Philosophische Tagesmails

Sonntag, 29. April 2012 - Wer zuletzt lacht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der SPD,

ein früherer SPD-Kanzler heißt Schröder und arbeitet nach seiner Amtszeit für den russischen Giganten Gazprom, der als verlängerter Arm der Kreml-Kleptokratie agiert, behauptet der investigative deutsche Journalist Jürgen Roth. Kleptokratie kann man als Herrschaft der Langfinger übersetzen.

Gazprom sei fest eingebunden in die Machtpolitik der Kreml-Mafia. Osteuropäische Journalisten hätten Angst, dieses Thema zu recherchieren. Der Multi unter dem Diktat Putins schrecke nicht vor Erpressung ganzer Staaten zurück. Bulgarien werde einen kalten Winter erleben, wenn Gazprom nicht im Lande investieren dürfe, mit diesen Worten hatte der Kremlchef die Bulgaren unter Druck gesetzt.

Die Deutschen würden mit ihren Gasrechnungen die Räuberbande stützen und Schröder sei ein Fall von nicht vorhandener politischer Ethik. Er verstieße elementar gegen den folgenden Satz des SPD-Grundsatzprogramms: „Mit ihrer durch Kartelle und Verbände noch gesteigerten Macht gewinnen die führenden Männer der Großwirtschaft einen Einfluss auf Staat und Politik, der mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Sie usurpieren Staatsgewalt.“

Trotz dieser eindeutigen Aussage hielten führende SPD-Granden das Tun des Herrn Schröder für privat. Das zeige deren Feigheit. Die Verkommenheit der öffentlichen Parteien ist kaum noch zu überbieten.

Die SPD hat keine Probleme mit Parteimitgliedern, die unter dem Mäntelchen wissenschaftlicher Ehrbarkeit Minderheiten verhetzen oder sich schamlos ...

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Samstag, 28. April 2012 - Schwulsein

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Drohnen,

wenn sie die Königin begattet haben, sterben sie ab. Entstanden sind sie aus unbefruchteten Eiern, Forscher sprechen von Jungfernzeugung, das haben sie mit menschlichen Erlösern gemein.

Nach der Sommersonnenwende geht es ihnen schlecht, sie werden aus dem Bienenstock hinausgedrängt und müssen kläglich verhungern. Zu ritualistischen Kreuzigungen scheint es noch nicht gekommen zu sein.

Sie sind nur Lust- und Zeugungsobjekte weiblicher Bienen, die sich zu riesigen Königinnen aufblähen. Hat der Mohr seine Dienste getan, kann er gehen.

Präsident Obama wollte der Ungerechtigkeit der Natur nicht länger zusehen und hat die Drohnen ermächtigt, weitab von Amerika unter potentiellen Feinden zurückzuschlagen. Ab jetzt dürfen namentlich unbekannte Personen, die verdächtig erscheinen, von Drohnen im Jemen eliminiert werden.

In der amerikanischen Öffentlichkeit erfährt man über solche Kleinigkeiten so gut wie nichts, weshalb auch schlecht darüber debattiert werden kann. Es ist ja weit ab von der Zivilisation.

Die weltweiten Bienenzüchter haben noch nicht dagegen protestiert, dass ihre nützlichen Besamer vom Pentagon in todbringende Waffen transsubstantiiert wurden. Das Pentagon, zu Deutsch Fünfeck, ließ verlautbaren, dass sie keine Garantie übernehmen für Wesen, die sie mit Sechsecken übertrumpfen wollen.

Die grässliche Natur dient als Vorlage für friedensstiftende Waffen der Menschen. Auch die Bundeswehr ...

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Freitag, 27. April 2012 - Süßer Brei

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kitas,

jeder zweite Kindergarten erhält die Note sechs. Unzureichend. Die Hälfte aller Kindergärten taugt wenig bis nichts. Kein shitstorm in den Medien.

In diese unzulänglichen pädagogischen Einrichtungen sollen die Kinder gebracht werden, damit Mami helfen kann, das BSP noch höher zu schrauben, als es ohnehin schon ist.

Wirtschaftlich gesehen, sind die Deutschen zu tüchtig für ihre unterentwickelten Nachbarn. Sie produzieren und exportieren, dass ihren Partnern Hören und Sehen vergeht. Ihr Überschuss stürzt jene Länder in Schulden, die importieren müssen und kein Geld haben, um die Einfuhren zu bezahlen.

Das Ungleichgewicht zwischen den Ländern wird zu einer Gefährdung der Gesamtwirtschaft. Der Bankrott der Verlierer zieht die Gewinner in Mitleidenschaft, die Schwächsten ziehen die Starken mit ins Verderben, es kommt zur Wirtschaft- und Finanzkrise.

Wer ist dran schuld? Die Mamis, die ihre Bälger loswerden wollen, um die isolierte Kleinfamilie gegen den Absturz ins Bodenlose abzusichern, den Urlaub in Portugal oder das neue Reihenhäuschen zu finanzieren.

Die Memorandum-Gruppe ist die kritische Alternative zum Rat der Weisen. Ausgerechnet im Erfolg der Deutschen sieht sie die Ursache des europäischen Übels. Erfolg als Übel? Kann man denn zu erfolgreich sein?

Das stellt alles auf den Kopf, was uns täglich als Heilsbotschaft in denselben hineingepfropft wird. Was gibt es besseres als Erfolg? ...

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Donnerstag, 26. April 2012 - Universelle und partikulare Moral

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kirche,

woran erkennt man, dass die Kirche wieder obenauf ist? Dass sie ihre Kompromisse mit der toleranten Moderne zurückzieht und auf die unverfälschte Intoleranz wortwörtlicher Texte ihrer heiligen Schriften rekurriert.

Hat sie sich noch vor kurzem mit verfälschten Bibelzitaten dem Zeitgeist angedienert wie: vor Gott sind alle Menschen gleich, oder: „Das ist mein Blut des Bundes, das für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Matth. 26,26 ff), um demokratisches Flair zu verbreiten, ist die Zeit der Koketterie vorbei. Ab jetzt wird wieder wörtlich und selektiv gepredigt.

Das Blut wird nicht mehr für alle, sondern nur für viele vergossen. Genau genommen nur für die Erwählten Gottes. Christen werden ehrlich, wenn sie mächtig werden.

Sie werfen den Mummenschanz der „billigen Gnade“ und kostenlosen Liebe für alle ab und tun offiziell, was sie seit 2000 Jahren zu tun pflegen: sie sortieren die Menschheit nach Spreu und Weizen.

Um die Verwirrung perfekt zu machen, hält der Papst aber an der Deutung fest, dass der Heiland für alle gestorben sei, obgleich der Text eine klare andere Sprache spricht. Was schwarz auf weiß dasteht, kann einen unfehlbaren Schriftdeuter nicht kümmern.

Das „für viele“ sei nur ein Semitismus, der richtig verstanden werden müsse, was auf Deutsch heißt, er muss mit brachialer Gewalt ver-christlicht werden. Womit der heilige Vater seinen Schäfchen zu verstehen geben will, dass nur Juden die Welt spalten, Christus aber sich aller Welt erbarme.

Ein Schelm, wer hier an eine antisemitische Schriftdeutung denkt. Die hebräische Vorlage ...

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Mittwoch, 25. April 2012 - Wachsen und Ernten

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Isländer,

der isländische Ex-Premier stand vor einem Sondergericht: er habe das Kabinett nicht rechtzeitig über die gefährliche Lage auf dem Finanzmarkt informiert. Freigesprochen. Zwar habe er Fehler gemacht, strafbar aber war das nicht, weil der Zusammenbruch damals ohnehin nicht mehr hätte vermieden werden können.

Kann ein Politiker wegen seiner politischen Entscheidungen juristisch zur Verantwortung gezogen werden?

Hier hilft uns die feinfühlige deutsche Sprache weiter. Verantwortung übernehmen ist Lieblingssport der Politiker, zur Verantwortung gezogen werden: das ist für Leute, die ein weggeworfenes Käsebrötchen unverantwortlich dem Verzehr zuführen und sich damit ein weggeworfenes Eigentum widerrechtlich unter den Nagel reißen.

Sagen wir mal so: mit dem kostbaren Gut, schuldfähig und strafwürdig zu sein, sind die niederen Ränge der gesellschaftlichen Pyramide privilegiert. Die höheren Ränge hingegen mit Schuldunfähigkeit und straffreier Verantwortung schwer bestraft.

Der isländische Ex-Premier überlegt, wegen dieser flagranten Benachteiligung nach Straßburg zu gehen. Nun muss er den Rest seines Lebens unter Gewissenspein und Seelenqualen verbringen, weil er seine Schuld nicht hinter Gittern abarbeiten kann. Wen wundert es, dass zu diesen unmenschlichen Bedingungen immer weniger junge Menschen bereit sind, Politiker zu werden?

Mit einer freiwilligen Obergrenze sollen ...

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Dienstag, 24. April 2012 - Recht ist eine Wahrheitsleistung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Teufels,

manchmal muss man mit dem Teufel paktieren, wenn man Menschen nützen will, lautet der pragmatische Grundsatz jedes Realpolitikers, auch wenn er zur hohen C-Fraktion gehört.

Macht der Chef im Himmel ja auch nicht anders. „Da sprach der Herr zum Satan: Wohlan, alles, was er hat, ist in deiner Hand! Nur nach ihm selbst recke deine Hand nicht aus.“ (Hiob 1,12) Goethe benutzt die Hiobvorlage als Grundlage für den Faust.

Der Teufel ist immer ein Instrument seines großen Chefs, das Böse muss sich in den Dienst des Guten stellen. Das klingt beruhigend nach Domestizierung des Bösen. Der Teufel wird zum nützlichen Idioten seines überlegenen Gegenspielers, der die Drecks-Aufgaben erledigen muss, die ein wohlwollender Patriarch sich nicht zumuten will.

Das ist die eine Seite der Rechnung. Die andere ist die Absegnung alles Bösen durch die oberste Himmel-Behörde: das Grauen wird satisfaktionsfähig. Das Böse, im Dienst des Guten, kann sich selbst als Gutes ausgeben. Damit ist es unbegrenzt legitimationsfähig. Bei schrecklichsten Verbrechen kann es auf den Stempel des Patriarchen verweisen: „Persönlich geprüft und gebilligt!“

Das ist die zweiköpfige Moral des christlichen Westens und aller Religionen, die das Böse als notwendige Ingredienz des guten Lebens ausgeben. Kinder lernen ...

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Montag, 23. April 2012 - Espresso und Gefühle

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Entemotionalisierung,

wenn’s der eine tut, zeigt er sein unmenschliches Gesicht, wenn der andere, ist er ein eiskalter Profi: es geht um das beliebige Ausknipsen von Gefühlen, wenn sie hinderlich sind.

Er freue sich darauf, jetzt in sein Auto zu kommen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die wirklich wichtig seien: Reifentemperaturen, Autos, sagte ein deutscher Demokrat mit sensiblem Benzin im Blut namens Vettel. Der Autozirkus-Chef bestätigte: „das hat nichts mit uns zu tun“.

Die Motoren heulten auf in Bahrain, einem Staat, bei dem vor kurzem über 30 Menschen bei Demonstrationen starben und Oppositionelle ins Gefängnis wandern. Auch Schumacher, ein anderer Entemotionalisierer mit hochspezialisierten Gefühlen am Gaspedal ließ sich hören: Wir sind hier, um Sport zu machen, mit Politik haben wir nichts zu tun.

Angehörige einer hochwertig-arbeitsteiligen Kultur zeichnen sich dadurch aus, dass sie gefühls-teilig funktionieren. Sie wissen, wann sie Gefühle zeigen müssen – wenn sie ein Rennen verlieren, kann man schon mal sauer sein oder sogar vor Wut aufheulen –, und wann nicht. Nämlich dann, wenn man seinem Job in einem Staat nachgeht, wo es Andersdenkenden an den Kragen geht.

Da dieser Staat aber für die USA aus militärstrategischen Gründen wichtig ist, ermahnt Hillary Clintons Sprecherin nicht ...

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Sonntag, 22. April 2012 - Das ganz Andere und das Identische

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

 Hello, Freunde des Erfolgs,

was ist der Unterschied zwischen Wahn und Realität? Wenn der Wahn erfolgreich ist, wird er dekoriert, der Wahn-Sinn zur Realpolitik. Was erfolglos ist, wird bestraft, und muss zurück ins Wahnfach.

Woran erkennt man die Differenz zwischen zukünftigem Helden, Erfinder, Genie und Verrückten? Im embryonalen Zustand überhaupt nicht. Alles klingt unisono verrückt, überspannt, abenteuerlich, erst am Ende entscheidet der pure Erfolg.

Der Erfolgreiche spricht: wer es nicht aushält, in seiner Umgebung als verrückt zu gelten, hat keinen Erfolg verdient. Der große Erfolg ist der Sieg des Verrückten über die phantasie- und risikolose Normalität.

Kein Erfolgreicher, der seine Lebensstory nicht so erzählte: an wie vielen Türen musste ich anklopfen, wie viele Körbe und Absagen, wie viel Ignoranz und Ablehnung musste ich einstecken, bevor sich die ersten Anzeichen des Sieges zeigten.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“, war die Lebenserfahrung Gandhis.

Man könnte variieren: zuerst ignorieren sie dich, dann sind sie entsetzt und halten dich für einen gefährlichen Spinner und bekämpfen dich, dann sehen sie, dass deine Verstiegenheiten, Dreistigkeiten und Brutalitäten ankommen, sich durchsetzen, selbst offizielle Staatsorgane dich heimlich oder offen unterstützen, dann beobachten sie noch eine Weile aus sicherer Entfernung, schließlich ...

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