Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt L

Tagesmail - Montag, den 10. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt L,

Keine Endzeitstimmung! Trotz Frankreich, Belgien, Italien, Amerika, China, Russland, Brasilien, Polen, Ungarn, überhaupt der ganzen Welt. Deutschland ausgenommen.

Was haben Merkel, Hayek und Marx, christlicher Glaube, Neoliberalismus und Sozialismus gemeinsam? Alle drei sind Beruhigungs- und Betäubungsmittel für die Menschen. Die Guten werden kein böses, die Bösen kein gutes Ende erleben: also Mensch, werde gut.

Pech nur, dass in allen drei Religionen die Guten nicht aus eigener Kraft gut werden können: der Erlöser, der Markt oder das Sein – drei Begriffe für dasselbe – machen sie gut oder auch nicht.

„… nicht, dass wir von uns selbst aus tüchtig wären, etwas zu denken als aus uns selbst heraus, sondern unsere Tüchtigkeit stammt von Gott.“ „Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als das Vollbringen wirkt um seines Wohlgefallens willen.“

„Hayek bekennt sich ausdrücklich zu den zentralen moralischen Positionen des Christentums, in denen er jene Merkmale wiederfindet, die auch für eine freie, spontane Gesellschaft grundlegend sind. Wir Marktwirtschaftler haben noch eine Utopie zu bieten – der Kommunismus hat keine mehr.“ (H. J. Hennecke, Friedrich August von Hayek) Und dies, obgleich Hayek sonst jede Utopie als Hölle auf Erden verteufelt.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLIX

Tagesmail - Freitag, den 07. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIX,

was bleibt von Merkel? Eigenartige Frage. Was bleibt von DIR? Was bleibt von uns allen – ÜBRIG?

Ein Abgang in Würde. Warum kein Aufgang in Würde? Kein Gang der Menschheit, der Geschichte der Gattung in Würde? Ist Würde ein bloßes Abschiedsgeschenk, ein listiges Fortloben, eine letzte Aufforderung zu gehen?

Nekrolog zu Lebzeiten, die Königsdisziplin schreibender Zeitbeobachter. Mitten im Tumult: der Atem der Geschichte, der uns anhalten lässt – damit wir fortfahren wie bisher, nur fieberhafter und besinnungsloser.

„Was bleibt von“ will sagen: die Zeit der Kritik, der lästigen Auseinandersetzungen ist vorbei. Wir verlassen die demokratische Zone, die civitas terrena und betreten aufatmend den Tempel der Ewigkeit.

Wenn wir tot sind, für tot erklärt werden, nicht mehr präsent sind, keine Bedeutung und Macht mehr haben, fällt alle Erdenschwere und Fehlerhaftigkeit von uns ab. Das Leben ist befleckt, der Tod erst macht uns vollkommen. Wir aber wollen vollkommen sein.

Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh!
O Welt, du Marterkammer,
ach! bleib mit deinem Jammer
auf dieser Trauerwelt,
der Himmel mir gefällt,
der Tod bringt mich darzu.
Komm, selge Ruh!

Eine Vorahnung des süßen Todes, einen Abgang in Würde will die Kanzlerin. Demokratie ist für eine Gläubige der lächerliche Versuch, das Irdische mit Würde auszustatten. Das Tal der irdischen Mühen und Anfechtungen hat sie ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 05. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVIII,

Voraussetzung eines gebändigten Klimas ist – Frieden. Doch schon kehrt der Kalte Krieg zurück, um die Erde von Überflüssigen zu befreien, die den Übermenschen beim Sprung ins Universum im Wege stehen. Gibt es nicht viel zu viele nutzlose Kreaturen auf Erden, zu nichts anderem fähig, als Leben zu inhalieren und Tod auszuatmen? Wie viele Parasiten könnte ein Atominferno mit einem Befreiungsschlag von der Tenne fegen? Würde nach einer weltumfassenden Flurbereinigung die Natur nicht endlich wieder aufatmen?

„… mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Seid fruchtbar: immer, wenn der Mensch fruchtbar ist, geht’s der Natur an den Kragen. Des einen Zeugungskraft ist des andern Tod: § 1 der Heilsgeschichte.

Auftrag erfüllt, Herrschaft über die Erde übernommen – was jetzt?

Auftrag übererfüllt, die Erde muss wieder gereinigt werden von Ballast, der der Natur die Haare vom Kopf frisst.

Sinn der Geschichte ist Herrschaft übernehmen?

Sinn der Geschichte ist Natur unterjochen?

Sinn der Geschichte ist die Despotie des Menschen, nein, des Mannes, über alles, was ihm ebenbürtig oder überlegen sein will?

Am Anfang aller Schöpfungsmythen steht das Weibliche, die gebärende Mutter, die Gebärmutter: Dunkelheit, Flüssigkeit, Fließen, Stampfen und Rühren, Blut ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVII

Tagesmail - Montag, den 03. Dezember 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVII,

„Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg ist in den vergangenen Monaten zu einer Galionsfigur der Klimabewegung geworden: Im August hat sie beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen, bis ihr Land die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt. Mit einem Plakat, auf dem „Schulstreik für das Klima“ stand, setzte sie sich wochenlang vors schwedische Parlament. Das hat viele Menschen beeindruckt und inspiriert.

Was rätst du jedem einzelnen, der das Klima schützen will?

Informiere dich, bilde dich weiter, versuche, die Klimakrise zu verstehen. Sprich mit anderen, trage die Botschaft weiter, fordere, dass etwas dagegen getan wird. Im Alltag solltest du vegan leben, nicht mehr fliegen und Auto fahren und weniger konsumieren.“ (Jetzt.de)

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr bald die Erde verlieren und dort landen, wo ihr schon immer hinwolltet – im Nichts eurer Jenseitsvorstellungen.

Kinder, rund um die Erde, sind die einsichtigsten und entschlossensten, die hellsichtigsten und vernünftigsten menschlichen Wesen, die wissen, was die Uhr geschlagen hat: Es geht um ihre Zukunft.

Alle Politklassen, alle Eliten, alle Erwachsenen, die Hier und Jetzt nicht alles tun, was in ihren Kräften steht, um die Endkatastrophe abzuwenden, sind nicht nur Menschheitskiller, sondern finale Mörder aller nachkommenden Generationen – die sie selbst gezeugt haben.

Die totalitären Völkervernichter der Vergangenheit wären Waisenknaben, verglichen mit den Menschheitsverderbern der Gegenwart.

Da streiten sie sich, ob Embryos im Labor nach Wunsch gezüchtet werden können, während allen Kindern die Überlebenschancen genommen werden.

Da streiten sie, wie Kinder erzogen werden sollen: auf keinen Fall überbehütet, damit sie sich schnell lösen können von verlässlichen Beziehungen, um irgendwo ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLVI

Tagesmail - Freitag, den 30. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLVI,

wer keine Zeit für nervende Themen hat, sich im Erfolgsrausch sein Lebensglück nicht vergällen lassen will: bitte den ersten Abschnitt überschlagen und atemlos durch Nacht und Tag weiterrasen – im Tiefschlaf.

„Die Natur stirbt – und die Welt schaut weg. Der Planet befinde sich in einem "desaströsen Zustand", stellte das Plenum der Weltnaturschutzkonferenz fest. Obwohl es um den Schutz der Lebensgrundlagen ging, bekam der zweiwöchige Gipfel von 196 Staaten kaum Aufmerksamkeit.“ (SPIEGEL.de)

Zeit, um schwarze Listen zu erstellen mit allen Denkweisen globaler Menschheitskiller.

An erster Stelle die Verleumder der Sinneswahrnehmung. Wer nichts sieht, kann keine Katastrophen erkennen.

Dann die Verwandler der Welt in eine fremde, feindliche und minderwertige, die überwunden und vernichtet werden muss

- und der Degradierung der Natur in Schöpfung, wodurch sie „ihr Eigenleben verlor“. Leben verlieren, heißt sterben.

Schließlich die Schöpfungsanbeter und -bewahrer, die die Natur mit einem ewigen Fluch belegten

- und die Erfinder einer Heils- und Unheilsgeschichte, die durch Fortschritt in Realität verwandelt wurde. Ein Glaube eroberte die Welt, um sie zu verderben.

 Kurz:

„Mit dem Christentum ist die Welt als Fremde verbunden. Das führt zur Abwertung der Sinne und all dessen, was sie mit natürlichen Fähigkeiten wahrnehmen. Natur wird zur Schöpfung. Das Tun der Menschen bleibt auf den Willen des Schöpfers gerichtet. Die Natur verliert ihr Eigenleben und wird, da sie keine mehr ist, mit einem ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLV

Tagesmail - Mittwoch, den 28. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLV,

„Es ist absurd. Es gibt kein Gespräch mit Parteioberen über die Stiftung, in dem deren Zustand nicht beklagt und die Notwendigkeit einer Reform nicht gesehen würde. Zugleich gibt es keine Anstalten der Parteioberen, etwas zu ändern. Denn es würde Konflikt bedeuten, Kampf gegen die alten Strukturen, Ärger mit den alten Genossen. So desolat die Wahl- und Umfrageergebnisse sind, für die Parteioberen sind sie weit weg, solange die SPD noch regiert und Minister und Referenten und Dienstwagen hat. Zu weit weg, als dass sie für die Parteioberen die Mühsal eines Konflikts lohnten – so schlimm kann es doch nicht stehen. Doch, SPD, es steht so schlimm. Und ohne Nachdenken wird es nicht besser.“ Schreibt Bernhard Schlink in SPIEGEL.de.

Schriftsteller Schlink hat der SPD das Todesurteil ausgesprochen. Ohne Nachdenken werde es nichts mit der Partei – und Denken ist heute in keiner politischen Gruppierung möglich. Wer einer Partei beitritt, will handeln, aktiv sein, Entscheidungen treffen – okay, zumeist im Als-ob-Status. Denken aber will er auf keinen Fall. Kann er auch nicht, denn er will Macht erringen.

Macht und Denken schließen sich aus. Eine Partei kann erst entstehen, wenn ein Kollektiv grundsätzliche Denkpositionen abgeschlossen hat, um sie in tägliche Politik umzusetzen.

Macht und Denken schließen sich aus? Macht muss Menschen für sich gewinnen, indem sie tut, als ob sie deren Meinungen teilte, ja, besser wüsste, was jene denken als sie selbst.

Heute hat sich die Situation verschärft, da jede Partei mit jeder anderen koalitionsfähig sein muss und niemand mehr hoffen darf, eine absolute Mehrheit zu erringen, die ihn unabhängig machen würde von rivalisierenden Positionen. In Darstellungen griechischer und moderner Philosophie sucht man den ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLIV

Tagesmail - Montag, den 26. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIV,

der Fortschritt hat sein Ende erreicht, wenn die Welt unfehlbar geworden ist. Sie ist unfehlbar geworden – dank ihrer weltbeherrschenden Religion. Unfehlbares kann nicht mehr kritisiert werden, weil es den Status der Vollkommenheit erlangt hat.

Nach 2000 Jahren erreichte die christliche Religion den Stand der Unfehlbarkeit. Alles, was geschieht, kann sie nach Belieben für gut oder böse oder für gut und böse erklären. Unfehlbarkeit segnet und verflucht alles. Sie kennt keinen Maßstab, nach dem sie angeklagt werden könnte. Entweder-Oder ist für sie eine Anmaßung der Welt. Einer heidnischen Logik des Widerspruchs unterwirft sie sich nicht.

„Alles ist rein den Reinen; den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern bei ihnen ist Denken und Gewissen befleckt.“

„Ich weiß und bin gewiß in dem HERRN Jesus, daß nichts böse ist an sich selbst.“

„Was aber nicht aus Glauben geschieht, das ist Sünde.“

Was aus Glauben kommt, kann niemals Sünde sein. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht das gleiche. Was dem einen Tugend, ist dem andern Laster. Gute Werke der Gottlosen sind den Frommen frevelhafte Untaten.

Was ist gut, was böse – wer entscheidet darüber? Die Macht. Die Macht der Frommen, die an die Allmacht eines göttlichen Mannes glauben und dadurch selbst allmächtig geworden sind.

Aus religiöser Sicht muss Moral nicht erkannt und erkämpft, sondern durch Allmacht bestimmt werden. Gut und Böse findet und entdeckt man nicht, über ...

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Sofort, Hier und Jetzt XLIII

Tagesmail - Freitag, den 23. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XLIII,

„Er ist rechtlich nicht bindend, und deshalb steht Deutschland dazu": in der Bundestagsdebatte hatte die Kanzlerin der Opposition mit einem Satz geantwortet, „der es in sich hatte“. (SZ)

Die Presse war begeistert: „Die Regierungschefin, sonst nicht gerade für rhetorische Eruptionen bekannt, gibt sich bei ihrer ersten Rede im Parlament seit ihrem angekündigten Rückzug für ihre Verhältnisse kämpferisch, manchmal gar emotional. Es wirkt, als treibe sie verstärkt die Sorge um ihr Vermächtnis um.“ (SPIEGEL)

Merkel hatte das Betriebsgeheimnis ihrer Regierung verraten. Was rechtlich unverbindlich ist, ist es auch moralisch – das ohnehin zu nichts verpflichtet. Gebt euer Wort, unterschreibt alle Verträge dieser Welt: wer glaubt, er könne sich darauf berufen und uns in Zugzwang bringen, ist nicht mehr zu retten. Wir lassen uns durch nichts erpressen, nicht mal durch unser eigenes Wort. Normen sind dazu da, dass sie im täglichen Wursteln verhackstückt werden – wie die nationale Metzgerinnung formulierte. Was Trump enthemmt demonstriert, gehört lange schon zum feinsinnigen Machiavellismus Merkels, die sich nur ihrem Gott verantwortlich fühlt und sonst niemandem auf der Welt.

Oh, pardon: Fehler! Die Donnersätze, die es in sich haben, haben sich verselbständigt. In Wahrheit antwortete Merkel der AfD-Fraktionschefin Weidel: „Das Schöne an freiheitlichen Debatten ist, dass jeder über das spricht, was er für das Land für wichtig hält.“ (SPIEGEL.de)

So läuft eine vorbildliche Debatte im deutschen Bundestag. Die Opposition, sie mag sein, wie sie will, wird nicht einer direkten Ansprache gewürdigt und mit überzeugenden Argumenten widerlegt, wie es dem Hohen Hause ...

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