Philosophische Tagesmails

Weltdorf LVII

Tagesmail - Mittwoch, den 18. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LVII,

wir verlangen ein Davos für die Vielzuvielen! Eine Bilderberg-Konferenz für die Abgehängten! Eine UN-Vollversammlung für die Armen und Schwachen! Einen IWF-Gipfel für die Verlierer. Ein Weltrettungs-Tribunal für die Abgehängten! Aber subito!

Wo treffen sich die Völker, um über ihr Schicksal zu beraten? Wo die Ohnmächtigen und Abhängigen, um den Planeten vor den Davoser Tycoons zu retten? Wo die Hälfte der Menschheit, die weniger besitzt als acht Giga-Mammonisten zusammen, um sich der scheingesetzlichen Blutsauger und Legal-Kriminellen zu entledigen? Wo die Milliarden Verachteten und Gedemütigten, über deren Schicksal Schnellschwätzer-Bürschchen mit prophetischen Gesten und visionärem Augenrollen bestimmen? Wo die 99PROZENT, die zugucken darf, welch technische Zukunftshölle mit Unsterblichkeits-Phantastereien man höheren Orts für sie ausbrütet? Ohne sie mit der einzig bedeutsamen Frage zu behelligen: wie stellt ihr euch selbst euer Leben vor?

EINPROZENT entscheidet über die Geschicke des Planeten und der Menschheit – und dies im Zeitalter der Volks-Herrschaft. Sprechen wir‘s aus: es hat sich eine Form des Totalitarismus entwickelt, von der Hannah Arendt nichts ahnen konnte. Ein weltweiter Totalitarismus hat sich etabliert – unter der Maske der Demokratie. Je mehr Völker an die Wahlurne gehen, je weniger bestimmen sie über ...

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Weltdorf LVI

Tagesmail - Montag, den 16. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LVI,

jetzt zeigt sich, dass die hoch gerühmte Globalisierung vor allem die Fortsetzung nationaler Egoismen mit anderen Methoden war. Internationaler Handel ist kein Tauschhandel auf gerechter Basis. Starke Länder schreiben schwachen Partnern Handelsverträge vor, von denen sie selbst am meisten profitieren. Gerechtigkeit ist aus dem Wortschatz der Weltherrscher gestrichen.

Obgleich die Kluft zwischen Reichen und Armen sich seit Jahren kontinuierlich verstärkt, schreibt der SPIEGEL: „Acht Superreiche besitzen angeblich so viel wie die halbe Menschheit.“

Die kritische Organisation Oxfam, die die Zahlen veröffentlichte, wird pflichtgemäß in dubioses Licht gerückt. Statistische Zahlen könne man beliebig instrumentalisieren:

„Oxfams plakative Zahlen setzen bewusst auf Empörung. Ist ein Tagelöhner mit zehn Dollar Bargeld in der Tasche reicher oder ärmer als ein schwäbischer Hausbesitzer mit 180.000 Euro Schulden? Zählt nur das verfügbare Vermögen oder gehören auch "gebundene" Werte in die Rechnung? Je nach Sichtweise kommen unterschiedliche Studien denn auch zu durchaus variierenden Erkenntnissen.“ (SPIEGEL.de)

Dennoch können die Schreiber den jahrzehntelangen Trend nicht leugnen:

„Doch an den grundlegenden Tatsachen ändert sich dadurch nichts. Jede Erhebungsmethode, jede Studie über die Verteilung von Vermögen dokumentiert in ...

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Weltdorf LV

Tagesmail - Freitag, den 13. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LV,

Krise ruft nach Erlösung, Depression nach Wunder. Kaum hatten sie Trauer über ihre Toten getragen, stellte sich punktgenau die Erleuchtung ein. Nach deutscher Art muss es Kunst sein, die die Hoffnungslosen aus dem Jammertal führt.

Doch Wunder und Demokratie schließen sich aus. Wenn das Volk das Sagen hätte, gäbe es weder Pyramiden, noch gotische Kathedralen, fürstliche Gärten und bewundernswerte Museen. Wie aber erklären wir uns, dass in der ersten Demokratie der Weltgeschichte die Kunst zur Vollendung reifte?

Die Herrschaft des Volkes in christlichen Breitengraden ist eine Epoche des Ordinären, Nützlichen, Gemeinen und Banalen. Der rohe Pöbel besitzt keine Empfindung für das Erhabene und Außerordentliche. Herrliche Schlösser, entzückende Musik, wundersame Malerei, vollendete Skulpturen und berückende Poesie gibt es allein in aristokratischen Gesellschaften. Nur die Eitelkeit und Ruhmsucht der Besten und Vermögendsten schaffen zeitüberdauernde Gebilde der Bewunderung und Ehrfurcht.

„Gerade erst ist die Hamburger Elbphilharmonie vollendet worden, und doch erhebt sie sich da am großen Fluss so selbstverständlich und selbstbewusst, als hätte die Welt nur auf sie gewartet. Von vielen Stellen der Stadt aus kann man sie sehen, wie eine Verheißung. Dieses kristalline Gebäude ist beinahe ein Wunder. Und das hat nicht nur ...

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Weltdorf LIV

Tagesmail - Mittwoch, den 11. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LIV,

Rückschau gibt es in Deutschland nur als Totenverklärung. Heros zu werden, ist hierzulande einfach: man muss nur sterben und in die ewigen Jagdgründe eingehen. Heldentod und Tod sind identisch geworden. Über Tote nur Gutes? Über Tote nur Heldenhaftes. Wer stirbt, hat Recht gehabt und geht ein in Walhall.

In der deutschen Vergangenheit kann es nur Heroen gegeben haben, sonst hätten sie nicht das Recht gehabt, gestorben zu sein. Safranskis Bücher über tote Deutsche sind allesamt Heroenverklärungen. Die Schande der Deutschen währte nur einen Augenblick, davor und danach strahlte alles im Heldenglanz. Ob man wie Goethe Fürstenknecht oder wie Heidegger Bewunderer Hitlers war: sie waren Deutsche und also waren sie ehrenhaft, tiefsinnig und unvergleichlich. Und wenn ihr ein vorbildliches Leben haben wollt: nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis, das Leben möge gewesen sein, wie es war.

Noch immer kämpfen Helden gegen Krämer – und wenn sie selbst zu Oberkrämern geworden sind, die nur noch fuggern und exportieren können. Auch Helden müssen das ABC der Moderne beherrschen: die Wirtschaft ist unser Schicksal.

Was unterscheidet deutsche von amerikanischen Helden? Während Amerikas Erwählten-Traum zerplatzt ist und demokratisch dringend nachjustiert werden müsste, träumen die Deutschen unbeirrt den amerikanischen Traum – den sie in ihrem kollektiven Es schon immer für minderwertig hielten. Was Max und Marianne Weber mit Ernst Troeltsch im Jahre 1904 in Amerika erlebten, ist heutigen Deutschen im tiefsten Innern noch ...

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Weltdorf LIII

Tagesmail - Montag, den 09. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LIII,

Gott sei gepriesen, Trump hat die Türen eingetreten. Nun stehen wir, wo wir schon lange stehen müssten: im Zentrum des Geschehens, in der Halle der Grundsatzfragen.

Trump kann nur philosophisch besiegt werden. Das Schlachtfeld der Macht beginnt mit dem Schlachtfeld der Gedanken. Siegt ein Gedanke, wird er zur Waffe. Da jede Macht auf Gedanken beruht, kann sie letztlich nur durch Gedanken besiegt werden. Wer will, dass humane Gedanken die Welt regieren, muss für humane Gedanken sorgen. Wohl können Waffen denkende Menschen vernichten. Dennoch ist jede Waffe nur ein Instrument in den Händen inhuman denkender Menschen, die nur durch die Kraft humaner Gedanken zur Einsicht kommen können – ohne, dass sie vernichtet werden müssen.

Der Feind kann nur besiegt werden, wenn er nicht mehr als Feind dienen muss. Jede Untat beginnt ihre verhängnisvolle Karriere als menschenfeindlicher Gedanke. Wer jene verhindern will, muss diesen durch Menschenfreundlichkeit durchdrungen haben. Je mehr der ideelle Kampf der Geister im hiesigen Tümpel der Unwiderlegbaren und Wahrheitslosen als dogmatische Besserwisserei denunziert wurde, je mehr nahm der Kampf der Waffen überhand.

Wer sich nichts mehr zu sagen hat, wer mit Argumenten nicht streiten kann, der muss zu Molotow-Cocktails oder allesüberrollenden Lastwagen greifen, um sich eine Bühne des Todes zu schaffen. Durch Gesetzesverschärfungen kann der IS nicht überwunden werden. Todenhöfer hat in FREITAG Selbstverständliches ausgesprochen – das bei uns ...

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Weltdorf LII

Tagesmail - Freitag, den 06. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LII,

„Deutschland ist verloren. Nur Genozid oder Massen-Deportationen können die Entwicklung rückgängig machen. Deutschland lernt es auf hartem Wege. Deutschland ertrinkt in einer Flut von Einwanderern.“ Leser-Kommentar in BREITBART, der Zentralpostille der Trumpianer, zitiert in BILD.

Mit Völkermord sollen sich die Deutschen der lebensunwerten Flüchtlinge entledigen. Wer bislang über Trumps Bewegung noch Zweifel hatte, kann ab jetzt keine mehr haben.

Angela Merkel, für die einen die Retterin der Welt, für die anderen der Niedergang:

Der schlechteste Kanzler, den Deutschland seit Hitler hatte. Sie hat mehr getan, um das Land kulturell zu beschädigen, als jeder andere vor ihr.“

Was ist der Kern der gegenwärtigen Krise für die Alt-Rechten, die Trump als charismatischen Retter feiern?

„Der christliche Glaube und der Kapitalismus seien in einer Krise. Über den drohenden Clash der Kulturen: „Wir stehen am Anfang eines sehr brutalen und blutigen Konflikts. Er forderte deshalb eine „militante Kirche, die gegen die neue Barbarei aufsteht, die sonst alles auslöschen werde, was Christen und Juden in den vergangenen 2000 bis 2500 Jahre erreicht haben“.

Warum schätzen und bewundern die Trumpianer den russisch-orthodoxen Neu-Zaren Putin?

Wir, der jüdisch-christliche Westen, sollte darauf blicken, was Putin über Traditionalismus sagt. Besonders wenn es um die Unterstützung des Nationalismus geht. Denn ich denke, dass die individuelle Souveränität eines Landes eine gute und starke Sache ist.“

Was sind die außenpolitischen Ziele Trumps?

„Unsere Reichweite und Einfluss werden die gesamte politische Landkarte des Westens neu zeichnen.“

Über deutsche Männer (Frauen uninteressant):

Deutsche Männer haben vergessen, wie man kämpft.“

Das haben sie nun davon, die deutschen Weicheier, dass hergelaufene Untermenschen ihnen auf dem ...

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Weltdorf LI

Tagesmail - Dienstag, den 03. Januar 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs LI,

nun erntet die Welt, was sie gesät hat. Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen – und haben das Maul gehalten.

Nichts geschieht ohne Ursache, die Ursache des Menschen aber ist der Mensch. Weder materielle Verhältnisse, noch das Sein, weder Götter noch Teufel, weder die Evolution, noch die Geschichte. Die Philosophen haben die Welt sehr wohl verändert, es kömmt darauf an, wieder philosophisch zu werden, um die Macht der Mächtigen auszuhebeln. Nur der wahre Gedanke, der zur Tat wird, kann die Welt zur wahren Heimat des Menschen machen.

Der SPIEGEL hat 70-jähriges Jubiläum und meint es bitterernst:

„Es geht heute um Freiheit, Aufklärung, Demokratie, es geht wieder oder noch immer um alles.“ Denn in Amerika ist einer zum Präsidenten gewählt worden, der „seine eigene Wirklichkeit erzeugt und allen, die ihn seiner Lügen überführen, unterstellt, dass sie Lügner seien.“

Wenn es um alles geht, geht es um Wahrheit. „Lügner müssen Lügner genannt werden.“ Spiegel-Chef Brinkbäumer nennt das W-Wort nicht, obgleich sein Kampf gegen die Lüge ohne Wahrheit in der Luft hängt. Warum nennt er es nicht? Weil fast alle Medien seit Jahrzehnten die Wahrheit verachten und verhöhnen – auch der SPIEGEL. Kein Wörtchen der Selbstkritik ist bei ihm zu lesen. Wenn es keine Wahrheit gibt, kann es auch keine Lügen geben. Wenn alle recht haben, auch die Lügner, kann es keine Lügner geben.

Trump ist das Erzeugnis jener philosophischen Dekadenz, die alle Wahrheit abgeschafft hat. Sie nannte sich Postmoderne, jene Epoche, die der Moderne folgt und der Wärmetod aller Epochen sein wollte. Es gebe nur verschiedene Perspektiven und verschiedene Wahrheiten. Wer jemanden einen Lügner nennt, stellt sich über ihn und will Solo-Besitzer der Wahrheit sein. Als fanatischer Besserwisser muss er aus dem Chor der ...

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Weltdorf L

Tagesmail - Dienstag, den 27. Dezember 2016

Hello, Freunde des Weltdorfs L,

die Epoche der Religion geht zu Ende. Ihre Rückkehr in Zeiten der Krise ist ihr Niedergang. Ihr Triumph über die schwache Kreatur zeigt dem lernfähigen Menschen, dass er stark werden muss, um Verlockungen des falschen Trostes nicht länger zu folgen.

Der falsche Heiler verriet sein Geheimnis: die Gesunden bedürfen des Arztes nicht. Also musste er die Gesunden zu Kranken machen, um Seine Unentbehrlichkeit unter Beweis zu stellen. Eine gesunde Menschheit wäre immun gegen falsche Verheißungen. Wozu sie noch nicht fähig ist, das kann sie sich erarbeiten. Der Mensch bedarf keiner Erlösung, er ist lernfähig. Wer sich trostlosem Pessimismus ergibt, verrät den Menschen.

Der oberste Glaubenssatz des autonomen Menschen lautet: Der Mensch ist dem Menschen heilig. (Seneca)

Der oberste Glaubenssatz des fremdgesteuerten Menschen lautet: Der Mensch ist dem Menschen ein Teufel. Nur Gott ist dem Menschen ein Heiland. „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen?“ Lehnt der Mensch den himmlischen Heiland ab, wird Gott zu seinem Teufel.

Ist Gott ein Spiegel des Menschen, wie Feuerbach schrieb? Ein Spiegel zeigt, was ist. Gott zeigt nicht, wie der Mensch ist. Er schwächt den Menschen, um seine Größe zu behaupten. Gott ist ein Parasit des Menschen, er lebt von dessen Blut und Energie. Alles Gute raubt er dem Menschen, um ihn als elenden Sündenkrüppel zur Beute zu machen.

Doch Gott gibt es nicht, er ist eine Erfindung des Menschen. Der Mensch schwächt sich selbst, um ein erfundenes und allmächtiges Wesen zu mästen – an das er glauben kann, um sich zu retten. Der Mensch will sich am eigenen Zopf aus dem Elend ziehen, indem er sich entmachtet zugunsten eines Wesens, das er selbst ausbrütete. Er rettet sich, indem er sich schwächt; er schwächt sich, um sich zu retten. Das ...

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