Philosophische Tagesmails

Mittwoch, 23. Mai 2012 - Lust

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Genießens,

die Deutschen malochen zu viel. Malochen ist kein selbstbestimmtes Arbeiten, das es im Kapitalismus nicht gibt. Wer sich mit Haut und Haaren verkaufen muss, um zu überleben, verkauft nicht seine Arbeit, sondern seine erpressbare Malocher-Energie. Marxens Arbeitswerttheorie ist eine Malocherwerttheorie. Unter Ausbeutern gibt’s keine Arbeit, mit der man sich selbst bestimmen kann.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Wenn Arbeit nicht Vergnügen wäre, wäre sie Malochen. Der Satz des Paulus: wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen, erhält nur Sinn, wenn man von lustbetonter Arbeit nicht leben kann und seine Arbeitskraft an andere verkaufen muss, die über die Qualität meines Lebens bestimmen können.

Malochen ist die Quittung für ein schreckliches Vergehen vor Gott und eine Sündenstrafe. Wörter wie Vergnügen oder Genießen sind im lustfeindlichen Neugermanien kontaminiert. Wer sagt schon nach einem Fest: es war vergnüglich, es war ein Genuss, weil ich frei von Kontrollmechanismen war?

Das würde ja bedeuten, man habe seine Kontrollmechanismen aufgegeben, ohne völlig die Kontrolle zu verlieren. Würde man sie nämlich völlig verlieren, würde man die Gesellschaft sprengen, glaubt Pastor Gauck, der Freiheit immer von Verantwortung kontrollieren und einhegen lassen muss.

Ohne Kontrolle scheint‘s hierzulande nicht zu gehen. Wer kontrollieren muss, misstraut sich und seinen Mitmenschen. Nur mit Urvertrauen in Mensch und Natur kann ich loslassen und mich meinen triebgesteuerten ...

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Dienstag, 22. Mai 2012 - Anamnesis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Parlaments,

bei Entscheidungen über Krieg und Frieden soll das Parlament zukünftig nicht mehr beteiligt werden. Das hat die deutsche Regierung signalisiert. Doch das Parlament müsste dieser Selbstentmächtigung selbst erst zustimmen.

Die NATO ist das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte, heißt es. Sie hat noch keine einzige Niederlage einstecken müssen. Nun kommen ihr Gegner und Feinde abhanden, Schlimmeres kann einem Militärbündnis nicht passieren. Wer Feinde braucht und keine hat, muss sie sich schaffen. Also Raketenschirm gegen den Iran, mit Ausschluss Russlands, das sich umzingelt und bedroht fühlt und aufzurüsten beginnt.

Nach dem Fall sprach man von einem Friedensbonus in der Weltpolitik. Doch der Waffenexport der Länder boomt, die Militärausgaben steigen. Die NATO will sich nun arbeitsteilig bewaffnen. Das eine Land stellt Panzer, das andere die Flugzeuge. Dann wären im Zweifelsfall alle auf alle angewiesen, die Kriegsverweigerung eines Landes nicht mehr möglich. Mitgefangen, mitgehangen. Dazu Andreas Zumach in der TAZ.

Als ob der Verfassungsschutz sich nicht schon oft genug geirrt hätte! Nun soll er, gewissermaßen nebenbei, über die Gemeinnützigkeit von Vereinen entscheiden. Wen er als extremistisch einstuft, dem sollen ...

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Montag, 21. Mai 2012 - Gauck, der Gaukler und Lügner

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der G8,

in Camp David ist es heimelig und abgeschieden, da kann man die Krawatten ausziehen, wenn man nicht Hollande und Merkel heißt. Merkel hat keine und Hollande muss für seine heimische Presse „gut aussehen“, wie Obama spöttisch bemerkte. Cameron und Merkel haben sich gemeinsam den tiefen Fall Bayerns im Fernsehen angesehen.

Sonst ist nichts zu melden. Die Crew war sich einig, nicht einig zu sein und die Lösung der Weltprobleme noch ein bisschen warten zu lassen.

Der Westen stellt Forderungen an den Iran, von denen er weiß, dass der Iran sie nicht erfüllen kann. Am Mittwoch gibt es noch eine, vielleicht die letzte, Verhandlung über das iranische Atomprogramm. Während Pakistan, Indien und Israel fröhlich ihre Atomprogramme behalten und ausbauen dürfen, nicht selten mit aktiver Unterstützung des Westens, darf der Iran möglichst gar nichts.

Das Land ist längst militärisch eingekreist. Das Atomprogramm ist nur ein Vorwand für die Repressionsmaßnahmen des Westens. In Wirklichkeit geht es darum, das letzte Land in der Region zu isolieren und zu destabilisieren, das sich den Vorstellungen des Westens widersetzt.

Ein Krieg würde das Regime nicht schwächen, sondern stärken, meint Bahman Nirumand in der TAZ. Die Opposition würde verlieren, sie wäre gezwungen, ...

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Sonntag, 20. Mai 2012 - Illusionäre Autonomie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Venezuelas,

eine Genossenschaft ohne Chefs? Mit einem Umsatz von 100 Millionen Dollar jährlich? Ist das ein Traum?

Der Traum lebt in Venezuela, wo auch die außerordentliche Idee verwirklicht wurde, den Kindern der Slums mit Musik eine Perspektive zu bieten. Wer jemals das Jugendorchester Simón Bolívar Youth Orchestra“ erlebt hat, wo Jugendliche, die vorher nie eine Geige oder ein Horn aus der Nähe sahen, sich ihren Instrumenten mit einer Hingabe widmen, wie man es noch nicht gesehen hat, der entdeckt, was Kultur sein kann.

Bei uns ist Kultur zum arbeitsteiligen, in Routine verflachten und ruhmsüchtigen Gewerbe verkommen.

Zur obigen Genossenschaft gehören 50 Basisorganisationen mit rund 20 000 Mitgliedern. Vorgesetzte gibt es nicht, Jobrotation ist üblich, Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Von Chavez hält man sich entfernt. Durch Abbau der Leitungshierarchien und Aufbau von Vertrauen sei die kollektive Energie geradezu explodiert.

Typische Männer- oder Frauenarbeit gibt es nicht, Männer und Frauen wechseln sich ab beim Kloputzen. Kommunikation sehen sie nicht als Arbeit, sondern als Bedürfnis. „Aber wir gehen auch in Parks und machen Liebe, sonst hätten wir keine Kinder.“

Eine Assoziation von Freien und Gleichen mit 10 000en Menschen. Für Hayek eine totalitäre Utopie, in Südamerika eine urdemokratische Realität. Europa muss von anderen lernen. ...

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Samstag, 19. Mai 2012 - Adam Smith

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der NATO,

„smart defense“, kluge Verteidigung: so heißt das neue NATO-Konzept. Das alte Konzept muss demnach weniger klug gewesen sein.

Die riesigen Kosten sollen auf mehr Schultern verteilt werden, fordern die USA. Der Libyen-Einsatz habe gezeigt, dass die Europäer in militärischer Sicht auf die Amerikaner angewiesen seien. Dafür bezahlen aber wollten sie nicht. Das müsse sich ändern, gerade die Deutschen müssten mehr für das Militärische blechen, fordert Washington.

Überhaupt wird geklagt, dass die Deutschen ihre militärischen Einsätze eher reduzieren als ausweiten wollten. Damit würden sie ihrer wirtschaftlichen Macht nicht gerecht.

In Zukunft würde die Notwendigkeit steigen, rund um den Globus mit militärischen Mitteln einzugreifen, um sich seine Ressourcenanteile für das Wachstum der Wirtschaft zu sichern.

Russland fühlt sich derzeit von der NATO umzingelt und verweigert die Zusammenarbeit. Der geplante Raketenschirm sei nicht gegen Russland gerichtet, behauptet hingegen die NATO.

Der deutsche Waffenexport scheint ungebrochen weiterzugehen. Sowohl an Israel als auch an Saudi Arabien. „Ich hätte das nicht so entschieden“, sagte Helmut Schmidt.

Viele Deutsche scheinen nicht mehr zu wollen, dass Hunderttausende von Menschen mit Heckler & Koch getötet oder deutsche Panzer demnächst ...

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Freitag, 18. Mai 2012 - Rechthaben

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Oskars,

die Kunst des Aufhörens beherrscht er nicht. Viele Jahre war er der Einzige unter den Prominenten, der dem aufkommenden Neoliberalismus die Stirne bot, den Mut hatte, die SPD zu verlassen und, zusammen mit Gysi, die Linke-Ost mit der Linken-West zusammenzuführen.

Die Linke wurde stark, weil die SPD sich aufgegeben hatte und bis heute keinen klaren Kurs fährt. Doch auf Dauer kann man nicht von den Defiziten anderer leben.

Die beiden Flügel sind innerlich nicht zusammengewachsen. Oskar geriert sich als Gutsherr, der die Puppen nach Belieben tanzen lässt. Er lässt die Partei zappeln, um seine Unentbehrlichkeit zu zeigen. Akzeptiert keine Gegenkandidatur von Bartsch, will nur genehme Leute in seiner Entourage.

Hier wäre ein Generationswechsel fällig. Noch trauen sich die Frauen nicht, die alten Herren vom Tisch zu fegen.

Es genügt nicht mehr, nur Formeln und Parolen zu skandieren und wären sie noch so berechtigt. Die Wähler wollen mehr hören als nur Nein zu Hartz4. Sie wollen zusammenhängende Gedanken hören über die Lage der Weltpolitik, die ideologische Vergangenheit der Linken, Moral, selbst über Philosophie.

Es ist nicht nur Merkel, die sich stumm durchwurstelt. Keine Partei, die sich traute, über ihren eigenen Tellerrand zu gucken und die großen Themen miteinander zu verbinden. Seit dem Aufbruch der Grünen und der Übernahme grüner Themen durch die anderen Parteien zehren alle aus demselben Einheitstopf.

Der Charme der frühen Grünen war, dass sie ...

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Donnerstag, 17. Mai 2012 - Der Tod der Erfahrung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

der neue mütterliche Politstil hat zugeschlagen. Vor zwei Tagen hatte Heide Simonis noch erklärt, dass nun ein neuer mütterlicher Führungsstil komme.

Es sei eine Politik, die nicht „aggressiv ist und basta sagt, sondern die sagt: Erzähl du doch mal, wie siehst du das, wir erarbeiten die Lösungsvorschläge gemeinsam. Dazu gehört, dass sich Frauen in der Politik nicht so wehtun wie Männer.“

Vielleicht hätte sie sagen sollen: „…nicht so wehtun wie den Männern.“

Ins Bodenlose wird er nicht fallen, aber ins Bedeutungslose. Von den zehn kleinen Negerlein ist jetzt nur noch Ossi de Maiziere übrig. Die Ossis beginnen, die Macht zu übernehmen. Gauck und Merkel haben schon die wichtigsten Posten.

Angesichts der eisernen Mutterstabilität – Merkel ist die neue Frau Bismarck – verlieren die Bubis die Nerven und fangen an, ihren Hallodristil ins Lächerliche zu treiben.

Bubi Röttgen wollte vor kurzem noch Bundesgeschäftsführer des BDI werden und dennoch im Bundestag bleiben, um Wirtschaft und Politik zusammenzuführen. Da protestierten selbst Rogowski und Henkel.

Merkel soll ihrem Intelligentesten zweimal angeboten haben, seinen Rücktritt selbst als freiwilligen zu verkünden. Vergeblich, Bubi wollte den Machtkampf, den er nicht gewinnen konnte. Er war wohl schon in jenem Stadium, das man beratungsresistent nennt. Nach dem alten Spruch: Wen Gott verderben will, den verblendet er zuerst.

Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn muss neu geschrieben werden. Die Profi-Christen scheinen ...

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Mittwoch, 16. Mai 2012 - Authentische Erfahrung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Blonden,

Palästinenser sind selten blond, haben keine schönen Zöpfe, sehen nicht aus wie arische Vorzeigefrauen. Deshalb werden sie bei uns auch weniger beachtet, wenn sie in Hungerstreik treten.

Wenn Palästinenser Raketen über die Grenze schießen, werden sie hierzulande von Leuten, die sehr viel aus der deutschen Geschichte gelernt haben, heftig gescholten. Wenn sie keine schießen, nur ihr Leben durch Hungerstreik gefährden, werden sie ignoriert.

Deutschlands Geschichte wurde von Hungerstreikenden eher weniger geprägt. Bei den Palästinensern werden auch eher selten Fußballeuropameisterschaften ausgetragen, die in ZDF und ARD übertragen werden.

Deshalb hat Frau Timoschenko wesentlich bessere Karten in der deutschen Presse als alle Palästinenser zusammen. Es gibt wichtigere Probleme als Nahost. Fußball zum Beispiel.

Alles schilt die uneinsichtigen griechischen Linken, die partout nicht unterschreiben wollen, dass sich ihr Land krank sparen soll. Ansonsten soll alles bleiben, wie es ist. Die Reichen bezahlen keine Steuern und schippern mit ihren Yachten nach Monaco. Vor der Kamera zeigen sie sich empört über Fragen nach ihrer Steuernehrlichkeit: Diesem Staat geben wir keinen einzigen Cent. Es ist klar, dass ...

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