Philosophische Tagesmails

Neubeginn LXI

Tagesmail - Freitag, den 22. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXI,

jetzt alle festhalten: da müssen wir durch. Propheten gibt es keine, aber die verschiedenen Möglichkeiten der Zukunft müssen wir im Als-Ob hochrechnen.

Nehmen wir an, die beiden gefährlichsten Männer der Welt eskalierten ihren Hass von Bedrohung zu immer höherer Bedrohung, bis aus Drohungen furchtbare Wirklichkeit werden würde. Der eine lässt eine Wasserstoffbombe im Pazifik (von pacificus = friedlich) explodieren, der andere fühlt sich aufs Äußerste gereizt und löscht Nordkorea von der Weltkarte. Was dann? Dann können wir nur noch hoffen, dass keine andere Weltmacht sich so bedrängt fühlt, dass sich der Konflikt zum apokalyptischen Weltenbrand ausweitet.

Was aber, wenn doch? Dann müssten wir uns um Umweltschäden keine Sorgen mehr machen.

Wie würden wir ein solches Inferno bezeichnen? Hätten wir noch Worte, um den höllischen Abgrund bei Namen zu nennen? Nach einem Treffen mit Tillerson in New York, der den Atomvertrag mit dem Iran weisungsgemäß verdammen muss, spricht der deutsche Außenminister von tragisch:

„Hinter verschlossenen Türen bekommen die Diplomaten einen Eindruck, wie verhärtet der Blick der neuen US-Regierung auf Iran ist. So berichtet Tillerson, als Amerikaner könne er die Bilder der brutalen US-Botschaftsbesetzung durch iranische Revolutionäre 1979 einfach nicht vergessen. Ein Deal, gebaut auf Vertrauen, sei schlicht nicht möglich, nicht für ihn oder Trump. Noch am Morgen wirkt Gabriel schockiert von dem Treffen, das er als "tragisch" bezeichnet. Niemand, inklusive der USA, bestreite, dass sich Iran ans Abkommen halte, sein Atomprogramm beende und internationale Kontrollen zugelassen habe. Dennoch wolle Trump nun einseitig aussteigen.“ (SPIEGEL.de)

Der christliche Westen bedient sich ungeniert griechischer Begriffe, um die ...

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Neubeginn LX

Tagesmail - Mittwoch, den 20. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LX,

welch ein Zufall: der Mann, der die Welt rettete, stirbt im selben historischen Augenblick, als ein anderer Mann in New York die Welt mit einem atomaren Krieg bedroht. Der Russe Stanislaw Petrow misstraute amoralischen Maschinen, vertraute seinen humanen Instinkten – und verhütete eine planetarische Apokalypse:

„Wir sind klüger als die Computer. Wir haben sie geschaffen", dachte der sowjetische Oberst im Herbst 1983. Er misstraute den Riesenrechnern, mit denen er arbeitete und die in der Nacht vom 25. auf den 26. September anzeigten, dass sich US-Raketen nähern. Stanislaw Petrow traf eine einsame Entscheidung: Falscher Alarm, meldete er – und verhinderte so wahrscheinlich ein nukleares Inferno.“ (SPIEGEL.de)

Welch verlässliches Weltbewusstsein, dass man dieses Mannes international gedenkt.

Welch verhängnisvolles Weltbewusstsein, dass man diesen Mann nicht mit allen Preisen dieser Welt überhäufte. Dass man keine Trauer über seinen Tod ausruft von West bis Ost, von Süd bis Nord. Dass man ihn nicht zum Welthelden Nummer Eins ernennt, ihm keine Kränze flicht, sein kosmopolitisches Verdienst nicht in allen Sprachen rühmt, ihn nicht zum Vorbild aller Friedensfreunde erklärt, keine politischen Feste zu seinem Angedenken feiert.

Kein Messias hat die Welt vor dem Verderben bewahrt. Sondern ein russischer Offizier, ein leibhaftiger Mensch. Wir ehren ihn, indem wir seine Tat als paradigmatisches Tun aller Freunde der Menschheit in unser Bewusstsein eingravieren. Einer Menschheit, die ihr Überleben auf Erden in Übereinstimmung mit Mensch und Natur mit aller moralischen Kraft zu verteidigen sucht.

Petrow ließ sich das Denken weder von Vorgesetzten noch von Maschinen diktieren. Allein auf sich gestellt, traf er eine Entscheidung über Sein oder Nichtsein. Er entschied sich für das Leben. Auf Erlöser können wir verzichten. Wir brauchen ...

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Neubeginn LIX

Tagesmail - Montag, den 18. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LIX,

essen, trinken, schlafen und Zähneputzen seien ihre Hauptbeschäftigungen, sagte in einer „Pressekonferenz für Kinder“ die deutsche Lichtgestalt, die ihr Charisma durch Understatement ins Unfehlbare ausweitet.

Nicht durch englisches Understatement, jener Bescheidenheit, die durch griechische Vorbilder inspiriert war. Sondern durch Unbesiegbarkeit, die im Gewande der Demut allen weltlichen Machtgebärden den Schneid abkauft. Die offensive Inszenierung der Schwäche ist das Geheimnis des frommen Triumphs, den man im lutherischen Deutschland als Nüchternheit zu verkaufen pflegt.

Was sie von CSU-Seehofer unterscheide? 30 cm Körperlänge.

Was sie am liebsten täte, wenn sie keine Kanzlerin wäre? Am liebsten würde sie als Astronautin um die Erde kreisen, um von Oben herab den blauen Planeten zu bewundern.

Die Nüchterne kennt nur das Außerordentliche und Abgehobene, das ihr als Durchschnittsmaß zusteht. Nur mit extraordinärer Technik hofft sie, aus himmlischer Überheblichkeit die Vorzüge ihrer irdischen Heimat zu erkennen. Nüchterner und demütiger geht’s nicht, als zum winzigen Kreis derer gehören zu wollen, die die Welt politisch, ökonomisch und technisch beherrschen.

Ihre Antworten an Kinder und Jugendliche bestechen durch aufreizende Unterkomplexität, die den Sinn der Fragen ignoriert und die Fragenden als Aufschneider entlarvt. Sie beschämt die Aura des gehobenen Fragetons, wenn sie in burschikos-lächelnder Bodenhaftung auftritt.

Was soll man als jugendlicher Mensch lernen? Lesen, Schreiben, Rechnen, ein bisschen Computer.

Nichts von demokratischer Zivilcourage, nichts von Humanität, vom Mut, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen, nichts von der ...

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Neubeginn LVIII

Tagesmail - Freitag, den 15. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LVIII,

Salami: ja! Schokolade: nein! Der Klartext-Wahlkampf hat sich gelohnt. Wir können wählen zwischen einer europäischen Rohwurstsorte (Merkel) und spanischem Rasierwasser (Schulz). Wer wagt zu behaupten, Europa in seiner ganzen Vielfalt spiele im deutschen Wahlkampf keine Rolle?

Die angelologische Vierte Gewalt passt auf wie ein Schießhund, dass niemand aus dem Pöbelvolk – der Fünften Ohnmacht – der prästabilierten Siegerin allzu sehr auf die Pelle rückt. Eine überkritische Fragerin wurde von BILD – „die dem Leser verpflichtet ist“ und nicht der Wahrheit – sofort als Mitglied der Linken geoutet und an den Pranger gestellt:

„Merkel wurde dabei von einer Gebäudereinigerin massiv kritisiert. Dass die Frau in der Linkspartei aktiv ist, erfuhren die TV-Zuschauer dabei nicht.“ (BILD.de)

Der Große Bruder: er ist schon mitten unter uns – als freiwilliger Scherge der Großen Schwester. Raus hier, wer Demokratie beim Wort nimmt. Was haben engagierte Parteimitglieder in erlauchten Audienzen zu suchen, in denen Volksherrschaft in Drei-D simuliert wird? Antwort:

„Die Parteien wirken an der Bildung des politischen Willens des Volkes mit. Die Tätigkeit der Parteien dient dem Wohle des ganzen Volkes.“

Das war der Tiefpunkt eines sogenannten Wahlkampfes. Heute sind es die medialen Spürhunde der Obrigkeit, morgen werden Gesichts-, Meinungs- und Gesinnungserkennungscomputer die Gesamtkontrolle über die Massen übernehmen.

Heute werden die Schwulen rekognosziert, morgen die Linken, übermorgen die faulen Staatskneteabgreifer, denen schon SPD-Clement Tag und Nacht auf den Fersen bleiben wollte. Zu allen Zeiten sollten die Prüfhunde des Staates in verdächtige Wohnungen eindringen dürfen. Wehe, da befand sich eine falsche Unterhose ...

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Neubeginn LVII

Tagesmail - Mittwoch, den 13. September 2017

Hello, Freude des Neubeginns LVII,

Sensation: endlich Klartext über den homo sapiens. Die Gesamtbewertung über die Menschheit wurde in ehernen Lettern von der deutschen Bundesanwaltschaft verkündet: der Mensch ist ein „eiskalt kalkulierendes Wesen, Menschenleben seien ihm völlig gleichgültig, wirtschaftliche und ideologische Interessen würden bei ihm im Vordergrund stehen. Zeichen einer Abkehr von terroristischem Gedankengut gegen Mensch und Natur gebe er nicht zu erkennen“.

Die Kläger in München beantragten lebenslange Freiheitsstrafe, Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherheitsverwahrung – bis in alle Ewigkeit. Als die Forderung verkündet wurde, zeigte der Angeklagte „keinerlei Reaktion“. Uneinsichtig und unbelehrbar wird der Mensch in die Hölle fahren. (SPIEGEL.de)

Wie gut, dass wir ehrgeizige kleine Monstren haben, die sich bemühen, in ihrem bedeutungslosen Winkel das Bestienspiel zu spielen und der Menschheit den Spiegel vorzuhalten. Sie sollten geehrt werden, denn alle Schuld des Menschen nehmen sie auf sich, lassen sich pro nobis als Teufel beschimpfen und verurteilen. Die Menschheit kann wieder aufatmen – und weiter machen wie bisher. Wieder einmal ist der Kelch an ihr vorüber gegangen. Danke, Beate, du Gottselige. Nein, verflucht seist du, wieder einmal hast du der Menschheit die Chance zur Reue, Buße und Selbsteinkehr genommen.

Drei Wochen lang war der Himmel über Deutschland geöffnet. Die Mächtigen und Edlen der Welt, sonst unsichtbar, schwirrten durch Wald und Feld, Marktplätze und Fernsehstudios. Sie standen an Straßenecken, am Eingang zum S-Bahnhof, sprachen die Irdischen an, als wollten sie ihre Freunde werden und schenkten ihnen ihre wertvollsten Gedanken in Form von Broschüren, Parteizeitungen und Flugblättern. Seriöse Gazetten quollen über von Berichten und Bewertungen. Zur besten Sendezeit durften die Kandidaten ihre Meinungen verbreiten. Kurz nach acht gab es ...

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Neubeginn LVI

Tagesmail - Montag, den 11. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LVI,

es gibt Kinderschändung und Religionsschändung, Pädophilie und Religiophilie. Religionsschänder berufen sich auf heilige Bücher, um ihre Untaten zu begründen. Sie schrecken nicht davor zurück, die reinsten und lautersten Erfindungen der Menschheit mit dem Schmutz ihrer Bosheit zu besudeln. Religionen sind Botschaften der innigsten Menschenliebe. Wer sie missbraucht zur Legitimation seiner Bösartigkeit, ist Feind und Verderber des Besten, was Große Seelen der Menschheit vermachten.

Die deutsche Kanzlerin hat ihren geheimsten Berufswunsch offenbart – sollten die Deutschen den Fehler begehen, sie bei der übernächsten Wahl dorthin zurückzuschicken, woher sie gekommen war: ins Dunkel der Geschichte. Nachdem sie zur mächtigsten Politikerin der Welt aufstieg, will sie die erste planetarische Lichtfigur der Weltreligionen werden. Nachdem bedeutende Männer wie C.F. von Weizsäcker und Hans Küng an der Mission scheiterten, will sie als pan-ökumenische Madonna die vielfältigen und doch so schlichten und einfachen Lehren der reinen Menschenliebe zu einem überwältigenden Bündnis vereinen.

Religionen müssen endlich vor ihren fanatischsten Gläubigen in Schutz genommen werden, erklärte sie vor Religionsführern und Politikern aus aller Welt mit innigstem Erleuchtungs-Lächeln:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung des Weltfriedenstreffens an Kirchen- und Religionsvertreter appelliert, sich nicht vereinnahmen zu lassen. „Religionen haben den Auftrag zum Frieden und deshalb kann es keine Rechtfertigung von Krieg und Gewalt im Namen einer Religion geben“, sagte sie am Sonntag im nordrhein-westfälischen Münster. Insbesondere die Religionsgemeinschaften selbst seien dazu aufgerufen, „sich deutlich gegen die Vereinnahmung von Religion durch diejenigen zu wenden, die die Würde von Menschen mit Füßen treten“. (Berliner-Zeitung.de)

In seinem Buch „Weltethos“ hatte der katholische Theologe Hans Küng den ...

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Neubeginn LV

Tagesmail - Freitag, den 08. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LV,

ecclesia war die Volksversammlung in Athen. Hemmungslos bedienten sich die Christen griechischer Begriffe, verkehrten sie in ihr Gegenteil und missbrauchten ecclesia zur Bezeichnung der Kirche.

Kirche, Versammlung der Frommen, war nie das Volk, sondern ein Sekten-Ereignis im Winkel. Die Heraus-Rufung aller Mündigen war keine Be-Rufung der von Gott Erwählten. Das irdische Volk war kein Volk Gottes, das bei den Christen – im Gegensatz zu den Juden – auch kein Volk mehr war, sondern das Herauspicken bestimmter Lieblinge aus allen Völkern. Erlöserreligion ist finale Vernichtung aller Völker bei Rettung weniger.

Demokratie ist der Versuch, jeden Einzelnen als vollwertiges Wesen zu betrachten und alle Völker in einer friedlichen Welt-Ecclesia zu vereinigen. In der Demokratie hat jeder Mensch den gleichen Wert. In der Kirche spaltet der Erlöser die menschliche Gattung, rettet die Seinen und verflucht die Mehrheiten zu ewiger Pein.

Das sind die beiden Urkulturen des Abendlands, das sich christlich nennt, in Wirklichkeit aber ein Kampfplatz zweier unverträglicher Lebensweisen darstellt: einer unversöhnlichen Spaltung der Menschheit – und einer Akzeptanz aller Menschen als gleichwertige Wesen.

In den Erlöserreligionen ist der Mensch ein mißlungenes Wesen, unfähig, sich den Rettungsbedingungen eines Messias zu unterwerfen: er muss vernichtet werden – mit wenigen Ausnahmen, die ihr Selbstbewusstsein opfern und sich den Seligkeitsbedingungen eines Allmächtigen beugen. Der erlöste Mensch ist ein Nichts, Gott ist alles. Der demokratische Mensch bestimmt über sich selbst, Götter sind nichts.

Natur gilt bei den Erlösten als minderwertige Kreatur, die zusammen mit minderwertigen Menschen vernichtet werden muss. Bei Demokraten ist Natur ...

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Neubeginn LIV

Tagesmail - Mittwoch, den 06. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LIV,

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,

Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.

Oh doch, Heinrich Heine: auch das Vaterland kann verderben. Weder hat Deutschland ewigen Bestand, noch ist es ein kerngesundes Land. Auch deine Eichen und Linden würdest du heute kaum noch finden.

Väter und Vaterländer sind unsterblich. Um sterbliche Mütter aber muss man sich ernstlich sorgen. Mütter haben die Kinder lieb, bei Vätern kann man es nicht wissen – denn ...

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