Philosophische Tagesmails

Von vorne L

Tagesmail - Freitag, den 16. August 2019

Von vorne L,

die Entdeckung der Moral begann mit der Entdeckung der Zahl. Die Zahl war die Ordnung der Natur – was war die Ordnung des Menschen? Gehörte der Mensch nicht zur Natur? Dann hätte die Ordnung der Zahl auch für ihn gelten müssen. Woher aber die Unordnung unter den Menschen?

Da kam Unruhe auf. War der Mensch kein Mitglied der Natur? War er aus ihrer Ordnung herausgefallen?

Lang, lang ist‘s her, als alles besser war – was die ecclesia triumphans des Fortschritts partout nicht anerkennen will, um nicht als blamabler Rückschritt enttarnt zu werden: damals, in der Frühzeit der Menschheit, soll es das Reich der Mütter gegeben haben, was das Reich der Männer bis heute dementiert.

„Aus dem gebärenden Muttertum stammt die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergeht.“ (Bachofen)

Als die Männerherrschaften, die das Reich der Mütter zerstört hatten, ins Taumeln gerieten, entdeckten sie plötzlich wieder die Ordnung der Mütter – in der Natur, im Reich der Zahlen. Die Natur schien vollkommen durch die wohlige Ordnung der Zahlen. Das Abstrakteste wurde zur Grundlage des Heimischen.

„Pythagoras glaubte das Wesen der Dinge in der Zahl zu finden. Durch die Erhebung der Zahl, des Abstraktesten, was sich denken lässt, zum Prinzip der Welt war eine Idee gefunden, die das Sein der Körperwelt bestimmte. Durch sie wurde die Vielheit der Dinge zum geordneten Kosmos, in dem das Leben des Einzelnen in der Gesellschaft in Harmonie gestaltet war. Dies war das Grundgesetz der pythagoreischen Ethik und Politik, die in der Gerechtigkeit gipfelte und ...

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Von vorne IL

Tagesmail - Mittwoch, den 14. August 2019

Von vorne IL,

Wie ist die Milchstraße entstanden?

„Demnach ist vor etwa zehn Milliarden Jahren eine Galaxie mit der noch jungen Milchstraße zusammengestoßen und in ihr aufgegangen. Diese Kollisionspartnerin muss etwa ein Viertel der Masse der Milchstraße gehabt haben, wodurch letztere auf einen Schlag enorm gewachsen ist.“ (Berliner-Zeitung.de)    

Eine sinnvolle Frage? Sind das sinnvolle Antworten? Was wüssten wir mehr, wenn wir dies alles wüssten? Sind das relevante Fragen, deren Antworten unser Leben verändern und bereichern können?

Würde die Menschheit in Millionen Jahren existieren, hätten Wissenschaftler Millionen solcher Fragen und Antworten aufgetürmt, die unser Leben auf Erden – gänzlich kalt ließen.

Tatsächlich haben sie nur einen Sinn: Naturgesetze zu finden, mit denen der Mensch seine Herrschaft über die Erde endlos ins Universum ausdehnen kann.

Sie geben sich unschuldig, als wollten sie wissen um des Wissens willen. Doch ihre Unschuld und kindliche Neugierde beschränken sich auf das Stadium der Unfähigkeit, ihre vagen Vermutungen in Herrschaftswissen zu transformieren.

In demselben Moment jedoch, in dem sie die Stufe technischer Realisierung erreichen, wäre es um ihre intellektuelle Reinheit geschehen. Ihr Wissen wird zur Macht.

Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess wiederholt die beiden Stufen der Naturerkenntnis, die in Europa stattfanden: a) Griechen wollten erkennen, um die Ordnung des Kosmos zu bestaunen. b) Christen übernahmen ...

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Von vorne XLVIII

Tagesmail - Montag, den 12. August 2019

Von vorne XLVIII,

das Werden der Natur ist kein Werden der Kultur.

Beide Vorgänge sind Gegensätze und schließen sich aus. Der Widerspruch zwischen dem natürlichen und dem menschlichen Werden ist der Urgrund der Naturzerstörung des Menschen, somit seiner Selbstzerstörung.

Wollte der Mensch seine Selbstzerstörung beenden, müsste er sein kulturelles Werden beenden – denn dieses widerspricht dem Werden der Natur. Widersprechen heißt: sich ausschließen oder um Sein oder Nichtsein kämpfen.

Um sich den tödlichen Charakter des Widerspruchs zu verhehlen, hat der moderne Mensch die Dialektik erfunden, die alle Widersprüche als förderlich, ja notwendig definiert, um das Werden der Kultur voranzutreiben. Das Werden der Kultur geht nicht ohne Abnutzen und Verschleißen der Natur, das bis zur Zerstörung jener Nische führen kann, in welcher der Mensch seine Kultur vorantreibt.

„Die Wahrheit des Seins ist das Werden.“ „Das Werden des Seins ist das Geheimnis der Natur.“ „Die Philosophie hat die intellektuelle und reelle Welt als einen Widerspruch zu betrachten.“ „Die Welt ist eine haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.“ (Hegel)

Moderne Unruhe ist kein Übel, sondern unerlässlicher Antrieb der Entwicklung. Eines Tages aber wird die Unruhe an ein Ende kommen und alle Widersprüche in Harmonie auflösen. Dann verliert sich alle Spannung, die Unruhe wird zum ruhigen Resultat zusammensinken.

Spannungslose Ruhe oder die Auflösung aller Widersprüche ist das Ende der Geschichte, Gläubige würden vom Paradies auf Erden sprechen.

Nichts für moderne Risiko- und Fortschrittsfanatiker, die sich in der spannungslosen Ruhe eines Gartens Edens langweilen würden, weshalb sie alles unternehmen, um ...

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Von vorne XLVII

Tagesmail - Freitag, den 09. August 2019

Von vorne XLVII,

entweder wird die Menschheit zur Besinnung kommen – oder ihre letzte Epoche einläuten.

Entweder werden wir ein Purgatorium durchschreiten und von vorne beginnen – oder die zwei Millionen lange irdische Präsenz des Menschen in einem Inferno beenden.

Entweder werden wir den Vernichtungskampf gegen die Natur hier, sofort und jetzt abbrechen – oder der Blick nach vorne wird ein Blick ins Nichts werden.

Entweder werden wir eine vorgeschriebene Geschichte und einen grenzenlosen Fortschritt über Bord werfen – oder die Anwesenheit des homo sapiens auf Erden wird mit einem Scharmützel aller gegen alle enden.

Entweder werden wir unsere Vergangenheit akribisch nach Ursachen unseres Scheiterns absuchen – oder es wird niemanden mehr geben, der die Biografie des Menschen einer nicht-existenten Zukunft übermitteln könnte.

Entweder werden wir Schluss machen mit der Überheblichkeit, wir seien die naturüberlegene Krone einer Schöpfung – oder die Natur wird uns zeigen, dass der Glaube an eine naturunabhängige, naturerschaffende Schöpfung der Anfang vom Ende war.

Entweder werden wir den Glauben an die Erschaffung der weiblichen Natur durch einen allmächtigen Mann beerdigen – oder wir werden von der sanftmütigen, aber ...

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Von vorne XLVI

Tagesmail - Mittwoch, den 07. August 2019

Von vorne XLVI,

Mathias Döpfner ist Rigorist – in Anführungszeichen. Es sei ein Fehler seines Verlages gewesen, kurz vor dem Mauerfall die Anführungszeichen des Kürzels DDR zu streichen. Der Verlagsgründer hatte mit den Zeichen daran erinnern wollen,

„… dass die „DDR“ „weder deutsch noch demokratisch noch eine Republik“ sei, und generell, um ein Nichteinverstandensein mit diesem Unrechtsregime zu signalisieren. Dass es immer falsch ist, das Richtige zu leugnen. Und dass Prinzipien umso wichtiger werden, je unübersichtlicher die Zeiten sind. So wie es dieser Tage prinzipiell falsch ist, Subventionen von Erdogan zu kassieren, um in der Türkei deutsche Autos zu bauen, chinesische Großaktionäre Schlüsselindustrien in Deutschland beeinflussen und irgendwann beherrschen zu lassen (denn wir dürfen das da auch nicht) und die Energieabhängigkeit von Russland durch weitere Pipelines noch weiter zu erhöhen.“ (WELT.de)

Heuchelei (hypokrisis) ist die aus selbstsüchtigen Interessen entspringende Verhüllung der wahren und Vorspiegelung einer falschen, in dem Betreffenden nicht vorhandenen lobenswerten Gesinnung. Der Heuchler will besser erscheinen, als er ist, um Mächtigen zu gefallen und davon Gewinn zu haben.“ (Kirchner, Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe)

Deutschland hat den Status heuchelnder Doppelmoral erfolgreich überwunden und die Hochebene der polymorphen Amoral erreicht.

Die Einen dürfen für Putin Propaganda machen, seine Rechtsverletzungen auf der Krim und gegen Demonstranten verschweigen – Trumps Harmlosigkeiten hingegen an den Pranger stellen:

„Im SPD-Blatt „vorwärts“ durfte der Ex-Kanzler losledern: Das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten habe „seit Trump nichts mehr mit Partnerschaft zu tun“, so Schröder. US-Präsident Donald Trump (73) zerstöre „mutwillig das regelbasierte Weltwirtschaftssystem“ und wolle keine Partner, „sondern Gefolgsleute“. Schröders Tätigkeiten bei staatlichen russischen Öl-Firmen blieben unerwähnt. Auch die ...

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Von vorne XLV

Tagesmail - Montag, den 05. August 2019

Von vorne XLV,

nun sollen sie nicht nur das Klimaproblem lösen, sondern zugleich das drohende Wettrüsten verhindern.

Mit anderen Worten: die Jugend soll nicht nur Weltprobleme lösen, sondern die Menschheit von der Welt erlösen. Fordert ein kerniger Journalist – und verharrt regungslos in seiner Redaktionsstube.

Warum geht er nicht mit gutem Beispiel voran? Warum trommelt er nicht unter seinen KollegInnen, stürmt die Straße, macht sich gemein mit einer guten, ja notwendigen Sache?

„Es fehlt eine machtvolle junge Generation, die sich für Abrüstung einsetzt, angeführt von einer charismatischen Persönlichkeit wie der jungen Schwedin Greta Thunberg.“ (Sueddeutsche.de)

Sie beklagen die untätige Politik – und tun dasselbe. Sie heben und senken den Daumen über alles, was sich regt und bewegt, nur nicht über sich selbst. Nicht mal mit ihren eigenen Überlebensinteressen machen sie sich gemein.

In gefährlichen Zeiten entlarven sie, was sie schon immer waren: die Absegnungspriester des Bestehenden. Sie schreiben und kommentieren, was Ist, nur sorgen sie nicht für das Ist. Wenn Ist verschwunden sein wird, werden sie seine Geschichte aus jenseitiger Perspektive schreiben: „Das Ist, wie es war. So wird es nie wieder sein, die Menschheit hat versagt.“

Die Welt brennt. Kriegsgefahr am Hormus, in Kaschmir, Nordkorea, Flüchtlingselend weltweit, Bürgerkrieg und Terroranschläge in Amerika, Aufruhr der Bevölkerung in Hongkong, Moskau und fast überall – was kommentiert einer der wichtigsten SZ-Kolumnisten? Die „amerikanische Eröffnung“, wer wen zum Traualtar führt. (Sueddeutsche.de)

Stets nach dem demütigen Motto: wer im Kleinsten treu ist, ist es auch im Großen. An dieses Motto hält sich auch die Kanzlerin. Im Kleinen tut sie ihre Pflicht – und ...

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Von vorne XLIV

Tagesmail - Freitag, den 02. August 2019

Von vorne XLIV,

auf zum fröhlichen Wettrüsten! Wenn wir uns schon ausrotten, dann aber richtig. Ohnehin gibt es zu viele Menschen auf der Welt. Gezielte Landschaftsbereinigungen mit atomaren Sprengköpfen könnten für frische Luft sorgen. Einige wollen ihr Leben verlängern, gar unsterblich werden. Da heißt es, Platz schaffen für die Götter des ewigen Lebens. Wer Großes will, muss Opfer bringen. Das Größte aber ist der Mensch.

Ungeheuer ist viel. Doch nichts
Ungeheuerer als der Mensch.

Und der Himmlischen erhabene Erde,
Die unverderbliche, unermüdete,
Reibet er auf
;

Allbewandert,
Unbewandert. Zu nichts kommt er. (Sophokles, Antigone)

Lebensnotwendige Vorräte gehen zur Neige, da heißt es vorsorgen. Wer siegen will, muss vorausschauend zusammenraffen. Erbitterte Kämpfe um letzte Ressourcen sind unvermeidlich. Chinesen kennen keine Skrupel beim Sichern der Rohstoffe. Der Westen glaubt, sich vornehm abseits halten zu dürfen. Es soll um Menschenrechte gehen. So wird das Abendland zugrunde gerichtet:

„Dessen Tochterfirma Congo Dongfang Mining kauft die Produktion der kleinen, teils primitiven Minen der Region Katanga im Ostkongo auf – ohne Rücksicht auf Menschenrechtsverletzungen oder den Einsatz von Kinderarbeit. China verfügt über mehr als 60 Prozent aller Fabrik-Kapazitäten zur Raffinierung der weltweiten Akkurohstoffe. Die westlichen Hersteller müssen sich also bereits jetzt die Rohstoffe sichern, die sie in zehn Jahren benötigen.“ (WELT.de)

„Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann. Unsre ganze europäische ...

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Von vorne XLIII

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Juli 2019

Von vorne XLIII,

wenn Schreckliches geschieht unter den Deutschen, geschieht sogleich noch Schrecklicheres: sie reagieren darauf.

Keine Nachrichtensendung, die nicht über jedes Detail der bösen Tat berichtet hätte. Breitschultrige Männer, die mit düsteren Mienen vom Werteverfall reden. Priester aller Glaubensrichtungen, in Stunden der Not immer bereit, die Ursachen der bösen Tat anzuklagen: die gottlose Gesellschaft. Politik & BILD in herzinniger Verbundenheit, Gesetze müssten verschärft, Polizeibefugnisse ausgeweitet, der Hass gegen Fremde intensiviert, alle Feinde der abendländischen Werte an den Pranger gestellt werden. Rechte Parteien konnten ihr Glück nicht fassen.

Am nächsten Tag darf – an versteckter Stelle – ein Kriminalexperte enthüllen, dass Verbrechensraten und Gefühle der Bedrohung seit Jahren rückläufig sind. Ein Zusammenhang zwischen beiden Meldungen darf nicht hergestellt werden. Deutschland will sein Klassenziel nicht verfehlen: die amerikanische Quote der Einsitzenden zu erreichen. Von brasilianischen Gefängnissen darf geträumt werden.

Mit aller Entschlossenheit! Mit aller Entschiedenheit! Geld darf keine Rolle spielen! Im Zweifelsfall wird der üppige Sozialhaushalt geplündert. Wie wird das Böse bekämpft? Im entschiedenen Durchsetzen abendländischer Werte.

Abendländische Werte? Gibt es nicht in Wikipedia, dem umfangreichsten Lexikon der Weltgeschichte. Stattdessen Hinweise auf christliche Werte. Wie hängen Abendland und Christentum zusammen?

„Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muß sie als Einheit sehen.“

Sprach der erste Bundespräsident der Nachkriegsrepublik Theodor Heuss. Es müssen hochragende Gipfel sein, auf denen das Abendland entstanden ist. Demokratien ...

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