Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt LXXVII

Tagesmail - Freitag, den 15. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXVII,

in München und Davos, da ist was los, aber immer noch zu wenig – wie man im SPIEGEL lesen kann:

„Die Münchner Sicherheitskonferenz sollte sich daher vor allem mit der Frage befassen, wann ökonomische Konkurrenz in den Krieg führt, um genau das zu verhindern. Man kann nicht mehr über globale Sicherheit reden, ohne über globales Wirtschaften zu reden. Davos und München gehören zusammen.“ (SPIEGEL.de)

Wahrhaft, die Wirtschaftsweisen regieren die Welt. Woran man das erkennt? Sie haben die Stellung der mittelalterlichen Theologen übernommen. Gottesgelehrte wussten früher alles besser als die Weisen dieser Welt. Heute wissen die Ökonomen alles besser als all ihre akademischen Kollegen.

Mittlerweilen wissen sie sogar, dass wirtschaftliche Konkurrenz zum Krieg führen könnte. Oder müsste. Oder gar sollte? Zudem sind sie die besten Psychologen, die mehr über das Verhalten der Menschen zu sagen haben als Freud & Co.

Welche psychische Eigenschaft regiert den Menschen? Der Neid. Sagt ein Neuroökonom namens Armin Falk. Richtig gelesen: die Gesetze des exakten Kapitalismus werden durch exakte Gehirnforschung bestätigt. Bezogen sich die Theologen auf Dogmen der Offenbarung, so beziehen sich moderne Wirtschaftler auf Dogmen der Marktwirtschaft und die prästabilierten Furchen des Großhirns.

„Es widerspricht einem zentralen Grundsatz der sozialen Marktwirtschaft, der aussagt: Arbeit muss sich lohnen. Neid ist das Unbehagen, dass andere etwas haben, was ich nicht habe. Es gibt negative Formen von Neid, die destruktiv sind und darauf zielen, andere schlechtzumachen.“ (SPIEGEL.de)

Bitte anschnallen, jetzt wird’s wissenschaftlich:

„In der Neuroökonomie kommen bildgebende, elektrophysiologische und ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 13. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXVI,

es gibt nur noch ein Mittel gegen die kapitalistische Pestilenz: die Weisheit des Begründers des Kapitalismus:

„Ungerechtigkeit wirkt mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft zu zerstören. Der Mensch hat eine natürliche Liebe zur Gesellschaft und wünscht, dass die Vereinigung der Menschen um ihrer selbst willen erhalten werde, auch wenn er selbst keinen Vorteil aus ihr ziehen sollte. Der geordnete und blühende Zustand der Gesellschaft ist ihm angenehm und er findet seine Freude daran, ihn zu betrachten. Unordnung und Zerrüttung der Gesellschaft dagegen erweckt seinen Abscheu und er ärgert sich über alles, was die Tendenz hat, solche Unordnung hervorzurufen. Er ist sich auch dessen bewusst, dass sein eigenes Interesse mit dem Gedeihen der Gesellschaft enge verknüpft ist, und dass die Glückseligkeit, ja vielleicht die Erhaltung seines Daseins, von ihrer Erhaltung abhängt. Aus all diesen Gründen hegt er darum einen Abscheu gegen alles, was dahin zielen kann, die Gesellschaft zu zerstören, und ist bereit, sich jedes Mittels zu bedienen, dass ein ihm so verhasstes und schreckliches Ereignis zu verhindern vermag.“ (Adam Smith)

In einer aufsehenerregenden Untersuchung wurde dieser Text ohne Nennung des Verfassers anerkannten Ökonomen vorgelegt. Sie sollten nachweisen, dass ihnen Texte des Urkapitalismus vertraut sind und sie den Namen des Verfassers nennen können. Das Ergebnis war frappierend (wie alle wissenschaftlichen Erkenntnisse heutzutage frappierend sind): nur ein Gelehrter tippte auf den richtigen Namen. Es war der Außenseiter vom Dienst, der einen Lehrstuhl für die Ethik des Kapitalismus innehatte.

Solche ethischen Sonderlinge gibt es. Der Zutritt zur Gruppe der Wirtschaftsweisen, die Aufmerksamkeit der Medien, die Nähe zur Regierung ist ihnen verschlossen. Stellungnahmen aus traumtänzerischer Sicht schaden der Konkurrenzfähigkeit der ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXV

Tagesmail - Montag, den 11. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXV,

„Staatskunst ist die schwerste aller Disziplinen. Es wird Zeit für Realpolitik.“ (WELT.de)

„Europa braucht eine neue Friedensbewegung“. (Sueddeutsche.de)

Realpolitik ist eine Salonformel für den militaristischen Willen zu Krieg und Kriegsgeschrei. Michael Stürmer, Historiker, lässt keine Altersmüdigkeit erkennen, in der WELT das friedensverwöhnte Deutschland auf die Stürme der Zukunft vorzubereiten.

Die Journalistin Ferdos Forudastan, SZ, fordert hingegen eine neue Friedensbewegung:

„Vor allem aber kommt es darauf an, dass die Bürger, denen eine wache und wahrnehmbare Friedensbewegung am Herzen liegt, sich als ihren Teil begreifen und in ihr engagieren. Für die Friedensbewegung der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre war die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch sehr gegenwärtig. Viele der mehr als 300 000 Demonstranten im Bonner Hofgarten Anfang der 80er-Jahre waren mit den Geschichten ihrer Eltern oder Großeltern vom Krieg aufgewachsen und in den Jahren der Konfrontation zwischen West und Ost großgeworden. Ihr Protest gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen war auch getragen vom Gefühl der unmittelbaren Bedrohung. Die meisten jungen Menschen in Deutschland haben dieses Gefühl nicht, bisher jedenfalls nicht. Mag sein, dass sich das ändert, wenn in sechs Monaten der INF-Vertrag endgültig Geschichte ist. Allein davon hängt es allerdings nicht ab, ob es bald wieder eine große, starke Bewegung geben könnte, die sich dagegen auflehnt, dass weitere Atomwaffen den Frieden in Europa ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXIV

Tagesmail - Freitag, den 08. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXIV,

vor die gleichberechtigte Sinnlichkeit hat Gott die Gleichberechtigung gesetzt.

Mit wem hat Gott Sex? Mit seinen Geschöpfen, die er erniedrigen und bestrafen, erretten und erhöhen muss, um das finale Halleluja oder den Orgasmus eines einsamen Gewaltigen zu erleben, der niemanden hat, welcher ihm gleichberechtigt wäre und sich Kreaturen aus den Rippen schwitzen muss, mit denen er eine Geschichte lang himmelhochjauchzende und zu Tode betrübte Affären erlebt – um am Ende seines missglückten Liebeswerbens sein Fiasko einzugestehen, das wie Triumph klingen soll, allein, es klingt nur so:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Der Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod.
Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen voll der letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXIII

Tagesmail - Mittwoch, den 06. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXIII,

eine Rede zur Lage der Nation gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen salbungsvolle Worte zum Sonntag – an hohen christlichen Feiertagen.

Wo legt die Kanzlerin Rechenschaft ab vor dem Volk? Nirgendwo.

Dank technischer Übertragungsmöglichkeiten wäre sie nicht gezwungen, sich auf die Hörweite des Parlaments zu beschränken. Das Repräsentativ-System der Demokratie – einst Völkern geschuldet, bei denen das Face-to-Face-Prinzip einer übersichtlichen Volksversammlung nicht mehr möglich war – wäre in modernen Zeiten für Reden an das ganze Volk nicht mehr notwendig. Zwar sind Volksversammlungen mit persönlicher Anwesenheit aller Citoyens und dem Recht zur Rede und Gegenrede weiterhin nicht möglich. Doch die AmtsinhaberInnen könnten sich – wie der amerikanische Präsident – an das gesamte Volk wenden, um ihre Politik coram publico zu rechtfertigen.

Repräsentativ-Systeme, die einen Puffer bilden sollen, um den geballten, irrationalen Volkswillen vor dem Allerheiligsten der Macht fernzuhalten (in Deutschland gestützt auf das überlegene Gewissen der Gewählten, die Erwählte sein wollen), sind demokratiefeindliche Elemente mächtiger Eliten, die das urdemokratische Prinzip der Gleichheit untergraben. (Erster Grundmakel der modernen Demokratie)

Der Amtseid der Kanzlerin lautet:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Und wenn ihr Gott ihnen nicht hilft? Ist eine Demokratie von den Weisungen eines ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXII

Tagesmail - Montag, den 04. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXII,

in abgründigen, lebensbedrohlichen Situationen, wenn der Mensch mit schierem Überleben davonkommen will, hilft nur noch die Wahrheit, die ungemischte, reine, lautere Wahrheit.

Wer zu viele Gifte inhaliert hat, muss sich aller schädlichen Umwelteinflüsse enthalten, ein Rauchgiftsüchtiger das geringste Quantum an Drogen meiden, ein Alkohol-Kranker jeden Tropfen Alkohol fliehen, ein Raucher darf sich keine Zigarette mehr erlauben – wenn sie davonkommen wollen.

Eine robuste, lebensfördernde, souveräne Natur hat die Menschheit bislang vor dem Tode bewahrt, deren selbstschädigendes Fehlverhalten großzügig ausgeglichen. Die Kraft der Gesundheit bändigte die Attacken des Größenwahns.

Irgendwann ist die Geduld der Natur am Ende. Ihre Heilkraft wirkt nur noch, wenn das gefährdete Lebewesen die Regeln des Überlebens beachtet und sich nicht länger auf die Güte der Natur verlässt. Ab dem Beginn der lauteren Wahrheit - nicht identisch mit einer platonischen Zwangsbeglückung - muss jede Rechnung der Natur vom Menschen eins zu eins beglichen werden. Wer sich fahrlässig verschuldet, darf auf keine Nachsicht mehr hoffen.

In dieser Grenzsituation ist die Menschheit angekommen. Gnadenlos überfordert sie die Kapazitäten der Natur. Universelle Natur ist (wahrscheinlich) unendlich, die planetarische ist begrenzt. Wer sich unterhalb der Grenzen befindet, kann viele Sünden begehen, ohne die Rechnung synchron begleichen zu müssen.

Der Gott der Erlöser hat die Eigenschaften der Natur imitiert: ihre überquellende Souveränität in Gnade, ihre strenge Kausalität in ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXI

Tagesmail - Freitag, den 01. Februar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXI,

BILD-Reichelt zeigte, dass selbst der Springer-Verlag lernfähig ist:

„Wir alle hoffen, dass Sie die moralische Standfestigkeit besitzen, weiterhin für Toleranz und Inklusivität, Menschlichkeit und Freiheit, kurzum, für die wahre Demokratie zu kämpfen“
schrieb er in einem flammenden Plädoyer zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit beredten Worten bereute er den bisherigen Kampf seines Verlages gegen Moral. Ohne moralische Widerstandskraft sei Politik schutzlos gegen alle Verbrechen dieser Welt. Moral zur Moralkeule zu dämonisieren sei eine Verwerflichkeit seines Hauses gewesen und werde sich ab jetzt grundlegend verändern. Alle MitarbeiterInnen des Verlags werden verpflichtet, Kurse in demokratischer Ethik zu besuchen, um die bisherige innere Hohlheit und Verworfenheit von WELT & BILD zu erkennen und sich zukünftig zu wehrhaften Demokraten zu entwickeln. Demokratie sei eine hochmoralische Erfindung der Griechen, die durch amoralischen Zynismus nur zugrunde gerichtet werden könne. Zerknirscht müsse er zugestehen, dass mediale Schlechtmenschenkohorten der deutschen Republik großen Schaden zugefügt hätten.
Kein Widerständler im Dritten Reich sei denkbar gewesen ohne Kompass menschlichen Anstands. Reichelt erinnerte an Hans von Dohnanyi, „der noch im April 1945 hingerichtet wurde, weil er Juden zur Flucht verholfen hatte. Warum er das im Wissen der drohenden Todesstrafe getan hatte? "Es war einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen".
Es gebe nur eine Lehre aus Auschwitz: Nie wieder – amoralisch und menschenfeindlich.

Das war ein Appell der Kategorie „Wunder gibt es immer wieder – nur nicht bei BILD“.
Denn der Appell gehört zum Genre Fake News. Es war nicht Reichelt, sondern der jüdische Historiker Saul Friedländer, aus dessen Bundestags-Rede hier zitiert wurde.
(SPIEGEL.de)

Auch der Bundestagspräsident fand deutliche Worte am Erinnerungstag der deutschen Schande:

„Keine Nation könne sich ihre Geschichte aussuchen oder sie abstreifen. „Geschichte ist die Voraussetzung der Gegenwart und der Umgang mit ihr ist die Grundlage ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXX

Tagesmail - Mittwoch, den 30. Januar 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXX,

Sloterdijk, Habermas, Enzensberger, Walser, Handke, Sarrazin, Hans Werner Sinn, Alice Schwarzer, Messner (15), Stefan Aust und Clemens Fuest (17!!), Spitzer (23), Hüther (29), Giovanni di Lorenzo (33), Jan Böhmermann (40), Döpfner (80), Wickert (105), Schellnhuber (110).

Die Bestenliste deutscher Dichter und Denker. „Erstellt hat „Cicero“ die Liste anhand der Häufigkeit, mit der die Kandidaten in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sowie im Internet zitiert wurden. Politiker wurden dabei nicht berücksichtigt. Der Trend im Ranking gehe „von Dichtern zu Denkern“, so „Cicero“-Chef Christoph Schwennicke. (BILD.de)

Sarrazin – ein messerscharfer Denker? Schellnhuber, Ökoberater der deutschen Regierung – abgeschlagen. Walser, Liebhaber Karl Barths und der lesbaren Gesichtszüge Merkels. Neoliberale Ökonomen – die besten Denker. Wer war Handke nochmal? Und wo lassen Aust und Döpfner denken?

Demokrit und Aristoteles hätten unter diesen Koryphäen keine Chance mehr. Und welche überirdischen Denker haben die Liste erstellt – nach welch göttlichen Kriterien? Unter ihnen Cicero-Chef Schwennicke, Platz 472. Müssten sie nicht die besten aller besten Denker sein, wenn sie unsere Geistesriesen punktgenau aufreihen können?

In den Medien werden Experten zu Themen der Zeit befragt – von wem? Von Experten, die die Kompetenz der Experten beurteilen können? Dann wären sie auf externe Experten gar nicht angewiesen!?

Wenn es um Gerechtigkeitsfragen geht, werden stets Ökonomen befragt, die Gerechtigkeit für Mumpitz halten. Wenn es um die psychische Verfassung der Gesellschaft geht, werden stets Ökonomen befragt, die mit Zahlen beweisen, wie es der Gesellschaft gefälligst – gehen müsste. Wehe, wenn nicht; dann simuliert sie. Linke Ökonomen werden nie als Experten vorgestellt, sondern als einseitige ...

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