Philosophische Tagesmails

Dienstag, 31. Januar 2012 - Folgenlose Moral

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde abendländischer Werte,

Werte und Normen sind dazu da, dass man sie erfüllt.

Werte und Normen sind nicht dazu da, dass man sie erfüllt, sondern einsieht, dass man sie gar nicht erfüllen kann.

Welcher Satz stimmt fürs Abendland?

1. Der erste Satz ist katholisch, doch mit der Einschränkung: der Mensch kann ein bisschen moralisch werden. Zur wahren Erfüllung der Gebote jedoch braucht er Gottes Hilfe, in Klartext, den Vergebungsapparat der Priester oder der Kirche. Allein kann der Mensch nicht moralisch werden. Wozu wäre Religion und Erlösung vonnöten?

Moralisch sein heißt, der Mensch strengt sich an, dann kommt ihm Gott entgegen und komplettiert seine Stümpereien und Unfähigkeiten. Papa, krieg ich ein Bobbycar zum Geburtstag? Okay, wenn du sparst, leg ich die Hälfte drauf.

Diesen Standpunkt nennen die Theologen Semi-Pelagianismus (= ein halber Pelagianismus), beziehen sich damit auf den Streit zwischen Augustin und dem irischen Mönch Pelagius, der, noch ganz von altgriechischer Autonomie erfüllt, der Meinung war, der Mensch könne allein die Gesetze Gottes erfüllen.

Sein prominenter Gegner war vollständig anderer Meinung (wie später Luther, der Augustiner war): der Mensch ist ein unfähiger Sündenkrüppel, Totalversager in allen Dingen. Ohne Gottes Erlösung landet er auf dem Müllhaufen der Geschichte oder in der Hölle.

Das Papsttum hat sich in diesem Punkt vom rigiden Augustin abgewandt und lehrt seitdem ...

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Montag, 30. Januar 2012 - Manifest

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Mütter,

wiederum hat Mutter Merkel alle an die Wand gespielt und das Konkurrenzspiel im Dschungel der Gefühle gewonnen. Die vielen männlichen Kakerlaken, die sie täglich verspeisen muss, die mediale Gülle der Medien, das substanzlose Gezicke der hübscheren Rivalinnen, die alle nur „verzweifelt, bemüht, verstellt“ wirken und „massive Geltungsbedürfnisse haben, sonst nichts“. Sie allein hat alle Männer von Koch über Öttinger bis Wulff gehabt, vernascht und ausgespuckt.

Merkel, „durchtrainiert, eine Kämpferin“, „strahlt Würde aus“, und wirkt stets so, als sei ihr Job „genau das, worauf sie ihr Leben lang aus“ war. Vor nix ekelt sie sich, sie scherzt mit jedem, wirkt immer ausgeglichen, knutscht Sarko, lässt sich von Chirac die biedere Mutterhand küssen. Sie ist immer ganz da, ganz im Moment, die „Big Mama“ des Dschungelcamps in Berlin.

Selbst bösen Moderatoren und Schreiberlingen fällt nichts mehr zu ihr ein. Wo andere nur authentisch posieren, präsentiert Brigitte Nielsen Merkel die „große Kunst, im Politikdschungel selbstbestimmt zu sein. Das macht sie zur wahren Königin.“

Freuet euch, ihr uniform aussehenden Brüder, eure Zeit ist abgelaufen. Ihr seid überfordert, macht euch von hinnen, schiebt verbissen die Kinderwägen und schluckt brav eure Globuli. Die Mütter übernehmen wieder.

Das Matriarchat hat euch 7000 Jahre Vorsprung gelassen, um zu beweisen, was ihr könnt. Außer einer dämlichen Hochkultur, die Natur und Mensch schändet und allen wohlmeinenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treibt, habt ihr nichts zustande gebracht. Macht Platz, ihr ...

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Sonntag, 29. Januar 2012 - Der dumme Hitler

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Über-Flieger,

die Schreiber schreiben nur noch – über. Über alles in der Welt. Ohne irgendeine Sache zu penetrieren, es auch nur zu versuchen. Sexologen würden von Ejaculatio präcox reden.

Doch welche Sachen? Es gibt nur Phänomene, die auf dem Laufsteg mit einer Rankingnote am Hals durchgewunken werden. Schirrmacher, kafkaesker Sensibilissimus, erwähnt die „berühmte“ Weizsäcker-Rede, nennt sie „bedeutsam, historisch“. Oberlehrernoten, sonst nichts.

Die Edelfedern müssen in der Penne schwer gelitten haben. Nun rächen sie sich, verteilen selbst nur herausgewürfelte Noten. Was hat denn der adlige Charakterdarsteller gesagt? Fehlanzeige. Gut, dass wir über die Chose oder drüber hinweg gesprochen haben.

Hieß „über“ in anständigen Zeiten nicht „meta“, woher Meta-physik? Meta war vor Jahren nicht zufällig ein Lieblingswort der Intellektuellen. Metageschichte, Metatheorie, Metasprache. Was nicht metamäßig war, war nicht satisfaktionsfähig. Dass die Griechen den Dingen nicht bis in die Gedärme geschlupft wären, kann man nicht grade behaupten.

Der sich stets erneuernde SPIEGEL rühmt ein ganz neues Meta-Magazin in höchsten Tönen, das – wieder einmal – „die Welt ein wenig anders aussehen lässt“. Aussehen nannte man noch vor kurzem Schein. Nicht Vor-Schein des Seins, sondern ...

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Samstag, 28. Januar 2012 - Nutt und Schirrmacher

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Reden,

Marcel Reich-Ranicki kann nichts dafür, dass Eliten seine Rede nutzen, um folgenlos davonzukommen. Eine „bewegende Rede“ ist das Codewort der schreibenden Priesterkaste, um nichts zu bewegen und sich mit emotionaler Ergriffenheit aus dem Staub zu machen.

Es gibt Ergriffenheiten abnehmender Authentizität. Den sekundär-ergriffenen Gesichtern der ZDF-Moderatorinnen Gerster und Slomka war anzusehen, dass sie schwer tragen an der angemessenen Übermittlung der Rede: mindestens einsdreißig lang. Spätestens beim Sport entspannten und erheiterten sich die Gesichter. Zu jeder Nachricht das authentische Gesicht. Das war die visuelle Variante.

Die schreibende Kaste entsandte ihre Besten, um einzufangen, was als Zeitzeugenschaft schon im Begriff missbraucht wird. Zeugen sind zumeist zufällige Beobachter eines Geschehens, die aus Distanz berichten, was sie gesehen und gehört haben. Reich-Ranicki war nicht zufällig im Warschauer Getto, seine Erinnerungen sind Berichte eines Opfers, das – zusammen mit seiner Frau Teofila – zufällig den Schergen entkam.

Wenn die medialen Beobachter des Zeitzeugens geschwiegen hätten, hätte ich sie für authentisch gehalten. Doch sie folgen Vorurteilen, die sie zu Grunddogmen ihres Mittlerjobs gemacht haben: nichts auf der Welt hat sich ereignet, was nicht ...

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Freitag, 27. Januar 2012 - Richard von Weizsäcker

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Ureinwohner,

Aborigines sind Menschen, die ab Ursprung in jenem Lande leben, in dem sie bis heute an den Rand gedrängt, noch immer ausgegrenzt, gedemütigt und patriarchalisch bevormundet werden.

War Australien nicht jener Kontinent, der als bessere Ausgabe des lädierten Amerika galt? Kein Abiturient, dessen Weltreise heute nicht durch das riesige Land der Kängurus führte. Hat uns Blacky Fuchsberger nicht vor wenigen Jahren ein „faszinierendes“ Bild des ungeheuer großen und leeren Erdteiles ins Haus geflimmert?

In diesem Land werden die Ureinwohner nach wie vor wie unmündige Kinder behandelt. Doch sie setzen sich zur Wehr, wollen souverän sein und bei Regierungsentscheidungen mitbestimmen. Mit ausgebauten staatlichen Diensten in Gesundheit und Bildung verheißt ihnen die Regierung eine bessere Zukunft, doch gleichzeitig will sie den Empfängern staatlicher Wohltaten Alkohol und Pornografie verbieten.

Das scheint ein allgemeiner Trend zu sein: westliche Demokratien setzen zunehmend auf Verbote und polizeilich gestützte Erziehungsmaßnahmen. Immer weniger auf „Faszination“ der Freiheit und Selbstbestimmung.

Wen der Staat unterstützen muss, den will er kujonieren. Es muss für ihn eine große Kränkung sein, wenn er seiner Pflicht nachkommen muss. Würde es nach seinen Priestern gehen, sollte es ihn ...

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Donnerstag, 26. Januar 2012 - Zahl und Herrschaft

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Angie,

er habe keine Angst, dass Deutschland führe, er habe Angst, dass Deutschland nicht führe, sagte der polnische Außenminister. Kein Zeichen übertriebenen Misstrauens gegenüber der rundrum beargwöhnten Wirtschaftslokomotive Europas. Vielleicht liegt das daran, dass Polen zu einem wirtschaftlichen Erfolgsland gediehen ist und sich in derselben Liga sieht wie der frühere ungeliebte Nachbar. Ganz anders in den mediterranen Ländern, deren Lebensqualitäten wir schätzen, nicht aber deren Arbeitsqualitäten.

Der Sinn der Bewegung ist Ruhe, der Sinn der Arbeit Muße, sagte – ein mediterraner Müßiggängerphilosoph namens Aristoteles, der sich sein ganzes Leben der Muße widmete. Wie konnte der nur eines der gewaltigsten Werke der Gelehrsamkeit aller Zeiten zustande bringen, wenn er den ganzen Tag in den Hafenkneipen von Piräus bei griechischem Wein herumlungerte?

So lange ist es noch nicht her, dass „Kopfarbeiter“ sich Arbeiter nennen, sie lasen, dachten, schrieben, unterrichteten. „Was machst du“, fragte der kleine Freund. „Das siehst du doch, ich arbeite“. „Aber du liest ja nur“. Tja, richtige Maloche erkennt man daran, dass man am Abend die Stückzahl seiner hergestellten Produkte und Artikel abzählen kann.

Gedanken sieht und zählt man nicht, also müssen sie ...

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Mittwoch, 25. Januar 2012 - Rankings allerwege

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Weltwirtschaft,

schon die geographische Symbolik: Davos, Festival der Habenden in europäischer Kälte, Eis und Schnee, mehr Polizisten und Bodyguards als Teilnehmer; Porto Alegre, Gegenfestival der Nichtshaber und Aufholenden in südbrasilianischer Sonne, buntes Leben, Arbeit und Tanz, freie Bürger denken über Alternativen nach.

Doch Vorsprung und Macht der Habenden schrumpfen, ihre Hoch-Zeit scheint vorbei, sie ersticken an ihrem Überfluss, den sie lebensunlustig produzieren und zur Hälfte wegwerfen, dennoch wollen sie wachsen und wachsen. Und wenn sie bald gestorben sind, wachsen sie noch im grünen Ökosarg.

Die nichtwestliche Welt beginnt den Westen mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Eine schmerzliche Tragik, ein scheinbar unvermeidliches Nadelöhr der Entwicklung, denn alle wissen, dass der Weg des Westens in die Irre führt. China beginnt die Umweltproblematik ernst zu nehmen, doch erst muss sie verschärft werden, um die Konkurrenz mit dem Westen zu bestehen und das Gefühl der Unterlegenheit zu besiegen. Die Deutschen sind nicht mehr wiederzuerkennen, haben ...

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Dienstag, 24. Januar 2012 - Täter und Opfer

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Klischees,

sind Franzosen und Deutsche nicht seltsame Freunde? Sie wissen nichts voneinander, haben aber gute Meinungen übereinander. Vielleicht, weil sie nichts wissen? Da lässt sich’s trefflich projizieren.

Welcher Franzose macht schon in Deutschland Urlaub? Ja, Freiburg ist natürlich eine Ausnahme, weil die Stadt von französischen Truppen besetzt war und noch viele französische Elemente aufweist. Wir haben sogar ein – ziemlich elitäres – deutsch-französisches Gymnasium.

Franzosen sehen die Deutschen fleißig, ernst, diszipliniert bei der Arbeit und rechtschaffen. Da merkt man, dass sie schon lange nicht mehr persönlich vor Ort waren, nicht regelmäßig BILD lesen und noch nie von Henkel und SPD-Schröder gehört haben, die rechtsrheinisch immer mehr faule Hartz4-Säcke, verwahrloste Jugendliche und egoistische Rentnerbands erkennen wollen.

Vielleicht ist es nur ein Wunschbild der Franzosen, dass die Deutschen so arbeitsam sein mögen, weil sie solche Freunde und Verbündete zur eigenen Nervenberuhigung benötigen? Immer gut für den leichtlebigen älteren Bruder, wenn der biedere Kleine nicht so leichtsinnig durch die Boudoirs zieht und die Groschen für die europäische Familie zusammenhält, oddr? Vorsichtshalber ...

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