Philosophische Tagesmails

Neubeginn XXXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 26. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXVI,

Die Angst der Juden vor den Judenfreunden“: Armin Langers Artikel in der ZEIT hätte sich auch auf Springers Paradeblatt beziehen können.

Wer über Antisemitismus reden will, ohne über philosemitisch verkappten Antisemitismus zu reden, sollte besser schweigen. Dass Dinge nicht sind, wie sie scheinen, ist ältestes Gedankengut der Menschheit.

Spätestens seit der christlichen Umkehrung aller Werte, die im Kern heidnisch geblieben sind, nur aus strategischen Gründen sich den Schein des erleuchteten Gegenteils gegeben haben, sollte man wissen, dass X auch als Non-X auftreten kann. Die Demütigen und Schwachen sind die eigentlich Mächtigen, auch wenn es noch nicht so aussehen mag: Gott ist in den Schwachen mächtig. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde beherrschen.

Wenn Gott selbst das dialektische Verwechslungsspiel liebt, sich einmal als liebender Gott der Offenbarung, ein ander Mal als anonymer Teufel präsentierent, (Deus revelatus, Deus abscondidus), wenn Faust sich des Mephisto bedient und dessen List mit göttlich genehmigter Überlist hinters Licht führt, um seine himmelsstürmenden Pläne mit satanischem Know-how durchzusetzen, dann sollten Abendländer wissen, dass etwas nicht sein muss, wie es sich „gibt“.

„Er gibt sich kämpferisch“: pfiffige Edelschreiber nutzen gern das Verwechselspiel von Sein und Schein, um ihre Leser entweder zu warnen: Vorsicht, der Schein könnte trügen. Oder ihre Hände in Unschuld zu waschen: sollte sich der Kämpfer als ...

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Neubeginn XXXV

Tagesmail - Montag, den 24. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXV,

Julian Reichelt, BILD, hat den Verstand verloren. Seine Botschaft an Deutschland und Europa ist deckungsgleich mit Trumps Botschaft an die Welt:

»Amerikanischer Stahl und amerikanische Hände haben eine 100 000 Tonnen schwere Botschaft an die Welt konstruiert: Amerikas Macht ist allen überlegen, und mit jedem Tag unter meiner Regierung werden wir größer und besser und stärker«, sagte er.“ (BILD.de)

Die Botschaft Trumps und Reichelts lautet: Macht und Gewalt des Westens zuerst. Völker- und Menschenrechte sind belanglos. Das friedliche Zusammenwachsen der Völker ist gestrichen. Die Starken sollen die Welt beherrschen. Dazu benötigen sie Feinde, die sie zu Teufeln erklären, damit sie ihre von Hass und Herrschsucht getriebene Wirtschafts- und Militärpolitik als Notwehr und moralische Notwendigkeit verkaufen können.

Kriegsreporter Reichelt scheint nur in Kategorien von Gewalt und Waffendrohung zu denken – sofern wir unter Denken die Vernunft ausschließen.

lsrael ist die Frontstellung des Westens im Kampf gegen eine mörderische Ideologie, die für uns Vernichtung vorsieht. Gerade wir Deutschen sollten den Israelis in diesem Kampf beistehen statt zu erwarten, dass sie sich brav vernichten lassen. Erstens vergehen wir uns damit an unserer historischen Verantwortung. Und zweitens wären wir als Nächstes dran.“ (BILD.de)

Erstens vergeht sich Reichel an der historischen Verantwortung der Deutschen gegen Israel, die also lautet: Nie wieder Missachtung der Menschenrechte – gleichgültig von wem, gleichgültig unter welchem Vorwand. Doppelmoral ist ...

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Neubeginn XXXIV

Tagesmail - Freitag, den 21. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXIV,

„Ihr nervt!“ Die Streitunfähigkeit eingeborener Demokraten kann nur noch durch die Strategie der Bedrohung überboten werden: „Wenn ihr weiterhin nervt, gibt’s eins aufs Maul (luth.), auf die Goschn (schwäb.), auf die Waffl (fränk.). Die WELT ist zum Organ von Ästheten geworden, denen das Gelabere (von „Lippe“) moralisierender Linker (von „linken“ = betrügen“) „tierisch auf die Eier geht“ (Eier = Hoden). Hodenlose Schreiberinnen müssen sich mit Geschlechtsgenossinnen plagen, die vor allem schlecht angezogen sind.

Ulf Poschardt hat den hohen Dandy-Ton vorgegeben und ordinäre Soll-Vernunft in deutsche Ist-Ästhetik erhoben. Dandys sind Lebewesen meist männlichen Geschlechts, die ihre Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit direkt bei Stürmern, Drängern und Romantikern abgeschaut haben. Mit Macaronis oder Stutzern darf man sie nicht verwechseln:

„Im Gegensatz zum Macaroni, der die Mode der südlichen Länder nachzuahmen versucht, zum Beau oder zum deutschen Pendant, dem Stutzer, verabscheut der britische Dandy alles Grelle, Laute, Parfümierte. Er ist gelegentlich ein Snob. Er kultiviert seine Kleidung, sein Auftreten, auch Witz und Bonmot. Die originelle, aber jederzeit passende, elegante Kleidung zum Sport (Zeitvertreib), kombiniert mit den formvollendeten Manieren eines Gentlemans, wird zum einzigen Lebenszweck erhoben. Die Niederungen anstrengender Erwerbsarbeit passen hingegen nicht zum großstädtischen, blasierten, echten Dandy“. (Wiki)

Wählbar sind für ihn nur ganze Kerle mit offenem Hemdkragen und freiem Blick auf eine braungebrannte Männerbrust – welcher Partei auch immer sie angehören. Selbst Grüne, wenn sie Habeck oder Liberale, wenn sie Lindner heißen und direkt von einem Männermagazin herabgestiegen sein könnten. Die Niederungen anstrengender Erwerbsarbeit werden in der WELT durch formvollendete Gentleman-Manieren ...

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Neubeginn XXXIII

Tagesmail - Mittwoch, den 19. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXIII,

zeugt nicht so viele Kinder, wenn ihr ökologisch sein wollt, fordert der amerikanische Philosoph Travies Rieder – und alle deutschen Medien folgen ihm und vervielfältigen seine Stimme.

Der Staat könnte Anreize setzen. Sozialschwache könnten belohnt werden, „wenn sie ihr Rezept für die Antibabypille abholen“. Man könnte sich aber auch eine Steuer vorstellen, die werdende Eltern bezahlen müssten: „Die Höhe bemäße sich am Einkommen. Das könnte bereits das erste Kind betreffen, sagt Rieder. »Auch das erste Kind einer Familie wird für Treibhausgase sorgen, die irgendwie ausgeglichen werden müssen – was wiederum Geld kostet.« »Wir Menschen haben sehr schnell sehr viele Menschen gezeugt. Es gibt sehr gute Beweise, dass wir zu viele gezeugt haben«, schreibt er. Er ist besorgt, dass die Erde nicht noch mehr Menschen verträgt, ja nicht einmal die sieben Milliarden, die jetzt auf dem Planeten leben. Es reicht nicht mehr aus, seinen eigenen CO2-Verbrauch zu senken – nichts hilft mehr, CO2 zu sparen, als ein Kind nicht zu bekommen.“ (RP-online.de)

Endlich sind die Schuldigen am Elend der Erwachsenen benannt. Es sind die unschuldig sein wollenden Kinder. Eine nach vorne schauende Pädagogik muss sich umstellen und den Glückskitsch junger Eltern schonungslos desavouieren. Werden neue Klimakatastrophen gemeldet, müssen verantwortliche Mütter ihre Gören anherrschen: Du und deine überflüssige Generation: ihr seid schuldig an unserem ganzen Elend. Hätten wir euch nur nicht gezeugt. Was tun wir nicht alles, um euch auf Händen zu tragen. Doch ihr Parasiten verbraucht unser Wasser und atmet unsere Luft. Dabei wärt ihr ohne uns nichts. Und was ist der Dank? Ihr unterlasst nichts, um uns das Leben zur Hölle zu machen. Doch Vorsicht, noch ist das letzte Wörtlein nicht gesprochen. Denkt an den Kindermord zu Betlehem. Und nun sitz endlich gerade und iss dein naturidentisches Labor-Müsli.

Das ist erst der Anfang. Nach den ökologiefeindlichen Kindern müssen Frauen und Mütter dran glauben. Wozu brauchen männliche Zukunftsstürmer noch ...

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Neubeginn XXXII

Tagesmail - Montag, den 17. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXII,

„Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen. Jeder Teil dieser Erde ist uns heilig, jede glänzende Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in unseren Gedanken und Erfahrungen. Das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde – das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden“:

„Diese Worte finden Widerhall in der ganzen Welt, wenn Menschen sich gegen die Vermarktung ihrer Nahrung, ihres Wassers, ihres Saatgutes und der natürlichen Vielfalt wehren. Der Widerstand gegen die Privatisierung im Namen der unsinnigen Wirtschaftsglobalisierung ist Grundstein der Erd-Demokratie. Wirtschaftsglobalisierer sehen die Welt als etwas, das man besitzen kann und nutzen den Markt als reine Profitmaschine. Global operierende Konzerne wollen sich die Welt als Privatbesitz aneignen. Die selbstmörderische globalisierte freie Marktwirtschaft beutet lebenswichtige Ressourcen der Erde aus. Sie verschmutzt und laugt die Umwelt aus, verdrängt Millionen von BäuerInnen, Handwerkern und Arbeitern. Statt einer Kultur der Fülle schafft die profitgetriebene Globalisierung eine Kultur des Ausschlusses, der Enteignung und der Knappheit. Das Eigentum der Reichen ist in der Enteignung der Armen begründet – es sind die gemeinschaftlichen, öffentlichen Ressourcen der Armen, die privatisiert werden. Die Armen werden wirtschaftlich, politisch und kulturell enteignet. Die „Eigentümer-Gesellschaft“ beschönigt die lebensfeindliche Philosophie derer, die alle Gaben dieser Erde und alle menschliche Kreativität zu kontrollieren und zu monopolisieren suchen. Die Einhegung der Allmenden, des gemeinsamen Eigentums, welche in England begannen, haben Millionen von überflüssigen Menschen geschaffen. Während mit den ersten Einzäunungen nur Land geraubt wurde, werden heute alle Lebenselemente geplündert: Wissen, Kultur, Wasser, natürliche Vielfalt, öffentliche Dienste, das Gesundheits- und das Bildungswesen. Dabei ...

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Neubeginn XXXI

Tagesmail - Freitag, den 14. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXI,

die Deutschen besitzen kein Atom-U-Boot, auf das sich ihre sportliche Kanzlerin vom Hubschrauber abseilen könnte. Keinen Eiffelturm, in dem sie einem Tycoon aus der Neuen Welt ein Dreisterne-Menü bei grandiosem Blick über Paris böte, der ihr das Kompliment ausspräche: Sie sind noch gut in Form. Kein Versailles, wo ein junger, strahlender Held, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, die Grandeur seiner Nation wiederfände.

Während England darniederliegt, seine Modernitäts-Verlierer in himmelhochragenden Feuerfallen zum Tode verurteilt werden, reichen die taumelnden Nachkommen der Amerikanischen Revolution den desorientierten Nachfahren der Französischen Revolution die Hände, um ihre Wundmale zu betäuben. Die Franzosen waren die ersten Freunde jener Uramerikaner, die den Briten zeigten, dass der Neue Kontinent sich nicht länger von alten Mächten herumkommandieren lässt.

Den ewigen Konflikt zwischen Frankreich und der Insel nutzt der schlaue Wolkenkratzerbesitzer aus Amerika, um auf Kosten der insularen Herzensbeziehungen seine beschädigte Reputation auf Hochglanz zu polieren. ER hat es geschafft. Er ist im Kreise der Weltenherrscher angekommen. Der Kandidat wird nicht gefeuert. Er hat seine Gegner erledigt, wie sein heldenhafter Sohn das unberechenbarste Raubtier der Welt – den friedfertigen Elefanten: mit dem Patronengürtel um den Leib, Messer und blutendem Schwanz in seinen Schlachterhänden.

Bei so viel Ruhm und Ehre: was blieb da der Kanzlerin anderes übrig, als das Kontrastprogramm einer Pilgerreise an den heimatlichen Ostseestrand zu absolvieren, um sich im Kreise ihrer biederen Untertanen von den Anstrengungen der Weltpolitik zu erholen? Deutsche können mit westlicher Schaumschlägerei nicht mithalten. Immer kommen sie zu spät – doch wenn, dann mit Macht. Dann überspringen sie alle und ...

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Neubeginn XXX

Tagesmail - Mittwoch, den 12. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXX,

abgesehen davon, dass links ein Idiotenkürzel und Vermummungsbegriff ist, steht das geographische Wörtchen für eine eminente Sache – für Adalet.

Wenn in einem gewaltigen Marsch Hunderttausende von Türken für ihre bedrohte Demokratie eintreten, indem sie Adalet fordern, gibt es im deutschen Paradies nur verlegen-säuerliche Reaktionen. Demokratie – ja schon, doch was hat sie mit Adalet zu tun?

Lieber „Vollbeschäftigung“ als „Adalet“, war unlängst in der WELT zu lesen: in Anführungszeichen, die Hohn und Spott bedeuten. Die Springerpresse, Inbegriff deutscher Leitmoral, Bauchsprecherin des eingeborenen Volkes und des gesunden Merkelverstandes, ruft nicht nur zur Selbstjustiz auf – pardon, sie hetzt –, sie vollbringt die artistische Rückenverbiegung, im gleichen Moment vor der „Flucht in die Moral“ (Ulf Poschardt) zu warnen.

Paradiese sind Sozietäten der Vollendung, was sollte ihnen fehlen? Unziemliches moralisches Begrapschen kann die Aura eines vollendeten Kunstwerkes nur zerstören. Also Pfoten weg von unserem hart erarbeiteten Juwel, ihr moralbesoffenen Eskapisten.

Eine Krise der Linken? Sie wäre überfällig und wünschenswert. Wenn man nie kontinuierliches Lernen lernte, muss man gelegentlich auf die Fresse fallen, um klug und weise zu werden. Doch lieber stürzen sie sich von der Klippe, als klug und weise zu werden. Über wie viele Bataillone verfügt die Klugheit, wie hoch ist der Börsenwert der Weisheit?

Die gegenwärtigen Parteien sind ausgelaugt. Ihre Denkvorräte sind ihnen ausgegangen, von denen sie zehren könnten. Nun rächt es sich, dass die Deutschen die Philosophie über Bord warfen oder zum Theologie-Ersatz verschnitten haben.

In der Polis sind Kompromisse notwendig, im Denken aber zerstörerisch. Das ist ...

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Neubeginn XXIX

Tagesmail - Montag, den 10. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXIX,

Gipfel sind lärmende ADHS-Zentren des Weltgeschehens. Allzu oft überschatten sie das Wesentliche an den Rändern des Horizonts. Während die Welteliten Abermillionen an Geldern verpulvern, um ihre politische Impotenz aufreizend zur Schau zu stellen, machen sich die Völker auf den Weg, um ihre Demokratien zu retten:

„Erste Schätzungen gingen von mehr als 1,5 Millionen Personen aus, die dort am Sonntagabend für Gerechtigkeit in der Türkei demonstrierten. Lange war spekuliert worden, ob Erdoğan die Polizei und das Militär anweisen würde, den Protestmarsch noch vor Istanbul noch zu stoppen. Zuletzt hatte er scheinbar großmütig erklärt, solange von dem Marsch keine Gewalt ausgehe, könnte Kılıçdaroğlu ihn auch zu Ende führen. „Wer bist du, mir meine verfassungsgemäßen Rechte wie einen Gnadenakt zu präsentieren?“, antwortete Kılıçdaroğlu daraufhin an die Adresse Erdoğans. „Niemand kann uns daran hindern, nach Istanbul zu gehen.“ (TAZ.de)

Hier steht ein Volk auf, das vom zivilisierten Westen längst als wieder auferstandenes Janitscharen-Reich tief in die asiatische Steppe zurück verlagert wurde. Für rasende Medien nur ein belangloses Randereignis. Doch wo das Aas der Übersättigten ist, da türmen sich die Schlagzeilen.

Da kocht die Wut, da schäumen die Federn. „Deutschland vor aller Welt blamiert“: das ist es, was die G-20-Sommerspiele in der kühlen Hansestadt für moralverachtende Moralisten aus Neugermanien unerträglich macht: was sollen die Leute von uns denken, ihr Schandflecke unseres Wohlstands-Paradieses? Es hätte ein so triumphales Gesamtereignis aus Profit und Beethoven, eine Synthese aus Bildung und Bimbes werden können. Nun müssen wir uns schämen – und noch mehr malochen und exportieren, um die Schande ungeschehen zu machen.

Das lutherische Deutschland, seinem Reformator untreu geworden, ist auf die Seite des Ablasspredigers Johann Tetzel übergelaufen: Solang der Euro im Kasten klingt, Merkel im Dreitakt springt. Im Auftrag der Pastorentochter, die sich ...

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