Philosophische Tagesmails

Mittwoch. 04. April 2012 - Gekaufter Geist

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

15 Millionen Tonnen Treibhausgase und 60 000 Tonnen Ammoniak würden die Deutschen weniger in die Luft jagen, wenn Männer sich wie Frauen ernährten. Männer brauchen Fleisch, um groß und stark zu werden. Kann man sich ein männliches Firmenessen mit Brokkoli und Kopfsalat vorstellen?

Sollte es etwa damit zusammenhängen, dass Frauen der Natur näher stehen und Männer die weibliche Natur gern in Form von verinnerlichten Steaks und Salami idolisieren?

Eine Finanztransaktionssteuer wird es in Europa nicht geben. Auch nicht in Form einer Börsenumsatzsteuer. Irgendjemand ist in der EU immer dagegen. Diejenigen, die dafür sind, wollen keinen Alleingang, weil sie Abwanderung der großen Gelder fürchten. Die Spekulanten haben sich durchgesetzt, die Politik gibt sich geschlagen.

Was ist Spekulation? „Das spekulative Denken besteht nur darin, dass das Denken den Widerspruch festhält. Das Spekulative ist das Vernünftige, das gedacht wird. Eine Erkenntnis der spekulativen Philosophie ist, dass die Freiheit das einzig wahrhafte des Geistes sei. Das spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren Religion.“

Wenn die Spekulanten sich durchsetzen, hat sich die Freiheit des einzig wahren Geistes durchgesetzt, die ...

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Dienstag, 03. April 2012 - Kita gegen Eltern

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Eltern,

wer kann besser Kinder erziehen: die Eltern oder der Staat? Die CSU setzt auf Eltern, der Rest der Republik auf den Staat.

Unter Staat muss man Kitas verstehen, Erzieherinnen, die gelernt haben, mit Kindern sinnvoll, vielleicht sogar liebevoll umzugehen. Würde man sie als Staatsorgane ansprechen, vergleichbar mit Polizisten und Gefängnisbeamten, würden sie protestieren. In Deutschland gibt’s nur Familien und Staat, dazwischen nichts und beide gelten als unverträglich.

Für Aristoteles war die Polis nichts als eine erweiterte Familie, anders hätte sich eine Demokratie kaum entwickeln können. Erst Augustin stempelte den Staat zur Räuberbande, um ihn als verkommenes, leider notwendiges Gegenstück zum himmlisch-vollkommenen Staat zu diskriminieren. Der Neoliberalismus hat diesen Staatsbegriff übernommen, um ihn nach Belieben zu dämonisieren und sich selbst als Erben der civitas dei hochzupreisen.

Weshalb es in einer Demokratie eine Einrichtung gibt, gegen welche Demokraten allergisch sein müssen, obwohl sie von diesem obskuren Ding auch betüttelt werden wollen, wenn es ihnen schlecht geht, ist schon nicht einfach zu verstehen. Familie gegen Staat, Freiheit gegen Staat, Individualität gegen Staat, Autonomie gegen Staat.

Gleichzeitig rufen Linke nach dem Staat, um der Wirtschaft die Tatzen zu beschneiden; rufen Rechte nach dem Staat, um Diebe und Terroristen dingfest zu machen.

Klar, es ist Vater Staat, den man braucht, wenn’s einem schlecht geht, den man aber nicht liebt, da er ...

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Montag, 02. April 2012 - Fritz Kuhn

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Richter,

schon gehört, dass Banken und Versicherungen in unserem Land die Macht besitzen, Grundsatzurteile zu verhindern, sodass „Rechtsschutzlücken“ entstehen und Hunderte oder Tausende auf ein BGH-Urteil warten müssen?

Da gibt es Richter, nicht irgendwelche, sondern die höchsten, die haben ein Urteil schon in der Schublade, doch Sparkassen und Geldinstitute ziehen ihre Revision zurück, zahlen der Gegenseite satte Abfindungen – und die Richter gucken ohnmächtig in die Röhre.

Da liegt es in den Händen von Beklagten, dass das Recht keine Binde um die Augen, sondern ein Klebestreifen um den Mund verpasst kriegt und niemand schreitet ein?

Die Bundesregierung könnte sehr wohl etwas dagegen unternehmen, indem sie das Recht änderte. Warum tut sie es nicht, schützt durch Passivität die Macht des Geldes und schwächt die Macht des Rechts? Da kann es nur ein klassenkämpferisches Vorurteil sein, dass Macht auf der Seite des Geldes steht.

Wenn es keine Grundsatzurteile gibt, können Banken und Sparkassen ihren Kunden die miesesten Papiere andrehen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. „Kundenfeindliche Vertragsklauseln“ werden durch solche (Un-)Rechtsklauseln weiterhin geschützt.

Was müsste geändert werden, damit kleine Anleger, die sich betrogen fühlen, zu ihrem Recht kommen? Das Prozessrecht müsste „Initiativ-Urteile“ zulassen, die nicht mehr abhängig sind vom Willen der Prozessteilnehmer.

Zurzeit gibt es nämlich eine „Dispositionsmaxime“ (was für Großkotzbegriffe, um Unrecht zu kaschieren), der zufolge ...

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Sonntag, 01. April 2012 - Stille und Dunkelheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Dunkelheit,

Neuseeland und Australien knipsen die Lichter aus, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Viele Städte folgen dem Beispiel der beiden Länder. Auch in Berlin, Köln und in Dresden wurde für Stunden die Dominanz des künstlichen Lichtes gebrochen.

Aus der Sicht von Weltraumfahrern wird die Erde auch in der Nacht nicht dunkel. Wie eine überdimensionale Leuchtkugel dreht sich der Planet durch den Weltenraum. Die Nacht wird zum Tag. Die Dunkelheit soll besiegt, sie soll ausgerottet werden.

Der Weg in die Hochkulturen, der Weg der männlichen Machtübernahme über das Mütterliche, ist der Weg aus dem Dunklen ins Licht. Die gleißende Sonne wird zum höchsten männlichen Symbol des Guten, der schattige, dunkle Mond bleibt Göttin der Mutter.

Heilige Plätze der Hindus waren Höhlen, die die Yoni der Großen Mutter darstellten. Das Dunkle, die Höhle, ist der Schoß der Mutter, aus dem die Kinder ins Licht kriechen, um Männern in die Hände zu fallen: Frauenärzten, Kinderärzten, die grelle Lampen benötigen, um fehlendes Sonnenlicht zu ersetzen, damit sie Skalpelle und Maschinen bedienen können.

Schon im Sonnengesang des Echnaton wird das Helle zum Heilen, das Dunkle zum Tödlich-Verderblichen. In Ägypten, der ersten Hochkultur neben dem Zweistromland, beginnt die Ur-Kluft, die Spaltung der Natur, in der sich ...

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Samstag, 31. März 2012 - Logik des Glücks

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde einer wahren Globalisierung,

sollte wirtschaftliche Globalisierung nicht die Völker einander näher bringen, nach der einleuchtenden Devise: Konkurrenz schmiedet zusammen? Würde der Satz stimmen, müssten Solidarität und tätige Liebe die Menschen auseinandertreiben.

Das ist das Merkwürdige an westlichen Staaten, als Kind lernt man: sei gut, sei verlässlich, unterstütze deine Geschwister, hilf Mama beim Abwasch und Papa beim Autoputzen, dann bist du ein gutes Kind und wirst es weit bringen im Leben.

Kaum ist das Kind in die Pubertät gekommen, lernt es das Gegenteil. Aber nicht in freimütiger und klarer Rede: behandle deine Geschwister als Konkurrenten um die knappe Ressource Elternliebe, trickse sie aus, um deinen Vorteil zu erlangen.

Keine Mutter, kein Vater würde ein Kind beiseite nehmen und sagen (wie es in allen Vorabendsoaps heißt): Du, wir müssen reden. Ab morgen ändert sich deine Moral, sonst bleibst du ein sentimentales Guthascherl und endest als unterbezahlte Krankenschwester.

Miteinander reden muss ein begründungspflichtiges, abnormes Verhalten sein, das angekündigt und abgesichert werden muss. Was, schon wieder reden, wir hatten doch erst an Weihnachten miteinander gesprochen? Da muss was Schlimmes passiert sein, dass man reden muss.

Dass klärendes und erkenntnisförderndes Reden ein lustvolles Bedürfnis sein kann, das hat sich im rhetorischen Deutschland verloren. Die Neugermanen lieben den Vortrag, die Vorlesung, die staatstragende Rede, die Macht des Solistenwortes, wo einer offenbart, alle andern die Offenbarung erwarten. Das können nur Entzugserscheinungen ...

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Freitag, 30. März 2012 - Epochenwandel

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Schwellenländer,

Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika verbinden sich, um die Dominanz des Westens zu brechen. Die so genannten BRICS-Staaten trafen sich in Neu-Delhi, um eine eigene Weltbank zu gründen.

Sie wollen nicht länger in Dollar oder Euro miteinander handeln, ihre Aktienmärkte miteinander verknüpfen und eigene Entwicklungskonzepte entwickeln. Sie wollen sich gegenseitig zum Vorbild nehmen.

Diese Staaten vertreten fast 40% der Weltbevölkerung, ein Viertel der Weltwirtschaft. Allerdings über vier Kontinente verteilt mit unterschiedlichen Beziehungen zum Westen. Schwer einzuschätzen, ob dieses Vorhaben kurzfristig erfolgreich sein wird. Langfristig wird es die 500 Jahre dauernde Vorherrschaft des Westens beenden.

China und Indien sind nicht-christliche Kulturen, in Brasilien und Südafrika ist das christliche Credo mit vielfältigen Elementen autochthoner Naturreligionen vermischt, Russland ist orthodox mit sozialistischer Vergangenheit.

In welchem Maß der christogene westliche Kapitalismus dem Lebensgefühl der BRICS-Staaten entspricht, steht noch nicht auf der Agenda der fünf Riesen. Aus machtpolitischen Gründen bleibt ihnen keine andere Wahl, als der Vorherrschaft der Weißen mit gleichen Waffen Paroli zu bieten.

Doch der Streit um die Überlebensverträglichkeit der Religionen wird kommen. Spätestens mit ...

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Donnerstag, 29. März 2012 - Luther am Hindukusch

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Botox,

der jetzige Verteidigungsminister ist besten hugenottischen Adels (allerdings nur der Ossilinie; die Ossiprotestanten haben die Republik voll im Griff, so ungerecht kann's in der Geschichte zugehen), kein Schlawiner wie sein süddeutscher Vorgänger, der bereits in biblischer Jugend von 12 ein Bierzelt rednerisch in Wallung bringen konnte.

Gläubig sind sie beide, der eine ist lutherisch, der andere katholisch. Ungläubige im Kabinett gibt’s keine mehr, und wenn doch, wird es niemand BILD-Wagner verraten.

Der Lutheraner muss nun den bajuwarischen Saustall ausmisten. Dies tut er ehernen, ja, versteinerten preußischen Angesichts.

Die Bajuwaren sind ein sehr lebenslustiges Völkchen, die sich – da kennen sie nichts – den Katholizismus als Katalysator ihrer unverwüstlichen Freude am Da- und Sosein untertan gemacht haben. Müsste ich katholisch werden, dann nur als bayrischer Zitterspieler.

Wer jemals vom Schicksal begünstigt war, eine Zeit lang zwischen duftendem Heu, dunklem Tann und den prächtigsten Bauerngärten der Welt zu leben, dem wäre niemals der dunkle Verdacht gekommen, der seltsame Mann in der Soutane im lichtdurchfluteten barocken Kirchlein wäre ein Einspruch gegen die Lust an der Freud.

Kein Wunder, dass nordisch-blutleere Pastorensöhnchen, kaum hatten sie ...

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Mittwoch, 28. März 2012 - Karfreitag der Geschichte

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Datenschutzes,

jetzt ist auch das europäische Parlament vor den USA eingeknickt. Der konservativen Mehrheit der Abgeordneten sind Wirtschaftsinteressen wichtiger als die Sicherung von Grundrechten.

Brüssel geht vor Washington in die Knie und lässt sich den Standard europäischer Datenschutzgesetze durchsieben. Wer in die USA reist, wird zum gläsernen Bürger, hat nicht mal das Recht, sich zu wehren. Die USA dürfen noch mehr Daten noch länger speichern. Die amerikanischen Geheimdienste haben die Europäer auf Orwellsche Dimensionen geschrumpft.

Von der negativen Utopie 1984 spricht niemand mehr. Positive Utopien stehen sämtlich unter Langeweile- oder Totalitarismusverdacht. In der Tat ist es spannender, ob man in ein befreundetes Land reist, sich aller Grundrechte entblößt und nicht mehr wissen kann, wie gerupft man wieder nach Hause kommt.

Wer keine humane Utopie entwickelt, die nichts wäre als die Vitalisierung des Grundgesetzes, kann auch keine inhumane bekämpfen.

Die nivellierte Mittelstandsgesellschaft der sozialen Marktwirtschaft sind wir endlich los: laaangweilig! Nun haben wir eine, die an allen Ecken und Enden auseinanderdriftet und sich allmählich selbst zerlegt: wie spannend! Niemand weiß, ob das Gemeinwesen diese Belastungsprobe aushält: nervenzerreißend! Die Demokratie geht an ihre Grenzen: Risikooo!

Selbst in seriösen Zeitungen erscheinen Artikel mit der Feststellung: Geben wir doch zu, die Demokratie ...

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