Philosophische Tagesmails

Montag, 02. Juli 2012 - Die neuen Attacken der Religionen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Singens,

wir nähern uns dem Singen und dem Tod. „Siam pronti alla morte“, wir sind bereit zum Tod, singen die Italiener vor einem Fußballspiel und gewinnen gegen deutsche Nichtsinger.

Da wir die beste Nationalmannschaft der Welt und ein Recht auf den Titel haben, ist es nicht hinnehmbar, dass wir durch fahrlässiges Nichtsingen heuer schon wieder leer ausgingen. CDU- und CSU-Politiker fordern zu Recht eine Singpflicht für Nationalspieler, besonders für jene mit ausländischen Namen. Es genügt nicht, wenn der Trainer alleine singt. So schön kann er gar nicht singen, selbst bei „högschter“ Stimmentfaltung.

Auch, wenn die Mannschaft zurückliegt und ihren kämpferischen Geist vor lauter Schönspielen vergessen hat, sollte auf ein unauffälliges Zeichen von der Trainerbank ein munteres Lied die Recken anfeuern. Bewährte Pfadfinderlieder, zu Unrecht vergessen in der trüben Flut all des vaterlandsvergessenen, ausländischen Liedguts, eignen sich für Aufholjagden besonders gut.

Wie etwa: „Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht, Fürsten in Lumpen und Loden, ziehn wir dahin, bis das Herze uns steht, ehrlos bis unter den Boden“. Aus diesem Lied weht uns eine frische Brise ehrloser Kämpfergesinnung an, die unsere allzubraven Löw-enjungs, die eigentlich ...

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Sonntag, 01. Juli 2012 - Mythos und Logos

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Transparenz,

Migros will seine Kunden nicht bevormunden, sondern Transparenz herstellen, damit sie sich entscheiden können, ob sie Lebensmittel aus besetzten Gebieten in Palästina kaufen wollen oder nicht. Das sei keine Stellungnahme in einem politischen Konflikt.

Warum so hasenfüßig? Es ist sehr wohl eine Stellungnahme, dass besetzte Gebiete besetzte Gebiete sind und man nicht einfach ignorieren kann, dass Besetzungen gegen herrschendes Völkerrecht verstoßen. Es ist unverfroren, von befreundeten Völkern zu verlangen, die illegalen Produkte eines besetzten Landes mit legalen des Ursprungslandes gleichzusetzen.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, doch Broder sieht das Herz an und da sieht er bei Migros nichts Gutes. Per Erinnerungsanalogie setzt er historisch unrühmliche Vorgänge der heutigen Aktion gleich.

Wenn Freud von Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten spricht, um Wiederholungszwänge aufzubrechen und zu vermeiden, klingt das wie die theoretische Grundlage der Broder‘schen Anklagemethode. In der Tat ist es unerlässlich, sich seiner primären seelischen Verwundungen zu erinnern, sie erneut „bluten und schmerzen zu lassen“, damit sie verheilen können. Unbewusste Schmerzen müssen bewusst werden, damit ich ...

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Samstag, 30. Juni 2012 - Imperiale Wahrheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Demokratie,

haben Religionen ein Selbstbestimmungsrecht, wie Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, behauptet? Ja, seit Friedrich dem Großen kann jeder nach seiner Fasson selig werden – sofern er sich an die Gesetze der Demokratie hält. Hier endet das Selbstbestimmungsrecht aller Religionen.

Die Polis bestimmt die Grenzen des Heiligen. Das ist der Unterschied zwischen Theokratie und Demokratie. Im Vatikan, in einem Ajatollastaat, in einem jüdischen Staat unter ultraorthodoxer Herrschaft entscheiden heilige Schriften und deren Ausleger. In einer Demokratie entscheiden die volljährigen Mitglieder nach Maßstäben ihres Fürwahrhaltens und bestimmen über die Gesetze, die gelten sollen.

Nachdem das Urteil des Kölner Landgerichts zum Verbot der Beschneidung rechtskräftig geworden ist, hat das jüdische Krankenhaus in Berlin alle Beschneidungen eingestellt.

In Israel sind es zwei Prozent jüdischer Eltern, die den Ritus für ihre Söhne ablehnen. Das sind mehrere tausend Familien. Laut Umfrage würde ein Drittel aller Eltern von dem Brauch lassen, wenn der Gruppendruck der Gesellschaft nicht so groß wäre.

Und die Angst vor der biblischen Drohung nicht noch immer das Seelenleben moderner Menschen bestimmte. („Freunde sind das größte Problem, sie verurteilen uns für unsere Verweigerung,“ sagt ein Betroffener).

Wer sich nicht beschneiden lässt, „dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil es meinen Bund verlassen hat“, spricht Jahwe. Die rabbinische Rechtssprechung ist nicht mehr ...

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Freitag, 29. Juni 2012 - Allwissenheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der USA,

John Roberts wurde noch von Dabbelju Bush in den Supreme Court geschickt. Jetzt hat er sich auf die Seite der liberalen Richter geschlagen und Obamas Gesundheitsreform gerettet. Nun hat die große Mehrheit der Amerikaner das Recht auf eine Krankenversicherung.

Bislang galt staatliche Gesundheitsversorgung im Tellerwäscherland als sozialistische Teufelserfindung. Mehr als ein Jahrzehnt lang stimmte das Oberste Gericht parteiisch gegen die Linken. Im Jahr 2000 beendete das Gericht die Stimmenauszählung in Florida und ernannte Dabbelju zum Präsidenten. 2010 machte es Unternehmen zu Menschen, damit sie unkontrolliert und beliebig viel an Parteien spenden könnten.

Das ist die neocalvinistische Version der katholischen Wandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut des Herrn. Dadurch sind Unternehmen zu fühlenden und denkenden Wesen mit unsterblicher Seele geworden, die bei korrektem Spendenverhalten in den Himmel kommen. Es ist jetzt schon gesichert, dass es im amerikanischen Himmel zu Gedränge kommen wird, denn im Grunde sind alle Multis auferstehungswürdig.

Ob allerdings die sensiblen Unternehmen glücklich sind, zu Menschen erniedrigt zu werden, ist fraglich. Menschen auf Erden sind für die meisten Menschen nichts besonderes, mit Menschsein kann man heute nichts mehr hermachen. Die größte Anerkennung, die Menschen sich heute geben können, ist nicht, dass sie volle und vorbildliche Menschenbilder, sondern dass sie Gottes Ebenbilder sind.

Sei froh Mensch, dass du keinerlei Ähnlichkeiten mit dir selbst hast, das wäre ja ...

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Donnerstag, 28. Juni 2012 - Wahrheitsmonopol

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Integration,

viel zu spät sei die Eingliederung von Immigranten in Deutschland gekommen, dennoch sei sie besser als ihr Ruf, auf der alltäglichen Ebene gar erfolgreicher als in Frankreich und England, meint der renommierte Migrationsforscher Klaus Bade in der TAZ. Die Sarrazin-Debatte habe mit der Realität wenig zu tun gehabt.

Ein interessanter Befund. Danach wären die Deutschen in der Praxis besser als in der Theorie. Was unmittelbar einleuchtet, denn die Mischmoral der herrschenden Religion – das Böse im Dienst des Guten – hat die Majorität der Bevölkerung hinter sich gelassen. Die meisten sind einer Religion entwachsen, deren Janusgesicht sie instinktiv ablehnen, ohne ihre Ablehnung wahrzunehmen oder begründen zu können.

Ihre Kritik besteht im Ignorieren der Heiligen Texte. Die wenigen Fragmente, die sie für Zitate halten, haben sie humanistisch aufgepeppt, ohne die Fälschung „nach oben“ als Fälschung zu erkennen. Doch wer mit sich in Einklang leben will, muss Denken und Handeln in Übereinstimmung bringen. Solange noch zu viele dem Fremdenverächter Sarrazin zujubeln, solange ist die Anerkennung der Fremden als gleichberechtigte Bürger noch nicht verlässlich.

Viel zu spät hätten die Deutschen realisiert, dass sie in einem Einwanderungsland lebten.

Fremde Menschen wollen freiwillig zu uns kommen und mitten unter uns leben? Das schien den Deutschen ...

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Mittwoch, 27. Juni 2012 - Rousseau

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Deutschlands,

Deutschland wird gehasst werden, meint der englische Investor George Soros im SPIEGEL. In drei Monaten, in drei Tagen könnte sich das Schicksal des Euro entscheiden. Wenn das Experiment der europäischen Währungsunion kollabiert, wird’s allen schlecht gehen. Auch der deutschen Wirtschaftslokomotive. Ungeheure Kredite im Ausland werden verloren gehen, die Arbeitslosigkeit wird sprunghaft steigen.

Noch schlechter aber wird’s den wirtschaftlich schwächeren Ländern gehen und sie werden Deutschland hassen, weil es sich weder klug, noch solidarisch gezeigt und den ohnehin leidenden Südstaaten mit auferzwungenen Sparprogrammen die Gurgel zugedrückt hat.

So lange sie lebe, werde es keine Eurobonds geben, erklärte Merkel in suizidaler Laune. Merkel ist zwar Großmutter, hat aber keine eigenen Kinder. Nur missratene Nationalkinder im Euro-Raum, die sie gehörig bestrafen muss, weil sie ökonomisch gesündigt haben.

Was ist der Unterschied zwischen pädagogischen Konsequenzen und irrationalen Strafen? Konsequenzen weisen schnell und prompt auf Fehler hin, gehen aber von lernwilligen Zöglingen aus, die in Zukunft die Fehler meiden werden. Strafen sind göttliche Sanktionen für irreparable Sünder.

Den Unterschied kennt die Pfarrerstochter nicht, sie muss ...

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Dienstag, 26. Juni 2012 - Neoliberale Demokratur

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Brüche im Leben,

bisher sollten Erfolgsmenschen von der Wiege bis zur Bahre aus einem Guss sein. Elegant geschlüpft, just in time gezahnt und windelfrei, die Kita mit Auszeichnung bestanden, verträglich mit Forderung und Förderung, ein bis zwei Klassen übersprungen, synchron mit dem frühzeitigen Abitur europa- und weltkundig, sportlich wie meditativ, von charmantem wie knallhartem Wesen, bereits als Schüler Unternehmen gegründet, Patente angemeldet, nebenbei Familie gegründet und Kinder gezeugt, (Hallodris bringen zuviel Unruhe in den Betrieb), mit 30 das Jungunternehmen an die Börse gebracht, Unternehmer des Jahres – und dann? Bleiben nur noch die Stufen Bill Gates und Gott.

So stellt man sich Überflieger und Karrieristen vor. Doch Vorsicht, die Personalchefs beginnen sich mit den bruchlosen Turbogöttern zu langweilen. Es deutet sich ein Paradigmenwechsel an.

Biografien mit Brüchen sind gefragt. Das sind die mit den Umwegen, Blockaden, dem grandiosen Scheitern, der zweiten Chance, dem heroischen Irrtum. Wie ick den Laden hier kenne, auch der Bruch muss erste Sahne sein. Weniger Dädalus als Ikarus, ein bisschen Absturz sollte schon sein. Aber gekonnt bitte.

Es muss lange her sein, als Japaner noch der Meinung waren, Unternehmen könnten nur ...

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Montag, 25. Juni 2012 - Mutter-Kind-Bindung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Paraguays,

Lugo ist seit kurzem linker Staatschef des südamerikanischen Staats, der faktisch von reichen Landgutbesitzern beherrscht wird, die ihn nun mit Hilfe eines umstrittenen „Parlamentsputschs“ beseitigt haben. Fast alle Nachbarstaaten halten die Amtsenthebung des populären Reformers für illegal.

Der Hoffnungstheologe verbesserte das Gesundheitswesen, bekämpfte die Korruption und war gerade dabei, eine Agrarreform voranzutreiben. Ein Vorhaben, das seine reichen Gegner blockierten. Auch die EU-Außenbeauftragte Ashton steht auf der Seite Lugos.

Kein Grund für den deutschen Entwicklungsminister Niebel, nicht sofort nach Paraguay zu düsen und in postkolonialem Stil dem illegalen Lugo-Nachfolger einen Persilschein auszustellen. Der südamerikanische TAZ-Korrespondent Gerhard Dilger hält das für einen Skandal.

Während in deutschen Medien Niebels fliegender Teppich zum Ereignis hochgespielt wurde, wird seine neoliberale Absegnung rechter Putschisten mit keiner Zeile erwähnt.

 

Schwierige Zeiten für Ägypten. Der neu gewählte Präsident ist zwar Moslembruder Mursi, doch die Militärs scheinen alles im Griff zu haben. Der Weg zur Demokratie ...

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