Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XXXIX

Tagesmail - Mittwoch, den 14. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIX,

je stärker die Frauen werden, je unerbittlicher schlagen die Männer zu – und vernichten die Natur, die weibliche.

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut. (Eichendorff)

In der Blauen Blume werden Weib und Natur eins. Gelingt es den Männern, die Natur zu zerstören, können sie aufatmend die Suche nach der überlegenen Frau einstellen. Was sollten sie suchen, was sie eigenhändig geschändet und verstümmelt haben?

„Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die […] ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXVIII

Tagesmail - Montag, den 12. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVIII,

die Natur macht wahr, was sie schon lange angekündigt hat: sie beginnt, die Menschheit zu vernichten.

„Kalifornien ist derzeit Schauplatz einer Katastrophe historischen Ausmaßes: Gewaltige Flächenbrände haben Tausende Gebäude zerstört, mehr als 30 Menschen sind in den Flammen ums Leben gekommen.“ (SPIEGEL.de)

Wer ist schuld? Politiker beschuldigen sich gegenseitig. Die Medien sind neutral und wissen von nichts. Der Begriff Klimakatastrophe kommt nicht einmal vor. Wichtig ist nur, dass ein Deutscher sein Luxusanwesen verloren hat.

„Zu den zerstörten Anwesen gehört auch das von TV-Moderator Thomas Gottschalk“.

Nein, Europa ist kein Elitenprojekt, wie der SPIEGEL behauptet. Das könnte den Medien so passen, die nichts lieber tun, als Eliten zu illuminieren, um sich selbst in ihnen zu spiegeln. Hat Macron zu seinem militaristischen Spektakel auch die Völker eingeladen? Flanierten Menschen aus ganz Europa über die Prachtstraßen von Paris, ein fröhliches Fest der Völkerverständigung feiernd? Wer betreibt denn, seit Absage an das Ende friedloser Geschichte, die Wiederaufrüstung der Nationen, die Errichtung von Gräben und Mauern, die Abschottung darwinistischer Staaten?

Die SZ bewundert die Inszenierungskünste des französischen Präsidenten:

„Frankreich versteht sich auf die ganz große Inszenierung, die an Geist und Seele zugleich appelliert und ein Pathos verbreitet, das nicht hohl, sondern bedeutungsreich ist.“ (Sueddeutsche.de)

An den remilitarisierten Geist, an die heldenhafte Seele? Eine Demonstration militärischer Macht soll den Triumph des Friedenswillens darstellen? Der Wille zu ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXVII

Tagesmail - Freitag, den 09. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVII,

da ist sie wieder, die Warnung, an die wir uns gewöhnt haben. Spiel mir das Lied vom Tod. Aber so, dass ich nicht auf die Straße renne, um jeden Passanten anzuschreien. Wir verstummen, um unsere eigenen Stimmen zu ersticken – die uns Tag und Nacht verfolgen.

„Beim CO2-Ausstoß ist keine Trendwende in Sicht – im Gegenteil: Die Emissionen der Menschheit würden 2018 vermutlich um zwei Prozent steigen. Die gegenwärtige Situation sei für ihn als Klimaforscher «frustrierend», sagt Rockström. «Wir hatten noch nie so viele Belege für die Gefahren des Klimawandels.» Zugleich kenne man gangbare Wege, um die Erderwärmung zu begrenzen. Doch die Staatengemeinschaft habe diesen Weg bislang nicht eingeschlagen. «Wir sind in einer sehr ernsten Situation.»" (SPIEGEL.de)

Müssten nicht alle Politiker nur über dieses Thema reden? Nicht alle Gazetten nur über dieses Thema schreiben und sich standhaft weigern, über das tägliche Theater der Polit-Marionetten zu berichten, als ginge es um irgendetwas?

Es werden Umfragen in Auftrag gegeben, die zeigen sollen, wie gut es übersättigten Menschen zu gehen hat: „Wenn Sie Ihre Situation mit der von Flüchtenden im schwankenden Schlauchboot vergleichen: wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Lage?“

Suggestive Fragen – die nicht veröffentlicht werden – erhalten jene Antworten, die den Mächtigen grünes Licht zeigen: weiter so, wir befinden uns im Gleitflug in … Ja, in was? In die Unsterblichkeit? In die endgültige Überwindung von Gefühlen und Gedanken, die uns warnen, ungerührt weiterzumachen wie bisher?

Wenn wir Glück haben, wird Natur uns plötzlich und mit einem Schlag von der Tenne fegen. Davon könnten wir nur träumen. Wahrscheinlicher ist es, dass Milliarden ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXVI

Tagesmail - Mittwoch, den 07. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXVI, 

es waren Frauen, die die Wahlen gewannen. Mister Trump und seine Erektionskumpane werden sich noch wundern, wenn kesse Rivalinnen bei der nächsten Begegnung ganz beiläufig in den präsidentiellen Schritt fassen – um sich mit spöttischem Lächeln abzuwenden.

Erhält die Welt eine Chance, friedlich zusammenzuwachsen und die geschundene Natur zu retten? Ohne universalistische Frauen wird das nicht mehr gehen. Wer für Leben zuständig ist, weiß, dass alles Leben geschützt werden muss, um das eigene zu retten.

Partikularismus – oder technischer, nationaler und religiöser Überlegenheitswahn – ist nicht nur von allen Geistern verlassen, sondern selbstmordgefährdet. Nicht mehr lange und die Amerikaner werden ihren Urkonflikt auskämpfen: Ist Universalismus eine religiöse Angelegenheit oder muss das Heilige dorthin verbannt werden, wo es kein Unheil mehr anrichtet: ins Kämmerchen?

Wer sich und seine kostbare Seele retten will, soll das mit seinem Gott ausmachen.

Wer sich und die Welt retten will, muss das mit der Menschheit ausmachen.

Was hingegen geschieht in Europa, bis vor kurzem das bewunderte Labor der Völkerverständigung in aller Welt?

„Emmanuel Macron fordert die Bildung einer gemeinsamen europäischen Armee. ohne eine "wahre europäische Armee" könnten die Europäer nicht verteidigt werden. Mit Blick auf "Russland, das an unseren Grenzen steht und das zur Bedrohung werden könnte", dürften sich die Europäer "nicht allein auf die USA verlassen". Macron begründete seine Forderung mit der Warnung vor "autoritären Mächten, die an den Grenzen Europas aufsteigen und die sich wieder bewaffnen". Europa müsse sich verteidigen "mit Blick auf China, auf Russland und sogar auf die USA". Der von ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXV

Tagesmail - Montag, den 05. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXV,

kein einziges gemeinsames politisches Fest für ganz Europa, auf dem 28 Nationen den Triumph der Freiheit und die Überwindung uralter Feindschaften zusammen feiern könnten.

In Deutschland noch verheerender. Am obersten Fest nationaler Herzen wird ein Reformator gefeiert, dessen Freiheit eines Christenmenschen in der Selbsterniedrigung unter einen rachsüchtigen Gott und dessen Obrigkeiten – und in der Zertrümmerung jeder menschenwürdigen Moral besteht. Dass Moral in Deutschland einen schlechten Klang hat, ist das Werk eines Mönchs, dessen Hass auf die selbstbestimmte Welt keine Grenzen kannte.

„Dass er uns errette von dieser Welt“: das war der einzige Lebenszweck eines Menschen, der die ganze Welt vernichten wollte, um den Menschen von dieser Pestbeule zu erlösen. Es ist die schlimmste Krankheit, die Menschen befallen kann: wenn sie aus Unfähigkeit, auf Erden ein erfülltes Leben zu führen, eine gespenstische Gegenwelt erfinden, die die wohlvertraute, mütterliche Welt in Trümmer legen muss. Da es weder Gott noch Überwelt gibt, müssen sie, was sie glauben, selber herstellen. Den Prozess allmählicher Selbstvernichtung durch grenzenlose Machtanhäufung nennen sie Fortschritt.

Deutschlands Feste sind religiöse Weltzertrümmerungsfeste.

„O Welt, ich muss dich lassen,
ich fahr dahin mein Straßen
ins ewig Vaterland.
Mein Geist will ich aufgeben,
dazu mein Leib und Leben
legen in Gottes gnädig Hand.“

Die Religion des Westens ist Kosmos-Verachtung. Mit dieser hasserfüllten Religion ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXIV

Tagesmail - Freitag, den 02. November 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIV,

„Besser ist es, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen." (Milton)

Spätestens am Dienstag werden wir keine Illusionen mehr haben, ob Trump nur ein kleiner Unfall Amerikas war. Oder ob der westliche Zug sich allmählich aller humanen Ziele entschlagen und in Richtung Hölle fahren wird. Dann hätte er lange genug dem „Himmel“ in Knechtschaft gedient und wäre fortan bestrebt, lieber in höllischer Freiheit das Unmenschliche zu tun, als sich dem Guten charakterlos zu unterwerfen.

John Miltons Satz ist das Motto Steve Bannons, der die westliche Rechte einigen und für den Endkampf mit China und Russland rüsten will. Mehr als ein halbes Jahrhundert himmlische Nachkriegs-Verhältnisse, die nichts anderes waren als zunehmend gottfern-humane: das reichte den amerikanischen Frommen endgültig. Solange sie auf der siegreichen Seite waren, haben sie ihr Misstrauen gegen die aufkommende Vernunft unterdrückt. Seitdem es abwärts geht mit der american glory, werden der sündigen, undankbaren Welt uralte unabgegoltene Rechnungen präsentiert.

Deutschland, in der Wüste des Wohlstands orientierungslos umherirrend, wird dem überseeischen Mose die Gefolgschaft nicht verweigern – obgleich es sich dem amerikanischen Biblizismus überlegen fühlt. Wie könnte das Land uralten Mythen folgen, wenn es dieselben längst überwunden hat?

Das ist der Fluch der Verschmelzung zweier unverträglicher Kulturen oder: der erzwungenen Synthese aus Heiligem und Rationalem. Wenn Himmel zum autonomen Guten wird, kann der Protest gegen himmlische Despotie sich als Empörung gegen die irdische Vernunft darstellen – und damit missverstehen.

In theologischen Metaphern: Wohin steuert die christliche Weltpolitik? Folgt sie den Fußstapfen des Herrn – oder denen des Teufels? Des Herrn, den sie mit dem ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXIII

Tagesmail - Mittwoch, den 31. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXIII,

„Abschied in Würde“ hieß einst: Im Felde unbesiegt. Eine deutsche Heldin lässt sich von schnöden Wahlen nicht davonjagen. Sie geht von selbst, indem sie ihren Kursverfall in den Triumph einer einsamen Siegerin verwandelt: ihr jagt mich nicht davon. Selbstbestimmung gibt es im kapitalistischen Leben nicht, der Abgang aber muss autonom sein. Früher hieß dies: mit entblößtem Haupt vor Gott.

Schon jetzt beginnt sich die postmortale Stimmung eines Muttermords auszubreiten, nur dürftig überdeckt durch die Hektik prophetischer Zukunftsspiele.

„So viele Nachfolge-Kandidaten in der CDU, das hat es noch nie gegeben. Ja, das nennt man Demokratie.“ Tatsächlich, für den Hauch eines Augenblicks wurde sie gesichtet: die seltsame Demokratie. Was reichen muss für die nächsten Jahre. Mit Demokratie sollte man nicht übertreiben. In die raunenden Schwatzrunden werden bewährte alte Granden eingeladen, um den seltenen Schicksalsmoment auszuzeichnen. In der Phönix-Runde saßen Michael Stürmer und Ullrich Deppendorf.

Zum heroischen Abgang die heroischen Worte:

„Das Bild, das die Regierung abgibt, ist inakzeptabel. Die Sacharbeit hatte keine Chance, wahrgenommen zu werden. Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren – und das habe ich nie vergessen.“

Das wäre ja elitärster Rassismus: als Kanzlerin geboren werden. Was dementiert sie da, was niemand behauptet hat? Der amerikanische Traum wurde Realität im vereinigten Deutschland: selbst fromme Ossi-Mädchen können, mit Gottes Hilfe, im Wessi-Kapitalismus etwas werden.

Doch an ihrer einmaligen Erfolgspolitik lässt sie keinen Zweifel: das Bild der Regierung ist inakzeptabel, nicht die Wirklichkeit derselben. Die Sacharbeit hatte ...

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Sofort, Hier und Jetzt XXXII

Tagesmail - Montag, den 29. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XXXII,

als Denis Yücel in der Türkei gefangen genommen wurde, war der Protest der deutschen Medien einhellig. Jetzt soll der türkische Regierungskritiker und Journalist Adil Yigit, der seit 36 Jahren in Deutschland lebt, ausgewiesen werden: kein nennenswerter Protest bei den Gazetten.

Merkel braucht das Wohlwollen Erdogans, um den Deutschen Millionen von Flüchtlingen vom Leibe zu halten. In ihrer politischen Verfallszeit schreckt sie nicht mehr vor Säuberungsmaßnahmen autokratischer Regimes zurück. Wenn Macht schwindet, wird sie erst recht gefährlich.

„Der Journalist führt die Entscheidung auf seine prominente Protestaktion während einer Pressekonferenz des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt Ende September zurück. Damals trug der in Hamburg lebende Yigit ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei". Als es zu Unruhe kam, griffen deutsche Sicherheitskräfte ein und brachten Yigit aus dem Saal. Erdogan lächelte. „Das hängt zusammen, anders kann es garnicht sein", sagte Yigit, der eigenen Angaben zufolge seit 36 Jahren in Deutschland lebt. Schon im vergangenen Jahr lag bereits einmal ein entsprechender Bescheid vor. Aber der Chef der Hamburger Ausländerbehörde habe ihm versprochen, man werde schon eine Lösung finden. Als Gründe für die Ausweisung gebe die Behörde an, dass er nicht erwerbstätig sei und nicht bei seinen Kindern lebe.“ (SPIEGEL.de)

Ist es ein Verbrechen gegen den Kapitalismus, nicht erwerbstätig zu sein und sich nur aus lohnunabhängigen Motiven für Demokratie einzusetzen? Alle Väter seien gewarnt, die nicht bei ihren Kindern leben. Das ist Merkels neue Nächstenliebe: einmal eine gute Tat, danach 99 schlechte.

Je mehr die Trumps und Bolsonaros sich durchsetzen und der Westen sich zu einem theokratischen Block zurückbildet, je mehr werden urdemokratische Freiheitsrechte geschleift. Je mehr starke Männer das Kommando in der Welt übernehmen, umso ...

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