Philosophische Tagesmails

Von vorne LXXVI

Tagesmail - Freitag, den 18. Oktober 2019

Von vorne LXXVI,

„Dann sprach er vom "Schluchzen eines Kindes", das sei für ihn ein Wert. "Die Augen der Menschen sind ein Wert, die Blicke, die Augen. Und nicht die europäischen Werte." Pause. "Arschlöcher."“ (WELT.de)

„"Niemand darf überleben." Seine Einheit habe das Dorf mit einer Kanone beschossen, Häuser durchkämmt und in Brand gesetzt und 15 unbewaffnete Zivilisten in einem Bauernhof zusammengetrieben, schilderte er. Die Frauen, Kinder und älteren Männer hätten jede Verbindung zur sogenannten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) lebhaft bestritten. Dennoch habe sein Feldwebel ihm und etwa zehn anderen Soldaten befohlen, die Leute auf der Stelle zu erschießen. Dies hätten sie getan, räumte der Zeuge ein. "Ich erinnere mich noch lebhaft des Babys. Es wurde von drei Kugeln getroffen und schrie unglaublich laut".“ (SPIEGEL.de)

Kindliches Schluchzen allein genügt nicht, um die Empfindsamkeit des Dichters zu erregen. (Pardon, die „Neoempfindsamkeit“. Ohne Neo… dürfen Begriffe heute nicht mehr verwendet werden, wenn sie nicht alt aussehen wollen.) Das Kind muss vom Kairos der richtigen Volkszugehörigkeit geküsst sein.

Rechten Kairos kann man nicht definieren, man muss ihn ahnen und empfinden. Ach geh, an der Hautfarbe liegt es nicht. Selbst Kinder von Zulukaffern können wahre Empfindungen auslösen:

„Ich glaube, auch bei den Zulu-Kaffern, entschuldigen Sie das Wort, da machen die Kinder ein herrliches Geräusch, wenn sie Hüpfschritte machen, sogar auf dem Asphalt, vielleicht sogar besser auf Asphalt. Oder was auch immer.“

Sollte das Kind jedoch zur falschen Seite gehören, kann es – wenn es füsiliert wird – so laut brüllen, wie es will: es wird dem Schreihals nichts nützen. Der Quälgeist muss weg.

Wundersame Jagdszenen aus der Befreiung des Abendlands von ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXXV

Tagesmail - Mittwoch, den 16. Oktober 2019

Von vorne LXXV,

kann man am Aufkommen der FFF- und XR-Bewegungen das Versagen der Grünen konstatieren? Würden die Grünen eine plausible Ökopolitik anbieten: hätte es ihnen nicht gelingen müssen, auch die nachfolgenden Generationen anzusprechen und zu überzeugen? So war die Jugend gezwungen, ihr kollektives Erwachen allein und unabhängig zu erarbeiten und der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Das Dilemma der Grünen ist das Dilemma der SPD und aller Korrekturparteien. Sie bringen ihre Biografie nicht in Ordnung, verdrängen die Probleme ihres Anfangs, weshalb sie nicht wissen, wohin des Weges. CDU und FDP sind keine Korrektur-, sondern Weiter-so-Parteien. Man könnte auch von erblindeten Fortschrittsparteien sprechen.

Ihr Kurs ist klar: vorwärts durch die Tundra jagen die Tscherkessen. Nie zurückschauen, nie die Überprüfungstaste drücken. Was erfolgreich war, muss erfolgreich bleiben. Ziel ist die Zukunft, die lineare Verlängerung alles Tüchtigen und Naturbeherrschenden. Vergangenheit ist perdu, Gegenwart muss in rasender Geschwindigkeit durchfahren und geopfert werden, um die Zukunft, die sich stets verzieht, mit Hurra zu gewinnen.

Was die Zukunft betrifft, unterscheiden sich CDU und FDP.

Die (Neo-)Liberalen folgen dem Kurs der unbarmherzigen Evolution, die den schädlichen Impuls des Altruismus überwinden und einem Kurs amoralischer Mitleidlosigkeit folgen müsse:

„Was uns zu Menschen gemacht hat, war, dass wir jene angeborenen Gefühle, die die kleine Gruppe zusammenhielten und die wir noch gerne die „menschlichen“ nennen, durch abstrakte Verhaltensregeln ersetzten, die uns von der Verpflichtung befreiten, zunächst für den Nachbarn zu sorgen, bevor wir der Welt Leistungen anboten.“ (Hayek)

Das ist die ideologische Grundlage der allgemein geltenden Lösungs-Imperative. Vom erlebten Sinnvollen muss man sich losreißen, um zur emotionslosen Kälte ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXXIV

Tagesmail - Montag, den 14. Oktober 2019

Von vorne LXXIV,

unvorstellbar, nie wieder, Alarmzeichen, keine funktionierende Polizei, keine Erklärung ihres Ausfalls, keine Entschuldigung von niemandem, weder von Seehofer, noch von Landes- und Stadtpolitikern, von Merkel schon gar nicht, die sich – wie gewöhnlich – in wortloses Mimikry flüchtete, keine Gesamtanalyse der Situation, keine Klärung des Begriffes Antisemitismus, kein klärendes Wort zur Problemverschlingung mit der Kritik an Israel, keine Diagnose zur gesellschaftlichen Wiederkehr des Unbearbeiteten, kein Ton zur Frage, ob Deutschland sein schreckliches Erbe aufgearbeitet hat, kein Generalplan, wie die deutsche Misere von Grund auf erklärt, verstanden und aufgearbeitet werden kann: das ist die deutsche Reaktion auf Halle, eine Nullreaktion mit viel Getöse um nichts.

Wo sind die Umfragen bei deutschen Eltern, wie sie ihren Kindern den Holocaust erklären? Wo sind die Überprüfungen der schulischen Lehrpläne, die Befragungen der SchülerInnen, wie sie die deutsch-jüdischen Beziehungen erleben? Wo sind die Stimmen der Wissenschaft? Hat sich die Erkenntnis von Ernst Benz herumgesprochen:

„"Es gibt keinen neuen Antisemitismus", sagt der Historiker Wolfgang Benz, der viele Jahre das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin leitete. "Es ist die alte, monotone Judenfeindschaft mit denselben Unterstellungen und Vorurteilen." Der Hass gegenüber den Juden sei das "älteste Vorurteil" der Welt.“ (SPIEGEL.de)

Die alte, monotone Judenfeindschaft ist eine religiöse Erfindung. Man müsste sich mit der abendländischen Religion auseinandersetzen, um dem Übel auf die Spur zu kommen. Das hieße Kritik am Christentum, an den christlichen Kirchen, die mit wachsweichen Deutungen dem glühenden Judenhass ihrer Vergangenheit entgehen wollen.

Morgen ist der Theaterdonner vorbei, die erkenntnislose Moment-Anteilnahme verschwunden, die Lippenbekenntnisse sind verhallt, die Kerzen abgebrannt, die ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXXIII

Tagesmail - Freitag, den 11. Oktober 2019

Von vorne LXXIII,

Nie wieder, nie wieder.

Auf dem Feldherrnhügel deutscher Ehre stehen General Döpfner und Adjutant Reichelt und befehlen mit bellenden Stimmen der deutschen Schmach: nie wieder mit nie wieder.

Und Deutschland – gewohnt, Befehlen zu gehorchen – hatte sofort ein Einsehen, bereute in Sack und Asche und verwandelte seinen Judenhass in bewährte Nächstenliebe.

„Wir haben es mit einem Systemversagen der offenen Gesellschaft zu tun. Wir brauchen jetzt keine Demonstrationen mehr. Immer weniger wird noch benannt, wie es ist. Es wird verschwiegen oder beschwichtigend verharmlost. Und wenn einige wenige Medien die Fakten doch nennen oder grausame Bilder trotzdem zeigen, dann werden vielfach nicht die Tatsachen beklagt, sondern wird derjenige beschimpft oder gar der Aufwiegelung bezichtigt, der die Realität beschreibt. Deutschlands Politik- und Medieneliten schlafen den Schlaf der Selbstgerechten und träumen den Wunschtraum der Political Correctness. Möchten sie nicht, dass diese Ruhe gestört wird?“ (WELT.de)

Nicht die offene Gesellschaft hat versagt, sondern verwahrloste Gesellschafter, nicht die Demokratie, sondern heruntergekommene Demokraten. Springer-Kohorten, sonst aller Politmoral überdrüssig und unermüdlich dabei, Moralisierer als Rechthaber zu bügeln, wollen plötzlich Recht behalten!

Zwischen Realität beschreiben und Realität bewerten, können sie nicht unterscheiden.

Sie verfluchen political correctness und sind selbst konform mit der blinden Unterwürfigkeit ihrer Regierung gegenüber einer befreundeten Regierung, die sie offensichtlich für unfähig halten, streitbare Loyalität zu akzeptieren.

Sie wollen Judenfreunde sein und stellen Israelis dar, als seien sie papistisch- ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXXII

Tagesmail - Mittwoch, den 09. Oktober 2019

Von vorne LXXII,

die Straßen-Blockierer kommen zu spät. Längst blockiert die Wohlstandsnation sich selbst. Auf britische Blockier-Importe könnte sie verzichten. Was funktioniert noch im Lande der Korrekten und Pflichtbewussten?

Einen Vorteil aber haben jene. Wenn Deutschland wirtschaftlich „nach unten durchgereicht wird“, kann die Regierung die Schuld elegant von sich weisen.

Diese wachstumsverweigernden, alle neuralgischen Punkte lahm legenden Systemterroristen seien es, die den Verfall bewirkt hätten. Ihre friedlichen, aus bester Gentlemen-Kultur stammenden Sitten seien nur Tarnung für einen antimodernen, wirtschafts- und fortschrittsfeindlichen Hass gegen den Triumphzug der Menschheit. Ihr wurde ein grandioser Sieg über die Natur verheißen:

„Fürchtet euch nicht, ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.“

„Gebet das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Säue, damit sie jene nicht zertreten, sich umwenden und euch zerreißen.“

„Es war aber ferne von ihnen ein große Herde Säue auf der Weide. Da baten ihn die Teufel und sprachen: Willst du uns austreiben, so erlaube uns, in die Herde Säue zu fahren. Und er sprach: Fahret hin! Da fuhren sie aus und in die Herde Säue. Und siehe, die ganze Herde Säue stürzte sich von dem Abhang ins Meer und ersoffen im Wasser.“

„Als er am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXXI

Tagesmail - Montag, den 07. Oktober 2019

Von vorne LXXI,

die Weltbürgerrebellion ist bereits ausgebrochen. Rund um den Planeten werden Regierungen angezweifelt und bekämpft. Bislang mit vorwiegend friedlichen Mitteln.

Oft stehen lokale Motive am Anfang – die sich in rasender Entwicklung zu weltweit-existentiellen Beweggründen ausdehnen. Sehen die Unzufriedenen keine Chance mehr, durch Beeinflussen ihrer nationalen Mächte ihr Schicksal zu verändern, packen sie ihr Bündel, um in massenhaften Flüchtlingsströmen in Weltregionen zu fliehen, die sie für privilegiert halten.

Längst zeichnet sich ab, welche Erdregionen bald unbewohnbar sein werden und dass die bevorzugten Länder nicht in der Lage sind oder mit allen diplomatischen und gewaltsamen Mitteln ablehnen werden, die in Todesangst fliehenden Millionen bei sich aufzunehmen.

Doch nicht verzagen, Wissenschaft fragen. Sie erzeugt alle Probleme und wird sie alle lösen – indem sie neue, noch größere Probleme schaffen und sie mit noch genialeren Methoden lösen wird: und das in endlos-aufsteigenden Spiralen bis ans Ende der Welt. Endloses Ende? Für endlos-geniale, ihren Erfindern unverständliche, gleichwohl grenzenlos-kreative Maschinen das Geringste aller Probleme.

Die Wissenschaft begann ihren Siegeszug als Entdeckerin wunderbar verlässlicher, berechenbarer kosmischer Harmonie. Das Gerippe der Welt bestand aus einem zeitlos-gültigen Gefüge ganzer Zahlen. Als die Irrationalzahlen ins Leben der Forscher einbrachen, war es ein Schock für die harmoniebedürftigen Mathematiker der ersten Stunde.

Dabei hätte es keine Überraschung sein dürfen. Das Irrationale hatte sich bereits an anderer Stelle gemeldet: in der demokritischen Atomlehre, wonach sich die kleinsten Teilchen der Welt nicht regelmäßig, sondern unberechenbar-zufällig ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXX

Tagesmail - Freitag, den 04. Oktober 2019

Von vorne LXX,

l‘état c’est moi: das galt in Frankreich.

Gilt in Deutschland: der Staat – ist sie: die Kanzlerin, die mächtigste Frau der Welt, die das Wörtchen Ich nur benutzt, wenn es nicht zu vermeiden ist?

Aber nein, die Kanzlerin herrscht nicht, sie ist die erste Dienerin des Staates. Am liebsten spricht sie in unpersönlichem Funktionsdeutsch, als ob sie Vorgänge überwachen müsste, die am besten laufen, wenn sie ungestört laufen – oder alternativlos. Automatisch? Ja, das träfe es am besten.

Wem also dient die Unpersönliche? Einer leise schnurrenden und summenden Maschine, die nur in Hochform kommt, wenn niemand an ihr herumschraubt oder – wenn man ihr voll und ganz vertraut. Wie stolz sind ihre einheimischen Untertanen, dass sie eine Physikerin als oberste Maschinistin haben. Gottgläubig zudem – für jeden Fall. Weiß doch niemand, was noch passieren kann. Doppelt gesichert hält besser.

Zuerst die perfekte Maschine, die sich vom Menschen losreißen muss. Auch Maschinen müssen sich lösen und dürfen sich auf Helikopter-Betreuer nicht verlassen, weshalb sich Intelligenz-Robotern eine glänzende Zukunft eröffnet.

Dann die Maschine, die in Gottes Hand ruht – für alle Fälle.  

Solange Maschinen nicht perfekt sind, müssen sie nachgebessert werden. Aber bitte nicht radikal, was alles nur verschlimmern würde. Sondern mit Mut zum Scheitern. Nur wer scheitern kann, verdient die Hilfe von Oben. Nicht anders als menschliche Moral, die in Gottes Moral ruht. Ohne Böckenfördes jenseitige Rückversicherungsmoral keine irdische Würde des Menschen.

Nein, der Staat ist nicht sie, die leise schnurrende Dienerin, sondern sie: die ...

Weiterlesen...
 

Von vorne LXIX

Tagesmail - Mittwoch, den 02. Oktober 2019

Von vorne LXIX,

Trump und Johnson sind nicht die einzigen Narren.

„Wer auch immer dazu beigetragen hat, dass die Leichtathletik-WM in Katar stattfindet, sollte sich schämen. Und wer daran mitgefingert hat, dass die Fußball-WM in drei Jahren dort stattfinden soll, ebenfalls. Die aktuellen Wettkämpfe der Leichtathleten zeigen, was mit dem Sport passiert, wenn seine Funktionäre von Geldgier und Korruption geleitet werden. Diese WM ist ein Witz, sie ist ein Skandal. Das Emirat Katar will sich mithilfe solcher Events politische Akzeptanz für seine Diktatur erkaufen. Das ist nachvollziehbar. Die großen Leichtathletik- oder Fußballverbände verraten ihre Athleten und alle Sportfans weltweit.“ (SPIEGEL.de)

Markus Feldenkirchen nimmt kein Blatt vor den Mund. Warum aber erwähnt er nicht diejenigen, die nur scheinbar kritisieren – und dennoch alles zeigen: die TV-Kanäle, die die Übertragung der Spiele teuer erkauft haben, obgleich das Verhängnis längst abzusehen war? Keine Schelte unter medialen Kollegen?

Trumps Pussygrapschen ist durch die Metoo-Bewegung geächtet, voyeuristisches Pussygrapschen aus maskuliner Perspektive wird in Katar zum Weltereignis.

„In den knappen Sachen über diese Kamera zu steigen, um in den Block zu gehen, finde ich sehr unangenehm.“ (Gina Lückenkemper)

Gibt es eine Erklärung? Um Erklärungen sind gewiefte Framing-, Nudging- und Kommunikationskoryphäen nie verlegen:

„Die Idee der Startblockkamera sei es, die Kommunikation zwischen Athlet und Zuschauern durch eine neue Eventpräsentation zu verbessern.“

Gibt es denn in Zirkusspielen eine Kommunikation zwischen Darstellern und Publikum? Und wenn ja, wäre es dem Fortschritt nicht angemessener, die ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 198