstler werden für demokratische Unerschrockenheit ausgezeichnet.

Im Inland wird Aufklärung von einflussreichen Kultur-Rating-Agenten – sprich Feuilletonisten – auf Ramschware herabgestuft, in China wird eine deutsche Kunstausstellung über die Zeit der Aufklärung gezeigt.

Günter Grass wird wegen eines Friedensgedichtes gesteinigt, Ai Weiwei wegen Eintretens für demokratische Zustände in seiner Heimat gerühmt.

Merke: Künstler als Gutmenschen sind weit hinter den Bergen bei den sieben Zwergen notwendig, wir Superdemokraten und Menschenrechtler par excellence brauchen Kunst zum Auslauf unserer unterdrückten Phantasmagorien. Was Horrorfilme und digitale Massakerspiele für Pubertierende, sind verruchte Kunstwerke für dauerpubertierende Ästheten.

Nicht Baudelaires Gedichte „Die Blumen des Bösen“ verherrlichten als erste ...

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Samstag, 23. Juni 2012 - Demokratie und Kapitalismus

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der USA,

was wäre, wenn die USA nicht mehr führende Weltmacht wäre? Welche Macht träte an ihre Stelle? China, Russland? Europa ganz bestimmt nicht, urteilt harsch und klar Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater Jimmy Carters.

Für ihn ist Europas Zukunft vorbei. Der alte Kontinent war einmal für viele Schwellenländer ein politisches Stimulans, ein vorbildliches Modell, dass uralter Hass unter Nachbarn begraben und stabile übernationale Bündnisse geschlossen werden können. Im Zeichen lebendiger Demokratie und eines menschenrechtlichen und ökologischen Denkens.

Inzwischen lachen die ehemaligen Schwellenländer über ihre Leitbilder von gestern, die nichts anderes mehr zu tun haben, als ihren Zaster zusammenzuhalten, wozu sie gar die Hilfe ihrer Ex-Schützlinge benötigen.

Asylrecht für alle Flüchtlinge und Vertriebene in der Welt, stand einmal im Grundgesetz. Dort steht es immer noch, aber von so vielen Zusatzklauseln eingekesselt und erstickt, dass es zum blanken Hohn seiner selbst geworden ist.

Zur Ökokonferenz nach Rio hat Merkel nicht mal nötig, selbst hinzufahren. G-20-Gipfel sind zu Klassentreffen von Mächtigen verkommen, die nur noch die Macht besitzen, notwendige Reformen zu verhindern. Europa wollte vorbildlich sein, gleichzeitig unterwarf es sich dem Wallstreet-Kapital.

Europa als Modell für die Welt, als Pol der Friedfertigkeit, des wirtschaftlichen Erfolgs und des globalen Einflusses? Das alles ...

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Freitag, 22. Juni 2012 - Schuld und Einsicht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der norwegischen Opfer,

„Breivik schrumpft im Scheinwerferlicht“. Wenn Journalisten keine Wahrnehmungen haben, greifen sie zu Bewertungen, die wie Beobachtungen daherkommen. Das Monster schrumpft: wer hat Breivik denn zum Herrenmenschen gebläht? Sollte es einen solchen gegeben haben, müsste er genannt werden.

Zum Beobachten gehört präzises Benennen. Benennen ist nicht Denunzieren, wir leben nicht im Intrigantentstadl. Was einer geredet und getan hat, dafür muss er auf dem Forum grade stehen.

Stattdessen hören wir immer öfter, Namen wollen wir hier keine nennen. Wer nicht weiß, um wen es geht, gehört nicht zu den Eingeweihten. Die Medien vertiefen den Graben zwischen Wissenden und Unwissenden, anstatt ihn zu überbrücken. Der Prozess gegen den Massenmörder sei vorbildlich geführt worden, schreibt Annette Ramelsberger in der SZ.

Der Prozess habe sich nicht damit begnügt, Licht auf „einzelne strafbare Handlungen“ zu werfen. Er sollte die „fließende Ganzheit des Lebens“ erforschen.

In der Tat, das Außerordentliche erklärt nicht das Leben, das Leben erklärt das Außerordentliche. Wenn das so ist, ist die Frage ...

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Donnerstag, 21. Juni 2012 - Mosebach

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Wahrheit,

vom wem ist die Rede? „Wie dreist er die Welt belogen hat, er hat uns vorgeschwindelt, in Deutschland habe man sich in Kriegsjahren nur mit wärmeliefernden Maschinen beschäftigt, während man inzwischen weiß, dass er mehrere Patente auf Plutoniumbomben erworben hat. Er habe von einem neuen Glauben geredet, der den Menschen mit Feuer und Schwert zu bringen sei. „Wer nicht das Gleiche glaubt wie ich, der muss ausgerottet werden.“

Es ist derselbe Herr, der in der FR zur Lichtgestalt Nachkriegsdeutschlands verklärt wird.

In Deutschland herrscht die Lüge. Am wenigsten bei Politikern, am meisten bei der Intelligenz. Hier wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Da das Gebot „Du sollst nicht lügen“ nicht in den Zehn Geboten steht, ist Lügen erlaubt. Dreist werden historische Wahrheiten ins blanke Gegenteil verkehrt, unangenehme Fakten verschwiegen.

So weiß niemand, dass unsere bekanntesten Dichter und Denker keine Demokraten waren, diese zumeist heftig ablehnten und den Pöbel verabscheuten. Ab der Romantik wurden die meisten zu Faschisten. Zwar waren sie Graecomanen, aber nur vernarrt in Kunst und Mythos der Griechen. Von Demokratie war so gut wie nie die Rede, wird Sokrates ein einziges Mal bei den Weimaranern erwähnt?

Spätestens nach Napoleons Überfall hassten sie die Französische Revolution und alles, was nach Menschenrechten roch. Aus glühenden ...

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Mittwoch, 20. Juni 2012 - Hymne und Hayek

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Karlsruhes,

schon zum dritten Mal in diesem Jahr musste Karlsruhe die Regierung daran erinnern, dass wir in einer Demokratie leben. Die Berliner Regierung hat anderes zu tun, als sich mit solchen Marginalien abzugeben und tat erfreut über die Erinnerungshilfe.

Beide Gewalten haben vereinbart, dass Karlsruhe halbjährlich der Regierung ein aide-memoire zukommen lässt: wir leben noch immer in einer Demokratie, lasst das Parlament mitreden. Wen? Die Regierung konnte nicht versprechen, die Gedächtnishilfe zu implementieren. Sie ist ohnehin damit ausgelastet, Konferenzen in der ganzen Welt zu besuchen, um die sogenannte Rettung der Welt zu hintertreiben oder die Finanzkrise als Dauerphänomen einzurichten.

Krise für wen? pflegen jene zu lachen, die von der Finanzkrise profitieren. Kann es eine Krise geben, wenn der Mammon in der Welt schon zum Ozean angeschwollen ist? Man muss ihn nur dorthin leiten, wohin er von Natur aus gehört: zu uns. Den einen die Krise, den andern das Gegenteil, schlagen sie sich krachend auf die Schenkel.

Der Klub der Millionäre wächst erfreulich, allerdings ist er beunruhigt über Milliardenverluste in ihren Verkaufsläden. Der neidische Pöbel klaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Es wird Zeit, dass wir den Klerus wieder stärken, um die Moral der verkommenen Schichten an die Leine zu nehmen, sagen die Millionäre. Was machen die Popen eigentlich den ganzen Tag, wenn es ...

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Dienstag, 19. Juni 2012 - Lernen mit Lust

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Luthers,

Frau Merkel gegen den Rest der Welt. Das muss nicht bedeuten, dass sie falsch liegt. Die aristotelische Mitte ist ein Klugheitshinweis, keine klare und unmissverständliche Regel. Es muss auch nicht bedeuten, dass sie lutherisch richtig liegt: hier steh ich, ich kann nicht anders. Und wenn die Welt voll Teufel wär, wäre ich der einzige Tugendheld.

Würde ich ständig nach einer Mitte suchen, müsste ich die Geschwister Scholl aus meiner Liste der Vorbilder streichen. Sie gehörten zu einer Nanominderheit der Unheilsgesellschaft.

Mitte von was? Welcher Gesellschaft? Aus welcher Epoche? Müsste ich heute nicht die ganze Menschheit im Auge zu haben, um eine sinnvolle Mitte auszupendeln? Dann landete ich in der Nähe chinesischer Verhaltensweisen, die mittlerweilen selbst zwischen Kollektivismus, Kapitalismus und Konfuzius zerrissen sind, sodass ich moderne Mathematik und Demografie studieren müsste, um eine Diagonale zu finden.

Nichts leichter als zwei Extreme zu finden, um jene Mitte anzupeilen, die ich schon vorher im Auge hatte. Ist eine vertretbare Form des Reichseins die Mitte zwischen Bill Gates und den Gebrüdern Aldi? Die Mitte zwischen westlichem Milliardär und Hungerleider aus Bangladesh? Wäre die richtige Form der Zivilcourage die Mitte zwischen meinem apolitischen Nachbarn zur Linken und meinem linksextremen Agitator zur Rechten?

Ist Kompromiss ein Synonym für Mitte? Kompromisse sind Verhandlungssache, oft das Ergebnis ...

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Montag, 18. Juni 2012 - Vater Geist, Mutter Materie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Eliteforscher,

die Exzellenzinitiative ist ein Versuch der brillanten Frau Schavan, mit wenig Geld die Universitäten anzureizen, unter Aufsicht vorwiegend angelsächsischer Bewerter sich wissenschaftlicher Modethemen wie Nanotechnologie anzunehmen, damit Professoren einen Vorwand haben, sich nicht der Lehre und den ohnehin zu vielen Studenten zu widmen (die bekanntlich eh nicht studieren, sondern nur Diplome und Scheine kassieren wollen), das Klima zwischen den Universitäten zu vermiesen, selbst bei jenen, die exzellent geworden sind, aber nur im nationalen Bereich, denn international haben deutsche Unis eh nichts zu melden, weil angelsächsische Gutachter Kriterien wie Geld und die Anzahl von Nobelpreisträgern entwickelt haben, damit amerikanische Unis auf den ersten Plätzen landen, weshalb in deutschen Unis nicht nur die Grundlagenforschung vernachlässigt wird, sondern auch die obengenannten Studiosi in die Röhre gucken. Sagt Eliteforscher Michael Hartmann aus Darmstadt.

Freiburg ist beim Exzellenzwettbewerb aus der ersten Liga abgestiegen, was nur an den Gemütlichkeitsfallen liegen kann, die überall in der Stadt aufgestellt sind, besonders an der Dreisam, wo Studenten, kaum ist der erste Sonnenstrahl da, die Ufer des Flüsschens dekorieren, darunter mindestens zwei Drittel, die nicht mal den Anschein erwecken, ein Buch in der Hand zu halten, und wenn, dann ein so dickes, dass es nur ein Pilcherroman sein kann, weshalb sie sich nicht wundern sollten, warum sie inzwischen nur semi-exzellent sind, was eine Riesenschande für die ganze Stadt ist, die an einer der schönsten Stellen zwischen Wald und Fluss eine private Eliteuni einrichten wollte, doch wer von der intelligenten Jugend der Welt wollte jetzt noch viel Geld für eine spitzenmäßige Bildung ausgeben, wenn das ganze Klima in der Stadt immer gemütlicher, also bildungsfeindlicher wird und die Uni noch nicht mal auf die Idee gekommen ist, das hochbrisante Thema: „Gibt es einen inhärenten Antagonismus zwischen platonischem und südbadischem Eros, resp. zwischen Bildung und Gemütlichkeit, und wenn ja, sind deshalb die amerikanischen Unis so exzellent, weil sie weder die Sache noch den Begriff Gemütlichkeit kennen und wäre es deshalb nicht sinnvoller, lieber einen Gutedel zu begutachten, als in Silicon-Valley Weltraumforschung zu betreiben oder gar einen völkerrechtswidrigen und militanten Stuxnet zu installieren, der die Iraner noch mehr motiviert, ihr Atomprogramm voranzutreiben?“ als Forschungsthema zu vergeben.

Jetzt ist es für alles zu spät, die ganze Stadt heult. Wenigstens ...

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